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Clement tritt aus und verlässt SPD!

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Nov. 252008
 

Soeben wird mir Wolfgang Clements Erklärung zugereicht, mit der er seinen Austritt aus der SPD bekanntgibt:

„Hiermit erkläre ich mit Wirkung vom heutigen Tag meinen Austritt aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Die Gründe dafür sind

  • erstens die Entscheidung der Bundesschiedskommission, die meint, die Wahrnehmung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit mit einer öffentlichen Rüge drangsalieren zu sollen,
  • zweitens die Tatsache, dass die SPD-Parteiführung zugleich keinen klaren Trennungsstrich zur PDS/Linken zieht, sondern sogar – in den Ländern – zu einer Zusammenarbeit mit dieser Partei ermuntert, obgleich deren Stasi-Verstrickung offenkundig ist, und
  • drittens eine Wirtschaftspolitik treiben lässt, die – wie der IGBCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt soeben wieder warnend hervorgehoben hat – auf eine De-Industrialisierung unseres Landes hinausläuft.

Ich bedauere sehr, diesen Schritt, zu dem ich mich nach gründlicher Abwägung entschlossen habe, tun zu müssen.

An den weiteren Diskussionen und Auseinandersetzungen um die hier angesprochenen Fragen werde ich mich – nunmehr als Sozialdemokrat ohne Parteibuch – nach Kräften beteiligen.“

Dies ist ein schwerer Schlag für die SPD! Ich halte Clements Schritt für zwar für nachvollziehbar. Dennoch meine ich, dass auch nach schweren Zerwürfnissen ein Ausgleich innerhalb der Parteien gesucht werden sollte. Und für einen bekennenden Sozialdemokraten muss die Sozialdemokratische Partei die Hauspartei sein, oder doch eine andere? Die SPD wiederum war schlecht beraten, als sie Wolfgang Clement eine Rüge aussprach. Ich glaube, Parteien müssen Widerspruch aus den Reihen ihrer Mitglieder aushalten, auch wenn dieser öffentlich geäußert wird, auch wenn dieser im Wahlkampf geäußert wird! Denn genau dann, wenn innerhalb einer Partei eine Haltung des offenen Gesprächs herrscht, wird dieser Partei auch zugetraut, mit anderen Parteien und mit den gesellschaftlichen Kräften draußen im Lande überhaupt in ein offenes Gespräch einzutreten.

Am Umgang mit den öffentlichen Abweichlern erweist sich, wie ernst es einer Partei mit den Grundsätzen der Demokratie ist.

Es lebe der innerparteiliche Wettbewerb! Es lebe die Wettbewerbsdemokratie!

Clements Erklärung im Wortlaut: „Ich bedauere sehr, diesen Schritt tun zu müssen“

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Nov. 252008
 

Eine gute Initiative startet in der BZ heute der bekennende Rad- und PKW-Fahrer Gunnar Schupelius. Statt immer nur zu schimpfen und sich zu ärgern, wie das wir anderen tun. Herr Schupelius scheint also den Pfad des „Gerechten Zorns“ sachte sachte zu verlassen – hin zum Pfad des „Freundlichen Handschlags.“ Löblich, so sei es! Er verlangt Rücksicht und Partnerschaft. Dabei wendet er sich gleichermaßen an Autofahrer wie an Radfahrer:

Autofahrer und Radfahrer ärgern sich im Berliner Straßenverkehr, jeder über den anderen, täglich, tausendfach, bis zur Weißglut. Die Situationen, in denen sie sich ärgern, sind meistens unspektakulär und immer die gleichen. Und immer glauben beide Seiten, von der jeweils anderen in ihrem guten Recht verletzt worden zu sein. Dabei könnten wir uns den Stress miteinander ganz einfach sparen: Wenn nämlich beide, Auto- und Radfahrer, jeweils nur drei Regeln des guten Benehmens einhalten würden, dann wäre der ganze Ärger schon längst verflogen.

Noch etwas ist gut: Er verknappt seine Hinweise, fasst einige wenige Einsichten in kurzen Geboten zusammen. Das endlose Debattieren „Wer hat recht?“  bringt uns in der Tat nicht weiter. Selbstverständlich mag man gegen das eine oder andere „Schupelius-Gebot“ Einwände erheben, so etwa gegen seine Aufforderung an Radfahrer, immer möglichst weit rechts zu fahren. Das würde nämlich voraussetzen, dass die Autofahrer genug Abstand halten und einen nicht ständig noch weiter nach rechts abdrängen, bis man am nächsten Bordstein oder PKW landet.

Aber der Grundansatz, dass alle Verkehrsteilnehmer sich mindestens an einige wenige Grundgebote halten sollen, ist schlechterdings nicht von der Hand zu weisen. Damit fährt Schupelius richtig.

Lesen wir die heutige BZ:

Und so sehen die drei Regeln des guten Benehmens für Autofahrer aus:

Regel Nummer eins: Achten Sie beim Rechtsabbiegen frühzeitig und ganz konsequent auf den Radfahrer. Es ist seine Urangst, von einem rechts abbiegenden Fahrzeug verletzt zu werden. Da er nicht in der Mitte der Straße fahren darf, muss er irgendwie rechts an Ihnen vorbeikommen. Machen Sie ihm diese Vorbeifahrt so angenehm wie möglich.

