Kde domov můj, domov můj? – Ve Výmaru!

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Apr. 252019
 
Musiksalon im Liszt-Haus zu Weimar

Ein derartiges Gespräch nach den berühmten Versen Josef Kajetan Týls entspinnt sich singend in meinen Gedanken.

„Wo ist, wo war meine Heimat? In Weimar!“ Bereits die zweite Station unserer Stadtwanderung erweist mir am Ostermontag diese Antwort. Nach dem Bauhaus, das 1919 in Weimar gegründet wurde, empfängt mich das Liszt-Haus gastlich und heimatlich.

Hier im Musiksalon stehen der prachtvolle Bechstein-Flügel und das Ibach-Klavier, an denen Liszt seine Schüler unterrichtete. Hier lasse ich im Geiste wieder aufrauschen die Harmonien im Klaviersatz zu Petrarcas „I‘ vidi in terra angelici costumi“.

Der innerlich gehörte Klaviersatz eines ungarischen Komponisten auf das Sonett eines italienischen Dichters, herausgefordert durch den Anstoß der tschechischen Nationalhymne, beflügelt durch die Orientsehnsucht der Puppen Julia Feiningers mit ihren „angelici costumi“, ihren „engelsgleichen Kostümen“, die ich im soeben eröffneten neuen Bauhaus-Museum Weimar sah, – mit diesen hingehauchten Pinselstrichen ist meine Heimat an diesem Tag bereits umrissen. Und der Name dieser Heimatstadt lautet Weimar.

Und der Kontinent heißt Europa.

 Posted by at 17:27

„Ich möchte gerne Persien sehen, Indien und dann China!“ Im neuen Bauhaus-Museum Weimar

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Apr. 232019
 

Julia Feiningers Puppen fesselten am Ostermontag meine Aufmerksamkeit, wie so vieles andere danach im neueröffneten Bauhaus-Museum Weimar. Die strahlende Ostersonne goss über den neuen Bau in Weimar ihr Versöhnungslicht, dass er aufstrahlte wie eine Art magischer Würfel, der Anmutung nach in all seiner Abstraktion nicht unähnlich dem in aller Fremdheit thronenden Kubus in der Wüste Arabiens.

Manch stillen Winkel fand ich, wo es mir abseits der Besucherströme gelang, in echte Zwiesprache mit den ausgestellten „redenden“ Dingen zu treten. Das Museum ermöglicht dies, es beweist den unersetzlichen Rang der mit größter Meisterschaft und handwerklicher Klarheit gestalteten Objekte.

Eine Schatztruhe ist dieses neue Museum, das zu reden anfängt, – „triffst du nur das Zauberwort“.

Ich würde empfehlen, sich nicht zu sehr beeinflussen zu lassen von all den Strömen Tinte und Druckerschwärze, die das BAUHAUS durchfließen, umschließen und zu verschütten drohen, sondern bescheiden und lauschend, tastend und hinhorchend sich einzulassen auf all das Taugliche, Zweckmäßige, in all seiner Tauglichkeit und Zweckmäßigkeit Schöne, das dem staunenden Auge geboten wird.

So wie diese Puppen Julia Feiningers, die sie für das Spiel „Märchen aus dem Morgenland“ herstellte. Sie scheinen sich zu rühren, sie warten darauf, dass Du sie ansprichst und ihnen Worte in den Mund legst.

 Posted by at 21:28

Poco adagio, cantabile. Sempre piano

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Okt. 032015
 

Schwarz rot gold 20150926_143526

Bei einem der letzten Male des Festes der deutschen Einheit am 3. Oktober trat Coca Cola als mächtigster Hauptsponsor des Festes der deutschen Einheit auf. Coca Cola baute am 2. Oktober 2011 ein HAPPINESS MONUMENT, einen Glücksturm in Berlin auf der Straße des 17. Juni auf. Was bedeutet Glück? Auf der Bühne war kein einziges deutsches Wort zu hören, die gesamte Beschallung aus den wummernden Subwoofern und auch die Talks fanden nur auf Englisch statt. Ich fotografierte den Glücksturm von Coca Cola, berichtete darüber in diesem Blog am 2.10.2011. „Trinkt Coca Cola, singt und redet Englisch und ihr werdet glücklich“ – das war überdeutlich und überlebensgroß die damalige Glücksverheißung. Mich fror dabei. In mir schalt es und schimpft‘ es wie eine tschilpende Schar Rohrspatzen: „Universal happiness through Coca Cola? Not my stuff!“

Ich selbst wähle heute eine geradezu hinterlistig schlaue Art, ihn, diesen guten sonnigen Tag, zu begehen: ich spiel einfach die Stimme der ersten Geige des zweiten Satzes aus dem Streichquartett Nr. 42, op. 76 Nr. 3 des Österreichers Joseph Haydn. … Wieso hinterlistig? Nun, ich spiele nur die Variationen, nicht jedoch die Melodie des Österreichers! Gibt es noch genug hörende Ohren und hörende Herzen in Deutschland? Hört jemand die Melodie des Österreichers heraus? Niemand wird gezwungen, die österreichisch-ungarische Melodie herauszuhören, geschweige denn den Wortlaut des Liedes; jeder darf sie hineinhören. Das ist wahre Freiheit!

Haydn schreibt: poco adagio, cantabile. Dolce. Sempre piano. Ein herrlicher Dreifachsinn! Eine Ermahnung zu Takt und Sitte, zu Maß und Mitte. Man kann hineinhören: Certe melodie vanno prese adagio, also: gewisse Melodien spiele man mit Behutsamkeit, aber doch gesanglich. Singen ja, aber nicht mit wummernden Subwoofern, sondern ohne elektrische Verstärkung, ohne Tingeltangel, ohne Glanz und Gloria, ohne Tschingdarassabumm.

Yes. Unplugged! Dolce! Cantabile!

Si sente un certo disagio oggi. Eppur si canta.

 

Bild: Menschen vor schwarz-rot-goldenem Hintergrund. Aufnahme aus dem Treppenhaus des Bauhauses in Dessau. 26. September 2015 beim Engelsgesang-Ausflug des Elternchores der Beethoven-Schule Berlin

 Posted by at 11:48