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Gebt Biermann eine Bleibe in Friedrichshain-Kreuzberg!

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Juli 122008
 

Wolf Biermann will wieder nach Berlin ziehen. Es ist eine gute Nachricht, die die Berliner Zeitung heute auf S. 21 bringt. Warum? Wie kaum ein Zweiter passt Biermann hierher. Er hat immer wieder bewiesen, dass er sich keinen Pfifferling um das schert, was andere ihm weismachen wollen. Er ist einer jener witzigen, unerschrockenen Ost-West-Querköpfe, deren unser Land wenige hat und mehr braucht. In welchen Berliner Bezirk passt er am besten? Hier muss die Antwort glasklar ausfallen. Es gibt nur einen einzigen echten Ost-West-Querschnittsbezirk in Berlin. Es ist Friedrichshain-Kreuzberg.

Leider haben Biermann und seine Frau Pamela ihre Suche auf die nicht so geeigneten Bezirke konzentriert:

„Am liebsten wäre mir ein Haus, bei dem vorne die Elbe und hinten die Spree vorbeifließt.“ Bislang haben die Biermanns in Charlottenburg, Wilmersdorf und Mitte ein solches Haus gesucht. Schmargendorf wäre auch nicht schlecht, findet Frau Biermann.

Aber das ist noch nicht alles. Wir haben in einigen Regionen in Kreuzberg schon jetzt soviele Migranten wie andere große Städte sie erst in 30 oder 40 Jahren haben werden. Der PKW-Bestand je tausend Einwohner liegt schon jetzt weit unter dem Bundesdurchschnitt. Die Weichen für eine sanftere, nachhaltige Mobilität werden also jetzt gestellt. Eine neue bürgerliche Mitte mit vielen Akademikern, vielen Kindern hat sich zu den alteingesessenen Türken und Arabern und den waschechten Urberlinern gesellt. Noch leben diese Gruppen irgendwie nebeneinander her. Aber wir kommen zunehmend miteinander ins Gespräch. Großstadt gelingt gemeinsam. Sie kann Heimat sein. Dafür stehen Künstler wie Biermann. Er hat immer wieder Berliner Symbole besungen, vom preußischen Adler bis zur Berliner Mauer. Er ist in diesem Sinne ein Dichter, der Heimat schafft. Nirgendwo passt er besser hin als nach Friedrichshain-Kreuzberg.

Aber nicht nur die Bezirke, die Berliner Parteien werden sich jetzt natürlich auch die Finger ablecken nach diesem so politisch denkenden Ehrenbürger der Stadt Berlin. So ein Mann zieht natürlich. Leider hat er es sich auf seine bekannt unverblümte Art mit einigen Parteien schon verdorben. Schade, oder: macht nichts. Es gibt ja noch andere. Es lohnt sich, in der heutigen Berliner Zeitung nachzulesen, was er für drahtharfige Töne gegenüber den ehemaligen Parteien der Arbeiterbewegung gefunden hat. 2001 schrieb er zur SPD-PDS-Koalition:

„Aus meiner Sicht ist der eigentliche Skandal dabei: Die bankrotten sozialdemokratischen Apparatschiks halten den Erben der DDR-Nomenklatura den Steigbügel, weil sie selber um jeden Preis Hoppe-Hoppe-Reiter spielen wollen. In welcher irrationalen Not sind also solche Parteierotiker, dass sie bei ihrem perversen Machtspiel sich mit totalitären Verwesern ins Koalitionsbett legen müssen, also mit SED- und MfS-Kadern, die das kaum getrocknete Blut ihrer Opfer noch am Ärmel haben.“

Also, verehrter Wolf Biermann: Ziehen Sie doch bitte nach Friedrichshain-Kreuzberg. Wir haben ein herrlich grünes Bezirksamt, herrlich grüne Häuser am Wasser in Stralau. Ein echtes Paradies uff Erden. Sie können die rot-rote Koalition vergessen. Der Bezirk braucht Sie.

Wohnung gesucht – Berliner Zeitung

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BZ hat recht: Unterdurchschnittlich viele Fußgänger-Unfälle durch Radfahrer verursacht

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Juli 102008
 

BZ-Chefreporter Schupelius berichtet heute in der BZ aus der Statistik der Fußgänger-Unfälle. Erschreckend: Immer noch werden 90% der Unfälle, in die Fußgänger verwickelt sind, durch den motorisierten Fahrzeugverkehr verursacht, sehr oft mit schweren und schwersten Verletzungen.

Da der Fahrradverkehr in Berlin etwa 13% ausmacht, ergibt sich: Die Fahrradfahrer sind weniger an Fußgänger-Unfällen schuld, als ihrem Anteil am Gesamtverkehr entspricht.

Darüber hinaus werden die sehr schweren Verletzungen und die tödlichen Unfälle nahezu zu 100% durch den Kfz-Verkehr verursacht.

