Meine Seele hört im Sehen

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Nov. 172011
 

„Meine Seele hört im Sehen … “ – was für eine schöne Grundhaltung. Das in diesem Blog mehrfach gepriesene „hörende Herz“ stellt sich dabei ein.

Genau diese Arie von Georg Wilhelm Friedrich Händel werde ich morgen auf meiner Geige mit hörendem Herzen mitspielen dürfen. Die drei Accolada-Damen aus den drei Ländern haben mich – den armen Kreuzberger Geiger – zu drei Stücken hinzugebeten. Kommt und hört im Sehen!

KONZERT
Freitag, 18. November 2011, 20.30 Uhr
Klassische Duette und Arien

Angelina Billington, Sopran

Irina Potapenko, Mezzosporan
Lala Isakova, Klavier

Ort:
Noymann Miller
Hauptstraße 89
Berlin-Friedenau

Eintritt frei, Spenden erbeten

Hier das Programm:

1.G.Carissimi „Rimanti in pace“
2.G.Carissimi „Lungi omai“
3.G.F.Händel „Meine Seele hört im Sehen“
(Geige – Johannes Hampel)
4.G.F.Händel „Süße Stille“(Geige – J.Hampel)
5.H.Purcell „Shepherd“
6.H.Purcell „Lost is my quiet for ever“
7.H.Purcell „We,the spirits of the air“
8.H.Purcell „No resistance is but vain“
Pause
1.H.Purcell „Musik for a while“
2.A.Vivaldi „Nisi dominus“
3.A.Vivaldi „Gloria patri“(Geige – J.Hampel)
4.Purcell „Rondo“
5.G.Caccini „Amarilli“
6.G.Caccini „Ave Maria“
7.G.F.Händel „O lovely peace“

Home – Accolada

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Nov. 072011
 

Wohl im Jahr 2007 oder 2008 verbrachte ich einige Stunden auf einer Reise nach Kappadokien in der Hacı-Veyiszade-Moschee und im Mevlana-Museum in Konya, dem Ort wo Maulānā Ǧalāl ad-Dīn Muḥammad-e Rūmī starb: heute eine staubige, von Touristen, Dolmuşlar und sonstigen Otobüslar überquellende Stadt, und doch umfing mich sofort beim Eintreten in die Moschee, beim Betrachten der Brunnen und Rinnsale der uralte Anhauch des Sufismus, jener in Versenkung, in Entweltlichung aufgehenden Spielart des Islam, die heute allzu wenig Beachtung findet, verdrängt und übermalt vom politisierten, mehr und mehr wahabbitisch geprägten Islam, wie er uns auch in Kreuzberg und Berlin stärker und stärker begegnet.

Eine große Freude und Ehre wurde mir vor wenigen Tagen in der Katholischen Akademie Berlin zuteil: Bei einem öffentlichen Vortrag unter dem Thema Translating Religion baten mich der Religionswissenschaftler Alan Williams und Akademie-Referent Martin Knechtges, in deutscher Sprache einige berühmte Verse Rumis vorzutragen.    

Von einem Oboenspieler habe ich mir einmal erzählen lassen, welche Mühe es kostet, dem Doppelrohrblatt dieses Instruments den klaren, eindringlich-singenden Ton zu entlocken, der die Oboe zu so einem unvergleichlichen Instrument der Klage macht, insbesondere in der Langform, dem Englischhorn.

Mit klarer, deutlicher, leicht schwebend-singender, gewissermaßen oboenartiger  Stimme versuchte ich die Verse in der Übersetzung Hellmut Ritters vorzutragen, wobei ich um jeden Laut rang, ihn formte und losfliegen ließ:

Hör dieses Rohr, wie es klagt,

             wie es von den Trennungen erzählt:

Seit man mich aus dem Röhricht schnitt,

            haben Mann und Weib ob meines Tönens geklagt und geweint.

