Mai 062011
 

Hab ich doch immer gesagt! Warum zieht ihr nicht zu uns ins Armutsviertel? Nach Kreuzberg! Kuckt euch doch um, ihr Armutsklagesänger!

Wir haben ein Problem mit Parkplatzmangel für all die Vans und BMWs unserer armen Familien. Aber ist dies echte Armut, wenn man keinen Parkplatz für sein Auto findet?

Statistikpanne beim DIW: Forscher patzen bei Berechnung der Kinderarmut – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wirtschaft
Wie groß ist die Armut unter Kindern wirklich? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung verbreitete einen extrem hohen Wert – und die Republik führte eine hochemotionale Debatte. Jetzt müssen die Ökonomen ihre Zahlen massiv nach unten korrigieren. Wissenschaft und Politik sind blamiert.

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Mai 052011
 

In einem internen Papier für die Berliner CDU schrieb ich vor wenigen Tagen: „Die Ursachen der in Schwere und Bösartigkeit alarmierenden Jugendgewalt liegen fast ausschließlich in einem Versagen der Familie. Die allermeisten jugendlichen Gewalttäter kommen aus einem häuslichen Umfeld, in dem es entweder an emotionaler Geborgenheit oder an fester Regelsetzung fehlt – im schlimmsten Fall an beidem: Prügeleien, häufige Brutalitäten in der Familie können sich ebenso nachteilig auf die Kinder auswirken wie grenzenlose Verhätschelung, gleichgültige Vernachlässigung oder plötzlicher, unerklärter Fortfall eines Elternteils. Kurzfristig ist raschere, fühlbar als Nachteil  empfundene Bestrafung das Mittel der Wahl.

Langfristig besteht die beste Gewaltprävention in der intensiven Vorbereitung aller Kinder auf ein gutes Leben in Familien, auf gutes Erziehen in Familien. Diese Aufgabe der frühzeitigen Familienbildung und Familienerziehung kommt mehr und mehr den Kitas und Schulen zu. Sie müssen durch ihr Beispiel die Kinder jene Achtung und Liebe, jene Strenge und Wertschätzung lehren, die die beste Gewähr für einen gewaltfreien, respektvollen Umgang aller Menschen ist.“

Es ist auffallend zu sehen, wie sehr die Fachleute doch mittlerweile übereinstimmen, dass die Familie die entscheidende Größe im Aufwachsen der Jugendlichen ist und bleibt – mehr als die Schule, mehr als die Gleichaltrigen. Die Ursachen der Jugendgewalt sind nicht „gesellschaftlich“ und nicht „politisch“, sondern „familiär“. Gäbe es keine zerrütteten und moralisch korrumpierten Familien, dann hätten wir kein Problem mit Jugendkriminalität!

Als beliebigen Beleg kann ich hier ein Interview mit Hans-Jürgen Kerner  anführen, in dem er den familiären Ursprung der Jugendgewalt als ein unbezweifelbares Faktum hinstellt:

 Kriminologe Hans-Jürgen Kerner: „Junge Gewalttäter sind keine Monster“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – SchulSPIEGEL
Gewalt von Söhnen aus sogenanntem guten Hause überrascht mich nicht sonderlich. Nach außen hin geordnete Familien können innerlich zerrüttet und moralisch korrumpiert sein. Das sehen wir in Forschungen immer wieder. Vom mittleren Mittelstand aufwärts sind die Fähigkeiten, eine Fassade zu erstellen und aufrecht zu erhalten, erstaunlich kreativ ausgeprägt.

Es ist schon merkwürdig, dass bisher keine Partei – selbst meine Partei nicht – aus diesen so offenkundigen Befunden die Schlussfolgerung zieht, die Schule müsse bewusst auf gutes Zusammenleben in Familien hin erziehen. Dabei liegt es doch fast auf der Hand:

Wenn die Kinder Glück haben, lernen sie “Familie” in der Herkunftsfamilie. Wenn sie Pech haben, lernen sie es nie – und werden es auch durch die Sozialhilfe nicht lernen.

