Juni 082011
 

Es gibt heute im Bereich Bildungsforschung einen wahren bunten Kosmos an Instituten, Modellen, Kongressen, Konferenzen&Konzepten, Evaluationen, Tests, Programmen und Forderungen! Vom Sprachlerntagebuch über VERA, PISA usw. usw. Von Integration über Inklusion bis hin zum Diversity Management. „Vielfalt als Chance!“ Die Liste ist endlos.

Hart und schroff davon abweichend: die Realität!

Toll aber, wenn irgendwann doch wieder alte Grundeinsichten zum Tragen kommen: Kinder brauchen Liebe. Eine höchstpersönliche Zuwendung, eine Beziehungsqualität.

Und: Wer hätte gedacht, dass Kinder vor allem eine liebe Mama und einen guten Papa brauchen. Das scheint mir fast das A und O zu sein.  Wer hätte das gedacht. Aber fragt, wen ihr wollt: Darauf läuft es meistens hinaus. Die Kita ist sekundär.


Das Berliner Bildungsprogramm –

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Juni 082011
 

02062011668.jpg„Kein Fußbreit den Faschisten!“ So dekretierte es kürzlich die BVV Friedrichshain-Kreuzberg.

Ideologien, die die Menschen in unterschiedliche Wertigkeitsklassen einteilen, dürfen und sollen in unserem Bezirk keinen Platz für sich beanspruchen.

Faschistische Ideologien neigen dazu, den jeweils anderen Menschen seiner Würde zu berauben.

Genau dasselbe haben vor den verschiedenen europäischen Faschismen die kommunistischen Ideologien gemacht.

Es ist spannend, die biologistische Sprache in den Grundtexten des Kommunismus zu untersuchen! Unser titelgebendes Zitat stammt aus dem Kommunistischen Manifest von 1848. Marx, Engels, Lenin – sie alle überbieten einander im Wettbewerb der Abwertung der Opferexistenzen, des „Abschaums“, des „Gesindels“, der „Tagediebe“  und „Vagabunden“, denen der heroisch um seine Existenz ringende fleißige Proletarier entgegengesetzt wird.

Die Müßiggänger schiebt beiseite!“ So fordert es die Internationale in der dritten Strophe. Darauf weist heute Rudolf Neumaier auf S. 12 der Süddeutschen Zeitung hin („Bürger, Bauer, Bettelmann“).

Weitere Beispiele des Biologismus/Rassismus: „Deutschland verrecke!“ – so liest man weiterhin überlebensgroß an der Revaler Straße in Friedrichshain. Ein klarer Bezug auf die biologistische Sprache der Faschisten („Juda verrecke“, Wien 1938)!

„Juda verrecke“ – Wien 1938. „Deutschland verrecke“ – Friedrichshain 2011.

„Juden sind hier unerwünscht“ – Deutschland 1933. „Yuppies sind hier unerwünscht“ – Kreuzberg, Großbeerenstraße 2011.

Es ist klar, wohin solches Denken führt: Es genügt, Menschen als „Juden“ oder „Yuppies“ zu verunglimpfen, um dadurch ihre Ausgrenzung und Vertreibung zu rechtfertigen. Schon eine als „Bäder-Luxussanierung“ erkannte Baumaßnahme kann zur Aberkennung des Aufenthaltsrechtes führen.

Die psychologischen Mechanismen sind exakt dieselben, die Wortwahl ist exakt dieselbe.

Im Grunde dieselbe Denke, dieselbe menschenverachtende Brutalität, die sich bereits in der Sprache ausdrückt. Die Behörden schweigen dazu. Die BVV Friedrichshain-Kreuzberg schweigt – vornehm, vornehm! – dazu.

Lenin ließ sofort nach der Revolution Arbeits- und Umerziehungslager für das Lumpenproletariat, den „faulen Abschaum der Gesellschaft“ errichten. Alle kommunistischen Revolutionen haben etwas derartiges gemacht. Die Nationalsozialisten taten es ihnen 1933 nach, beginnend in Dachau.