Nur selten habe ich bisher persische Dichtung im Original vortragen hören, und doch meine ich, den eigentümlichen Klang des Persischen, der Sprache des Zarathustra, der Sprache der Parsen aus tausend Sprachen heraushören zu können: Klar, deutlich, schlicht, klangvoll, mitunter verhüllt-näselnd, oboenartig, dann wieder stolz, rein, mit großen, dunkeln weitgeöffneten Augen der Welt zugewandt. Und so erlebte ich auch den persischen Vortrag durch Aida, die ihre Muttersprache wunderbar zum Erklingen brachte.

In der Vielfalt der Sprachen scheinen mir die Worte und die Sprache, das Original und die Übersetzung  einander zuzurufen wie das Doppelrohrblatt der Oboe dem hörenden Herzen zuruft, um das König Salomon vor seiner Thronbesteigung gebeten hat. Es ereignet sich in dieser Art Übersetzung ein unvergleichliches Da der Dichtung, ein unvordenkliches Du.

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Musikalische Früherziehung klingt besser als Singen!

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Okt. 212011
 
Werden Kinder von den Eltern überfördert?

Ich meine: Kinder sollen Lieder singen, im Sand tollen, im Dreck toben, Fallschirme basteln, wandern, Märchen und Geschichten erzählen hören.  Frühes Englisch/frühes Chinesisch in der Kita sind immer überflüssiger Ballast. Besser wäre es, wenn Kinder Lieder sängen, wanderten, Häschen hüpf spielten, Märchen und Geschichten hörten und erzählten, im Dreck tobten und Fallschirme bastelten.

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Okt. 012011
 

Einen sehr gedankenreichen, sehr beflügelnden Kongress besuchte ich als einfacher Zuhörer am 09.10.2010, nämlich den Internationalen Bildungskongress der Frankfurter Buchmesse „Die lernende Gesellschaft„. Allein aus den Anregungen, die ich dort mitnahm, könnte man mehrere Stunden Workshops und praktische Hands-on-Seminare in Berlin abhalten. Es fehlt wahrhaftig in der Bildungsdebatte nicht an guten Ideen. Lest selbst:

Programm_Bildungskongress_2010.pdf (application/pdf-Objekt)

Eines der Seminare, das ich aussuchte, hieß: „Motopädagogische Elemente in Kita und Schulunterricht“, geleitet von Dorothea Beigel vom hessischen Kultusministerium und Silja Gülicher von Nintendo. Sehr gut, sehr erhellend! Wir lernen am besten, wenn wir uns körperlich belastungsfrei fühlen – das heißt auch, dass nicht zuviel Bewegungsenergie aufgestaut sein darf. Viele Kinder schaffen es heute nicht, längere Zeit stillzusitzen oder auch nur die Augen still auf einen Punkt zu halten. Wegen motorischer Mangelerfahrung im Alltag können sie weder Buchstaben auf einem Blatt Papier fixieren noch die Aufmerksamkeit auf einen längeren Lehrervortrag richten. „Diesen Zustand können Sie jetzt selbst erfahren! Stehen Sie bitte auf.“

Wir mussten auf einem Bein stehend Kopfrechnen ausprobieren. Die ersten Aufgaben gelangen mir mühelos, sie waren leicht. Dann jedoch wurden sie mir zu schwer, denn das ständige Stehen auf dem Bein lenkte mich ab, ich musste nur noch daran denken, das Gleichgewicht auf einem Bein zu halten, für das Kopfrechen war keine Kapazität mehr übrig. Ich machte das, was tausende Kinder jeden Tag machen: Ich stieg aus, die weiteren Kopfrechenaufgaben rauschten an uns vorbei, während ein einziger anderer Teilnehmer, offenbar ein Mathematik- und Sportlehrer, weiterhin alle Aufgaben herunterratterte, was wiederum meine Unlustgefühle verstärkte.  Meine gesamte Aufmerksamkeit war jetzt darauf gerichtet, den Bewegungsimpuls des Beines zu unterdrücken, getragen vom deutlichen Gefühl der Unterlegenheit gegenüber dem „Streber“ an meiner Seite, dem vermuteten Mathematiklehrer.

