Die elterngetragene Grundschule, oder: Brauchen wir eine neolithische Wende an Kreuzbergs Schulen?

 Altparteien, Bergmannstraße, Friedrichshain-Kreuzberg, Gute Grundschulen, Neuparteien  Kommentare deaktiviert für Die elterngetragene Grundschule, oder: Brauchen wir eine neolithische Wende an Kreuzbergs Schulen?
Juli 292011
 

east-side-gallery-21062008001.jpg „Jetzt machen wir unsere Schule selbst.“ So das Motto der vom Staate maßlos enttäuschten Kreuzberger Eltern, die sich vor Jahren zusammenfanden, um eine evangelische elterngetragene Schule zu gründen. Sie griffen damit das Motto einer Berliner Parteineugründung einer bunten Schar vom Staate maßlos enttäuschter Kreuzberger Menschen aus dem Jahre 1978 auf: „Jetzt wählen wir uns selbst“.

Aus diesem staatskritischen Grundimpuls der Töchter und Söhne aus gutem Hause: „Wir machen Politik selber – die da droben können es nicht“ entstand vor 33 Jahren in Kreuzberg die Alternative Liste (AL), die erfolgreiche Partei-Neugründung der Bundesrepublik.

Aus demselben staatskritischen Grundimpuls der jungen Väter und Mütter „Wir machen Grundschule selbst – die da droben können es nicht“ entstanden exakt 30 Jahre später in Kreuzberg und anderswo Elterninitiativen zur elterngetragenen Grundschule.

Es gab Riesenzoff, Riesenärger! Seine hocherfahrene grüne Politmajestät in und zu Kreuzberg war getreu dem damaligen Motto selbstverständlich auch für die Kreuzberger Privatschule. Die linksgrüne Bezirksobrigkeit in Friedrichshain-Kreuzberg hingegen stand in aller Öffentlichkeit wie so oft als verbietend-kontrollierende Verhinderungsinstanz da.

Niederschmetternd: Beide Seiten – die staatsskeptischen Selbermacher von unten und die linksgrüne staatstragende Obrigkeit von oben – sprachen ab einem gewissen Punkt erkennbar nicht mehr miteinander. Die Bildungspolitiker des Bezirks wurden von verbitterten Eltern zu unerwünschten Personen erklärt und nicht mehr eingeladen – etwas, was sich kürzlich im Kreuzberger Hasir wiederholt hat. „Politiker unerwünscht!“ So las ich es selbst auf einem Aufruf eines Vaters, eines früheren taz-Redakteurs übrigens. Diesem Aufruf folgten die Eltern zu Hunderten.

Ich selbst war stets ein Verfechter der staatlichen Grundschule als einer Einheitsschule. Ich bin überzeugt: Mindestens 4 Jahre sollen alle Grundschüler gemeinsam lernen! Davon entfernt sich Berlin, insbesondere aber Kreuzberg jedes Jahr mehr und mehr. Die von mir so oft beklagte soziale Entmischung der Schüler schreitet atemberaubend schnell voran, wohl auch deswegen, weil konstruktive Konzepte in der Kommunalpolitik dünn gesät sind.  Linke Senatspolitik und linksgrüne Bezirkspolitik sind – trotz anzuerkennender bester Absichten – gleichermaßen heillos überfordert.  Es herrscht allzu oft Hoffnungslosigkeit, Chaos, Verzweiflung an der staatlichen Grundschule.

Heute, wo die Schülerschaften gerade in Bezirken wie Kreuzberg oder Neukölln nach ethnischen, sozialen und nicht zuletzt religiösen Kriterien zutiefst auseinandergefallen sind und noch weiter auseinanderfallen, meine ich – weiterschreitend von meinem früheren Standpunkt:

Die böse, arge Zauselei zwischen den geschworenen Verfechtern der staatlichen Regelgrundschule wie etwa mir selbst und den privaten Initiativen zur Gründung dieser oder jener elterngetragenen Schule hat sich überholt. Das alte Lagerdenken gilt nicht mehr. Tatsache ist: Die bildungsbeflissenen Eltern aus den Ländern Polen, Palästina, Baden, Italien, Württemberg, Türkei, Russland, Frankreich  usw. verlassen – wie ich sehe –  weiterhin in großen Zahlen die staatlich hochsubventionierten Auffangbiotope für Erwachsene, genannt Kreuzberg, Neukölln, Wedding usw.

