Fernstenliebe oder Nächstenliebe – wofür entscheidet ihr euch?

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Aug. 302011
 

Lieber noch rate ich euch zur Nächstenflucht und zur Fernstenliebe„, so der selbsternannte große Antichrist des 19. Jahrhunderts, Friedrich Nietzsche, in seinem Also sprach Zarathustra. Fernstenliebe statt Nächstenliebe – ein schönes Wort! Gemeint ist: zur Erreichung des Ideals, des richtigen Menschen, des Übermenschen, müssen Opfer im Hier und Jetzt gebracht werden.

„Wir Grünen sind die Partei des Rocks, nicht des Hemdes“ – so einmal treffend der frischgebackene Ministerpräsident des Ländle in Anspielung auf das Sprichwort: „Das Hemd sitzt näher als der Rock.“ Ein klares Bekenntnis zum Ideal der Fernstenliebe!

Daran musste ich gestern bei der feierlichen Einweihung der May-Ayim-Gedenktafel wieder denken: Ich erlebte eine grandiose Solidarität mit den Opfern von Kolonialismus und Rassismus, begonnen bei der schändlichen Berliner Afrika-Konferenz 1884. 1884 hieß konsequenterweise auch die Band, die aufspielte. Der Fixpunkt des Gedenkens ist die Opfer-Erfahrung, die Solidarität gilt den Fernsten. Die heute lebenden Schwarzen in Deutschland werden in die endlose Opfer-Erfahrung eingereiht. Kolonialismus und Rassismus werden als definierendes Moment für das Schwarzsein in alle Ewigkeit festgeschrieben.

Genau das tun auch viele Schwarze in den USA – über Jahrhunderte hinweg: „Wir sind alle Opfer der Weißen, denn wir wurden gewaltsam nach Amerika verschleppt!“ Die Black Panther etwa reden so. Der Opferstatus hat sich verfestigt. Rassistisches Denken wird als identitätsstiftend für Opfer übernommen.

Dass May Ayim von eigenem Vater und eigener Mutter verraten und verlassen wurde, spielte gestern überhaupt keine Rolle. Dabei ist es offenkundig: Wenn sie eine liebende Mutter, einen liebenden Vater statt prügelnder Ersatzeltern gehabt hätte, wäre sie niemals so unglücklich geworden. Sie wäre kein OPFER des RASSISMUS geworden.

Hätten alle Kinder liebende Eltern, gäbe es die meisten sozialen Probleme nicht.

Identität in der Fernstenliebe entsteht also aus der Identifikation mit weit entfernten Opfererfahrungen. Das Fernste prägt das politische Handeln entscheidend mit. Früher waren es die Sandinistas in Nicaragua oder die Vietkong, die Opfer des „US-amerikanischen Imperialismus“, mit denen man sich in identifizierte. Heute sind es die durch Otto Friedrich von der Gröben ab 1683 aus dem heutigen Ghana verschleppten und verkauften Negersklaven und deren Nachkommen.

Ebenso tun die Anhänger der Fernstenliebe alles für das fernste Ziel, für den Klimaschutz etwa – sie retten das Weltklima für die Fernsten. Dass allein durch die Klimaschutzmaßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz die objektiven Wohnkosten um 45% steigen werden – geschenkt!  Irgendwer wird schon zahlen – entweder die Mieter selbst, oder die steuerzahlende Allgemeinheit. Wir erinnern uns: Zur Erreichung des Fernzieles müssen Opfer im Hier und Jetzt gebracht werden!

Ich war gespannt – hatte sich bei all der grünen Fernstenliebe auch etwas für den Bereich des Nächsten getan? Hatte sich zum Beispiel die Situation des Fuß- und Radverkehrs am May-Ayim-Ufer gebessert? Gibt es nun endlich ausreichend Abstellmöglichkeiten für Fahrräder? Ist die Dominanz des Autoverkehrs am May-Ayim-Ufer mittlerweile zurückgedrängt? Gibt es nun endlich einen durchgängigen Radweg? Endlich einen durchgängigen Uferweg für Fuß- und Radwanderer?

Urteilt selbst! Schaut euch die Bilder an! Diese Bilder geben die tatsächliche Lage des May-Ayim-Ufers am gestrigen Tag wieder. Ihr werdet sehen:

Nein, die Dominanz des nahweltschädlichen PKW-Verkehrs ist in Friedrichshain-Kreuzberg nicht gebrochen.

