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Verdichtete Nähe

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Juli 242008
 

24072008017.jpg Wir sind noch einmal näher herangerückt. Alle stehen jetzt. Wowereit zeigt sich auf der Pressetribüne, kriegt ’ne kleine Runde Applaus, aber nicht seinetwegen sind wir gekommen. Das Publikum hier ist jung, die allermeisten sind 20-27.

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In Rufweite

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Juli 242008
 

24072008008.jpg stehe jetzt 25 m vor der rednertribüne! Das halbrund vor den mediengerüsten ist gut gefüllt. Ein agent steht auf der bühne, 2 polizisten vor der siegessäule.

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Juli 242008
 

24072008002.jpg Bin vor Ort, Freiwillige sprechen mich an: „You look American, have you registered as a voter?“ Tausende warten schon an den Sperren, eine frohe Erwartung herrscht, aber noch ist es ruhig.

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Obama in Berlin – es lebe die Milieulosigkeit!

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Juli 232008
 

Ijoma Mangold bringt heute in der Süddeutschen einige sehr treffende Überlegungen zur Frage: Warum ist Obama so erfolgreich? Zu Recht weist er darauf hin, dass Obama eigentlich für keine bestimmte Klientel, kein bestimmtes Milieu stehe. Vielmehr sei er eine geeignete Projektionsfläche für all jene, die irgendwie nicht ganz dem Durchscnitt entsprächen:

Milieulosigkeit als Hauptmerkmal

Sein Hauptmerkmal ist in gewisser Weise Milieulosigkeit – was nicht zufällig ein Lessing’scher Traum der Aufklärung ist: Obama hat einen Vater aus Kenia, aber weder hatte er in seiner Kindheit dieses Land je betreten, noch wuchs er mit seinem Vater zusammen auf.

Stattdessen lebte er, stark geprägt von seinen weißen Großeltern mütterlicherseits, als ein Farbiger (wie man seinerzeit noch sagte) in einem insgesamt sehr multikulturellen Hawaii, in dem es jedenfalls keine prägende afroamerikanische Gemeinde gab.

Ich glaube: Auch jene deutschen Parteien, die noch sehr stark im Milieudenken und Klientelismus befangen sind, müssen diese Fesseln sprengen. Darin stecken die riesigen Chancen!

Obama in Berlin – Zwei Farben Schwarz – Deutschland – sueddeutsche.de

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Gut abgehangene Argumente bei Anne Will

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Juli 222008
 

Sattelt die Fahrräder! Unter diesem Motto diskutierten bestens bekannte Studiogäste bei Anne Will am vergangenen Sonntag darüber, ob das Auto ein Auslaufmodell sei. Franz Alt, Bärbel Höhn, Christine Haderthauer, Waldemar Hartmann und Matthias Wissmann tauschten auf freundlich-nette Art ihre Argumente aus. Bekannte Gesichter, bekannte Frontlinien! Herr Wissmann beschwor dessenungeachtet seine Mitstreiter zwei Mal, die alten Gräben „hier Auto, hier Fahrrad“ zu überwinden und beschwerte sich:

„Heute Abend sind wir in Adlershof. Nach Adlershof mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem Fahrrad zu kommen, ist praktisch unmöglich.“ (Dieser Satz wurde abgetippt von jemandem, der in weniger als 20 Minuten mit der S-Bahn nach Adlershof gekommen ist.)

Frau Haderthauer kämpfte wacker für die Wiedereinführung der Pendlerpauschale:

„Die Kanzlerin hat immer gesagt, dass sie die Neuregelung der Pendlerpauschale abhängig machen wird von der Entscheidung des Verfassungsgerichts. Es war nicht zu erwarten, dass sie da umsteuert. Das hindert uns nicht daran zu sagen, was wir richtig fänden.“

Franz Alt malte die „Autodiktatur“ an die Wand:

„Das Auto ist, so wie es heute läuft, unsozial. 5000 Tote durch den Autoverkehr im letzten Jahr, 430.000 Verletzte, davon Zehntausende verkrüppelt ein Leben lang – wir haben ein absolut irrationales Verhältnis zum Auto.“

Allerdings fährt er selbst eines, und zwar kein billiges, nämlich den Prius.

