„Nimm’s doch nicht so wichtig“

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Okt. 072009
 

Die großmächtig angekündigte Bewerbung war überflüssig. Man meldet sich bei solchen Elterntreffen zu Wort, kündigt seine Bereitschaft an, ein Ehrenamt zu übernehmen, und wird dann meist auch gewählt. Ich habe nur wenig gesagt, sprach mich in meiner einzigen Wortmeldung dafür aus, dass die Informationsblätter der Schule an die Eltern nur in deutscher Sprache verfasst werden sollten.

Zum Glück war unsere bisherige GEV-Vorsitzende, Frau Krüger, bereit, diese Aufgabe weiter zu übernehmen. Ich wurde zu ihrem Stellvertreter gewählt, nachdem sich niemand anderes gemeldet hatte. Ich halte die Grundschulen für äußerst wichtig. Hier entscheiden sich Schulkarrieren, hier entscheidet sich die Zukunft des Landes.

Deshalb werde ich das weiterhin sehr wichtig nehmen, was an unserer Grundschule geschieht.

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Ein leuchtendes Leitbild für Kreuzbergs Grundschulen

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Okt. 072009
 

Vor der Sitzung der Gesamtelternvertretung an der Kreuzberger Fanny-Hensel-Schule nehme ich  mir eine volle Stunde Zeit, um all meine über Jahrzehnte hinweg gesammelten Erfahrungen an Kreuzberger Grundschulen in wenigen Worten darzulegen. Wer weiß, vielleicht würde es ja um ein zu vergebendes Amt zu kämpfen gelten? Ich kenne das aus den USA! Jedes öffentliche Ehrenamt ist dort ein Amt, das Ehre bringt. Man bewirbt sich darum, gerne auch mit einem Flyer oder einem Bild.

 

Ich  werde mich so bewerben:

 

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Johannes Hampel

Elternvertreter der Klasse 1/2/3 D

in der Fanny-Hensel-Grundschule

 

 

Bewerbung als Elternsprecher der Fanny-Hensel-Grundschule

 

Meine Leitsätze: Wir haben wunderbare Kinder! Wir haben eine sehr gute Schule! Wir gehören alle dazu!

Meine Ziele: Die Fanny-Hensel-Grundschule soll stolz auf alle Menschen sein, die in ihr arbeiten und lernen. Jedes Kind soll sich in ihr stark fühlen.

Unser Weg: Sprache, Kunst, Tanz, Musik, Theater. Gutes Deutsch für alle! Deshalb: Unsere Kinder brauchen ein gutes Lesebuch, das sie mit vielen Gedichten und Geschichten begleitet und zusammen mit den Lehrern zu gutem, akzentfreiem Deutsch führt.

Die Zugehörigkeit zur Schule soll sich in äußeren Zeichen ausdrücken, etwa in Losungen für den Tag oder die Woche, in einer gesungenen Schul-Hymne, in gemeinsamen Festen oder auch in einem Schulpullover.

Zur Person:  Aufgewachsen bin ich in Augsburg/Bayern. Ich lebte und arbeitete nach dem Studium 3 Jahre in Italien. Derzeitiger Beruf: Dolmetscher für Englisch und Italienisch. 2 Söhne, 25 und 7 Jahre alt. Beide in Kreuzberg zur Grundschule gegangen und gehend. Eine Leidenschaft: die Geige.

2000-2002: Gesamtelternsprecher an der Berliner Walther-Rathenau-Oberschule, zugleich Mitarbeit im Bezirkselternausschuss (BEA) Charlottenburg-Wilmersdorf. 2004-2005: Anregungen und musikalische Späße für die Schöneberger Kita am Kleistpark, die mittlerweile eine sehr erfolgreiche „musikbetonte Kita“ geworden ist.

Derzeit zusammen mit meiner russischen Frau Irina Potapenko ehrenamtlich Theateraufführungen und Konzerte in Kindergärten, Schulen und in Kirchen, vorzugsweise Mozarts Zauberflöte. Beim ADFC (Fahrradclub) Berlin Sprecher der Stadtteilgruppe Friedrichshain-Kreuzberg.  

Das Bild zeigt mich bei der Aufführung der Mozartschen Zauberflöte in der Fanny-Hensel-Grundschule.  In meinem persönlichen Blog schreibe ich immer wieder Wichtiges und Unwichtiges über die Frage, „wie wir unsere Kinder erziehen wollen“. Besucher sind willkommen!

 

http://johanneshampel.online.de

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„Ein leuchtendes Vorbild“

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Okt. 062009
 

Hamburg: Humorvoller Videoclip informiert über die Gefahren mangelhafter Fahrradbeleuchtung – Fahrradportal > Aktuell > Neuigkeiten – Fahrradportal Nationaler Radverkehrsplan

Gut gemachter Videoclip über die die Herrlichkeit einer gut funktionierenden Fahrradbeleuchtung! Bei vielen Debatten über den Straßenverkehr werfe ich den Begriff des Vorbildes in den Raum. Oder ich stelle ihn einfach mal so hin. Denn Rummosern bringt wenig.

So auch in der neuesten Radzeit, dem beliebten Fachblatt der Fahrradstadt Berlin, das diesmal dem Hauptthema „Sicher zur Schule“ gewidmet ist. „Das eigene Vorbild wird positiv aufgenommen„,  töne ich da. – Das ist zwar kein vorbildlich gutes Deutsch, aber es gibt meine Empfindung wider.

