Neue Geige wie echte Stradivari?

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Nov. 082008
 

02112008007.jpg Bloggerinnen und Blogger, erst vor wenigen Tagen hatte ich für ein paar Stunden eine der wenigen alten italienischen Geigen in den Händen, die ich bisher in meinem Leben spielen durfte.  Eine Carlo Antonio Testore, gebaut ca. 1760. Und sofort stellte sich jenes Gefühl ein, das man hat, wenn man eine echte Diva kennenlernt: eine unvergleichliche Persönlichkeit, die dich sofort unverwechselbar anspricht, die dir gerne ein Stück weit entgegen kommt, dich dann aber zappeln lässt. Ganz leicht nasaler Ton auf der G-Saite, aber D, A und E unvergleichlich klar, tragend, präzise. Jeder Ton wirkt eindeutig konturiert, nach außen getragen, nichts bricht sich, kein Schnurren, kein Rauschen – eine helle singende Frauenstimme!

Aber – sehr unerbittlich ist sie! Jeder nicht ganz reine Ton wird von der Dame sofort bestraft. Er klingt schräg! Die Dame weist dir dann die kalte Schulter. So sind sie, die alten Italienerinnen. Ich hatte das Gefühl: Da wohnt jemand drin, die hat nicht immer Zeit für dich!

Noch etwas: Diese Geigen wirken leichter als die modernen Geigen, und minimal kleiner. Außerdem klingen sie am Ohr oft etwas leiser als im Raum, sehen optisch häufig abgenutzt und irgendwie  vom Zeitlichen gezeichnet aus.

Und genau dies scheint zu stimmen: Die Forschung will herausgefunden haben, dass diese alten Geigen in der Tat dünnwandiger sind als die modernen, dass das Holz viele Feuchtigkeit verloren hat und wohl auch ab und an von Würmern befallen war.

Bemerkenswert ist die Notiz aus der heutigen Welt: Wieder einmal hat jemand den Klang der alten Stradivaris nachgeahmt. Dies passiert etwa alle 10 Jahre mit schöner Regelmäßigkeit. Sei’s drum! Es wird den Ruhm der alten italienischen Meisterinstrumente zusätzlich mehren!

Unser Bild zeigt die schöne Fremde, die ich wenige Stunden mein eigen nennen durfte. Ob sei eine echte Italienerin war? Ich weiß es nicht. Aber ich glaubte es für einige schöne Stunden. Und dieser Glaube hat mir und ihr geholfen. Wir waren ein vollkommenes Paar. Denn wir hatten den Glauben. Übrigens wie alle vollkommenen Paare – ein Paar auf Zeit.

Innovation: Pilze lassen Geige wie echte Stradivari klingen – Nachrichten Wissenschaft – WELT ONLINE
„Sie hat eine sehr gute Ansprache, verfügt aber auch über ein enormes Volumen“, sagt der Geigenbauer Michael Rhonheimer aus Baden im Aargau. „Ich bin überzeugt, dass die Holzbehandlung eine klangliche Verbesserung gebracht hat.“

Holz zersetzende Pilze stecken hinter der neuen Entwicklung. Es handelt sich um den Erreger der Weißfäule, ein Pilz namens Xylaria longipes. Die Pilze treiben ihre Fäden tief ins Holz vom Bergahorn, das für die Bodenplatte der neuen Geige verwendet wurde, und nagen die Zellwände an ganz bestimmten Stellen an. So verringern sie die Holzdichte, was deutlich bessere Klangeigenschaften garantiert. Damit lässt sich erstmals dieselbe Holzqualität erreichen wie in Stradivaris Werkstatt.

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Nov. 072008
 

Nach langer Plackerei gibt es für mich nichts Schöneres als mit anderen zusammen oder allein Geige zu spielen. Meist ergibt es sich von selbst, welche Stücke ich spiele. Denn ich wähle aus, was mir am ehesten zuzusagen scheint – und oft wählen andere aus, was uns zusagt. Seit neuestem spiel ich wieder Violin-Duo mit einem neuen Duo-Partner. Wir haben uns für die Drei Duos op. 67 von Louis Spohr entschieden. Duo II in D-dur spricht besonders klar, laut und deutlich. Der erste Satz strömt unbezwingbare Lebensbejahung aus. Der zweite Satz Larghetto ruht ganz in sich, eine wunderbare Mondscheinstimmung wird ausgebreitet. Das abschließende Rondo hat etwas leicht Jahrmarkthaftes, Tänzerisches. Herrlich! Manche Stellen erinnern in ihrer Doppelgriff-Fülle schon an einen Quartettklang.

Daneben studiere ich eine leckere Besonderheit ein: Der Stier Ferdinand für Erzähler und Violine. Worte von Munro Leaf, Musik von Alan Ridout. Schauspielerin Silvia Freund bereitet die Erzählung vor, ich die Musik. Herrlich – der Stier Ferdinand ist ein besonderer Stier, er durchbricht das Ideal des stampfenden, kämpfenden, rangelnden Stiers, ergötzt sich lieber am Blumenduft. Die Musik von Ridout gibt mir die Möglichkeit, beides auszuleben: das Ungebärdig-Stierhafte und das Besinnlich-Weiche. Die Versöhnung von beidem gelingt in der Musik.

Die erste Aufführung ist fest geplant für Freitag, den 5. Dezember in unserer alten Kita am Kleistpark.