„So geht es den Kindern, wenn ihre motorischen Impulse im Unterricht unbeherrschbar geworden sind. Sie verweigern dann die Mitarbeit, weil etwas anderes ansteht.“ Regelmäßige kleinere körperliche Bewegungserfahrungen in kurzen Abständen, verstreut über den ganzen Lerntag des Kindes, sind also unerlässlich.

Na, dann kam noch der Schlenker zur Wii-Konsole des Sponsors Nintendo. Wii soll angeblich helfen, motorische Defizite der Kinder auszugleichen.

Wii von Nintendo als Gesundmacher der Kinder? Jetzt packte mich – den rebellischen Kreuzberger – mein aufsässiger Widerspruchsgeist! Ich meldete mich zu Wort und hub unschuldig an: „Zu meiner Zeit gab es solche Lieder wie etwa Häschen in der Grube – … was halten Sie davon? Muss es unbedingt Wii sein?“, frug ich.

Doch die Antwort der beiden sehr erfahrenen, sehr kundigen Referentinnen Dorothea Beigel und Silja Gülicher verblüffte mich, denn sie widersprachen mir keineswegs:

„Sie haben völlig recht mit Ihrer Bemerkung. Lieder wie Häschen in der Grube sind geradezu ideal geeignet, um unsere scheinbar neuen, wissenschaftlich fundierten motopädagogischen Einsichten zu belegen. Die vielen alten Kinderlieder und Kinderreime sind ein Schatz der frühkindlichen Pädagogik. Sie verbinden in idealtypischer Weise das Körperlernen mit dem Sprachlernen, die Beherrschung und Steuerung motorischer Impulse mit sozialem Lernen.

Genau so empfehlen wir, die Kinder zu einfachen Diensten und Besorgungen im Haushalt anzuleiten, etwa zum Zusammenlegen von getrockneter Wäsche, zum Aufdecken bei Tisch, zum Selber-Machen des Bettes. Wir beobachten eine zunehmende Verarmung der motorischen Erfahrungen in der Welt der Kinder. Hier können die Eltern viel mehr tun. Handeln zählt!“

Gut. Im Gefühl, wieder etwas Wesentliches gelernt zu haben, verließ ich das Seminar, nicht ohne noch die Referentinnen zu einem Besuch im heimischen Friedrichshain-Kreuzberg ermuntert zu haben.

Bild: der hervorragend gestaltete, zu Bewegung ermunternde neue Spielplatz im Park am Gleisdreieck, Kreuzberg (400 m entfernt von der Höhle des Bloggers).

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Printed in China: Deutsche Volkslieder, Publishing house: 7Hill

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Okt. 012011
 

Das deutsche Volkslied behauptet sich prachtvoll in den Wogen der Globalisierung.

In China lernen derzeit etwa 5 Millionen Kinder Klavier, sie lernen auf diese Weise Namen wie W.A. Mozart, J.S. Bach oder J. Brahms kennen.

Das Buch, das ich gestern auf der Notenstütze der russischen Pianistin sah, trägt ebenfalls den Vermerk „Printed in China“. Umfang 351 Seiten. Titel: „Deutsche Volkslieder“. Die Chinesen wissen natürlich längst, dass neben dem deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch, dem berühmten BGB, das in der Tat als Muster des Zivilrechts in China gilt, noch einiges andere Nachahmenswerte aus Deutschland kommt, eben eine hochentwickelte Kultur des Singens, des Komponierens und Musizierens.

Ich habe das Buch vor wenigen Wochen in Berlin zum Neupreis von 9,95 Euro gekauft. Die Klavierbegleitung ist leicht spielbar. Ich empfehle das Buch allen Miteltern – anstelle von Ritalin.