Von der exkludierenden Menschenverachtung der Väter des Kommunismus führt eine gerade Linie zur exkludierenden Menschenverachtung des Faschismus.

Bild: „Deutschland verrecke“, Revaler Straße, Aufnahme vom 02.06.2011

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Juni 072011
 

06062011697.jpg „Alles nur ein Geldfrage“, so höre ich es immer wieder bei Gesprächen über das Berliner Bildungswesen.

Wirklich?

Ich erzähle gerne von meinem Berliner Palästinenser, der mir begeistert von seiner kargen Dorfschule in Ramallah erzählte. Ein Lehrer unterichtete 40 Schüler in einem Raum. „Dieser Lehrer war streng, aber – er glaubte an uns. Er wollte unseren Erfolg. Ausreden ließ er nicht gelten. Faulheit ließ er nicht gelten. Er duldete keine Disziplinlosigkeit. Er liebte das Lesen, das Rechnen, das Schreiben, er liebte Arabisch, er rezitierte leidenschaftlich gerne die Dichter, er liebte Englisch und diese Liebe teilte er uns mit.“ Ergebnis: Alle Schüler gingen weiter auf weiterführende Schulen, viele studierten, einige wurden Professoren in den USA.

Aber selbst unter den wesentlich besseren materiellen Bedingungen der deutschen Grundschule gelingt dieses Kunststück sehr oft. Entscheidend scheint mir dabei die Persönlichkeit  des Lehrers zu sein. Die Persönlichkeit des Lehrers ist wichtiger als die finanzielle und materielle Ausstattung der Schulen.

Nun, ich habe mir gestern im Rathaus Schöneberg ebenfalls die Freiheit genommen, vom ressourcenorientierten Ansatz der Bildungsdebatte Abstand zu nehmen. „Es liegt nicht am Geld, es liegt auch nicht an der absolut gemessenen Zeit, die die Erzieher mit den Kindern verbringen.“ Wenn es am Geld läge, müsste Berlin ja hervorragende Ergebnisse seiner Schulen vorweisen können, denn Berlin ist Spitze in der Höhe seiner Ausgaben für die Schule pro Kind.

Ich glaube, der Grundgedanke von Frau Preissing führt weiter: Kinder brauchen jeden Tag das Gefühl der Geborgenheit, der Liebe, der Ermunterung zur Freiheit. Sie wollen gefordert werden. „Du musst etwas lernen, auch damit du später einmal für dich und andere den Lebensunterhalt verdienen kannst.“ Dieses Gefühl – so meine ich – sollte und muss vorrangig durch den privaten und privatesten Bereich, durch die Mitmenschen, die Nächsten, die Nachbarn, die kleinen Gemeinden, die Familien, also durch Vater und Mutter, durch die Geschwister und Freunde  erzeugt werden.

Wenn die Familien diese einfache, aber unerlässliche Aufgabe endlich übernehmen und annehmen, werden die allermeisten Schwierigkeiten verfliegen. Wir brauchen eine Rückbesinnung auf den überragenden Rang der Familie.

Die Versäumnisse der Familien sind durch die Schulen allein nie und nimmer wettzumachen. Familien, die eingelullt werden im Gefühl „Wir, der Staat, sorgen für dich“, werden nach und nach alle Verantwortung auf den Staat abwälzen. Genau dies geschieht zur Zeit.