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Sanft, versöhnlich und stets positiv nach vorne gerichtet …

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Nov. 072008
 

… wie es dem von uns gepriesenen Obama entspricht, verlief die zweite Regionalkonferenz der Berliner CDU nicht durchweg. Das war gestern abend auch nicht zu erwarten.  Im Gegenteil, unterschiedliche Meinungen wurden geäußert. Es herrschte gestern Einigkeit: Meinungsstreit innerhalb einer Partei gehört dazu. Nur wenn innerhalb der Partei Unmut frei geäußert werden kann und dann auch ein merkbarer Wandel folgt, wird man die viel zitierte Geschlossenheit nach außen allmählich wieder herstellen können. Dann folgt Vertrauen auf dem Fuße.

Ort des Geschehens war erneut das berühmte Glashaus, das wir in diesem Blog schon mehrfach erwähnt haben. Eingeladen hatte der Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg.
Die beiden Kandidaten Frank Henkel und Dieter Walther stellten sich selbst mit ihren Ansätzen dar. Ich hörte aufmerksam zu und meldete mich selbst ebenfalls zu Wort. Besonders gut gefiel mir die Forderung Dieter Walthers: „Wir dürfen die Leute in der Stadt nicht zutexten, sondern müssen genau hinhören lernen.“ Ich schloss mich der früher bereits geäußerten Forderung nach einer Mitgliederbefragung an. Eine Mitgliederbefragung über den Landesvorsitz wird sicherlich als Signal verstanden werden, dass die Basis stärker zu Wort kommen soll.

Besonders gespannt war ich auf den letzten Beitrag von Vera Lengsfeld. Sie bewirbt sich als Direktkandidatin in unserem Bundestagswahlkreis 084. Sie stellte sich mit wichtigen Stationen ihres Lebenslaufs vor und bat um Unterstützung durch das gesammelte Wissen der „Ortskundigen“. Neben der Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit erwähnte sie als einen weiteren Schwerpunkt ihrer Kandidatur das Thema Energiepolitik. Hier gelte es dringend, bestehende Vorurteile auf den Prüfstand zu stellen.

Bilanz: Es war ein bewegt-bewegender Abend. Und wir können sehr viel von Obama und Merkel lernen. Ich selbst eingeschlossen.

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Nov. 062008
 

Aufschlussreiche Kommentare zur Wahl des amerikanischen Präsidenten steuern heute Tanja Dückers und Frank Henkel bei. Dückers fragt: Wo ist unser Obama? Sie geißelt im heutigen Tagesspiegel die behaglich-negative Sicht auf die Welt, welche bei uns vorherrsche. Allzuviele Menschen hätten es sich bequem gemacht in einer gespaltenen Weltsicht: „Wir“ sind immer die Guten – die „anderen“, seien es die Amerikaner, die PDS, die Kommunisten, die Faschisten, die Russen, die Roma –   würden abgestempelt als die Bösen. Dückers erkennt sehr gut, dass nicht die jeweiligen Gegenstände des Feindbildes das Problem sind. Das Problem ist, dass überhaupt soviele Menschen in Berlin die Welt in Gut und Böse unterteilen. Wie leicht ist es dann, die Schuld an den Zuständen immer den anderen zu geben. Denken wir an die ständigen Überfälle auf den kleinen Subway-Laden in Kreuzberg: Auch hier haben einige eben offensichtlich ihren Feind erkannt: die bösen amerikanischen Kapitalisten.

Obama steht für etwa anderes: eine versöhnende, vermittelnde Haltung, die auf universalen Werten beruht. Auf Zuwendung, Gespräch, Hinhören. „Er hält immer die andere Wange hin.“ So schreibt Michael S. Cullen heute auf S. 7 in der BZ. Nicht zufällig ist dies ein Zitat aus dem Evangelium. Denn Obama ist Christ. In seiner Sanftmut, seinem ständigen Aufruf zum Glauben, seinem Bekenntnis zum Umdenken greift er in den Kernbestand der jüdisch-christlichen Botschaft hinein. Ich behaupte sogar: Es hat schon lange keinen Politiker gegeben, der mit derartigem Geschick und mit derartiger Leidenschaft die schlichten Gebote des Jesus von Nazaret beherzigt hätte. Eines seiner deutlich erkennbaren Vorbilder ist Johannes der Täufer, der ja ebenfalls umherlief und vor riesigen Menschenmengen verkündete: „Denkt um, wandelt euch! Habt Vertrauen, glaubt an euch!“ Die zentralen Botschaften des Evangeliums – das ständige Umdenken, der Wandel, das Vertrauen – diese hat Obama ins Weltlich-Politische übersetzt und lebt sie mitreißend vor. Barack Obama ist ein im tiefsten Sinne christlich-demokratischer Politiker, wie man ihn sich vorbildlicher gar nicht ausdenken könnte. Natürlich, er spricht öffentlich nicht darüber, das tut man als Politiker nicht. Man spricht als Politiker nicht über Religion. Aber ich halte diesen Glauben für eine ebenso starke Triebkraft wie seine Verwurzelung im amerikanischen Traum, in der großartigen Tradition der über mehr als 200 Jahre bestehenden Demokratie der Vereinigten Staaten. Und diese Demokratie fasste sich ja ebenfalls als die Wiederherstellung eines verlorenen Ideals auf – des Ideals der griechischen Demokratie und des römischen Imperiums. Die amerikanische „Re-volution“ war also eine „Rück-Wendung“ zu den Wurzeln der europäischen Überlieferung – gegen die bedrückende Gegenwart der Monarchie.