Ich habe immer wieder das Gespräch mit den radelnden Regelbrechern gesucht, um etwas über dieses ärgerliche Verhalten zu erfahren. „Lass mich in Ruhe“, „ich fahre, wie es mir passt“, „hier in Berlin fahren alle so, Sie sind wohl nicht aus Berlin?“, waren die freundlichsten Antworten. Die Beleidigungen versuche ich zu vergessen und habe sie auch schon vergessen.

Es fehlt bei sehr vielen Radfahrenden an Bewusstsein für das, was sie bewirken. Wenn ich mit Fußgängern, Kindern, Lehrern, Erziehern, Autofahrern oder Politikern aus den verschiedensten Parteien spreche, schlägt mir sehr viel Verärgerung und mitunter regelrechte Wut auf uns Radfahrer entgegegen.

Einen großen Teil der Radfahr-Erziehung für meinen 7-jährigen Sohn Wanja nimmt mein Bestreben ein, ihn zur Beachtung der grundlegendsten Verkehrsregeln anzuhalten, auch wenn er Stunde um Stunde, Tag um Tag sieht, dass sich sehr viele oder vielleicht sogar die meisten Berliner Radfahrer nicht ans Rotlicht, nicht an Regeln, nicht an das Gebot der Rücksichtnahme halten. Ich versuche ihm begreiflich zu machen, dass Regeln im menschlichen Zusammenleben unerlässlich sind – auch im Straßenverkehr. „Wenn du dich selbst nicht an Regeln hältst, kannst du es auch nicht von anderen erwarten.“

Ich meine: Wir sollten uns stets beispielhaft verhalten und auch unseren Einsatz für bessere Bedingungen im Radverkehr fortsetzen.

Wir stehen in der Pflicht, uns in die Öffentlichkeit hinein klar, wiederholt und eindrücklich für Rücksicht, Freundlichkeit und Regeltreue einzusetzen.

Ich werde dieses Thema bereits am heutigen Dienstag als gewählter Elternsprecher in der Gesamtelternvertretung der Fanny-Hensel-Grundschule in Kreuzberg anschneiden. Wir alle sollten die Vernetzung mit Akteuren aus Schule, Politik und Verwaltung suchen und ausbauen.

Ich meine, es geht nicht nur um unser Image, es geht um eine Ethik des Radfahrens.

Allerdings erhalte ich auch viel Lob für vobildliches Verhalten, für Rücksicht und Vorsicht! „Mann, endlich ein Radfahrer, der bei Rot anhält!“, hörte ich einmal einen BSR-Müllkutscher. Der Mann kurbelte eigens sein Fenster herunter. Das will etwas heißen!

Ich versuche, Fußgängern zuzulächeln, so oft es geht. Ich bedanke mich durch freundliches Winken bei Autofahrern, wenn sie sich fair und rücksichtsvoll verhalten. Ich suche jederzeit Augenkontakt und sende kurze, freundliche Gesten aus. Der Klimawandel auf Berlins Straßen ist möglich! Wir können ihn alle gemeinsam bewirken. Jede Fahrradfahrt kann zur Quelle von guten Begegnungen werden. Wir sind stark. Freundlichkeit setzt sich durch.

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Okt. 062009
 

Zu meiner großen Genugtuung wird mir soeben gemeldet, dass der Berliner Landesverfassungsgerichtshof entschieden hat: Das Kita-Volksbegehren ist gültig! Damit hat sich der Einsatz gelohnt. Ich selbst habe auch ein paar Unterschriften gesammelt. In diesem Blog haben wir am 27.04.2008 und am 27.02.2009 über das Kita-Volksbegehren berichtet und uns als Unterstützer zu erkennen gegeben.

Es geht nur um einen Betrag von 90 bis 165 Millionen, durch den dieses Gesetz in die Budgethoheit des Landes Berlin eingegriffen hätte. Gut so! Was hat denn direkte Demokratie für einen Sinn, wenn wir Bürger nicht auch über das Geld mitbestimmen dürfen! Für Bildung muss dieses Geld da sein.

Also, Mütter, Väter, Kinderlose! Fleißig in die Hände gespuckt – wir müssen die Einkünfte des Staates durch Fleiß und Tüchtigkeit mehren, damit die Mehrausgaben nicht unseren Kindern zur Last fallen! Eine kleine Rechnung ergibt: Wir müssen netto mehr arbeiten und mehr Steuern zahlen, damit der Staat mehr Geld für Kinderbetreuung ausgeben kann. Während dieser Mehrarbeit stehen wir als Eltern unseren Kindern nicht für die Betreuung zur Verfügung. Weniger Zeit für Kinder.

Landesverfassungsgericht – Richter erklären Berliner Kita-Volksbegehren für gültig – Berlin – Berliner Morgenpost
Mehr Zeit und mehr Geld für die Betreuung von Kindern hatten die Initiatoren des Kita-Volksbegehrens gefordert und dafür mehr als 66.000 Unterschriften gesammelt. Doch der Berliner Senat ignorierte das Ergebnis – mit Verweis auf die Kosten. Nun hat der Landesverfassungsgerichtshof entschieden, dass eine Ablehnung des Kita-Volksbegehrens durch den Senat mit der Verfassung von Berlin nicht vereinbar ist.