Schüler und Lehrer wollen mehr Geld – Berliner Zeitung

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Juni 072011
 

06062011698.jpg Große, spannende, gut gemachte, hervorragend besetzte Veranstaltung zu den Kernaufgaben der Berliner Bildungslandschaft gestern im Schöneberger Rathaus. Mein Dank dafür gebührt dem Berliner Volksbegehren Grundschule, mit dem bekanntlich vier Hauptforderungen durchgesetzt werden sollen:

1) ein Rechtsanspruch auf Hortangebote für alle Grundschüler ohne Bedarfsprüfung, insbesondere auch für Grundschüler der Klassen 5 und 6 („Lückenschluss“)

2) ein subventioniertes Mittagessen als Angebot für alle Grundschüler

3) intensive Förderung und Betreuung der Kinder durch bessere Personalausstattung: 16 Kinder/Erzieher statt wie bisher 22

4) verbindliche gemeinsame Fortbildung für Lehrer und Erzieher auf der Basis des Berliner Bildungsprogramms

Ich sitze an der Abfassung eines Protokolls, blättere meine Notizen durch und greife einen zentralen Punkt heraus, den Dreh- und Angelpunkt der ganzen Übung, wie mir scheint, nämlich die Frage: Was brauchen Kinder wirklich?

Christa Preissing, Direktorin des Berliner Kita-Instituts für Qualitätsentwicklung (BeKi) und Vizepräsidentin der Internationale Akademie (INA) gGmbH an der FU Berlin, äußerte sich hierzu im ersten Teil ihres Podiumsbeitrages wie folgt:

Wir wissen: Jedes Kind hat laut UN-Kinderrechtskonvention einen Anspruch auf Beteiligung und Teilhabe, hat Recht auf Schutz, hat Rechte auf Versorgung. Zu dieser Grundversorgung gehört nicht nur Ernährung und Bekleidung, sondern auch Liebe. Darunter ist eine bestimmte Qualität der Beziehung zu verstehen, ein dialogisches Aufmerken und gemeinsames Einfühlen ineinander, mit einem englischen Fachbegriff sustained shared thinking. Idealerweise sollte jedes Kind jeden Tag für  1 Stunde eine solche intensive Zuwendung und Betreuung in einer Kleingruppe von 5, 6 oder maximal 7 Kindern erfahren.

Meine Meinung hierzu: Zustimmung, Frau Preissing! Diese Erfahrung ist das Entscheidende. Jedes Kind hat offenbar bestimmte Grundbedürfnisse, die gestillt werden müssen, wenn das Kind sich richtig entfalten und entwickeln soll.

Ich lernte gestern: Jedes Kind braucht einen Hort dieser Geborgenheit. Es gibt entweder diesen Hort der Geborgenheit oder, wenn es ihn nicht gibt, sollte es ihn geben.

Unser Bild zeigt von links nach rechts das Podium zu Beginn der Veranstaltung:

Klaus Schröder, GEW Berlin
Christa Preissing, INA FU Berlin
Inge Hirschmann, Vorsitzende des Grundschulverbandes Berlin
Burkhard Entrup, Trägersprecher Volksbegehren Grundschule
Roland Kern, Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden
Steffen Zillich, Bildungspolitischer Sprecher der Linke-Fraktion, Abgeordnetenhaus

Mathia Specht-Habbel, FDP-Landesvorstandsmitglied Berlin

(Berichterstattung wird fortgesetzt)

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Brauchen wir in Deutschland Mindestlöhne wie in der Türkei? (2)

 Geld, Gouvernance économique, Solidarität, Türkisches  Kommentare deaktiviert für Brauchen wir in Deutschland Mindestlöhne wie in der Türkei? (2)
Juni 072011
 

Polen, Türkei, Deutschland: Das sind in meinen Augen zur Zeit die drei Staaten, die in Europa bzw. Vorderasien zur Zeit mit die beste Wirtschafts- und Finanzpolitik betreiben. Diese drei Länder haben Regierungen, die in der Wirtschaftspolitik auf Initiative und Unternehmergeist, auf Arbeit und Verantwortung setzen. Die Daten der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung geben den drei amtierenden Regierungen in Polen, der Türkei und Deutschland recht: gutes Wachstum, vertretbare Verschuldung, sinkende Arbeitslosigkeit.

