Mein Bürger des Tages: Daniel M., Lehrer in Berlin-Wedding

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Apr. 082011
 

Immer wieder begegnen mir im Alltag Menschen, deren Haltung ich bewundere, denen ich nacheifern möchte. Dazu gehören sehr oft Erzieherinnen, Lehrer, Polizisten, BSR-Müllwerker, Sozialarbeiter, alleinerziehende Mütter, Kranken- und Altenpfleger. Meine persönlichen Vorbilder ackern unverdrossen für das Wohlergehen anderer Menschen, „helfen ihnen auf die Sprünge“ – und werden oft nicht ausreichend gewürdigt.

Nur selten schaffen es diese Vorbilder in die Presse. Aber heute hat es einer geschafft: Daniel M., Lehrer für Sport und Mathematik in Berlin-Wedding. Ich kenne ihn persönlich nicht, aber was er sagt und erzählt, gefällt mir sehr gut.

Warum? Weil er mehrfach darauf hinweist, dass der einzelne Bürger, dass die Väter und Mütter, aber auch der einzelne Lehrer ein gerüttelt Maß an Verantwortung tragen. Der Staat versorgt uns wirklich üppig, jetzt sind wir am Zuge!

„Fortbildung wird immer mehr gefordert. Das liegt aber häufig in der Hand des Lehrers, ob er dazu bereit ist.“ Daniel M. setzt also bei sich selbst, bei seiner eigenen Kategorie an. Ungewöhnlich!

Die Eltern müssen sich auch kümmern!“ Das ist der Titel des Berichts von Gilbert Schomaker auf S. 30 der Berliner WELT von heute. Unbedingt lesenswert! Die Beobachtungen treffen alle zu – nicht nur in Wedding, sondern auch in Kreuzberg.

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Apr. 082011
 

384,89 Euro beträgt der aktuelle Mindestlohn in der Türkei. Die Mehrzahl der Arbeitnehmer in der Türkei bezieht diesen Mindestlohn. Der gesetzliche türkische Mindestlohn beträgt somit etwa ein Viertel bis ein Drittel dessen, was ein Arbeitsloser in Deutschland Monat für Monat an finanziellen Zuwendungen, etwa für Wohnen und Versicherungen sowie an Barauszahlungen erhält. Die Lebenshaltungskosten der Türkei sind unterschiedlich, in Istanbul liegen sie etwa so hoch wie in Deutschland, im Durchschnitt des Landes etwa auf halber Höhe oder etwas darunter. In Istanbul selbst beträgt der aktuelle Durchschnittslohn etwa € 850/Monat.

Ein Sozialhilfeempfänger in Deutschland steht also weit besser da, kann sich weit mehr leisten als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in der Türkei, von den arabischen Ländern ganz zu schweigen.

Ein Blick auf diese simplen Zahlen vermag etwas von der faszinierenden Sogwirkung des deutschen Sozialsystems auf die anderen Länder dieser Erde zu erklären.

Dennoch wird unausrottbar von „Armut“ gesprochen.  So schreibt heute etwa Gilbert Schomaker in der Berlin-Ausgabe der WELT auf S. 30: „Von Armut betroffen sind laut Bildungsbericht 36 Prozent aller Kinder in Berlin, sogar 46 Prozent aller Jungen und Mädchen in Brandenburg. Als vom Risiko Armut betroffen gelten Familien, die bei zwei Kindern nicht mehr als 1550 Euro im Monat haben.

Es ist haltloser Unsinn, den uns die Statistiker da immer wieder auftischen. Es gibt in Deutschland keine statistisch nennenswerte Armut. Das ständige Gerede von Armut verstellt den Blick auf die wahren Ursachen von scheiternden Bildungskarrieren. Eine der Hauptursachen von scheiternden Bildungsverläufen liegt meines Erachtens darin, dass es zu wenige Anreize gibt, aus dem System der Sozialhilfe aus- und aufzusteigen. Denn alle denken und viele sagen: „Ich krieg ja eh Sozialhilfe.“ Umgekehrt bestehen stärkste Anreize, Familien bewusst ins deutsche Sozialsystem hineinzugründen und die Lebensplanung darauf abzustellen.

Und so entfällt jeder materielle Anreiz, wirklich gutes Deutsch zu lernen oder beruflich verwertbare Qualifikationen zu erwerben.