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„Es ist an mir das für mein Leben zu verändern“

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Okt. 052009
 

Einige wenige gute Kommentare zu Thilo Sarrazins Interview sind mittlerweile erschienen. Einer davon im Tagesspiegel: Prüfen statt prügeln.  Zwar lässt auch Peter von Becker nicht erkennen, dass er über längere Zeit mit uns Migrantenfamilien zusammengelebt hat. Dann würde er nicht erneut von schlechter Integration der Türken und Araber sprechen. Denn sie sind doch hervorragend integriert, sowohl untereinander als auch ins deutsche Hilfesystem. Und sie haben  auch ein überdurchschnittlich hohes Einkommen, wenn man es mit dem Durchschnittseinkommen in den Herkunftsländern vergleicht. Das muss selbstverständlich die Basis der Betrachtung sein. Genau dieser Abstand ist es doch, der Jahr um Jahr zu den vielen neuen, nachholenden Eheschließungen anregt. Weshalb die Mütter und Väter nach meinen Beobachtungen Jahr um Jahr weniger Deutsch können. Daraus ist niemand ein Vorwurf zu machen.  Jeder Mensch wird dahin gehen, wo er den in seiner Perspektive besten, vernünftigsten und vertretbarsten Lebensstandard mit der geringsten Mühe erreichen kann.

Aber Peter von Becker  gesteht immerhin zu, dass Sarrazin auf hohem Niveau und mit großer Sachkenntnis beleidigt.

In den Online-Kommentaren fischte ich folgendes goldene Zitat des Lesers creaturiv heraus:

Prüfen statt prügeln
Ein Jugendlicher mit türkischem Migrationshintergrund mit dem ich in Mannheim zusammenarbeitete drückte es in einem Radiointerview mal so aus: „Als meine Eltern nach D kamen, dachten sie es wäre nur für ein paar Jahre. Meine Mutter hat drei Kinder großzuziehen und keine Zeit für einen Deutschkurs. Mein VAter hat auf dem Bau gearbeitet und ist von einer Baustelle zur nächsten geschickt worden und hat mit anderen Gastarbeitern in Containern gelebt, der hatte auch keine Zeit für einen Deutschkurs. Es tut mir leid für meine Eltern, aber ich mache ihnen keinen Vorwurf. Es ist an mir das für mein Leben zu verändern.“
Ebenfalls in Mannheim hatte ich mit einem anderen Jugendlichen 12 Jahr zu tun, der sich bei mir bitter darüber beklagte, das er immer als Türke bezeichnet werden würde, obwohl er hier geboren sei, nur einen Deutschen Pass habe und noch nie in der Türkei gewesen sei. Ich könnte noch zahllose solcher Geschichten erzählen.

 Posted by at 11:25
Okt. 032009
 

Als Mitglied des Bundesbankvorstands ist Sarrazin nicht mehr zu halten. Darin stimme ich den Kritikern Sarrazins zu. In seiner Funktion hätte er sich niemals zu so kühnen, in vielerlei Hinsicht zutreffenden, aber in vieler Hinsicht verächtlichen Feststellungen hinreißen lassen dürfen. Wollte er entlassen werden? Wollte er wieder zum einfachen Bürger Thilo Sarrazin werden?

Interessant zu sehen, wie der Schuss Sarrazins nach hinten losgeht! Statt über die Themen zu diskutieren, überlegen die Sarrazin-Jäger, wie sie ihn am besten abschießen können. „Sarrazin gehört abgeschossen!“ so oder so ähnlich kann man es wörtlich in der Presse lesen.  Und ähnlich wie in ganz anderem Zusammenhang dies Gregor Gysi zur eigenen Verteidigung tat, wird das gesamte Arsenal des Strafrechts gezückt, um den unbequemen Querkopf zum Schweigen zu bringen.

Man lese das Interview Sarrazins im Ganzen! Dann wird man erkennen, dass er zur Integration sehr viel Gutes, Zielführendes gesagt hat! Die Kritiker reißen einzelne Sätze aus dem Zusammenhang und entstellen dadurch den von Sarrazin gemeinten Sinn, verkehren ihn ins genaue Gegenteil!

Sehr klarsichtiges Interview mit Vlad Georgescu bei Spiegel online – mit einem der Gründer der Migrantenpartei! Er und seine Mitstreiter haben sehr klar erkannt, dass die Migranten ein unbeackertes Feld der 5 großen deutschen Parteien sind. Zwar wählen die meisten traditionell SPD und die Linke. Denn die SPD und die Linke vertreten genau dieselbe paternalistische Klientelpolitik, die die meisten Migranten aus ihren Herkunftsländern gewöhnt sind. „Ich schenke Dir eine weitere Beratungsstelle für MigrantInnen aus Deinem Herkunftsland, mit 2 Vollzeitanstellungen und zwei Teilzeitstellen, und du führst mir 1000 Wählerstimmen zu.“ So läuft es doch.