Der gefeierte Neuansatz durch Barack Obama ist also – eine Wiederbelebung uralten Erbes. Eines doppelten Erbes: das der amerikanischen Demokratie und das des jüdisch-christlichen Weltvertrauens. Obamas Reden sind gespickt mit wörtlichen Zitaten aus den uralten Gründungsdokumenten der amerikanischen Demokratie, aus den großen Reden seiner längst verstorbenen Vorgänger. Sein Internetauftritt überfällt einen geradezu mit Losungen, die so oder so ähnlich auch in hebräischer Bibel, Neuem Testament und Koran stehen könnten. Etwa: „Change you can believe in.“ Das heißt ein Doppeltes: Glaube an den Wandel – wandle dich zu einem glaubenden, vertrauenden Menschen! Diese beiden – das Erbe der amerikanischen Demokratie, das Erbe der drei mosaischen Weltreligionen – sind die Fundamente, auf denen die Gründer der USA ihren so erfolgreichen Staat aufgebaut haben. In ihren Fußstapfen folgt Obama.

Etwas davon scheint auch Frank Henkel, ein Berliner Politiker, erkannt zu haben. Er wird heute im Tagesspiegel zitiert, für ihn sei Obama bislang ein Mysterium. Henkel verwendet also die Sprache der Religion – er sieht also in Obama etwas, was seine Fassungskraft übersteigt, etwas, wovor er nur die Augen staunend verschließend kann. Denn das Geheimnis, das Mysterium ist im Wortsinne etwas, was zu hoch für uns ist, was wir nur glauben und hoffend annehmen können.

Das ehrt Henkel. Denn es gibt kaum größere Gegensätz als manche Berliner Politiker und Obama: Bei manchen Berliner Politikern  finden wir eine klare Freund-Feind-Linie, eine aggressive, feindselige, stets zum Zuschlagen bereite Sprache ohne jede vermittelnde Kraft, ein Vorherrschen von negativen, anklagenden Tönen. Die Welt ist grau oder schwarz. Es gibt keine Freude. Ein Alleinstellungsmerkmal mit Forderungen, die sonst niemand teilt. Kein Fachpolitiker, kein Fachmann, keine Fachfrau aus Justiz und Verwaltung. Wie etwa die Forderung nach Heraufsetzung der Höchststrafe im Jugendstrafrecht von 10 auf 15 Jahre. Niemand außerhalb vertritt derartige Forderungen, kein Richterbund, keine Bundespartei, keine Polizeigewerkschaft. Ein großer, bewundernswerter Mut zur Selbstisolation, zur „Wir-gegen-den-Rest-der Welt-Haltung“, die man nicht genug loben und ehren kann.

Und als Gegensatz dazu Obama: ein Mensch des Ausgleichs, der Versöhnung, ein Mann, der auch angesichts gigantischer Probleme stets Zuversicht ausströmt, ein Mann des Wortes und der Tat.

Zu recht fragt Tanja Dückers: Wo ist unser Obama?

Ich meine: Die Anti-Obamas haben wir schon. Dann werden irgendwann auch die Obamas kommen.

Ganz viel Hoffnung

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Verändert das Internet die Politik?

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Nov. 052008
 

Sowohl Sarkozy als auch Obama haben ihre Siege auch durch breiteste Einbeziehung der neuen digitalen Medien herausgefahren. So deuten die meisten Kommentatoren den Sieg der heutigen Nacht.  Ich selbst neige eher der Auffassung zu, dass Obama und auch Sarkozy vor allem durch die Kraft der Persönlichkeit und durch die Kraft des Wortes überzeugt haben. Also durch das ursprünglichste aller Medien, nämlich die Stimme, die körperliche Anwesenheit und die Sprache.

Dennoch halte auch ich die neuen Medien, insbesondere das interaktive Internet für ein unverzichtbares Mittel, um direkten Kontakt untereinander herzustellen, um breiteste Vernetzung herzustellen, ins Volk hineinzuhören. Ich glaube, ohne das Internet hätte Obama nicht so deutlich gewonnen. Er hätte nicht diese programmatische Tiefe aufstellen, diese dicht gestaffelte Abfolge von Argumenten und Forderungen knüpfen können. Es gibt in Deutschland noch keinen Politiker, der dies auch nur annähernd auf ähnlichem Niveau beherrschte.

Die Süddeutsche berichtet:

US-Wahl im Internet – Basis ersetzt Elite – Computer – sueddeutsche.de
Basis ersetzt Elite

Die DSL-Leitungen und Wifi-Netze bildeten eine Partizipationsarchitektur, in die sich die Menschen einloggen und so wieder mit dem politischen Prozess verbinden konnten – in den letzten drei Tagen vor der Wahl veranstalteten die Mybarackobama.com-Mitglieder mehr als 50000 Fundraising- und Support-Events, führten mehr als 1,3 Millionen Telefonanrufe für ihren Kandidaten – laut Exit Polls wurden 32 Prozent der Wähler vom „Obama Camp kontaktiert“, nicht durch TV-Spots oder Robo-Calls, sondern von Mensch zu Mensch.

Übrigens: Dieses Blog segelt weiterhin mit vollen Segeln auf den Wellen des weltweiten Netzes. Die Leserzahlen steigen von Monat zu Monat, wir erreichen also über dieses Medium im Laufe eines Jahres Hunderttausende von Kontakten. Und Alexa, die bekannte Ranking-Maschine, stuft dieses Blog nunmehr unter die 8.000 wichtigsten Websites weltweit ein. Wir liegen heute immerhin auf Rang 7893. Und Websites gibt es ja ca. 2 Millionen. Sogar den guten alten Tagesspiegel haben wir mittlerweile überholt …  er liegt heute „nur“ auf Rang 9649.

Aber wir werden um Längen „geschlagen“ durch den neuen amerikanischen Präsidenten. Er liegt mit seiner sehenswerten Homepage mybarackobama auf Rang 707. Geht hin, schaut, staunt!

Heute habe ich auch mein persönliches Blog auf Barack Obama’s Website angelegt. Wir in Berlin müssen uns über den Teich hinweg vernetzen.