Nicht zufällig sind es gerade die Türken und die Polen, die bei Unternehmensgründungen in Berlin ganz vorne liegen:

Migranten als Unternehmer: Polen und Türken stehen an der Spitze – Wirtschaft – Tagesspiegel

In gewisser Weise sind die volkswirtschaftlichen Daten eine Art Leistungsnachweis einer Regierung. Bei sinkender Staatsverschuldung, sinkendem Haushaltsdefizit, sinkender Arbeitslosigkeit, insbesondere sinkender Jugendarbeitslosigkeit (in der Regel nur erreichbar bei Wachstum  der Volkswirtschaft), haben die Regierungen ihre Aufgabe gut erfüllt.

Hohe Staatsverschuldung, hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere hohe Jugendarbeitslosigkeit deuten darauf hin, dass etwas nicht stimmt. Den Staat Griechenland oder den Stadtstaat Berlin etwa sollte man besser nicht als Vorbild nehmen. Griechenland und das Bundesland Berlin leiden an jahrzehntelang gepflegter Verhätschelung der zu Leistungsempfängern degradierten Bürger durch den bemutternden Staat. Die Folgen sind offenkundig: exorbitante Verschuldung, aufgeblähte Staatsquote, hohes Haushaltsdefizit, hohe Arbeitslosigkeit, hohe Jugendarbeitslosigkeit, politischer Extremismus rechts und links, soziale Unruhen mit der Gefahr links- und rechtsextremistischer Umtriebe.

Der aktuelle SPIEGEL bietet reichlich Zahlenmaterial für meine Behauptungen. Insbesondere empfehle ich das Lesen aller Beiträge über die Türkei und über Griechenland – hintereinander weg. Spannend, aufschlussreich!

Als kleine Ergänzung zur Grafik auf Seite 90 empfehle ich jedoch unbedingt einen Blick in die Sozialversicherungsdaten der genannten Länder. Das Netz der Sozialversicherung, also Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung in der Türkei ist dürftig bzw. nicht vorhanden, dafür gibt es immerhin einen gesetzlichen Mindestlohn (€ 353,8/Monat), der ziemlich genau dem Betrag entspricht, den ein erwachsener Arbeitsloser in Deutschland zusätzlich zu allen sonstigen Beihilfen bar aufs Konto überwiesen bekommt.

Das wär doch was für die deutsche Linke: Abschaffung von Hartz IV (eine langgehegte Forderung der Linken) bei gleichzeitiger Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes in Höhe des türkischen Mindestlohnes? Wie schaut’s damit aus?

Der türkische Mindestlohn ermöglicht dem einzelnen mit großer Mühe das Leben und Überleben – aber die Familien halten zusammen! Wer mehr verdient, gibt ärmeren Familienmitgliedern gern und bereitwillig ab.

In der Türkei besteht ein starker positiver Anreiz zu arbeiten – und folglich verdienen Fachkräfte dort netto mittlerweile ebenso gut oder besser als in Deutschland, wie es das Beispiel der aus Deutschland zugewanderten Fachärztin Neşe Stegemann beweist (SPIEGEL Nr. 23/2011, S. 92). Zugleich besteht in der Türkei ein negativer Anreiz gegen die Arbeitslosigkeit. Denn wenn Familien zu wenig arbeitende Mitglieder haben, rutschen sie in Armut ab. Sie müssen dann Mitglieder ins Ausland entsenden, um dort den Lebensunterhalt für alle zu sichern. So geschah es, dass in den sechziger und siebziger Jahren zur Existenzsicherung der Familien halbe Dörfer nach Deutschland übersiedelten. Die entsandten Familienmitglieder konnten dann – selbst im Fall der späteren Arbeitslosigkeit – die ärmeren Verwandten von Deutschland aus gewissermaßen mitziehen. Ein Modell, das sich schnell herumsprach, auch in anderen Ländern!

Die türkische Wirtschaft kann nur deshalb boomen, weil die Familien als unzerreißbares Element der sozialen Grundsicherung bestehen geblieben sind. Die demographischen Daten stimmen auch deswegen, weil alle Erwachsenen wissen, dass sie im Alter und im Falle von Krankheit und Arbeitslosigkeit auf die Familie und auf die eigenen Nachkommen angewiesen sind.

