Der Staat kann nicht alles schultern: Geh deinen Weg!

 Beweg dich, bitte!, Bundestagswahlen, Familie, Pflicht, Sozialstaat, Tugend, Vaterlos, Verantwortung  Kommentare deaktiviert für Der Staat kann nicht alles schultern: Geh deinen Weg!
Aug. 232010
 

Stets mit hochgezogenen Augenbrauen nehme ich es zur Kenntnis, wenn Politiker dem „Volk“ nichts versprechen, sondern etwas von den Bürgern „fordern“, oder besser gar, sie zu etwas auffordern: „Der Staat kann nicht alles schultern. Die Gesellschaft muss sich beteiligen, sonst kriegen wir die Probleme nicht in den Griff.“

So Ministerin von der Leyen. So weit so gut. Völlig richtig. Vom Glauben an die Allzuständigkeit und umfassende Letztverantwortung des Staates sollten wir uns verabschieden (ich gehörte eh nie zu DER Fraktion.)

Bildung für Arme: Von der Leyen fordert Beitrag der Reichen – Politik – Tagesspiegel

Possierlich sind die Reaktionen der Leser im Tagesspiegel-Forum auf die insgesamt richtigen Forderungen von der Leyens: „Armutszeugnis … natürlich ist der Staat verantwortlich, schlechteste Bundesregierung, die wir je hatten“, bis hin zu allerlei Beschimpfungen. Das Übliche. Kaum jemand weiß, wieviel der Staat pro Kopf für Schulen und Kindergärten, für Sozialhilfe und Sozialleistungen ausgibt. Mehr ist schwer möglich, es sei denn um den Preis noch höherer Staatsverschuldung.

Ich selber freue mich stets, wenn Politiker  mehr Engagement und Fleiß von den Bürgern verlangen und nicht gar so viele unrealistische Versprechungen unters Volk säen.

Gerade beim Thema Bildung für Kinder führt kein Weg daran vorbei, dass die Jungs und Mädchen mehr lernen, dass sie fleißiger sein müssen. Man kann nicht immer alle Versäumnisse dem Staat anlasten. Das ist zu bequem. Solches Gerede entfaltet bei meinen Miteltern und bei unseren Kindern eine verheerende, eine geradezu lähmende Wirkung.

Die Eltern sollten selbst etwas tun„, so hat es auch unser Bezirksbürgermeister Franz Schulz zu diesem Thema gesagt und zu Protokoll gegeben. „Bequemlichkeit ist kein Argument“ – und noch weniger eine sinnvolle Ausrede. Dieses letzte Zitat stammt von einer Politikerin in unserem Bezirk. „Du musst Deutsch können“ – so die Bundesvorsitzende einer Oppositionspartei im Bundestagswahlkampf 2009.

Der Staat kann nicht alles schultern
Die Eltern sollten selbst etwas tun
Bequemlichkeit ist kein Argument
Du musst Deutsch können

Ehrlich gesagt: Ich mag solche Sätze. Ich steh auf solche Sätze. Denn ich lebe in Berlin und ich kenne mein Kreuzberg.

Machen wir es noch knapper:

Steh auf. Mach etwas. Geh. 

 Posted by at 17:08

Kreuzberger Michelin-Männchen springt Besenwagen von der Schippe

 Tugend  Kommentare deaktiviert für Kreuzberger Michelin-Männchen springt Besenwagen von der Schippe
Juli 262010
 

dresr10ost0020.jpgNo child left behind – Niemand darf zurückbleiben – niemand soll abgehängt werden!“ So hört man es immer wieder. Und diese Worte klangen mir im Ohr, als ich beim Dresdner Jedermannrennen „Race Day Dresden“ gestern einige Kilometer hinter dem Feld herfuhr. Denn nach etwa 10 Kilometern konnte ich den Anschluss an das Peloton nicht halten: Ich musste den Helm lockern, die Kapuze von über dem Helm abnehmen, Kapuze wieder aufziehen, Helm wieder aufsetzen. „Das sind die Letzten …“ riefen Zuschauer einander zu, als wir hinter Pirna einen 700 m langen Berg hochstrampelten.  Hinter mir tuckerte im ersten Gang ein bulliger Diesel. Er ließ sich nicht abschütteln.  „POLIZEI – Schlusswagen“ stand bedrohlich auf ihm. Ich bin sonst immer polizeifreundlich gesonnen, aber gestern war sie mir UNSYMPATHISCH. „Jetzt durchhalten! Jetzt weißt du also, wie sich die Benachteiligten in unserer Gesellschaft fühlen! Du bist das hintere Drittel, du bist der Letzte! Du bist der Schulabgänger ohne Abschluss.“