Es wäre für Kreuzberg ein Segen, wenn sich die eine oder andere alternative Privatschule in dem Bezirk niederließe, wenn die Privatschulen nach und nach die polnischen, italienischen, russischen, deutschen oder türkischen Familien zurückholten, die jetzt eine nach der anderen sang- und klanglos Kreuzberg verlassen oder längst verlassen haben. Ich denke da vor allem an islamische bzw. kirchliche private Grundschulen sowie an binationale elterngetragene Grundschulen. Zuziehende Familien mit Schulkindern sollten sich hier dauerhaft ansiedeln, sollten Kinderscharen zeugen, sozial benachteiligte Kinder unter ihre Fittiche nehmen, Kinder hier in Kreuzberg großziehen. Sie wüssten: Ich finde für unsere Kinder eine gute Zukunft an der besten möglichen Schule im schönsten aller Berliner Bezirke, in Friedrichshain-Kreuzberg vor!

Ich gestalte die Zukunft mit! WIR MACHEN UNSERE ZUKUNFT SELBER!

Es wäre die epochale Wende zur Sesshaftigkeit in Friedrichshain-Kreuzberg, die neolithische Wende in der Berliner Schulpolitik!

Wichtig: Die elternbestimmten Schulen sollten sich von Anfang als Teil des Umfeldes betrachten, sollten sich einbringen, sich öffnen zu den staatsbestimmten Grundschulen hin. Jedes Kind sollte angemeldet werden können. Warum nicht einen Tag zusammen Unterricht machen, gemeinsam Sportstätten nutzen, gemeinsame Konzerte abhalten? Gute Schüler der oft hervorragend ausgestatteten staatsgetragenen Grundschule könnten jüngeren schlechteren Schülern der elterngetragenen Grundschule Nachhilfe geben! Wettbewerb belebt die Kreativität, den Mut ud die Tatkraft der Schüler.

Gemeinsam&gelassen läuft’s besser. Kooperation ist angesagt.

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Juli 212011
 

22062011766.jpg Die Bergmannstraße bleibt im Fokus der Aufmerksamkeit. Was ich bei meinen Umfragen unter Anwohnern und Geschäftsleuten im Bergmannkiez feststellte: „Shared Space“ ist ein Fremdwort, niemand weiß damit etwas anzufangen. Mehr Chancen räume ich dem Wort und der Sache der „Begegnungszone“ ein. Sie klingt deutsch und stammt aus der Schweiz. Lest selbst im Tagesspiegel vom 20.07.2011:

Senat plant: Mehr Sicherheit für Fußgänger – Verkehr – Berlin – Tagesspiegel
In den geplanten „Begegnungszonen“ sollen Fußgänger auch auf der Straße Vorrang haben. Für Autos und Radler gilt Tempo 20. Als erste Testreviere wurden der Checkpoint Charlie und die westliche Bergmannstraße in Kreuzberg erkoren, wo die Fußgänger ohnehin in der Mehrheit sind. Als weitere Kandidaten gelten die nördliche Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg und die Stargarder Straße in Prenzlauer Berg.

Für die Kommunalpolitik in Friedrichshain-Kreuzberg tun sich interessante Gemengelagen auf: Einerseits ein BVV-Beschluss aus dem Juni 2010, der die Verlängerung der Fahrradstraße in die westliche Bergmannstraße fordert. In der Tat: Die wichtige Fahrrad-Senatsroute TR 4 führt geradenwegs durch die Bergmannstraße! Die sogenannte Fahrradstraße im östlichen Teil der Bergmannstraße hat freilich kaum etwas verändert. Sie hat aber auch niemandem geschadet oder wehgetan. Die Autos fahren munter weiterhin rein und raus, parken im modischen Querparken einen großen Teil der Fläche zu. Schaut selbst in die Fahrradstraße hinein:

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Andererseits ein Vorschlag des Senats, hier eine „Begegnungszone“ einzurichten. „Fahrradstraße“ und „Begegnungszone“ widersprechen einander. Denn Fahrradstraßen beanspruchen einen eindeutigen Vorrang des Radverkehrs gegenüber dem Fußverkehr und dem Autoverkehr. Sie können dort eingerichtet werden, wo der Fahrradverkehr bereits jetzt die vorherrschende Verkehrsart ist, oder wo zu erwarten ist, dass er alsbald die „vorherrschende Verkehrsart“ sein wird.

