Aug. 242010
 

Naiv, unhistorisch, albern“ …  das sind nur einige der Aussagen, mit denen der Politiker Thilo Sarrazin die bisherige Integrationspolitik Deutschlands bezeichnet. Er stellt der politischen Klasse Deutschlands, der er selbst angehört oder vielmehr angehört hat, ein verheerend schlechtes Zeugnis aus. Hiermit hat er sicherlich in ein Wespennest gestochen, wie insbesondere die empörten Reaktionen vieler aufgeklärter Zeitgenossen belegen. Die Forderungen nach Parteiausschluss prasseln schon wieder einmal auf den angeblichen Islamfeind nieder. So etwa heute in der Berliner Zeitung auf S. 15.

„Islamfeind“? Das ist Unfug. Sarrazin schreibt im aktuellen SPIEGEL auf S. 139-140:

„Wenn ihr muslimischen Glaubens seid, o.k. Damit habt ihr dieselben Rechte und Pflichten wie heidnische, evangelische oder katholische Deutsche. Aber wir wollen keine nationalen Minderheiten. Wer Türke oder Araber bleiben will und dies auch für seine Kinder möchte, der ist in seinem Herkunftsland besser aufgehoben.“

Wir wollen keine nationalen Minderheiten„, damit meint Sarrazin sicherlich: Wir wollen, dass alle, die hier dauerhaft wohnen, sich als deutsche Staatsbürger begreifen – sicherlich mit französischer, libanesischer, vietnamesischer oder  türkischer Zuwanderungsgeschichte. Aber insgesamt als deutsche Staatsbürger erster Klasse, nicht als migrantische Bürger zweiter Klasse. Die Kinder der Zuwanderer sollen irgendwann – irgendwie zu Deutschen werden. Ich würde sagen: zu neuen Deutschen.

Selbstverständlich wird sich in diesem Prozess unser Bild von Deutschland ändern – wie es sich ja seit jeher immer wieder geändert hat.

Was ist daran böse? Was ist daran rechtsradikal?

Alle, die in Deutschland dauerhaft wohnen, sollen sich als deutsche Bürger erster Klasse fühlen. Zustimmung, Herr Sarrazin!

Und hier meldet sich eine erfahrungsgesättigte Stimme aus Berlin-Kreuzberg!

Ich meine: Die Aussagen und Analysen Thilo Sarrazins sollten vorurteilsfrei erörtert werden. Hierbei schreibe ich ihm schon mal als großes Verdienst zugute, dass er die Schuld für allfällige Missstände bei den Deutschen, insbesondere bei der deutschen Politik sucht. Das geht ja schon aus dem Titel seines Buches hervor: „Deutschland schafft sich ab“. Das ist – die zulässige Überspitzung abgerechnet – ein Eindruck, den mir beispielsweise chinesische, russische und französische Eltern ebenfalls erzählen, deren Kinder die deutschen staatlichen Grundschulen besuchen. Sie sind alle entsetzt, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen: „Was lasst ihr da mit euch machen!“

Der deutsche Staat diente sich unseren Neubürgern im letzten Jahrzehnt recht demütig an – und er lässt sich heute ausnutzen und ausnehmen wie eine gebratene Weihnachtsgans – früher zum Nutzen der deutschen Industrie, dann zum Nutzen der deutschen Immobilienwirtschaft, heute eher zum Nutzen des deutschen Integrationsgewerbes. Nicht zum Nutzen der Zuwanderer, denn die sind unzufrieden wie eh und je.

Das ist mein Eindruck, den ich nun wirklich mit tausenderlei konkreten Erfahrungen belegen kann. Muss ich deutlicher werden?

Sarrazins Anklage richtet sich dabei nie gegen einzelne Personen, sondern gegen ein kompliziertes Wechselspiel von  falschen politischen Weichenstellungen, kulturell geprägten Grundhaltungen und bequemem Wegsehen. Das ist alles legitim.

Manches an seine Ausführungen vermag ich nicht zu teilen. Gut aber gefällt mir etwa folgende Aussage (heute in der BILD auf S. 10):

Thilo Sarrazin: Neues Buch – „Deutschland schafft sich ab“ – Politik – Bild.de
Ein Teil der Deutschen – auch der Elite – hat das Problem noch gar nicht verstanden. In deren Lebens-, Wohn- und Arbeitswelt kommen muslimische Migranten ja nur als Reinigungskräfte oder als fremdartige Kulisse beim gelegentlichen Besuch in Berlin-Kreuzberg vor.