Minimum Wage in European countries – Google public data

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Apr. 072011
 
Na toll: Italienischen Schwertfisch aus sizilianischen Gewässern kann man bedenkenlos essen. Die italienischen Fernsehnachrichten von RAI due geben Entwarnung. Ich ergänze: Und man kann auch Gemälde bedenkenlos ankucken, die in japanischen Galerien ausgeliehen waren.

Die medial hochgejubelte Hysterie der Europäer kennt keine Grenzen. Naturwissenschaftliche Grundkenntnisse in den europäischen Medien? Sind unterhalb der Nachweisgrenze!

Letzter Fund aus dem Kabinett der Torheiten: „Jede Strahlung tötet!“ Hat mir allen Ernstes auch jemand anvertraut! „Es gibt keine ungefährliche Strahlung!“ Auch so ein dicker Klopper der Ignoranz! Wir haben ständig in der Natur radioaktive Hintergrundstrahlung – ist sie etwa Ursache unserer Sterblichkeit?

Tg2 – Video – TG2 ore 20:30 del 07/04/2011

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Apr. 072011
 
„Die Gesundheits- und Pflegekosten werden durch die Decke schießen!“

So hört man es immer wieder! Was tun?

Ich phantasiere mal für mich hin und unterbreite folgende ungewöhliche Vorschläge in der Reihenfolge der Dringlichkeit:

In den ärmsten Ländern sind relativ einfache, relativ billige Mittel zur Hebung der Gesundheit:

1) Sauberes Trinkwasser für alle
2) Abwasserkanalisation für alle
3) Erziehung zu einfachen Hygienemaßnahmen wie etwa häufiges Händewaschen und Zähneputzen
4) Impfungen
5) Sexualerziehung zur Vermeidung von HIV-AIDS
6) Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit

Bei uns in Deutschland, einem sehr reichen Land, wo es praktisch keine Armut gibt,  wären nach meinen Erkundigungen einfache und billige Mittel zur Hebung der allgemeinen Gesundheit – in dieser Reihenfolge der Dringlichkeit:

1) Weniger essen.
2) Täglich mindestens 1-2 Stunden mäßige Bewegung für alle in frischer Luft bei jedem Wetter.
3) Alle Kinder, alle Frauen, alle Männer lernen verpflichtend Lesen, Schreiben und Rechnen in deutscher Sprache mindestens auf dem Niveau des früheren deutschen Hauptschulabschlusses.
4) Grunderziehung in gutem Kochen, in guter Haushaltsführung, in guter Kindererziehung für alle Kinder bereits in Kita und Grundschule.


Das würde in wenigen Jahren die Krankheitskosten im zweistelligen Prozentbereich senken. Aber niemand wagt es zu sagen. Warum sagt dies niemand? Weil es den Interessengruppen an den Pelz geht!

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„Wasch mir den grünen Pelz, aber mach mich nicht nass!“

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Apr. 072011
 

050420114801.jpg

Mit großer Neugierde blättere ich durch die Bewerbungen der grünen Kandidatinnen und Kandidaten für die anstehenden Abgeordnetenhauswahlen.

Das methodische Vorgehen der Grünen, dass Kandidaten bereits im parteiinternen Entscheid sich öffentlich vorstellen, ihre Ziele darlegen und  buchstäblich ihr Gesicht zeigen müssen, halte ich für goldrichtig. Jeder Bürger kann bereits heute, vor der parteiinternen Kandidatenaufstellung, Kontakt zu den grünen Kandidaten aufnehmen, sie oder ihn beeinflussen, etwa indem er sagt: „Wir brauchen einen Zebrastreifen! Kämpfe dafür! Wir brauchen mehr Parkplätze für Vans und SUVs! Kämpfe dafür! Wir brauchen mehr staatliches Geld für den Mieterschutz! Deshalb höhere Steuern für Reiche! Usw.usw.“

Sachpolitisch hingegen stecken die Grünen in dem einen oder anderen Widerspruch.  In gewaltigen Widersprüchen sogar, würde ich sagen! So wollen sie etwa einerseits heftigst bezuschusste Stadtviertel weiterhin auf Staatskosten erhalten und nennen dies „Eine Stadt für alle“. Sie treten bei uns im Bezirk für Mietobergrenzen, für Umwandlungsverbote, für Bestandsschutz, für Mileuschutz, für mehr kommunale Wohnungen und dergleichen staatliche Segnungen ein.