Dies gilt es zu beachten, ehe man wieder einmal über die „Rambo-Radler“ ablästert. Man sollte auch überlegen, wie es kommt, dass so viele Radler lieber auf den Gehweg ausweichen als die Fahrbahn zu benutzen. Viele Straßen sind für Radler noch nicht sicher genug. Die Autofahrer halten sich in der Mehrzahl nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit. Und sie ziehen beim Überholen meist viel zu nahe an den Radfahrern vorbei. 1 Meter und 50 Zentimeter sind als Mindestabstand vorgeschrieben. Ich habe mich sehr gefreut, als kürzlich in der Görlitzer Straße tatsächlich ein grün-weißes Fahrzeug diesen Abstand einhielt. Super, Klasse! Ich würde diesen Beamten, die das Polizeifahrzeug fuhren, gerne persönlich meinen Dank abstatten, so überrascht und erfreut war ich. Bitte meldet euch! Ich bin auch deswegen ein Freund der Polizei! Ich habe mich immer dagegen ausgesprochen, wenn Polizisten als „Bullen“ bezeichnet werden.

Ich selbst habe starke Nerven und halte mich deshalb als Radler und auch als Autofahrer fast immer an die Straßenverkehrsordnung. Aber ich kann es älteren und nervenschwächeren Radlern nicht verdenken, wenn sie dies nicht tun und die Straße konsequent meiden.

Die Radler fühlen sich oft zurecht verdrängt und suchen sich einen eigenen sicheren Weg.

Schupelius-Kolumne – BZ-Berlin.de

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Nummernschilder für Radfahrer?

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Juli 102008
 

Das Image von uns Radlern war eigentlich in der Berliner Presse nicht so schlecht. Ich konnte in den letzten Monaten kaum negative Berichterstattung über das Fehlverhalten der Radler feststellen.

Heute aber erschien in der BZ eine Glosse aus der Feder des aktiven Radfahrers und Chefredakteurs Schupelius “Mein gerechter Zorn”.

Lest hier die Glosse in der BZ von heute:

„Am 29. Juni wurde Günter J. (78) auf einem Gehweg in Weißensee von einem Mountainbike-Radler umgefahren. „Na, Opa, jeht’s wieder? sagte der Radfahrer und verschwand. Günter J. liegt mit einem Blutgerinsel im Gehirn immer noch im Krankenhaus. Es scheint, als würden immer mehr Fußgänger in Berlin Opfer brutaler Radfahrer. Die Statistik besagt, dass 2003 etwa 8 Prozent aller Fußgänger-Unfälle von Radfahrern verursacht wurden und dass es 2007 bereits 10 Prozent waren. Das ist auf den ersten Blick keine dramatische Steigerung. Sehr häufig werden Fußgänger von Radfahrern aber auf dem Gehweg angefahren. Und das schafft ein Gefühl der Bedrohung, zumal sogar in einem aktuellen internen Polizeibericht davon die Rede ist, das Rad-Rambos, wenn sie gestellt werden, „mit totalem Unverständnis und sehr emotional“ reagieren würden. Man könnte auch klarer sagen, dass sie brutal reagieren. Viele Leser berichten mir regelmäßig darüber. Eine Leserin schlug vor, für Fahrräder deshalb eine Kennzeichen-Pflicht einzuführen, damit man sie, wie Autofahrer, anzeigen kann. In der Schweiz gibt es eine solche „Velo-Vignette“, dort muss man sein Fahrrad haftpflichtversichern. Ich fände es bedauerlich, wenn unsere Fahrräder auf diese Weise mit Kennzeichen erfasst würden. Was für eine Bürokratie, was für ein Aufwand, was für eine Überwachung! Wenn damit aber gewaltbereite Radfahrer gebändigt werden können, weil sie Angst vor einer Strafverfolgung haben müssen, dann bin ich schweren Herzens dafür, dass wir die Velo-Vignette einführen, aus dem ganz einfachen Grunde, dass ich als Fußgänger in Sicherheit leben will.“

Schupelius-Kolumne – BZ-Berlin.de

Schupelius ist laut eigenem öffentlichem Bekunden selber Radfahrer, man kann ihm wahrlich keine Hetze gegen die Radler unterstellen. Gleichwohl zieht er die Plakettenpflicht für Radler in Erwägung.

Ich meine: Wir brauchen keine Plakette, sondern eine klare, präzise Kampagne mit einigen wenigen Themen, in positiv-fröhlicher Grundstimmung. Kein „Schwarzes-Peter-Weiterschieben“. Erst einmal vor der eigenen Tür kehren. Lust auf Fahrradfahren machen, positives Image des Radverkehrs herstellen. Regeltreue als selbstverständlich darstellen. Für partnerschaftliches Miteinander werben. Aktuellen Radverkehrs-Rückenwind nutzen! Am besten in Abstimmung mit der Polizei, dem ADAC, den Schulen und – den „größten Zeitungen Berlins“!

Sicherer Straßenverkehr gelingt gemeinsam.