Würden Kinder an den staatlichen Bildungseinrichtungen auf allen Altersstufen bewusst und sorgfältig auf das Zusammenleben in Familien hin erzogen, könnten sie später den überragend wichtigen Schritt zur Gründung einer Familie selbstbewusst und voller Zutrauen in die eigenen Kräfte gehen. Von überragender, vielleicht sogar von entscheidender  Bedeutung ist dabei das Einüben einer tauglichen Rollenerwartung für die werdenden Väter.

Familienbildung, Familienerziehung muss deshalb bereits in der Grundschule beginnen. Die Schulen sollen wichtige Themen des Familienlebens entsprechend dem Reifegrad der Kinder fest in den Sach- und Deutschunterricht einbauen. Dazu gehört vor allem das Kochen, die Haushaltsführung, die Pflege eines geordneten häuslichen und städtischen Umfeldes, die Achtung vor den Eltern und Lehrern, die Höflichkeit, die Erziehung und Pflege von Babies und kleinen Kindern. Alle Jungen und Mädchen sollen gleichermaßen in diesen wichtigen Themenkreisen unterwiesen werden.

Was zurzeit noch zunehmend dem Staat und seinen Institutionen (der Sozialarbeit, der Polizei, der Justiz) aufgebürdet wird („darum muss ER –  der STAAT sich kümmern!“), muss wieder von den subsidiären Gemeinschaften, also der Familie, der Verwandtschaft, der Nachbarschaft im Geiste des „WIR“ ausgefüllt werden

Wo ER war, soll WIR werden!

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Ich trag ihn schon!

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Mai 052011
 

Jetzt hat schon lange wieder die herrliche Rennradsaison begonnen! Zwar fahre ich in der Tat bei jedem Wetter, bei jeder Temperatur auch im Winter Fahrrad, zur Not eben dick eingemümmelt und mit Spikes an den Reifen – doch mein Wagemut geht nicht so weit, im Winter auch Rennrad zu fahren. Ich begnüge mich dann mit dem stählern-stotzigen schwarzen Rappen, dem Stadtrad.

Doch jetzt hole ich meinen trefflichen Burâq, meinen windschnellen Gefährten, immer wieder gern aus seinem Gemach.

Eine erste auf Video gebannte Testfahrt  auf dem Flugfeld Tempelhof führte mich auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 44 km/h, gemessen über die 3 km der Landebahn. Ein gutes, fast  windschnelles Ergebnis, wie ich meine!

Interessante Initiative  übrigens, die der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)  losgetreten haben. Das Thema Eigenverantwortung liegt auch mir am Herzen! Lest die Pressemeldung:

Radfahren ist gesund und schont die Umwelt. Dabei dürfen jedoch Unfallrisiko und Verkehrssicherheit nicht vergessen werden. Viele Radfahrer lehnen das Tragen eines Fahrradhelmes ab oder vernachlässigen die eigene Sichtbarkeit. Um das Sicherheitsbewusstsein von Radfahrern zu stärken, haben der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) die interdisziplinäre „Arbeitsgruppe Fahrradfahrer“ gegründet.

Unfallforscher aus Münster hatten in einer Studie die hohe Dunkelziffer von Fahrradunfällen dokumentiert. 25 Prozent der Verletzten erlitten Kopfverletzungen, jedoch trugen nur sechs Prozent einen Fahrradhelm. Die „Arbeitsgruppe Fahrradfahrer“ von DVR und DGU will die Verantwortung des Fahrradfahrers für seine eigene Gesundheit künftig stärker in den Mittelpunkt konkreter Präventionsmaßnahmen stellen.

Das eigenverantwortliche Tragen eines Fahrradhelms unabhängig vom Alter der Radfahrer und von Anlass oder Dauer der Fahrt ist eines der wesentlichen Elemente dieses Konzeptes. Weiterhin soll über die Risiken von Radfahren unter Alkoholeinfluss informiert werden. Aufklärung über technische Sicherheitsstandards bildet die dritte Säule des Konzeptes. Dazu zählen vor allem gute Sichtbarkeit durch ausreichende Beleuchtung sowie Reflektoren und helle Kleidung.

