Mesut-Özil-Auspfeifen und Fankultur zusammendenken!

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Okt. 122010
 

Einer der interessantesten Beiträge zur Mesut-Özil-Auspfeif-Debatte erreichte dieses Blog am 10.10.2010. Wir fügen ihn hier unverändert (wenn auch mit redaktioneller Kommentierung und stillschweigenden Rechtschreibkorrekturen) ein. Danke an Martin!

„Das ist nicht unsportlich … das ist Fankultur … auch wenn sie nicht gefällt. Dieselben, die da gepfiffen haben, werden ihm zujubeln, wenn er mit Real Madrid die CL [Champions League, Anm. der Red.]  gewinnen würde.

Ein Olli Kahn ist auch überall in der Bundesliga ausgepfiffen worden und mit Affengebrüll (dass das zu diesen Fans passt, brauch ich nicht zu erklären), das aber nur, wenn er im Bayerntrikot da war, im Nationaldress haben sie dann im gleichen Stadion Olli-Olli gerufen.

So ist das nun mal da draußen … in den Weiten des Stadion und des Sports.“

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„Islamfeindlich“, „krude Thesen“ – Abschreiber!

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Okt. 122010
 

Groteske Aufstachelung zur Islamfeindschaft wird wieder einmal über Umfragen und die wohlmeinende Presse betrieben! „Deutschland ohne Islam wäre besser“, „Ich fühle mich durch die muslimischen Schüler an den Rand gedrängt“, „Die muslimischen Jugendlichen drängen uns auf den Bürgersteigen ab“, solche Aussagen habe ich zu Hunderten gehört – von Neuköllnerinnen und Kreuzbergerinnen, von Schülerinnen und Lehrerinnen, Frauen jeder Art und jeder Nationalität.  Sind das alles Islamfeindinnen? Ist das Islamfeindschaft?

Krude Thesen“ – das ist der Renner des Jahres! Das Wort schreiben sie hübsch einer vom anderen ab, statt mal einen einzigen Elternabend mit der üblichen muslimischen Mehrheit zu besuchen. ABSCHREIBEN IS‘ FEI VERBOTEN, meine verehrten Damen und Herren Journalistinnen und Umfragerinnnen.

Nein, das sind alles Gefühle. Gefühle sind nun mal da. Man kann sie durch Umfragen bewusst bestärken, wie es die Süddeutsche heute wieder einmal macht. Oder man kann versuchen, diese Gefühle auf Erlebnisse und Erfahrungen zurückzuführen, wie es die Süddeutsche wohlweislich nicht macht.

Ich meine: Die Aussage „Deutschland wäre ohne Islam besser“ ist kein Beleg für eine vermutete Islamfeindschaft. Es ist keine islamfeindliche Aussage. Es ist eher ein kurzatmiger Seufzer.

Journalisten und Redakteure, die sicherlich weder in Neukölln noch in Kreuzberg, weder in Duisburg-Marxloh noch im Münchner Hasenbergl leben, nehmen diese und andere Aussagen zum  Anlass, den Deutschen eine „Islamfeindschaft“ zu unterstellen. Dann sollten sie ihre Kinder aber auch nach Neukölln oder Duisburg-Marxloh in die normalen staatlichen Grundschulen schicken – zu den muslimischen deutschen Mehrheiten. Dann sprechen wir uns wieder. Nach 12 Monaten.

Islam: Neue Studie – Der Sarrazin-Effekt: Deutschland wird islamfeindlich – Politik – sueddeutsche.de

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„So kommst du mir nicht vor die Augen …!“

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Okt. 112010
 

… herrschte mich eine gute Freundin ironisch an, als ich mit der gelben ADFC-Warnweste und einem Fahrrad-Schutzhelm zum Treffen antanzte.