Das ist wirklich ein Treffer! Ich stelle immer wieder verblüfft fest, wie wenig echten Kontakt die Schönredner aus Berlin-Stadtrand oder Berlin-Ost zu muslimischen Deutschen haben. Viele können nicht einmal unterscheiden, ob ihr Mitbürger Türkisch, Russisch, Polnisch oder Arabisch spricht.

So war es seit je eine bekannte Tatsache, dass kein einziger unserer Berliner Politiker seine eigenen Kinder in eine staatliche Kreuzberger Grundschule schickt. Wie sollen sich die Menschen ein Bild machen von einer Realität, vor der sie selbst zurückscheuen wie ein Pferd vor einem Hornissenschwarm? Wie sollen sie Entscheidungen treffen, wenn sie stets auf Berichte aus zweiter oder dritter Hand angewiesen sind?

Wie oft habe ich die guten Deutschen angefleht, aufgefordert und gebettelt: „Schickt eure Kinder zu uns in die Migrantenschule – kommt in unsere Araberschule! Besucht uns! Macht euch ein Bild! Weist uns doch nicht die kalte Schulter! Wenn euch die Integration so wichtig ist, zieht nach Neukölln, nach Kreuzberg, nach Wedding, kommt ins herrliche Multi-Kulti-Land! Wenigstens mal zu Besuch!“ Umsonst!

Daneben habe ich immer wieder versucht, Journalisten linker und weniger linker Zeitungen für unsere Kreuzberger Schulen zu interessieren. Einige kamen, hörten, knipsten, schrieben – erschienen ist bisher nichts. Nichts! Warum? Hatte ich nur Käse erzählt?

In folgendem Punkt stimme ich jedenfalls Sarrazin zu: Die bisher nicht geglückte Integration der muslimischen Zuwanderer ist wesentlich auf Versäumnisse und schwere Fehler der deutschen Gesellschaft und der deutschen Politik zurückzuführen. Wir Deutschstämmige tragen die Hauptverantwortung. „Wir haben uns an den Kindern versündigt“, wie es Armin Laschet so treffend formuliert hat.

Bin mal gespannt, was morgen in der BILD erscheint. Die Überschrift lautet dann:

Erziehung und Bildung scheitern in Deutschland nicht am Geld, sondern am Willen.“

Das ist eine Behauptung, die ich in ähnlicher Form bereits mehrfach in diesem Blog aufgestellt habe.

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Aug. 242010
 

03082010006.jpg Diese Frage drängt sich auf, wenn man sich mit ausgebufften radfahrenden Mitmenschen unterhält. So bekennt sich etwa der Restaurantleiter Andreas Lindner (42) aus Friedrichshain heute in der BILD (Berlin-Ausgabe, Seite acht) offen zu seinem Fuhrpark von neun Fahrrädern, darunter ein Cannondale-Rennrad zum Preis von 3800 Euro.

Meine eigene Fahrensart: Ich pflege das bedarfsangepasste Fahrrad – besonders seitdem wir als Familie unseren Lebensstil fast komplett auf „Autofrei leben“ umgestellt haben. Für berufliche Zwecke und im Alltag hege und pflege ich das grandseigneural-schwarze vsf-Herrenrad. Wenn’s mal sehr schnell gehen muss, bei Radrennen und bei Strecken über 40 km pro Tag schwinge ich mich auf meinen blau-weißen Burâq, also das Rennrad F 85.

Wenn wir schwere Lasten vom Aldi oder vom LPG-Biomarkt am Mehringdamm transportieren, nehmen wir das tiefblaue dreirädrige Lastenrad. Und um hilf- und radlosen auswärtigen Besuchern Berlin zu zeigen, leistet unser kastanienbraunes britisches Vintage-Raleigh-Tandem erstklassige Dienste. 4 Fahrräder für ganz unterschiedliche Bedürfnisse!

Aber zum Neuntrad werde ich persönlich es nicht mehr schaffen. Sorry, da kann ich nicht mithalten. Da steig ich aus. 9 Fahrräder? Als Familie – ja. Als Einzelperson – nein.

Im Bild: Detail meines geliehenen russischen Rennrades aus der Zeit des Großen Russischen Rauches (Sommerurlaub 2010).