Die Sendung kann man sich gut noch einmal in der ARD-Videothek zu Gemüte führen. Noch besser: das zugehörige Blog. Heftig kritisiert wird von den Zuschauern die Gästeauswahl. Die Gäste seien zu bekannt, wird im Blog gesagt, sie hätten irgendwie unvermeidlich gewirkt und seien teilweise überhaupt nicht in erkennbarer Weise für das Thema qualifiziert gewesen. Das ist aber nicht nett, was die Zuschauer da sagen. Alle Studiogäste haben sich doch so redlich bemüht. Stellvertretend für viele der kritischen Einträge sei hier zitiert der Eintrag Nr. 197 von Blogger „Radfahrer“. Zunächst bemängelt er das Missverhältnis zwischen „bewegter Masse“ und Passagier, das unökonomisch sei. Er fährt fort:

„Und dennoch ist das gesamte Verkehrssystem auf das Auto zugeschnitten. Radfahrer und Fußgänger sind mittlerweile nur noch ein lästiges Übel, obwohl ihnen sowieso nur eine lächerliche Restfläche für ihre ökologisch vorbildliche Art der Fortbewegung zugestanden wird. Und das, obwohl es wohl alles andere als ökonomisch ist, sich mit dem 10-20 fachen seines eigenen Körpergewichts in der Stadt fortzubewegen und dabei den knapp zehnfachen Flächenverbrauch eines Fahrrades zu beanspruchen. Und zwar nicht nur wenn man fährt, sondern auch, wenn man das Auto parkt. So kommt es, dass unsere Innenstädte zu riesigen Autoparkplätzen verkommen, in denen Eltern sich nicht mehr trauen, ihre Kinder zu Fuß zur Schule laufen zu lassen (und wer das nicht lernt, wird auch später nicht laufen oder radeln!), weil sie es für die Kleinen für viel zu unübersichtlich und gefährlich halten. 
Alle nicht-motorisierten Menschen werden in ein von Autofahrern für Autofahrer gemachtes Verkehrssystem gezwungen und damit in ihrer Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt. Das Geschrei ist groß, wenn tatsächlich mal ein paar Parkplätze wegfallen oder eine Straße verengt wird.“

Mir gefiel am besten Waldemar „Waldi“ Hartmann. Er gab sich überhaupt keine Mühe, seine Auto-Passion zu verstecken und meinte treuherzig, seine 350 PS seien vor allem deshalb gut, weil er mit einem Druck auf das Gaspedal bestimmten Gefahrensituationen entkommen könne. Er täuschte auch keine Fachkunde vor. Solche Ehrlichkeit kommt gut an.

Die Masse der Golf-Fahrer war im Studio nicht vertreten – also all jene, die mit der Familie am Sonntag ins Grüne hinaus wollen. Es war vertreten: die traute Einschalt-Elite. Das Übliche.

Eine kleine Anregung, – keine Kritik! – muss ich aber bei aller Begeisterung für diese Veranstaltung, die alle vorgefassten Urteile bestätigte, doch anbringen: Neben dem Auto-Lobbyisten Wissmann, der erprobten grünen Breitband-Politikerin Höhn, der neuen CSU-„Allzweckwaffe“ Haderthauer, dem unbequemen Mahner Franz Alt fehlte wieder einmal – die Fahrradlobby.

Es saß keine einzige Fachfrau für den Fahrradverkehr im Studio! Dabei gibt es doch Fachverbände wie den ADFC etwa, die seit Jahrzehnten konkrete Forderungen erheben und längst aus den Grabenkämpfen der Vergangenheit herausgeklettert sind. Wo war etwa Sarah Stark, die Berliner ADFC-Landesvorsitzende? Sie wäre umweltfreundlicher als alle die anderen angereist! Diese Fahrrad-Lobbyverbände haben ein enormes Fachwissen angesammelt. Es gibt auch bei ihnen hübsche, fernsehtaugliche weibliche Gesichter. Sie sind jung, jünger als der Durchschnitt der Studiogäste. Zu jung für die Öffentlich-Rechtlichen? Und diese Frauen und Männer bringen obendrein auch noch besondere Kenntnisse mit, sie könnten die Diskussion über die sattsam bekannten Argumente hinausführen. Sind sie deswegen schon disqualifiziert als Studiogäste? Sollen denn immer nur die „Urväter“ und die TV-Zelebritäten untereinander diskutieren? Zollt man so dem demographischen Wandel Tribut? Die Mischung aus alt und jung macht’s doch!