Ich schnappte am Verpflegungspunkt eine Banane und versuchte, die herrlichen Ausblicke in die Sächsische Schweiz zu genießen. Der POLIZEI-Schlusswagen fuhr weiter! Der BESENWAGEN hattte mich überholt! Ich war draußen! Ich trat in die Pedale, kämpfte mich heran. Ich überwand den Schlusswagen. Überholte die vorletzte Rennfahrerin, sprach ihr Mut zu: „Wir schaffen das!“ „Irgendwie werden wir es schaffen!“, lächelte sie zurück.

Nach und nach trocknete die füllige blaue Regenjacke, die ich am Start übergestreift hatte. Denn es hatte zu Beginn des Rennens eine Stunde lang ohne Unterlass geregnet. Die Regenjacke wölbte sich, blähte sich im Wind, ein Abbremsen auf den langen Schussfahrten wurde überflüssig. Und sie sorgte dafür, dass der Anstieg nicht zu leicht wurde. Die Rennschuhe waren vollkommen durchnäßt, statt zweier Füße spürte ich das ganze Rennen über zwei bewegliche Eisbeutel kreisen.

So fuhr ich gestern zwei Drittel des Dresdener Jedermann-Rennens im festen Bewusstsein, der Letzte im Feld zu sein. Mein einziges Ziel war es, innerhalb der geforderten Zeit (Durchschnitt 25 km/h) anzukommen und nicht disqualifiziert, nicht vom Besenwagen eingesammelt zu werden.

Ich erreichte die Zieleinfahrt vor der Semper-Oper nach dreieinhalb Stunden mit weichen Knien und unter dem herzlichen Beifall der Zuschauer.

Ich plauderte mit einigen Mitstreitern. Alle fanden das Rennen ungewöhnlich schwer. Angeblich hatte ein ehemaliger Weltmeister das Rennen gewonnen. Die Jedermann-Rennen sind, wie man vernimmt, für Ex-Profis lukrativ geworden.

Zu meiner Überraschung muss ich heute im Internet feststellen, dass ich keineswegs der Letzte war, sondern unter den 170 männlichen Teilnehmern des 88-km-Rennens Rang 129 herausgefahren habe. Ich kann mir das nur so erklären, dass sich verschiedene Felder gebildet hatten – bei einem hatte ich abreißen lassen müssen, und das nächste Feld hatte mich offenbar nicht eingeholt.

Mein selbstgestecktes Ziel, nämlich unter die besten 70% der 182 Teilnehmer zu fahren, habe ich also um 1-2 Plätze verfehlt. Aber unter den schlechtesten 30% war ich (fast) der Schnellste.

Merke, oh Unqualifizierter, Benachteiligter, Letzter dieser Welt: Du bist nicht so schnell der Letzte, wie du denkst. Besser ist es, zu kämpfen als aufzugeben. Aufgeben, nur weil man der Letzte ist? Niemals! Denn: So mancher, der sich für den Letzten hielt, wird der Erste unter den Letzten sein.

Ein spannendes, lehrreiches Rennen! Ich schließe dieses herrliche Rennen in mein Gedächtnis ein im Bewusstsein, der Erste unter den Letzten gewesen zu sein.

UND: Nächstes Jahr fahre ich ohne Michelin-Regenjacke – da mag es schneien und graupeln so viel es will.

Ein paar Impressionen findet ihr auf Youtube:

Start Race Day Dresden 122 km 

Startvorbereitung Race Day Dresden 88 km

Mitschwimmen im Hauptfeld Race Day Dresden

certificate.php (application/pdf-Objekt)

 Posted by at 19:38

Tritt in die Pedale, strample dich ab!