Die „Begegnungszone“ nach Schweizer Vorbild beansprucht hingegen Vorrang nicht für den Radverkehr, sondern für den Fußverkehr.

Meine persönliche Meinung? Nun, der Bergmannkiez ist mit etwa 7000 Einwohnern/Quadratkilometer eins der dichtestbesiedelten Wohngebiete Deutschlands! Dennoch prägen derzeit parkende und fahrende Autos sowie auch der zunehmende Fahrradverkehr das Straßenbild in der Bergmannstraße. Die Fußgänger müssen halt schauen, wo und wie sie ihren Weg durch Autos, Autos, Tische, Stühle und Fahrräder hindurch finden.

Verkehrskonzepte erfüllen in der Stadtplanung eine nur dienende Funktion. Der Verkehr dient dem Menschen bloß. Ich persönlich schlage deshalb vor, die Bergmannstraße in einem umfassend durchdachten, kulturell anspruchsvollen Ansatz in eine „Straße der Mitmenschlichkeit“ umzugestalten.

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Die Fotos in diesem Eintrag stammen alle aus dem Juni 2011 und zeigen den jetzigen Zustand der Bergmannstraße.

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Hassu Angst vor Türken? Bissu Nazi? Bissu rechts? Bissu Rechtspopulist?

 Angst, Friedrichshain-Kreuzberg  Kommentare deaktiviert für Hassu Angst vor Türken? Bissu Nazi? Bissu rechts? Bissu Rechtspopulist?
Juli 122011
 

Kaum etwas ärgert mich so sehr wie das denkfaule Adjektiv „Rechtspopulist“, das man auch in der Tagesschau immer wieder hören kann. Es ist inhaltsleer, es ist eine lächerliche Keule, die man gegen jede nur halbwegs vom billigen Linkspopulismus abweichende Meinung schleudert. Weder die „Wahren Finnen“ noch die Geert-Wilders-Partei sind mit dem Begriff Rechtspopulismus zureichend gefasst.

Wütende PolitikerInnenproteste haben eine gerichtlich genehmigte Veranstaltung von Pro Deutschland e.V. in der Kreuzberger BVV-Versammlungsstätte verhindert. Ei was nicht gar, mal wieder trefflich verhindert und das Mütchen gekühlt!

Nun ja … ist alles nur Politikersatz oder auch symbolische Ersatzpolitik, was da lief. Ich meine als Anhänger des Rechtsstaates, man hätte unbedingt die Veranstaltung von „Pro Deutschland“ erdulden müssen oder mit ihnen diskutieren müssen! „Sire, ich stimme Ihnen nicht zu, aber ich werde alles dafür tun, dass Sie Ihre Meinung vortragen können …“ Wer hat das wohl gesagt? 

Nazis sind die Menschen von Pro Deutschland sicherlich nie und nimmer, der Vorwurf ist dümmlicher, an den Schuhsohlen abgelatschter Linkspopulismus.

Und ein Bezirk, der die Parole „Deutschland verrecke“ klaglos erduldet, wird auch Pro Deutschland ohne mit der Wimper zu zucken erdulden können. Was nützt sonst all das aufgeblasene, lächerliche, heuchlerische Gerede von Toleranz und Weltoffenheit?

Die Bezirkspolitik in Friedrichshain-Kreuzberg hat doch fast nichts auf der Haben-Seite vorzuweisen, also versucht man’s wie gewohnt mit der großen Verhinderung. Statt Radwege endlich auszubessern, warnt man vor Radwegschäden.