Aber mich persönlich überzeugt keine der 5 Parteien (SPD, Linke, CDU, FDP, Grüne). Keine der bestehenden Parteien hat das Thema wirklich gründlich genug durchdacht. Deshalb auch immer wieder solche Verkehrsunfälle wie die Äußerungen Sarrazins. Da kaum jemand die Lage vor Ort bei uns Migrantenfamilien kennt, da wir ja eine freiwillige Apartheid haben – fallen die Leute aus allen Wolken, wenn jemand aus dem Nähkästchen plaudert, wenn er die geballte Wucht der Daten zu politischen Schlussfolgerungen nutzt.

Die Migranten können es sich erneut behaglich in ihrem Opferstatus einrichten, der ja nun schon einige Jahrzehnte lang dauert. Sie werden noch in 100 oder 200 oder 500 Jahren sich als „sozial Benachteiligte“ ausgeben, wie es ja ein Großteil der Schwarzen in den USA bis zum heutigen Tage ebenfalls tut. Mit einem riesigen Unterschied: Die entfernten Vorfahren der Schwarzen kamen gegen ihren Willen, sie wurden verschleppt, gequält und gefoltert.

Die heutigen Migranten kamen alle freiwillig. Sie konnten sich für oder gegen dieses Land entscheiden. Sie genießen volle Rechte auf Bildung und Aufstieg, wenn sie es denn wollten.  Sie sind privilegiert gegenüber den Bürgern in den Herkunftsländern, die keinerlei vergleichbare soziale Sicherungssysteme haben.  Jeder, der sagt: „Wir sind alle Deutsche, wir wollen hier leben, das ist unsere Heimat„, dem steht das Land mit all seinen faszinierenden Möglichkeiten offen. Wer dies erkennt, der ist nicht benachteiligt, sondern der ist bevorzugt!

Wie ihr wisst, bin ich selbst offiziell Mitglied einer Familie „mit Migrationshintergrund“,  bin mit einer Ausländerin verheiratet. Wie wir in Deutschland uns hier in Berlin über die Jahrzehnte dauerhaft hilfsbedürftige Menschen, freiwillig bevorzugte Menschen herangezogen und hereingeholt haben, das löst bei uns immer wieder Kopfschütteln aus. Hier gilt es umzusteuern. So kann es nicht weitergehen. Darüber brauchen wir eine Debatte! Wir brauchen keine Debatte darüber, wie man Thilo Sarrazin, den Verkünder unbequemer Wahrheiten schnellstmöglich mit den Waffen der medialen Ächtung und des Strafrechts züchtigen kann.

Migrantenpartei gegründet – “Sarrazin gehört gefeuert“ – Politik – sueddeutsche.de
Georgescu: Wir sind uns dessen bewusst. Es gibt auch Migrantengruppen, die sich bislang überhaupt noch nicht miteinander ausgetauscht haben. Trotzdem glauben wir, dass es einen verbindenden Faktor gibt, der uns dabei hilft: Wir sind alle Deutsche, wir wollen hier leben, das ist unsere Heimat.

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„Schäm dich, Thilo!“

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Okt. 022009
 

„Soso, Sie führen also volksverhetzende Literatur?“, fragte ich bohrend meine guten Bekannten, die Buchverkäuferinnen im Buchladen Anagramm am Mehringdamm. „Die nehme ich!“ Danach räumte ich ein Exemplar der Zeitschrift Lettre International, bezahlte pflichtgemäß 17 Euro und zog ab. Das Interview mit Thilo Sarrazin muss man ganz lesen, ehe man sich ein Urteil erlaubt. Mich stört vieles an Sarrazins Tonlage, an einer gewissen Kaltschnäuzigkeit, an seiner abkanzelnden Art. So ist er halt.

Was mich aber noch mehr stört, ist, dass jetzt eine wahre Meute von Journalisten, Politikern, Kollegen über ihn herfällt, ohne erkennbar auf das Thema einzugehen: eine in Berlin weitverbreitete Empfänger- und Anspruchsmentalität, die auf Dauer die Eigeninitiative, das selbstverantwortete Leben zu ersticken droht. Und ein bei weitem nicht gelöstes, ja vielleicht nicht einmal erkanntes Problem mit dauerhaft vom Sozialsystem abhängigen Nachbarschaften, Stadtvierteln, ja halben Stadtbezirken.

Worin Sarrazin recht hat, ist: Wir haben in Berlin geschlossene parallele Volksgruppen aus der Türkei und aus arabischen Ländern. Sie begreifen sich selbst vorrangig – teils aus eigenem Entschluss, teils wegen ablehnender Signale – als Angehörige dieser fest in Berlin etablierten ethnischen Gruppen, nicht als Bürger des Gemeinwesens Bundesrepublik Deutschland. Oder überlegen Sie einmal: wann haben Sie zum letzten Mal länger als fünf Minuten mit einem Migranten geredet? Wann zuletzt einen zu sich in die Wohnung eingeladen?

Einen Triumph darf schon einmal die Migranten-Lobby feiern:

Bundesbanker beleidigt Migranten: Ist Sarrazin ein Volksverhetzer? – taz.de
Die Türkische Gemeinde in Deutschland sieht sieht die Debatte über abfällige Äußerungen des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin zu Einwanderern in Berlin nun als beendet an. „Sarrazin hat sich entschuldigt und eingeräumt, dass seine Aussagen missverständlich waren“, sagte der TGD-Vorsitzende Kenan Kolat am Freitag in Berlin. „Der Fall ist damit für uns erledigt. Wir hoffen, dass Sarrazin in Zukunft keine Äußerungen dieser Art mehr macht.“

„Thilo, in die Ecke!“ Kolat sagt also irgendwie: Das Problem gibt es nicht, Sarrazin hat unrecht, lasst uns weitermachen wie bisher. Wir lernen daraus: Jeder, der ein bisschen Tacheles redet, redet fortan unter dem Damoklesschwert der Strafanzeige – oder schlimmer noch, des SPD-Parteiausschlusses, wie ihn Frau Högl MdB soeben gefordert hat.

