Apr. 112011
 

Einen etwa halb so hohen Lebensstandard wie die deutsche Sozialhilfe sichert der türkische Mindestlohn.  „Kann man vom türkischen Mindestlohn anständig leben?“ So fragen die Sozialisten empört. Antwort:  Sicher nicht als Einzelperson. Allerdings ist es in der Türkei so, dass die Familienmitglieder einander beistehen. Wer mehr hat, gibt dem, der weniger hat. Onkel hilft Neffen, Bruder hilft Bruder, ältere Schwester passt auf kleinere Geschwister auf, wenn Mutti arbeiten geht. Familiensinn, Gemeinsinn und Nächstenliebe, das sind die Grundpfeiler, auf denen letztlich die türkische Gesellschaft ruht.

Die Ansprüche der Gemeinschaft an den einzelnen sind in der Türkei hoch: Vater und Mutter müssen nach Kräften das Familieneinkommen mehren, notfalls muss Vater auch mal im Ausland arbeiten und Geld nachhause schicken. Zwar sichert die Gemeinschaft dem Alten und dem Kranken Fürsorge, niemand wird abgeschoben! Aber jeder, der kann, muss sich nach Kräften anstrengen, die Kinder, die Alten und die Kranken mitzutragen. Einer trägt des anderen Last. So schildert es der großartige Film „Almanya – willkommen in Deutschland.“

In der Türkei geschieht soziale Sicherung also vor allem über die Familie, daneben sichert der Staat durch das Mindesteinkommen von unter 400 Euro/Monat, dass kein Arbeitender in Armut abgleitet. Ein Sozialhilfewesen wie in Deutschland gibt es in der Türkei nicht.

In Deutschland hingegen kann jeder einzelne seine Ansprüche auf Unterhalt, Fürsorge, Einkommen direkt beim Staat anmelden, sobald er volljährig ist. Der Staat ist die erste Adresse, wenn es darum geht, Ansprüche anzumelden. Politik gleicht einem Spatzennest, wo jeder Jungspatz möglichst laut den Schnabel aufreißt. „Gib, Staat!“

Die Folge: Familien werden in Deutschland als Instrument der sozialen Grundsicherung immer mehr entbehrlich, alle wesentlichen Aufgaben wie etwa Kindererziehung, Lernen, Einkommenssicherung, Altenhilfe, Arbeitssuche, Kochen, Zähneputzenlernen werden in Deutschland, vor allem aber im Bundesland Berlin und hier wiederum besonders stark in Kreuzberg, auf den Staat überwälzt. Der Staat verlangt und erwartet von den jungen Leuten und von den Familien fast nichts mehr. Dies gilt jedenfalls für Kreuzberg, wo ich wohne.

Der Staat ist in Kreuzberg zum bemutternden Dauerfürsorgestaat geworden. Die Politiker haben alle Hände voll zu tun, für ihre Schäflein zu sorgen, drehen die Geldhähne auf bis zum Geht-nicht-mehr.

Spannend! Wir erleben gerade in Kreuzberg und Wedding das Entstehen geschützter, ethnisch weitgehend segregierter Reservate – ähnlich den Indianerreservaten in den USA und Kanada! Wie dort geprägt durch zerbrechende Familien, Schattenwirtschaft, Sozialhilfe, Glücksspiel und Sucht.

Es wird teuer für die wenigen verbleibenden Familien, in denen die Väter und Mütter zur Arbeit gehen. Höhere Staatsverschuldung ist unausweichlich – und so sind auch die Wahlprogramme der Berliner Parteien deutlich auf neue Schulden hin angelegt! Toll!

Bertelsmann-Umfrage: Deutsche haben grenzenlose Ansprüche an Sozialstaat – Nachrichten Wirtschaft – WELT ONLINE

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Apr. 082011
 

Und wieder einmal werden die Tränendrüsen arg strapaziert. Bitte kräftig weinen! Als ob es den Kindern an Geld und Kleidung, an Essen und Obdach, an medizinischer Versorgung und an kostenlosem Schulbesuch fehlte!