Oder – wie es ein früher bekannter, in Deutschland heute vergessener Dichter mal  gesagt hat:

Am Ende hängen wir doch ab
von Kreaturen die wir machten.

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„Ihr seid nicht froh!“ Das Märchen vom Rabenkönig (1)

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Juni 062011
 

Stolz belebte den armen Blogger gestern! Vor vielen Leuten trug er auf dem Umweltfestival am Brandenburger Tor das Märchen vom Rabenkönig vor, verzierte den Vortrag mit allerlei Liedern und Stücken und ermunterte zu guter Letzt die Volksmenge, einen deutschen Kanon vierstimmig zu singen!

Das ukrainische Volksmärchen „Der Rabenkönig“, das mir erstmals von der Berliner Märchenerzählerin Nina M. Korn erzählt worden ist, habe ich gestern neu umgeformt. So hub ich es gestern auf dem Umweltfestival an:

Es war einmal ein Bauer, der hatte drei Söhne. Tag um Tag gingen sie mit dem Ochsen hinaus aufs Feld um zu ackern und zu pflügen. Mit ihrer Arbeit schufen sie sich ihr Brot. Doch eines Abends verfinsterte sich die Sonne und es landete ein dunkler schwarzer Adler bei ihnen.

„O ihr Erdlinge, was plagt ihr euch? Der Rabenkönig schickt mich zu euch.  Ihr braucht nicht mehr zu ackern und zu pflügen. Der Rabenkönig schickt euch in dieser Dose neues Saatgut, das von selber wächst. Nehmt es an.“

Darauf erwiderte der Bauer: „Das kann ich nicht glauben. Tag um Tag, Jahr um Jahr plagen wir uns ab. Wir haben schwielige Hände. Nein, ich glaube nicht, dass wir ohne Arbeit satt werden können.“

Der Adler krächzte: „Oh ihr lächerlichen Seepferdchen! Schaut euch doch an! Ihr seid nicht froh! Wir machen euch froh! Der Rabenkönig sucht junge Männer für sein Gefolge. Einen von deinen Söhnen musst du mir geben im Tausch für das neue Saatgut. Das verlangt der Rabenkönig.“

„Nein, meine Söhne sind das wertvollste, was ich habe. Niemals geb ich sie her“, flehte der Bauer.

Der Adler legte seinen Kopf zurück, stieß drohend mit dem Schnabel in Richtung des Bauern und  schnarrte mit laut krächzender Stimme:  „Wenn du mir keinen Sohn gibst, dann muss ich deinen Ochsen mitnehmen. Das befiehlt der Rabenkönig.“

„Dann soll es so sein“, ergab sich der Bauer kleinlaut in sein Schicksal.

Ohne weitere Worte packte der Adler den Ochsen mit kräftigem Hieb seiner Klauen und erhob sich mit gewaltigem Flügelschlag …

(Fortsetzung folgt)

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„Die Geige klingt wie eine Geige!“

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Juni 052011
 

Alles klar für das Umweltfestival. Der Soundcheck am Brandenburger Tor machte große Freude: „Ihre Geige klingt wie eine Geige!“ Schön, dass es das noch gibt, so unverstellt wahr, so echt. Das grüne Bändchen der Künstler ist sehr kleidsam!

Plaudereien führen mich über die Stände, vor allem natürlich zum ADFC-Stand.  Dort erhalte ich Gewissheit: Diese Satteltaschen werden auch einzeln verkauft – nur nicht überall. Gut auch: Ich erstehe von ADFC-Vorstandsmitglied Martina Schneider persönlich eine Warnweste, die den Autofahrer um 1,5 m Abstand beim Überholen von Radfahrern bittet. Gut angelegte 5 Euro!

Nachher um 15.30 Uhr: Auftritt des armen Kreuzberger Bloggers!