 Posted by at 18:12
Nov. 052008
 

Dass Obama sich ganz bewusst in die Reihe der berühmten amerikanischen Präsidenten stellte, indem er bewusst ihre Reden – insbesondere die Gettysburg Address von Abraham Lincoln – weiterspricht und fortschreibt, war mir schon an der Siegessäule aufgefallen, und ich hatte dies auch getreulich am 24.07.2008 diesem Blog anvertraut. Was für ein glänzender, vorbildlicher Redner! Wie vielsagend, dass viele Deutsche sich misstrauisch abwenden, wenn jemand wirklich eine klare, gepflegte, gebildete und dennoch schlichte Sprache verwendet!

Viele Deutsche scheinen sich lieber an die plump-polternde Berliner Hausmannskost zu halten, wie man sie spaltenweise der Lokalpresse entnehmen kann.

Heute nun machen auch amerikanische Zeitungen diese Beobachtung. So berichtet ein Blatt:

Breaking News

Mr Lincoln, who saved the union and abolished slavery, provides the archetype for the kind of president Obama says he intends to be – and he does not shy away from linking his name to America’s greatest leader.Indeed, his victory speech was marbled with references both oblique and overt to Lincoln, including his celebrated line from the Gettysburg Address about government being ‚of the people, by the people, for the people‘.

Mr Obama’s speech, delivered on an electrifying night in front of more than 100,000 supporters in Chicago, came full-circle from when he urged voters to ‚join me in this improbable quest‘ when he first announced his candidacy.

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Öffnet die Tore zu neuen Chancen!

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Nov. 052008
 

Gestern hatten wir besonders abschreckende Beispiele von Berliner Lokalpolitikern für eine negative Grundeinstellung untersucht: Es sind die altbekannten Politiker, die die Rhetorik der Spaltung betrieben, die die Welt in „Wir – die Guten“ und „Ihr – die Bösen“ aufteilen, die Häme und Spott über die Fehlschläge der parteipolitischen Gegner ausschütten. Leider finden wir in der Berliner Landespolitik immer noch Vertreter dieser Negativpropaganda vor. Sie haben nichts eigenes zu verkünden, keine eigenen politischen Botschaften anzubieten, also müssen sie die anderen zur Schnecke machen.

In der Weltpolitik lieferten die USA erneut ein Vorbild für uns: Faire Auseinandersetzung zwischen zwei Bewerbern, ein klarer Sieg für den Vertreter eines neuen, positiven Politikverständnisses, und erneut eine mitreißende Rede des Gewinners Barack Obama.

Warum schaffen wir in der Berliner Landespolitik so etwas nicht auch? Warum immer so viel Verzagtheit, so wenig Vertrauen, so wenig Schwung? Sagt doch mal bitte: „Ja, wir schaffen das!“ Es geht!

Übrigens: Der Mann hat auch ein Programm, mit präzisen Ansagen, klaren Maßnahmen zu Bildung, Arbeit, Integration, Wirtschaft, Afghanistan. Leider haben die deutschen Medien fast gar nicht darüber berichtet, aber wenn man die amerikanischen Medien verfolgt, ergibt sich ein klares Bild. Warum verschwiegen die deutschen Medien die konkreten Planungen Obamas weitgehend? Ich meine: Die deutsche Politik ist so ausgehungert, das Publikum gerade in Berlin dürstet nach Menschen, die etwas Neues verkörpern. Das ist die Botschaft, auf die Deutschland und die Stadt Berlin wartet – das alltägliche mühselige Geschäft der Politik, das natürlich auch in den USA auf den neuen Präsidenten wartet, wird später kommen.

Lest hier noch einen Ausschnitt aus der Siegesrede Barack Obamas. Ich wünsche mir mehr von diesem Geist in meiner Heimat, dieser großartigen Stadt Berlin!

This is our time, to put our people back to work and open doors of opportunity for our kids; to restore prosperity and promote the cause of peace; to reclaim the American dream and reaffirm that fundamental truth, that, out of many, we are one; that while we breathe, we hope.

Obamas Rede im Wortlaut engl.: „Das ist euer aller Sieg“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

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Nov. 042008
 

Einen anschaulichen Grundkurs in Kommunalpolitik gönnte ich mir heute abend: Öffentliche Sitzung des BVV-Ausschusses für Umwelt, Verkehr und Wohnen. Angesagt war zwar auch das Thema „Shared Space“, aber es wurde wegen der am nächsten Freitag stattfindenden Tagung der Böll-Stiftung verschoben. Um so mehr war ich auf die anderen Themen gespannt! Und siehe da: Bei der Besprechung von Umgestaltungsplänen für die Marchlewskistraße, die Wrangelstraße und bei der Erörterung des Bürgerinnenhaushalts kamen geradezu klassische Zielkonflikte der Kommunalpolitik zur Sprache: Soll man 12 Bäume in der Marchlewskistraße opfern, damit die Autos schön ordentlich in gleicher Ordnung parken können? Der Ausschuss votierte für die „Bestandsbäume“ – gegen eine Ausweitung der Stellflächen. Da war ich erleichtert! Denn Neupflanzungen können den Verlust eines stattlichen erwachsenen Baumes vorerst nicht wettmachen.

Alle Mitglieder arbeiteten in sachlicher Atmosphäre zusammen – ich ertappte mich dabei, bei den mir unbekannten Mitgliedern erraten zu wollen, welcher Partei sie angehörten. Die beiden jungen engagierten Damen – die gehörten sicherlich nicht der FDP an, dachte ich mir. (Was auch stimmte). Anhand der Kleidung, der Sprechweise, des Ost- oder Westberliner Akzents  meinte ich meist die Parteizugehörigkeit erkennen zu können. Werde das morgen mal im Internet nachprüfen.