Regel Nummer zwei: Fahren Sie nie zu dicht an einem Radler vorbei. Das macht ihm Angst und löst Stress und Aggressionen aus. Oft passen Auto und Fahrrad nicht aneinander vorbei. Bleiben Sie hinter dem Rad, bis sich eine Überholmöglichkeit bietet, auch wenn das etwas Zeit kostet. Bedrängen Sie den Radler nicht. Denken Sie daran, dass Sie vielleicht 100 oder 200 PS zur Verfügung haben, Radfahrer aber nicht einmal ein halbes. Sie können eben nicht schneller fahren.

Regel Nummer drei: Öffnen Sie die Fahrertür sehr vorsichtig. Der Radfahrer muss zwischen parkenden und fahrenden Autos fahren. Das ist nicht sehr angenehm. Die aufspringende Tür eines geparkten Autos kann für den Radler lebensgefährlich werden, weil er nicht ausweichen kann.

So sehen die drei Regeln des guten Benehmens für Radfahrer aus:

Regel Nummer eins: Fahren Sie nie bei Rot. Dieser schwere Verstoß gegen die Verkehrsregeln ist unter vielen Radlern zur Gewohnheit geworden. Wer bei roter Ampel fährt, stresst und verunsichert die Autofahrer ganz erheblich. Er macht sie außerdem wütend, weil sie Angst haben, einen Radler zu überfahren, und weil sie selber bei Rot halten müssen. Das verlangen sie dann auch von den anderen Verkehrsteilnehmern.

Regel Nummer zwei: Fahren Sie möglichst ganz rechts. Ermöglichen Sie es dem Autofahrer immer, Sie zu überholen. Er hat es eilig und fährt doppelt so schnell wie Sie. Wenn Sie zu weit in der Mitte der Fahrbahn fahren, dann wirkt das provozierend und ist oft der Anfang eines erbitterten Streits.

Regel Nummer drei: Nehmen Sie Rücksicht auf abbiegende Autos. Unter den Autofahrern gibt es nur wenige Rowdys, die meisten wollen die Radfahrer respektieren. Es kommt aber auch bei den routiniertesten Fahrern vor, dass sie ein Rad im toten Winkel übersehen. Das passiert ungewollt, ist aber gefährlich, und darauf müssen Sie vorbereitet sein.

Ich meine: Schupelius trifft den richtigen Ton. Seine Aufforderung, Rücksicht und Partnerschaft an die Stelle von Rechtsverletzungen und Grobheit zu setzen, ist goldrichtig. Weiter so – beschreiten oder befahren wir doch gleich alle miteinander den goldenen Pfad des „Freundlichen Handschlags“!

Berlin-Knigge – Radfahrer gegen Autofahrer – BZ-Berlin.de

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Bildungsvergleich: Ost-Schüler bringen West-Mann in Bedrängnis

 Geige, Gute Grundschulen, Integration durch Kultur?, Kinder, Leitkulturen, Musik, Pflicht, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Bildungsvergleich: Ost-Schüler bringen West-Mann in Bedrängnis
Nov. 242008
 

Immer wieder gerate ich als einzelner West-Mann unter Druck in den fröhlichen Versammlungen meiner durch Kommunismus und Diktatur geprägten Freunde und Verwandten. So auch wieder gestern: Gemeinsam hörten wir – eine Runde von Musikern und Sängern aus aller Herren Länder, darunter ich als einziger West-Mann – einen privaten Mitschnitt vom Wieniawski-Wettbewerb Lublin 1988. Junge Geiger mussten in drei Runden ein anspruchsvolles Programm vorführen, darunter eben auch einige der schwersten Stücke, die es überhaupt in der Violinliteratur gibt, solche Leckerbissen wie die Variationen über ein eigenes Thema von Henri Wieniawski. Die spätere Siegerin, Natalia Prischepenko aus der damaligen Sowjetunion, hatte es uns gleich von Anfang an angetan: Eine bezaubernde Erscheinung, brachte sie die Emotionen der Musik voller Lebendigkeit, mit Stolz, Selbstgewissheit und Charme über das Podium in den ganzen Saal hinein, technisch makellos, brillant, angriffslustig, aber im Tempo absolut unerschütterlich. Selbst die allerschwersten Variation mit den Pizzicati der linken Hand „stand“ sie ohne Tempoverzögerungen! Jeder einzelne Ton perlte. Hinreißend, und das alles im Alter von 15 Jahren! Ihr Lehrer Zachar Bron saß irgendwo in einer der letzten Reihen, spielte im Geiste und sogar mit Gesten alles mit, ackerte, litt mit der Schülerin … Aber der Erfolg gab den beiden recht.

Oft höre ich dann: „Solche Höchstleistungen in den Bereichen Musik, Naturwissenschaften und Sport brachte eben nur das alte System hervor! Es gab weniger Ablenkung durch Gameboys, Handys und MP3-Player. Talente wurden bis in die hintersten Winkel der Sowjetunion gezielt gefördert. Herkunft zählte nicht – nur die Begabung. Solange man politisch nicht aneckte, konnte man sicher sein, dass eigene Leistungsreserven optimal ausgeschöpft wurden. Ihr im Westen habt dem nichts entgegenzusetzen. Bei euch herscht Kuschelpädagogik. Die soziale und ethnische Herkunft entscheidet hier in Berlin im großen und ganzen über den Bildungserfolg! Ausländer schaffen es kaum nach ganz oben. Das Niveau wird nach unten angeglichen, Leistung wird kaum gefördert.“

Schluck! Ich kann dem kaum etwas entgegensetzen. Das Niveau etwa in der Musikerausbildung war in den Staaten des Ostblocks deutlich höher als in Westeuropa. Dies meine ich wirklich nach Dutzenden von direkten Begegnungen mit Musikern feststellen zu können.