 Tugend  Kommentare deaktiviert für Tritt in die Pedale, strample dich ab!
Juli 152010
 

„Mit jedem Tritt in die Pedale deines Fahrrads verlängerst du dein Leben vor der Demenz um 5 Sekunden. Du reduzierst die Erderwärmung um 0,0000000002 Prozent. Du hellst die Stimmung deiner Mitmenschen um den Faktor 0,007 Prozent auf.“ Flapsige Sprüche … die wenig taugen, oder? Vergesst sie mit aller Kraft!

Denkt bitte jetzt nicht: „Mit jedem Tritt in die Pedale meines Fahrrads verlängere ich mein Leben vor der Demenz um 5 Sekunden. Ich reduziere die Erderwärmung um 0,0000000002 Prozent. Ich helle die Stimmung meiner Mitmenschen um den Faktor 0,007 Prozent auf.“

Aber einen wirklich tollen Clip über das Alltagsradfahren entdeckte ich soeben. Ihn kann ich nur allen Radfahraktivisten WÄRMSTENS empfehlen …  (die letzten Sekunden dienen der Produktwerbung für einen Mobiltelephonhersteller… dann bitte einfach abschalten).

Sell dir vor on Vimeo

 Posted by at 00:08
Juli 142010
 

Ein Blick auf Wirtschaftsstatistiken zeigt: Echte, „massenhafte“ Armut herrschte in Deutschland  immer wieder: so etwa in den Jahren 1640-1650 während und nach dem Dreißigjährigen Krieg, 1919-1923, 1946-1947. Meine Vorfahren väterlicherseits zogen nach dem zweiten Weltkrieg mit 25 kg Gepäck und ohne Bargeld in den Westen. Sie waren in der Tat arm. Dennoch hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel, kümmerten sich umeinander. „Erziehungsversagen“ kam ganz selten vor, „aus allen ist etwas geworden“, und schon nach wenigen Jahrzehnten waren sie alle „reich“, gemessen an den Maßstäben von 1946-1947.

Anders heute! Lest:

Berliner Zeitung – Aktuelles Politik – Schröder will Kinder vor Vernachlässigung schützen
Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sprach in der «Welt» von einer dramatischen Entwicklung. Ein immer größerer Teil der Kinder lebe in Armut, und Armut sei der größte Risikofaktor, sagte er. Zu 90 Prozent spielten sich die Fälle, in denen die Kinder aus den Familien herausgeholt werden müssten, im Armutsmilieu ab. «Das Problem des Erziehungsversagens löst man nicht mit mehr Geld, sondern mit mehr Prävention“, sagte Hilgers. Je früher der Staat Eltern und Kindern mit familienergänzenden Hilfen unter die Arme greife, desto größer seien die Erfolgschancen und desto niedriger die Kosten.

Erziehungsversagen ist heute ein massives Problem. Das sehe ich selbst in meinem Umfeld immer wieder. Die Familien zerfallen, halten nicht zusammen, geschweige denn „wie Pech und Schwefel“.

Als eine der Hauptursachen, vielleicht die Hauptursache für das Versagen der Eltern meine ich den Mentalitätswandel und den tiefgreifenden Wandel im Familienbild zu erkennen, dessen Zeuge jeder heute über 50-jährige geworden ist.

Dieser Mentalitätswandel wird befördert durch die verlässliche materielle Absicherung der Existenz jedes Einzelmenschen durch den Staat. Die Familie hat (vorübergehend?)  als wesentliches soziales Sicherungssystem – wie sie das sicherlich über Jahrtausende hin in nahezu allen Völkern war –  ausgedient. „Du brauchst nichts zu machen, die Kinder wachsen von selber auf, das Geld kommt vom Amt.“

So läuft es. Dieses Grundmuster meine ich flächendeckend zu erkennen. Ausbildungsverweigerung, Kriminalität, Drogensucht, Vernachlässigung, all das gab es in kleinem Maße früher in der Bundesrepublik auch. Aber dass es wirklich zu einem „Flächenbrand“ an auseinanderbrechenden Lebensläufen kommt, das ist systemisch bedingt. Untrennbarer Bestandteil dieses „Systemversagens“ ist die Missachtung, die Geringschätzung, ja teilweise die bewusste, ideologisch überhitzte Zersetzung des Familienbildes.