Es gibt weiterhin in Friedrichshain-Kreuzberg nicht genug Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.

Es gibt weiterhin in Friedrichshain-Kreuzberg weder für Fuß- noch für Radwanderer einen durchgehenden Weg an den Ufern der Spree.

Nicht einmal das ist also geschafft worden. FreundInnen, MitstreiterInnen! DA müssen wir ran!

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Aug. 262011
 

Größter Unbeliebtheit bei Freund und Freund und Freund (also bei Grünen, SPD und Türken) erfreut sich spätestens seit ihrem Parteiwechsel von den Grünen weg die Integrationsministerin des Landes Baden-Württemberg Bilkay Öney (SPD).

Je mehr Türken wir im Land haben, desto mehr Unruhe haben wir„, sagt sie, und das ist falsch. Das passt einfach nicht zum wahren Wesen des Türken. Denn richtig ist vielmehr folgendes: „Die türkische Gemeinschaft und der türkische Mensch, wohin sie auch immer gehen mögen, bringen nur Liebe, Freundschaft, Ruhe und Geborgenheit mit sich.“ So völlig zutreffend Ministerpräsident Erdogan 2008 in Köln.

Die Türken gucken fünf Mal mehr Fernsehen als die Deutschen.“ Wieder so ein Hammer. Frau Öney hätte sagen müssen, woher sie das weiß – aus ihrem Bekanntenkreis, aus Untersuchungen, aus ihren eigenen Erfahrungen?

Serkan Tören (integrationspolitischer Sprecher der FDP) ergänzt aus eigenem Antrieb etwas, was Frau Öney nie und nimmer gesagt hat und auch nie zu denken gewagt hätte. Tören sagt: „Die Türken sind dumm, die interessieren sich nicht für Kultur, fürs Lesen, die Eltern erziehen ihre Kinder nicht richtig, sondern hängen nur vor dem Fernseher.

Hat Tören recht, wenn er sagt, dass die Türken dumm sind? Ist dies eine rassistische Behauptung, die Serkan Tören da vom Stapel lässt?

Was ist dran? Nun, ich meine, beide Behauptungen – sowohl die von Öney wie die von Tören – sind pauschal und  furchtbar falsch.

Ich selbst kenne türkische (und auch arabische) Eltern, die sich für Kultur interessieren, die ihren Kindern das Fernsehen stark einschränken, die ihre Kinder anhalten, Bücher zu lesen, Eltern, die nicht nur vor dem Fernseher hängen, sondern die ihre Kinder zum Lernen anhalten. Diese Eltern ziehen übrigens fast alle aus Kreuzberg weg, sobald sie können.

Es ist unleugbar, dass schrankenloser Medienkonsum, Vernachlässigung der Kinder, Gesprächsverweigerung, Desinteresse und Abwesenheit der Väter den Kindern Schaden zufügt.

Richtig wäre es, in ermutigendem und aufmunterndem Tone zu sagen: „Eltern, Väter, macht etwas Sinnvolles mit euren Kindern! Lernt mit ihnen die Landessprache Deutsch, spielt mit ihnen Fußball, fahrt Fahrrad mit ihnen, geht ins Bode-Museum. Singt und spielt mit den Kindern, ladet Kinder aus der Nachbarschaft ein, habt nicht so viel Angst vor Schweinefleisch, geht kostenlos wandern auf den Kreuzberg und ins Wuhletal, kuckt nicht stundenlang türkisches und arabisches Satellitenfernsehen, sondern kuckt mal die Sendung mit der Maus in deutscher Sprache. Lasst eure Frauen Deutsch lernen, lasst eure Frauen auch mal allein aus dem Haus gehen.“

Es ist ein unhaltbarer Zustand, wenn türkische und arabische Frauen nach 40 Jahren in Deutschland immer noch kein Wort Deutsch können und dann nur mit Dolmetschern, mit ausdrücklicher Erlaubnis des Ehemannes und in männlicher Begleitung zum Arzt oder zur Familienhilfe gehen dürfen.