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Aug. 242010
 

Sehr gutes, vorbildliches Engagement des Großvaters Klaus Radloff (66) für bessere Ampelschaltungen! Darüber berichtet die BILD-Zeitung (Berlin) heute auf S. 6. „Es darf nicht sein, dass mein Enkel auf dem Schulweg um sein Leben fürchten muss!“

Die 2000 Ampelschaltungen in Berlin schalten vielfach für die Fußgänger zu schnell auf Rot. Sie sind auf den flüssigen Autoverkehr optimiert. Der Autoverkehr muss fließen! Die Fußgänger müssen halt schauen, wo sie bleiben. Nicht einmal Vorschriften werden eingehalten: „Die Straße ist 21 Meter lang und hat nur neun Sekunden Grün. Korrekt wären 17 Sekunden.“

Auch bei mir vor der Haustür ist es nicht möglich, den Mehringdamm in einer einzigen Schaltung zu überqueren. Nein, man muss auf einer winzigen Mittelinsel warten, bis der ganze lärmende Schwarm Autos vorübergeraucht ist. Wie leicht begeht ein Schulkind da einen „Fehltritt“.

Ich meine: Solange die Fußgänger an den Ampeln so gnadenlos ins Hintertreffen geraten und „ausgebremst“ werden, wird der Trend zum „Elterntaxi“ zunehmen. Dann werden noch mehr Kinder von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht. Ich fordere mehr Zeit für Fußgänger an Berlins 2000 Ampeln!

Danke, Klaus Radloff! Bitte mehr davon!

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Aug. 242010
 

28072010001.jpg

Hier auf dem Foto einige widerrechtlich parkende, sichtbehindernde Autos an einer Kreuzung in Friedrichshain-Kreuzberg. Ich erlebte vor wenigen Wochen als Zeuge einen Beinaheunfall, als ein LKW-Fahrer an dieser Kreuzung eine völlig korrekt geradeaus fahrende Radlerin nicht sehen konnte und sie beim Rechts-Abbiegen fast erwischt hätte! Das Foto schoss ich sofort nach diesem Beinahe-Unfall. Beachtet: Die widerrechtlich abgestellten Autos sind nicht per Kennzeichen identifizierbar. Sonst stünde mir jetzt sofort ein sattes Bußgeld ins Haus. Zumal es ja sein könnte, dass ein übergesetzlicher Notstand vorlag: Frau im Krankenhaus, Baby schreit, Badezimmer überschwemmt.

Ein Riesenproblem für uns Radler sind …  die Falschparker an Ampeln, an Kreuzungen und auf Radwegen (werdet ihr denken)? Richtig, aber heute geht es um die Fahrraddiebstähle und den Datenschutz. Spannendes Thema: Fahrraddiebstähle. Geeignete Abstellanlagen in den Hinterhöfen fehlen meist, in der Regel muss man sich mit Geländern oder vorsintflutlichen Felgenkillern zufriedengeben. Die Diebesbanden wissen das, nutzen das Fehlen der geeigneten Abstellanlagen weidlich aus. Mit einem Bolzenschneider geht es Ruckzuck. Und das wissen alle, die mit Fahrraddiebstahl ihre Sucht finanzieren oder ihren Lebensunterhalt verdienen.

Ein Lehrvideo dazu steht im Internet:

Fahrraddieb bei der Arbeit gefilmt: Jetzt droht ein Bußgeld von bis zu 300 000 Euro – Ratgeber – Ratgeber Geld + Karriere – Bild.de

Video-Aufnahmen im öffentlichen Raum? Ich selbst habe schon mal von freundlichen Mitstreitern eins auf die Finger bekommen, als ich das Verkehrsverhalten einiger Verkehrsteilnehmer filmte und ins Netz stellte. Denn auf einem Video war für den Bruchteil einer Sekunde eine einzelne Falschfahrerin von hinten erkennbar – Eingriff in die Persönlichkeitsrechte!

Widersprüchliche Urteile der Gerichte wurden mir daraufhin zugespielt. Soweit ich weiß, gilt in der deutschen Rechtssprechung folgendes: Das Aufnehmen und Wiedergeben von zufälligen Passanten in der aktuellen Berichterstattung ist zulässig. So darf etwa das Fernsehen in einer Fußgängerzone drehen – auch wenn einzelne zufällig Vorbeigehende im Gesicht flüchtig erkennbar sind.

Nun zum Fall des Fahrraddiebes! Wer einen Fahrraddiebstahl oder auch einen Raubüberfall so filmt, dass der Täter identifizierbar ist, darf dieses Material meines Wissens nicht in die Blogosphäre stellen. Er kann das Material der Polizei zur Verfügung stellen. Er muss aber in der Öffentlichkeit alle Hinweise auf den Täter unkenntlich machen. Sonst begeht er eine Rechtsverletzung.