Liebe Anne Will! Bitte ignorieren Sie nicht die jungen Fachleute – mindestens nicht bei Sendungen, die sich den Anschein geben, eine Lanze fürs Fahrrad brechen zu wollen.

DasErste.de – [Anne Will] – Sendung vom 20. Juli 2008 um 21.45 Uhr

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Juli 212008
 

19072008001.jpg Diese Frage muss man stellen, wenn man den Artikel „Die Beta-Blogger“ im aktuellen Spiegel-Heft liest. Im einzelnen wird auf S. 94-95 bemängelt: das Fehlen tiefgreifender Analysen, kein gekonnter Umgang mit Konditionalsatz und Konjunktiv, keine Buchkritiken. „Polemisch bis rechthaberisch“ sollen wir sein. Statistisch bedeutungslos. Aber die USA! Dort haben Blogger schon die Wahlen beeinflusst!

Blogger Johannes Hampel erwidert: Ich habe hier schon Buchkritiken veröffentlicht und mehrfach die indirekte Rede verwendet! Zur Statistik: Allein im letzten Monat hatte ich 9165 Leser und ein Mehrfaches davon, nämlich 22.795, an Seitenaufrufen. – Kafka hatte bei der ersten Veröffentlichung seiner Erzählungen eine Auflage von 1000. Zahlen sagen also nichts über den Gehalt aus. Natürlich, dem Spiegel kann ich nicht das Wasser reichen. Aber dafür sind wir hier werbefrei.

Und: So ein Blog dient vor allem als eine Art imaginäres Gesprächsforum. Man stellt Gedanken in den virtuellen Raum. Idealerweise ergibt sich ein Gespräch mit anderen. Auch bei der Gewissenserforschung und der Außendarstellung kann das Bloggen helfen. „Was bist du für einer?“ Wenn mich jemand so fragt, kann ich getrost auf dieses Blog verweisen. Ich meine: In wenigen Jahren treffen wir uns wieder zu einer neuen Bestandsaufnahme, Spiegel! Dann werden diese neuen Medien an Bedeutung gewonnen haben. Und der Bundestagswahlkampf 2013 wird schon ganz entscheidend im Netz geführt werden. Bitte denkt daran, liebe Spiegel-Redakteure!

Unser Bild zeigt heute – nein, keine Blogger, sondern „Bootler“, also Menschen, die sich wie Blogger unerschrocken durch fremde Gewässer strampeln: Bootsfahrer auf dem Kreuzberger Landwehrkanal, aufgenommen vorgestern.

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Friedrichshain-Kreuzberg belegt Platz 1 bis 3 …

 Aus unserem Leben, Fahrrad, Friedrichshain-Kreuzberg, Gemeinschaft im Wort, Positive Kommunikation  Kommentare deaktiviert für Friedrichshain-Kreuzberg belegt Platz 1 bis 3 …
Juli 172008
 

… in der Statistik der gefährlichsten Kreuzungen Berlins. Der BZ kommt heute das Verdienst zu, die Liste der 100 gefährlichsten Kreuzungen abzudrucken, aufgeschlüsselt nach Unfall- und Verletztenzahlen. Auch die Unfallkosten werden bis auf den Euro genau ausgewiesen. Der flächenmäßig besonders kleine Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg führt diese Liste auf den Plätzen 1 bis 3 unangefochten an. Und unter den 12 unsichersten Knotenpunkten Berlins liegt immerhin ein sattes Drittel in unserem Bezirk.

Die 3 gefährlichsten Kreuzungen Berlins sind: Admiralstraße/Kottbusser Straße, Frankfurter Tor/Frankfurter Allee, Bevernstraße/Oberbaumstraße. Unfallkosten allein an diesen drei Stellen 2005-2007: 1515 Unfälle an diesen drei Kreuzungen kosteten 11.064.537 Euro – über 11 Millionen Euro!