Deutsche Volkslieder, 9783833157028, 383315702X
Publishing house:
7Hill Publishing
Other primary creator:
Tamás Zászkaliczky
Adapted by:
István Máriássy
Number of pages:
351

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Okt. 012011
 

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Das unübertroffene Muster und Urbild eines ganzheitlichen, alle Sinne, alle Fähigkeiten, alle Kräfte des Kindes ansprechenden Liedes ist vielleicht „Wer will fleißige Handwerker sehn, der muss zu uns Kindern gehn.“

Ich selbst singe und spiele es gerne in Kitas und Schulen. Ist es noch aktuell? Ich denke schon. Es ist sogar aktueller denn je! Grundschullehrer und Bildungsforscher beklagen seit Jahren den deutlichen Verfall der Körper-Koordination, der Körperbewusstheit, des Raumgefühls unserer Kinder. Jetzt kommt noch erschwerend hinzu, dass viele Kinder etwa in Kreuzberg in all den zehntausenden von Stunden, in all den 15 Jahren, die sie bis zum Abitur in Kreuzberger Kitas und Schulen verbringen, kein brauchbares Deutsch lernen. Und singen lernen sie auch nicht mehr.

Und die Handwerke? Nehmen wir die hier besungenen Gewerke Maurer, Glaser, Maler, Tischler, Schuster, Schneider, Bäcker. Diese Berufe bestehen heute – im Gegensatz zum Müller – noch als Lehrberufe. Sie haben sich verändert, aber die im Lied besungenen Grundfertigkeiten werden heute noch verlangt!

„Fleiß“, wie bei „fleißige“ Handwerker: Diese Grundtugend ist zwar heute recht gering angesehen, dennoch kann keine Gesellschaft auf Arbeitsamkeit, Leistungsbereitschaft und Bereitschaft zum Ertragen von Unlust verzichten. Bei uns in Berlin fehlt es am Fleiß gewaltig, man chillt lieber auf dem Trottoir bei einer Wasserpfeife, hängt herum, zischt sich ein Bierchen rein und geht zur Abwechslung zur Demo für kleinere Klassen, mehr Lehrer, bessere Schulen und geringere Arbeitszeiten. Dennoch vertrete ich die Ansicht, dass man Fleiß von Kindern einfordern und belohnen sollte. Die Türkei verlangt sogar jeden Morgen ein klares Bekenntnis zu Ehrlichkeit und Fleiß von ihren Kindern („Türküm, doğruyum, çalışkanım“), sodass gegen das Gebot des Fleißes und der Ehrlichkeit kein Einspruch von Seiten der selbsternannten Schutzmacht und Nebenregierung unserer türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu gewärtigen ist.

Gegen mehr Lehrer habe ich auch nichts, im Gegenteil, nur sind sie derzeit für Geld und gute Worte nicht zu haben.

Das Mauern „Stein auf Stein“, also insbesondere in Ziegelmauerwerk, hat eine prachtvolle Renaissance erfahren! Es gibt bautechnisch kaum etwas Nachhaltigeres als die gemauerte Wand! Die überdauert mindestens 300-400 Jahre, während Beton häufig schon nach 30 oder 40 Jahren sichtbar „altert“ und Qualität einbüßt!

Der Glaserberuf hat ebenfalls kräftig an Bedeutung zugelegt. Glas wird immer vielfältiger verwendet, großflächig verglaste Fassaden spielen eine entscheidende Rolle beim ökologisch sinnvollen Bauen. Mit neuartigen Klebstoffen eingeklebte Scheiben sind aus Hochgeschwindigkeitszügen und aus PKW nicht wegzudenken.

Der Beruf des Malers und Lackierers steht ebenfalls voll im Saft. Gebäudesanierung, Gebäudeerhaltung, Neubau, energetische Sanierung, Fahrzeugbau – die Einsatzbereiche der sich ständig weiterentwickelnden Arbeitsfelder des Malers und Lackierers sind vielfältig und verlangen eine gründliche Ausbildung.

Die im Liede besungenen Fertigkeiten, nämlich das Schichten, das Hämmern, das Pochen, Heben, Kleben, Rühren, Hobeln und Feilen sind derart grundlegend, dass sie in vielen Lebensbereichen und Berufen nützlich werden können.

Kurzum:

Das Lied „Wer will fleißige Handwerker sehn“ verdient es, wieder in den Kitas und Grundschulen gelernt und gespielt zu werden. Es ist ein immergrüner Klassiker.