 

 Posted by at 11:02
Juli 092008
 

Mitten in die Kandidatensuche für die nächste Bundestagswahl platzt den Parteien ein neuer Umfragerekord für Kanzlerin Merkel – der wievielte eigentlich? Forsa führte die Befragung für den Stern durch. Spiegel online berichtet darüber heute:

Angela Merkel im Allzeithoch: Die Kanzlerin erzielt bei den Deutschen in praktisch allen Bereichen überragende persönliche Werte. Bei einer Direktwahl zum Amt des Bundeskanzlers würde Merkel einen Kantersieg landen – völlig unabhängig vom Gegenkandidaten.

Aber: Erneut klafft ein riesiges Loch zwischen der Kanzlerin und ihrer Regierung bzw. Partei!

Mit der Arbeit der Kanzlerin zeigten sich laut der Umfrage mehr als zwei Drittel der Bürger zufrieden: 69 Prozent beurteilen ihre Arbeit als gut. Die Bundesregierung selbst schneidet weniger positiv ab; deren Arbeit wird nur von 36 Prozent als gut gewertet. Die CDU kommt auf 34 Prozent.

„Wissen Sie, welcher Partei Angela Merkel angehört?“ Bei einer Straßenbefragung vor einiger Zeit wussten einige Passanten dies nicht: „Merkel … die ist von der SPD, … oder doch von den Grünen?“

Umfragerekord: Merkel beliebt wie noch nie – Politik – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten

Gesamtbefund: Merkel gewinnt, CDU profitiert nicht entscheidend davon! Offenbar wird Kanzlerin Merkel in der Wählerschaft nicht als typisch für die CDU wahrgenommen. Sie selbst – bezeichnete sich noch im Jahr 2004 als „verschärfte Seiteneinsteigerin“.

Ich meine: Sie vereinigt erfolgreich Merkmale aus typischen Eigenschaften aller 5 wichtigen Parteien:

1) Sie spricht immer so, dass alle sie verstehen. Das kommt gut an bei Wählern ohne Abitur. Sie ist nicht abgehoben, vertritt kein elitäres Bewusstsein von „bürgerlicher Führungsschicht“. Ehemalige SPD-Stammwähler wollen das. Sie spricht sogar direkter, weniger verklausuliert als der mutmaßliche SPD-Kanzlerkandidat!

2) Sie wuchs in der DDR auf, ohne dort in echte Opposition zu gehen. Deshalb für die Mehrheit der ehemaligen DDR-Bürger gut wählbar. PDS- bzw. Linke-Wähler finden diesen Teil ihrer Biographie in der Kanzlerin wieder.

3) Sie setzt sich international erfolgreich für Umwelt- und Klimaschutz ein, erreicht Konsens gegen alle Erwartungen, übertrifft teilweise die Forderungen der Grünen noch. Die Grünen können ihr kaum am Zeug flicken. Merkel kämpfte 1995 für ein Tempolimit auf Autobahnen – und verlor den Kampf. Es war nicht durchzusetzen. Seither kämpft sie nur noch für erreichbare Ziele.

4) Sie vertritt immer wieder mal eine reformorientierte Position im Sinne des Leipziger Parteitags von 2003. Allerdings: Für FDP-Stammwähler ist sie damit kaum so stark und ansprechend, wie sie das früher mal war.

5) Ähnlich ihrer Partei, der CDU, vertritt sie eigentlich keine glasklar erkennbare „Parteilinie“. Eher gilt es, das zum gegebenen Zeitpunkt beste erreichbare Ziel im Konsens herbeizuführen. Dies gereicht in Zeiten, wo alte Partei-Profile zerbröckeln, wo Lager-Zugehörigkeiten sich lockern, zum Vorteil.

Was könnten die Parteien bei ihrer Kandidatenaufstellung für die nächste Bundestagswahl lernen?

1) Kommunikation so einrichten, dass alle alles oder doch fast alles verstehen können. Eine klare, nüchterne, einfache Sprache kommt gut an.

2) Kandidaten aufstellen, die für den jeweiligen Wahlkreis typisch sind, also möglichst viele Eigenschaften mitbringen, in denen sich die Wähler wiederfinden. In einen Wahlkreis mit „grüner“ oder „roter“ Stammwählerschaft sollte man also jemanden schicken, der selbst mindestens „grün“ oder „rot“ angehaucht ist – und umgekehrt.

3) Gegnerische Parteien stellen, auf deren eigenem Felde schlagen. Keine Partei macht alles richtig, man sollte sich ruhig ins gegnerische Lager wagen, deren Themen „abgraben“. Wie groß war bei den Gegnern die Empörung, als Ole von Beust plötzlich eine Verdoppelung des Radverkehrs forderte! „Ja, darf der denn das? Darf der uns die Themen klauen?“ Ich meine: Er darf, wir dürfen alle – denn wie heißt es doch so schön: „Prüfet alles, das Beste behaltet!“

4) Programmatische Kreuzungen heranziehen! In den nächsten Jahren werden zunehmend Politiker Erfolg haben, die eher wie eine Art Mischung aus verschiedenen Parteien daherkommen. Das kann ein Saab-turbo-fahrender Grüner sein – oder eine kreuzbrav-schöpfungsfreundlich radelnde CDU-Frau. Eine barfuß laufende FDP-Vertreterin in Latzhosen, oder ein Linker in schwarzem Anzug und Krawatte. Solange es stimmt, solange die Person sich nicht absichtlich maskiert – warum nicht? – Das Leben ist so bunt!