Wir haben 800 Millionen Menschen weltweit, denen es an Kleidung und Essen, an Trinkwasser, an medizinischer Versorgung und an kostenlosem Schulbesuch fehlt. DIE sind arm.

Sozialstudie – Berlin ist trauriger Spitzenreiter bei Kinderarmut – Brandenburg Aktuell – Berliner Morgenpost – Berlin

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Die Frage der Fragen

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Apr. 082011
 
Ich verlange von den Berliner Parteien vor allem eines: Sagt mir, wo ihr sparen wollt! Wem wollt ihr weniger in die Tasche stecken? Geld verteilen, Verwöhnungs-Zusagen machen könn’se alle.
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Mein Bürger des Tages: Daniel M., Lehrer in Berlin-Wedding

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Apr. 082011
 

Immer wieder begegnen mir im Alltag Menschen, deren Haltung ich bewundere, denen ich nacheifern möchte. Dazu gehören sehr oft Erzieherinnen, Lehrer, Polizisten, BSR-Müllwerker, Sozialarbeiter, alleinerziehende Mütter, Kranken- und Altenpfleger. Meine persönlichen Vorbilder ackern unverdrossen für das Wohlergehen anderer Menschen, „helfen ihnen auf die Sprünge“ – und werden oft nicht ausreichend gewürdigt.

Nur selten schaffen es diese Vorbilder in die Presse. Aber heute hat es einer geschafft: Daniel M., Lehrer für Sport und Mathematik in Berlin-Wedding. Ich kenne ihn persönlich nicht, aber was er sagt und erzählt, gefällt mir sehr gut.

Warum? Weil er mehrfach darauf hinweist, dass der einzelne Bürger, dass die Väter und Mütter, aber auch der einzelne Lehrer ein gerüttelt Maß an Verantwortung tragen. Der Staat versorgt uns wirklich üppig, jetzt sind wir am Zuge!

„Fortbildung wird immer mehr gefordert. Das liegt aber häufig in der Hand des Lehrers, ob er dazu bereit ist.“ Daniel M. setzt also bei sich selbst, bei seiner eigenen Kategorie an. Ungewöhnlich!

„Die Eltern müssen sich auch kümmern!“ Das ist der Titel des Berichts von Gilbert Schomaker auf S. 30 der Berliner WELT von heute. Unbedingt lesenswert! Die Beobachtungen treffen alle zu – nicht nur in Wedding, sondern auch in Kreuzberg.

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Apr. 082011
 

384,89 Euro beträgt der aktuelle Mindestlohn in der Türkei. Die Mehrzahl der Arbeitnehmer in der Türkei bezieht diesen Mindestlohn. Der gesetzliche türkische Mindestlohn beträgt somit etwa ein Viertel bis ein Drittel dessen, was ein Arbeitsloser in Deutschland Monat für Monat an finanziellen Zuwendungen, etwa für Wohnen und Versicherungen sowie an Barauszahlungen erhält. Die Lebenshaltungskosten der Türkei sind unterschiedlich, in Istanbul liegen sie etwa so hoch wie in Deutschland, im Durchschnitt des Landes etwa auf halber Höhe oder etwas darunter. In Istanbul selbst beträgt der aktuelle Durchschnittslohn etwa € 850/Monat.

Ein Sozialhilfeempfänger in Deutschland steht also weit besser da, kann sich weit mehr leisten als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in der Türkei, von den arabischen Ländern ganz zu schweigen.

Ein Blick auf diese simplen Zahlen vermag etwas von der faszinierenden Sogwirkung des deutschen Sozialsystems auf die anderen Länder dieser Erde zu erklären.