DVR und DGU gründen „Arbeitsgruppe Fahrradfahrer“

Soll man einen Helm tragen? Ich sag’s mal so: Den Helm führe ich beim Rennradeln stets auf dem Kopfe mit, wie ja beim Stadtradeln auch. Ich trag ihn schon! Und helle Kleidung trag ich auch. Ätschi bätschi!

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Sind Eltern bessere Menschen?

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Mai 042011
 

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„Sind Eltern bessere Menschen?“, fragte mich kürzlich eine Freundin. Ich antwortete: Eltern sind nicht bessere Menschen, aber die Erfahrung des Elternseins hat eine zum Guten hin verändernde Kraft. Manche – so zum Beispiel der hier Erzählend-Geigende – lernten spät und mühsam im Wesentlichen dadurch Hingabe an einen anderen Menschen. Andere – auch Kinderlose! – waren mir darin ein fast unerreichbares Vorbild: die vielen Kita-Erzieherinnen, Grundschul-Lehrerinnen, Krankenschwestern, Klosterschwestern, Sozialarbeiter, Familienhelfer, denen ich in meinem Leben begegnet bin.

„Soziale Elternschaft“ – das wär’s! Das würde so vielen Erwachsenen einen Sinn geben, den sie sonst nicht finden.

Männliche Aufsichtsratsmitglieder bevorzugen ihresgleichen, biodeutsche Redakteure in Zeitungen bevorzugen ihresgleichen, Kinderlose bevorzugen Kinderlose – ich sehe mit Erstaunen, wie sich oftmals homogene Gruppen anhand des Kinderhabens oder Nicht-Kinderhabens bilden. Das ist nicht so gut. Ich bin für die richtige Mischung.


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Gefangenenbefreiung: Barrabas und Andreas Baader

 Europäische Galerie, Jesus von Nazareth, Novum Testamentum graece  Kommentare deaktiviert für Gefangenenbefreiung: Barrabas und Andreas Baader
Mai 032011
 

„Er wollte ein Buch über bessere Erziehung schreiben.“ So wird es über Andreas Baader berichtet. Nochmal kam mir kürzlich dieser  Mann in den Sinn in der Osterpredigt des Kreuzberger Pfarrers: Aus dem neuen Buch meines römischen compatriota bavarese gab der Pfarrer einige Erläuterungen zu einem politischen Gefangenen, zu Barrabas. Barrabas war – so dämmerte mir – im Grunde der Andreas Baader zu Zeiten des Pilatus. Ein politisch motivierter „Aufrührer“, „Mörder“ und „Räuber“, ein Revoluzzer. Merkwürdig ist schon der Gleichklang der Namen: Andreas – Barrabas! Die Herzen des Volkes flogen beiden zu. Beide wurden aus der Gefangenschaft befreit. Beide waren Revoluzzer.

Nach der Ostermette, nachdem ich die Osterglocken hatte läuten hören, las ich doch mitten in der Nacht tatsächlich die vier Barrabas-Geschichten der Evangelisten in meinem schon zerlesenen Nestle-Aland und übersetzte mir den einen oder anderen Satz in mein geliebtes Deutsch. Noch etwa überraschte mich: Bei Matthäus wird von einigen Codices  – tatsächlich! – der Personenname des Barrabas überliefert: Jesus. Es schien ein verschwiegenes Einverständnis zwischen den beiden zu herrschen.

Bild: Giovanni Antonio Boltraffio, Auferstehung, Gemäldegalerie, Kulturforum Berlin-Tiergarten

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Apr. 302011
 

Aha, interessantes Thema, das ich da im Blog Politikselbermachen entdecke. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg werden die Gelder für das Schulessen zusammengestrichen. Ausgerechnet bei den Schulen und beim Essen für unsere Kleinsten spart mein Heimatbezirk mehr als die anderen Berliner Bezirke. Was soll ich sagen? Soll ich mich schämen, ein Friedrichshain-Kreuzberger zu sein?