Wenn meine Vermutungen zutreffen, würde das meine Behauptung stützen, dass die Berliner Parteien ihre Mitglieder fast ausschließlich über Gruppenzugehörigkeit werben. Politische Inhalte scheinen eine geringe Rolle zu spielen – in gewissen Kreisen würde man nie zur CDU gehen – und umgekehrt. Nie zur Linken – das schickt sich nicht! Das Schickliche tritt an die Stelle des Politischen.

Eine schlechte Überlebenschance hat die Pappel am Böcklerpark, die morgen gefällt wird. Wir haben zu viele Pappeln. Das sind Problembäume. Beim Bürgerhaus muss morgen diese Pappel gefällt werden wegen fortgeschrittener Holzzerstörung. Andernfalls wäre die Gefahr für die Menschen zu groß.

Überrascht war ich über die riesigen Summen, die für Geländereinigung ausgegeben werden müssen. Pro Woche werden die Flächen grundsätzlich 2 Mal gesäubert. Ein löblicher Verein „Stadt und Hund“ bietet an, Hundekottüten-Spendeautomaten aufzustellen. Gut so! Wir Eltern werden dankbar dafür sein.

Mein Fazit: So funktioniert Kommunalpolitik! In diesem Hin und her, diesem Abwägen widerstreitender Interessen wurde heute abend für mich Politik vom Wurzelgrund der Gemeinschaft her erfahrbar: sachlich abwägend, kundig Auskunft gebend. So klappt es.

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Politiker, schult eure kommunikativen Fähigkeiten!

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Nov. 042008
 

Im letzten Eintrag spießten wir einige besonders abschreckende Beispiele für einen kommunikativen Stil auf, der heute nicht mehr zielführend ist. Wir nannten diesen Stil „Negativpropaganda“. Dieser Stil herrschte nach unseren Beobachtungen in der Berliner Landespolitik mindestens bis zum Jahr 2001 vor. Manche haben ihn auch heute immer noch nicht überwunden. Die rot-rote Koalition brachte hier ein Umdenken. Durch geschicktes Umsteuern in der Kommunikation gelang es der SPD, die vormaligen Gegner, also die damalige PDS, zu hilfreichen Partnern in einem Bündnis zu machen, das sich dank beständiger Schützenhilfe einer zerstrittenen Opposition bis heute an der Macht halten konnte.

Das Aushandeln von durchsetzbaren Lösungen ist heute die wichtigste Voraussetzung, um an die Macht zu gelangen, sich an der Macht zu halten, und Macht auch in Zeiten der Krise zu behaupten. Dabei gilt es, berechtigte Interessen aller Seiten anzuhören und zu einem vertretbaren Ausgleich zu bringen. Nur wer diese Kunst beherrscht, wird dauerhaften Erfolg haben. Wir fanden, dass die Ausführungen Thomas de Maizières, über die wir am 09.05.2008 in diesem Blog berichteten, unserer hier vertretenen kooperativen Politikauffassung am nächsten gelangen.

Dies ist auch der Tenor eines äußerst lesenswerten Artikels im aktuellen gedruckten Spiegel Nr. 45/2008. Autor Dirk Kurbjuweit analysiert unter dem Titel „Unwirkliche Wirklichkeit“ ab Seite 32 die gegenwärtige  Krisensituation und stellt fest, dass in Deutschland ein erschreckender Mangel an verhandlungssicheren, sachlich versierten Spitzenpolitikern herrsche. In der englischen Online-Ausgabe lesen wir:

Officials at the Chancellery in Berlin recently came up with a list of Germans capable of understanding the financial crisis and helping to develop a solution. The list amounted to less than 10 people. This deficit is a consequence of German restraint. The French are better at placing their people in international institutions. Germany, however, has granted itself the luxury of remaining provincial, and has done well for itself as a result, but this period of cultivating the idyllic is coming to an end.

This is especially true of the politicians themselves. If we add up the number of people in Germany that can be trusted to discuss complex issues in daily telephone conferences with the Bushs, Sarkozys, Wens, Singhs and Medvedevs of this world, we are hardly likely to hit upon more than five. Merkel is one of them, and Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier can work his way into the role. Kurt Beck, the former leader of the Social Democrats (SPD), already seems like a man from a different era.

Kurbjuweit erhebt Forderungen, die man eigentlich allen Berliner Regionalparteien ins Stammbuch schreiben sollte:

„Das heißt, dass die Politik ihr Rekrutierungsverfahren umstellen müsste, von Ortsvereinstauglichkeit auf Weltgewandtheit. Politische Karriere macht bislang, wer bleibt. Die Hauptkompetenzen sind Machtsicherung und Machtverteidigung. Aber in der Weltkrise ist eher ein kluges Ingenieurtum nötig, dazu Verhandlungsgeschick auf höchstem Niveau.“

Ich meine: Die Parteien müssen andere Fertigkeiten schulen – bei sich selbst, bei ihren Mitgliedern, vor allem aber bei den Berufspolitikern. Nur der darf Berufspolitiker werden, der die nötigen Schlüsselqualifikationen mitbringt: Verhandlungsgeschick, Verlässlichkeit, Berechenbarkeit, Verschwiegenheit, ständige Lernbereitschaft, gute Beherrschung der Muttersprache – sowie die Fähigkeit, die Wirkung der eigenen Worte mit einiger Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Flüche, Beleidigungen, Verunglimpfungen – all das kann man sicherlich zuhause in den eigenen vier Wänden tun (ich versuche es auch hier zu unterlassen). Auf der politischen Bühne haben Unflätigkeiten und Flegeleien – so meine Auffassung – nichts verloren.