Diese grünen Rezepte können aber nur funktionieren, wenn weiterhin langfristig Transferleistungsempfänger in den ethnisch und sozial zunehmend segregierten Innenstadtkiezen des alten West-Berlin (Beispiel: Kottbusser Platz) gehalten werden und weiterhin die Familien der Selbstverdiener in die anderen Bezirke verdrängt werden. Und dafür sind weiterhin gigantische Geldmittel erforderlich, die das Land Berlin als Sozialhilfe, „Soziale Stadt“ u.dgl. in die ökonomisch schwächeren Viertel wie etwa Neukölln-Rollbergviertel oder Kreuzbergs Fanny-Hensel-Kiez lenken muss. Wir sprechen hier nicht von Peanuts, sondern von zweistelligen Millionenbeträgen, die Jahr um Jahr ausschließlich in den Bestandsschutz gepumpt werden, Mittel, die dazu dienen, den weiteren Niedergang unserer Problemkieze zu stoppen.

Woher wollen die Grünen das Geld nehmen, um ihre wunderbar klingenden Sozial-, Mieterschutz-  und Bildungsprogramme zu finanzieren? Sie spinnen doch weiterhin ihre Klientel in einem Sozialkokon ein, wollen ihre Klientel im Kampf gegen Gentrifizierung, gegen steigende Mieten, gegen mehr Sparzwang, überhaupt im Kampf gegen die Zumutungen der Außenwelt schützen!

„Berlin muss sparen!“ Richtig! Das Land Berlin soll zwar sparen, die Familien, die Jugendlichen, die Sozialleistungsempfänger, die sogenannten Randgruppen hingegen werden von den Grünen eingelullt im täuschenden Wahn, sie seien strukturell benachteiligt, alles könne und müsse mehr oder minder so weitergehen wie bisher: „Wir kümmern uns um euch. Wir werden verhindern, dass böses privates Kapital in unseren lebenswerten Bezirk strömt und euch in lebensunwerte Bezirke wie etwa Hellersdorf oder schlimmer noch Frankfurt/Oder verdrängt!“

Andererseits mahnen die Grünen Haushaltssanierung an. Wie soll das zusammengehen? „Wir schaffen 100.000 Arbeitsplätze in der Green Economy!“ Mit wessen Geld? Wer schafft Arbeitsplätze? Der Staat? Wir haben in Berlin bereits eine Staatsquote von 60 Prozent – soll die noch weiter steigen? Schafft die grüne Partei Arbeitsplätze?

Wie sagt doch Jürgen Trittin so oft? „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“

Meine persönliche Tagesbilanz der Grünen: Methodisch in der praktischen Parteiarbeit sind sie vorbildlich, ordnungspolitisch (hüstel, das ist ein Fachwort, das ich einfach mal so einstreue) sehe ich jedoch erheblichen Erklärungsbedarf. Es bleibt spannend.

Foto: eine neuartige Scheibenbremse an einem Fahrrad der Firma Focus, aufgenommen vorgestern auf der Wilhelmstraße, Kreuzberg-West

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Apr. 062011
 

Im Jahr 1972 las ich erstmals als 12-jähriger Gymnasiast den Bericht des Club of Rome. Die Botschaft war eindeutig: Wenn wir so weitermachen, zerstören wir die Erde! Ein dumpfes Gefühl der Angst beschlich mich. War es noch zu verantworten, Kinder in die Welt zu setzen? War es nicht unverantwortlich von unseren Eltern, uns Kinder in eine derart von Umweltzerstörung, Kriegen und Atomunglücken geprägte Welt hineinzugebären? Würden wir im Jahr 1990 noch leben? So fragten wir nicht nur stillschweigend, sondern ganz offen!

Die tiefe Verunsicherung, welche die damals entstehende Ökologie- und Anti-Atom-Bewegung in die Kinderseelen einpflanzte, hat eine ganze Generation geprägt. Diese Generation der etwa 50-Jährigen stellt heute das Führungspersonal in großen Teilen der Parteien. Diese Bangnis überlagerte in mir nach und nach wie Mehltau das tiefe Urvertrauen, das ich in meiner frühen Kindheit erlebt hatte. Bis zum heutigen Tag entdecke ich in vielen Deutschen eine völlig überflüssige, eine lähmende Zukunftsangst und Kleinmütigkeit. Sie stürzen sich mit Wollust auf Unglücksnachrichten, quälen sich mit düsteren Ahnungen und vergessen dabei, das Leben wie es kommt und ist anzupacken. Ganz zu schweigen davon, dass niemandem, der in Not ist, geholfen wird, wenn er wieder und wieder hört: „Die Welt ist bedroht. Du bist Opfer. Böse Mächte haben uns alle im Griff.“ In meinem Bekanntenkreis hatten wir vor wenigen Jahren einen schrecklichen Selbstmord zu beklagen. Der Jugendliche hatte ausdrücklich die unaufhaltsame Umweltzerstörung und die weltweit tobenden Kriege als Auslöser seines Freitodes genannt!