Es wird schon beim ersten Lesen klar, dass Thilo Sarrazin sich im Ton vergriffen hat, dass er manche polemisch zugespitzte Äußerung haarscharf am Ziel vorbei setzt. Vieles an seinen Worten muss beleidigend klingen. Aber es entspringt dem Unmut eines Bürgers, der Einblick in Zahlenwerke und Berichte hat, die niemals das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben, weil sie allzu niederschmetternde Befunde aufweisen würden.

Allerdings: Wenn man mit Mitarbeitern des Neuköllner Sozialamts oder mit Schulleitern aus Wedding spricht, wird man ganz Ähnliches hören können wie das, worüber alle Welt aus den gutgewärmten Redaktionen und zuverlässig bezahlten Funktionärseliten sich jetzt so maßlos, selbstgerecht und selbstgefällig ereifert.  Das Empörende ist, dass Thilo Sarrazin das ausspricht, was die Menschen vor Ort, die in den Sozialämtern, Schulämtern, Klassenkonferenzen schier verzweifeln, im stillen Kämmerlein denken. Selbstverständlich ohne es je laut auszusprechen.

Auf Thilo Sarrazin einzuprügeln, weil er sich so weit vorgewagt hat und sich derb im Ton verstiegen hat, wird diese Probleme nicht lösen. Im Gegenteil: Sie werden durch Verschweigen eher noch anwachsen.

Ich fordere also auf, das lange 5-seitige Interview mit Thilo Sarrazin ganz zu lesen, ehe man darüber den Stab bricht. Es ist beileibe keine Volksverhetzung, sondern eine wütende Anklage – und es enthält auch Vorschläge, wie man es besser machen kann.

Klasse statt Masse. Von der Hauptstadt der Transferleistungen zur Metropole der Eliten. Thilo Sarrazin im Gespäch. In: Lettre international. Nr. 86, Herbst 2009, S. 197-201

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Sep. 302009
 

Bildungsmonitor 2009 – Downloads

Ein genaueres Hinsehen verlangt der Bildungsmonitor 2009. Für uns erstaunlich: Berlin belegt im Gesamtranking der 16 Bundesländer weiterhin den schlechtesten Platz, während das Ausbildungsniveau des Personals der Kitas, Schulen und Universitäten das beste unter allen Bundesländern ist (Berlin: 79,44 Punkte, Bayern: 26,31 Punkte). Das Personal in Berlin wäre also wesentlich besser ausgebildet als in Bayern.

Was Bildungsarmut angeht, liegt Berlin auf dem zweitschlechtesten Platz, während die Förderinfrastruktur der Stadt die beste bundesweit ist. Wir haben inBerlin sehr gute ganztägige Bildungsangebote und ein hohes Ausbildungsniveau beim Personal der Kinderbetreuung. Dennoch gibt es sehr viel Bildungsarmut, sehr viele Schulabbrecher, sehr viele Menschen ohne Bildungsabschluss.

Diese Mess-Ergebnisse decken sich mit meinen Beobachtungen in verschiedenen Bundesländern.  Ich kann das Reden über die mangelnde Unterrichtsqualität in Berliner Schulen nicht mehr hören. Während ich noch bis vor wenigen Monaten die Lehrer über den Schellenkönig lobte, denen ich zufällig begegnete, neige ich nunmehr der Auffassung zu, dass die Berliner Lehrer insgesamt überdurchschnittlich gut ausgebildet sind. Sie sind wirklich gut, aber nicht nur dank eigenen Fleißes, sondern auch dank guter Ausbildung. Das besagt ja auch dieser Bildunsgmonitor, der recht seriös daherkommt.

Worin liegen die schlechten Ergebnisse des gesamten Berliner Bildungswesens begründet? Ich meine: nicht im Bildungswesen selbst, sondern im außerschulischen Bereich. Davon bin ich mittlerweile überzeugt. Das Berliner Schulwesen ist viel besser, als die Ergebnisse vermuten lassen.

Es fehlt aber in vielen Familien, bei vielen Eltern und Kindern an der richtigen Einstellung zum Lernen. Viele Eltern meinen, die Kinder würden schon irgendwie mitgezogen. Die Ansprüche an das Gefördert-Werden sind grenzenlos! Berlin bemüht sich, diesen unersättlichen Hunger nach Gefördertwerden bestmöglich zu stillen.  Der Staat muss alles richten. Der Staat ist an allem schuld, so denken viele. Ein verheerender Irrtum, der unzählige verpasste Bildungschancen mit sich bringt!

Hier gilt es umzudenken!