Ich meine: Wer diese  sieben wichtigen Tugenden

Verhandlungsgeschick, Verlässlichkeit, Berechenbarkeit, Verschwiegenheit, ständige Lernbereitschaft, gute Beherrschung der Muttersprache, Fähigkeit, die Wirkung der eigenen Worte vorherzusehen

nicht mitbringt, der sollte sich fragen, ob er oder sie für wichtige politische Ämter geeignet ist. Ich meine: Eher nein. Umgekehrt gilt: Wer diese Tugenden hat, der muss meines Erachtens ganz nach vorne gelangen.

Merkel’s Push for Consensus: Crisis Creates a New German Politics – SPIEGEL ONLINE – News – International

This shift means that the political world will have to modify its recruitment parameters from an emphasis on local skills to urbaneness. Until now, the key to a political career was staying power, not mobility. The ability to secure and hold on to power was the principal competency. But the kind of person who can prevail in a world crisis is someone with clever engineering abilities and high-level negotiating skills.

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„Geschichtsvergessener Machtrausch jämmerlich gescheitert“, oder: das ABC der Negativpropaganda

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Nov. 042008
 

Immer wieder werde ich gefragt: Was ist denn noch mal der Unterschied zwischen Positiver Kommunikation und Negativpropaganda? Gib uns Beispiele für Negativpropaganda!

Gerne,  Bloggerinnen und Bligger! Nehmen wir doch etwa die gestrigen Ereignisse in Hessen. Der Versuch Andrea Ypsilantis, sich mithilfe der Linkspartei an die Macht wählen zu lassen, ist gescheitert, weil vier Mitglieder ihrer Fraktion sich dem Vorhaben verweigerten.

Wie kann man darauf im Sinne der „Negativpropaganda“ reagieren? Nun, man greife tief in die Kiste der mit unangenehmen Gefühlen besetzten Wörter. Man sagt also nicht: „gescheitert“ , sondern „kläglich gescheitert“. Man sage also nicht: „Andrea Ypsilanti wollte an die Macht“, sondern: „Andrea Ypsilanti wurde vom Machtrausch getrieben“. Man sage also nicht: Andrea Ypsilanti scheint aus der DDR-Geschichte nichts gelernt zu haben, sondern man schmücke das Wort „Machtrausch“ noch mit dem Beiwort „geschichtsvergessen.“

Unser kleines Lehrbuchbeispiel für Negativpropaganda führt also zu dem theoretisch denkbaren Satz: „Der geschichtsvergessene Machtrausch der Andrea Ypsilanti ist kläglich gescheitert.“

Ich meine: Dies wäre ein treffliches Beispiel für die Negativpropaganda, wie sie etwa in den Zeiten des Kalten Krieges bis weit in die 60er Jahre hinein vorherrschte. Natürlich wird kein ernstzunehmender Politiker heute solche grotesk übertreibenden Sätze über die Lippen bringen, aber theoretisch denkbar wäre es! Und ich selbst habe noch als Kind in einer konservativ geprägten Umgebung häufig solche Sätze gehört. Man bot damals in den 60er Jahren in gewissen Kreisen allen erdenklichen Scharfsinn auf, um Willy Brandt als vaterlandsverräterischen Exilanten zu verunglimpfen.

Legendär ist auch die Beschimpfung des damaligen Schulsenators aus dem Jahre 2001, beim Bruch der Großen Koalition in Berlin. Noch 2001 pflegte der damalige CDU-Generalsekretär Schmitt diese hier beschriebene Negativpropaganda bis zur Vollendung. Er bezeichnete den SPD-Schulsenator als „Politnutte“. Das fiel auf Ingo Schmitt zurück. Damit war er zu weit gegangen. Er musste zurücktreten. Und ward seither kaum mehr gehört. Zwar wurde er danach noch nach dem „Gesetz der ewigen Wiederkehr“ Landesvorsitzender, aber auch da konnte er sich nicht halten. Es hatte ihm die Sprache verschlagen. Zur Positiven Kommunikation konnte er sich nicht durchringen.

Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.

Gefragt ist heute von den Spitzenpolitikern eine ganz andere Sprache. Mit Verunglimpfungen und Beschimpfungen im Sinne der hier beschriebenen Negativpropaganda wird man es nicht weit bringen. Wer den Gegner ständig mit Beschimpfungen zudeckt, wird vielleicht Säbelrasseln bei den eigenen Mannen auslösen. Er wird vielleicht auch als Häuptling auf den Schild gehoben. Er wird aber im Volk nicht punkten können.

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Shared Space – der Gemeinsame Raum

 ADFC, Deutschstunde, Fahrrad, Krieg und Frieden, Shared space, Sprachenvielfalt  Kommentare deaktiviert für Shared Space – der Gemeinsame Raum
Nov. 032008
 

Das Kind braucht einen deutschen Namen. Liebe Bloggerinnnen und Blogger, niemand wird mir eine Feindseligkeit gegenüber fremdem Wortgut unterstellen können. Im Gegenteil, in diesem Blog findet ihr Wörter, Wendungen, ja ganze Abschnitte in türkischer, hebräischer, griechischer, französischer, polnischer, russischer, italienischer, lateinischer und sogar englischer Sprache.

Alles gut und schön, aber um einer Sache, einem Anliegen auf „breitester Front zum Durchbruch zu verhelfen“ (wie die Militärs sagen), muss hier in Berlin das Kind einen deutschen Namen haben. Denn für all die Türken, Araber, Griechen, Italiener, Russen, Oberschwaben und Urberliner gibt es in Berlin nur eine gemeinsame Verständigungssprache. Und die heißt nun einmal deutsch. German is our shared space when we speak!