Seither achte ich peinlich darauf, dass alle Personen, die in diesem Blog oder auf  Youtube erscheinen, nicht identifizierbar sind – sofern sie mir nicht ihr Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben haben.

Das gilt auch für Zitate. Was im öffentlichen Raum, bei öffentlichen Veranstaltungen gesagt oder geschrieben wird, darf beliebig in Blogs zitiert werden. Was jedoch in persönlichen Gesprächen gesagt wird, darf ohne Zustimmung der Beteiligten nicht so wiedergegeben werden, dass eine Zuordnung an einzelne Personen möglich wird.

 Posted by at 09:33
Aug. 232010
 

Es ist immer gut, sich viele einzelne Geschichten erzählen zu lassen, ehe man sich zu einem Urteil über ein politisches Problem vorarbeitet. Heute bringt die Süddeutsche auf S. 4 die Geschichte einer „Hartz-IV-Aufstockerin, die keine Chipkarte will“.

Das „Profil“ soll die unhaltbare Situation einer alleinerziehenden Mutter belegen, die lieber als die Chipkarte 60 Euro mehr pro Monat will, um dann 2 Euro pro Tag für Hausaufgabenbetreuung aufbringen zu können.

Die Chipkarte will Fauzia nicht haben: „Was soll ich mit einer Chipkarte?“ Sie will lieber 60 Euro. Die Tochter Shalima wechselt jetzt aufs Gymnasium.

Der Vater Shalimas hat die Familie verlassen, zu ihren eigenen Eltern hat Kerdouci keine Kontakt.

„Ich habe keinen, der Shalima betreut.“

Hierin liegt das Hauptproblem, wie ich meine. Die Mutter muss den ganzen Laden allein schmeißen. Es gibt kein familiäres oder durch Freunde gespanntes Umfeld, das ihr die Last der Betreuung abnähme.

Der Vater hat sich aus dem Staub gemacht, die Eltern der alleinerziehenden Mutter fallen aus, Freunde bieten keine Hilfe an. Hier meine ich: Da fehlt es an Mitmenschlichkeit, da fehlt es an mitmenschlicher Hilfe, da fehlt es an Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Es fehlt beim Vater Shalimas am Sinn für Verantwortung. Es gibt so viele alte Menschen, die Shalima doch sofort mit Freuden betreuen würden! Die muss man doch finden können.

60 Euro mehr oder weniger werden die Situation Fauzias und Shalimas kaum wesentlich ändern. Wichtiger scheint es mir, eine helfende Hand zu bieten – ohne Geld. Das ist es, was mit dem Wort Nächstenliebe gemeint ist.

Ein Mangel an wechselseitiger Fürsorge der Menschen untereinander wird in Deutschland unablässig mit staatlichem Geld zugeklebt. Die Geschichte von Fauzia Kerdouci zeigt mir das – wie viele andere Geschichten zuvor auch schon.

Politiknachrichten – sueddeutsche.de

 Posted by at 21:41
Aug. 232010
 

Unerreichbare, nahezu abwegige Gelingenserwartungen werden immer wieder an den Staat herangetragen, besonders hier in der verzogenen Stadt Berlin. Immer wieder höre ich von aufgeklärten, klugen Zeitgenossen: „Für Bildung sind sie alle, alle die sauberen Politiker. Aber sobald es zur Sache, also zum Geld geht, wollen sie nichts mehr davon wissen. Es ist alles nur eine Frage des Geldes.“

Ich mache mich dann gerne unbeliebt, indem ich plump zurückfrage: „Und was tun Sie für die Bildung aller unserer Kinder?“

Im Ernst, Freunde: Es liegt nicht alles am Geld. Die Vorstellung, durch mehr Geld allein ließe sich die Lage der Bildung verbessern, führt gewaltig in die Irre.

Die Gesellschaft, oder besser gesagt: die Menschen, oder besser gesagt: jeder einzelne Mensch kann etwas leisten. Warum nicht mal Nachhilfe für kurdische Nachbarskinder erteilen, statt in Bars abzuhängen?

Der Staat wird den Eltern nicht die gesamte Hauptaufgabe abnehmen können, die Kinder zur Entfaltung ihres Potenzials heranzuführen.

Die Eltern sollten selbst etwas tun.“ Ja wer sagt denn so etwas Grobes, Patziges, so etwa Unerhörtes? Aufforderungen, gar Forderungen der Politik an die Bürgerinnen und Bürger? Vorsicht, das kostet Wählerstimmen! Nun, dies ist ein Zitat unseres Bezirksbürgermeisters Franz Schulz, das ich zustimmend seinem Geleitwort zur aktuellen Broschüre des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg entnehme (S. 2).