5) Lernbereitschaft, Offenheit dokumentieren. Die „alten Hasen“ sind weniger gefragt, derzeit kommen die „Seiteneinsteiger“ und „Querdenker“ besser an. Personen, die schon einen Teil der Berufskarriere hinter sich haben und nicht auf das politische Amt als Einkommensquelle angewiesen sind.

6) Der Wähler will das Gefühl haben: „Aha, da hört mir endlich jemand mal zu. Da kann jemand mal die Klappe halten, gut, das gefällt mir!“

In diesem Sinne … es bleibt spannend!

 Posted by at 15:35

Vertrauen säen statt Ängste schüren!

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Juli 092008
 

Unser Bild zeigt, frisch von der gestrigen Kita-Aufführung, eine gefährliche Biene und einen furchteinflößenden Stier. Den Stier Ferdinand. Na, wer sagt’s denn: Angst, Angst wohin das Auge reicht! Allerdings schelte ich die Medien nicht – denn die Medien bringen ja auch immer wieder in schöner Regelmäßigkeit Berichte, wonach ein großer Teil unserer Ängste unbegründet sind. Ein löbliches Geschäft! Die FAZ berichtet heute:

Fernsehen schürt Inflationsängste

Aber auch das Fernsehen ist einer neuen Studie zufolge mitverantwortlich für die aufgeflammten Ängste: Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich haben festgestellt, dass insbesondere das Fernsehen in Deutschland Inflationsängste vielfach über Gebühr schürt. Beim Wechsel von der D-Mark zum Euro-Bargeld sorgten zudem auch Zeitungen und Zeitschriften dafür, dass die neue Einheitswährung rasch ihren Ruf als „Teuro“ weghatte, berichten die Forscher.

Es wäre interessant, aus diesen und anderen unschätzbar wertvollen Berichten ein Paket für eine Vertrauenskampagne zu schnüren! Mein Motto:

Vertrauen säen statt Ängste schüren!

Sorgenstudie der GfK: Die neue deutsche Angst vor der Inflation – Wirtschaftspolitik – Wirtschaft – FAZ.NET

 Posted by at 13:22

Lasst euch nicht ins Bockshorn der Angst jagen!

 Angst, Märchengeiger, Theater  Kommentare deaktiviert für Lasst euch nicht ins Bockshorn der Angst jagen!
Juli 092008
 

Wir greifen unser altes Thema aus dem Winter wieder auf: Angst, und der Umgang mit ihr. Wovor habt ihr Leser Angst? Bitte ehrlich antworten! Vor Terroristen, vor BSE, vor Atomkraftwerken, vor der Partei Die Linke, vor steigenden Energiepreisen, vor den Deutschen, vor ausländischen Jugendlichen, vor dem Islam, vor christlichen Fundamentalisten, vor der Vogelgrippe, vor dem Finanzamt? Alles mit Nein beantwortet? Gratuliere – Sie sind wahrscheinlich weitgehend frei von irrationalen Ängsten!

Oder haben Sie Angst vor parfümiertem Lampenöl, vor der gemeinen Wintergrippe, vor Salmonellen, vor Kolivergiftungen, vor Verkehrsunfällen, vor Herz-Kreislauferkrankungen? Wenn Sie mit Ja antworten: Sie sind statistisch gesehen im Recht. Das Risiko, an einer der genannten Ursachen zu sterben, ist um ein mehrfaches Hundert höher als die zuvor genannte Risikofaktoren.

Im heutigen Tagesspiegel wartet der Soziologe Ortwin Renn mit bemerkenswerten Daten auf. Fast alle medial geschürten Ängste der letzten Jahre sind – nun zwar nicht völlig unbegründet, jedoch statistisch gesehen, und mit gesundem Menschenverstand erwogen, auf unglaubliche Weise aufgebauscht.

Herr Renn, Tschernobyl, Vogelgrippe, BSE – die Deutschen werden regelmäßig von Ängsten heimgesucht. Was hat es damit auf sich?

Bei vielen dieser Ängste gibt es Grundlagen, die nicht völlig idiotisch sind und über die man sich zu Recht sorgt. Andererseits sind die Reaktionen häufig übertrieben gewesen. Bei der Asian Flu (Vogelgrippe, Anm. d. Red.) haben Soldaten in Gasmasken und weißen Anzügen Schrecken unter der Bevölkerung hervorgerufen, obwohl eigentlich so gut wie nichts passiert war. Nur wenige Katzen und Vögel waren gestorben.

Währenddessen hat die größte Pandemie, die wir hatten, die Spanische Grippe vor dem Ersten Weltkrieg, immerhin dreißig Millionen Menschen umgebracht – damit ist dann auch nicht zu spaßen.

Wie war das bei BSE?

