Bloggerinnen und Blogger, erst vor wenigen Tagen hatte ich für ein paar Stunden eine der wenigen alten italienischen Geigen in den Händen, die ich bisher in meinem Leben spielen durfte. Eine Carlo Antonio Testore, gebaut ca. 1760. Und sofort stellte sich jenes Gefühl ein, das man hat, wenn man eine echte Diva kennenlernt: eine unvergleichliche Persönlichkeit, die dich sofort unverwechselbar anspricht, die dir gerne ein Stück weit entgegen kommt, dich dann aber zappeln lässt. Ganz leicht nasaler Ton auf der G-Saite, aber D, A und E unvergleichlich klar, tragend, präzise. Jeder Ton wirkt eindeutig konturiert, nach außen getragen, nichts bricht sich, kein Schnurren, kein Rauschen – eine helle singende Frauenstimme!
Aber – sehr unerbittlich ist sie! Jeder nicht ganz reine Ton wird von der Dame sofort bestraft. Er klingt schräg! Die Dame weist dir dann die kalte Schulter. So sind sie, die alten Italienerinnen. Ich hatte das Gefühl: Da wohnt jemand drin, die hat nicht immer Zeit für dich!
Noch etwas: Diese Geigen wirken leichter als die modernen Geigen, und minimal kleiner. Außerdem klingen sie am Ohr oft etwas leiser als im Raum, sehen optisch häufig abgenutzt und irgendwie vom Zeitlichen gezeichnet aus.
Und genau dies scheint zu stimmen: Die Forschung will herausgefunden haben, dass diese alten Geigen in der Tat dünnwandiger sind als die modernen, dass das Holz viele Feuchtigkeit verloren hat und wohl auch ab und an von Würmern befallen war.
Bemerkenswert ist die Notiz aus der heutigen Welt: Wieder einmal hat jemand den Klang der alten Stradivaris nachgeahmt. Dies passiert etwa alle 10 Jahre mit schöner Regelmäßigkeit. Sei’s drum! Es wird den Ruhm der alten italienischen Meisterinstrumente zusätzlich mehren!
Unser Bild zeigt die schöne Fremde, die ich wenige Stunden mein eigen nennen durfte. Ob sei eine echte Italienerin war? Ich weiß es nicht. Aber ich glaubte es für einige schöne Stunden. Und dieser Glaube hat mir und ihr geholfen. Wir waren ein vollkommenes Paar. Denn wir hatten den Glauben. Übrigens wie alle vollkommenen Paare – ein Paar auf Zeit.
Innovation: Pilze lassen Geige wie echte Stradivari klingen – Nachrichten Wissenschaft – WELT ONLINE
Sie hat eine sehr gute Ansprache, verfügt aber auch über ein enormes Volumen, sagt der Geigenbauer Michael Rhonheimer aus Baden im Aargau. Ich bin überzeugt, dass die Holzbehandlung eine klangliche Verbesserung gebracht hat.Holz zersetzende Pilze stecken hinter der neuen Entwicklung. Es handelt sich um den Erreger der Weißfäule, ein Pilz namens Xylaria longipes. Die Pilze treiben ihre Fäden tief ins Holz vom Bergahorn, das für die Bodenplatte der neuen Geige verwendet wurde, und nagen die Zellwände an ganz bestimmten Stellen an. So verringern sie die Holzdichte, was deutlich bessere Klangeigenschaften garantiert. Damit lässt sich erstmals dieselbe Holzqualität erreichen wie in Stradivaris Werkstatt.
Nach langer Plackerei gibt es für mich nichts Schöneres als mit anderen zusammen oder allein Geige zu spielen. Meist ergibt es sich von selbst, welche Stücke ich spiele. Denn ich wähle aus, was mir am ehesten zuzusagen scheint – und oft wählen andere aus, was uns zusagt. Seit neuestem spiel ich wieder Violin-Duo mit einem neuen Duo-Partner. Wir haben uns für die Drei Duos op. 67 von Louis Spohr entschieden. Duo II in D-dur spricht besonders klar, laut und deutlich. Der erste Satz strömt unbezwingbare Lebensbejahung aus. Der zweite Satz Larghetto ruht ganz in sich, eine wunderbare Mondscheinstimmung wird ausgebreitet. Das abschließende Rondo hat etwas leicht Jahrmarkthaftes, Tänzerisches. Herrlich! Manche Stellen erinnern in ihrer Doppelgriff-Fülle schon an einen Quartettklang.