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Sep. 302011
 

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Sehr schöner Tag an unserer deutsch-russischen Grundschule! Kinder, Lehrer, Mitarbeiter und Eltern singen ein paar Lieder, die Kinder tanzen. Ich selbst fiedle und singe ebenfalls. Anschließend spreche ich mit der russischen Lieder- und Opernsängerin Irina Potapenko über das Liedersingen und Nicht-Liedersingen. Sie erzählt von Rolf Reuter, dem bekannten Dirigenten von der Komischen Oper, er habe gerade in den Jahren vor seinem Tod immer wieder tieftraurig geklagt:

„Die Deutschen singen nicht mehr!“

Ich nehme an, Reuter war wie ich auch der Meinung, dass das Singen in der Kindheit der entscheidende Baustein für die Weitergabe der Musikkultur ist. Ich würde sogar weitergehen: Das Singen der bekannten deutschen Volkslieder stiftet gerade für Migranten einen goldenen Eingang in die deutsche Sprache, den sie jetzt zu Zehntausenden und Hunderttausenden Jahr um Jahr verfehlen.

Das größte Problem scheint mir zu sein, dass alle, sogar die Wissenschaft, sogar die Bildungsforschung den unverzichtbaren Rang des Singens in Kindergarten und Schule zugeben würden, wenn man sie denn befragte. Aber gerade weil der Wert des Singens so offen auf der Hand liegt, kann man damit keine Karrieren basteln. Am Singen ist nichts zu verdienen.  Ich habe selbst versucht, die Forderung nach regelmäßigem, verbindlich vorgeschriebenem  Kita- und Schulsingen in die bildungspolitischen Forderungen meiner Partei zur Abgeordnetenhauswahl 2011 einzubringen. Es gelang mir zwar – jedoch nicht als Forderung, sondern nur als „flächendeckendes Angebot“. Das fand ich bezeichnend, dass statt einer klaren, (wahl-)kämpferischen Forderung ein weiteres staatliches Angebot erscheint.

Die Berliner Landespolitik ist weiterhin Angebotspolitik, leider noch nicht Ermutigungspolitik, wie sie mir vorschwebt. Man macht es lieber alles etwas teurer als nötig, alles etwas größer als nötig. Statt zu sagen: „Montiert eure Satellitenschüsseln ab und geht wandernd&singend ins Gebirge!“ spendiert der Senat lieber kostbare Verzierungen im Wert von 60 Euro je Stück – die berühmten bunten Überzieher aus Plastik für die Satellitenschüsseln.

Statt ein einfaches, kostenloses Hilfsmittel wie „Singt in der Schule“ vorzuschreiben,  pumpt die Politik lieber Geld in die Bildungsforschung, in die ADHS-Syndrom-Forschung, in Strukturreformen, in zweite und dritte Lehrkräfte, in kleinere Klassen und mehr Klassenräume. Leitfrage ist dabei: „Warum können Kinder sich nicht mehr konzentrieren? Warum lernen unsere armen benachteiligten Migrantenkinder über Generationen hinweg kein Deutsch?“

Damit kann man sehr sehr viel Geld und sehr viele Projektmittel gewinnen! Es lebe die Bildungsforschung! Hip hip hurra!

Bild: die üppig wuchernde Wildnis im neuen Park am Gleisdreick, Kreuzberg. Erwandert gestern.

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Sep. 202011
 

Satt Schulfrust fangen wir das Singen an! An der Grundschule sammle ich eine Gruppe von Schülern zur Interessengemeinschaft „Singen“. Denn das Singen hat eine lernend-lehrende, gemeinschaftsbildende Kraft ohnegleichen.

Kosten des Singens: 0. Materialaufwand des Singens: 0.

Jeder, der eine Stimme hat, soll und kann singen.