Der Schaden war insgesamt ausgesprochen gering und das ganze wurde völlig überbewertet. Wir haben in den letzten dreißig Jahren hochgerechnet etwa 180 BSE-Todesfälle unter den 300 Millionen Europäern gehabt. Im selben Zeitraum starben 136.000 an Salmonellenvergiftung, 12.000 an Kolivergiftungen. Noch ein Vergleich: Ungefähr die gleiche Zahl ist am Trinken von parfümiertem Lampenöl gestorben.

„Brennende Kühe zerstörten die Idylle“

Wie muss die Antwort auf die immer wieder anrollenden Angstkampagnen lauten? Erstens: Aufklärung. Die echten Gefahren lauern ganz woanders als die Angstmacher uns weismachen wollen. Dies lässt sich durch hartes Zahlenmaterial untermauern. Zweitens: Ursachen der echten Gefahren bekämpfen. Warnhinweise beachten, Vorsicht walten lassen, Sicherheitsvorschriften einhalten.

Gerade im Straßenverkehr kann jeder durch umsichtiges, vorsichtiges und regeltreues Verhalten sehr viel bewirken. Dem extrem hohen Risiko von Herz-Kreislauf-Erkankungen kann man durch tägliche ausreichende Bewegung, etwa durch das Fahrradfahren, und gesundes Essen wirkungsvoll vorbeugen.

Drittens: Vertrauen säen. Vertrauen in dich selbst, in den Nächsten, in das große Ganze, in das wir hineingestellt sind. Jeder Tag kann Neues, Schönes bringen. So habe ich zum Beispiel gestern in der Kita am Kleistpark eine schöne Aufführung von „Ferdinand der Stier“ gesehen. Bild steht oben, Bericht folgt!

Mein persönlicher Vierfach-Angst-Blocker:

Lasst euch nicht ins Bockshorn jagen. Esst mehr Äpfel. Fahrt mehr Fahrrad. Geht ins Kindertheater.

 Posted by at 11:51

Zimmer fällt durch, Ströbele wartet

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Juli 072008
 

Dem heutigen Tagesspiegel gebührt Dank, dass er die sonst vernachlässigten parteiinternen Nominierungen zur Bundestagswahl beleuchtet.

Zimmer fällt durch, Ströbele wartet

Denn die Benennungen der Kandidaten sind im Grunde viel spannender als die Wahlsonntage. Bis zu drei Viertel aller Bundestagssitze werden bereits über die parteiinternen Nominierungen mit statistischer Sicherheit vergeben, es sei denn, die Wähler entschieden sich am Wahltag zu erdrutschartigen Umschichtungen. Dann ist es nur die Hälfte der Bundestagssitze, die schon viele Monate vor der Bundestagswahl 2009 eigentlich vergeben ist. De facto haben wir nämlich ein Parteienmonopol auf die Vergabe der Bundestagssitze. Das Grundgesetz schreibt dies nicht vor.

Nirgendwo sonst als bei den Nominierungen haben die Parteimitglieder so viel Macht über die politische Zukunft unseres Landes. Und sie lassen sich erfahrungsgemäß da auch nicht in die Suppe spucken.

Ströbele hält sich bedeckt, sagt noch nicht, was er will. Ein kluger Schachzug! Er ist gesetzt, die anderen Parteien können nicht in aller Seelenruhe einen auf ihn passenden Gegenkandidaten aufbauen. Sie können derzeit auch seinen potentiellen Nachfolger bei den Grünen nicht angreifen. Mit jedem Fernsehinterview, das er gibt und bei dem er seinen roten Schal unabhängig von der Wetterlage in die Kamera hält, verstärkt er sein Image – Bekanntheit wird zum Selbstläufer: Ströbele ist unabhängig von der Großwetterlage! In den letzten Tagen hat er ja die grünen Bezirkspolitiker in seinem Wahlkreis mehrfach kritisiert – und auch das wird ihm letztlich zugute kommen. Er ist erkennbar, er hat Kante. Die Wähler wollen das.

 Posted by at 21:57

Riccardo Zipoli lehrt uns einen neuen Blick auf das Eigene

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Juli 062008
 

freundschaftsinsel11062008003.jpg Riccardi Zipoli, der italienische Iranist und Photograph, hat eine neue Galerie mit Fotos aus Potsdam ins Netz gestellt:

Riccardo Zipoli Photographer

Die Fotos lösen Erinnerungen in mir aus. Ich durfte vor einigen Wochen als erster Deutscher überhaupt einige Gaselen des Dichters Bidel (Mawlānā Abul Ma’āni Abdul Qader Bedil) ins Deutsche übertragen und der deutschen Leserschaft vorstellen. Riccardo Zipoli hatte diese Verse des indischen Dichters erstmals ins Italienische übertragen, ich übertrug sie ins Deutsche. Die Übersetzung erblickte auf der Freundschaftsinsel Potsdam das Licht der Welt, bei der Eröffnung einer Fotoausstellung mit Riccardo Zipoli.