Auch Ministerin von der Leyen trifft den Nagel auf den Kopf, wenn sie laut Tagesspiegel von heute mehr Beteiligung von der Gellschaft einfordert (also auch von den einzelnen Menschen).

Ich finde es gut, wenn Politiker endlich den Mut finden, die überspannten Erwartungen der Gesellschaft an das Leistungsvermögen des Staates in die Schranken zu weisen. Bitte mehr davon (gerade in Berlin)!

„Bequemlichkeit ist kein Argument“, mit diesen Worten fasste es einmal ein Grünen-Politikerin unseres Bezirks in erfrischender Grobheit zusammen.

Jenseits der Chipkarte: Von der Leyen fordert Beitrag der Reichen für Bildung der Armen – Politik – Tagesspiegel
Beim Bemühen um die Zukunft benachteiligter Kinder könne der Staat „nicht alles schultern“, warnte von der Leyen. „Die Gesellschaft muss sich beteiligen. Sonst kriegen wir die Probleme nicht in den Griff.“

 Posted by at 17:10

Der Staat kann nicht alles schultern: Geh deinen Weg!

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Aug. 232010
 

Stets mit hochgezogenen Augenbrauen nehme ich es zur Kenntnis, wenn Politiker dem „Volk“ nichts versprechen, sondern etwas von den Bürgern „fordern“, oder besser gar, sie zu etwas auffordern: „Der Staat kann nicht alles schultern. Die Gesellschaft muss sich beteiligen, sonst kriegen wir die Probleme nicht in den Griff.“

So Ministerin von der Leyen. So weit so gut. Völlig richtig. Vom Glauben an die Allzuständigkeit und umfassende Letztverantwortung des Staates sollten wir uns verabschieden (ich gehörte eh nie zu DER Fraktion.)

Bildung für Arme: Von der Leyen fordert Beitrag der Reichen – Politik – Tagesspiegel

Possierlich sind die Reaktionen der Leser im Tagesspiegel-Forum auf die insgesamt richtigen Forderungen von der Leyens: „Armutszeugnis … natürlich ist der Staat verantwortlich, schlechteste Bundesregierung, die wir je hatten“, bis hin zu allerlei Beschimpfungen. Das Übliche. Kaum jemand weiß, wieviel der Staat pro Kopf für Schulen und Kindergärten, für Sozialhilfe und Sozialleistungen ausgibt. Mehr ist schwer möglich, es sei denn um den Preis noch höherer Staatsverschuldung.

Ich selber freue mich stets, wenn Politiker  mehr Engagement und Fleiß von den Bürgern verlangen und nicht gar so viele unrealistische Versprechungen unters Volk säen.

Gerade beim Thema Bildung für Kinder führt kein Weg daran vorbei, dass die Jungs und Mädchen mehr lernen, dass sie fleißiger sein müssen. Man kann nicht immer alle Versäumnisse dem Staat anlasten. Das ist zu bequem. Solches Gerede entfaltet bei meinen Miteltern und bei unseren Kindern eine verheerende, eine geradezu lähmende Wirkung.

Die Eltern sollten selbst etwas tun„, so hat es auch unser Bezirksbürgermeister Franz Schulz zu diesem Thema gesagt und zu Protokoll gegeben. „Bequemlichkeit ist kein Argument“ – und noch weniger eine sinnvolle Ausrede. Dieses letzte Zitat stammt von einer Politikerin in unserem Bezirk. „Du musst Deutsch können“ – so die Bundesvorsitzende einer Oppositionspartei im Bundestagswahlkampf 2009.

Der Staat kann nicht alles schultern
Die Eltern sollten selbst etwas tun
Bequemlichkeit ist kein Argument
Du musst Deutsch können

Ehrlich gesagt: Ich mag solche Sätze. Ich steh auf solche Sätze. Denn ich lebe in Berlin und ich kenne mein Kreuzberg.

Machen wir es noch knapper:

Steh auf. Mach etwas. Geh. 

 Posted by at 17:08

„Vous êtes communistes?“, oder: Adenauer, hilf!

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Aug. 232010
 

henkel-und-hampel-45751_153537631325442_145216252157580_507277_4059988_s.jpg Guter Grillabend einer Volkspartei im Café Sybille am vergangenen Mittwoch! Um die Menschen vor Ort zu gewinnen, trug ich ein rotes Polohemd und allerabgewetzteste Jeans. DENN: Man grillte und chillte in der edlen Karl-Marx-Allee, das verpflichtet.