Wer weiß – vielleicht hat das bessere Abschneiden der Ost-Bundesländer auch etwas mit dieser Kultur der Leistung und des Lernens zu tun? Ich vermute dies. Denn die Mehrzahl der Lehrer, die etwa in Sachsen und Thüringen unterrichten, dürften noch aus der DDR stammen. Doch halt – es gibt ja noch Bayern … und da kenn ich mich aus. Denn ich habe mein Abitur in jenem fernen Lande errungen – das allerdings weder dem Osten noch dem Westen, sondern dem stolzen Süden der Republik angehört! Vivat Bavaria.

Bildungsvergleich: Ost-Erfolg bei Pisa macht Westländer neidisch – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – SchulSPIEGEL

Hauptschulen? Nicht in OstdeutschlandSachsen und Thüringen zählen jetzt zu den großen Gewinnern des innerdeutschen Ländervergleichs Pisa-E der 15-jährigen Schüler. Sachsen eroberte den Spitzenplatz in Mathematik und Lesekompetenz sehr knapp vor Bayern. Beim Schwerpunkt Naturwissenschaften liegt das Land international sogar auf dem zweiten Rang hinter Finnland, wenn man die deutschen Bundesländer in die weltweite Studie einsortiert.

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Nov. 232008
 

Oft begegne ich Menschen, die mir wieder und wieder dieselbe Geschichte erzählen: Geschichten, die ihr Leben unauslöschlich verändert haben, es in eine andere Richtung drängten, ungewollt und häufig so, dass sie nicht mehr davon loskommen. Man könnte nun meinen, durch häufiges Erzählen würde die Last der Erinnerung leichter. Ich hege mittlerweile Zweifel daran. Ich glaube, nicht immer ist dieses Erzählen-Müssen Zeichen für eine Bewältigung des Erlebten. Es kann auch ein Zeichen dafür sein, dass das Erlebte dauerhaft traumatisierend gewirkt hat: Es ist dann bei solchen Menschen so, als wären sie nie ganz in der Gegenwart angekommen, müssten wieder und wieder hinabsteigen in den Brunnen jener schrecklichen Zeit. Hubertus Knabe schreibt: „Weil sie in der Gegenwart nicht angekommen sind, leben sie weiter in der Vergangenheit.“ Hier dürfte mitunter auch Schweigen angebracht sein. Oder ein konfrontatives Zuhören: „Gut, ich habe deine Geschichte gehört. Du hast sie schon oft und oft erzählt. Nun lass uns überlegen, was wir daraus machen können! Was willst du mir sagen? Was rätst du mir?“

Oft spreche ich mit Zeitzeugen – aus der Nazi-Zeit, aus dem Sowjetkommunismus, aus der DDR … ja, ich werde allmählich selbst zum „Zeitzeugen“, da ich etwas erlebt habe, was der Bundesrepublik nach und nach verlorengeht: ein zutiefst konfessionell geprägtes, durch den Kalten Krieg bestimmtes Umfeld, in dem die Gebote der katholischen Kirche unbefragt an uns Kinder weitergegeben wurden, in dem der Beichtspiegel auswendig gelernt wurde und jeden Abend die Seele froh war, wenn sie nur lässliche Sünden begangen hatte. Und ein Umfeld, in dem schon die Protestanten mit einem Satz wie „Du musst sie achten, denn es sind letztlich auch Christen“ bedacht wurden. Ich war damals, als kleiner Bub, zutiefst überzeugt, dass alle Kommunisten böse Menschen sein mussten. Begegnet bin ich damals allerdings keinem.

Der Münchner Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer schreibt heute im Neuen Deutschland auf S. 22 über die Magie der Erinnerung:  „Wer die Erinnerungen eines Menschen, aber auch eines Volkes beherrscht, beherrscht auch diesen Menschen oder dieses Volk.“

22.11.2008: Flüchtig oder unauslöschlich, kostbar oder qualvoll: Die Magie der Erinnerung (Tageszeitung Neues Deutschland)

Wer mit den inzwischen ins Greisinnen- und Greisenalter tretenden Zeitzeugen von Krieg und Vertreibung sprechen will, wird das am besten tun können, wenn er ihr Schweigen respektiert und sich in ihre Situation einfühlt: Sie verlieren, indem sie sich öffnen, ein Stück gewonnene Sicherheit, ein Gleichgewicht zwischen dem Erlebten und ihrer eigenen Art, es zu verarbeiten oder abzukapseln.

Wenn sie dann doch erzählen, ist es hilfreich, taktvoll mit den Informationen umzugehen und sich mehr oder weniger naseweise Bewertungen zu verkneifen. Nur allzu schnell hört man dann: »Wer nicht dabei war, kann es sowieso nicht verstehen«, und das Gespräch ist zu Ende. Ob es den Kindern und Enkeln der Menschen, welche die real existierende DDR noch erlebt haben, irgendwann einmal ähnlich geht?