Bidel lebte von 1642-1720. Er wirkte in Indien und schrieb in Persisch, der höchst entwickelten Sprache der Poesie und der Hochkultur, die weit über die Grenzen des Irans hinaus ausstrahlte.

Zahlreiche Motive, mit denen Bidel spielt, finden sich auch in den Dichtungen der Europäer – so etwa das Motiv der Rose. Die Rose verkörpert unsäglichen Reiz, Schweigen unter so vielen Augenlidern. Eine der vielen Entlehnungen, die der Westen aus der orientalischen Poesie übernommen hat, neben zahlreichen formalen Abhängigkeiten. So entstammt etwa das Prinzip des Reims nicht der griechisch-römischen Antike, sondern den orientalischen Hochkulturen.

Hier zwei Gaselen des Bidel, durch Zipoli aus dem Persischen ins Italienische übersetzt, und von mir aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt:

Der sinnlose Anblick dieses Daseins verlangt keine Bekräftigung,

wenn du eine gespiegelte Rose betrachtest, rieche nicht den Spiegel.


Wie Rosenduft hat meine Welt alle Hüllen verloren,

all die Luft, die mich umgibt, ist Spiegel meinem Bilde.

Die Bilder des Ricardo Zipoli verströmen auch im Internet eine Art meditativen Sog. Ich empfehle sie – vor oder nach dem Lesen orientalischer Dichter.

Diese Fotos zeigen uns Vertrautes – etwa Berlin oder Potsdam – mit den Augen eines Fremden. Sie erheben flüchtige Augenblicke zu Spiegelungen des Statischen. Der Fremde wird zum Freund, wenn er uns erlaubt, das, was er gesehen hat, nachzuvollziehen. Dieser Blickwechsel ist es, den Bidel immer wieder vollzogen hat – seine Spiegel-Gaselen legen Zeugnis davon ab. Und so spiegelt 5 Jahrhunderte später Zipoli dann in seinen Fotos aus Venedig oder Potsdam genaus dieses Hin- und Herschwingen zwischen Eigenem und Fremdem wider.
Das Foto hier oben zeigt Rosen auf der Freundschaftsinsel Postsdam, aufgenommen von mir am 11.06.2008.

 Posted by at 01:06
Juli 032008
 

Und wieder mal ein schwarzseherischer Artikel über meine Heimat, diesmal im Tagesspiegel.  Genau über den Teil, wo ich wohne. Lesenswerter Artikel, der zeigt, wie leicht sich Vorurteile aufbauen und bedienen lassen.

Na, ich selber lebe jedenfalls mit meiner deutsch-ausländischen-ach-so-migrantischen  Familie sehr gern in Kreuzberg, dort, wo es laut Tagesspiegel so zappenduster ist. Unser Kontakt zu den Deutschen ist sehr gut! Zu den anderen Nationalitäten auch. Die Kinder kommen prima miteinander zurecht, sie singen miteinander, machen Quatsch, besuchen einander.

Wir stehen in der Verantwortung, dass dies so bleibt. Kommt doch, all ihr Schwarzmaler und Nebelkrähen, trinkt einen Tee beim Araber mit uns, ihr werdet von uns nicht gefressen.

“Mit Deutschen keinen Kontakt“

 Posted by at 09:58

Kreuzberg bleibt überregional interessant

 Brennpunktschule, Friedrichshain-Kreuzberg, Gute Grundschulen, Kinder  Kommentare deaktiviert für Kreuzberg bleibt überregional interessant
Juli 022008
 

Auch die überregionale Presse berichtet weiterhin über das, was in unserem heimatlichen Kreuzberg vor sich geht.  Lest diesen Artikel in der Welt, vergleicht ihn mit dem, was ich selbst am 27.06. berichtet habe. Macht euch ein Bild!

Wo in Kreuzberg die Toleranz aufhört – DIE WELT – WELT ONLINE

Auffallend: Auch hier bemängelt der Verfasser, dass die so heftig gescholtenen Bezirkspolitiker nicht zu Worte kamen.-

 Posted by at 14:37
Juli 022008
 

Keine Überraschungen bringt die neueste Umfrage des Stern nach der Bekanntheit deutscher Politiker. Merkel führt einsam, aus den in diesem Blog mehrfach erörterten Gründen. Der Außenminister liegt unter den Ministerkollegen vorne. Das galt auch schon für seine Amtsvorgänger, gleich welcher Partei. Ratschlag: Wer den Beruf „beliebter Politiker“ ergreifen will, der sollte Außenminister werden. Dann kommt Ursula von der Leyen, deren Kommunikationsstil – stets konstruktiv, stets nach vorne gerichtet – ich für vorbildlich halte. Gleiches gilt für Schäuble. Bei diesen beiden spielt das Ressort kaum eine Rolle, denn das Familienministerium war doch früher eher das Aschenputtel. Es sind wohl die Persönlichkeiten, die hier zählen. Und die Fähigkeit, politische Inhalte so zu kommunizieren, dass eine Mehrheit der Wähler sich darin wiedererkennt.