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Warum kein Radweg am Gröbenufer? (2)

 Gröbenufer  Kommentare deaktiviert für Warum kein Radweg am Gröbenufer? (2)
Sep. 302009
 

subbotnik26042008.jpgDas Gröbenufer hatten wir schon einmal in diesem Blog erwähnt, und zwar am 14.05.2008. Dort, wo es keinen Fahrradweg gibt und geben wird, startete eine Fahrradtour durch unseren Bezirk. Das damalige Foto (hier noch einmal zu sehen) zeigte einige Litauer, die dort eine Entmüllungsaktion fröhlich zupackend veranstalteten. Die wunderschöne Litauerin werde ich wohl nie mehr wiedersehen, und das stimmt mich wehmütig.

Und da zeigt sich auch ein unterschiedliches Verhältnis zum öffentlichen Raum: Während unsere wackeren deutschen Grünen symbolisch den einen oder anderen uralten Namen ändern (so etwa das Gröbenufer) und sozusagen semantische Müllprobleme auftürmen, an denen sie sich dann unter beträchtlichem Einsatz von Hirnschmalz und Zeit abarbeiten können, packen die jungen Immigranten aus den jungen Demokratien selbst an, um etwas für die Umwelt zu tun. Diesen Gegensatz sehe ich immer wieder: Unsere östlichen Nachbarn tun etwas, wir reden und reden. Und manchmal wird demonstriert. Und dann heißt es: Das muss die BSR machen. Die BSR soll den Müll der Bürger wegschaffen. Wir rühren keinen Finger.

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Berliner Konferenz der Religionen – jetzt!

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Sep. 302009
 

Muslime dürfen auch in der Schule beten – Berliner Zeitung
Schulleiterin Brigitte Burchardt sagte am Dienstag, sie fühle sich mit den gesellschaftlichen Problemen an ihrer Schule allein gelassen.

Das ist der beste Satz berlinweit, den ich zu der ganzen Chose gehört und gelesen habe!

Diesen Satz entnehme ich der umfänglichen Berichterstattung über das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts, das dem Schüler Yunus M. erlaubt, sein Mittagsgebet an der Schule zu verrichten. Viel Falsches, viel Schiefes ist gesagt worden, sowohl über den Islam wie auch das Christentum.  So schreibt etwa Innensenator Körting heute im Tagesspiegel: „Das Kopftuch ist zugleich Symbol der fehlenden Gleichberechtigung der Frau.“ Falsch, Herr Körting. Wie kommen Sie zu so einem Urteil? Es gibt viele emanzipierte, akademisch gebildete muslimische Frauen, die das Kopftuch auch als Zeichen ihrer Unabhängigkeit von Bevormundung tragen. Es gibt viele russisch-orthodoxe Frauen, die beim Kirchgang das Kopftuch als Zeichen der Befreiung von der totalitären Ideologie des Kommunismus tragen. Auch in Berlin, soweit es Sie interessiert.

Aber hören wir Herrn Körting weiter: „So sind wir alle empört, wenn Papst Benedikt sich zur Verhütung und Abtreibung aus katholischer Sicht äußert.“ Alle – außer einem, nämlich mir, Herr Körting! Ich bin nicht empört. Empörung ist keine angemessene Reaktion auf das, was der Chef der mit 1,2 Mrd. Mitgliedern weltweit größten und weltweit ältesten heute bestehenden Organisation sagt.

Es herrscht eine große Blindheit im Umgang mit dem Islam und dem Christentum vor. Die Äußerungen des Herrn Körting sind mir ein weiterer Beleg dafür.

Meine Meinung zu diesem Streit: Jede Schule kann oder besser: soll einen Raum der Stille und der Besinnung einrichten. Dort können Schüler sich sammeln, sie können zu sich kommen, sie können beten. Der Raum soll religiös und weltanschaulich nicht gebunden sein. Es herrschen darin folgende Gebote: Keine Mediennutzung, keine Gespräche, kein Internet, kein Gameboy, kein MP3-Player. Keine Spiele, keine Provokationen und keine Empörungen. Nur dies: Stille – und Besinnung. Manche nennen dies Gebet.  Andere sagen: Ein stummes Gespräch mit einem Abwesenden. Mit einem, den es nicht gibt. Nun, so sei es! Das täte allen Schülern gut. In einem solchen Raum könnte Yunus M. sein Gebet verrichten. In Anwesenheit anderer, in Anwesenheit eines verkannt-unbekannten Anderen – oder auch allein.

Zur Besprechung all dieser ungelöster Fragen fordere ich dringend eine Berliner Konferenz der Religionen – jetzt oder möglichst bald. Es soll nicht nur um den Islam gehen, sondern auch um eine mögliche Zusammenarbeit der Religionen im öffentlichen Raum. Das Vorbild dafür sollte die von Innenminister Schäuble einberufene Islamkonferenz sein – nur alles eine Nummer kleiner, nämlich auf Bezirks- oder auf Landesebene angesiedelt. Den drei großen orientalischen Offenbarungsreligionen – also Judentum, Christentum und Islam – kommt dabei eine gewichtige Rolle zu. Man wird diese Religionen sicherlich nicht so schnell los, wie manche sich das wünschen.

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Sep. 292009
 

Immer wieder fahre ich am Gröbenufer entlang. Für Radfahrer schwierig, es fehlt eine gute Lösung, stattdessen holpert man gewaltig über das Pflaster.