Heute wissen wir: Die Voraussagen des Club of Rome waren viel zu düster. Sie sind nicht eingetreten. Ihre Voraussetzungen waren teilweise wissenschaftlich falsch, teilweise wurde durch das Handeln der Menschen Abhilfe geschaffen. Das Ausmaß der Umweltschädigung in den sozialistischen Staaten hingegen war größer als bekannt. Die Abhilfe gegen die unleugbare Umweltzerstörung war in den freien Marktwirtschaften besser, effizienter, als man damals annahm. Insbesondere die natürlichen Ressourcen haben sich als viel größer herausgestellt als damals angenommen. Der Hunger, die Kindersterblichkeit, die Zahl der Kriege sind seit 1970 zurückgegangen, obwohl die Erdbevölkerung zugenommen hat.

Aber diese düstere Grundstimmung wird weiterhin in die Kinderseelen eingepflanzt. Soeben sah ich mit meinem Sohn logo, die Kindernachrichten des öffentlichen Fernsehens KiKa. Aufmacher der ganzen Sendung: „Verseuchtes Wasser quillt unaufhörlich aus dem AKW Fukushima in das Meer, Radioaktivität wird von Fischen aufgenommen, gelangt in die Nahrungskette.“ Unterschwellige Botschaft an die Kinder: „WIR SIND ALLE BEDROHT.  Die japanischen AKWS fügen uns unermesslichen Schaden zu!

Diese Angst der Deutschen vor Verunreinigung, vor Verseuchung, vor Zerstörung durch fremde Mächte hat schon sehr viel Unheil bewirkt. Ist es eine typisch deutsche Angst? Ja! Genau diese Angst hat zu den größten Demonstrationen in der Geschichte der Bundesrepublik geführt!

Ich halte diese Panikmache bei den Kindern, wie sie etwa KiKa einflößt, für unverantwortlich. Mit teilweise unhaltbaren, teilweise falschen Aussagen wird den Kindern, die den KiKa kucken, eine tiefe Weltangst eingepflanzt. Die Aufmerksamkeit der Kinder wird auf einen einzelnen fernen Punkt in Japan fokussiert. Fukushima – das ist das Böse. Das tiefe Leid der Menschen, die durch den Tsunami (nicht durch den Unfall im AKW) ihre Habe und ihr Obdach verloren haben, wird überhaupt nicht erwähnt. Das ist obendrein zynisch.

Toll dagegen, wie Schalke gestern Abend Inter Mailand zerlegt hat!  Rangnick hat die Mannschaft gedreht, obwohl Magath große Verdienste um den Spielaufbau erworben hat. Magath kommt in der Darstellung meist zu schlecht weg, finde ich. Die Grundeinstellung stimmte einfach! Sie haben sich durch das frühe Tor nicht entmutigen lassen. Eine Zuversicht, ein Glück des Gelingens war in den allermeisten Spielzügen zu erkennen. Keine Spur von Zukunftsangst! Sehr gut!

KI.KA – Fernsehen – logo

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Verbogene Felge – Friedrichshain-Kreuzberg bewirbt sich

 Fahrrad, Friedrichshain-Kreuzberg  Kommentare deaktiviert für Verbogene Felge – Friedrichshain-Kreuzberg bewirbt sich
Apr. 052011
 

05042011479.jpg Schöne Sache, die Claudia Hämmerling MdA laut taz, heute S. 24, angeleiert hat! Beste und schlechteste Verhältnisse  für Radfahrer sollen ausgezeichnet werden. Als Bezirkspatriot machte ich mich heute sofort auf die Pirsch! Ich möchte etwas Gutes über meinen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg berichten! Die Wilhelmstraße im Bezirk Mitte ist sicherlich etwas sehr Gutes: breite saubere Radfahrstreifen, höfliche Autofahrer, konfliktfreies Dahinradeln.  Die Wilhelmstraße im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hingegen steht seit Jahren im Fokus der Negativ-Berichterstattung dieses Blogs.