Ich rege mich ja schon gar nicht mehr über die fehlende Fahrradinfrastruktur im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg auf – über die schmähliche Ausgrenzung und das An-den-Rand-Drängen des Radverkehrs an der Skalitzer Straße, am Tempelhofer Ufer, an der Warschauer Straße, am Tempelhofer Berg und und und. Wer Fahrrad fahren will, wer jung, gesund, stark und risikofreudig ist, soll halt Fahrrad fahren, wie ich das ja auch mit größter Freude mache.

Ich lege hiermit das denkbar beste Zeugnis ab: Kein einziger gesunder, sportlicher, risikofreudiger, erwachsener Mann wird hier in unserem deutschlandweit bekannten Vorzeigebezirk am Fahrradfahren oder am Zu-Fuß-Gehen gehindert!

Alles gebongt, alles gegessen!

Aber dass man ausgerechnet am Schulessen, ausgerechnet an Centbeträgen knausert? Lest das hier:

Berlin muss sparen – beim Schulessen? « Politikselbermachen
Jedes Kind sollte gut essen, jedes Schulkind sollte auch gut selberkochen lernen. Leider wird in manchen Kreuzberger Familien zu wenig selber gekocht. Folge: Die Kinder sind auf qualitativ hochwertiges Essen in der Schule angewiesen. Lecker, schmackhaft und gesund kann man auch für wenig Geld essen – sofern man frische Zutaten der Saison kauft und selber kocht.

Eifrig auf den Spuren des herrlich bösen, roten SPD-Mannes Thilo Ich-nehm-meine-Mitgliedschaft-ins-Grab-Sarrazin, der Arbeitssuchenden und Sozialhilfeempfängern selber vormachte, wie man für Euro 1,03 für ein Mittagessen, für 3,76-3,98 am Tag gesund&lecker essen kann, wandelt derzeit der ganz liebe, grüne Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. In Friedrichshain-Kreuzberg darf das angelieferte Schulessen künftig nur noch höchstens 2 Euro/Portion kosten.

Lest selbst:

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat bei seiner aktuellen Ausschreibung zur Vergabe des Catering-Auftrags sogar festgelegt, dass das Schulessen künftig noch weniger kosten muss als in den Vorjahren. Das angelieferte Schulessen darf dort nur noch höchstens zwei Euro kosten. Bisher galt eine Kostenobergrenze von 2,05 Euro. Daraufhin haben nun Essensanbieter aufgegeben. Der Caterer „Drei Köche“, der bisher Schulen im Bezirk beliefert, hat sich an der Ausschreibung, deren Frist gestern abgelaufen ist, nicht beteiligt. „Bei diesem Preisdumping machen wir nicht mit“, sagte Geschäftsführer Klaus Kühn.

Quellenhinweise (hey Plagiatjäger – ihr habt keine Chance!):

Martin Klesmann: Schulessen auf Sparflamme. Berliner Zeitung online, 29.04.2011

Thilo Sarrazin: „Ernährung“, in: Deutschland schafft sich ab. DVA München 2010, S. 114-121

Bild: der herrliche Kreuzberg zur herrlichen Osterzeit

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Apr. 292011
 

„Eine Zeitlang hat er uns vorgespielt, Krebs oder Tuberkulose zu haben. Er lief in München herum, mit dem Gesicht eines Mannes, der wußte, daß er sterben muß, aber das Beste daraus machen will. Er tat immer so, als würde er Blut in sein Taschentuch husten, aber das Tuch blieb weiß.“

So berichtete es uns ein Schulkamerad über einen Mitschüler, der später ein sehr bekannter Mensch in der Bundesrepublik Deutschland wurde.

In kaum einem Satz ist das Wesen des bundesrepublikanischen Terrorismus der 70er und 80er Jahre besser gefasst.

Diese Fabel vom eingebildeten Blutspucker kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn kluge Zeitgenossen mir etwas vom „mörderischen Charakter unseres Systems“ erzählen, vom bevorstehenden Untergang unserer Ökosysteme, vom unausweichlichen Ende des Kapitalismus.