Nun, ich habe keinerlei Schwierigkeiten, mit Menschen längere Gespräche zu führen, die die Sowjetunion oder die DDR mehrere Jahrzehnte lang erlebt und überlebt haben. In all diesen Gesprächen bin ich bemüht, dieses Gleichgewicht zwischen Erzählen-Müssen und Verschweigen-Können auszubalancieren. Ich will nicht immer alles wissen. Ich versuche sogar bewusst, die eine oder andere Leerstelle zu lassen. Und ich gebe mir Mühe, diese Erinnerungen nicht zu instrumentalisieren, also nicht für meine eigenen Zwecke einzuspannen.

Von einem hartnäckig-genauen, einfühlend-behutsamen Umgang mit persönlichen Erinnerungen scheint mir allerdings die öffentliche deutsche Gedenkkultur noch weit entfernt.

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Die Reinemachefrauen, oder: Soll oder kann es eine Frauenpartei geben?

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Nov. 232008
 

man_und_frau.jpg Sind Frauen in der Politik anders? Kann es eine Frauenpartei geben? Was will das Weib in der Politik?  Mehrfach diskutierten wir in diesem Blog solche bewegenden Fragen. Nach Einträgen am 21., 27., und 28.10.2008 gelangten wir zu folgenden Schlüssen: „Mann dreht seine Runden, Frau putzt hinterher“. Frauen fehlt fast immer der Wille zur Macht als Selbstzweck, deshalb gelangen sie nur zur Macht, wenn die Männer sich vor aller Augen als unfähig oder unhaltbar erweisen. Eine Frauenpartei erklärten wir für unwahrscheinlich. Wir haben uns geirrt. Denn Berlins CDU schickt sich an, eine Frauenpartei zu werden! So jedenfalls berichtet der Tagesspiegel heute:

Die Demontage
Vom Hinterzimmer-Herrenclub zur Frauenpartei in nur zweieinhalb Monaten: So lässt sich zusammenfassen, was die Berliner CDU in diesem Herbst mit sich erlebt hat. Frauenpartei? Klar, so viele Frauen wie jetzt haben noch nie auf den besten Plätzen der Landesliste für den Bundestag kandidiert. Monika Grütters auf dem ersten Rang, Stefanie Vogelsang, Stadträtin aus Neukölln, auf dem dritten, die ehemalige DDR-Dissidentin Vera Lengsfeld auf dem sechsten Listenplatz. Deutlich mehr weibliche Gesichter werden im kommenden Sommer von den Wahlplakaten herunterlächeln.

Ihr seht: Der erste Teil meiner Analyse stimmte – nämlich, dass in besonders schweren Krisen oft der Weg für die Frauen frei wird.

Typisch sind folgende Aussagen: „Wenn ich gewusst hätte, dass ich so deutlich verliere, wäre ich gar nicht angetreten“ – so äußerte sich ein bekannter männlicher Politiker nach seiner Niederlage. „Ich habe nicht damit gerechnet, gewählt zu werden, aber ich war es der Partei schuldig. Ich musste mindestens ein Zeichen setzen.“ – In diesem Sinne äußerte sich eine weibliche Kandidatin nach ihrem Wahlsieg. Typisch Mann, typisch Frau: dem Mann ging es um konkrete Machtperspektiven, der Frau ging es um das Ansehen der Partei, obwohl sie sich keine Macht versprach!

Interessant ist auch, wie Berlins CDU das Thema des Lernens, das Thema des tiefgreifenden Wandels immer wieder elegant vermeidet und umsegelt! „Ja, haben wir denn überhaupt nichts dazugelernt?“ – so eine fassungslose Stefanie Vogelsang, als sie erfuhr, dass auch unter dem neuen alten Landesvorsitzenden munter und fröhlich weitergekungelt wird, als wäre nichts gewesen. „Ihr habt ja nichts dazugelernt!“ Solche und andere Rufe erschollen, als die hinreichend bekannte Landesvorstands-Herrenriege die Landesvertreterversammlung unterbrechen wollte, da die Delegierten sich nicht an die diktierten Listen halten wollten, sondern sich das Recht auf demokratische Wahl herausnahmen. Was für eine Ungehörigkeit!

Ronald Pofalla wiederum sagte am Dienstag zu seiner Berliner CDU: „Sie brauchen keine Belehrungen!“ Ein herrlicher Satz, denn er bedeutet: „Wie Sie aus dem Schlamassel herauskommen wollen, müssen Sie schon selber lernen – niemand kann es Ihnen von außen belehrend vorschreiben.“

Was lernen wir daraus? Ich meine dies: „Lernt selbst – damit ihr euch nicht die Belehrungen anderer anhören müsst!“

Fazit: In besonders schweren, von Männern verursachten Krisen scheinen in der Tat Frauen eher geeignet zu sein, Glaubwürdigkeit zurückzuholen. Leider müssen sie oft, allzuoft gedrängt werden, nach vorne zu treten. Hier scheint mir der Ansatz des gemeinsamen Lernens zum Erfolg zu führen.

Lernen heißt sich wandeln. Gemeinsam lernen heißt, den Wandel mitzugestalten statt ihn über sich hereinbrechen zu lassen. Dazu sollten Männer auf Frauen hören lernen.

Unser Foto zeigt eine glückliche Frau.

