März 112010
 

abdel-samad_images.jpg Neben Armin Laschets „Aufsteigerrepublik“ halte ich Abdel-Samads „Abschied vom Himmel“ für die beiden besten Bücher zum Thema „Integration“, die der deutsche Buchmarkt im Jahr 2009 herausgebracht hat. Sie sind wie Zwillingsbrüder. Sie machen all die hochtrabende, begrifflich hochgerüstete akademische Migrations- und Integrationsforschung … nun … nicht komplett überflüssig, aber sie grundieren sie mit kräftigen, unauslöschlichen Pinselstrichen. Sie sind – Butter bei die Fische!

Was sagt Hamed Abdel-Samad zum Thema „Alltagsrassismus“? Antwort: Er verwendet  das Wort nicht.  Sehr wohl aber spricht er von Diskriminierung, der harmloseren Vorstufe zum Rassismus. Wir hören:

„Aber eines haben Türken und Araber in Deutschland gemein: Sie beschweren sich leidenschaftlich und fortwährend über ihre Diskriminierung, obwohl es meist gar nicht um Diskriminierung geht. Es handelt sich vielleicht um Gleichgültigkeit, Nichtbeachtung oder höchstens Kränkung, aber Diskriminierung ist eigentlich etwas anderes. Aber der Vorwurf der Diskriminierung dient oft als Ausrede für das Ausbleiben eigenen Erfolgs.“

Gleichgültigkeit, Nichtbeachtung oder Kränkung: Das erfahre ich, das erfahren wir Menschen immer wieder, z.B. wenn die Leute uns nicht kennen, wenn wir schlecht oder dürftig angezogen sind. Gehen Sie mal in abgerissenen Jeans und Turnschuhen in ein Standesamt! Und dann gehen Sie mit Anzug und Krawatte und gewienerten Schuhen in dasselbe Amt – na, bemerken Sie den Unterschied?

Aber: Das ist weder Rassismus noch Diskriminierung. Das ist menschlich. So sind wir Menschen.

Daneben gibt es zweifellos Fälle von Diskriminierung von Zuwanderern in Deutschland, das höre ich selbst immer wieder. Aber – es sind einzelne Fälle, es hat nicht System. „Sie sind aber kein Berliner, oder?“ – das höre ich selbst immer wieder hier in Kreuzberg. Warum bloß? Bin ich deswegen schon ein Diskriminierungsopfer? Unsinn!

Sich ständig als diskriminierte Minderheit (oder Mehrheit) auszugeben, hat wenig Sinn. Wir wären dann ja alle Diskriminierungsopfer, weil wir ständig aufgrund von rein äußerlichen Merkmalen wie etwa Kleidung oder Haartracht eingestuft und beurteilt werden!

Alle können sich durch Höflichkeit, durch Leistung, durch Respekt gegenseitig in ihrer Eigenart bestärken. Das brauchen wir. Nicht Jammerarie auf Jammerarie!

Hamed Abdel-Samad: Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland. Fackelträger Verlag, Köln 2009, 312 Seiten. Zitat: S. 48

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März 112010
 

„Iiii – wie eklig – der isst Salami“, diese Reaktionen muslimischer Mitschüler höre ich von Kreuzberger Grundschülern, die der nichtmuslimischen Minderheit angehören, wenn sie ihr Pausenbrot auspacken. Und immer wiede sehe ich junge Männer der Mehrheit, wie sie besonders auffällig und wiederholt auf die Erde spucken. Und Mädchen oder junge Frauen aus der nichtmuslimischen Neuköllner Minderheit berichten von häufigen sexuellen Belästigungen und machohafter Anmache, wenn sie allein auf der Straße gehen.“Ich habe keine Lust mehr, mich dauernd von den Jungs beleidigen zu lassen“, sagen diese Frauen. Viele deutsche Familien sind schon aus Neukölln weggezogen.

„Die Themen, die den Muslimen unter den Nägeln brennen wie Alltagsrassismus oder Islamophobie sind nicht einmal erwähnt worden.“ So Aiman Mazyek heute auf S. 5 der Süddeutschen Zeitung.

Angst deutscher Mädchen vor sexueller Anmache durch moslemische junge Männer, Verspottung und Lächerlichmachen von Schweinefleischverzehrern, ostentatives Spucken von Halbstarken auf den Berliner Boden … ist das alles schon Rassismus oder Islamophobie?