Neuerdings trage ich sogar eine komplett gelbe Jacke, wie sie sonst nur Träger amtlicher Gewalt führen – zum Beispiel Straßenkehrer. Und prompt erkannte mich eine Bekannte nicht! Sie hielt mich für einen BSR-Mitarbeiter.

Dennoch: Ich steh dazu. Dann bin ich halt hässlich. Gute Sichtbarkeit ist ein Baustein zu guter Sicherheit beim Radfahren.

Guter Move auch in Karlsruhe: Eine  Kampagne des Bürger- und Ordnungsamtes für Regeltreue, Rücksicht, Vorsicht, vorbildliches Verhalten bei Radfahrern.

Alle, alle – Politiker, Senioren, Frauen, Männer, Kinder – liegen sie mir in den Ohren: „Du bist doch beim ADFC! Könnt ihr nicht mal was machen. So viele Radfahrer halten sich nicht an die Regeln! Die kommen von überallher angeschossen! Ich fühle mich BELÄSTIGT!“

Ich meine: Regelgerechtes, ja menschenfreundliches Verhalten von PKW- und Radfahrern ist ebenso wichtig wie eine radfahrerfreundliche Verkehrsplanung. Beides muss Hand in Hand gehen! Je artiger und verantwortungsvoller wir Radfahrer uns benehmen, desto freundlicher wird man uns zuhören, wenn’s an die Planung geht. Wenn alle PKW- und Fahrradfahrer etwa den § 1 der StVO befolgten, sähe die Welt schon viel besser aus.

Das chaotische Gebaren vieler Fahrzeugführer, oft hart an der Grenze zur Unzurechnungsfähigkeit gelegen, ist nunmal Fakt – mindestens in Berlin, Münster, Bonn und Karlsruhe. Das haben mir meine Freunde und Gesprächspartner immer wieder bestätigt. Da kann man sich noch so gerne Fahrradstadt schimpfen.

Meine hässliche Weste und meinen hässlichen Fahrradhelm lege ich übrigens neuerdings ab, sobald ich einer hübschen Freundin im Café begegnen soll. Man will ja nicht den guten Eindruck verderben, den man ohne Helm und ohne Warnweste vielleicht erzeugen kann.

 Karlsruhe: Sicher Radfahren in der Fahrradstadt Karlsruhe
Machen Sie sich auffällig!

Zweiräder sind bei Dunkelheit besonders schwer zu erkennen. Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Ausrüstung des Fahrrads mit Beleuchtung und Rückstrahlern sind besonders helle Kleidung und Reflektoren zu empfehlen. Nur wenn der Autofahrer Sie wahrnimmt, kann er rechtzeitig reagieren. Selbstverständlich: In der Dämmerung und bei Nacht niemals ohne Licht fahren!

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Beziehungen sind das A und O

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Okt. 102010
 

Trotz allem – die Debatte geht weiter, Bülent Arslan hat einige sehr gute Dinge gesagt, die sicherlich auch für Berlin gelten, nicht nur für NRW. Seh ich fast alles genauso. Lest selber:

Wie ticken die Türken in Deutschland, Herr Arslan? – Politik – Berliner Morgenpost – Berlin
Einen Integrationsvertrag abzuschließen, nützt wenig. Die türkische Kultur ist beziehungsorientiert, die deutsche dagegen sachorientiert. Das heißt, eine mündlich getroffene Vereinbarung hat eine größere Wirkung. Das ist auch so ein kultureller Unterschied.

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Haben sie Mesut Özil gemobbt?

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Okt. 102010
 

Den ganzen gestrigenTag dachte ich an das herrliche, das überragende, das überreiche, das mich zutiefst anrührende Buch „Freedom“ von Jonathan Franzen und hatte auch Gelegenheit, zu ihm und für ihn persönlich auf der Frankfurter Buchmesse zu sprechen.