Was mich wundert bei dem Bericht des Spiegel über den Bericht des Stern, ist folgende Wendung:

Merkels Union ist auch in der wöchentlichen „Stern“-Wahlumfrage vorn. Die CDU/CSU kommt auf 35 Prozent (minus ein Punkt). Die FDP hat mit 14 Prozent erneut ihr Jahreshoch erreicht. Für das bürgerliche Lager aus Union und FDP votieren somit 49 Prozent der Wähler.

Mir sticht diese Wendung „bürgerliches Lager“ immer wieder ins Auge. Trifft sie noch zu? Wir haben hier in Friedrichshain-Kreuzberg eine neue bürgerliche Mitte aus gutverdienenden Akademikern. Sie wählen mit absoluter Mehrheit die Grünen! Die CDU und die FDP machen kaum einen Stich bei ihnen. Und Angela Merkel oder von der Leyen haben sich erfolgreich vom Klischee „bürgerliches Lager, bürgerliche Partei“ abgesetzt! Sie haben sich eindeutig vom alten Block- und Lagerdenken verabschiedet. Sie haben die veraltete Farbenlehre der Politik kräftig aufgemischt. Folge: Auch die Wähler anderer Parteien finden sie … „klasse“. Obwohl das alte Klassendenken ja ebenfalls nicht mehr trägt.

Ich meine: Staatsbürger sind wir alle! Wir sind alle Bürger. Es gibt nicht mehr die ständische Aufteilung in König, Adlige, Bürger, Bauern, Bettelleute. Wollt Ihr noch einen Beweis? Hier ist er: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, eine Adlige reinsten Geblütes, stimmte in der Bundesversammlung für die Vertreterin der SPD, der alten Arbeiterklasse, für Gesine Schwan. Aber Schwan selbst ist auch keine Arbeiterin, sondern Professorin – also was … Bürgerin?

Ist also die SPD die bürgerliche Partei? Sind es die Grünen, die neue Partei der Besserverdienenden? Sind es die Linken mit ihren gut gefüllten Parteikassen und ihren strebsamen Wählern? Wer soll das noch verstehen? Alles geht da durcheinander, o tempora, o mores!

Ich meine: Traditionelle bürgerliche Tugenden wie Verantwortung für das eigene Umfeld, eine gewisse Hochschätzung der Arbeit, Fleiß, Streben nach wirtschaftlichem Erfolg – solche Eigenschaften findet man in allen Parteien. Sie sind noch keine politische Aussage. Der Wettbewerb zwischen den Parteien ist mit solchen allgemein menschlichen Tugenden nicht zu gewinnen.

Die Einteilung der Parteien in „bürgerliche“ und „linke“ Parteien ist windgebeutelt und löchrig. Man sollte ganz auf sie ganz verzichten.

Merkels Kabinett: Deutsche stellen Großer Koalition schlechtes Arbeitszeugnis aus – Politik – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten

 Posted by at 12:00

Kandidatenaufstellung: Eine siegreiche Partei häutet sich nicht

 Bundestagswahlen, Horst Köhler  Kommentare deaktiviert für Kandidatenaufstellung: Eine siegreiche Partei häutet sich nicht
Juli 022008
 

Oswald Metzger hat es nicht geschafft: Die CDU-Basis im ländlichen oberschwäbischen Wahlkreis 292 wollte den republikweit bekannten Haushaltsexperten, der mehrfach die Partei gewechselt hat, nicht als Direktkandidaten aufstellen. Sie wählte den bisher in Deutschland unbekannten Josef Rief, also „einen von uns“. Es lohnt sich den Artikel in Spiegel online nachzulesen!

Bundestags-Aus: Metzger scheitert an konservativer CDU-Basis – Politik – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten

Wie ist dies zu deuten? Ich glaube, ein ganz entscheidender Hinweis ist in den bisherigen Wahlergebnissen zu suchen: Die CDU besitzt diesen Wahlkreis unangefochten, sie fährt dort satte Mehrheiten ein. Sie war 2005 sowohl bei Erst- wie bei Zweitstimmen stärkste Partei mit ca. 15% Abstand auf die SPD! Wieso sollte sie da ein Risiko eingehen? Es gab keinen Grund, einen unbequemen Warner und Mahner wie Metzger in diesen Wahlkreis zu holen. Und ich vermute auch, dass die über Jahrzehnte hinweg gewachsene Bindung zwischen Partei und Wähler dort im Oberschwäbischen noch besteht. Ich kenne doch die Schwaben, auch in Augsburg zum Beispiel war es ein Argument: „Der Gribl kommt von hier“. Man wählt einfach die Partei, der man sich irgendwie verbunden weiß. Ganz entscheidend ist dabei der „Stallgeruch“. Nur wer über viele Jahre hinweg seine fraglose Zugehörigkeit zur Partei bewiesen hat, wer ein osmotisches Verhältnis zu Orts- und Kreisverbänden aufgebaut hat, wird es auf die vorderen Listenplätze oder auf den Platz des Direktkandidaten schaffen. Jedenfalls in den Hochburgen der Parteien. All das fehlte Metzger.
Nein, nur nach einer satten Wahlschlappe werden die Parteien auf die Suche nach neuen geeigneten Kandidaten gehen. Nur dort, wo die Stammwähler wegbrechen oder sich nicht mobilisieren lassen, wo eine frühere Volkspartei das Volk verliert und in den einstelligen Bereich abrutscht, gilt geradezu zwingend das Gebot: Sucht neue Wege, geht Wagnisse ein, öffnet euch! Die Stammtruppe der Partei vermag nicht in breite Wählerschichten hinein zu wirken. Dann wird das Gründe haben, die in der Partei selbst zu suchen sind. Also muss man die breiten Wählerschichten symbolisch in die Partei hinein holen. Tut man das nicht, so gibt man den Anspruch auf Mehrheiten von vornherein auf.