I wo! Es ist mangelnde Erziehung, eine Selbstabgrenzung der muslimischen Bevölkerung, eine Mischung aus dumpfen kulturell-religiösen muslimischen Überlegenheitsansprüchen und gefühlter ökonomischer Unterlegenheit. Mit Rassismus hat dies beileibe nichts zu tun.

Als echten Rassismus würde ich allenfalls die in Kreuzberg und Neukölln weitverbreiteten judenfeindlichen Einstellungen bezeichnen. Und dafür – also für die Bekämpfung antisemitischer und homophober Vorurteile unter moslemischen Jugendlichen – stellt die Stadt Berlin ja in diesem Jahr 1,9 Millionen Euro bereit.

„Diese Bank ist nur für Weiße“, so berichtete die letzte Sendung mit der Maus aus Südafrika. Südafrika war bis 1991 ein rassistischer Staat! In ganz Europa herrschte im 19. Jahrhundert bis weit in die dreißiger und vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein rassistischer Unterton.

„Alltagsrassismus und Islamophobie“  – mit diesen allzu häufig, inflationär ausgespielten Karten wollen manche migrantischen Verbände ihren Opferstatus befestigen. Darin sind sie Meister. Grotesk!

Muslime erwägen, den Dialog mit de Maizière zu beenden – Islamkonferenz vor dem Aus – Service – sueddeutsche.de
Mazyek kritisierte auch die inhaltliche Neuorientierung der Konferenz: „Die Themen, die den Muslimen unter den Nägeln brennen wie Alltagsrassismus oder Islamophobie sind nicht einmal erwähnt worden.“ Auch die Zusammensetzung des Gremiums ist den Verbänden zuwider.

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März 112010
 

Mit diesem Ausruf kam vor zwei Wochen ein Mädchen in der Kreuzberger Fanny-Hensel-Grundschule auf mich zu. Ich kannte sie noch von einem unserer Schulkonzerte. „Das Lied, das du gespielt hast, hat mir gefallen“, sagte sie. „Das will ich auch spielen!“ Freunde, ich sag euch: Für solche Momente lohnt sich alle Mühe! Da gleitet man auch über allerlei bedenkliche Zwischenrufe hinweg, die die Berliner Dirigenten warnend erschallen lassen.

Es mag zwar sein, dass Berlin ein einziger Poblemkiez ist, was die musikalische Bildung angeht. Es wird zuviel gedudelt. Aber es liegt an uns dies zu ändern. Gebt nicht nur einem Kreuzberger Kind eine Geige, gebt jedem Berliner Kind ein Instrument: Geige für die Jungs, Kontrabass für die Mädchen, Baglama für Lichtenberger Jungen, Blockflöte für Neuköllner Jungen!

Jede Wanderung beginnt mit einem Schritt!

Musikalische Bildung – „Berlin ist ein einziger Problemkiez“ – Berlin Aktuell – Berliner Morgenpost
Berlins Schülern fehlt es flächendeckend an musikalischer Bildung, dieser Ansicht ist Anne-Kathrin Ostrop Musiktheaterpädagogin der Komischen Oper. Sie erlebt in Workshops die Defizite von Schüler. „Die Situation ist bereits verfahren“, sagte sie Morgenpost Online. Der Zweck von Musikunterrich sei es eigentlich, Sozialkompetenz zu erwerben. „Unsere Kinder sollen nicht grobschlächtig, sondern sensibel werden.“ Doch das Wissen um die Kultur und die Fähigkeit, bewusst Musik zu hören, seien „deutlich geschwunden“.
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Ostrop . In anderen Bundesländern gebe es aber zumindest Initiativen wie die Aktion „Jedem Kind ein Instrument“ in Nordrhein-Westfalen. Lokale Schwerpunkte gebe es in Berlin nicht mehr, nur noch 20 Prozent der Schulkinder hätten einen qualifizierten Musikunterricht: „Berlin ist ein einziger großer Problemkiez.“

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Ein qualitativer Begriff von Armut: Irene Khan

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März 102010
 

1 oder 2 Dollar am Tag – das ist die UN-Definition von Armut. Sie ist unvollständig, wie Irene Khan, die ai-Generalsekretärin, in einem Interview hervorhebt:

YouTube – KCTS 9 Connects: Irene Khan Talks About Global Poverty

Armut im qualitativen Sinn bedeutet laut Khan dreierlei: Keine Abhilfemöglichkeiten vor Rechtsbrüchen, keine Zugangsmöglichkeit zu verbrieften Rechten, keine Zugangsmöglichkeiten zu Systemen der sozialen Sicherung, keine rechtliche Gleichstellung.