Dennoch wird unausrottbar von „Armut“ gesprochen.  So schreibt heute etwa Gilbert Schomaker in der Berlin-Ausgabe der WELT auf S. 30: „Von Armut betroffen sind laut Bildungsbericht 36 Prozent aller Kinder in Berlin, sogar 46 Prozent aller Jungen und Mädchen in Brandenburg. Als vom Risiko Armut betroffen gelten Familien, die bei zwei Kindern nicht mehr als 1550 Euro im Monat haben.“

Es ist haltloser Unsinn, den uns die Statistiker da immer wieder auftischen. Es gibt in Deutschland keine statistisch nennenswerte Armut. Das ständige Gerede von Armut verstellt den Blick auf die wahren Ursachen von scheiternden Bildungskarrieren. Eine der Hauptursachen von scheiternden Bildungsverläufen liegt meines Erachtens darin, dass es zu wenige Anreize gibt, aus dem System der Sozialhilfe aus- und aufzusteigen. Denn alle denken und viele sagen: „Ich krieg ja eh Sozialhilfe.“ Umgekehrt bestehen stärkste Anreize, Familien bewusst ins deutsche Sozialsystem hineinzugründen und die Lebensplanung darauf abzustellen.

Und so entfällt jeder materielle Anreiz, wirklich gutes Deutsch zu lernen oder beruflich verwertbare Qualifikationen zu erwerben.

Minimum Wage in European countries – Google public data

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Apr. 072011
 
Na toll: Italienischen Schwertfisch aus sizilianischen Gewässern kann man bedenkenlos essen. Die italienischen Fernsehnachrichten von RAI due geben Entwarnung. Ich ergänze: Und man kann auch Gemälde bedenkenlos ankucken, die in japanischen Galerien ausgeliehen waren.

Die medial hochgejubelte Hysterie der Europäer kennt keine Grenzen. Naturwissenschaftliche Grundkenntnisse in den europäischen Medien? Sind unterhalb der Nachweisgrenze!

Letzter Fund aus dem Kabinett der Torheiten: „Jede Strahlung tötet!“ Hat mir allen Ernstes auch jemand anvertraut! „Es gibt keine ungefährliche Strahlung!“ Auch so ein dicker Klopper der Ignoranz! Wir haben ständig in der Natur radioaktive Hintergrundstrahlung – ist sie etwa Ursache unserer Sterblichkeit?

Tg2 – Video – TG2 ore 20:30 del 07/04/2011

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Apr. 072011
 
„Die Gesundheits- und Pflegekosten werden durch die Decke schießen!“

So hört man es immer wieder! Was tun?

Ich phantasiere mal für mich hin und unterbreite folgende ungewöhliche Vorschläge in der Reihenfolge der Dringlichkeit:

In den ärmsten Ländern sind relativ einfache, relativ billige Mittel zur Hebung der Gesundheit:

1) Sauberes Trinkwasser für alle
2) Abwasserkanalisation für alle
3) Erziehung zu einfachen Hygienemaßnahmen wie etwa häufiges Händewaschen und Zähneputzen
4) Impfungen
5) Sexualerziehung zur Vermeidung von HIV-AIDS
6) Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit

Bei uns in Deutschland, einem sehr reichen Land, wo es praktisch keine Armut gibt,  wären nach meinen Erkundigungen einfache und billige Mittel zur Hebung der allgemeinen Gesundheit – in dieser Reihenfolge der Dringlichkeit:

1) Weniger essen.
2) Täglich mindestens 1-2 Stunden mäßige Bewegung für alle in frischer Luft bei jedem Wetter.
3) Alle Kinder, alle Frauen, alle Männer lernen verpflichtend Lesen, Schreiben und Rechnen in deutscher Sprache mindestens auf dem Niveau des früheren deutschen Hauptschulabschlusses.
4) Grunderziehung in gutem Kochen, in guter Haushaltsführung, in guter Kindererziehung für alle Kinder bereits in Kita und Grundschule.


Das würde in wenigen Jahren die Krankheitskosten im zweistelligen Prozentbereich senken. Aber niemand wagt es zu sagen. Warum sagt dies niemand? Weil es den Interessengruppen an den Pelz geht!

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„Wasch mir den grünen Pelz, aber mach mich nicht nass!“

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Apr. 072011
 

050420114801.jpg

Mit großer Neugierde blättere ich durch die Bewerbungen der grünen Kandidatinnen und Kandidaten für die anstehenden Abgeordnetenhauswahlen.