Gesunde, intakte, von persönlicher Liebe zusammengehaltene Familien sind die beste Prävention gegen Misshandlung, Schulversagen, Kriminalität.

Das ist keine Frage des Geldes, sondern eine Frage der Moral oder wie man mit einem treffenden, altertümlich klingenden Ausdruck sagen könnte, der Sittlichkeit.

Ich bin kein Sozialarbeiter, aber ich kenne viele Menschen und spreche mit denen, um die sich Sozialarbeiter kümmern oder kümmern sollten. Nur aus diesen direkten Beobachtungen speisen sich die vorstehenden Betrachtungen.

 Posted by at 09:10
Juni 242010
 

Frage nicht, was DIE POLITIK für den Klimaschutz tun kann, sondern frage, was DU für den Klimaschutz tun kannst.

Heute ist der Johannistag, der 24. Juni. Johannes, der Mann des Umdenkens. „Denket um!“ Das war seine ganze Botschaft. Das gefällt mir. So meine ich auch: Man muss den Klimaschutz vom Himmel runterholen auf die Beine der Menschen.

„Den Himmel überlassen wir
den Pfaffen und den Spatzen!“

So der unverbesserliche Heinrich Heine.

Klimaschutz, der das Denken und den Lebenswandel der Menschen nicht verändert, Klimaschutz, der die Menschen nicht freier, glücklicher, freundlicher macht, wird sich nicht vermitteln lassen.

Die Jungs in Friedrichshain-Kreuzberg werden weiter von tiefergelegten BMWs und VW Touaregs träumen. Die Mädels werden weiter ihren Wodka Absolut in sich reinschlürfen, erst zuhause beim Vorglühen, dann beim Chillen auf der Admiralbrücke bis 2 Uhr nachts.

Die Großen, also die Politik haben es nicht geschafft. Die Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember 2009 scheiterte. Die Wende zur Nachhaltigkeit ist noch nicht geschafft. Sie muss von unten kommen.

Gerade der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hätte alle Chancen, um endlich die Wende zur Nachhaltigkeit einzuleiten. Warum ist es nicht geschehen?

Die Nachhaltigkeitswende im Bereich Familie, Finanzen, Bildung, Verkehr, Klimaschutz. Diese 5 Felder sind es, an denen sich nachhaltige Politik erweisen wird.

Wir haben die schönsten, die besten, die zukunftsfähigsten Schätze, die nachhaltige Politik haben kann: Wir sind der jüngste Bezirk Berlins. Wir haben den höchsten Bildungsstand Berlins. Wir hängen nicht am eigenen, sauer verdienten Geld, sondern leben fast ausschließlich vom Geld, das der Staat uns überweist.

Und dennoch betreibt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg seit vielen, seit viel zu vielen Jahren eine Politik, die das genaue Gegenteil von nachhaltig ist.

Seit vielen Jahren ziehen die Menschen mit Schulkindern weg.  Warum? Andere bringen die Kinder mit dem Auto in andere Bezirke zur Grundschule. Warum?

Der Görlitzer Park ist übersät mit Müll und Abfall.  „Grausam!“ So Bürgermeister Dr. Schulz. Und die staatliche Müllräumung kommt drei Mal statt zwei Mal wöchentlich. Der Staat muss ran. Die Bürger verschmutzen das Umfeld, der Staat putzt und wischt hinterher wie zu Zeiten, als es noch Büttel und Dienstboten gab.

Wozu über Klimaschutz reden, wenn die Menschen nicht einmal die nächste Umgebung, das eigene Umfeld achten und pflegen?

Immer dann, wenn man das Gefühl hat: „So kann es aber nicht weitergehen!“, liegt eindeutig eine nicht-nachhaltige Politik vor.

Die Konferenz der Berliner Bezirksbürgermeister am 16. Juni 2010 hat den dramatisch-mathematischen Beweis erbracht, dass es so nicht weitergehen kann. Die ganze Politik ist nicht auf Nachhaltigkeit angelegt. Die Verwaltung vergreist, wird ausgedünnt in dem Maße, wie der Tropf der Senatsgelder versiegt. Es wachsen keine Fachkräfte nach. Und wenn sie nachwüchsen, könnte man sie nicht einstellen.