Auch der gestern veröffentlichte Verkehrssicherheitsbericht 2008 der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bietet keinen Anlass zur Entwarnung. Im Gegenteil: Die Zahl der Unfälle ist um 3,6% auf 124.919 gestiegen. In wünschenswerter Deutlichkeit liefert der Report eine Aufschlüsselung nach Unfallarten, Unfallbeteiligten, Schwer- und Leichtverletzten und Unfallverursachern.

Ergebnis: besonders gefährdet sind weiterhin Fußgänger und Radfahrer. Der Anteil der Radfahrer an den Schwerverletzten ist noch einmal auf nunmehr 27% gestiegen.

Als die beiden maßgeblichen Unfallursachen werden auf S. 10 wörtlich angegeben

bei Radfahrern „Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr“ und „Benutzen falscher Fahrbahnteile“ (häufig betrifft Letzteres das Befahren von Radwegen in falscher Richtung oder von nicht für Radfahrer frei gegebenen Gehwegen)

Auch dieser Befund ist nicht neu: Nicht im „Längsverkehr“, also nicht dann, wenn die Radfahrer ordnungsgemäß auf den Straßen oder den Radwegen fahren, sondern beim „Einfädeln“ und Abbiegen sowie auch beim Befahren von Gehwegen und Radwegen in falscher Richtung geraten Radfahrer in statistisch besonders relevante Gefährdungslagen. Hauptursachen: mangelnde Sichtbeziehung zwischen KFZ und Radfahrer, Unachtsamkeit, Falschfahren.

Welche Schlussfolgerungen sind daraus zu ziehen? Die steigenden Unfallzahlen und die vielen Verletzten dürfen niemanden ruhen lassen. Der Verkehrssicherheitsbericht fordert eine stärkere Bündelung und eine Erhöhung der Anstrengungen. Auf S. 17 nennt er dazu 4 Schwerpunkte der Maßnahmen:

Mobilitäts- und Verkehrserziehung im (Vor-)Schulbereich, Aktionstage/-wochen, „Events“, Medien

Diese vier Handlungsfelder überlappen einander teilweise. Ich meine: Alle Akteure sind aufgerufen, Hand in Hand zu arbeiten. Mein Motto: Sicherer Straßenverkehr gelingt gemeinsam.
Am Schluss des Berichts ist die Berliner Charta für die Verkehrssicherheit abgedruckt. Ein vorbildliches Dokument, das der Umsetzung harrt! Es wird getragen von einem breiten Bündnis. Dazu zählen neben Berliner Behörden auch namhafte freie Träger, wie etwa der ACE, ADAC, BUND, FUSS e.V., BVG, Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Sicherer Straßenverkehr gelingt gemeinsam.

Um etwas Erfreuliches zu zeigen: Das Foto zeigt unser Tandem, mit dem ich meinen Sohn täglich zur Kita bringe. Sicher. Gelassen. Fröhlich.

Das sind die 100 gefährlichsten Kreuzungen Berlins – BZ-Berlin.de

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Juli 162008
 

Es geht doch, der geballte Unmut aus hunderten von Elternherzen hat es bewirkt: Das leerstehende Gebäude der Rosegger-Grundschule wird nun aller Wahrscheinlichkeit nach ab 2009 eine neue evangelische Grundschule beherbergen. Das berichtet der Tagesspiegel heute:

„Nach langem Hin und Her hat das Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain am Dienstag entschieden, dass die Räume der einstigen Rosegger-Grundschule an der Bergmannstraße künftig die öffentliche Grundschule eines freien Trägers beherbergen sollen. Einziger Bewerber ist die Schulstiftung. Sie will eine evangelische Grundschule einrichten und hat nun beste Chancen. Bezirkspolitiker setzen große Hoffnungen in das Projekt. Es könne die Abwanderung bildungsnaher Familien aus Kreuzberg abbremsen, heißt es. Wie berichtet, wollen die Eltern ihre Kinder nicht in Schulen mit hohem Migrantenanteil schicken, wie sie in Kreuzberg die Regel sind. „Das Bezirksamt will für die neue freie Schule einen Erbbauvertrag aushandeln,“ sagt Schulstadträtin Monika Herrmann (Grüne).“

Neue Grundschule am Marheinekeplatz

Ich freue mich für die bildungsnahen Eltern, ich freue mich für meinen bildungsfernen Heimatbezirk Kreuzberg.