Das methodische Vorgehen der Grünen, dass Kandidaten bereits im parteiinternen Entscheid sich öffentlich vorstellen, ihre Ziele darlegen und  buchstäblich ihr Gesicht zeigen müssen, halte ich für goldrichtig. Jeder Bürger kann bereits heute, vor der parteiinternen Kandidatenaufstellung, Kontakt zu den grünen Kandidaten aufnehmen, sie oder ihn beeinflussen, etwa indem er sagt: „Wir brauchen einen Zebrastreifen! Kämpfe dafür! Wir brauchen mehr Parkplätze für Vans und SUVs! Kämpfe dafür! Wir brauchen mehr staatliches Geld für den Mieterschutz! Deshalb höhere Steuern für Reiche! Usw.usw.“

Sachpolitisch hingegen stecken die Grünen in dem einen oder anderen Widerspruch.  In gewaltigen Widersprüchen sogar, würde ich sagen! So wollen sie etwa einerseits heftigst bezuschusste Stadtviertel weiterhin auf Staatskosten erhalten und nennen dies „Eine Stadt für alle“. Sie treten bei uns im Bezirk für Mietobergrenzen, für Umwandlungsverbote, für Bestandsschutz, für Mileuschutz, für mehr kommunale Wohnungen und dergleichen staatliche Segnungen ein.

Diese grünen Rezepte können aber nur funktionieren, wenn weiterhin langfristig Transferleistungsempfänger in den ethnisch und sozial zunehmend segregierten Innenstadtkiezen des alten West-Berlin (Beispiel: Kottbusser Platz) gehalten werden und weiterhin die Familien der Selbstverdiener in die anderen Bezirke verdrängt werden. Und dafür sind weiterhin gigantische Geldmittel erforderlich, die das Land Berlin als Sozialhilfe, „Soziale Stadt“ u.dgl. in die ökonomisch schwächeren Viertel wie etwa Neukölln-Rollbergviertel oder Kreuzbergs Fanny-Hensel-Kiez lenken muss. Wir sprechen hier nicht von Peanuts, sondern von zweistelligen Millionenbeträgen, die Jahr um Jahr ausschließlich in den Bestandsschutz gepumpt werden, Mittel, die dazu dienen, den weiteren Niedergang unserer Problemkieze zu stoppen.

Woher wollen die Grünen das Geld nehmen, um ihre wunderbar klingenden Sozial-, Mieterschutz-  und Bildungsprogramme zu finanzieren? Sie spinnen doch weiterhin ihre Klientel in einem Sozialkokon ein, wollen ihre Klientel im Kampf gegen Gentrifizierung, gegen steigende Mieten, gegen mehr Sparzwang, überhaupt im Kampf gegen die Zumutungen der Außenwelt schützen!

„Berlin muss sparen!“ Richtig! Das Land Berlin soll zwar sparen, die Familien, die Jugendlichen, die Sozialleistungsempfänger, die sogenannten Randgruppen hingegen werden von den Grünen eingelullt im täuschenden Wahn, sie seien strukturell benachteiligt, alles könne und müsse mehr oder minder so weitergehen wie bisher: „Wir kümmern uns um euch. Wir werden verhindern, dass böses privates Kapital in unseren lebenswerten Bezirk strömt und euch in lebensunwerte Bezirke wie etwa Hellersdorf oder schlimmer noch Frankfurt/Oder verdrängt!“

Andererseits mahnen die Grünen Haushaltssanierung an. Wie soll das zusammengehen? „Wir schaffen 100.000 Arbeitsplätze in der Green Economy!“ Mit wessen Geld? Wer schafft Arbeitsplätze? Der Staat? Wir haben in Berlin bereits eine Staatsquote von 60 Prozent – soll die noch weiter steigen? Schafft die grüne Partei Arbeitsplätze?