Ansonsten: Die guten wackeren täppisch-treudeutschen Demokraten sollten ihre Kinder zu uns Nicht-EU-Migranten-Familie​n in die Grundschulen schicken. Ich ärgere mich schon lange nicht mehr GRÜN und SCHWARZ, dass die BVV-Verordneten, all die linken und grünen Politikerinnen und all die Grünen-Wähler ihre Kinder nicht in die stinknormalen Kreuzberger Kitas und Grundschulen schicken. Aus Angst vor gewaltbereiten Türkenjungs? Angst vor kopftuchtragenden salafistischen Araberinnen? Angst vor betrunkenen Russen? Angst vor dauernden „Ihh-Schweinefleisch“-Rufen?

Wenn es den Linkspopulisten ernst mit ihren Bekenntnissen wäre, müssten sie es tun.

Darin steckt ein Problem, das unsere mutigen Linkspopulisten noch nicht einmal ansatzweise erkannt haben.

 

Nach erfolgreichen Protesten gegen Rechte: Blockade reizt Fahnder – taz.de
Anderthalb Wochen nachdem Proteste vor dem Kreuzberger Rathaus eine Sitzung der rechtspopulistischen Partei „Pro Deutschland“ verhindert haben, laufen nun Ermittlungen gegen den Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). „Es geht um Paragraph 21 des Versammlungsgesetzes“, bestätigte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Der Paragraph stellt es unter Strafe, nicht verbotene Versammlungen zu verhindern oder entsprechende Gewalt anzudrohen oder auszuüben. Dafür drohen eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Haft.

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80.000 leerstehende Mietwohnungen in Berlin suchen verzweifelt Menschen

 Bitte zählen!, Friedrichshain-Kreuzberg, Mieten, Wanderungen  Kommentare deaktiviert für 80.000 leerstehende Mietwohnungen in Berlin suchen verzweifelt Menschen
Juli 122011
 

02072011794.jpg10 Tage lebte der Blogger in Mecklenburg-Vorpommern mit seiner Familie auf 6 Quadratmeter Wohnfläche! Das eigene Heim ist halt doch Gold wert! Es ging schon einigermaßen, zumal das Außenzelt uns nachts zuverlässig vor dem pladdernden Dauerregen schützte. Mit wie wenig kann der Mensch doch auskommen! Gebadet wird in der Ostsee, Essen und Trinken findet im Freien statt, Körperpflege in den Gemeinschaftsduschen.

Nur nachts dachte ich manchmal bei Blitz und Donnerschlag: Um wieviel besser wäre es jetzt, eine Mietwohnung am Stadtrand Berlins zu haben! Weiterhin verschenken die städtischen Wohnungsbaugesellschaften Boni und Anreize, damit die Menschen aus den beliebten Innenstadtquartieren in die grünen Randbezirke ziehen. Das berichtet die BZ heute auf S. 14.  80.000 Wohnungen stehen in Berlin leer! Aus Steuergeldern finanziert werden 300-Euro-Starter-Boni, mietfreies Kinderzimmer, 500-Euro-Gutschein und und und …

Aus Berichten von Freunden und Bekannten weiß ich: Die Wohnqualität in den Großsiedlungen ist gut, sie bieten gerade für junge Familien jede Menge bezahlbaren Wohnraum. Den öden Hype um den Bergmannkiez und den Caffe-Latte-Prenzl-Berg sollte man nicht mitmachen! Was nicht durchgentrifiziert wird, fällt eh dem Spielhallenvirus zum Opfer. Konsequent: Bei meiner Rückkehr nach Kreuzberg entdeckte ich vor wenigen Stunden die erste Spielhalle in der Stresemannstraße. Meine Kinder können also jetzt wählen zwischen 2 Spielcasinos am Mehringdamm und einem in der Stresemannstraße.

Der Berliner Hätschel- und Verwöhnstaat schüttet über seine landeseigenen Wohnungsgesellschaften weiterhin sein Füllhorn aus. Buen provecho!  Eine Quadratmetermiete von 3 Euro, wie sie die GSW anbietet, kann niemals kostendeckend sein.

Dauerjammerer und Schlechtwettervögel: Greift zu – statt zu klagen!

Bild: So trübe sah es vor unserem 6-qm-Eigenheim tagelang aus.