Die türkischen und arabischen Eltern brauchen meiner eigenen langjährigen Erfahrung nach von den deutschen  LEHRERN und von der deutschen POLITIK eine derartige klare Ansage! Sie kommen alle aus Ländern, in denen den Ratschlägen und Anweisungen der geistlichen und weltlichen Autoritäten Folge geleistet wird, und brauchen deshalb auch in Deutschland – dem Land ihrer Wahl, in dem sie nicht gezwungenermaßen leben – klare Leitplanken. Deutschland muss Forderungen stellen.

Natürlich – wenn Türken Deutschland nur als einen Parkhafen oder temporären Unterstand betrachten sollten, in dem man sich aufhält und seine extraterritoriale Türkei ausbreitet und sich nicht um die Landessprache Deutsch oder gar um den Staat Deutschland schert, dann sollten wir klar sagen: „Das wollen wir nicht. Wir wollen keine extraterritoriale Klein-Türkei in Deutschland. Wir wollen in einzelnen Stadt- oder Landesteilen, in einzelnen Schulen nicht de facto von der Türkei übernommen werden.“

So etwa äußert sich gelegentlich der Bundesvorsitzende der Grünen, Özdemir, der ja seit seiner Übersiedlung nach Kreuzberg in allen seinen Äußerungen zur Integrationspolitik einen erstaunlichen Realitätssinn beweist.

Bitte nicht so viel Geschwurbel und Geschwafel wegen „interkultureller Kompetenzen“ und „multikultureller Gesellschaft“!

Zurück zu Bilkay Öney (früher Grüne, jetzt SPD)! Ist sie eine Rassistin? Nein. Ist sie ministrabel? Auch nein. Als Integrationsministerin kann sie nicht so reden, wie sie redet. Es ist inhaltlich dünn, wie Memet Kilic (Grüne/CHP) heute in der WELT auf S. 8 zu recht hervorhebt. Öney wäre eine hervorragende Bloggerin oder Karikaturistin. Sie ficht mit dem Hammer, nicht dem Florett! Lehrreich aber ist es zu sehen, mit welchen Qualifikationen in der Politik Karriere gemacht wird!

Öneys unsterbliches Verdienst ist jedoch: Sie bringt die ganze Geschwurbel- und Geschwafel-Blase zum Platzen, die die deutsche Integrationspolitik zu einer fetten Domäne der Soziologen und Politologen gemacht hat, die Millionen und Abermillionen für Forschungsprojekte und Pläne lockergemacht haben, nur um wieder und wieder nachzuweisen, dass die Türken so furchtbar, so, wie soll man sagen  —  so STRUKTURELL benachteiligt sind, benachteiligt waren und benachteiligt bleiben. Öney redet Tacheles. Ihre Aussagen treffen aber in dieser Absolutheit sicher nicht zu.

Dennoch tiefempfundener Dank an Bilkay Öney, Serkan Tören, Memet Kilic und meinen Mit-Kreuzberger Cem Özdemir! Es ist alles in allem ein erfrischender Schlagabtausch, wie wir ihn sonst nur aus der türkischen Innenpolitik kennen. Bitte nicht alles so bierernst nehmen! Die Türken in der Türkei  kommen innenpolitisch so recht heftig zur Sache. Dagegen sind wir in Deutschland alles Waisenknaben, Türken wie Deutsche gleichermaßen.

Rassisten seid ihr alle nicht, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. In diesem Sinne: Hepimiz insaniz und tschüß.

Frau Öney passt nicht ins Konzept – Nachrichten Print – DIE WELT – Politik – WELT ONLINE

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„Die deutschen Schüler haben es schwer“, oder: Wem gehört der Kiez?

 Heimat, Kinder, Mobbing in der Schule, Sozialadel, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für „Die deutschen Schüler haben es schwer“, oder: Wem gehört der Kiez?
Aug. 172011
 

Einen sehr nachdenklich stimmenden Artikel las ich soeben auf Seite 3 im heutigen Tagesspiegel. Unter dem Titel „Allein zu Haus“ beschreibt Claudia Keller die Lage einer der Familien im Wedding, die als „letzte Deutsche“ in einem von arabischen und türkischen Familien übernommenen Kiez wohnen geblieben sind. Sie kommen sich in der eigenen Welt nunmehr fremd vor. Auf den Straßen hören sie praktisch kein Deutsch mehr.