Das Sahnehäubchen konnte ich vor wenigen Stunden einfangen: 30 Autos parken widerrechtlich den Radstreifen gegenüber der SPD-Zentrale zu, Motorroller und Radfahrer befahren deswegen den Bürgersteig, ein Reisebus bleibt stecken, die Polizei rückt mit eigenem schwerem Gerät an, um den Reisebus zu befreien. Wenn die Lage für den Radverkehr in der Kreuzberger Wilhelmstraße bisher schon schlecht war, so war sie heute geradezu sensationell schlecht.

Großartig! Und alles ist auf Film gebannt! Loriot hätte seine helle Freude daran. Nur der reiferen Jugend empfohlen. Versicherung: Diese Aufnahmen sind nicht gestellt, sondern sind heute Mittag zufällig von einem Bezirkspatrioten gedreht worden. Und: Dieser Kreuzberger Blogger hat nichts gegen politische Parteien, weder gegen die SPD noch gegen die anderen in Bezirk und Bundesland regierenden Parteien.

YouTube – Radstreifen Wilhelmstraße Kreuzberg 05 April 2011

Verbogene Felge nach Kreuzberg!

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„Kapitalismus“ oder „Marktwirtschaft“?

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Apr. 052011
 

„Wir leben im Kapitalismus.“

Ich würde unsere Wirtschaft nicht als Kapitalismus, sondern als „Marktwirtschaft“ bezeichnen. Und Marktwirtschaften funktionieren im Gegensatz zu autoritär gelenkten Volkswirtschaften (z.B. sozialistische Planwirtschaft) oder Eroberungswirtschaften (z.B. Imperialismus, osmanisches Reich) hervorragend auf Dauer, wie die bisherige Weltgeschichte zeigt. Schrumpfende und verschwindende Teilmärkte gehören natürlich dazu.

Woher ich das weiß? Nun, kaum ein volkswirtschaftliches Buch hat mich im letzten Jahr so stark bewegt wie Jacques Attalis großartiges „Tous ruinés dans dix ans?“ Wer sonst hat je einen derart kühnen Überblick über die Staaten der europäischen Geschichte, die Zeiten, die Volkswirtschaften gewagt? Max Weber? Karl Marx? Schumpeter? Rosa Luxemburg? À vous le choix!

Einige Grundgedanken des vorigen Eintrags habe ich in produktiver Weiterführung von Attalis Gedanken entwickelt. Wörtliche Zitate oder auch nur sinngemäße Übernahme von Passagen schließe ich aus. Aber – je suis en dette avec Jacques Attali – ich „stehe in seiner Schuld“. Merci, M. Attali!

Hier höchst vorsorglich zur Vermeidung allfälliger Plagiatsvorwürfe  die vollständige Quellenangabe für alle Plagiatssucher (ihr werdet keines finden!):

Jacques Attali: Tous ruinés dans dix ans? Dette publique : la dernière chance. Fayard, Paris 2010, 263 Seiten, € 15,90

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Immerwährendes Wachstum oder Armut an irdischen Dingen?

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Apr. 052011
 

„Wir leben im Kapitalismus. Kapitalismus funktioniert nur unter der Voraussetzung immerwährenden Wachstums.“ So höre und lese ich es im meinem tiefroten, leidenschaftlich linken Berlin-Kreuzberg immer wieder.

„Immerwährendes WACHSTUM“ als ehernes Gesetz? Behaupten die Marxistinnen, viele Sozialisten, Kapitalismuskritikerinnen und viele Politikerinnen bei Grünen, CDU, FDP, SPD und den Linken. Ich halte das für nachweislich falsch. Das gölte in Marktwirtschaften wie der unsrigen nur, wenn man nicht bereit wäre, Einbußen an Wohlstand und Umverteilungsmasse hinzunehmen. Schrumpfungen, relative Verarmung und Krisen gehören im Markt dazu, sie geschehen auch immer wieder, ohne den Markt zu zerstören. Man denke nur an Großbritannien in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als weite Teile der Bevölkerung massive reale Einkommensverluste erleiden mussten.

Entscheidend ist meines Erachtens: Unsere sozial eingehegte Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht – wie die Erfahrung lehrt – auf Dauer allen Bürgerinnen ein Leben in Menschenwürde und Freiheit – und seit Jahrzehnten und wohl weiterhin auf absehbare Zeit sogar frei von Armut, also in relativem Wohlstand. Es gibt keine Armut in Deutschland – eine gute Botschaft! Jeder hat ein Dach über dem Kopf, jeder hat genug zu essen, es herrscht Frieden, alle Kinder bekommen eine kostenlose Schulausbildung, alle Menschen bekommen eine gute medizinische Versorgung – und zwar alle hier wohnenden Bürgerinnen unabhängig von der Staatsangehörigkeit, unabhängig davon, ob sie arbeiten oder nicht arbeiten. Eine riesige Leistung!