Wie sagt doch Jürgen Trittin so oft? „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“

Meine persönliche Tagesbilanz der Grünen: Methodisch in der praktischen Parteiarbeit sind sie vorbildlich, ordnungspolitisch (hüstel, das ist ein Fachwort, das ich einfach mal so einstreue) sehe ich jedoch erheblichen Erklärungsbedarf. Es bleibt spannend.

Foto: eine neuartige Scheibenbremse an einem Fahrrad der Firma Focus, aufgenommen vorgestern auf der Wilhelmstraße, Kreuzberg-West

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Apr. 062011
 

Im Jahr 1972 las ich erstmals als 12-jähriger Gymnasiast den Bericht des Club of Rome. Die Botschaft war eindeutig: Wenn wir so weitermachen, zerstören wir die Erde! Ein dumpfes Gefühl der Angst beschlich mich. War es noch zu verantworten, Kinder in die Welt zu setzen? War es nicht unverantwortlich von unseren Eltern, uns Kinder in eine derart von Umweltzerstörung, Kriegen und Atomunglücken geprägte Welt hineinzugebären? Würden wir im Jahr 1990 noch leben? So fragten wir nicht nur stillschweigend, sondern ganz offen!

Die tiefe Verunsicherung, welche die damals entstehende Ökologie- und Anti-Atom-Bewegung in die Kinderseelen einpflanzte, hat eine ganze Generation geprägt. Diese Generation der etwa 50-Jährigen stellt heute das Führungspersonal in großen Teilen der Parteien. Diese Bangnis überlagerte in mir nach und nach wie Mehltau das tiefe Urvertrauen, das ich in meiner frühen Kindheit erlebt hatte. Bis zum heutigen Tag entdecke ich in vielen Deutschen eine völlig überflüssige, eine lähmende Zukunftsangst und Kleinmütigkeit. Sie stürzen sich mit Wollust auf Unglücksnachrichten, quälen sich mit düsteren Ahnungen und vergessen dabei, das Leben wie es kommt und ist anzupacken. Ganz zu schweigen davon, dass niemandem, der in Not ist, geholfen wird, wenn er wieder und wieder hört: „Die Welt ist bedroht. Du bist Opfer. Böse Mächte haben uns alle im Griff.“ In meinem Bekanntenkreis hatten wir vor wenigen Jahren einen schrecklichen Selbstmord zu beklagen. Der Jugendliche hatte ausdrücklich die unaufhaltsame Umweltzerstörung und die weltweit tobenden Kriege als Auslöser seines Freitodes genannt!

Heute wissen wir: Die Voraussagen des Club of Rome waren viel zu düster. Sie sind nicht eingetreten. Ihre Voraussetzungen waren teilweise wissenschaftlich falsch, teilweise wurde durch das Handeln der Menschen Abhilfe geschaffen. Das Ausmaß der Umweltschädigung in den sozialistischen Staaten hingegen war größer als bekannt. Die Abhilfe gegen die unleugbare Umweltzerstörung war in den freien Marktwirtschaften besser, effizienter, als man damals annahm. Insbesondere die natürlichen Ressourcen haben sich als viel größer herausgestellt als damals angenommen. Der Hunger, die Kindersterblichkeit, die Zahl der Kriege sind seit 1970 zurückgegangen, obwohl die Erdbevölkerung zugenommen hat.

Aber diese düstere Grundstimmung wird weiterhin in die Kinderseelen eingepflanzt. Soeben sah ich mit meinem Sohn logo, die Kindernachrichten des öffentlichen Fernsehens KiKa. Aufmacher der ganzen Sendung: „Verseuchtes Wasser quillt unaufhörlich aus dem AKW Fukushima in das Meer, Radioaktivität wird von Fischen aufgenommen, gelangt in die Nahrungskette.“ Unterschwellige Botschaft an die Kinder: „WIR SIND ALLE BEDROHT.  Die japanischen AKWS fügen uns unermesslichen Schaden zu!“

Diese Angst der Deutschen vor Verunreinigung, vor Verseuchung, vor Zerstörung durch fremde Mächte hat schon sehr viel Unheil bewirkt. Ist es eine typisch deutsche Angst? Ja! Genau diese Angst hat zu den größten Demonstrationen in der Geschichte der Bundesrepublik geführt!