Dem Tagesspiegel gebührt Dank dafür, dass er so mutig dieses Thema aufgreift. Denn selbstverständlich werden auf ihn nun wohlgemeinte Ratschläge einprasseln, angefangen beim Vorwurf des Rassismus, der Xenophobie bis hin zu Beschwichtigungen, dies sei doch nur ein subjektiv erlebter Einzelfall.

Tja, es sind alles Einzelfälle. Das Leben besteht aus Einzelfällen.

Die Beschreibung halte ich für durchaus wahrhaftig und übertragbar auf ähnliche Gegenden. Aus meinem eigenen Umfeld wurde mir Ähnliches berichtet. Ich habe die Berichte jedoch stets als „Einzelfälle“ abgetan und stets das Fähnchen der Integration hochgehalten. Dann hörte ich Berichte von monatelangem, fortgesetztem und systematischem Mobbing der Mehrheit gegen die wenigen einzelnen deutschen, nur deutsch aussehenden oder auch nur  für „christlich“ gehaltenen Schüler.

Der türkische Bund und der Lesben- und Schwulenverband wenden sich nunmehr direkt in arabischer, türkischer und sogar deutscher Sprache an die Eltern, um  etwas gegen die Ausgrenzung und Beschimpfung von Menschen in bestimmten Milieus zu tun. Denn in deutscher Sprache erreicht man viele Menschen nicht. Sie leben jahrzehntelang in Deutschland, häufig nur von staatlichen Zuwendungen, aber sie sehen keine Notwendigkeit, Deutsch zu lernen.

Wem gehört der Kiez?
Deutsche in Wedding: Zu Hause geblieben und fremd geworden – Berlin – Tagesspiegel

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Aug. 102011
 

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Interessanter Kommentar eines Lesers zu einem schwarzmalerischen Artikel!

Krawalle überall: Europas verlorene Jugend – Politik – Tagesspiegel
Dasselbe gilt für die „deutsche Analyse“. Berlin ist nicht gleich Deutschland.

In Bayern liegt die Arbeitslosigkeit z.B. mittlerweile unter 4 %. Mit einem guten Hauptschulabschluß hat man dort allerbeste Chancen eine gut bezahlte (!) Lehrstelle zu finden.

Bild: Am Stadtrand von Augsburg-Haunstetten. Die Natur ist in Ordnung.

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Aug. 042011
 

Guten Morgen allerseits. Hier ein paar empirisch nachweisbare, schwer verdauliche Wahrheiten zum Frühstück:

Wahrheit Nummer 1: Weiterhin werden die nachweislich mathematisch falschen Statistiken des DIW weiterverbreitet, wonach jedes 6. Kind in Deutschland armutsgefährdet ist! Dahinter stecken Rechenfehler, die das DIW selbst eingeräumt hat. Weg damit in die Tonne! Selbst nach den offiziellen Kriterien ist bei korrekter Rechnung jedes 12. Kind armutsgefährdet.  In kaum einem anderen Land ist echte Armut so selten wie in Deutschland oder den skandinavischen Ländern.

Wahrheit Nummer 2: Es gibt in Deutschland einen negativ inversen Zusammenhang zwischen staatlicher Kinderbetreuung und Kinderzahl. Je besser die staatliche Kinderbetreuung ausgebaut ist, desto geringer die Kinderzahl.

Wahrheit Nummer 3: Die staatliche Familienförderung der letzten Jahre hat keinen messbaren Effekt auf die Kinderzahl gehabt. Sie hat offenbar viel gekostet und nichts gebracht.

Wahrheit Nummer 4: Größter Risikofaktor für Gesundheit und Wohlergehen der Kinder ist nicht materielle „Armut“, sondern die Trennung der Eltern oder das Fehlen des Vaters. 3 Viertel aller psychotherapeutisch behandlungsbedürftigen Kinder kommen aus Ein-Elter-Familien.

Wahrheit Nummer 5: Wenn sich allmählich als Alternative zur traditionellen IchwillSpaßundSelbstverwirklichungs-Single-Gesellschaft das innovative, moderne Leitbild der Familie (Mama und Papa samt Kindern mit Verwandtennetzwerk drumherum) durchsetzte, würden sich zahlreiche Probleme des Kindermangels, der psychischen Störungen, Probleme der demographischen Schrumpfung  und des Pflegenotstandes viel leichter lösen lassen.