Der riesige Schritt, den leider unsere allermeisten Politiker nicht bereit sind zu gehen, bestünde darin zu sagen: Wir können euch keinen gleichbleibenden Wohlstand garantieren. Ihr müsst euch den gewünschten Wohlstand Tag um Tag erarbeiten, für euch selbst, für die Gemeinschaft, für eure Kinder. Und selbst Wohlstandseinbußen sind kein Unglück! Wenn wir alle im Durchschnitt wieder so wenig Haushaltseinkommen wie in den 50er Jahren hätten, also etwa ein Viertel des heutigen Wertes, wäre dies kein echter Schaden für Leib und Leben!

Über die Jahrhunderte hin gab es immer wieder starke Bewegungen, die aus dem „Immer mehr“ ausstiegen. Ich denke da z.B. an die ökonomisch sehr erfolgreichen christlichen Klöster, an die Stadtrepubliken der frühen Neuzeit in den Niederlanden und der Schweiz (Den Haag, Genf), die den Bürgern Sparsamkeit und relative Armut in der Lebensführung aufzwangen.

Mancher mag auch an die Botschaft des Mannes aus Nazaret denken: „Verschenke alles, was du hast, den Armen.“ Der Mann aus Nazaret  meinte vermutlich: Es gibt Wichtigeres als irdischen Besitz. Beziehungsorientierte Werte wie Gemeinschaft, Gemeinde, Nächstenliebe, tätige Hinwendung zum anderen Menschen standen für ihn ganz oben. Darin sah er die Sinngebung irdischen Reichtums.

Teile der heutigen Grünen und der Autor Tim Jackson, Verfasser des Buches Prosperity without Growth, fügen sich in diesen jahrtausendealten Strom nahtlos ein. Auch Jackson fordert eine Abkehr vom Imperativ des wirtschaftlichen Wachstums, um bleibenden, also geistigen Wohlstand im Sinne eines werte- und beziehungsorientierten Miteinander zu erreichen:

Prosperity Without Growth by Tim Jackson | Book review | Books | The Guardian
The last chapter of the book looks at opportunities for achieving „a lasting prosperity“. They are many and varied, and most of them – unsurprisingly – start from the grassroots.They are many and varied, and most of them – unsurprisingly – start from the grassroots. High on the list is the need for us all to consume less „stuff“ and to seek a type of prosperity outside the conventional trappings of affluence: within relationships, family, community and the meaning of our lives and vocations in a functional society that places value on the future.

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Apr. 042011
 

Die Japaner brauchen unser Mitgefühl! Leider habe ich den Eindruck, es gehe uns Deutschen bei der Berichterstattung über das Erdbeben- und Tsunami-Unglück vor allem um uns selbst, um das, was das schreckliche Unglück in Japan für unsere eigenen Ängste bewirkt.

Wir Deutschen pflegen gerne unsere Ängste, aus denen wir politisches Kapital schlagen, statt echtes Mitgefühl zu empfinden.

Wie mag diese zuckende Hysterie wohl auf bei uns lebende Japaner wirken? Ich vermute, viele können das Wort GAU schon nicht mehr hören. Die Deutschen scheinen die Vorstellung des GAU zu lieben mit flehentlicher Hingabe.

Besser gefällt mir Sayako Kusaka, die Geigerin, die morgen ein Konzert im Konzerthaus Berlin veranstaltet.

Musik gegen die Tränen – Berliner Zeitung
Wir haben schon viel geweint. Nach drei Wochen brauchen wir irgendwoher Hoffnung.

Mir fiel dazu gestern abend ein Gedicht eines von meinen angstgeneigten Deutschen wohl längst vergessenen Dichters ein, der wohl der musikalischste unter allen Dichtern genannt werden kann: Clemens Brentano. Es fängt an mit den Worten: „Sprich aus der Ferne, heimliche Welt“, und es endet mit folgenden Zeilen:

  Wandelt im Dunkeln
Freundliches Spiel,
Still Lichter funkeln
Schimmerndes Ziel.

Alles ist freundlich wohlwollend verbunden,
Bietet sich tröstend und traurend die Hand,
Sind durch die Nächte die Lichter gewunden,
Alles ist ewig im Innern verwandt.