So war ich leider für alle anderen Bücher dieser Welt und dieser Buchmesse gestern verloren und verbrachte den zweiten, dienstfreien  Teil des Tages statt mit Büchern auf dem internationalen Bildungskongress „Lernende Gesellschaft“ gleich nebenan. Dort traf ich viele interessante Menschen und besuchte zwei Workshops, über die ich stichpunktartig berichten möchte.

Erste Frage also: Haben die Türken Mesut Özil gemobbt durch ihr gellendes Pfeifen?

Mustafa Jannan, Gymnasiallehrer und Verfasser des „Anti-Mobbing-Buches„,  lieferte vier unbestechliche Kriterien für Mobbing überhaupt und also auch für Mobbing im Sport:

1) Es muss ein Kräfteungleichgewicht herrschen. Das Opfer ist allein, fühlt sich einer Übermacht ausgesetzt. Cliquenkämpfe, Raufereien sind kein Mobbing.

2) Mobbing erfolgt wiederholt und mit einer angebbaren Häufigkeit.

3) Mobbing hat eine längere Dauer – es ist kein einmaliges Ereignis.

4) Eine Konfliktlösung aus eigener Kraft ist nicht möglich.

Ich würde zu „Özil vs. 45000 Türken“ sagen:  1) Özil war nicht allein, er fand Unterstützung in der Mannschaft. 2) Das Auspfeifen ist auf das Spiel beschränkt, ein Ende war stets absehbar. 3) Die Konfliktlösung gelang Mesut Özil dadurch, dass er ein Tor schoss und eine brillante Leistung ablieferte, wie ich sie selbst von ihm bisher selten zu sehen bekam. (Das Tor war nur das Sahnehäubchen, seine super Pässe werden mir noch länger im Gedächtrnis bleiben!)

Es war also KEIN MOBBING gegen Özil!

Mustafa Jannan bot gestern höchst konstruktive Konfliktlösungsmuster an: Mobbing muss zum Thema in der Schule gemacht werden. Es muss ans Tageslicht kommen. Nur die SCHULE selbst kann Mobbing verhindern, Mobbing abstellen, Mobbing auflösen.

Die zentrale Figur ist dabei der LEHRER. Er muss Verbündete und Helfer suchen – vor allem unter den anderen Schülern und unter den Elternvertretern (nicht jedoch unter den Eltern des Mobbers und des Mobbing-Opfers selbst).

Der vermittelnde Lehrer (das muss nicht der Klassenlehrer sein) muss zuerst den vertraulichen Kontakt zum Mobbing-Opfer, dann zum Mobber suchen und pflegen. Mit einer guten Beziehungsqualität steht und fällt jeder fruchtbare Umgang mit Mobbing.

Ich stellte die Frage nach dem Mobbing migrantischer Mehrheiten gegen winzige Minderheiten an Berliner Schulen, drang aber damit nicht durch. Meine Frage wurde nicht aufgegriffen – wohl aus Zeitgründen.

Was ergibt sich aus Mustafa Jannans Erkenntnissen zur gegenwärtigen Mobbing-Debatte in Berlin?

Erstens: Die Schulen haben die Karten selbst in der Hand. Ein erhöhter Aufwand an Sozialarbeitern, Psychologen, Streitschlichtern ist – wenn ich Jannan richtig verstehe – nicht nötig.

Zweitens: Die Schulen müssen viel stärker die Identifikation mit sich, also mit der Schule XY pflegen und stärken. „Wir sind hier die Nazim-Hikmet-Schule, wir gehören alle dazu!“

Drittens: Mobbing ist sehr häufig. Etwa 1 von 25 Schülern wird gemobbt.  Die Schulen sollten deshalb eine Anti-Mobbing-Kultur aufbauen. Das ist eine Daueraufgabe.

Ich empfehle meiner gebeutelten Stadt Berlin, Mustafa Jannans Buch zu lesen und ihn auch einmal offiziell nach Berlin einzuladen.