Statistik: Deutschland verliert seine Kinder – Panorama – Aktuelle Nachrichten zum Thema Boulevard, TV, Prominente, Musik. – Augsburger Allgemeine

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„Und ihr seid wirklich mit dem Fahrrad aus Berlin gekommen?“

 Fahrrad, Kinder, Singen, Wanderungen  Kommentare deaktiviert für „Und ihr seid wirklich mit dem Fahrrad aus Berlin gekommen?“
Juli 272011
 

04072011814.jpg Immer wieder ernteten wir von den Kindern erstaunt-ungläubige Blicke, wenn sie bemerkten, dass wir weder mit dem Auto noch mit dem Flugzeug auf den Campingplatz angereist waren.

Dabei war es in Mecklenburg-Pommern zu DDR-Zeiten gang und gäbe, dass man ohne Auto und ohne Flugzeug in den Urlaub fuhr. Nur, für die heutigen Kinder sind das längst vergangene Zeiten! Viele heutige Kinder kennen die Erfahrung gar nicht mehr, dass sie sich über mehrere Stunden aus eigener Kraft auf ein Ziel hin bewegen müssen. Sie wissen nicht mehr, wie sich das anfühlt, wenn einen ein Regenschauer überrascht und durchnässt. Sie kennen die tiefe Erschöpfung nach einem durchwanderten Tag nicht. „Wozu wandern? Es gibt doch Autos!“

Ich meine: Es tut Kindern gut, wenn sie einmal erkennen, dass man ein Ziel auch zu Fuß oder mit eigenen Kräften erreichen kann.

Andererseits: Zum ersten Mal nach langer Zeit hörte ich auf dem Campingplatz einige Kinder in aller Frühe zusammen singen. Es waren die Kinder unserer Zeltnachbarn, Buben im Alter von 5 und 7 Jahren. Soll ich euch was verraten? Dies war eines meiner schönsten Urlaubserlebnisse.

Bild: Omnia nostra nobiscum portamus – „Alle Habe tragen wir mit uns“. Unsere glorreiche Anreise im Regen, vor dem Klärwerk in Körkwitz.

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Juli 232011
 

Dies behaupten die jungs  von K.I.Z. im titelsong ihres neuesten albums, den ihr hier hören könnt:

K.I.Z. | HAUS-ANGST

gestörte kids, für die wir mucke machen die mütter verbuddeln frühchen im blumenkasten

an berliner schulen salamiverbot

usw. usw.

Ich denk die kids von K.I.Z. übertreibens hier. Richtig ist: An einer normalen kreuzberger grundschule wirst du regelmäßig blöd angemacht, wenn du ein wurstbrot in der pause isst bei dem der verdacht besteht: es könnte schweinefleisch enthalten. die neue mehrheit an den staatlichen grundschulen will kein schweinefleisch auf berliner schulhöfen sehen. ihh schweinefleisch! von einem salamiverbot kann aber keine rede sein. am besten ist: man gibt seinem kind keine salami mit. ganz schlecht kommen auch blonde haare bei einem jungen an, die ein bisschen länger als der heute übliche bürstenschnitt sind. also eltern aufgepasst: keine wurstbrote in die kreuzberger grundschule mitgeben! jungs: haare kurz schneiden!

insgesamt: sehr sehr cooles album, das K.I.Z. vorgelegt hat!  „lass uns aufs klo gehen, heiraten!“ klingt voll krass. kommt aber schon  hin. das ist die sprache, wie sie an normalen berliner grundschulen heute gesprochen wird. woher ich das weiß? aus erster hand.

voll cool ist auch der bericht im aktuellen tip nr. 16/2011, S. 64-65 : „Die kinder von kreuzberg“. tolle stories übers prinzenbad!

Lest das mal! Kauft das neue album von K.I.Z.!