Das erste Lied ist: Das Wandern ist des Müllers Lust. Ein sehr bekanntes Lied in Deutschland, etwa 180 Jahre lang wurde es von jung und alt in allen Schichten Deutschlands gesungen. Erst seit etwa 20 Jahren lernen es die Kinder nicht mehr. Denn Müller gibt es nicht mehr, gewandert wird auch nicht mehr so viel, gesungen wird in Familie und Schule auch nicht mehr. Der vorangestellte Genitiv „des Müllers“ existiert noch und wird wohl nur noch einige Jahre existieren. Also wozu noch?

„Was ist denn ein Müller?“, frage ich, um neben der Melodie auch das Textverständnis zu sichern.

„Ich weiß es: Der Müller bringt den Müll weg!“, antwortet ein 11-jähriges Mädchen. Wirklich?, frage ich zurück. Gemeinsam erarbeiten wir im Gespräch eine mögliche Antwort auf die Frage, was ein Müller ist.

Sollen die Kinder heute noch deutsche Wander- und Volkslieder lernen? Sollen sie noch singen lernen? Sollen sie noch wandern? Sollen sie noch wissen, was ein Müller ist? Ist Wort und Beruf nicht ausgestorben?

Ich meine: Die Kinder sollten noch singen, noch wandern, noch erfahren, was ein Müller ist.

Denn der Beruf Müller ist nicht ausgestorben. Es gibt ja zum Beispiel den Windmüller. Alternative, regenerative Energien sind im Kommen. Kinder sollten noch wissen, was ein Müller ist. Sie sollten noch wandern. Zwar ist es ein deutsches Volkslied, aber dagegen ist zunächst einmal nichts einzuwenden. An der türkischen Musikschule in Kreuzberg wird türkische Volksmusik gelehrt, warum sollte man an Berliner Schulen mit 98% Wandernden („Migranten“) nicht deutsche Migrationslieder singen?

Sie sollen noch den Genitiv lernen.  Sie sollen und können noch singen.

Wanderlieder bewahren einen riesigen Schatz an Erfahrungen der Migration, der kulturellen Differenz auf! Migration heißt ja Wanderung.

Deutsche Volkslieder sind ein wichtiges Mittel der Integration in die deutsche Gesellschaft, die ihr kulturelles Gedächtnis und ihre Sprache schon fast verloren hat.

 Posted by at 11:44

Weiß Kreuzberg, was es hat?

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Aug. 242011
 

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Eine phantastische Sängerin, die ich immer wieder gerne höre, ist die russische Altistin Irina Potapenko.

Das Beste: Sie wohnt in Kreuzberg. Jetzt kann man die Lieder von Fauré und Mendelssohn im Internet kaufen. Gute Sache! Ob wohl viele wissen, wer oder was sich hinter dem U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park verbirgt?

Fauré: Romances – Mendelssohn: Songs by Irina Potapenko & Evgenia Artemova – Download Fauré: Romances – Mendelssohn: Songs on iTunes

 Posted by at 13:42

„Und ihr seid wirklich mit dem Fahrrad aus Berlin gekommen?“

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Juli 272011
 

04072011814.jpg Immer wieder ernteten wir von den Kindern erstaunt-ungläubige Blicke, wenn sie bemerkten, dass wir weder mit dem Auto noch mit dem Flugzeug auf den Campingplatz angereist waren.

Dabei war es in Mecklenburg-Pommern zu DDR-Zeiten gang und gäbe, dass man ohne Auto und ohne Flugzeug in den Urlaub fuhr. Nur, für die heutigen Kinder sind das längst vergangene Zeiten! Viele heutige Kinder kennen die Erfahrung gar nicht mehr, dass sie sich über mehrere Stunden aus eigener Kraft auf ein Ziel hin bewegen müssen. Sie wissen nicht mehr, wie sich das anfühlt, wenn einen ein Regenschauer überrascht und durchnässt. Sie kennen die tiefe Erschöpfung nach einem durchwanderten Tag nicht. „Wozu wandern? Es gibt doch Autos!“

Ich meine: Es tut Kindern gut, wenn sie einmal erkennen, dass man ein Ziel auch zu Fuß oder mit eigenen Kräften erreichen kann.