 Posted by at 21:13
Nov. 202008
 

Gestern belohnte ich mich für erlittene Mühsal im Fitness-Studio mit dem Kauf einer gut erhaltenen Schiller-Gesamtausgabe in meinem Lieblings-Antiquariat in der Großbeerenstraße. Don Carlos ließ mir keine Ruhe. Ich will unbedingt dieses mein liebstes Schillerdrama noch einmal lesen! Kein anderer versteht es so gut wie Schiller, die Stimmung des allgegenwärtigen Misstrauens zu gestalten. Man weiß nicht mehr, wem man noch trauen kann. So muss es manchen ergangen sein, als sie entdeckten, dass der eigene Ehemann, der Vorgesetzte, die Freunde einen bespitzelten und an die Firma verrieten. Hier die Verse 69-73 aus dem ersten Aufzug:

Doch hab ich immer sagen hören, daß

Gebärdenspäher und Geschichtenträger

Des Übels mehr auf dieser Welt getan,

als Gift und Dolch in Mörders Hand nicht konnten.

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Autos halten länger …

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Nov. 192008
 

.. als man meinen möchte. Finanzsenator Sarrazin macht die Rechnung auf, die wir bereits in diesem Blog vor Tagen aufgestellt hatten:

Finanzkrise – Sarrazin will sein Auto mindestens 14 Jahre fahren – Berlin – Berliner Morgenpost
Dort sagte Sarrazin zur aktuellen Krise in der Automobilindustrie: „Wir wissen, der Markt ist mit etwa 15 bis 20 Prozent überbesetzt. Irgendwer muss ins Gras beißen.“ Der SPD-Politiker weiter: „Wir können ja nur so viele Autos bauen, wie wir langfristig brauchen. Mein Audi A4 ist jetzt sieben Jahre alt, bestens in Schuss. Und der fährt noch mal sieben Jahre, vielleicht auch acht. Und das machen alle Deutschen so.“ Das deutsche Durchschnittsauto sei acht Jahre alt. „Das heißt, die Autos halten 16 Jahre. Wenn die Autos 16 Jahre halten und wir 40 Millionen Autos in Deutschland haben, brauchen wir pro Jahr 2,3 Millionen neue Auto“, rechnete Sarrazin vor. „Wir verkaufen aber pro Jahr noch immer drei Millionen neue Autos. Wir verkaufen in Deutschland noch immer 20 Prozent mehr, als wir langfristig brauchen. Wir haben keine Absatzkrise. Wir haben eine Normalisierung des Absatzes auf den langfristigen Bedarf“, so der Finanzsenator.

Der Herr Sarrazin ist kantig. Aber rechnen kann er. Damit macht er sich nicht überall Freunde. Vor allem nicht im Autoland.

P.S. Viele Alt-Autos werden aus unserem heimischen Flottenbestand ins Ausland verkauft. Bei uns in Deutschland dürfte das Durchschnittsalter der Flotte etwas niedriger sein.

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Verdacht oder Vertrauen? (2)

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Nov. 182008
 

obama.jpgMy failure to clean up the kitchen suddenly became less endearing.“ Diese Unfähigkeit von uns Ehemännern, die Küche aufzuräumen, stört die Ehefrauen, nährt Zweifel an unserem Realitätssinn, führt zu Groll. „You only think about yourself!“ Auch das habe ich selbst bereits öfter gehört.

Seht her – eine winzige Gemeinsamkeit zwischen dem neuen Präsidenten der USA und uns deutschen Ehemännern: wir hinterlassen Chaos nach dem Frühstück.  Wir zitierten eben zwei Sätze aus dem Buch „The Audacity of Hope“ von Barack Obama (S. 340).

Wie schon vor einigen Tagen stellte ich mir heute erneut zwei entgegengesetzte Auffassungen von Politik vor die Augen. In einer Buchhandlung kaufte ich erst das folgende Buch:

knabe20948309n.jpg Hubertus Knabe: Die Täter sind unter uns. Über das Schönreden der SED-Diktatur. List Taschenbuch, 2008

Und dann auch:

Barack Obama: The Audacity of Hope. Thoughts on Reclaiming the American Dream. Three Rivers Press New York, 2006

Erneut – zwei völlig unterschiedliche Entwürfe von Politik! Zwei wichtige, unerlässliche Bücher, die einem helfen, die deutsche Befindlichkeit und den amerikanischen Traum zu verstehen.

Bei Knabe sprang mich natürlich sofort der Satz an: „Weil sie nicht in der Gegenwart angekommen sind, leben sie weiter in der Vergangenheit“ (S. 14). Wer sind „sie“? Dieses Wörtlein könnte hier so manchen und so manche bezeichnen! Die Verteidiger der DDR ebenso wie diejenigen, deren Hauptaugenmerk heute darin zu bestehen scheint, die alten Seilschaften zu enttarnen. „Das sind ja immer noch die alten Kader! Sie haben nur zum Schein ein paar junge Gesicher vorne hingestellt.“

Der Beschreibende läuft Gefahr, sich dem Objekt seiner Beschreibung anzugleichen. Mir fällt Don Carlos von Schiller ein – jene zwiespältig-gebrochene Gestalten des Inquisitors, des Königs Philipp. Schiller geißelte – wie Hubertus Knabe – das System des Unrechts, der Unfreiheit. Aber Friedrich Schiller sprach nicht allen Vertretern der Unfreiheit jegliches Verantwortungsgefühl ab. Er erklärte sie nicht zu Feinden. Er versuchte, sich in sie hineinzuversetzen.