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Gemeinsame Aufmerksamkeit

 Kinder, Natur, Philosophie  Kommentare deaktiviert für Gemeinsame Aufmerksamkeit
Juni 232011
 

Gemeinsame Aufmerksamkeit – unter diesem Ausdruck beschreibt Michael Tomasello etwas fundamental Neues, das die Säuglinge im Alter von etwa 9-12 Monaten zu entwickeln beginnen: die Fähigkeit des Menschen, über längere Zeit hinweg mit anderen Menschen ein gemeinsames Objekt des Merkens, des Hinschauens, des Zeigens und Beobachtens zu verfolgen. Durch Gebärden, durch Bewegungen und Zeigehandlungen stellen Babies lange lange vor der Entwicklung von Sprache mehr oder minder dauerhafte Beziehungen zu anderen Menschen her. So kann ein Kind durch Zeigen oder Berühren einer Rassel den Erwachsenen dazu veranlassen, ihm diesen Gegenstand zu reichen. Das Kind „zeigt“ dem Erwachsenen die Rassel. Nur dem Menschen eignet diese Fähigkeit!

Michael Tomasello: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Zur Evolution der Kognition. Aus dem Englischen von Jürgen Schäfer. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006, hier S. 84-94

Ich füge hinzu:

Diese Fähigkeit muss durch Erziehung nach und nach über lange Monate und Jahre gepflegt und ausgebaut werden. Tausenderlei Objekte können den älteren Menschen als Brücken dieser gemeinsamen Aufmerksamkeit dienen: gemeinsames Singen eines Volksliedes ebenso wie das gemeinsame Betrachten der Bewegungen einer lederummantelten Gummiblase (adulte Exemplare der Art Homo sapiens nennen es: „ein Fußballspiel“), das gemeinsame Rechnen ebenso wie das Bergwandern.

Es handelt sich bei all diesen Ereignissen nicht um sprachähnliche oder sprachvermittelte kulturelle Tätigkeiten, wie man im Zuge der Wendung zur Sprache ab etwa 1970 glaubte, sondern um originär auftretende, Gemeinsamkeit stiftende Haltungen oder besser „Verhaltungen“ des Menschen, die ihn bereits vor dem Erwerb von Sprache zu einem sozialen Wesen werden lassen.

Die Aufmerksamkeit dauerhaft gemeinsam auf etwas richten  – dies scheint etwas zu sein, was den Menschen doch recht deutlich von anderen Tierarten abhebt.

Wenn dem Kind in den ersten Jahren zu wenig Gelegenheiten gemeinsamer Aufmerksamkeit geboten werden, verkümmern seine sozialen Fähigkeiten. So erklärt es sich, wenn Berliner Grundschullehrer immer wieder klagen: „Dieses Kind kann sich nicht konzentrieren. Sein Geist gleitet gewissermaßen stets ab. Es kann die Augen nicht auf eine Zeile im Heft richten. Es kann nicht länger als wenige Sekunden zuhören.“

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Lasset uns lernen, Politiker_innen!

 Das Gute, Freude, Gute Grundschulen, Integration durch Kultur?, Kinder, Migration, Theater  Kommentare deaktiviert für Lasset uns lernen, Politiker_innen!
Juni 192011
 

Lasset uns lernen, Politiker_innen! « Politikselbermachen
Toller Erfolg gestern mit dem Regenbogenfisch! Wir haben eine öffentliche Veranstaltung abgehalten, bei der etwa ein Drittel der Teilnehmer Kinder waren, mindestens die Hälfte der Erwachsenen nichtdeutscher Herkunft waren und nur etwa 15% der Teilnehmer im engeren Sinne politiknah waren. Teilnehmerzahl: 40, mehr kriegen Bundesminister bei uns im Bezirk auch nicht zusammen. Großer Erfolg, die Kinder begeisterten die Erwachsenen! Die aus St. Petersburg zugewanderte Alla Karpova nahm Groß und Klein mit. Zwar gab es auch die hammerharten Frontberichte aus dem Alltag von Berliner Grundschulen und migrantischen Sozialkiezen. Und die zugewanderten Eltern, die deutlich die Mehrheit bildeten, führten den Wurzeldeutschen erneut vor Augen, wie enttäuschend die Lehrer-Schüler-Beziehung in Berlin gehandhabt wird. „Kein Respekt vor dem Lehrer, das ist unerträglich!“
Doch alles wurde überstrahlt von der Begeisterung, der Freude, der Lernbegierigkeit der Kinder mit der Theaterpädagogin Alla Karpova. Da kann die Politik aber mal was lernen! Ein tolles Programm! Würde das umgesetzt, hätten wir die Hälfte der Probleme mit Schulversagern schon weggeschmolzen, und zwar im Kita-Alter. Die Kinder sind unsere Zukunft!