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Okt. 102010
 

Etwas, was bei Sami Khedira undenkbar wäre: die Türken pfiffen im Berliner Olympistadion ihren abtrünnigen Landsmann aus. „Einmal Türke – immer Türke!“, „Die türkische Nation ist ewig und heilig“, „Wir müssen zueinander halten – wo immer wir sind“, „Wir müssen den Ruhm des türkischen Vaterlandes überallhin tragen“. Solche Stimmen hörte ich aus dem gellenden Pfeifkonzert heraus.  Es stimmt schon: Die Türken haben mit unendlicher Mühe aus einem Vielvölkerstaat unter Zuhilfenahme heiliger Beschwörungsformeln eine mit Blut geweihte Staatsnation geschmiedet. Wem das nicht passte, der konnte ja gehen oder wurde gegangen. Man besuche einmal das Atatürk-Mausoleum in Ankara! Man besuche auch das Lenin-Mausoleum (früher: Lenin/Stalin-Mausoleum) in Moskau! Die Ähnlichkeiten sind überraschend!

Dann wird man die heilige Verehrung der türkischen Nation besser begreifen.

Einer wie Özil, der sich aus freien Stücken für das Land entscheidet, in dem er geboren und aufgewachsen ist, gilt offenbar vielen als Verräter.

Ich habe über dieses Thema oft mit „gut integrierten“, akademisch gebildeten Deutschtürken gesprochen. Sie gaben mir privat weitgehend recht. Aber öffentlich wird kaum ein deutscher Türke dieses ersatzreligiöse Festklammern an der überragenden ewigen türkischen Nation, diese Verehrung des türkischen Staates, des Türkentums  in Frage stellen.

Er sähe sich sofort einem gellenden Pfeifkonzert ausgesetzt. Siehe Mesut Özil! Das gellende Konzert für Özil macht alle weiteren Integrationskongresse erst mal überflüssig, oder?

Dieser tief in den Seelen verwurzelte türkische Nationalismus ist – so meine ich – eines der größten Integrationshemmnisse. Falsch wäre es auch, von Türken zu verlangen, sie sollten umdenken. Das Sich-Lossagen vom türkischen Staat wird fast wie ein Frevel am Vaterland empfunden und kann zu schwerem seelischem Leid führen.

Über die türkischen Religionsbehörden steuert und stärkt der türkische Staat seine Auslandstürken in ihrem Sonder- und Abhängigkeitsbewusstsein. Er bestärkt sie als Schutzmacht im Bewusstsein, hier in einer türkischen Exklave zu leben. Er will nach Kräften verhindern, dass die seit vielen Jahrzehnten hier lebenden, hier geborenen Türken gute deutsche Staatsbürger werden und dadurch dem ewigen Türkentum verlorengehen.

Er bindet sie an sich – etwa durch die Beschneidung des Erbrechts bei Abgabe der türkischen Staatsbürgerschaft. Und wie man in Zypern sieht, nimmt der türkische Staat dieses wechselseitige Treueverhältnis blutig ernst.

Solange die Türken in Deutschland da nicht ran gehen und die Integration allein uns schafsfrommen Biodeutschen überlassen, wird das nichts mit der Integration der Türken.

Das ist doch alles Essig.  Ich bin es leid. Ich bin dessen überdrüssig, mir dieses ewige Lied vom Leid und Elend der Auslandstürken anzuhören.

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Ramsey Hill = Kreuzberg?

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Okt. 082010
 

Damals fuhren sie einen Volvo 240 und waren grüner als Greenpeace, heute fahren sie einen Toyota Prius und ziehen zurück in innerstädtische Wohnquartiere, bilden Baugemeinschaften, haben Kinder bekommen. Sie sind – die neue wohlhabende Mittelschicht der Doppeltverdiener, die ihr Herz für die Benachteiligten nie vergessen haben. Sie verdienen gut. In einem Wort: sie sind urban gentry. Sie sind die Träger der gentrification.