Es gibt Unheilsapostel, die uns etwas weismachen oder besser „schwarzmachen“ wollen, was so einfach nicht stimmt.

Jedes dritte Kind in Berlin lebt in Armut. Berlin ist die Hauptstadt der Kinderarmut.“ Ein großer, ein unausrottbarer Unsinn, eine Torheit, die auch in den besten Parteien unermüdlich verbreitet wird!

Ich sage: Es gibt in Berlin keine Armut. Dann müsste ich sie ja sehen, da ich seit vielen Jahren in einem von Armut geprägten Stadtbezirk lebe und tagtäglich mit genau diesen Kindern rede, die angeblich in Armut leben.

Die eingebildeten Blutspucker! Sie spucken Blut ins Taschentuch, aber es bleibt weiß.

Zitat:
Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex. Hoffmann und Campe, Hamburg 1985,  S. 18

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Apr. 292011
 

Die auf Paraffin gemalten, geritzten, eingeriebenen, eingearbeiteten Bilder Heike Jeschonneks prägten den Abend – einen langen, hinausgezögerten Vorsommerabend.

Ich gehe zur Eröffnung der Ausstellung.

Unterwegs, an der Ecke Obentrautstraße/Mehringdamm fragt mich eine Touristin auf Englisch: „Entschuldigung, ich weiß nicht, wohin ich gehen soll. Was würden Sie mir raten?“

„Gehen Sie mit mir!  Ich sehe doch, Sie interessieren sich für Kunst.“ Und so gehen wir zusammen hin. Ich erzähle von meiner Heimat Kreuzberg, sie erzählt von ihrer Heimat Tel Aviv. Wir gehen zur Eröffnung der Ausstellung in der Galerie Tammen und Partner in der Hedemannstr. 14 / Ecke Friedrichstr. in Kreuzberg.

Ich treffe viele Bekannte und Freunde, stelle ihnen meine neue Bekannte vor und lerne selbst einige neue Bekannte kennen, führe Gespräche über Städte, Bilder, Menschen und mit einer Finnin über „die wahren Finnen“.

Ich mag dieses Würfelspiel aus Bildern, Gesichtern und Gesprächen, typisch für die bunte treibende Berliner Kunstszene.

Aber am besten hat mir heute doch gefallen, dass ein unbekannter Mensch, der aus Israel nach Berlin gekommen war, mich gefragt hat: „Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll. Was würden Sie mir raten?“ Dieses Vertrauen, das ich darin spüre, war ein riesiges Geschenk!

Es gibt so viel Negativität im Leben und auf der Welt. Terry Eagleton ist – nach seinem Buch zu urteilen – überzeugt, dass aufs Ganze gesehen die negativen Aspekte in der Weltgeschichte bisher bei weitem überwiegen. Sonach gibt es keinen endgültigen Trost für Hiob. Bisher!

Dennoch schließe ich den heutigen Tag mit der überwältigenden Bilanz ab: es gibt hier in Kreuzberg, in meinem Umfeld, deutlich mehr Vertrauen als Misstrauen, deutlich mehr Gutes als Schlechtes, deutlich mehr Liebe und Zuneigung als Neid und Misstrauen. Es tut mir leid für alle Philosophen der Negativität, für all die Schopenhauers, Adornos, Žižeks und Habermas‘.

Wir sind keine Gespenster, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die einander im Guten zugetan sind.

Die Evidenz des Guten, das ich erfahre, überwiegt  noch den wortreichsten Versuch, mich vom Gegenteil zu überzeugen.

Immer wieder wird mir dann entgegnet: „Ja, aber: Auschwitz! Gulag! Hiroshima! Srebrenica!“  Darauf erwidere ich: Der Riesenunterschied zwischen Auschwitz und heute ist: Ich persönlich habe diesen heutigen Tag erfahren. Von Auschwitz habe ich nur gehört und gelesen. Es ist vergangen. Der heutige Tag, das Jetzt gibt den Ausschlag.

Bild: „Gespenster“ von Heike Jeschonnek.