Deshalb meine ich: Wenn wir das Konzept Shared Space nach vorne bringen wollen, brauchen wir eine griffige deutsche Wendung, die im Kopf bleibt. Die Leser des Hamburger Abendblattes haben sich den Kopf zerbrochen. Sie haben „Gemeinschaftsstraße“ zum Sieger gewählt. Eine gute Wahl, wie ich finde!

Ich schlage meinerseits vor: der Gemeinsame Raum. Denn Shared Space – der „Miteinander-Raum“ – bezieht sich nicht nur auf Straßen, sondern auf öffentliche Verkehrsflächen überhaupt.

Übrigens: Der ADFC hat im Juli 2008 eine sehr kluge, gut abgewogene Stellungnahme zu Shared Space erarbeitet. Ihr findet sie auf http://www.adfc.de/1705_1.

Die Leserumfrage zeigt übrigens noch etwas: Neben Shared Space heißt es dort auf einmal „Share Space“. Das heißt: „Teile den Raum mit anderen, lebe im Miteinander statt im Gegeneinander!“

Ein gute Entscheidung. Was meint ihr? Was haltet ihr für das beste deutsche Wort?

Hier kommt eine Auswahl aus dem Hamburger Abendblatt vom 01.09.2008:

„Gemeinschaftsstraße“ mit 775 Stimmen.“Ein einfaches und treffendes Wort“, sagte Senatorin Anja Hajduk. „Wir werden den Begriff bei der weiteren Projektplanung als Anregung berücksichtigen“. „Wir“, damit meint Senatorin Hajduk ihre Behörde und die Bezirke. Sie wolle das Verkehrskonzept nicht „von oben“ anordnen, sondern viele Entscheidungsträger einbeziehen. Derzeit sind die Gremien der jeweiligen Stadtteile dazu aufgerufen, Stellen zu benennen, die zur gemeinschaftlichen Straße werden könnten. So viel sickerte schon durch: Eimsbüttel denkt über Teile der Osterstraße nach, im Bezirk Mitte ist die Lange Reihe im Gespräch. In den kommenden Monaten will der Senat von einer Arbeitsgruppe prüfen lassen, wie das bisher nur in Kleinstädten erprobte Verkehrskonzept in Hamburg umgesetzt werden kann. Eckpunkte: ausreichend Parkplätze und Umgehungsmöglichkeiten für den Verkehrsfluss. Bereits im nächsten Jahr würden dann „ausgewählte Orte“ feststehen, um das Projekt zu testen.

Sollte sich „Gemeinschaftsstraße“ nicht durchsetzen, könnte die Stadtentwicklungsbehörde weitere Anregungen der Abendblattleser umsetzen: Mit insgesamt 655 Stimmen belegt „Straße für alle“ den prominenten zweiten Platz. „Zebra-Zone“ liegt mit 270 Stimmen auf Platz drei, in Anlehnung an den Zebrastreifen, der übrigens auch eine Erfindung der Abendblattleser ist (siehe Kasten). Für „Rücksichtszone“ stimmten 260 Leser.

Auf Platz fünf steht „Toleranzverkehr“ (257 Stimmen). Auch der wohl kreativste Name fand einige Zustimmung bei den Lesern: „Efa“, für „Eine für alle“ wünschen sich 237 der teilnehmenden Leser. Kurz darauf folgt „Fairkehr“ (Fairer Verkehr) mit 219 Stimmen. „Geh-Fahr-Straße“ traf auf 101 Zustimmungen. Moralisch wünschen es sich 43 Teilnehmer: „Gutwillstraße“. Auch auf dem letzten Platz steht ein einfallsreicher Begriff: Allbahnstraße. Und diese Idee deutet an: Auf einer Straße für alle führen viele Wege ans Ziel. (Die Angaben stammen aus gerundeten Prozentwerten.)

„Gemeinschaftsstraße“ statt „Share Space“

 Posted by at 11:50
Nov. 022008
 

01112008002.jpg „Was du mit der Lernenden Volkspartei meinst, haben wir einigermaßen begriffen“, höre ich immer wieder. „Aber welche Rolle spielt der Begriff der Positiven Kommunikation, auf dem du doch ebenfalls so stark herumreitest?“

Hierauf erwidere ich: Die Lernende Volkspartei ist der Gesamtrahmen – die Positive Kommunikation ist das unabdingbare Mittel, um diesen neuen Lern-Ort mit Leben zu erfüllen.

Mit der negativen und positiven Kommunikatiuon ist es wie mit einem Kinde, das ungern die Zähne putzt. Nun kam eine Mutter und drohte: „Wenn du die Zähne nicht putzt, wirst du lauter Löcher haben. Dann geht es dir schlecht. Dann wirst du krank und es tut weh. Also marsch – putz dir die Zähne!“ Das Kind ging – und benetzte die Zahnbürste … und putzte sich die Zähne … nicht. Das Zähneputzen war eine unbequeme Pflicht geworden. Bisweilen log es: „Ich hab mir schon die Zähne geputzt.“

Genau so handelt die Partei, die da sagt: „Wählt eure Regierung ab. Wenn ihr eure Regierung nicht abwählt, geht es euch schlecht und alles wird immer schlechter. In der Regierung sitzen lauter Mauermörder! Was für eine Schande!“ Das Volk – dieses ungebärdige Kind – glaubte dieser Partei kein einziges Wort. Nur jene, die ohnehin meinten, dass alles immer schlechter werde, wählten diese Partei. Also die Selbstmörder, Berufspessimisten, Nörgler, Querulanten. In jedem Volke gibt es etwa 20% Depressive, Querulanten und chronisch Zukurzgekommene.  Da die Partei kein anderes Volk wählen konnte, wählte das Volk andere Parteien.