Spreche ich von Kreuzberg? Nein! Ich spreche von Walter und Patty Berglund, den Hauptdarstellern in Jonathan Franzens neuem Roman „Freedom“. Walter und Pattys Geschichte könnte so ähnlich, bis hin zur Wahl des Autos, auch in Marburg, Hamburg oder Tübingen spielen. Jonathan Berglund könnte auch Wolfgang Schenk, Peter Schneider oder Gunnar Schupelius heißen. Patty Berglund könnte auch Alice Schwarzer heißen.

Ich besitze dieses Buch in der frühen amerikanischen Originalausgabe von 2010, die vor wenigen Tagen vom Verlag in einer gigantischen Rückrufaktion wie beim Toyota Prius eingestampft werden musste, als hätte das Gaspedal geklemmt: Sie war übersät mit Sinn- und Druckfehlern, der Autor hatte – so wurde vermeldet – versehentlich eine unkorrigierte Vorfassung abgeliefert. Das macht mich sehr sehr neugierig. War da vielleicht eine politische Inkorrektheit drin? Irgendeine teuflische kleine Wahrheit, die sofort justiziabel würde? Wir wissen es nicht.

Macmillan: Freedom – Oprah #64: A Novel Jonathan Franzen: Books

Die Themenaufstellung, die das Buch einleitet, vergleiche ich jedenfalls mit dem Präludium zu einer großen Oper. Ich zitiere hier einige der Fragen, die der Autor seinen Personen und damit uns vorlegt:

How can you relearn certain life skills that your own parents had fled to the suburbs specifically to unlearn? (Aha! Zum Beispiel Kochen!)

How can you protect your bike from a highly motivated thief? (Siehe Berliner Zeitung heute, S. 17!)

How can you encourage feral cats to shit in somebody else’s children’s sandbox? (Gilt auch für Hunde).

How to determine whether a public school sucked too much to bother trying to fix it? (Kirchliche Schulen sind auch nicht die Lösung).

Ihr seht: Die USA haben es teilweise mit denselben Problemen zu tun wie wir auch. Franzens Roman „Freedom“, den ich gerade lese, ist ein großartiger, kühner Versuch über den Zerfall der alten Werte und den mühsamen Versuch, diese alten Werte so erneut zu formulieren, dass sie das Leben der Ungeschützten, der Kinder, der Mädchen und der Benachteiligten einhegen.

Es geht um Familie, Sexualität, Erziehung, Eltern und Kinder, Macht, Nächstenliebe, Hass, Neid, Politik. Das sind unsere Hauptthemen seit etwa 2500 Jahren. Wer zu diesen Hauptthemen nichts sagen kann oder sagen will, der benachteiligt sich selbst.

Dinge wie Toyota Prius, der Juchtenkäfer, Volvo 240, Gentrification, „Stuttgart 21 – ja oder nein“, Greenpeace sind nur Kräuselungen auf der Oberfläche. Es genügt, dieses Buch zu lesen oder zu verschlingen, um in sich diese Überzeugung zu bestärken.

Quelle: Jonathan Franzen: Freedom. A novel.  Farrar, Straus and Giroux. New York 2010, hier: S. 4

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Okt. 082010
 

Hallesches Ufer hin – Tempelhofer Ufer zurück – das ist nun unser täglicher Schulweg, den wir selbstverständlich mit dem Rad zurücklegen. Ein Jammer, dass es nicht einmal auf diesen wichtigen Querverbindungen Radverkehrsanlagen gibt. Kein Radstreifen, kein Radweg, nichts! Und es gibt praktisch keine machbaren Umweg-Alternativen – außer den ganzen Weg zu Fuß zu gehen oder auf dem Gehweg zu fahren! Mitten in Kreuzberg!