Sprich aus der Ferne
Heimliche Welt,
Die sich so gerne
Zu mir gesellt.

 Posted by at 15:09

Kann Sozialarbeit die Probleme der Familie lösen?

 Familie, Frau und Mann, Männlichkeit  Kommentare deaktiviert für Kann Sozialarbeit die Probleme der Familie lösen?
Apr. 042011
 

„In der Sprechstunde sitzt inzwischen eine 16-Jährige am Tisch, die auf Staatskosten in einer Wohngemeinschaft untergebracht und in eine Ausbildung vermittelt wurde. Dort macht sie neuerdings Schwierigkeiten. Sie ist mit zwei Betreuerinnen angereist und macht den Eindruck, als halte sie den finanziellen wie personellen Aufwand, der ihretwegen betrieben wird, für das Normalste der Welt.“

Der Unterschied zwischen der Arbeit der Sozialämter in Spandau und Friedrichshain-Kreuzberg scheint sehr geringfügig zu sein. Der Bericht aus dem Sozialamt Spandau, wie ihn Ariane Bemmer im Tagesspiegel heute bringt, weist andere Straßennamen auf. Ich bin sicher: Würde man die Spandauer Straßennamen durch Kreuzberger Straßennamen ersetzen, ergäbe sich ein ebenso glaubwürdiges Bild!

Die Sozialarbeiter vollbringen fast Übermenschliches. Dies um so mehr, als ihnen mit großer Gewissheit „die Arbeit nicht ausgeht“. Je mehr die Gesellschaft auf korrektive Maßnahmen – also Sozialarbeit, staatliche Fürsorge, Heimunterbringung, Ganztagsbetreuung – setzt, desto stärker wird bei den Menschen der Sog, innerfamiliäre Probleme in den Händen des Staates „gut aufgehoben zu wissen“. Alle seufzen erleichtert auf: „Es gibt ja zum Glück die Sozialarbeit!“ Die Berliner SPD etwa fordert beharrlich seit Jahrzehnten, an jeder Problemschule eine Sozialstation einzurichten – wohl wissend, dass eine „typische“ Problemfamilie mit acht oder zehn Kindern genug Arbeit für drei Sozialarbeiterinnen bietet und eine gesamte Schulstation rund um die Uhr auslasten kann.

Schreibt man diesen Trend langfristig fort, könnte man letztlich die gesamten Bildungsausgaben in die Sozialarbeit, in Familienhilfe, in Hilfen zur Erziehung usw. umlenken. Genau diese Posten steigen etwa im neuesten Haushaltsansatz des Berliner Senats um sagenhafte 8% über Plan! Dies kann aber langfristig nicht der Ausweg sein.

Sozialarbeit: Flüstern oder Schreien – Familie – Berlin – Tagesspiegel

Was ist ein echter Ausweg? Wir schlagen einen Weg vor, der bisher noch nicht beschritten worden ist: Das Einüben, das Anerziehen guter Familienpraxis über Kita und Schule. Kita und Schule sollen die Kinder auf allen Altersstufen lehren, wie Familien gut erziehen, gut zusammen leben, gut zusammen wachsen. Innerhalb von nur zwei bis drei Jahrzehnten könnte dann eine neue Generation von weitgehend intakten Familien heranwachsen. Der zur Zeit exponentiell wachsende Bedarf an Sozialarbeit und Familienhilfe würde sich in 10 oder 20 Jahren auf einem gleichbleibend niedrigen Niveau einpendeln.

Das so wichtige schulische Unterrichtsgebiet „Praktische Familienkunde“ gibt es bis jetzt nur in Ansätzen. Es fehlt in Kita und Schule fast völlig an der bewussten, normsetzenden Erziehung zur Familie hin. Seien wir doch ehrlich: „Lebe so, wie es dir passt! Hol dir vom Staat, was du brauchst und kriegen kannst!“ Das ist heute der Tenor. Folge: Die Buben und Mädchen lernen in Kita und Schule nicht, wie man gesund und lecker kocht, wie man eine Familie gründet, wie man einen Haushalt führt, wie man Kinder erziehen soll. Viele junge Eltern sind mit diesen Aufgaben heillos überfordert.

Wenn die Kinder Glück haben, lernen sie „Familie“ in der Herkunftsfamilie. Wenn sie Pech haben, lernen sie es nie – und werden es auch durch die Sozialhilfe nicht lernen.