Um wieviel anders als Hubertus Knabe schreibt Obama! Was für ein meisterhaftes Buch! Erzählend, berichtend, nachdenkend umspannt der Verfasser sein eigenes Leben, die Gründungsmythen der Vereinigten Staaten, liefert eine brillante Einführung in Mechanismen der Parlamentsarbeit. Und er lässt uns teilhaben an seinen Enttäuschungen, seinen Niederlagen, seiner Unvollkommenheit. Obama schreibt ein wunderbar schwebendes, leicht hingespanntes, erzählendes Englisch. Aber seine Erzählungen sind erfahrungs- und theoriegesättigt zugleich. Weder die Schande der Rassentrennung, noch die tiefe Spaltung der amerikanischen Gesellschaft im Bürgerkrieg spart er aus. Aber in allen Schrecknissen der Vergangenheit lässt er seine Hoffnung aufscheinen.

Als Beispiel für diese Großmut nenne ich hier eine Auseinandersetzung mit einem militanten Abtreibungsgegner, der Obama eine E-mail schrieb. Obama lässt sich beeinflussen. Er denkt um. Er zweifelt: Vielleicht haben unsere Gegner ja doch irgendwo auch recht? Er leitet die E-mail an alle Mitarbeiter weiter. Und er schließt diese Begegnung  mit den Worten ab: „Ich bat darum, dass ich bei anderen denselben guten Glauben voraussetzen möge, den sie mir entgegengebracht haben.“

Zitieren wir aus dem Original, S. 198:

„And that night, before I went to bed, I said a prayer of my own – that I might extend the same presumption of good faith to others that the doctor had extended to me.“

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Nov. 172008
 

Diese Frage bejaht der polnische Dziennik in seiner neuesten Ausgabe: Er beklagt, dass die nationale Geschichtsschreibung auf deutscher wie auf polnischer Seite durch Einseitigkeit geprägt sei: „Alle Kriege, die WIR begonnen haben, sind recht und billig. Alle Kriege, die UNS erklärt worden sind, sind ein hinterhältiger Angriff.“ Die Geschichtsbücher auf beiden Seiten bedürften dringend der Überarbeitung:

Dziennik – Wydarzenia – Polacy i Niemcy napiszą historię na nowo
Najpoważniejszym zarzutem stawianym „narodowym podręcznikom do nauczania historii“ jest ich jednostronność. Wszystkie wojny, które MY rozpoczęliśmy, są sprawiedliwe. Wszystkie wojny, które NAM wypowiedziano, są zdradzieckim atakiem. Czy polsko-niemiecki podręcznik będzie wolny od takich błędów? Już wkrótce poznamy zespół, który go napisze.

Ich meine: Wir müssen nicht nur die deutsch-polnische, sondern überhaupt die europäische Geschichte in Teilen neu schreiben. Wer weiß genug über die Länder jenseits von Bug und Weichsel, von Drau und Save? Wissen wir überhaupt etwas? Fragen über Fragen. Meine polnische Urgroßmutter, die aus Oppeln stammte, kann ich nicht mehr fragen.

Aber wir alle können den polnischen Außenminister fragen! Am kommenden 5. Dezember kommt er nach Berlin. Unsere „Gesellschaft zur Förderung der Kultur im erweiterten Europa e.V.“, deren überzeugtes Mitglied ich bin, wird die spannende Reihe „doppelgedächtnis“ fortsetzen. Das Hingehen wird sich wieder lohnen!

doppelgedächtnis: debatten für europa 6
am 5. Dezember 2008 um 15:00 Uhr
Radoslaw Sikorski
Außenminister der Republik Polen

Ort: Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin, Unter den Linden 78

Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Aufarbeitung

EINTRITT FREI

U.A.w.g. unter anmeldung@kultur-in-europa.de oder per Fax: 030 80 48 20 83

Wo stehen Europas Länder 20 Jahre nach Mauerfall? Was haben die Europäer aus der Erfahrung mit Kommunismus und Faschismus gelernt? Wie geht das vereinte Europa mit seinen getrennten Erinnerungen um? Was für Einsichten werden aus dem gespaltenen Gedenken im Osten und Westen Europas gewonnen und gegenseitig vermittelt? Was für gemeinsame Strategien entwickelt Europa, das auch gegenwärtig nach der Balance zwischen Freiheit und Gerechtigkeit auf der Suche ist, aufgrund ihrer unterschiedlichen Erfahrung mit Geschichte, Ideologien und Politik?

SCHAUEN SIE SICH DIE BISHERIGEN BEITRÄGE AUF YOUTUBE AN!
Links zu Videomitschnitten der ersten Veranstaltung finden sie hier.

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Sei mein Freund! Oder: Wie sog. Parteifreunde zu Verbündeten werden können

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Nov. 172008
 

Der neue Präsident hat mal wieder ein meisterhaftes Interview geliefert. Diesmal auf CBS. Nicht staatsmännisch-gelehrt wie bei der Rede damals an der Siegessäule, sondern locker, gewürzt mit allerlei Anspielungen und Geschichtchen vom heimatlichen Kaminfeuer, von Schwiegermutter und Hund.

Aber erneut blitzt die alte Weisheit auf, die schon Abraham Lincoln beherzigte: Innerparteiliche Risse lassen sich am besten dadurch überbücken, dass man Gegnerschaft mit einem guten, ehrenvollen Posten belohnt. Dann läuft es wieder rund.