Ich halte diese Panikmache bei den Kindern, wie sie etwa KiKa einflößt, für unverantwortlich. Mit teilweise unhaltbaren, teilweise falschen Aussagen wird den Kindern, die den KiKa kucken, eine tiefe Weltangst eingepflanzt. Die Aufmerksamkeit der Kinder wird auf einen einzelnen fernen Punkt in Japan fokussiert. Fukushima – das ist das Böse. Das tiefe Leid der Menschen, die durch den Tsunami (nicht durch den Unfall im AKW) ihre Habe und ihr Obdach verloren haben, wird überhaupt nicht erwähnt. Das ist obendrein zynisch.

Toll dagegen, wie Schalke gestern Abend Inter Mailand zerlegt hat!  Rangnick hat die Mannschaft gedreht, obwohl Magath große Verdienste um den Spielaufbau erworben hat. Magath kommt in der Darstellung meist zu schlecht weg, finde ich. Die Grundeinstellung stimmte einfach! Sie haben sich durch das frühe Tor nicht entmutigen lassen. Eine Zuversicht, ein Glück des Gelingens war in den allermeisten Spielzügen zu erkennen. Keine Spur von Zukunftsangst! Sehr gut!

KI.KA – Fernsehen – logo

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Verbogene Felge – Friedrichshain-Kreuzberg bewirbt sich

 Fahrrad, Friedrichshain-Kreuzberg  Kommentare deaktiviert für Verbogene Felge – Friedrichshain-Kreuzberg bewirbt sich
Apr. 052011
 

05042011479.jpg Schöne Sache, die Claudia Hämmerling MdA laut taz, heute S. 24, angeleiert hat! Beste und schlechteste Verhältnisse  für Radfahrer sollen ausgezeichnet werden. Als Bezirkspatriot machte ich mich heute sofort auf die Pirsch! Ich möchte etwas Gutes über meinen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg berichten! Die Wilhelmstraße im Bezirk Mitte ist sicherlich etwas sehr Gutes: breite saubere Radfahrstreifen, höfliche Autofahrer, konfliktfreies Dahinradeln.  Die Wilhelmstraße im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hingegen steht seit Jahren im Fokus der Negativ-Berichterstattung dieses Blogs.

Das Sahnehäubchen konnte ich vor wenigen Stunden einfangen: 30 Autos parken widerrechtlich den Radstreifen gegenüber der SPD-Zentrale zu, Motorroller und Radfahrer befahren deswegen den Bürgersteig, ein Reisebus bleibt stecken, die Polizei rückt mit eigenem schwerem Gerät an, um den Reisebus zu befreien. Wenn die Lage für den Radverkehr in der Kreuzberger Wilhelmstraße bisher schon schlecht war, so war sie heute geradezu sensationell schlecht.

Großartig! Und alles ist auf Film gebannt! Loriot hätte seine helle Freude daran. Nur der reiferen Jugend empfohlen. Versicherung: Diese Aufnahmen sind nicht gestellt, sondern sind heute Mittag zufällig von einem Bezirkspatrioten gedreht worden. Und: Dieser Kreuzberger Blogger hat nichts gegen politische Parteien, weder gegen die SPD noch gegen die anderen in Bezirk und Bundesland regierenden Parteien.

YouTube – Radstreifen Wilhelmstraße Kreuzberg 05 April 2011

Verbogene Felge nach Kreuzberg!

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„Kapitalismus“ oder „Marktwirtschaft“?

