„Is this what my consulship is going to consist of, Tiro? A year spent running back and forth between the patricians and the populists, trying to stop them tearing one another to pieces?“
„Soll denn etwa mein Konsulat in so etwas bestehen, Tiro? Soll ich ein Jahr damit verbringen, zwischen dem Establishment und den Populisten hin und her zu laufen? Soll ich versuchen sie daran zu hindern, einander in Stücke zu reißen?“
Die ungeheure Überlegenheit Ciceros über seine Zeitgenossen hat zweifellos kaum einer so gut erkannt wie sein Schreiber Marcus Tullius Tiro, dem wir einen großen Teil der Überlieferung der Ciceronianischen Schriften verdanken. Ja, ich gehe weiter: ein Mann, dem Cicero so viel anvertraut hat, konnte gar nicht verhindern, dass seine eigene Persönlichkeit in die Diktate Ciceros mit einfloss! Kongenialität! Tiro war, so dürfen wir vermuten, eine Art schattenhaftes Gewissen Ciceros.
Und kongenial nähert sich der britische Schriftsteller Robert Harris diesem Schriftsteller-Duo an. Harris ist derjenige, den du unter den derzeitigen Historien-Schriftstellern am meisten bewunderst. Du bewunderst Harris wegen seines umfassenden, bildlichen Verstehens hochkomplexer Lagen so sehr, dass du ihn schon beneidest, ja – dass du dir in Zeiten moralischer Schwäche fast vorstellen könntest, ihn zu hassen.
Ich frage: „Neid, der aus Bewunderung erwächst? Haß, der aus Neid erwächst?“
So ist es wohl… Es denkt in dir: „Warum er und nicht ich? Warum versteht er Cicero und Tiro besser als ich ihn bis dahin verstanden habe?“ Woher kommt ihm diese Einfühlungsgabe, sich in die Psyche eines Politikers (in Lustrum), eines Finanzjongleurs (in Fear Index), eines Massenmörders (in Fatherland) hineinzuversetzen?
Ja, so entsteht Neid, so kann auch Hass entstehen. „Warum er und nicht ich?“ Das ist die Wurzel des Neides.
Doch ist dies nur eine dunkle, kaum eingestandene Regung.
Du betrachtetest gestern lange die stille Horizontlinie des Wannsees. Der Sand lag zu unseren Füßen, wir waren eine Stunde lang die einzigen Badegäste an diesem Ort, der bei großer Hitze bis zu 5000 Menschen zugleich aufnimmt.
Es war einsam um uns dort. Himmel und See blieben bleiern, zeitweilig ging neblichter Regen nieder, der von drüben, dort wo die weiße Villa am Wannsee ruhte, allerlei trübe und schwer lastende Gedanken herüberwehte.
Der langsame Aufstieg auf den in roten Ziegeln gemauerten Turm im Grunewald brachte die Befreiung von der Ahnung des Neides. Die Bewunderung trat wieder hervor. Und zuletzt setzte ein heftiger, fröhlicher Regen ein. Ich danke dir für alles, was du geschrieben hast, Robert.
Zitatnachweis:
Robert Harris: LUSTRUM. Hutchinson, London 2009, hier Seite 20


Nach Neil MacGregor, Dieter Borchmeyer, Thomas de Maizière, deren Thesen und Bücher wir eifrig gelesen haben, kommen nun Angela Merkel, Toni Garrn und Anne-Sophie Mutter in der BILD zu Wort. Grandioser Bilderbogen zu dieser Frage, die eine typisch deutsche Frage ist!

Die Berliner Landes- und Bezirkspolitik erzeugt parteiübergreifend allzu oft eine Kultur des Verdachts, zum Beispiel indem sie Angst vor Veränderungen schürt, indem sie den Wandel aussperrt, indem sie starr am Vorhandenen festhält. Man gewinnt oft den Eindruck, die paternalistische Politik Berlins wollte das freie Handeln freier Menschen verhindern und traue ihnen nichts zu. Die Verhängung einer Erhaltungsverordnung – gekoppelt mit der Aufforderung an die Bürger, „verdächtige Baumaßnahmen“ zu melden – ist ein bezeichnendes Beispiel dafür. Allein schon das Wort „Verdachtsgebiet“ spricht Bände! So viel Verzagtheit, so viel Missmut, so viel Angst prägt ein solches Vorgehen, wie man es wieder und wieder im Bundesland Berlin sehen kann! Dabei hat nachweislich eine derartige typisch Berliner Verhinderungspolitik – zu der auch das Verbot privater Ferienwohnungen gehört – das unleugbare Steigen der Mieten weder verhindern noch verlangsamen können; und auch private Investoren ziehen sich zunehmend aus dem Wohnungsbau zurück. Wen wundert’s?




47 europäische Staaten gehören derzeit dem Europarat an; der Europarat vertritt das politische Europa derzeit am unwiderlegbarsten, nur der Europarat umfasst gleichermaßen den Osten wie den Westen Europas. Dem Europarat verdankt die Europäische Union, eine halbseitig gelähmte Tochter des Europarates, ihre Flagge: sie hat sie 1986 einfach von ihm übernommen. Der 1949 gegründete Europarat ist somit der Grundstock der europäischen Einigung. Die Flagge des Europarates weht strahlend seit 9. Mai 2011 auf dem Sitz des Bundestages und dokumentiert so die Einbettung der Bundesrepublik Deutschland in das Europa der 47.