Und wieder einmal liefern unsere Bezirksgrünen ein Beispiel ihrer sattsam bekannten Ersatzpolitik – oder ihres Politikersatzes. Gerade am Gröbenufer! Statt sich um ihr Kerngeschäft zu kümmern, etwa ökologisch überzeugende Verkehrspolitik, tauschen sie mal wieder Namensschilder aus.  Lest selbst:

Braucht Kreuzberg ein May-Ayim-Ufer?
Das kurze Stück Uferstraße war bislang benannt nach Otto Friedrich von der Gröben. Von der Gröben, geboren 1657, segelte seinerzeit als Leiter einer frühen Kolonialexpedition im Dienste des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich I. nach Afrika. An der Küste des heutigen Ghana hisste der Expeditionsleiter feierlich die brandenburgische Flagge und ließ ein Fort namens Großfriedrichsburg bauen.

Ich meine:

Die Grünen im Bezirk sollten sich endlich einmal ihrem Kerngeschäft widmen, etwa der Schaffung ökologisch verträglicher Strukturen im Verkehr. Dazu würde die Schaffung guter Verhältnisse für Fußgänger und Radfahrer gehören. Da tut sich viel zu wenig. Integration: Desaster! Die Schülerschaft ist von Klasse 1 an gespalten in Muslime und Nichtmuslime. Datenschutz: Nirgendwo werden die Meldedaten stärker von den Behörden kontrolliert als in Friedrichshain-Kreuzberg. Naturschutz: Warum pflanzen sich so wenige Exemplare der Tierart Homo sapiens hier fort und verlassen das Biotop, sobald sie Nachwuchs haben? Ist das Biotop etwa lebensfeindlich? Warum – oh ihr tüchtigen, wackeren Grünen – immer nur symbolische Politik, die den Menschen nur Scherereien bringt? Grotesk! Eben grün.

 Posted by at 15:54

„Bist du ein Moslem? Bist du ein Moslem!“

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Sep. 282009
 

Diesen Spruch hörte ich einmal von einem älteren Moslem an einen kleinen Jungen gerichtet, der  im Begriff war, etwas Unrechtes zu tun. Der Spruch wirkte. Ein guter Moslem darf nicht lügen! Die mehr oder minder bewusste Verpflichtung auf die sittlichen Gebote des Islam ist etwas, was man bei den allermeisten Jungen und Mädchen aus muslimischen Ländern hier in Berlin voraussetzen kann – und muss. Ob die Religion aktiv praktiziert wird, ob die fünf Gebote immer und überall  eingehalten werden, steht auf einem anderen Blatt. Aber dass fast alle  Jungen und Mädchen aus moslemischen Ländern – sofern sie nicht christlichen Minderheiten entstammen – sich eindeutig und ohne Zweifel zum Islam bekennen, das steht hier in Berlin fest. Die Jungen werden im Knabenalter, also etwa im Alter von 5 oder 6 Jahren, beschnitten, auch wenn einer der Ehepartner nichtmoslemischer Herkunft ist, und danach fühlen sie sich dem muslimischen Männlichkeitsbild ein Leben lang verbunden. Dies gilt auch dann, wenn sie selbst oder die Väter die islamische Religion ablehnen.

Die tiefe, unauslöschliche  kulturelle Prägung durch den Islam ist etwas, was für uns im Abendland kaum mehr vorstellbar ist. Nur wer wie ich in durch und durch katholischen Sippen aufgewachsen ist, die seit Jahrhunderten einen aktiven Katholizismus praktizieren, vermag sich ohne weiteres in eine derartige Geisteshaltung hineinzuversetzen. Ansonsten stoßen wirklich Welten aufeinander, die wenig oder nichts voneinander wissen. Zwei beliebige Beispiele für dieses Nichtverständnis! Der Tagesspiegel berichtet heute:

Muslimische Gebete am Gymnasium
Das Thema Schule und Religion hatte die Berliner erst vor wenigen Monaten beschäftigt, als die Initiative „Pro Reli“damit scheiterte, den Religionsunterricht als Wahlpflichtfach einzuführen. „Die Berliner wünschen sich ihre Schulen als religionsfreien Ort“, sagte Özcan Mutlu dem Tagesspiegel. „Ich hoffe, dass das Gericht sein Urteil aus dem Eilverfahren vom letzten Jahr revidiert. Die Schule ist ein neutraler Ort, an dem Kopftücher, Kreuze oder Gebetsräume nichts zu suchen haben.“

Wir erinnern uns: Die Berliner Initiative Pro Reli hatte damals kein einziges der wirklich brennenden Themen angepackt und war nicht zuletzt deshalb gescheitert.

Zweites Beispiel! In der Schule meines Sohnes – in die zu etwa 90% muslimische Kinder gehen – wird verpflichtend ein „Wörterbuch für die Grundschule“ vorgeschrieben. Ich blättere gerne darin, denn Wörterbücher sind eine meiner Leidenschaften wie das Geigespielen, die Politik, das Radfahren, das Schwimmen oder das Bloggen.  Heute fragte ich mich: Was ist eigentlich richtig: Muslim, Moslem, Muslima, die Muslime, die Musulmanen, die Mohammedaner  usw. Wie leicht tritt man da in ein Fettnäpfchen!