 Rosa Luxemburg, Soziale Marktwirtschaft, Sozialismus  Kommentare deaktiviert für „Kapitalismus“ oder „Marktwirtschaft“?
Apr. 052011
 

„Wir leben im Kapitalismus.“

Ich würde unsere Wirtschaft nicht als Kapitalismus, sondern als „Marktwirtschaft“ bezeichnen. Und Marktwirtschaften funktionieren im Gegensatz zu autoritär gelenkten Volkswirtschaften (z.B. sozialistische Planwirtschaft) oder Eroberungswirtschaften (z.B. Imperialismus, osmanisches Reich) hervorragend auf Dauer, wie die bisherige Weltgeschichte zeigt. Schrumpfende und verschwindende Teilmärkte gehören natürlich dazu.

Woher ich das weiß? Nun, kaum ein volkswirtschaftliches Buch hat mich im letzten Jahr so stark bewegt wie Jacques Attalis großartiges „Tous ruinés dans dix ans?“ Wer sonst hat je einen derart kühnen Überblick über die Staaten der europäischen Geschichte, die Zeiten, die Volkswirtschaften gewagt? Max Weber? Karl Marx? Schumpeter? Rosa Luxemburg? À vous le choix!

Einige Grundgedanken des vorigen Eintrags habe ich in produktiver Weiterführung von Attalis Gedanken entwickelt. Wörtliche Zitate oder auch nur sinngemäße Übernahme von Passagen schließe ich aus. Aber – je suis en dette avec Jacques Attali – ich „stehe in seiner Schuld“. Merci, M. Attali!

Hier höchst vorsorglich zur Vermeidung allfälliger Plagiatsvorwürfe  die vollständige Quellenangabe für alle Plagiatssucher (ihr werdet keines finden!):

Jacques Attali: Tous ruinés dans dix ans? Dette publique : la dernière chance. Fayard, Paris 2010, 263 Seiten, € 15,90

 Posted by at 11:46

Immerwährendes Wachstum oder Armut an irdischen Dingen?

 Armut, Das Gute, Tugend  Kommentare deaktiviert für Immerwährendes Wachstum oder Armut an irdischen Dingen?
Apr. 052011
 

„Wir leben im Kapitalismus. Kapitalismus funktioniert nur unter der Voraussetzung immerwährenden Wachstums.“ So höre und lese ich es im meinem tiefroten, leidenschaftlich linken Berlin-Kreuzberg immer wieder.

„Immerwährendes WACHSTUM“ als ehernes Gesetz? Behaupten die Marxistinnen, viele Sozialisten, Kapitalismuskritikerinnen und viele Politikerinnen bei Grünen, CDU, FDP, SPD und den Linken. Ich halte das für nachweislich falsch. Das gölte in Marktwirtschaften wie der unsrigen nur, wenn man nicht bereit wäre, Einbußen an Wohlstand und Umverteilungsmasse hinzunehmen. Schrumpfungen, relative Verarmung und Krisen gehören im Markt dazu, sie geschehen auch immer wieder, ohne den Markt zu zerstören. Man denke nur an Großbritannien in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als weite Teile der Bevölkerung massive reale Einkommensverluste erleiden mussten.

Entscheidend ist meines Erachtens: Unsere sozial eingehegte Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht – wie die Erfahrung lehrt – auf Dauer allen Bürgerinnen ein Leben in Menschenwürde und Freiheit – und seit Jahrzehnten und wohl weiterhin auf absehbare Zeit sogar frei von Armut, also in relativem Wohlstand. Es gibt keine Armut in Deutschland – eine gute Botschaft! Jeder hat ein Dach über dem Kopf, jeder hat genug zu essen, es herrscht Frieden, alle Kinder bekommen eine kostenlose Schulausbildung, alle Menschen bekommen eine gute medizinische Versorgung – und zwar alle hier wohnenden Bürgerinnen unabhängig von der Staatsangehörigkeit, unabhängig davon, ob sie arbeiten oder nicht arbeiten. Eine riesige Leistung!

Der riesige Schritt, den leider unsere allermeisten Politiker nicht bereit sind zu gehen, bestünde darin zu sagen: Wir können euch keinen gleichbleibenden Wohlstand garantieren. Ihr müsst euch den gewünschten Wohlstand Tag um Tag erarbeiten, für euch selbst, für die Gemeinschaft, für eure Kinder. Und selbst Wohlstandseinbußen sind kein Unglück! Wenn wir alle im Durchschnitt wieder so wenig Haushaltseinkommen wie in den 50er Jahren hätten, also etwa ein Viertel des heutigen Wertes, wäre dies kein echter Schaden für Leib und Leben!