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Juni 162011
 

13062011725.jpg „Mit welcher neuen Einsicht / Botschaft gehen die Menschen nach Hause?

Diese Frage sollte sich jeder stellen, der eine öffentliche Veranstaltung plant. Nehmen wir die Veranstaltung am kommenden Samstag, 11 Uhr – der Regenbogenfisch. Unsere Antwort lautet:

Wir (Alla Karpova, ich und einige andere Eltern, vor allem russischer Herkunft) wollen in systematischer Absicht den Grundgedanken vermitteln, dass gerade im Vorschulalter musisches Arbeiten (Rollenspiele, Musik, Tanzen, Poesie) viel mehr gepflegt und gehegt werden kann als wir das an den verschiedenen Kitas in Berlin beobachten.

 

Die Prinzipien der Schauspielarbeit im Anschluss an Stansislawski und einige andere bahnbrechende Theaterpädagogen lassen sich behutsam auf die Arbeit mit Kindern im Vorschulalter übertragen. Genau dies unternimmt Alla Karpova auf beeindruckende Weise. Gerade im Bereich deutsche Sprache, räumliche Orientierung, visuelle Orientierung lassen sich durch praktisch gerichteten Übungen und Erfahrungen der Kindertheaterarbeit viele Erfolge erzielen.

 

Wir glauben, dass es in Berlin nicht an Geld oder Ressourcen fehlt, sondern an pädagogischer Leidenschaft, an Zutrauen in die Fähigkeiten der Kinder, an Vertrauen in die überragende Wichtigkeit der Persönlichkeit. „Die Kinder könnten viel mehr“, so eines unserer Prinzipien. Wir wenden uns mit dieser Veranstaltung gegen den immer wieder zu hörenden Grundansatz, dass die Vorschulbildung und überhaupt das ganze Berliner Bildungswesen grundsätzlich an „Unterfinanzierung“ litten.

 

Die Teilnehmer der Veranstaltung, vor allem die Erzieher sollen also in sich und an sich selbst jene schlummernden Fähigkeiten entdecken, die sie dann in den Kindern fördern.

 

Die Darstellungsform sollte in der Veranstaltung praktisch ausgerichtet sein – also weniger „dozierend“ und mehr „probierend“. Eine Mischung aus Workshop, Vortrag und Diskussion. Dazu können auch einige konkrete Übungen der Teilnehmer gehören.

 

Machen – nicht bloß drüber reden, lautet das Zauberwort.

Bild: Kleines Mädchen „Steiler Fels“ – eine Schöpfung von Irina Potapenko und Nichte Franka (6 Jahre)

 Posted by at 23:16
Juni 132011
 

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„Was kann denn ich dafür,
Dass ich nicht ähnlich bin wie ihr?“

Diese Zeilen aus dem Regenbogenfisch hängen mir noch im Ohr. Alla Karpovas kleine Theatertruppe hat mich begeistert. Ich freue mich auf die bunte Veranstaltung am kommenden Samstag. Hoffentlich kommen viele große Menschen, um die kleinen Menschen zu bewundern!

Wann und wo?

Zeit Samstag, 18. Juni 2011· 11:00 13:00
Ort

Gemeindesaal der Ev. Luthergemeinde, Berlin-Schöneberg

Bülowstraße 71/72

Berlin-Schöneberg

Wir fragen:

Wie schaffen wir es, alle Kinder im Kita-Alter zu ihrem vollen Potenzial zu führen?

Obwohl weit mehr als 90% aller Berliner Kinder bei Schuleintritt mindestens ein Jahr lang die Kita besucht haben, fehlt es unfassbar vielen Kindern an den Grundfertigkeiten Sprechen, Hören, Singen, Bewegen, Gehen, Sitzen, Wartenkönnen. Der theaterpädagogische Ansatz Alla Karpovas bietet die riesige Chance, allen Kindern Freude am Lernen und Wachsen zu vermitteln. Es hat System! Mit Spiel und Spannung, Eigenaktivität und Beiträgen der Teilnehmer!