Schnäppchen: Sonderangebote für Berliner Platten – B.Z. Berlin – Plattenbau, Sonderangebote, Sanierung

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Diaologorientiertes Verfahren für die Bergmannstraße

 Bergmannstraße, Friedrichshain-Kreuzberg  Kommentare deaktiviert für Diaologorientiertes Verfahren für die Bergmannstraße
Juni 292011
 

Nahm gestern an der guten, offenen Podiumsdiskussion zur Bergmannstraße mit Bezirks-Baustadtrat Panhoff, Tiefbauamtsleiter Schulz-Herrmann, Verkehrsplaner Rafael Steiner und vielen engagierten Anwohnern aus dem Bergmann- und Chamissokiez teil. Kundig moderierte Henning Zimmermann. Die einzige, große, großartige Lösung, die alle glücklich macht, scheint es nicht zu geben. Das ist ja auch sehr selten im Leben der Fall. Im Grunde beruhigend. Konsens schien gestern jedenfalls zu sein, dass der PKW-Verkehr in der Bergmannstraße verringert werden sollte. Besonders beeindruckt hat mich die sorgfältig vorgetragene, mit Karten und Tabellen untermauerte Analyse des im Chamissokiez wohnenden Verkehrsplaners Rafael Steiner, die auch im Internet abrufbar ist. 

So muss es laufen: kooperative Grundhaltung auch bei streitig diskutierten Themen! Gute Sache, Fortsetzung erwünscht!

Am Abend genossen wir noch den herrlichen Sommer im Restaurant Brachvogel. Über uns rauschten zwei Mal die Habichte des Prinzenbades vorbei, der bestirnte Himmel zeigte sich unbewölkt. Schön!

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Juni 262011
 

Das tut weh: Noch vor einigen Tagen kaufte ich rechtzeitig zu meinem Auftritt auf dem Umweltfestival  am Brandenburger Tor einen Satz neue Violinsaiten bei Noten in Kreuzberg in der Friesenstraße! Dominant von Thomastik Infeld. Und jetzt macht dieser Laden auch dicht! Direkt an der Bergmannstraße.

Umgekehrt beobachte ich weiterhin ein Anwachsen der Spielsalons in Berlin. Schlimm schlimm.

Schade: Noten in Kreuzberg macht dicht | die bergmannstrasse

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Juni 202011
 

… so hoch da droben?“ Sehr schöner Artikel  über die Forstakademie Tharandt heute in der Süddeutschen Zeitung auf S. 9! Unbedingt lesenswert! Herrliches Bild „Einsamer Baum“ von Caspar David Friedrich! Online leider nicht abrufbar, Kauf der Druckausgabe lohnt sich aber.

Burkhard Müller greift unter dem Titel „Die Schönheit des Waldbaus“ in seinem Bericht über 200 Jahre „Forstakademie Tharandt“ die zentralen Themen der deutschen Forstwirtschaft auf: Nachhaltigkeit, Biodiversität, Monokultur, Naturschutz, behutsame Walderneuerung.

Joseph von Eichendorff dichtete in genau jenen Jahren eins der ersten Wald-Lobpreis-Gedichte – Hunderte andere von Dutzenden anderen Dichtern werden dann folgen! Felix Mendelssohn Bartholdy, der im tiefsten Geschoß, 500 Meter von meinem Kreuzberger Ansitz, ruht, hat das großartige Nachhaltigkeitsgedicht 1841 in Melodie gesetzt.

Nachrichten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport – sueddeutsche.de

Die Jahre um 1810 sind die Gründerjahre des forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsgedankens!  Von Tharandt aus trat das Leitbild der nachhaltigen Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen seinen Siegeszug an – bis nach Cuba, Vietnam, Litauen, Russland, Polen – ja sogar in den Mittelmeerraum.

Bild: Einsamer Baum im Havelland, aufgenommen im Jahr 2007.

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„Dagegen kämpfen wir mit aller Kraft!“

 Friedrichshain-Kreuzberg, Sündenböcke  Kommentare deaktiviert für „Dagegen kämpfen wir mit aller Kraft!“
Juni 142011
 

Unsere Bezirkspolitik hat sich wieder und wieder in die negativen Schlagzeilen geschossen. Touristen werden unter dem Motto „Hilfe – die Touris kommen!“ zu unerwünschten Personen erklärt. Wenn Radfahrer falsch fahren, wenn Bierflaschen zertrümmert werden oder Besoffene herumtorkeln, werden die Verursacher flugs zu „Fremden“ erklärt. Merke: „Alles Böse kommt von außen“.