Würden Kinder an den staatlichen Bildungseinrichtungen auf allen Altersstufen bewusst und sorgfältig auf das Zusammenleben in Familien hin erzogen, könnten sie später den überragend wichtigen Schritt zur Gründung einer Familie selbstbewusst und voller Zutrauen in die eigenen Kräfte gehen. Von überragender, vielleicht sogar von entscheidender  Bedeutung ist dabei das Einüben einer tauglichen Rollenerwartung für die werdenden Väter. Denn sehr oft ist es das Versagen oder das Fehlen der Väter, welches zum Zerbrechen der Familie führt. Gefragt ist also normsetzende Erziehung zu echter Väterlichkeit, in alter Sprache: Erziehung zu Sittlichkeit und Mündigkeit.

Sozialarbeit – so wichtig sie ist, so bewundernswert die Mühe der Sozialarbeiterinnen ist, so sehr wir ihnen dankbar sein müssen – kann stets nur notdürftige Reparaturarbeit leisten.

Gesunde, intakte Familien mit Vater, Mutter und Kindern sind die dezentralen, die regenerativen Kraftwerke, aus denen Gesellschaften ihre Energie beziehen. Die Politik kann und soll diese Einsicht in konkrete Schritte münden lassen. Wir brauchen Familienerziehung an allen Berliner Schulen. Jetzt.

 Posted by at 10:49
Apr. 032011
 

„Dumme Frage! Kuck Dich doch um! Die Demos vom letzten Wochenende sprechen eine deutliche Sprache!“

Aha. Der Atomtod. Er rafft uns bald dahin. In Japan wurden jetzt in Fukushima die ersten zwei toten AKW-Arbeiter gefunden. Hingerafft durch den Tsunami.  „Aber fast wären es die ersten beiden Strahlentoten geworden.“

Wo ist die Bürgerbewegung für besseren Tsunamischutz in Deutschland? Tsunamis können jeden treffen!

Todesursache – Wikipedia

Etwa 200.000 Menschen sterben pro Jahr vorzeitig und überflüssigerweise in Deutschland an Herz-Kreislauferkrankungen, ausgelöst durch Übergewicht und Bewegungsmangel. Bewegungsmangel und Übergewicht sind die beiden größten gesundheitlichen Gefahren in Deutschland. Alles andere kommt weit, sehr weit danach! Wo ist die Ausstiegsbewegung aus Bewegungsmangel und Übergewicht?

Etwa 4500 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland im PKW-Straßenverkehr, ausgelöst durch Unachtsamkeit, überhöhte Geschwindigkeit, Trunkenheit, StVO-Missachtung usw. Wo ist die Ausstiegsbewegung aus dem PKW-Straßenverkehr?

Die Angst vor dem Strahlentod wird künstlich geschürt, hat jedes Maß verloren. Irrational. German Angst. Die Franzosen ticken anders, die Israelis ticken anders, die Iraner ticken anders. Nur die Deutschen haben diese Heidenangst.

Wie konnten es die Grünen verantworten, die AKWs auch nur einen Tag am Netz zu lassen, als sie an der Regierung waren?

 Posted by at 13:48
Apr. 032011
 

Medienwissenschaftler aufgepasst! Die Japan-Berichterstattung von Spiegel online ist ein gefundenes Fressen für euch. Durch das Erdbeben, vor allem aber durch den Tsunami haben mindestens 20.000 Menschen das Leben verloren. Viele mehr sind obdachlos geworden! Ihnen gilt mein Mitgefühl!

Wie berichtet Spiegel online? Tag und Tag, ja Stunde um Stunde berichtet er Angsteinflößendes aus dem AKW. Neueste Meldung: „Die ersten 2 Toten im AKW gefunden“. Unterschwellig wird suggeriert: Die ersten 2 Toten von vielen anderen durch das AKW. Martyrer des Atomwahns also. So stellt es der SPIEGEL Tag um Tag neu dar. Was ist dran? Wahrscheinlich nichts! Die toten Arbeiter sind höchstwahrscheinlich wie Tausende andere Menschen auch durch den Tsunami gestorben.

Der Tsunami hat unmittelbar die verheerendsten Schäden verursacht, der Tsunami ist vor allem schuld an unermesslichem Leid. Nicht so sehr das Erdbeben – und auch nicht das AKW.

Aber was macht’s. So lange durch den SPIEGEL unsere gute alte German Angst vor den AKWs geschürt wird, steigt die Auflage, steigen die Klicks.

SPIEGEL ONLINE – Nachrichten

 Posted by at 12:20