Das Gegenteil von nachhaltiger Politik!

Ist Klimaschutz ein Luxusproblem? Hat es Sinn über Klimaschutz zu reden, wenn jede Woche unsere Grundschule oder das SPD-Bezirksbüro in der Großbeerenstraße mit klimaschädlichen Graffiti besprüht werden? Wenn der Verbrauch an Erdölprodukten zunimmt, weil auf den Radwegen zerbrochene Wodkaflaschen herumliegen?

Hat es Sinn über Umweltschutz zu reden, wenn Umfeldschutz nicht gelingt?

Guter Move von Renate Künast in der Berliner Morgenpost heute auf S. 4! Sie sagt:

Renate Künast – „Es geht im besten Sinne John F. Kennedys darum: Frag nicht, was dein Land für dich tut, sondern was du für dein Land tun kannst.“  – Politik – Printarchiv – Berliner Morgenpost

Das ist genau jenes Umdenken, hin zu Pflicht, Verantwortung, Leistung und Gemeinsinn, zu echter Nachhaltigkeit, das dem Bundesland Berlin, dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gut täte!

Der Staat schafft es nicht. Die Bürger müssen es leisten. Wir.

 Posted by at 12:04
Juni 212010
 

19062010003.jpgSo. „Wir“ haben ihn, den Gelben Gürtel, die unterste Stufe der Anerkennungen im System des Taw Kwon Do, errungen bei Meister Choi am Mehringdamm in Kreuzberg. Wir – nicht. Nur mein Sohn Ivan, aber die ganze Familie freut sich mit.

Diese Prüfung hat mich tief beeindruckt. Tae Kwon Do lebt all das vor, was unseren Kindern in Berlin so sehr fehlt: Körperliche Tüchtigkeit, Selbstdisziplin, Achtung vor der Autorität des Meisters und Lehrers, Ritterlichkeit – und vor allem Konzentration. Auf Koreanisch: To. „Nicht nach links und nicht rechts schauen.“

Freunde, ich sag euch: Eine einzige Stunde Tae Kwon Do ersetzt 2-3 Bildungskongresse sowie 3-4 Kongresse über Integration und „Inklusion“. Denn die Türken, die Russen, die Deutschen und alle anderen ethnischen Gruppen Kreuzbergs lieben und pflegen diesen Sport, der weit mehr ist als Sport: Er ist eine Erziehung zu Anstand und Verantwortung.

Wir brauchen in unseren Grundschulen mehr Körper-Erziehung, mehr Erziehung zum Anstand, mehr Ritual, mehr Demut. Das riesige Ego möchte auch einmal dienen. Tae Kwon Do ist ein Weg dahin.

Der prüfende Meister sagte während seines Lehrvortrags, der die Prüfung eröffnete:

„Als ich meine Ausbildung zum Meister anfing, war meine erste Aufgabe, das Sportstudio jeden Abend auszufegen. Nach und nach lernte ich die Unterweisung anderer. Aber meine erste Unterweisung in die Meisterschaft war: Ich musste dienen lernen.“

Demnächst mehr dazu!

Taekwondo Berlin Tae Kwon Do Sportschule | Sportzentrum CHOI Berlin

 Posted by at 17:18

Vom Anspruchsdenken zum Ermutigungsdenken

 Anbiederung, Friedrichshain-Kreuzberg, Geld, Konservativ, Mieten, Sozialadel, Sozialstaat, Tugend  Kommentare deaktiviert für Vom Anspruchsdenken zum Ermutigungsdenken
Juni 172010
 

Wieder und wieder rieten wir in diesem Blog, Pauschalen statt der bürokratischen „Bedarfsprüfung“ im Sozialrecht einzuführen. Jetzt versucht es auch die Bundesregierung. Aber – leichter gesagt als getan! Widerstand regt sich.