Wir selbst wandern nicht ab. Wir werden ab September unseren amtlich als „mit Migrationshintergrund“ eingestuften Sohn in eine multikulturelle staatliche Europaschule schicken. Wir bleiben.

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Sicherheit für Radfahrer erhöhen – Kultur der Aufmerksamkeit schaffen!

 Fahrrad  Kommentare deaktiviert für Sicherheit für Radfahrer erhöhen – Kultur der Aufmerksamkeit schaffen!
Juli 162008
 

Ein schlimmer Unfall ereignete sich am 14.07.2008 in Kreuzberg. Die Lenkerin eines Reisebusses übersah beim Abbiegen vom Tempelhofer Ufer nach rechts in die Möckernstraße die geradeaus fahrende Mountainbikerin Adriana S. Unsere besten Genesungswünsche müssen der lebensgefährlich verletzten Radlerin Adriana S. gelten, aber auch der Busfahrerin, die einen Schock erlitt und zusammenbrach. Die BZ druckte ein Foto von der Unfallstelle ab:

http://www.morgenpost.de/berlin/polizeibericht/article699354/Busfahrerin_fahrt_Radlerin_um_und_verletzt_sie_schwer.html

http://www.bz-berlin.de/BZ/berlin/2008/07/15/busfahrerin-ueberfahrt-radfahrerin/busfahrerin-ueberfahrt-radfahrerin.html

Laut BZ-Bericht haben sich erste Zeugen gemeldet, die angeben, die Radfahrerin sei auf dem Gehweg gefahren. Das Foto von der Unfallstelle in der BZ zeigt, dass der Bus vermutlich schon recht weit in die Möckernstraße eingebogen war, ehe er die Radlerin überfuhr. Ich halte es deshalb für wahrscheinlich, dass Adriana S. wie die Mehrheit der Radfahrer an dieser Stelle auf dem Gehweg fuhr und danach überrollt wurde.

Den genauen Unfallhergang kenne ich nicht. Da ich aber nur 100 Meter von der Unfallstelle entfernt wohne, kenne ich diese sehr gut. Ich fahre sie mehrmals wöchentlich mit dem Rad, gelegentlich auch mit dem Auto. An den beiden Straßen, dem Tempelhofer Ufer wie auch der Möckernstraße, gibt es für den rechtsabbiegenden Radverkehr keine Radverkehrsanlage, allerdings beginnt an der Möckernstraße in Gegenrichtung (Richtung Norden) ein dort einseitig angelegter baulicher Radweg. Für den Autofahrer ist diese Stelle sehr schwer im Auge zu behalten, da jederzeit in beiden Richtungen Radfahrer vom Gehweg auf die Fahrbahn kommen können. Einige Radfahrer – wie ich selbst – fahren auch vorschriftsmäßig auf der Fahrbahn, was die Situation zusätzlich verkompliziert.

Zulässige Höchstgeschwindigkeit an dieser Stelle: 50 km/h. Die Autofahrer fahren dort am Tempelhofer Ufer durchschnittlich etwa 70-80 km/h, manche auch noch schneller. Der Mindestabstand gegenüber den Radfahrern beim Überholen wird grundsätzlich nicht eingehalten. Ich habe dies durch das wirklich hundertfache Befahren per Rad und per Auto festgestellt und kann alle Interessierten nur auffordern, selbst einmal diese Strecke entlangzufahren. Die PKW fahren am Tempelhofer Ufer in einer Art, die den gesamten Radverkehr fast naturgesetzlich auf die Gehwege verdrängt.

Gehwegradler sind für LKW-Fahrer und PKW-Fahrer weit schwerer zu erkennen als Radler auf der Fahrbahn. Das Radeln auf den Gehwegen führt häufiger zu Zusammenstößen als das Fahren auf der Straße, gerade und vor allem beim Abbiegen, also dann, wenn ein Gehwegradler wieder auf die Straße rollt. Sehen und Gesehenwerden – dies gilt auch für den Radverkehr als eisernes Gebot.