Stattdessen drei dicke fette Spuren für die Autos und die dicken Brummis, die dann oft um Haaresbreite an mir vorbeidonnern. Heute sah ich, wie im Stau ein Motorrollerfahrer auf den Gehweg auswich. Wir – mein Sohn und ich – halten uns dagegen mit stoischem Gleichmut, mit dem Gleichmut des Juchtenkäfers an die StVO-Vorschriften.

Ein Riesenthema greift heute die Berliner Zeitung auf S. 17 auf: Fahrraddiebstähle. Ein Massendelikt!

Ich meine: Bügelschlösser sind besser besser als Kabelschlösser. Gute Abstellanlagen stadtweit wären ebenfalls toll. In den Hinterhöfen sollte man über abschließbare Häuschen oder überdachte Unterstände für Fahrräder nachdenken.

Wir Radfahrer sind keine Juchtenkäfer! Wir haben ein Recht darauf, sicher und ungefährdet mit unseren Fahrzeugen von A nach B zu gelangen. Wenn uns dieses Recht durch die Stärkeren beschnitten und genommen wird, werden wir  dafür kämpfen. Wir sind doch keine Juchtenkäfer!

Diebesbanden spezialisieren sich auf Fahrräder : Textarchiv : Berliner Zeitung Archiv

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Okt. 082010
 

Sehr erhebendes Gespräch mit dem aus einem Dorf in Ostfriesland stammenden Schülersprecher der Otto-Hahn-Oberschule! Lest die Berliner Zeitung heute auf S. 19!

Ich spreche mit der einen, dann mit der anderen Seite und zum Schluss mit allen Beteiligten„, sagt Yachya (18).Und damit spricht er eigentlich allen aus dem Herzen. Man sollte in Berlin öfters auf die Ostfriesen hören! Jedes Vorurteil gegenüber den Ostfriesen wäre diskriminierend und rassistisch.

Yachya hat Ziele für sein Leben. Vorbildlich!

Als weiteres gutes Mittel habe ich es erfahren, wenn man Mobber direkt in die eigene Familie des Gemobbten einlädt, ihnen die Erfahrung vermittelt: „Du bist uns willkommen. Du gehörst zu uns.“ Das Mobbing wird dann schlagartig aufhören. Probiert es aus.

„Das Problem sind die Schüler, die nichts erreichen wollen“ – Berliner Zeitung

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Okt. 072010
 

… und steh dazu. Sah gestern Hart aber fair mit Plasberg. Wer kam am besten rüber?

Ich bin da knallhart und unfair: Die Lautgebung Tanja Gönners und die eingestreuten schwäbischen Redewendungen Cem Özdemirs klangen meinem schwäbischen Ohr am vertrautesten, deshalb würde ich die beiden sofort als Rechtsanwälte wählen. Das ist – zugegebenermaßen – diskriminierend, unfair, rassistisch gegenüber allen Hochdeutsch Sprechenden. Das weiß ich. Aber wenn ich Schwaben oder Bayern höre, höre ich Urlaute aus meiner Kindheit. Das stiftet sofort ein Grundvertrauen. Dagegen kommt man nicht an. 

Deshalb mein Ratschlag an alle Politiker: Lernt doch erst mal richtig Dialekt sprechen. Das bringt Sympathiepunkte beim gemeinen Volk wie mir.

DENN: Ad ogni uccello il suo nido è bello, wie der Südstaatler noch weiter im Süden sagt.

DasErste.de – hart aber fair – Bürger gegen Politiker: Wie viel Aufstand verträgt die Demokratie?

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Diskriminierung und Alltagsrassismus

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Okt. 062010
 

Immer wieder höre ich von liebloser, entmutigender Behandlung von ausländischen  Bürgern auf Schulen, Ämtern und an öffentlichen Plätzen. Da ich ständig mit Ausländern zu tun habe und auch mit einer Ausländerin verheiratet bin, weiß ich, dass all diese Berichte von entmutigenden, kränkenden Worten und Gesten nicht aus der Luft gegriffen sind. Gerade bei Kindern sind Sätze wie „Aus dir wird ja eh nichts“, „Lernt man bei euch in Syrien nicht sprechen“ verheerend. Letzteres Beispiel entnehme ich dem neuen Buch von Nourig Apfeld, das ich heute mit großer Anteilnahme las.