Lessing legte es Nathan dem Weisen in den Mund, nach der qualvollen Auseinandersetzung zwischen den verwandten Schwesterreligionen Judentum, Christentum und Islam: „Sei mein Freund!“

Wird die Botschaft Lessings, die Botschaft Abraham Lincolns, die Botschaft der Versöhnung auch in Deutschland, auch in Berlin vernommen? Wie hieß doch noch mal die Versöhnungsreligion? Hab ich da nicht was gehört in der Schule?

Wir werden es erfahren!

Obama, on ’60 Minutes,‘ talks about the challenges ahead – Los Angeles Times
Asked by CBS‘ Steve Kroft whether he planned to put political enemies in his Cabinet, as Abraham Lincoln did, Obama responded by saying the first president from Illinois was a „very wise man.“

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Wildschweine auf den Weg der Freiheit führen!

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Nov. 172008
 

Erneut greifen wir das Thema „Wildschweine in der Stadt“ auf. Wir berichteten bereits am 26.10.2008 in diesem Blog. An kaum einem anderen Thema lässt sich so einfach durchspielen, wie Zusammenleben funktioniert. Heute berichtet Miriam Mey Khammas  in der BZ von einer spannenden Begegnung im Dämmerlicht:

Es grunzt im Dunkeln! Ich steige aus dem Auto am Grunewaldturm an der Havel. Ein mulmiges Gefühl macht sich in mir breit. Ich werde von 20 Wildschweinen umringt. „Keine Angst, die wollen nur fressen“, sagt ein Mann, der mit einer Wildsau kuschelt.

Es ist Michael Gehricke (56) – Papa Wildschwein. Er kommt seit 12 Jahren täglich zum Füttern. „Angefangen hat es damit, dass ich mein altes Brot hierher gebracht habe. Da wusste ich aber noch nicht, welche Tiere das fressen.“

Es waren Wildschweine. Und es werden immer mehr. Das bestätigt auch Elmar Kilz, Forstamtleiter Grunewald. „Es gibt mehr als 10000 Schwarzkittel im Einzugsbereich der Stadt. Sie vermehren sich stark, weil viele Berliner die Tiere anfüttern.“ Michael Gehricke versteht das, hört dennoch nicht auf. „Ich kann nicht anders. Es ist mein Hobby“.

Mit dem Herrn Gehricke würde ich gern einmal sprechen! Ich versuche ihn erst einmal zu verstehen. Er hat sich über die Jahre hinweg etwas aufgebaut, was ihm vielleicht sonst niemand bieten kann: eine verlässliche Beziehung zu lebenden Wesen, in der man sich gegenseitig kennt, respektiert und wertschätzt. Er hat bei den Wildschweinen das gefunden, was wir doch alle wollen! Nichts ist so stark in uns wie dieser Wunsch nach beständigen, von Zuneigung und Verlässlichkeit geprägten Verbindungen. Eine gute Beziehung, in der man sich aber Freiraum lässt. Denn Herr Gehricke wird die Wildschweine nie zwingen, ihm in die Wohnung zu folgen. Er wird sie nie einsperren. Sie werden ihn nie angreifen. Die Wildschweine vertrauen Herrn Gehricke – Herr Gehricke vertraut den Wildschweinen. Schön!

Aber: Er tut etwas Verbotenes, etwas, womit er weder den Wildschweinen noch der Stadt einen Dienst erweist. Und genau hier liegt das Problem. Wer geht noch einmal auf den Herrn Gehricke zu, wer spricht mit ihn? Wird die angekündigte Strafanzeige weiterhelfen? Oder kommt es auf einen intensiven Dialog an – bei dem natürlich eine Partei kaum mit Worten, sondern nur mit Grunzen wird reagieren können?

Ich meine: Die Wildschweine müssen auf den Weg der Freiheit zurückgebracht werden. Sie müssen lernen, dass sie vom Menschen keine dauerhafte Hege und Pflege erwarten können. Sie müssen wie ein junger Mensch in der Pubertät lernen, wieder ihre eigenen Wege zu gehen. Die Versorgungsmentalität hilft niemandem weiter: „Unser Papa Wildschwein kommt, er wird uns schon weiterhelfen. Wir brauchen nicht mehr selbst nach Futter zu suchen.“

Nein, Wildschweine: Wo ist euer Stolz? Wollt ihr euch in immerwährende Abhängigkeit vom Menschen begeben? Vom Menschen, der euch so oft verletzt und getötet hat? Wollt ihr das wirklich?

Ich meine: Es wäre die Pflicht des Herrn Gehricke, seinen wesentlichen Beitrag zu diesem Lernvorgang zu leisten. Wir Bürger müssen anerkennen, dass dieser unvermeidliche Trennungsvorgang für Herrn Gehricke mit Schmerzen verbunden sein wird.

 

 Posted by at 11:43
Nov. 162008
 

Wird Barack Obama Hillary Rodham Clinton zur Außenministerin machen? Es wäre ein genialer Schachzug, um die Geschlossenheit der Demokratischen Partei wiederherzustellen. All die früheren Murrer und Mahner würden verstummen. Es gäbe Rückenwind für den Neustart. Eine kluge und kompetente Frau, eine ehemalige Gegnerin, als Frau an der Seite des Wahlgewinners? Warum nicht? Wenn eine Partei nach außen geschlossen wirken will, dann müssen alle wesentlichen Strömungen und Lager auch in der Führung vertreten sein.