Die alten, eingefahrenen, die verstockt-konservativen Mehrheiten in unserem Bezirk sträuben sich gegen den Wandel. Es fehlt an konstruktiver, vorausgestaltender Kommunalpolitik in unserem Bezirk. Deshalb wird ein Verbot nach dem anderen erlassen. „Wir haben es geschafft, neue Hotels zu untersagen! Wir haben es geschafft, Grillen zu verbieten! Wir haben es untersagt, Bäder in privaten Wohnungen, sofern sie in Milieuschutzgebieten liegen, zu modernisieren! Wir wollen es einer Genehmigungspflicht unterwerfen, Wohnungen an Nichtberliner zu vermieten! Kein Büro-Tower am Spreeufer!“

Verbote, Verordnungen, Überwachungen! TYPISCH DEUTSCH, diese Bürgerlichen!

Unerwünschte Erscheinungen wie etwa steigende Mieten werden von den Strukturkonservativen sofort dem rot-roten Senat oder der bürgerlichen Bundesregierung in die Schuhe geschoben. Wie es gerade passt. Nur keine Verantwortung übernehmen!

„Dagegen kämpfen wir mit aller Kraft!“ scheint das Leitwort der herrschenden Mehrheiten in der Bezirkspolitik zu sein. Die Ziele der Gegnerschaft wechseln. Mal ist es eine Straße, mal sind es Hotels, mal sind es Zugereiste, mal sind es eben Hütten aus nordischer Fichte mit Solarpaneelen auf dem Dach.

Wechselnde Ziele bei gleicher Grundhaltung! Der Gegner, das ist das Neue.

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Mai 312011
 

Kaum jemand weiß es, aber den klimaschützerischen Grünen müsste es wenigstens bekannt sein: Seit 1970 hat sich die durchschnittliche Wohnfläche, die jedem Bundesbürger zur Verfügung steht, verdoppelt. Und Gebäudeheizung verursacht etwa 35-40% der Treibhausgase. Wäre es da nicht eine gute Idee, die Menschen zum freiwilligen Verzicht auf Wohnraum aufzufordern?  Ebenso wie ich sie seit Jahren zum Umsteigen vom Auto auf das Fahrrad und den ÖPNV auffordere?

Nicht der Verkehr, sondern das Wohnen, Heizen und Kochen hinterlässt den größten CO2-Abdruck!

Am klimaschädlichsten sind ja zweifellos die um sich greifenden Einpersonenhaushalte. Die Versingelung der Berliner Gesellschaft schreitet voran, sie liegt jetzt bei 55% aller Haushalte. Selbst der Regierende Bürgermeister fordert, das Land solle neue Ein-Personen-Wohnungen für Studenten bauen und anbieten. Nun, früher wohnte man „zur Untermiete“. Ich selbst fing mein Studentendasein an der FU als Untermieter einer Witwe an, die ihre Zehlendorfer 4-Zimmer-Wohnung auch durch das Vermieten zweier Zimmer an Studenten finanzierte.

Der Klimaeffekt  der Untermieter ist minimal, weil die Grundheizung der Wohnung sowieso erfolgt.

Später merkte ich, dass ich für weniger Geld im Subventionsparadies West-Berlin eine 1-Zimmer-Wohnung mieten und bewohnen konnte. So zog ich in die Hornstraße in Kreuzberg – nur einen Steinwurf von meinem jetzigen Wohnort entfernt. Ich zahlte 56 DM kalt und schippte Kohlen in den Kachelofen. Die Außentoilette im Treppenhaus und das Fehlen einer Dusche störten mich nicht.

Meine Klimabilanz verschlechterte sich allerdings, denn nun trug ich über den Kachelofen zur Feinstaubbelastung der Luft und zur Freisetzung schädlichen Kohlendioxids viel mehr bei als vorher. Das dank der eigenen Mietwohnung eingesparte Geld kratzte ich zusammen und leistete mir einen 10 Jahre alten Ford Escort, den ich für 1000 DM bei einem Autohändler am Südstern kaufte. Eine Stelle als studentische Hilfskraft an der FU ermöglichte mir einen Lebensstil, von dem ich früher nur hätte träumen können – auch dank der Berlin-Zulage.