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Überwiegt das Gute oder das Schlimme in deinem Leben?

 Aus unserem Leben, Das Böse, Das Gute, Freude, Geige, Leidmotive, Liebe, Nahe Räume, Personalismus, Philosophie, Zählen  Kommentare deaktiviert für Überwiegt das Gute oder das Schlimme in deinem Leben?
Apr. 292011
 

Of course there is love as well as war, laughter as well as howling, joy as well as torture. But have these two sets of features, positive and negative, really balanced out in the account book of human history to date? The answer is surely no. On the contrary …

Freunde, was würdet ihr auf diese Frage Terry Eagletons antworten? Ich las diese Frage heute Vormittag. Bitte eine rationale Begründung eurer Antwort!

Am besten fangen wir bei uns selbst an. Jede möge sich fragen: Was überwiegt in meinem Leben? Das Böse oder das Gute?

Zitat:
Terry Eagleton: On Evil. Yale University Press, New Haven and London 2010, Seite 146

Bild: der hier schreibende, geigende Blogger im Hof

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Auf verwachsenen Pfaden: der Satz des Anaximander

 Anaximander, Griechisches, Klimawandel, Natur, Ökologie, Ostern, Philosophie, Störfaktor Mensch, Tod, Waldfriedhof  Kommentare deaktiviert für Auf verwachsenen Pfaden: der Satz des Anaximander
Apr. 282011
 

„Durch den Tod zahlen die Menschen die Schuld, die sie durch Ressourcenverbrauch eingegangen sind, an die Natur zurück. Und der naturnahe Wald ist die CO2-Senke, die Grabsenke, das Zu-Grunde-Gehen des Störfaktors Mensch!“

So deuteten wir vor wenigen Tagen die Philosophie, die hinter dem RuheForst Nauen steht. Schon beim Schreiben fiel mir auf, wie nahe diese Formulierung dem ältesten Fragment der europäischen Philosophie steht – Zufall? Nein, ich glaube dies nicht. Die Fahrten in den Wald führten über Ostern ins Uralt-Halbvergessene, auf Holzwege – und Holz lautet ein alter Name für Wald. Diese Wege enden im Unbegangenen, das eben weil es unbegangen scheint, so plötzlich ins Unverborgene tritt. Der älteste erhaltene Satz der europäischen Philosophie lautet:

ἐξ ὧν δὲ ἡ γένεσίς ἐστι τοῖς οὖσι, καὶ τὴν φθορὰν εἰς ταῦτα γίνεσθαι κατὰ τὸ χρεών· διδόναι γὰρ αὐτὰ δίκην καὶ τίσιν ἀλλήλοις τῆς ἀδικίας κατὰ τὴν τοῦ χρόνου τάξιν

Wir übersetzen:

Woher den Seienden  ihre Entstehung ist, in dieses hinein entsteht auch das Verderben. Denn sie geben einander Strafe und Ablösung des Unrechts gemäß der Aufreihung der Zeit.

Modernes ökologisches Bewusstsein sieht  die Menschen, die „Seienden“ im herausgehobenen Sinne, als unrechtbegehende Ressourcenverbraucher, die einander die Schuldigkeit ablösen müssen gemäß der Ordnung der Zeitverläufe. Es gibt also keine Erlösung für den Menschen von außen her oder durch eigene Bemühung, sondern nur das Zugrundegehen in den Ursprung. Zyklisches Bewusstsein!

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Warum das Böse?

 Das Böse, Michael Ende  Kommentare deaktiviert für Warum das Böse?
Apr. 272011
 

Wer einen Drachen überwinden kann, ohne ihn umzubringen, der hilft ihm sich zu verwandeln. Niemand, der böse ist, ist dabei besonders glücklich, müsst ihr wissen. Und wir Drachen sind eigentlich nur so böse, damit jemand kommt und uns besiegt. Leider werden wir aber dabei meistens umgebracht. Aber wenn das nicht der Fall ist, so wie bei euch und mir, dann geschieht etwas sehr Wunderbares.