Nie darf auch nur der Eindruck entstehen, als hätte eine einzige Seilschaft, ein einziger gut gepflegter Freundeskreis die Geschicke einer Partei in der Hand.

Würde der neue Präsident seine ehemalige Gegnerin zur Außenministerin ernennen, wäre das genauso, als würde ein neuer Parteivorsitzender einer heillos zerstrittenen Partei eine kluge, politisch erfahrene und sympathische Frau, die mit konstruktiven Vorschlägen zu einem Neuanfang nach vorne getreten ist, am nächsten Dienstag zur Generalsekretärin ernennen. Die beste Kritikerin wird dann zur Verbündeten. Statt pflegeleichter, loyaler Gehilfen – eine Frau, die in Konzepten denkt und auch widerständig sein kann! Alle diejenigen, die da schier verzweifeln und  behaupten: „Es ändert sich ja doch nichts! Das ist doch ein Treppenwitz!“ – sie wären mit einem Schlag Lügen gestraft. Der Laden könnte wieder zusammengehalten werden.

Wir sind gespannt, Herr Präsident!

World news Feed Article | World news | guardian.co.uk
Sen. Hillary Rodham Clinton is among the candidates that President-elect Barack Obama is considering for secretary of state, according to two Democratic officials in close contact with the Obama transition team.

Clinton, the former first lady who pushed Obama hard for the Democratic presidential nomination, was rumored to be a contender for the job last week, but the talk died down as party activists questioned whether she was best-suited to be the nation’s top diplomat in an Obama administration.

 Posted by at 13:32

„Im Grunde für alle wählbar“. Unterwegs zur grünen Volkspartei

 Grünes Gedankengut  Kommentare deaktiviert für „Im Grunde für alle wählbar“. Unterwegs zur grünen Volkspartei
Nov. 162008
 

15112008028.jpg Am 31.08.2008 hatten wir hier versucht, den Erfolg Angela Merkels teilweise dadurch zu erklären, dass wir sinngemäß sagten: „Sie ist im Grunde wählbar für alle. Die anderen Parteien suchen händeringend nach etwas, was man ihr vorwerfen könnte. Aber sie finden fast nichts.“ Ergebnis: Merkel hat nirgendwo Feinde, aber viele Unterstützer auch außerhalb ihrer Partei.  Gegen sie kann sich deshalb kein Block, kein gegnerisches Lager bilden. Sie verkörpert das neue Blockfrei-Denken mit traumwandlerischer Sicherheit.

Cem Özdemir, der frisch gewählte Bundesvorsitzende der Grünen, schlägt sich in der in diesem Blog seit Tagen  geführten Auseinandersetzung um die Frage: „Lagerdenken oder Wettbewerb?“ ebenfalls auf unsere Seite. Ich habe mich ja schon mehrfach als überzeugter Anhänger der echten Wettbewerbsdemokratie zu erkennen gegeben.

Özdemir wird also versuchen, die Grünen aus dem „Rot-rot-grün-Lager“ herauszuführen. Er sagt laut Tagesspiegel:

„Obama hat es vorgemacht“
Was sind die ersten Punkte, die Sie jetzt anpacken wollen?

Wir haben in Hessen eine Wahl, die wir nicht erwartet haben. Wir als Bundespartei werden unseren Teil dazu beitragen, damit die hessischen Grünen ein starkes Ergebnis einfahren. Die Optionen sind klar: Tarek Al-Wazir ist nicht nur der Spitzenkandidat der Grünen, er ist auch der Kandidat für viele Wähler der SPD oder der Linken, für viele Wertkonservative und für viele wirkliche Liberale, die wollen, dass in Hessen ein frischer Wind weht.

Ein ganz eindeutiger Beleg für das, was wir gestern Wettbewerbswahlkampf nannten! Statt sich im rot-grünen Lager zu verschanzen, öffnet Özdemir die Grünen zu dem, was man in längst verschollenen Zeiten die „bürgerlichen“ Wähler genannt hätte. Er möchte also die Grünen, die ehemalige Protestpartei, von der Elitepartei, die sie derzeit ist,  zur Volkspartei umwandeln. Wird dies gelingen? Nun, dies wird in Hessen ganz wesentlich davon abhängen, wie sich die selbsternannten früheren Volksparteien SPD und CDU verhalten. Machen sie so weiter wie bisher, etwa durch eine Neuauflage des Lagerwahlkampfs von 2007, so dürften sie den Grünen weiterhin Schützenhilfe leisten bei ihren Wandlungen. Das wäre Wasser für die grünen Windmühlen und Treibstoff für die tiefroten Systemumbauer.

Platz für neue Volksparteien ist genug. Die Linke hat es vorgemacht. In Hessen und in Berlin auch.

Unser Foto, gestern aufgenommen, zeigt ein schweres Beinahe-Eisenbahnunglück, dessen Zeuge wir gestern wurden: Ein Regionalzug prallte während einer Leerfahrt nahezu ungebremst auf einen Prellbock in einen Kopfbahnhof am Alexanderplatz. Wir – mein Sohn, der Ordnungshüter im Dauereinsatz, und ich – berichteten der Fahrdienstleitung dieses technische Versagen. Antwort des LOXX-Fahrdienstleiters: „Das ist nicht gewollt, wir werden den Fehler abstellen.“

Blockdenker aufgepasst. Notfalls bremsen!

 Posted by at 11:30