ÜBRIGENS: Französische Touristen, an deren Tisch ich mich uneingeladen setzte, fragten mich unverblümt, ob wir Kommunisten seien. Nur wegen eines roten Polohemds in der Karl-Marx-Allee!?  Was sollte ich tun? Adenauer, HILF! Ich erklärte in 90 Sekunden, worin für mich das Wesen der CDU bestehe: „Nous ne sommes pas communistes, mais chrétiens-démocrates.“ DICKE FRAGEZEICHEN in den Augen der Franzosen. „Le parti d’Angela Merkel.“ AHA! LEUCHTEN! „Wir glauben nicht an die Allmacht des Staates“, fuhr ich fort (noch 40 Sekunden!). „Wir glauben an die Machtverteilung. Der Staat ist ein Bündnis der Bürger.“ (Denk an das föderative Prinzip!) „Wir wollen die Freiheit und Verantwortung der Person stärken. Der Staat wächst gemeinsam von unten. Wir sagen: Tu etwas. Steh auf. Geh. Setz dir Ziele. Wir schaffen das.“

An diesem Punkt spendierten mir die Franzosen ein BIER! Sie konnten gar nicht anders. VOILÀ! C’est simple. Merci Dirk, merci Thomas!

Bild: Landeschef Frank Henkel mit diesem Blogger.

Facebook | CDU Frankfurter Tor

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„Straflager Stalins?“

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Aug. 232010
 

 16082010003.jpg

Während der Zeit des Russischen Großen Rauches (6.-13. August 2010) hatte ich im zurückliegenden Datschen-Sommerurlaub reichlich Gelegenheit, Schach zu spielen, Spaghetti alla italiana zu kochen, eigenen Gedanken nachzuhängen und Bücher, etwa den Faust II, zu lesen. So fand ich bei meinen Streifzügen durch die russischen Bibliotheken auch die kompletten Werke Lenins und Stalins, bandweise sorgsam im Schuber verpackt und fingernageldick mit Staub bedeckt. Ein gefundenes Fressen!

Im Bild hier: Der Band 10 der Werke Stalins in der grundsoliden Gesamtausgabe, erschienen Moskau 1951. Man beachte den Fingernagel des hier schreibenden Bloggers in der Nähe der Falzung!

Worum der Mann sich kümmerte – unfassbar! Vom kämpferischen Grußwort zur  Einweihung eines Traktorenwerks im Ural über die Neuregelung der russischen Grammatik bis hin zur Fortschreibung der 5-Jahrespläne – alles hatte der große Führer bedacht.

Aber war Stalin wirklich für alles verantwortlich? Ich hege Zweifel.

Die neuesten russischen Gedenksteine für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft sprechen nicht mehr von „Opfern des Stalinismus“ sondern von „Opfern der Unterdrückung“- Repressja auf Russisch. Die offizielle Zahl der Todesopfer des staatlichen kommunistischen Terrorsystems liegt in der kleinen Ortschaft Nikolina Gora, in der ich wohnte, bei 50. Die offizielle Zahl der Kriegsopfer während des Großen Vaterländischen Krieges (1941-1945) hingegen liegt bei 15. Weniger als ein Drittel!

In Russland spricht man seit einigen Jahren nicht mehr so viel von Stalinismus. Denn es ist nunmehr allgemein bekannt, dass die bolschwistische Partei, nachdem sie aus einer absoluten Minderheit heraus handstreichartig die Macht an sich gerissen hatte, von Anfang an alle missliebigen Elemente in Konzentrationslagern internierte und oft standrechtlich eliminierte, also erschoss. Die Kommunisten haben sofort nach ihrem Staatsstreich das System der zaristischen Straflager übernommen, ausgebaut, erheblich erweitert und die Zielgruppen der Verfolgung beliebig ausgedehnt. Lenin, Stalin, Dzherzhinskij und Kalinin waren die entscheidenden Männer beim Aufbau des staatlichen Terrornetzwerks, wobei Stalin zunächst keine beherrschende Rolle zukam.

Ich bin fest überzeugt: Ohne systematische, jahrzehntelang fortgesetzte, massive kriminelle Gewalt hätten sich die Kommunisten niemals in Russland oder anderen europäischen Ländern an der Macht halten können. (Das Gleiche gilt übrigens für die deutschen Nationalsozialisten.) Dieses auf kriminelle Methoden gestützte Straf- und Terrorsystem bestand bereits vor Stalins Machtübernahme, und es verschwand auch nach Stalins Tod 1956 nicht völlig.