Bei uns in Berlin waren und sind die Sozialmieter äußerst beliebt! Die vielfach mit den Parteien verfilzten Bauträger errichteten riesige Sozialquartiere zu buchmäßig weit überhöhten Kosten, der Parteifreund in der Verwaltung belegte diese dann (auch gegen diskrete „Sonderzahlungen“) mit ganzen Kontingenten an oft ausländischen Sozialmietern, der Bauträger und die – häufig landeseigene – Wohnungsbaugesellschaft  erhielten zuverlässig vom Amt die oft grotesk überhöhte Miete. So läuft es in Berlin. Bis zum heutigen Tage verteidigen Teile der profitierenden Parteien SPD, CDU, Grüne und Linke diesen Bestand an landeseigenen ehemaligen Sozialbauten. Ein Freifahrtschein für Korruption.

Jeder hat einen Anspruch darauf, in seinem angestammten Wohnumfeld zu bleiben.“ So nahezu wörtlich die BVV Friedrichshain-Kreuzberg in ihrem Beschluss zum Mieterschutz im Fanny-Hensel-Kiez. So konservativ! So starr, so traditionsbesessen!

Die bisherige Regelung nutzt den Hilfeempfängern und den Wohnungseigentümern gleichermaßen. Bestandsschutz in unserer sklerotisch erstarrten Anspruchsrepublik! Bezahlt wird das Ganze von den Steuerzahlern, also einer Minderheit der Bürger.

So kann es nicht weitergehen. Wir brauchen die Republik des Wandels! Das Anspruchsdenken muss abgebaut werden, das Ermutigungsdenken muss Bahn greifen.

Sozialstaat: Gute Kunden – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wirtschaft
Der Plan, Pauschalen einzuführen, steht zwar im Koalitionsvertrag von Union und FDP. Doch aus dem ursprünglichen Plan der Regierung, noch vor der Sommerpause einen Vorschlag zur Pauschalisierung vorzulegen, wird wohl nichts. Es gibt nämlich erheblichen Widerstand, besonders aus der Immobilienbranche.

Sie will, dass alles so bleibt, wie es ist: dass die Kommunen pünktlich und regelmäßig die exakten Mieten überweisen, oft direkt auf das Konto der Hauseigentümer. Würden Pauschalen eingeführt, müssten die Vermieter sich viel stärker als bisher mit der Zahlungsmoral der Hartz-IV-Empfänger auseinandersetzen. „Wir erwarten, dass es dann einen erheblichen Anstieg der Mietschulden geben wird“, sagt Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Bild: Typische Sozialbauten am Mehringplatz, typisch für Kreuzberg, typisch für Berlin, typisch für Deutschland

 Posted by at 12:15
Juni 012010
 

Merkwürdig: Gestern, zwischen 12 und 14 Uhr, als der Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler allmählich bekannt wurde, schrieb ich Worte über Karel Schwarzenberg, die ebenso auch für Horst Köhler gelten konnten:

„Er verlangt Ehrlichkeit, Transparenz, Redlichkeit, Fleiß, Sparsamkeit, Verantwortung. Zu versprechen hat er wenig. Aber der Mann imponiert mir dank Geradlinigkeit, Lauterkeit, Humor und diplomatischen Geschicks.“

Diese Sätze treffen sicherlich  – vielleicht mit Ausnahme der letzten Eigenschaft – auch auf Horst Köhler zu. Sein Rücktritt erfüllt mich mit Traurigkeit. Er verunsichert mich tief.

Eine Suchanfrage in diesem Blog ergibt, dass ich mich auf kaum einen anderen Politiker so oft zustimmend bezogen habe wie auf eben diesen Bundespräsidenten. Alle Köhler-Zitate, die ich hier in diesem Blog anführte, behalten ihre Geltung.

Wir brauchen sicherlich mehr Menschen in unserer Gesellschaft, die mit schlichten Worten an die grundlegenden Werte erinnern und diese auch vorleben. Es sind die symbolischen Vaterfiguren, die Mahner und Warner. Zu ihnen gehört Horst Köhler. Seine Stimme wird weiter Gewicht haben. Sie wird weiter gehört werden – vielleicht sogar mehr als zuvor.