So spricht Frau Mahlzahn, die böse weibliche Drache, Vorbild aller Missbrauchsfälle in pädagogischen Einrichtungen, Inbegriff der „schwarzen Pädagogik“ einer Alice Schwarzer. Jim Knopf und Lukas erziehen Frau Mahlzahn zum Guten. Sie „ziehen“ sie buchstäblich dank tätiger Nächstenliebe zurück in die menschliche Gemeinschaft. Großartig, wie Michael Ende das hinkriegt! Ein Meisterwerk!

He detests Nature, and has a squeamish horror of sex. „To marry,“ he thinks to himself, „it was like ordure on the hands.“ His mode of life is as immaterial as infinity. He is not only aloof and austere, but virulently hostile to the material world as such. And this, as we shall see, is characteristic of evil. It is as though some vital piece of the youth has been cut out. He lacks all sympathetic feeling, unable to conceive what others are feeling. He is as unschooled in the language of the emotions as he is in Hindi. Other people’s behaviour seems to him as indecipherable as a flea’s might appear to us.“

Mit diesen Worten beschreibt Terry Eagleton den 17 Jahre alten Pinkie, einen minderjährigen Intensivtäter und Mörder aus Graham Greenes Roman Brighton Rock.  Aber Eagleton fasst in diesen Worten recht treffend eine Struktur des Bösen schlechthin. Das Böse erfüllt sich im Neinsagen um des Neinsagens willen. Eagleton deutet: „Pinkie is not evil because he kills people; he kills people because he is evil.“

„Ich war in einer aggressiven Stimmung.“ Mit diesen Worten beschreibt Torben P. die Grundstimmung, die ihn dazu brachte, im Bahnhof Friedrichstraße auf den Kopf eines von ihm zuvor Verprügelten und Niedergestoßenen auch noch einzutreten. Auch hier bricht – so meine ich – das Böse in seiner offenbaren Grundlosigkeit hervor. Das Böse ist nicht eigentlich das Eigennützige oder Egoistische. Sondern es tritt häufig auf als das Verneinen, das Vernichten, das Zerstören um seiner selbst willen. „Ich war in einer aggressiven Stimmung und habe Streit gesucht.“

Alle jene, die Verbrechen oder das Böse stets nur als „systemisches Versagen“ erklären wollen, seien die Geschichten der Frau Mahlzahn, des Pinkie und des Torben P. zum Nachdenken empfohlen.

Als Mittel gegen das Böse sollten – so meine ich – verstärkt das Gewissen, die Gewissensbildung in der Kindheit und Jugend, die Herzensbildung und der Sinn für moralische Verantwortung gepflegt werden. Und auch die liebende Zuwendung gegenüber dem Bösen kann heilende Wirkung entfalten.

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Mit Zeichnungen von F. J. Tripp. Thienemann Verlag , Stuttgart/Wien 1960, S. 219-220

Terry Eagleton: On Evil. Yale University Press, New Haven and London 2010, Seite 52

Jörn Hasselmann: U-Bahn-Schläger. Mann bewusstlos getreten. Verdächtige stellen sich. Tagesspiegel online, 24.04.2011

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Apr. 262011
 

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Na, mal kucken, ob sich jemand verlocken lässt … dann werden wir mal ein paar neue Register auf der Orgel ziehen! Oder muss es heißen: neue Saiten aufziehen?