Zurück zur Geschichte mit dem Kind, das sich die Zähne nicht putzen wollte. Nun kam ein Vater. Der erzählte strahlend dem Kinde: „Ich habe mir eine elektrische Schallzahnbürste gekauft. Was für ein herrliches Gefühl – nach dem Putzen fühlt sich alles glatt an, die Zunge streicht über den Gaumen, alles schön weich und sauber. Ich könnte euch alle küssen!“ Da fragte das Kind. „Darf ich die elektrische Schallzahnbürste auch benutzen?“ „Ja, aber nur mit deinem eigenen Bürstenkopf!“ „Bitte, bitte gib mir den Bürstenkopf!“ Und so geschah es. Das Kind liebte die Zahnbürste, es putzte eifrig. „Ich möchte noch einmal putzen!“, sagte der Sohn nach einer Stunde. „Aber du hast doch gar nichts gegessen. Man soll nicht zu viel putzen“, erwiderte der Vater. „Gut – dann werde ich eben schnell ein Brot essen“, erklärte der Sohn. „Dann darf ich wieder putzen.“ Und von Stund an ward das Zähneputzen zu einem freudigen Ereignis, das jeden Tag angenehm beschloss. „Darf ich denn auch 5 Mal am Tag die Zähne putzen, Papa?“ „Nein, das wäre eine zu starke Belastung für dein empfindliches Zahnfleisch und den Zahnschmelz. Zwei bis drei Mal am Tag, jeweils nach den Mahlzeiten, das muss genügen.“

Was war hier geschehen? Ich – denn ich selbst habe dies erlebt – hatte mich bemüht, das Problem „Zähneputzen“ für den Sohn von einer leidigen Pflicht zu einem freudigen, technik-affinen Gesamterlebnis zu machen. So mögen es die Jungs doch. Eine Konsultation der maßgeblichen odontoiatrischen Literatur ergab: Eine neuartige Schallzahnbürste ist etwas sehr Sinnvolles. Richtig angewandt, erzielt sie weit bessere Putzergebnisse als eine manuelle Zahnreinigung. Vor allem wird das Hauptproblem der heutigen Zahngesundheit, nämlich das gehäufte Auftreten von Parodontitis, besser gelöst als mit der Handzahnbürste.

Selbstverständlich gehört die tägliche Verwendung der Zahnseide zur Reinigung der Zahnzwischenräume weiterhin zu unseren Pflichten.

Das Böse in der Welt wird durch diesen kleinen Trick keineswegs geleugnet. Es wird weiterhin Karies und Parodontitis geben. Weiterhin wird man Kinder zum Zähneputzen erziehen müssen. Aber der Weg dorthin führt nicht immer über Drohungen, Strafen und Verbote. Man kann das Zähneputzen auch zu einem runden, lustigen Ritual machen.

Und so ist es auch in der Politik: Nur jene Partei wird Erfolg haben, die positive Erlebnisse verschafft, – die dem Wähler anregende, erfreuende Botschaften bringt. Ständige Negativpropaganda stößt ebenso von Parteien ab wie Zerstrittenheit, unsympathische Spitzenleute, lustfeindliche Gesamterscheinung und ständiger Einsatz von Drohungen.

Verkünde deine Botschaften lachend – dann werden die Wähler mit dir lernen wollen!

Inschrift auf dem Pullover im Bild: Cool Choice Dress – Enthusiast.

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Unser Gemeinsamer Raum – Was ist Shared Space?

 Fahrrad  Kommentare deaktiviert für Unser Gemeinsamer Raum – Was ist Shared Space?
Nov. 022008
 

02112008.jpg Bloggerinnen und Blogger! Erneut beklage ich eine Rie-sen-ent-täusch-ung über das deutsche Parteiensystem: Während die Grünen mehr Elektroautos fordern, setzt erstmals in Deutschland ein CDU-Bürgermeister das bahnbrechende Konzept von Shared Space durch. In der Kleinstadt Bohmte. Darf der das? Ich halte das für nicht statthaft, dass ein Vertreter der Autopartei so etwas macht. Worauf kann man sich da noch verlassen?

Übrigens: Der Bürgermeister Klaus Goedejohann kommt sogar nach Berlin. Am 7. November 2008, in die Heinrich-Böll-Stiftung. Na, da sind wir aber gespannt. Ich hoffe, dass wenigstens die Böll-Stiftung zu den Grünen hält. Aber Gedanken sind frei. Was gut ist, setzt sich durch.

Unser Bild zeigt eine Aufnahme vom heutigen Tage. Ja damals – damals war die Welt noch in Gut und Böse geteilt!

Bohmte – Unsere Gemeinde – Was ist Shared Space?

So heisst ein neuer
Ansatz zur Raumplanung und -einrichtung, der in ganz Europa immer
mehr Beachtung findet. Shared Space beinhaltet neue Ausgangspunkte
für den Gebrauch, den Entwurf und die Unterhaltung unserer Strassen
und öffentlichen Räume und hebt die herkömmliche Trennung der
verschiedenen räumlichen Funktionen auf.Das entscheidende Merkmal ist, dass Verkehrsschilder,
Fussgängerinseln, Ampeln und andere Barrieren nicht mehr nötig
sind. In Shared Space fügen sich Autofahrer rücksichtsvoll ins
menschliche Miteinander von Fussgängern, Radfahrern und spielenden
Kindern ein und werden Teil des gesamten gesellschaftlichen und
kulturellen Kontextes.

Shared Space ist jedoch mehr als ein paar einfache Entwurfsprinzipien.
Es bedeutet nämlich auch neue Planungs- , Entwurf- und
Entscheidungsprozesse, als deren Resultat neue Strukturen für die
Teilnahme aller beteiligten Parteien, also auch der Bürger entstehen.

 Posted by at 17:44