Ich schlug das Wörterbuch ABC-Freunde auf.  Ich entdecke den Eintrag der Christ, die Christen, christlich, Christus. Ich entdecke den Eintrag der Jude, die Juden, die Jüdin, jüdisch. Und so suche ich nach der Religion, die mit riesigem Abstand die häufigste an unserer staatlichen Schule ist – und ich finde – nichts. Weder der Moslem, noch die Muslima, noch die Muslime. Immerhin: die Moschee ist enthalten und wird sogar definiert als das Gotteshaus der Muslime. Dafür fehlt aber wiederum die Synagoge.

Aber kein moslemisches Kind kann hier nachschlagen, wie man seine prägende kulturelle Zugehörigkeit in gutem Deutsch schreibt. Das heißt: Ein so entscheidendes identitätsprägendes Merkmal, das für 50% aller Kinder in Berlins Grundschulden zutrifft, fehlt in dem Wörterbuch, das an eben diesen Schulen verwendet wird. Es kommt nicht vor. Zufall? Ich glaube nicht. Ich halte es für einen weiteren Beleg dafür, dass die akademischen Kräfte in der Kultusbürokratie, in den Verlagen immer noch nicht begriffen haben, wie grundlegend sich die Schülerschaft verändert hat. Ich halte es bezeichnend für die mich ungeheuer traurig stimmende geistig-geistliche Verwaisung der muslimischen Kinder in unserer Stadt. Sie wissen nicht, wo sie hingehören. Sie haben oft das Gefühl: „Wir kommen hier nicht vor.“ Ich füge hinzu: Nicht einmal in einem Wörterbuch für die Grundschule.

Hier muss dringend etwas getan werden. Wir haben ja nicht einmal so etwas wie eine Berliner Islamkonferenz auf Landesebene! Die Islamkonferenz auf Bundesebene war oder ist sicher ein mutiges, gutes Unterfangen – aber sie muss ergänzt werden durch aktives, meinethalben auch streitbeladenes Reden, Zanken, Sich-Versöhnen zwischen den großen Religionen Berlins. Hier, genau bei uns im Stadtstaat, am besten in Kreuzberg.

Hier noch abschließend der bibliographische Beleg:

ABC-Freunde. Wörterbuch für die Grundschule 1-4. Volk und Wissen,  1. Auflage, 7. Druck, Cornelsen Verlag Berlin 2007, vgl. hier besonders: S. 172

 Posted by at 23:30
Sep. 282009
 

26092009002.jpg Interessanter, unterhaltsamer Wahlabend gestern! Die von mir nach Kräften unterstützte Kandidatin Vera Lengsfeld schaffte es leider nicht, aber wir werden daraus hoffentlich lernen.

Natürlich schaute ich auch auf den Kandidaten, der noch zwei Tage vor der Wahl mit Bemerkungen wie „Das Auto macht die Stadt kaputt“ die ökologisch-soziale Wende der Stadtentwicklungspolitik unterstützt hatte. Der hatte schon 2005 das einzige Berliner Direktmandat für seine Partei gewonnen, und auch gestern schaffte er es wieder direkt in den Deutschen Bundestag. Glückwunsch, Karl-Georg Wellmann!

Auch in Friedrichshain-Kreuzberg setzte sich ein grün gesonnener Kandidat durch. Glückwunsch, Hans-Christian Ströbele!

Der wiederholte Erfolg sowohl von Karl-Georg Wellmann wie Hans-Christian Ströbele zeigt mir: Jeder Kandidat, jede Partei kann eigentlich in Berlin gewinnen, vorausgesetzt, sie oder er trifft den richtigen Ton, setzt die richtigen Themen, zeigt sich gesprächsbereit und offen für den Dialog.

Lesenswert: die Aussagen eines Biologen heute in Spiegel online über das, was uns fehlt und was uns guttut. Was uns fehlt, ist ausreichend Bewegung. Wir sind Ausdauerwesen! Wir sind für tägliche längere Bewegung geschaffen. Das merkte ich am Samstag nach der dreistündigen ADFC-Kreisfahrt. Drei Stunden in mäßiger Bewegung an frischer Luft, etwa beim Fahrrdfahren, das tat sowohl meinem Sohn wie auch mir wie allen anderen Teilnehmern unheimlich gut.

Mensch und Evolution: Falsch konstruiert für die moderne Welt – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wissenschaft
SPIEGEL ONLINE: Aber sind wir nicht Schwächlinge, etwa im Vergleich zu den muskelbepackten Schimpansen?

Lieberman: Wir sind keine Schwerathleten – jedoch sind wir unglaublich phänomenale Ausdauersportler. Wir sind evolviert, lange Strecken zu rennen. Bewegungsfaule Katzen und Hunde können alt werden – träge Menschen dagegen werden krank. Zwei Drittel von uns sind übergewichtig; jeder vierte meiner US-amerikanischen Landsleute wird an Diabetes Typ 2 erkranken

SPIEGEL ONLINE: Was macht uns so anfällig?

Lieberman: Schauen Sie auf die Jäger und Sammler. Ein jeder von ihnen läuft zehn, 15 oder mehr Kilometer am Tag. Als biologische Gattung haben wir das zwei Millionen Jahre gemacht. Das hat in unserem Körper Spuren hinterlassen – aus diesem Grunde gefällt es uns ja eigentlich auch zu laufen, Ball zu spielen und Rad zu fahren, auch wenn heute leider keine Not besteht, viel davon zu tun.

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