Du kannst nichts, aus dir wird nichts, geh nachhause!“, so berichtet es der Deutsche Christoph Meckel von seinem deutschen Vater. Alles verletzende Aussagen, die man besser einem Kind nicht entgegenschleudern sollte! Aber ist dies Rassismus, ist dies Diskriminierung?

Da kommen sie wieder, diese verdammten Schweinefleischesser!“, derartige Flüche in türkischer Sprache sind auch keine Seltenheit, Melda Akbas musste sie selber mit anhören, als sie einmal mit einem deutschen Jungen spazierenging und sich eher wie eine Italienerin angezogen hatte.

Dummes, bösartiges, liebloses Verhalten gegenüber dem Nächsten gibt es leider überall. Ich selbst habe es oft erfahren. Jeder hat es erfahren!

Aber sollte man derartige Sätze als „Alltagsrassismus“ oder Diskriminierung bezeichnen? Entscheidet selbst. Hören wir ein erschütterndes Beispiel diskriminierender Behandlung, worüber sich unsere türkischen Freunde so gern beschweren! Beispiel:

Der Neuköllner Rechtsanwalt Erol Özkaraca wurde gestern in der Welt durch Reporter Joachim Fahrun als wahrscheinlicher Wahlkreiskandidat für Neukölln-Nord vorgestellt. Wir zitieren:

Neuköllner SPD stellt sich quer – Nachrichten welt_print – Regionales – WELT ONLINE
Wie Buschkowsky wendet er sich gegen das Schönreden von Integrationsmängeln und hält Sanktionen gegen integrationsunwillige Einwanderer in letzter Konsequenz für geboten. Andererseits hat er Diskriminierung am eigenen Leib erfahren, wenn er feststellt, dass wegen seines Namens kaum deutsche Klienten seine Kanzlei aufsuchten.

Na, ich frage euch: Würdet ihr denn einen euch unbekannten Rechtsanwalt mit türkischem Namen ohne jede vorherige Empfehlung aufsuchen? Ich würde mich freuen, wenn ihr dies tätet! Ich würde mich auch freuen, wenn ihr einen Deutschlehrer mit einem russischen Namen einem solchen mit deutschem Namen vorzöget. Wenn ihr es nicht tätet, würde ich euch aber keinen  Vorwurf machen! Am allerwenigsten den Vorwurf des Alltagsrassismus oder der Diskriminierung.

So weiß ich von Ärzten mit Migrationshintergrund, dass ihre Patienten ganz überwiegend aus der eigenen Herkunftsgruppe kommen: Türken gehen gerne zu türkischen Ärzten, Iraner gehen gerne zu iranischen Ärzten usw. Sollen sich jetzt die deutschen Ärzte wegen Diskriminierung beschweren?

Alltagsrassismus und Diskriminierung wäre es, wenn einem Anwalt mit Hinweis auf dessen ethnische Herkunft die Zulassung verweigert würde. So etwas gibt es heute in Libanon. Dort können Bürger palästinensischer Herkunft nur einige wenige Berufe  ergreifen.

So etwas gab es in weit schlimmerer Form in Deutschland nach 1933. Dort wurde Juden nach und nach die Erlaubnis zur Ausübung bestimmter Berufe entzogen. DAS ist echter Rassismus. Das ist echte Diskriminierung.

Bei uns hingegen kann jeder Palästinenser, sobald er die deutsche Staatsangehörigkeit erlangt hat, nicht nur jeden Beruf ergreifen, er kann sogar hohe und höchste Staatsämter erlangen. Diese Chancen gilt es zu ergreifen. Man sollte sich nicht ständig einreden: Alle sind gegen uns.