Schade, dass in Deutschland immer noch alle Schuld dem Großen Führer in die Schuhe geschoben wird.  So etwa heute wieder in SPIEGEL online, wo es heißt:

„Ich habe doch nichts verbrochen“ – einestages
Zehntausende Deutsche mussten nach dem Krieg in den Straflagern Stalins schuften – auch Jugendliche.

Straflager Stalins? Das wäre etwa so, als wollte man das später nach sowjetischem Vorbild aufgebaute Konzentrationslagersystem Deutschlands (1933-1945) als „Straflager Hitlers“ bezeichnen.

Ich halte diese ständige Schuldzuweisung an eine und nur eine Person für nicht sachgerecht.

Ich würde es so sagen: Sowohl die kommunistische Sowjetunion als auch später das nationalsozialistische Deutschland errichteten und betrieben ab 1918 bzw. 1933 zur Herrschaftssicherung umfangreiche Konzentrationslagersysteme, die der Verfolgung und Ausmerzung eingebildeter, potenzieller oder tatsächlicher Gegner dienten.

In der Sowjetunion und in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands und anderer Länder wurden diese Konzentrationslagersysteme weit über 1945 hinaus betrieben.

Hunderttausende Menschen wurden bis weit nach 1945 in den Konzentrationslagersystemen der Sowjetunion und des sowjetisch besetzten Deutschland durch Zwangsarbeit, Unterversorgung und Hinrichtung auf unnatürliche Weise zu Tode gebracht. Die Zahl der Opfer dieses Terrorsystems übersteigt an vielen Orten die Zahl der Kriegsopfer.

Dieser Opfer wird viel zu wenig gedacht. Sie haben Anerkennung und namentliche Nennung verdient.

 Posted by at 12:07

Tag der Ruhe, Tag der Sammlung

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Aug. 222010
 

13082010007.jpg Passend zum gestrigen 10-km-Lauf  heißt es heute in der Lesung aus dem Hebräer-Brief: „Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest, damit die lahmen Gelenke nicht ausgerenkt, sondern geheilt werden“ (Hebräer 12,12). Eine gute Ermahnung!  Hierin steckt ein echtes Jesaias-Zitat – und es PASST. Die Bibel spricht in Bildern, die uns heute noch ansprechen. Den gestrigen 4. AirportRun 2010 konnte Jesaias nicht voraussehen. Aber lange Läufe von 20 bis 40 km gab es in biblischen Zeiten alle Nase lang, denn fast alle Menschen legten alle Strecken zu Fuß zurück. Wer konnte sich schon Sänfte oder Tragtier leisten? Doch nur die Oberschicht!

Also war das Ruhebedürfnis nach langen Wegstrecken offenkundig. Auch die neuesten Fitness-Ratgeber empfehlen stets ausgiebige Ruhezeiten nach Langstreckenläufen.

Ich nutze den willkommenen Ruhetag, um zwei besinnliche Bildberichte über das russische Kloster Swenigorod auf Youtube zu veröffentlichen:

YouTube – Swenigorod: Wo Hitlers Generäle urlauben wollten 13082010002

Strelitzenaufstand und revolutionäre Leichenfledderei in Swenigorod

 Posted by at 14:41
Aug. 212010
 

drei-vom-flughafenlauf-21082010008.jpg Heute gutes, genießerisches – hm, hm – Spazierengehen über den neu entstehenden Flughafen Schönefeld. In einer guten Stunde legte ich immerhin 10 km zurück. Das Laufen in frischer Luft bläst den Kopf frei, lässt viel Platz zum Nachsinnen und zum Aufräumen der Gedanken. Der erste Volkslauf in meinem Leben! Dass ich so etwas noch erleben darf! Werde weitermachen.

 Posted by at 21:37
Aug. 202010
 

11082010029.jpg Soeben holte ich für meinen zweiten Sohn und mich unsere Startunterlagen für den 4. Airport Run der Berliner Flughäfen ab. Meine Startnummer: 6354. Morgen früh geht es los, allerdings wurde die Startzeit von 09.00 auf 09.10 Uhr verschoben.