Jetzt aber wirklich: Politik zum Selbermachen! | Politikselbermachen
Neben unseren regelmäßigen Treffen an jedem Donnerstag um 18 Uhr, die eine Fülle neuer Einsichten gebracht haben, steht am 6. und 7. Mai der CDU-Landesparteitag an. Unser Ortsverband stellt 2 (Ersatz-)Delegierte, die höchstwahrscheinlich auch mit Wahlrecht zum Zuge kommen werden: Johannes Hampel und Tobias Bauer.
Wir werden die beiden nächsten Stammtische am Donnerstag 18 Uhr dazu nutzen, Anträge zu besprechen und auszuformulieren! An diesem Donnerstag geht es vorrangig um die deutsche Sprache, Familie, Schulsingen und Immobilien! Kommen Sie zahlreich – Mitglieder und Nichtmitglieder!
Sie haben die Chance, die Politik der CDU, die sich anschickt stärkste Partei in Berlin zu werden und mit Frank Henkel den nächsten Regierenden Bürgermeister zu stellen, aktiv zu beeinflussen.
Politik zum Selbermachen!
Ich schlage Anträge zu folgenden Themen vor:
– Der größte Schatz: Deutsche Sprache hegen und pflegen!
– Schulsingen – der Prinzen- und Prinzessinnenweg zu besserem Lernen
– Platz gemacht für junge Familien mit Kindern: Nachverdichtung städtischen Raumes durch privat finanzierten Neubau familiengerechter preiswerter Wohnungen für niedrige Einkommen
– Jetzt wird’s aber Zeit: Wo bleibt die Verantwortung der Eltern?
– Familien als Teil der Schulgemeinschaft – der Schlüssel zu besseren Schülern
– Hilfe! Wir kriegen Kinder! Familienbildung und Hauswirtschaftslehre für Jungen und Mädchen
– Fahrradverkehr gegen alle? – Die Freiheit der Wahl
– Unterricht garantieren – Klassenfrequenzen erhöhen! Haushaltskonsolidierung als vertrauensbildende Maßnahme konkret in Wahlkampf übersetzen!
– Junge Adler aus dem Nest stoßen: So wirst du erwachsen

Antragsentwürfe bringe ich an diesem Donnerstag zur Beratung mit, Sie können und sollen ebenfalls Ihre Anträge und Wünsche mit einbringen. Was soll noch rein ins Wahlprogramm?

Bild: Alte Pfeifen der ausgebauten Schuke-Orgel aus der Thomas-Kirche in Leipzig, gestern aufgenommen in der Marienkirche Fürstenwalde

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Kinder spielen und lärmen, die Mama-Staat räumt hinterher, oder: Ist Politik reine Familiensache?

 Mutterschaft, Staatlichkeit  Kommentare deaktiviert für Kinder spielen und lärmen, die Mama-Staat räumt hinterher, oder: Ist Politik reine Familiensache?
Apr. 262011
 

Ach, was haben wir doch für eine gute Mama-Staat, denke ich mir immer wieder. Die Kinder toben, sie lassen ihren Dreck fallen, sie lachen, spielen, trinken und essen, und dann gehen sie weiter.

Die Mama-Staat sieht’s,  ist betrübt und sagt: O je! Und Mama-Staat räumt fleißig hinterher. „Dann müssen wir den Putzdienst halt drei Mal schicken!“

Wir haben hier in Kreuzberg mittlerweile Zustände, wo die Bürger gar nichts mehr tun oder lassen müssen. Der Staat nimmt alles gelassen hin, fegt, wischt und hört zu. Die Hauswände sind überall beschmiert. Der Kreuzberg ist nach jeder Benutzung durch die lustigen lachenden Menschen ein unaufgeräumtes Kinderzimmer. Lustig.

Die empathisch-fürsorgliche Mama-Staat tut, was sie (er) kann.

Sehr gute Thesen von Anjes Tjarks, berichtet heute in der WELT auf S. 8! Tjarks unterscheidet zwischen dem archaisch-urtümlichen Mama-Staat und dem fordernd-erziehenden Vater-Staat. Damit trifft er ins Schwarze. Und die Familienerfahrung ist prägend für das politische Weltbild.

Wir haben hier in Berlin mit Sicherheit eine Mama-Staat, geprägt durch ein Ideal der wabernd-hegend-einhüllenden Mutter. Und die Bürger lassen es sich gefallen!

Wir bleiben alle! Wir bleiben alle bei Dir, Mama Staat!“ Und so kommt es, dass hier in Kreuzberg über Jahrzehnte hinweg dieselben Menschen im Hotel Mama bleiben und sich fürsorglich-empathisch versorgen lassen.

Politisches Weltbild: Familienideal prägt politisches Weltbild – Deutschland – WELT ONLINE

 Posted by at 13:37