Bild: Das ist mein Helm. Das ist meine Geige. Das ist meine Tasche. Einfach. Schlicht.
Helm, Geige, Tasche. Froh zu sein bedarf es wenig.

Umweltfestival

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Juni 042011
 

04062011681.jpg Schöner Radausflug zum Schlachtensee! Das Volk ist froh! Ich sehe viele Jugendliche mit ihren neuerdings üblichen Bierflaschen, einige Gruppen rauchen Shisha. Dass schon 15- oder 16 Jährige in der Öffentlichkeit ein Bier nach dem anderen zischen, habe ich noch vor 5 oder 8 Jahren nicht beobachtet.  In Moskau hingegen ist es schon länger üblich.

Der Drogenkonsum der Berliner Jugendlichen – soweit sie trinken, keineswegs alle trinken regelmäßig Alkohol  – bewegt sich zur Zeit weg von Hanf und hanfbasierten Drogen hin zum Alkohol. Das Einstiegsalter für regelmäßigen Alkoholkonsum sinkt unter die 16, unter die 15 Jahre.

Großer Menschenauflauf, als ein neues Brausegetränk unters Volk geworfen wird. Ich greife ebenfalls begeistert zu und leere die Dose sofort. Das schmeckt! Das macht froh!

Was macht die Menschen froh? Wieviel bedarf es froh zu sein? Bier, Alkohol, Shisha, Schlachtensee, Videospiele?

Bei einem Kindergeburtstag mit 13 typischen Berliner Kindern im Alter von 7 bis 9 Jahren und deren Eltern kannte niemand außer mir (und meiner Schwester) das Lied „Froh zu sein bedarf es wenig“. Was mag dahinter stecken?  Ich stimmte das Lied zur Geburtstagstorte an und sang es tapfer zu Ende. Dann schwieg ich betroffen und warf ein paar Münzen in den Spielautomaten für die Kinder ein.

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Juni 042011
 

Das Prinzenbad entschuldigt sich dafür, dass das Badewasser nicht dieselbe gleichbleibend hohe Temperatur wie im letzten Jahr aufweist. Aha! Ich hatte das schon vor Tagen durch vorsichtiges Eintauchen des großen Zehs bemerkt und mich gefreut! Denn es dient der gewünschten Abhärtung von uns doch recht verzärtelten Kreuzberger Bürgern. Und wenn’s obendrein dem Klimaschutz nützt, ist es doppelt gut. Hier der offizielle Hinweis:

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass eine Beheizung des Badewassers derzeit nur über eine Absorberanlage erfolgt und deshalb die Temperatur witterungsabhängig schwanken kann. Eine Ausnahme bildet das Mehrzweckbecken.

Wir bitten um Ihr Verständnis.

Aber bitte doch sehr! Mein Verständnis haben Sie, ja sogar meine Unterstützung!

BVV-Beschlüsse entfalten im Gegensatz zu Beschlüssen echter Parlamente keine rechtliche Bindewirkung. Deshalb geht auch die Debatte um die 5 oder bis 40 temporären Wohnschachteln im Prinzenbad weiter. Ein absurder Sturm im Plantschbecken. Na, so vergeht wenigstens die Zeit in Ermangelung konstruktiver kommunalpolitischer Ansätze.

Dennoch: Seht auch das Positive! Im Prinzenbad brüten Habichte, sie haben jetzt ein eingezäuntes temporäres Gehege, frische Pappeln sprießen aus dem Boden, wir warten darauf, dass die putzigen Ästlinge ihre ersten hüpfenden Flugversuche außerhalb des Nestes unternehmen. Spannend!

UND: Das Design der 5 Hütten wurde verändert. Nichts mehr von „DER DEUTSCHEN KUNST“. Den Friedrichshainer Antideutschen von der Revaler Straße („Deutschland verrecke“) wird’s gefallen. Alles auf Linie.