Ich war reich, denn ich hatte eine eigene Mietwohnung, ein Auto und jede Menge Spaß! Ich hatte damals mehr Geld in der Tasche als heute ein türkischer Arbeiter mit seinem gesetzlichen Mindestlohn!

Und heute? In manchen Bezirken der Stadt Berlin stehen riesige Flächen innerhalb der Wohnungen und Häuser leer, es gibt enorm viel ungenutzten Platz in den Wohnungen, den die Menschen teilen könnten. Das Geschrei über Mietsteigerungen und „Vertreibungen“ ist groß und grotesk, dabei stehen in Berlin sehr viele Zimmer leer. In den Plattenbausiedlungen etwa in Marzahn kümmern oftmals 30% aller Wohnungen leer vor sich hin! Ich finde: Da sollten die Leute rein, ehe weitere kostbare grüne Flächen durch 1-Zimmer-Appartments verbaut und verbraucht werden.

Dem Klimaschutz tut’s gut. Holt euch den Wohnraum zurück, Berlinerinnen und Berliner!

Bild: Sumpfe und Moore sind natürliche CO2-Senken! Hier ein Bild von einer Radttour aus dem Fläming.

Klimaschutz – Wowereit warnt vor zu starker Belastung von Mietern – Berlin Aktuell – Berliner Morgenpost – Berlin

 Posted by at 19:48
Mai 312011
 

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Ein typisches Bild aus meiner Nachbarschaft in Kreuzberg-West: leerstehende Geschäfte, die nicht mehr vermietet werden. Graffiti breiten sich aus. Hier wurde noch vor drei oder vier Jahren kaum gesprüht. Heute dagegen: Ganze Straßenzüge sind mit Schmierereien verunstaltet, der Müll übersät den Kreuzberg nach jedem schönen Wochenende. Das war vor 5 Jahren noch anders.

Der Schlecker in meiner Straße hat ebenfalls dichtgemacht, der Laden ist unvermietet. Ich spreche mit den Leuten aus den Geschäften: Umsatzrückgänge in den vergangenen Jahren! Die Wohnungsmieten ziehen nicht merklich an, nur sehr gute Objekte verzeichnen bei Neuvermietung kräftige Mietsteigerungen. Es gibt erheblichen Wohnungsleerstand. Finanziell nicht vom Staat abhängige Familien mit Kindern ziehen weiterhin aus Kreuzberg weg, sobald die Kinder das Schulalter erreichen. Auf- und Abwertung halten sich in Kreuzberg-West insgesamt einigermaßen die Waage.

Schade. Das müsste alles nicht sein. Not tut eine echte Aufwertung des Wohnumfeldes.

 Posted by at 17:28
Apr. 302011
 

Aha, interessantes Thema, das ich da im Blog Politikselbermachen entdecke. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg werden die Gelder für das Schulessen zusammengestrichen. Ausgerechnet bei den Schulen und beim Essen für unsere Kleinsten spart mein Heimatbezirk mehr als die anderen Berliner Bezirke. Was soll ich sagen? Soll ich mich schämen, ein Friedrichshain-Kreuzberger zu sein?

Ich rege mich ja schon gar nicht mehr über die fehlende Fahrradinfrastruktur im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg auf – über die schmähliche Ausgrenzung und das An-den-Rand-Drängen des Radverkehrs an der Skalitzer Straße, am Tempelhofer Ufer, an der Warschauer Straße, am Tempelhofer Berg und und und. Wer Fahrrad fahren will, wer jung, gesund, stark und risikofreudig ist, soll halt Fahrrad fahren, wie ich das ja auch mit größter Freude mache.

Ich lege hiermit das denkbar beste Zeugnis ab: Kein einziger gesunder, sportlicher, risikofreudiger, erwachsener Mann wird hier in unserem deutschlandweit bekannten Vorzeigebezirk am Fahrradfahren oder am Zu-Fuß-Gehen gehindert!