Ich habe immer wieder festgestellt, dass die Mehrheit der Radfahrer an diesem Abschnitt auf dem Gehweg fährt, und zwar auf beiden Seiten des Tempelhofer Ufers in beiden Richtungen.

Wie kann man solche Unfälle verhindern? Die Forderungen sollte meines Erachtens lauten:

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) muss auf der Straße „Tempelhofer Ufer“ gegenüber den Autofahrern durch polizeiliche Kontrollen durchgesetzt werden. Die Autofahrer müssen erstens dahin gebracht werden, die Höchstgeschwindigkeit nicht dauernd zu überschreiten. Sie müssen zweitens veranlasst werden, den Radfahrern durch genügenden seitlichen Sicherheitsabstand ein ungefährdetes Vorwärtskommen zu ermöglichen.

Für den Radverkehr muss drittens am Tempelhofer Ufer eine Lösung geschaffen werden, die es verhindert, dass die Mehrheit der Radfahrer auf den Gehweg abgedrängt wird. Die Verkehrsflüsse müssen so gelenkt werden, dass es den Radfahrern möglich wird, die StVO einzuhalten, ohne sich selbst zu gefährden. Hierzu sollten die Interessenverbände, wie etwa der ADFC, gehört werden.

Viertens: Wir brauchen eine neue Achtsamkeit. Ständiges Aufmerken, Vorsicht und Bedachtsamkeit, diese Haltungen müssen buchstäblich gepredigt, eingeimpft, eingeübt und bestärkt werden. Denn:

Sicherer Straßenverkehr gelingt gemeinsam.

Heute kommentierte übrigens auch BZ-Chefreporter Schupelius diesen Unfall.

Schupelius-Kolumne – BZ-Berlin.de
Er erhebt Forderungen, wie sie laut dem heutigen Tagesspiegel auch die grüne Verkehrsexpertin Claudia Hämmerlin geäußert hat, nämlich eine grundsätzliche Anhaltepflicht beim Abbiegen. Schupelius schreibt heute:

„Ob jung oder alt, schnell oder langsam, Radfahrer haben gegen die abbiegenden Ungetüme keine Chance, weil die Fahrer sie nicht sehen. Und weil Radfahrer immer wieder auf genau diese Weise schwer verletzt werden oder ums Leben kommen, verstehe ich nicht, warum niemand auf Abhilfe sinnt. Wenn alle speziellen Spiegel an Lastern und Bussen nichts helfen, dann muss meiner Ansicht nach eine eiserne Regel her. Dann müssen Lkw- und Busfahrer verpflichtet werden, immer anzuhalten, bevor sie abbiegen. Wenn der Laster oder Bus erst einmal steht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er einen Radler unter sich zermalmt, ungleich kleiner, als wenn er mit Schwung um die Ecke fährt. Wir müssen jetzt handeln, bevor der nächste Radfahrer unter die Räder gerät.“

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Nummernschilder für Fahrräder? (2)

 Fahrrad  Kommentare deaktiviert für Nummernschilder für Fahrräder? (2)
Juli 142008
 

Im Kreuzberger „Nachbar-Blog“ Rad-Spannerei entspinnt sich eine Diskussion über den Beitrag von BZ-Chefreporter Schupelius (dieses Blog berichtete am 10.07.2008). Bemerkenswert ist folgende Zahl, die Blogger siggi beisteuert:

Das statistische Bundesamt vermeldet bei Radfahrern 3,9% Fahrerflüchtige, bei KFZ-Fahrern sind’s 5,6%.

Das Blog Rad-Spannerei empfehle ich allen, die sich für Fahrradbelange in unserem Bezirk einsetzen, aber auch zur Situation in Berlin überhaupt gibt es reichlich Anregungen.

Bestürzend: ein schwerer Abbiege-Unfall gestern früh am Tempelhofer Ufer. Leider einer der häufigsten Unfallabläufe, vielleicht sogar der häufigste Typ schwerer Unfälle überhaupt: Beim Abbiegen übersieht ein Fahrzeuglenker den geradeaus fahrenden Radfahrer. Für beide Beteiligten ein Albtraum. Ich wünsche den Opfern rasche Genesung!