Hostel im Prinzenbad: Bäderchef auf Tauchstation – taz.de

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Juni 032011
 

02062011675.jpgGestern beschlossen wir: Wir machen eine Veranstaltung mit der CDU Kreuzberg-West am 18. Juni 2011, 11 Uhr, im Gemeindesaal der Ev. Luthergemeinde in Schöneberg, Bülowstr. 71/72. Thema: „Schauen – Spielen – Lernen: Frühkindliche Bildung durch Musiktheater förden.“ Mit Kindern und mit Alla Karpowa. Kinder, Eltern, Erzieher, Lehrer, Pädagogen, Fachkräfte der psychosozialen Versorgung und Politiker sind willkommen!

 Posted by at 22:56
Juni 032011
 

02062011669.jpg„Wir haben jetzt auch einen deutschlandweit bekannten Schriftsteller“, berichtete mir vorige Woche eine Frau aus der bayerisch-schwäbischen Hauptstadt stolz: Georg Klein. Ich sofort zum Anagramm am Mehringdamm, das neueste Buch geholt.

In der Tat. Der Mann verdient Ruf und Ruhm. Ich beschaffte mir seinen neuesten Erzählungsband, welcher im Titel bereits die verquere Mischung aus Altväterlich-Bekanntem und Messerscharf-Schlussfolgerndem birgt, die dann das gesamte Buch durchzieht, so dass man als Leser zwischen Stirnkrauslegen, versonnenem Glucksen und lautem Auflachen hin- und hergeschaukelt wird.

Man rätsle etwa an folgendem Satzknöchelchen herum:

Ein Netzwerk von deutschen Auslandskulturinstituten, benannt nach einem mittlerweile wohl längst vergessenen Dichterfürsten, half mir weiter.

Wer könnte damit gemeint sein? Vielleicht Bert Brecht, der ja ebenfalls aus der Hauptstadt jenes merkwürdig-zwittrigen Hybridgebildes besteht, welches 1806 durch Napoleon dem neuen Königreich Bayern zugeschlagen ward?

Oder auch die folgende, hingestichelte Kennzeichnung des Sozialistischen Realismus:

Weitwinklig aufgenommene Ernteszenen, in denen Mähdrescher, grazil wie Gottesanbeterinnen, über weiß schimmernde Roggenfelder in eine untergehende Sonne hineinfahren.

Quellenangabe:

Georg Klein: Die Logik der Süße. Erzählungen. Erste Auflage September 2010. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 238 Seiten, € 18,95. Hier: S. 106, S. 87

Bild: Die Havemanstraße in Berlin-Marzahn, wie gestern erfahren.

 Posted by at 10:43

Aus eigener Kraft klettern!

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Juni 022011
 

Großartige Erlebnisse bescherte mir der Vatertag. Am Morgen gestalteten wir den Gottesdienst in der Ev. Luthergemeinde in Schöneberg mit Gesang und Musizieren mit. Am Nachmittag führte mein jüngerer Sohn mich auf die von ihm selbst vorgeschlagene und geplante Radtour vom S-Bahnhof Adlershof durch das Wuhletal. Packende Klettereien an steilauf ragenden Felsen erlebten wir – als Zuschauer – am Kletterturm, dem Wuhletalwächter. Die Sportler bewältigen den Aufstieg aus eigener Kraft – schön, diese Haltung brauchen wir. Wir selbst versuchten uns zaghaft am Bouldern, dem Klettern an knapp mannshohen Felswänden, die zum Kraxeln ohne Seil und Sicherung angelegt werden – aber stets aus eigener Kraft.

Die Wuhle schlängelt sich hart am Stadtrand entlang. Verzauberte sonnige Felder, in der Ferne Klärteiche, die scharfkantig wie Solarparks im Sonnenglast lagen. Grillende Russen am Berghang, ein knutschendes Pärchen auf dem Gipfel der Ahrensfelder Berge. Wir diskutierten die Bedeutung einzelner Landschaftszeichen, die Höhe über Normalnull.