 Posted by at 13:12
Mai 282010
 

img_0310.jpg Soll man Hack und Spaten nehmen, sein Vorgärtlein umgraben, um einen Schatz zu finden? Oder soll man jeden Tag 60-90 Minuten Fahrrad fahren? Oder soll man ins Fitness-Studio gehen und drei Mal die Woche auf dem Laufband sich den Teufel der Faulheit aus dem Leib rennen?

Antwort: Es LÄUFT aufs gleiche hinaus. Ich sage:

Wenn du einen eigenen Garten hast, grabe ihn täglich um! Im Freien. Bei jedem Wetter.

Wenn du ein eigenes Fahrrad hast, fahr täglich Fahrrad! Im Freien. Bei jedem Wetter.

Wenn du ein eigenes, elektrisch betriebenes Laufband im Freien hast, schwitze täglich auf dem Laufband! Bei jedem Wetter.

Ob du Hack und Spaten nimmst, Fahrrad fährst oder auf dem Laufband schwitzt: Du wirst einen Schatz finden. Welchen? Gesundheit und Lebensfreude!

Nur dein Arzt und dein Psychotherapeut werden dein eigensinniges Treiben mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten. Sie werden dich weniger und weniger zu sehen das geldwerte Vergnügen haben.

Lies zur Bestätigung die frohe Kunde aus dem Spiegel:

Sportwissenschaften: Big Bang in der Blutbahn – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wissenschaft
Eine Reihe weiterer Experimente bestätigte das Resultat. Lewis und seine Kollegen untersuchten beispielsweise auch das Blut von Menschen, die Fahrrad gefahren waren oder eine bestimmte Zeit auf dem Laufband schwitzen mussten. Jeweils vor, unmittelbar nach und eine Stunde nach den Leibesübungen nahmen sie den Probanden das Blut ab.

 Posted by at 09:57
Mai 272010
 

Tolle Sache, was mir da eine Freundin zu später Stunde zumailt! In Bad Schmiedeberg werden die Bürger zu Schmieden ihres Glücks. Statt sich im Untätigsein zu suhlen, leisten sie Bürgerarbeit.  Das müssten wir in Kreuzberg auch einmal versuchen!

Bürgerarbeit: Eine Idee macht Karriere | Frankfurter Rundschau – Politik
Bürgerarbeit statt Hartz IV. Die Idee war ganz einfach, als es im August 2006 losging: Langzeitarbeitslose erhalten einen richtigen Arbeitsvertrag, bekommen Lohn statt Hartz IV, zahlen Abgaben und leisten sinnvolle Arbeit. Sie lesen alten Menschen vor, gehen einkaufen, kümmern sich um die Ortsbücherei, helfen im Sportverein oder bringen das Dorfmuseum auf Vordermann. Sie arbeiten 30 Stunden die Woche und bekommen dafür rund 825 Euro.

 Posted by at 23:15
Mai 132010
 

Unter diese Leitfrage stellte ich gestern meine knappe Bewerbung um das Amt eines Beisitzers im Ortsvorstand des CDU-Ortsvereins Kreuzberg-West. „Und wie finden unsere Kinder zu einem gelingenden, selbstbestimmten Leben?“

Nach kurzem Verweis auf die 147 Mrd. neuen erwarteten Schulden für den Bundeshaushalt  erkläre ich: „Der Staat kann die Menschen nicht glücklich machen. Die Politik muss sich bescheiden. Bitte keine Verheißungen mehr! Die Menschen müssen selber ran. Und die Familien müssen die Hauptverantwortung für die Erziehung ihrer Kinder wieder übernehmen. Der Staat wird sie ihnen nicht abnehmen können.“

„In der Berliner Landespolitik müssen wir weg vom alten Verteilungsdenken hin zu einem neuen Ermunterungsdenken. In der Bezirkspolitik müssen wir die soziale Mischung in den Sozialkiezen wiederherstellen.“

Tanja Woywat wird zur neuen stellvertretenden Vorsitzenden, Björn Funk zum neuen Schatzmeister und Johannes Hampel zum neuen Beisitzer im Ortsvorstand des CDU-Ortsverbandes Kreuzberg-West gewählt. Alle erhalten 100% der Stimmen von den anwesenden Mitgliedern.

Tolle Sache. Super gelaufen.