Alles gebongt, alles gegessen!

Aber dass man ausgerechnet am Schulessen, ausgerechnet an Centbeträgen knausert? Lest das hier:

Berlin muss sparen – beim Schulessen? « Politikselbermachen
Jedes Kind sollte gut essen, jedes Schulkind sollte auch gut selberkochen lernen. Leider wird in manchen Kreuzberger Familien zu wenig selber gekocht. Folge: Die Kinder sind auf qualitativ hochwertiges Essen in der Schule angewiesen. Lecker, schmackhaft und gesund kann man auch für wenig Geld essen – sofern man frische Zutaten der Saison kauft und selber kocht.

Eifrig auf den Spuren des herrlich bösen, roten SPD-Mannes Thilo Ich-nehm-meine-Mitgliedschaft-ins-Grab-Sarrazin, der Arbeitssuchenden und Sozialhilfeempfängern selber vormachte, wie man für Euro 1,03 für ein Mittagessen, für 3,76-3,98 am Tag gesund&lecker essen kann, wandelt derzeit der ganz liebe, grüne Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. In Friedrichshain-Kreuzberg darf das angelieferte Schulessen künftig nur noch höchstens 2 Euro/Portion kosten.

Lest selbst:

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat bei seiner aktuellen Ausschreibung zur Vergabe des Catering-Auftrags sogar festgelegt, dass das Schulessen künftig noch weniger kosten muss als in den Vorjahren. Das angelieferte Schulessen darf dort nur noch höchstens zwei Euro kosten. Bisher galt eine Kostenobergrenze von 2,05 Euro. Daraufhin haben nun Essensanbieter aufgegeben. Der Caterer „Drei Köche“, der bisher Schulen im Bezirk beliefert, hat sich an der Ausschreibung, deren Frist gestern abgelaufen ist, nicht beteiligt. „Bei diesem Preisdumping machen wir nicht mit“, sagte Geschäftsführer Klaus Kühn.

Quellenhinweise (hey Plagiatjäger – ihr habt keine Chance!):

Martin Klesmann: Schulessen auf Sparflamme. Berliner Zeitung online, 29.04.2011

Thilo Sarrazin: „Ernährung“, in: Deutschland schafft sich ab. DVA München 2010, S. 114-121

Bild: der herrliche Kreuzberg zur herrlichen Osterzeit

 Posted by at 20:54
Apr. 292011
 

„Eine Zeitlang hat er uns vorgespielt, Krebs oder Tuberkulose zu haben. Er lief in München herum, mit dem Gesicht eines Mannes, der wußte, daß er sterben muß, aber das Beste daraus machen will. Er tat immer so, als würde er Blut in sein Taschentuch husten, aber das Tuch blieb weiß.“

So berichtete es uns ein Schulkamerad über einen Mitschüler, der später ein sehr bekannter Mensch in der Bundesrepublik Deutschland wurde.

In kaum einem Satz ist das Wesen des bundesrepublikanischen Terrorismus der 70er und 80er Jahre besser gefasst.

Diese Fabel vom eingebildeten Blutspucker kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn kluge Zeitgenossen mir etwas vom „mörderischen Charakter unseres Systems“ erzählen, vom bevorstehenden Untergang unserer Ökosysteme, vom unausweichlichen Ende des Kapitalismus.

Es gibt Unheilsapostel, die uns etwas weismachen oder besser „schwarzmachen“ wollen, was so einfach nicht stimmt.

„Jedes dritte Kind in Berlin lebt in Armut. Berlin ist die Hauptstadt der Kinderarmut.“ Ein großer, ein unausrottbarer Unsinn, eine Torheit, die auch in den besten Parteien unermüdlich verbreitet wird!

Ich sage: Es gibt in Berlin keine Armut. Dann müsste ich sie ja sehen, da ich seit vielen Jahren in einem von Armut geprägten Stadtbezirk lebe und tagtäglich mit genau diesen Kindern rede, die angeblich in Armut leben.

Die eingebildeten Blutspucker! Sie spucken Blut ins Taschentuch, aber es bleibt weiß.

Zitat:
Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex. Hoffmann und Campe, Hamburg 1985,  S. 18

 Posted by at 23:30