Krautiges Wuchern, gegossene Fahrwege aus fugenlosem Beton! Einzelnes Geflügel hingeduckt im Schilf. Darüber schwebend irgendwann drei Habichte kreisend in der Luft. Dann rollten wir dem schlängelnden Lauf des renaturierten Flüsschens entlang, ehe wir den S/U-Bahnhof Wuhletal erreichten. Ein stimmiger Zusammenhang!

Ganz spät las ich noch die Schilflieder Nikolaus Lenaus:

Drüben geht die Sonne scheiden
Und der müde Tag entschlief;
Niederhangen hier die Weiden
In den Teich so still, so tief …

Hirsche wandeln dort am Hügel,
Blicken in die Nacht empor;
Manchmal regt sich das Geflügel
Träumerisch im tiefen Rohr.

Mit diesen Versen denke ich an die wunderbare Landschaft des Wuhletals, hart am Stadtrand Berlins.

 Posted by at 23:53
Juni 012011
 

Die neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit lösen erneut Kopfschütteln bei mir aus: Wie ist es möglich, dass Spitzenreiter Berlin (13,6%) trotz all der vielen Milliarden, die jedes Jahr, Jahrzehnt um Jahrzehnt aus den anderen Bundesländern zu uns fließen, eine mehr als drei Mal so hohe Arbeitslosigkeit hat wie etwa die beiden Dauerzahler, die Südstaaten Bayern (3,6%) und Baden-Württemberg (4,0%)? Wo wir doch in Berlin weit bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten haben, größere Schwimmbäder, breitere Straßen, längere Kneipenöffnungszeiten, billigeres Bier, billigeres Haschisch, mehr Museen, mehr Orchester haben?

Antwort: Nicht trotz, sondern wegen der üppigen Alimentierung durch die anderen Bundesländer und den Bund hat sich hier in Berlin eine satt verwurzelte Verteilungsmentalität  ausgebreitet. Es hat über die Jahrzehnte hinweg immer sehr sehr viel Geld zu verteilen gegeben. Man brauchte als Politiker nur die entsprechende Klientelgruppe zu erkennen und für diese zu kämpfen. Schwuppdiwupp – schon konnte man sich ein sattes Wählerreservoir zusammenkaufen – wohlgemerkt nicht mit eigenem Geld, sondern mit dem Geld der anderen.

Mehr oder minder hat dieses Virus alle Parteien erfasst – wobei einzelne anständige Politiker das Spiel stets durchschauten, einige wenige auch gegen den Strom schwammen. Aber grundsätzlich gilt für alle Berliner Parteien: Man kaufte sich seine Unterstützer und Anhänger im Wahlvolk, indem man ihnen Vorteile, Geld, Immobilien, Posten in den landeseigenen Unternehmen oder den bezirkseigenen Einrichtungen zuschanzte.

Aber jetzt bricht das Virus im Vorwahlkampf wieder einmal aus! Viele Politiker fühlen sich bemüßigt,  irgendwelche neuen oder alten Benachteiligtengruppen unter ihre Fittiche zu nehmen. Wie Konfetti lassen sie Verheißungen aufs Wahlvolk niederprasseln.

Es gibt Dauer-Abos auf den Benachteiligtenbonus – prachtvoll als Ehrenurkunde etwa mit dem Stempel „Hartz IV“ oder „Migrationshintergrund“ versehen.

Was tun? Erst einmal die Dinge beim Namen nennen! Dann möchte ich die Politiker, die alle 5 Sinne beieinander haben, inständig bitten, sich nicht erweichen zu lassen und eine neue Runde der Verteilungsorgie einzuläuten. Irgendwann muss Schluss sein mit lustig. Die fast hoffnungslose Überschuldung des Bundeslandes Berlin muss ein ernster Mahnruf sein.

Lasst die Menschen für ihr Fortkommen und ihr Wohlergehen selber arbeiten!

 Posted by at 22:45