In der mitgegebenen Tüte entdecke ich die Lauf-Zeitschrift LEX – Das Magazin der Laufexperten, Nr. 1-2010. Was lese ich da auf S. 52 aus der Feder von Dieter Lang? Was empfiehlt der ausgewiesene Laufexperte als bestmögliches Training für den leistungsorientierten Läufer? Folgendes:

„Die Idealvorstellung: barfuß auf unterschiedlichen Naturböden gehen und laufen.“

Genau das, was ich vom Ökowerk Teufelssee her kenne und was ich erst vor wenigen Tagen am wilden Altarm des Flusses Moskwa genießen durfte. Kuckt hier mein kleines Urlaubsvideo:

YouTube – Von der Herrlichkeit des Barfußgehens 15082010(005).mp4

Allerdings setze ich morgen keinerlei Leistungsdruck aus! Ich war zeit meines Schülerlebens immer ein schwacher Langstreckenläufer, fürchtete jeden 1000m-Lauf und setze mir morgen einfach das Ziel, überhaupt anzukommen – ohne zu humpeln oder zu hampeln.

Bild: am Fluss Moskwa, August 2010

 Posted by at 15:14
Aug. 202010
 

Die bei FußgängerInnen und AutofahrerInnen so beliebten „Bei Rot-über-Kreuzung-und-ohne-Licht-FahrerInnen“ beschäftigen nun auch die Berliner Grünen. Sie schreiben über diese Radfahrer mit besonderen Bedürfnissen in ihrer Broschüre „Sicher im Sattel“ (S. 14-15, Satzzeichenkorrektur und Hervorhebung durch dieses Blog):

Die notorischen „Bei Rot-über-Kreuzung-und-ohne-Licht-FahrerInnen“. Sie riskieren nicht nur ihre eigene Gesundheit[,] sondern auch die der anderen Verkehrsteilnehmer. Das ist rücksichtslos. Die Straßenverkehrsordnung gilt für alle. Entspannter und sicherer Radverkehr verlangt, dass alle sich an die Regeln halten.

Tja, was soll man dazu sagen? Werden die Grünen jetzt zur Law&Order-Partei? Fangen sie denn jetzt auch schon an, in hässlicher, verleumderischer Weise uns Radfahrer, uns – ach! – strukturell Benachteiligte, zu schelten? Dabei traten die Grünen doch dereinst unter dem Vorzeichen der Liebe zum Radverkehr, der Liebe zu allen RadfahrerInnen an! O tempora! O mores! Wer dächte da nicht an die bekannte Klage des Schatzmeisters aus Goethes Faust?

Auch auf Parteien, wie sie heißen,
Ist heutzutage kein Verlaß;
Sie mögen schelten oder preisen,
Gleichgültig wurden Lieb‘ und Haß.

Da verschlägt es wenig, dass die strenge Mahnung der Grünen (im Klartext: „RadlerInnen! Haltet euch an die StVO“) im Kapitel „Fahrrad-Tourismus“ eingefügt ist. Vergeblich wird der Anschein erweckt, alle „Bei-Rot-über-Kreuzung-und-ohne-Licht-FahrerInnen“ seien TouristInnen, die ihre Hälse verzückt den Herrlichkeiten rings ums Preussische Herrenhaus zuwenden. Irgendetwas bleibt immer hängen!

Die Annahme, nur die Fremden, die Auswärtigen, die Ausländer seien die Rotlicht- und BürgersteigradlerInnen, wie sie die Berliner Grünen insinuieren, steht auf recht schwachen Füßen. Eine solche Annahme, wonach die Bösen immer die anderen sind, wäre sogar ausländer- und fremdenfeindlich, ja streng genommen rassistisch zu nennen.

Die Grünen sind doch keine Law&Order-Partei, keine fremdenfeindliche Partei geworden?  Das wäre unterstes Boulevard-Niveau, etwa im Sinne der folgenden Meldung aus der BZ von heute:

Arm gebrochen: Radfahrer fährt in Fußgängerin – B.Z. Berlin – Verkehrsunfall, Radfahrer, Krankenhaus

Vorschlag dieses Blogs zur Güte:

Gehen wir doch der guten Ordnung halber und im Sinne des antirassistischen Konsenses davon aus, dass nicht alle Rotlicht- und BürgersteigradlerInnen rücksichtslose TouristInnen fremden Ursprungs sind, sondern dass einige auch Einheimische sind. Berliner Eigengewächs.

Genau in diesem Sinne belehrte mich einmal in der heimatlichen Obentrautstraße ein netter junger Mann, der vor meinen Augen bei Rot über die Fußgängerfurt radelte, dann samt Hund neben dem Radweg entgegen der Fahrtrichtung auf dem Gehweg mir entgegenradelte:

„Sie sind wohl nicht von hier aus Berlin. Das machen alle hier so.“

Aye aye, Sir! Ich habe gelernt. Mindestens dieser freundliche junge Mann war kein Tourist.

 Posted by at 12:20