Müssen immer die Frauen alles ausmisten?

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Okt. 212008
 

Sind Frauen besser im gemeinsamen Handeln, im guten Kommunizieren? Aber schlechter als wir Männer im Erringen von Macht, im Festklammern an Macht?  So fragten wir gestern in diesem Blog. Ich sage: Schaut euch um in den Familien, in den Parteien! Gerade die Boulevard-Presse spielt sehr gerne mit solchen Stereotypen. Hat die Boulevard-Presse da immer unrecht? Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, wir Männer können von den Frauen einiges abkucken. Frauen sind ja so gutmütig, sie lassen meist bereitwillig abschreiben. In der Schule wie in der Politik. Wie in den besten Familien.  Heute lesen wir so im Berliner Kurier:

Saustall CDU

Jetzt sollen ihn zwei Frauen ausmisten

Eine Quereinsteigerin und zwei Rebellen wollen die quälenden Intrigen in der […] CDU ersticken und die Union fit fürs Superwahljahr 2009 machen.

[…]  neue Hoffnungsträgerin des zerstrittenen Landesverbandes. Als Nachfolgerin des glücklosen Landeschefs […] soll die bisherige Vizechefin ihre Partei aus dem Jammertal holen. […]

E-Mail-Affäre, endlose Personalquerelen, Intrigen: „Die Partei ist seit Jahren gespalten“ […]  „Statt Sachfragen wurden nur noch Personalfragen diskutiert.“

Die alte Herrenriege hat ausgedient, auch der gescheiterte Generalsekretär […] dankt ab. Dafür […] zwei CDU-Rebellen an ihre Seite […] beide kurz vor den Kommunalwahlen schonungslos attackiert, ihm Führungsschwäche vorgeworfen und einen radikalen Neuanfang eingefordert. Der Mut wird belohnt, nun dürfen sie mit anpacken. „Wir müssen jetzt nach vorne schauen“ […]  Landtags- und Bundestagswahl – ein knappes Jahr bleibt, die ramponierte CDU flott zu machen.

 

Saustall CDU – Berlin – Berliner Kurier

Ihr seht: Wenn man die Namen (die Namen der männlichen Politiker interessieren hier nicht, da dies ein beleidigungsfreies Blog ist) weglässt, erkennt man ein Grundmuster: Die Männer allein können es einfach nicht. Die Frauen müssen den Augiasstall ausmisten. Ich glaube, so ein Grundmuster ist durchaus in unserer Wahrnehmung angelegt. Ich glaube grundsätzlich, dass Parteien, in denen ein „weiblicher“ und „männlicher“ Führungsstil im harmonischen Ausgleich stehen, letztlich glücklicher sind als reine Männerbündnisse.

Reine Frauenpartei? Kann es so etwas geben? Theoretisch ja. Ich vermute aber, dass die meisten Frauen einfach weniger an politischer Macht als Selbstzweck interessiert sind und dass deshalb kein ausreichendes Interesse an einer reinen Frauenpartei bestehen würde.

Interessant ist jedenfalls, dass die derzeit mitgliederstärkste deutsche Partei unter Führung einer Frau steht. Das halte ich für keinen Zufall.

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Hassübung

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März 282008
 

„Wie machst du das?“, fragte heute vormittag ein Vereinskamerad beim Pilates-Training im Fitnessstudio die Trainerin Julia, als diese ihren wohlgeformten Oberkörper wie in einem Scharnier bewegt auf den gestreckten Knien ablegte. „Das ist meine absolute Hassübung. Ich schaffe das einfach nicht.“ Ich schalte mich ein: „Mein Tipp: Werde als Frau geboren … die sind einfach gelenkiger!“ Julia stimmt zu, verweist auf ihr tägliches, jahrelanges Training als Turnerin und Tänzerin. Mir gehen noch ein paar Gedanken im Kopf herum, über die ich nachher auch mit dem Klagenden spreche. Warum „Hass-Übung“? Warum hassen wir das, was wir nicht schaffen, was sich uns entzieht? „Warum soll ich mein Spielzeug aufräumen – ich HASSE das!“ So reden schon die Kinder in der Kita heute. Das habe ich selbst öfters gehört. Sehr oft, sehr schnell sind gerade junge Menschen heute mit diesem Wort Hass zur Stelle. Ein weiteres Beispiel – diesmal von einem anderen Kaliber! Ich entnehme es der Tagesspiegel-Rezension des aktuellen Dokumentarfilms „Deutschstunde“, der den Deutschunterricht in einem Kreuzberger Gymnasium beschreibt:

Aber das Sprachproblem allein ist es ja nicht. Fatima etwa spricht ausgezeichnet Deutsch und hat inzwischen ihr Abitur in der Tasche. Sie ist eine Hauptprotagonistin im Film. Sie lebt für ihren Glauben und besucht Hamas-Solidaritätskundgebungen. An ihrer radikalen Einstellung lässt Fatima zumindest keinen Zweifel. „Ich habe einen Hass entwickelt“, sagt sie in dem Film und meint damit vor allem den Hass auf die USA.

Wie kann man mit solchen Arten des Hasses umgehen? Im leichter zu lösenden Falle der Pilates-Hass-Übung erreichten wir heute in der Nachbesprechung der Trainingsstunde folgende Antwort: „Betrachte doch deinen Körper mit seinen Schwächen nicht als deinen Feind, den es zu besiegen oder zu hassen gilt. Hass ist keine Antwort. Fordere nicht alles auf einmal, nimm dir weniger vor, gehe an die Grenzen deiner Beweglichkeit, aber quäle dich nicht.“

Ich würde ergänzen: Hass ist zwar manchmal eine verständliche Reaktion, aber keine weiterführende Antwort. Er dient niemandem. Hass darf zwischen Personen – aber auch in der Person selbst – nicht das letzte Wort sein. Beim politisch oder ideologisch motivierten Hass wird die Bewältigung schwieriger. Wahrscheinlich um so schwieriger, je weiter entfernt oder unbekannter der Gegenstand des Hasses ist. Da es dann keine Möglichkeiten der direkten Erfahrung mit dem Gehassten gibt, fehlt die Korrekturmöglichkeit.

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Feb. 132008
 

… bringt heute einige hübsche Einsichten und Auskünfte zutage: über eine gute Ehe, über den Zwiespalt von öffentlich und privat – eine gelungene Fortführung unseres Zitats aus der Autobiographie der Rossanda (wir berichteten vor zwei Tagen). Wir lesen das Interview einer italienisch-französischen Sängerin aus dem aktuellen Express, in dem sie über ihren Ehemann berichtet:

Il ne correspond pas à l’image que vous aviez de lui avant de le connaître?
Je ne me faisais pas vraiment une idée précise de lui en tant qu’homme. Je pressentais simplement une forme de courage et d’énergie. J’ai découvert sa souplesse d’esprit, qui vient peut-être du fait qu’il est sûr de son identité, de ses valeurs. C’est pourquoi il est capable de changer d’avis. Moins on sait qui on est, plus on est dogmatique et sectaire. (Hervorhebung durch dieses Blog).

„Ich habe herausgefunden, dass er innerlich weich ist, wahrscheinlich, weil er sich über seine Identität, über seine Werte im klaren ist. Deshalb hat er die Fähigkeit, seine Meinung zu ändern. Je weniger man weiß, wer man ist, desto dogmatischer und sektiererischer ist man„.

Ich finde, das ist trefflich gesagt – nein – es ist gesungen!

 Posted by at 22:16