Zeigt es ihnen! Zeigt ihnen, was ihr draufhabt!

Das rassistische Höhnen und Hetzen gegen Juden, wie es etwa Arye Shalicar aus Berlins Wedding berichtet, ist etwas anderes! Hier tun sich ganze Gruppen gegen einen einzelnen zusammen, verspotten ihn, demütigen ihn mit lauten Sprüchen. So etwas dürfen und sollten wir nicht hinnehmen. Ähnliches gilt für die einzelnen verbleibenden nichtmuslimischen Kinder in Grundschulen.

Auch hier sind es mehrere oder ganze Gruppen, die ihre körperliche Überlegenheit und ihre größere Zahl ausnutzen, um einzelne Kinder einzuschüchtern – häufig mit religiös angehauchtem Unterton. Auch hier sollten die Erwachsenen sofort einschreiten.

 Posted by at 23:41
Okt. 062010
 

Einer der vier Sprecher der israelischen Armee stammt aus Wedding! Arye Shalicar hat jetzt ein Buch vorgelegt unter dem Titel: „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude.“ Darin schildert er, was es für ihn bedeutete, in einer typischen Berliner muslimischen Bevölkerungsmehrheit aufzuwachsen und warum er Deutschland verlassen hat.

Die Berliner Zeitung berichtet darüber, wie er sich aus dem Kreislauf von antijüdischem Rassismus, Gewalt und Kriminalität retten lassen konnte. Ein Freund half ihm dabei.

In den Straßen von Berlin – Berliner Zeitung
Er mahnte ihn, kein Brot wegzuwerfen, keine Gewalt anzuwenden und die Schule nicht zu vernachlässigen. Die Kroatin Janica, seine Jugendliebe, half ihm, sich aus der Kriminalität zu lösen. „Krieg’ dein Leben in den Griff“, sagte sie.

 Posted by at 15:28
Okt. 062010
 

In dem üblichen hochgradig angereicherten Wissenschaftssprech liegt er  vor – der Zwischenbericht zur Elternpartizipation. Dieses Blog berichtete über die Veranstaltung im Rathaus Kreuzberg, auf der der Bericht vorgestellt wurde.

So muss das wohl gemacht werden, wenn man vor den Wissenschaftsgemeinde  bestehen will. Bitte lasst euch nicht abschrecken von der sperrigen Sprache! Man kann das alles gut in verständliches Deutsch übersetzen – ein gutes Abitur in Deutsch, Englisch oder Lateinisch reichen aus, und sofort versteht man diese Begriffe! Übliche Deutsch-, Türkisch- oder Arabischkenntnisse allein reichen nicht aus.

Zwischenbericht – Erhebung zur Elternpartizipation FX – 4-10-2010.pdf(application/pdf-Objekt)

Die Daten des Berichts sind zwar kaum valide zu nennen, da die Rücklaufquote niedrig war.

Aber den Grundgedanken des Unternehmens, nämlich die Einbeziehung, die Einbindung der Eltern in die Arbeit der Schule, finde ich herausragend gut!

Wenn dies gelänge, nämlich die Eltern in die „Schulgemeinde“ oder die „Schulgemeinschaft“ einzubeziehen, dann wäre die Partie „Integration“ schon hald gewonnen.

Wichtig wäre es, die Mehrheit der Eltern überhaupt erst einmal zum Erscheinen bei Schulfesten, Elternabenden, Veranstaltungen zu bewegen. Schon an dieser Aufgabe wird man meist scheitern.

Da müssen wir uns noch viele Gedanken machen. Und vor allem handeln. Der Staat allein wird diese Aufgabe nicht meistern können.

Die Verantwortung für ein Miteinander liegt bei den Eltern und den Schulen. Der Staat wird sich überheben, wenn er versucht, die „Schulgemeinde“ durch noch mehr Geld oder noch mehr Reformen herbeizuführen.

 Posted by at 14:34