 Posted by at 13:05
Juni 082011
 

Es gibt heute im Bereich Bildungsforschung einen wahren bunten Kosmos an Instituten, Modellen, Kongressen, Konferenzen&Konzepten, Evaluationen, Tests, Programmen und Forderungen! Vom Sprachlerntagebuch über VERA, PISA usw. usw. Von Integration über Inklusion bis hin zum Diversity Management. „Vielfalt als Chance!“ Die Liste ist endlos.

Hart und schroff davon abweichend: die Realität!

Toll aber, wenn irgendwann doch wieder alte Grundeinsichten zum Tragen kommen: Kinder brauchen Liebe. Eine höchstpersönliche Zuwendung, eine Beziehungsqualität.

Und: Wer hätte gedacht, dass Kinder vor allem eine liebe Mama und einen guten Papa brauchen. Das scheint mir fast das A und O zu sein.  Wer hätte das gedacht. Aber fragt, wen ihr wollt: Darauf läuft es meistens hinaus. Die Kita ist sekundär.


Das Berliner Bildungsprogramm –

 Posted by at 15:22
Juni 072011
 

06062011697.jpg „Alles nur ein Geldfrage“, so höre ich es immer wieder bei Gesprächen über das Berliner Bildungswesen.

Wirklich?

Ich erzähle gerne von meinem Berliner Palästinenser, der mir begeistert von seiner kargen Dorfschule in Ramallah erzählte. Ein Lehrer unterichtete 40 Schüler in einem Raum. „Dieser Lehrer war streng, aber – er glaubte an uns. Er wollte unseren Erfolg. Ausreden ließ er nicht gelten. Faulheit ließ er nicht gelten. Er duldete keine Disziplinlosigkeit. Er liebte das Lesen, das Rechnen, das Schreiben, er liebte Arabisch, er rezitierte leidenschaftlich gerne die Dichter, er liebte Englisch und diese Liebe teilte er uns mit.“ Ergebnis: Alle Schüler gingen weiter auf weiterführende Schulen, viele studierten, einige wurden Professoren in den USA.

Aber selbst unter den wesentlich besseren materiellen Bedingungen der deutschen Grundschule gelingt dieses Kunststück sehr oft. Entscheidend scheint mir dabei die Persönlichkeit  des Lehrers zu sein. Die Persönlichkeit des Lehrers ist wichtiger als die finanzielle und materielle Ausstattung der Schulen.

Nun, ich habe mir gestern im Rathaus Schöneberg ebenfalls die Freiheit genommen, vom ressourcenorientierten Ansatz der Bildungsdebatte Abstand zu nehmen. „Es liegt nicht am Geld, es liegt auch nicht an der absolut gemessenen Zeit, die die Erzieher mit den Kindern verbringen.“ Wenn es am Geld läge, müsste Berlin ja hervorragende Ergebnisse seiner Schulen vorweisen können, denn Berlin ist Spitze in der Höhe seiner Ausgaben für die Schule pro Kind.

Ich glaube, der Grundgedanke von Frau Preissing führt weiter: Kinder brauchen jeden Tag das Gefühl der Geborgenheit, der Liebe, der Ermunterung zur Freiheit. Sie wollen gefordert werden. „Du musst etwas lernen, auch damit du später einmal für dich und andere den Lebensunterhalt verdienen kannst.“ Dieses Gefühl – so meine ich – sollte und muss vorrangig durch den privaten und privatesten Bereich, durch die Mitmenschen, die Nächsten, die Nachbarn, die kleinen Gemeinden, die Familien, also durch Vater und Mutter, durch die Geschwister und Freunde  erzeugt werden.

Wenn die Familien diese einfache, aber unerlässliche Aufgabe endlich übernehmen und annehmen, werden die allermeisten Schwierigkeiten verfliegen. Wir brauchen eine Rückbesinnung auf den überragenden Rang der Familie.

Die Versäumnisse der Familien sind durch die Schulen allein nie und nimmer wettzumachen. Familien, die eingelullt werden im Gefühl „Wir, der Staat, sorgen für dich“, werden nach und nach alle Verantwortung auf den Staat abwälzen. Genau dies geschieht zur Zeit.

Schüler und Lehrer wollen mehr Geld – Berliner Zeitung

 Posted by at 23:05