Nummernschilder für Fahrräder? » Rad-Spannerei

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Soll ein Türke deutscher Bundespräsident werden? Die Presseschau

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Juli 142008
 

hurriyet14072008.jpg Die Hürriyet macht heute in ihrer Kioskausgabe mit einem Wunsch auf: Ein Türke kann ruhig auch einmal deutscher Bundespräsident werden! So übersetzt mir ein Zeitungshändler die Äußerungen des deutschen Botschafters in der Türkei, Dr. Eckart Cuntz. Ich gerate unversehens in eine Diskussion zwischen deutschen und türkischen Kunden: „Das wäre nicht recht, denn dann würde eine Minderheit über die Mehrheit bestimmen!“, sagt eine Deutsche. „Aber beim Einbürgerungstest konnten viele Deutsche die Fragen nicht richtig beantworten!“, erwidert ein Türke. „Oder wissen Sie, wer die deutsche Nationalhymne gedichtet hat?“ Der Türke schaut uns triumphierend an. Vielleicht will er sagen: Beweist erst einmal, dass ihr richtige Deutsche seid! Jetzt schalte ich mich ein – ich beweise, dass es doch zu etwas gut war, dass meine Eltern mich 13 Jahre zur Schule geschickt haben: „Hoffmann von Fallersleben, 1841 auf Helgoland dichtete er Einigkeit und Recht und Freiheit!“ Meine Wort fallen glasklar – ich fahre Punkte ein, der Türke nickt anerkennend: „Sie würden wahrscheinlich den Einbürgerungstest bestehen!“

Im Ernst: Soll ein Türke Bundespräsident werden? Ich meine: Jede und jeder kann deutsche Bundespräsidentin werden. Voraussetzungen: Sie oder er müsste das Wahlrecht zum deutschen Bundestag besitzen, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen – und mindestens 40 Jahre alt sein. So steht es im Grundgesetz. Dass sie oder er einer Minderheit angehört, dies kann kein Hinderungsgrund sein. Der sächsische Ministerpräsident etwa ist Sorbe, gehört selbst einer winzigen ethnischen Minderheit an. Die Türken sind viel mehr als die Sorben! Und gehörten bisher nicht alle Bundespräsidenten der einen oder anderen Minderheit an? Waren sie nicht alle Mitglieder einer politischen Partei? Damit gehörten sie zu einer verschwindenden Minderheit der Deutschen, nämlich zur politischen Machtelite. Wären sie ohne Parteizugehörigkeit gewählt worden? Nein. Die Zugehörigkeit zu einer Minderheit ist also kein Grund dagegen, zum Bundespräsidenten gewählt zu werden. Also: Wer mitmacht, wer sich um Chancen und Ämter bemüht und sich in Staat und Gesellschaft einbringt, dem stehen alle Ämter offen. Nur zu! Die Hürryiet hat recht!

In der heute der Süddeutschen Zeitung beigelegten New York Times beklagt Maggie Jackson auf S. 6 den Verlust an grundlegenden Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit: „By fragmenting and diffusing our powers of attention, we are undermining our capacity to thrive in a complex, ever-shifting world.“ Sie erhebt leidenschaftlich ihre Stimme für eine neue Kultur der Achtsamkeit und des Aufmerkens: „What’s needed is a renaissance of attention – a revaluing and cultivating of the art of attention, to help us achieve depth of thought and relations in this complex, high-tech time.“ Ich stimme zu! Das Erlernen eines Musikinstruments, sportliche Betätigung, Tanzen, Wanderungen in Wald und Wiese, jedes einfache Tun, mit Hingabe ausgeführt, diese so einfachen wie erprobten Mittel scheinen mir tauglich, um Erwachsene und Kinder wieder an diese unerlässlichen Fähigkeiten heranzuführen.

In der Berliner Zeitung berichtet Christian Esch heute auf Seite 8 aus seinem Alltag als Radfahrer in Moskau:

Dass Fahrradfahrer nicht ernst genommen werden, hat Vor- und Nachteile. Die Nachteile sind offensichtlich: Eine Gesellschaft, die schon ihre Fußgänger ständig auf lange Umwege und in dunkle Unterführungen zwingt, hat für die Rechte von Fahrradfahrern auch nichts übrig. Für die rücksichtslosen Autofahrer ist ein Radfahrer so etwas wie ein verirrter Fußgänger mit Sperrgepäck zwischen den Beinen. Radwege gibt es nicht, außer in Parks, wo Räder als Spielzeug hingehören.