Gut war das Verfahren in Oberschwaben: Offener Ausgang, faire Befragung aller Kandidaten, nicht abgesprochene Abstimmung. Metzger hat seine Niederlage sofort eingestanden. Er hat das Verfahren gelobt. Auch das spricht für ihn. Nicht alle Politiker bringen diese Größe auf.

Und habt Ihr noch Zeit zu lesen? Dann empfehle ich Euch: Hans Herbert von Arnim, Die Deutschlandakte, C. Bertelsmann Verlag 2008. Unter dem Kapitel „Wahl von Abgeordneten: Inszenierter Schein“ zerreißt der Verfassungsrechtler das gängige Auswahlverfahren bei Bundestags- und Europawahlen als hinterhältige Wählertäuschung:

„Die politische Klasse hat unser Wahlsystem in eigener Sache derart pervertiert, dass die Abgeordneten gar nicht mehr vom Volk gewählt werden, wie es das Grundgesetz verlangt. Wen die Parteien auf sichere Plätze setzen – und das ist oft die große Mehrheit der Abgeordneten -, der ist lange vor der Wahl praktisch schon „gewählt“, bloß eben nicht von den Bürgern“ (S. 42).

Ich meine: Von Arnim hat in vielem recht, wenn er auch manchmal allzu einseitig formuliert und dann übers Ziel hinausschießt. Zum Beispiel kann er nicht erklären, warum es doch immer wieder „Quereinsteiger“ schaffen, die sich nicht mühsam über die Ochsentour hochgedient haben, wie etwa die jetzige Bundeskanzlerin und der jetzige Bundespräsident, ein ausgewiesener Systemkritiker. Das „System“ ist vielleicht nicht ganz so schlecht, wie von Arnim oder Horst Köhler behaupten.

Schlussfolgerung auf kurze Sicht: Um etwas zu verändern, muss man in die Parteien reingehen, sich in die Kandidatenauswahl einmischen, die Stimme erheben. Man könnte an Zwischenformen denken, wie in den USA: Man muss dort nicht gleich Parteimitglied sein, um bei der Kandidatenwahl mitzustimmen. Das ist viel spannender als am Wahlsonntag irgendwo sein Kreuzchen abzuliefern. Und genau so eine spannende Auseinandersetzung ist gestern in Biberach geschehen. Die Delegierten haben entschieden, das Wahlvolk wird zu erwägen haben, ob diese wichtige Vorauswahl ankommt oder nicht.

Metzger wäre wohl besser beraten gewesen, bei einem großstädtischen Kreisverband mit schlechten Wahlergebnissen anzuklopfen. Es gibt ja großstädtische Wahlkreise, in denen sich die CDU neu aufstellen muss. Dort hätte er – so meine ich – sehr gute Chancen gehabt. Aber das wollte er nicht. Wahrscheinlich ist er dazu doch zu sehr, mit Feuer und Flamme, das, was er ist, ein Oberschwabe.

 Posted by at 08:27

Kaczyński: Polen braucht die Reevangelisierung!

 Entkernung, Polen  Kommentare deaktiviert für Kaczyński: Polen braucht die Reevangelisierung!
Juli 012008
 

Als echte Goldmine erweist sich der polnische Dziennik! Wenige Stunden ehe Präsident Kaczyński den Lissaboner Vertrag für tot erklärte, verlangte er in dieser Zeitung eine Reevangelisierung Polens! Überall herrsche Nihilismus, die Kirche sei ungebührlich zurückgedrängt worden. Die Werte der katholischen Kirche seien fundamental in Polen, dies müssten auch die Ungläubigen, deren es in Polen einige gebe, anerkennen. Dies Übergreifen des Nihilismus gelte es jetzt rückgängig zu machen. Aha, das wussten wir bisher nicht. So ergibt sich ein vollständigeres Bild! Der Präsident meint, Polen müsse als Bollwerk gegen den Nihilismus ausgebaut werden, der seit den 70er Jahren über Polen hereingeschwappt sei. Bei diesem Unterfangen – so steht zu vermuten – können Verträge wie der von Lissabon nur hinderlich sein.

Lies den ganzen Artikel:

Dziennik – Polityka – Kaczyński: Polska potrzebuje reewangelizacji

 Posted by at 14:46