Über die Jahrhunderte hin gab es immer wieder starke Bewegungen, die aus dem „Immer mehr“ ausstiegen. Ich denke da z.B. an die ökonomisch sehr erfolgreichen christlichen Klöster, an die Stadtrepubliken der frühen Neuzeit in den Niederlanden und der Schweiz (Den Haag, Genf), die den Bürgern Sparsamkeit und relative Armut in der Lebensführung aufzwangen.

Mancher mag auch an die Botschaft des Mannes aus Nazaret denken: „Verschenke alles, was du hast, den Armen.“ Der Mann aus Nazaret  meinte vermutlich: Es gibt Wichtigeres als irdischen Besitz. Beziehungsorientierte Werte wie Gemeinschaft, Gemeinde, Nächstenliebe, tätige Hinwendung zum anderen Menschen standen für ihn ganz oben. Darin sah er die Sinngebung irdischen Reichtums.

Teile der heutigen Grünen und der Autor Tim Jackson, Verfasser des Buches Prosperity without Growth, fügen sich in diesen jahrtausendealten Strom nahtlos ein. Auch Jackson fordert eine Abkehr vom Imperativ des wirtschaftlichen Wachstums, um bleibenden, also geistigen Wohlstand im Sinne eines werte- und beziehungsorientierten Miteinander zu erreichen:

Prosperity Without Growth by Tim Jackson | Book review | Books | The Guardian
The last chapter of the book looks at opportunities for achieving „a lasting prosperity“. They are many and varied, and most of them – unsurprisingly – start from the grassroots.They are many and varied, and most of them – unsurprisingly – start from the grassroots. High on the list is the need for us all to consume less „stuff“ and to seek a type of prosperity outside the conventional trappings of affluence: within relationships, family, community and the meaning of our lives and vocations in a functional society that places value on the future.

 Posted by at 11:24
Apr. 042011
 

Die Japaner brauchen unser Mitgefühl! Leider habe ich den Eindruck, es gehe uns Deutschen bei der Berichterstattung über das Erdbeben- und Tsunami-Unglück vor allem um uns selbst, um das, was das schreckliche Unglück in Japan für unsere eigenen Ängste bewirkt.

Wir Deutschen pflegen gerne unsere Ängste, aus denen wir politisches Kapital schlagen, statt echtes Mitgefühl zu empfinden.

Wie mag diese zuckende Hysterie wohl auf bei uns lebende Japaner wirken? Ich vermute, viele können das Wort GAU schon nicht mehr hören. Die Deutschen scheinen die Vorstellung des GAU zu lieben mit flehentlicher Hingabe.

Besser gefällt mir Sayako Kusaka, die Geigerin, die morgen ein Konzert im Konzerthaus Berlin veranstaltet.

Musik gegen die Tränen – Berliner Zeitung
Wir haben schon viel geweint. Nach drei Wochen brauchen wir irgendwoher Hoffnung.

Mir fiel dazu gestern abend ein Gedicht eines von meinen angstgeneigten Deutschen wohl längst vergessenen Dichters ein, der wohl der musikalischste unter allen Dichtern genannt werden kann: Clemens Brentano. Es fängt an mit den Worten: „Sprich aus der Ferne, heimliche Welt“, und es endet mit folgenden Zeilen:

  Wandelt im Dunkeln
Freundliches Spiel,
Still Lichter funkeln
Schimmerndes Ziel.

Alles ist freundlich wohlwollend verbunden,
Bietet sich tröstend und traurend die Hand,
Sind durch die Nächte die Lichter gewunden,
Alles ist ewig im Innern verwandt.

Sprich aus der Ferne
Heimliche Welt,
Die sich so gerne
Zu mir gesellt.

 Posted by at 15:09