Auch hier kann ich nur zustimmen: Ich fahre immer wieder nach Moskau – und Radfahrer habe ich dort fast nirgends gesehen. Dennoch spreche ich immer wieder mit Russen, die schon einmal ein Fahrrad in Aktion gesehen haben, z.B. bei Auslandsbesuchen, in Bilderbüchern oder bei Besuchen in der Provinz. Bitte durchhalten, Herr Esch! In Rom, Paris oder London ist es nur um ein weniges besser als in Moskau. Und: Freuen Sie sich auf Berlin!

Damit schließen wir die heutige Presseschau – im Gefühl der Genugtuung: Wir haben nur Meinungen gelesen und aufgegriffen, denen wir zustimmen konnten.

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Kita-Abschluss: ein fröhliches Fest

 Das Gute, Freude, Kinder, Schöneberg, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Kita-Abschluss: ein fröhliches Fest
Juli 132008
 

kita_abschluss.jpg Letzten Donnerstag: Fünf Kinder verlassen zum Ferienbeginn die Kita, darunter mein Sohn. Ein wehmütig-fröhlicher Abschied. Alle Kinder, alle Eltern werden eingeladen. Die Musik-Erzieherin bietet eine Abfolge an Darbietungen: Smetanas Moldau rauscht dahin, die Kinder setzen das Gehörte in Bewegungen und Bilder um. Und ich muss sagen: Es ergreift mich. Mir rieseln Schauer über den Rücken. Mein Sohn lässt sich auch nicht lumpen: Er stellt sich hin, fiedelt wacker auf seinem kleinen Viertel-Geiglein drauf los – Alle meine Entchen und Bruder Jakob ohne Stocken und ohne Lampenfieber, mit roten Bäckchen, wie ich sie sonst von ihm nicht kenne! Mutter- und Vaterstolz erblühen.

Anschließend an die Musik: Die fünf Schulkandidaten erweisen ihre Tauglichkeit fürs Schulleben durch das Aufsagen kleiner Gedichte und das Lesen des eigenen Namens. Jedes Kind hat schon etwas zu bieten und holt sich den verdienten Applaus ab. Eltern aus 6 Nationen, Kinder und Erzieher verzehren fröhlich die mitgebrachten Salate und Kuchen. Dann stelle ich mich auf ein Stühlchen, lasse eine Lobrede auf die Erzieherin unserer Kinder vom Stapel: „Über all die Wochen, all die Monate habe ich nur Gutes, Ermutigendes von Ihnen gehört. Alle Kinder haben Sie mit viel Liebe begleitet und die manchmal wackligen Schritte geführt. Die Schwierigkeiten und Klippen haben Sie mit Klugheit, Einfühlungsvermögen und auch der nötigen Festigkeit gelöst. Statt zu klagen haben Sie geschlichtet, erzogen, ermahnt, angefeuert und ermutigt. Mit Ihnen, dank Ihnen ist es unseren Kindern gut ergangen, und sie konnten wachsen. Jugend braucht Vorbilder, und da ich schon Vater bin, rechne ich mich zur reiferen Jugend, und deshalb sage ich: Sie sind mein persönliches Vorbild – mehr als alle Menschen, denen ich sonst begegne.“ Beifall!

Die Schöneberger Kita am Kleistpark hat aber auch wirklich Tolles erreicht: Sie haben bewusst Schwerpunkte gesetzt und gepflegt, sind jetzt eine „Musikbetonte Kita“. Sogar Bildungsministerin Schavan hat sie schon belobigt. Den Felix als „singende Kita“ haben sie auch abgeräumt. Die Eltern rennen der Kita mittlerweile die Türen ein. Nebenbei: Die meisten Kinder dort haben nicht Deutsch als Muttersprache. Ich halte die Kita am Kleistpark für vorbildlich und beispielsetzend. Wir werden unseren Sohn dennoch jetzt einschulen. Er ist reif. Hart für die Erzieher, sich immer wieder trennen zu müssen! Auch dafür haben sie unseren Dank verdient.

 Posted by at 22:23