Andererseits: Zum ersten Mal nach langer Zeit hörte ich auf dem Campingplatz einige Kinder in aller Frühe zusammen singen. Es waren die Kinder unserer Zeltnachbarn, Buben im Alter von 5 und 7 Jahren. Soll ich euch was verraten? Dies war eines meiner schönsten Urlaubserlebnisse.

Bild: Omnia nostra nobiscum portamus – „Alle Habe tragen wir mit uns“. Unsere glorreiche Anreise im Regen, vor dem Klärwerk in Körkwitz.

 Posted by at 17:45
Juni 242011
 

Lothar Zweiniger, BVG-Personalvorstand, und Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der deutschen Polizeigewerkschaft sprachen gestern im Kreuzberger BVV-Saal auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema: „Wie sicher ist der öffentliche Nahverkehr?“

Einige Einsichten: Das Gefühl der Unsicherheit hat zweifellos bei vielen Menschen dramatisch zugenommen. Die vieldiskutierten Gewalttaten im Nahverkehr erfolgen – wie Lother Zweiniger berichtete – spontan, die Täter besitzen ein Ticket. Sie „rasten aus“, zu 90% geschehen die Taten unter Alkoholeinfluss.

Rechnen wir nach: Bei 930 Millionen BVG-Fahrgästen pro Jahr und 1360 Gewaltdelikten im Jahr 2010 ergibt sich, dass einer von 683823 Fahrgästen pro Jahr Opfer einer Gewalttat wird, oder dass man – bei 400 BVG-Fahrten pro Jahr – 1709 Jahre lang BVG-Nutzer sein müsste, um bei einer Gewalttat verletzt zu werden.

Umgekehrt ist die statistische Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens in einem Verkehrsunfall verletzt zu werden, bei etwa 1. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Verkehrsunfall verletzt zu werden, ist etwa 1700 größer als die Wahrscheinlichkeit, in der BVG Opfer einer Gewalttat zu werden

Statistisch gesehen sind die Verbrechen in Berlin insgesamt und auch bei der BVG  rückläufig. Das hilft den Opfern nicht. Es hilft der freien Presse nicht, dies zu erwähnen.

Um so größer ist das gefühlte Unbehagen, das häufig auch durch die Presseberichte geschürt wird. Die Presse berichtet nicht über 683822 unverletzte Fahrgäste, sondern über den einen verletzten.

Ich selbst lobte die heftig gescholtene BVG und das heftig gescholtene Prinzenbad über den grünen Klee und verwies begeistert auf folgendes Filmchen über einen Kopenhagener Busfahrer:

YouTube – Mukhtars Fødselsdag – Flash Mob – Bedre Bustur

Was lernen wir daraus? Wir sollten mehr lächeln, mehr lachen, mehr BVG fahren und mehr singen. Singen und Reden schafft gute Stimmung und vertreibt das Grundgefühl der Angst.

 Posted by at 18:02

Einmischung erwünscht

 Fahrrad, Kochen, Parteienwandel, Positive Kommunikation, Singen, Staatsquote  Kommentare deaktiviert für Einmischung erwünscht
Mai 072011
 

Großer Erfolg für Blogosphäre und Ortsverband Kreuzberg-West auf dem CDU-Landesparteitag im Estrel: Unsere 11 Anträge sind  nach Verhandlungen mit der Antragskommission durchgegangen und einstimmig angenommen. Unsere Themen: Radverkehr, sanfter Tourismus, die deutsche Sprache als einigendes Band, die Elternverantwortung, das Kochen&Singen in den Kitas und Schulen, die Senkung der Staatsquote im Bundesland Berlin usw. UND: Die Präposition „entsprechend“ regiert den Dativ! Das steht fest dank unseres Antrages an den Parteitag.

Der hier schreibende Blogger hielt vor dem Parteitag eine 3-Minuten-Rede, um diese 11 Anträge durchzubringen. Titel: „Von der Angebotspolitik zur Ermutigungspolitik – vom Angebotswahlkampf zum Ermutigungswahlkampf.“

 Posted by at 09:19