 Posted by at 22:29
Apr. 232010
 

Ein sehr gutes Portrait in Wort und Bild von der designierten Ministerin Aygül Özkan finde ich in dem Buch „Wir haben Erfolg! 30 muslimische Frauen in Deutschland“ von Kerstin Finkelstein.

„Na, das Buch geht doch sicher weg wie die warmen Semmeln! Nichts ist so erfolgreich wie Erfolg“, scherzte ich, als ich die Autorin kürzlich bei der recht ausführlichen ADFC-Mitgliederversammlung im Gebäude der Berliner Zeitung wiedertraf. „Die Leute brauchen Erfolgsgeschichten, keine Katastrophenmeldungen. So ist das im Mediengeschäft!“, ergänzte ich eigensinnig. „Es gibt noch reichlich Exemplare …“, bekam ich zur Antwort.

Wie auch immer: Die Lebensgeschichte ist sehr spannend zu lesen. Sowohl Aygül, die später das Abitur mit 1,6 machte, wie auch ihre ältere Schwester bekamen trotz sehr guter Grundschulnoten keine Gymnasialempfehlung. Hier setzte sich aber der Vater durch. Er brachte die Töchter aufs Gymnasium, ließ ihnen Freiheiten, achtete aber streng darauf, dass immer Hausaufgaben gemacht wurden. Auffallend finde ich, eine wie große, positive und entscheidende Rolle der Vater spielte. Ein guter Vater kümmert sich, ist streng, lässt Freiräume. Er bringt seinen Kindern Vertrauen entgegen, setzt ihnen aber auch klare Grenzen. Er kümmert sich. Das halte ich für vorbildlich.

Am Schluss sagt Aygül Özkan: „Wenn man Träume hat, soll man ihnen entschlossen nachgehen. Mit jedem Schritt wächst der Mut.“

Kerstin E. Finkelstein: “Wir haben Erfolg!” 30 muslimische Frauen in Deutschland. Vorwort von Seyran Ates. Fackelträger Verlag Köln, 2008. 223 Seiten, 14,95 Euro. Hier: S. 184-190

Neue Ministerin Özkan: „Türken, bringt euch mehr ein!“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

 Posted by at 15:39
Apr. 232010
 

„Hast du Playstation 2?“ So die allererste Frage bei einem Telefongespräch zwischen zwei 7-jährigen Jungs, das ich (widerrechtlich?) belauschte. Die exorbitante Fixierung auf elektronische Medien übertrifft bei unseren Jungs heute im Durchschnitt alle Vorstellungen.

Ich als Vater mache seit jeher soviel wie möglich mehr Unterschiedliches mit meinen beiden Söhnen: Laufen, Springen, Singen, Musizieren, Werkeln, Lesen, Klettern, Schwimmen, Radfahren, Fußballspielen. Genau wie es mein eigener Vater auch mit uns machte.

Gestern spielten wir den „Chor der Jäger“ aus Carl Maria von Webers „Freischütz“ auf unseren Geigen, begleitet am Klavier von Mutter. Es klang nicht so mannhaft-schmetternd-sangesfroh wie im Original, aber dafür war es echt. Garantiert keine mediale Vermittlung! Und wir sind überzeugt, dass kein Mädchen den Jägerchor so trefflich fiedeln kann wie wir MÄNNER!

Zur Krise des Männlichkeitsbildes äußert sich auch Klaus Hurrelmann:

Jungs in der Krise: „Sie wollen alles sein, bloß kein weibischer Streber“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – SchulSPIEGEL
Die Mädchen sind vielfältiger und breiter interessiert. In der Freizeit beschäftigen sie sich nicht nur mit Medien, sondern auch mit Tanzen, Basteln, Stricken und Musizieren. Dadurch werden alle Sinne angesprochen, und das fördert die Leistungsfähigkeit, wie die moderne Hirnforschung uns bestätigt. Das würde auch Jungs gut tun: Hämmern, Sport machen, Bewegung. Aber viele Jungen machen den Laden zu und holen sich die große weite Welt lieber auf den Bildschirm. Sie bauen ihren Bewegungsdrang und damit ihre Aggressionen nicht ab.

 Posted by at 08:28