In diesem Sinne, so Khan, leben 1 Drittel der Menschheit in Armut. Unter diesen Armen wiederum sind 70% weiblich.

Abhilfe gegen Armut verlangt zwingend: Rechtsstaatlichkeit und Gleichberechtigung der Frau.

Mangelnde Rechtssicherheit, mangelnde Rechtsstaatlichkeit, mangelnde Gleichberechtigung sind die größten Hindernisse in der Armutsbekämpfung!

Die Ausführungen Irene Khans sind mir ein Labsal! Ich würde sie gerne all jenen vorspielen, die immer noch an der törichten Definition der Armut festhalten, wonach derjenige arm sei, der weniger als 50% des Durchschnittseinkommens habe. So behauptet es steif und fest die EU-Kommission, und so beten es wieder und wieder fast alle Journalisten und Politiker in Deutschland nach. Was für ein Zynismus gegenüber dem Drittel der Menschheit, das in echter Armut lebt!

Ich behaupte: In der Bundesrepublik gibt es nur ganz wenige Arme, sicherlich weniger als 1%  Prozent der Bevölkerung.

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Trio educativo

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März 102010
 

Als echter Mann der Mitte profiliert sich heute der Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz im Trio educativoandante moderato auf S. 6 der Süddeutschen Zeitung. Ein sehr vernünftiger Mann, der Mann aus Sachsen-Anhalt, scheint mir, welcher Partei mag er wohl angehören? – Dann sollte man doch dieser Partei beitreten, wenn man sinnvolle Kultuspolitik betreiben will … 🙂 Lest etwa seine folgende Aussage:

Kultusminister im Gespräch – “Es geht zuviel um Zeugnisse“ – Job & Karriere – sueddeutsche.de

Extreme muss man meiden. Mich stören diese vereinfachten Schemata. Zum Beispiel Ganztagsschulen: Ist man dafür oder dagegen? Das kann man doch so gar nicht beantworten. Ich bin auf jeden Fall für Ganztagsschulen, wenn sie gute Schulen sind. Schlechte Ganztagsschulen haben den Nachteil, dass sie den ganzen Tag schlecht sind.

Scherz beiseite, die drei Kultusminister der Länder Bayern, Hamburg und Sachsen-Anhalt pflegen einen höflichen, aufgeklärten Umgang miteinander – so muss es sein. Und meine Sympathien gelten in diesem Fall eben allen dreien, am meisten aber dem Herrn Olbertz. Dennoch werde ich seiner Partei (die mir bekannt ist) nicht beitreten! 🙂

Was mir dennoch auffällt: Keiner der drei erwähnt auch nur mit einer Silbe die aktive Rolle der Familien, die Rolle der Eltern. Man vermeidet peinlichst den Anschein, irgendwelche Erwartungen an die Eltern zu richten, irgendeine Leistung von den Familien abzuverlangen. Und das halte ich für einen schweren Fehler! Die Eltern können viel tun! Sie sind – zum Teil unabhängig von den Leistungen der Schulen – ein entscheidender, vielleicht der entscheidende Determinant in Bildungskarrieren von Kindern!

Ich habe noch einmal die Artikel 1-19 des Grundgesetzes durchgelesen. Die Erziehungs- und Fürsorgepflicht der Eltern gegenüber den Kindern ist dort unter Art. 6 ausdrücklich verankert – und zwar im Grundrechtekatalog!

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

Das bedeutet: Jedes Kind hat einen unmittelbar wirksamen Rechtsanspruch auf Erziehung und Fürsorge durch seine Eltern! Und mehr noch: Die staatliche Gemeinschaft hat das Recht, ihre Erwartungen an die Eltern zu formulieren und als Empfehlungen, Ratschläge oder auch gesetzliche Verpflichtungen auszusprechen. Davon sind wir aber meilenweit entfernt. Es geschieht kaum, fast nicht.

Ich kann mir das nur so erklären, dass unsere demokratisch gewählten Politiker Angst vor dem Wahlvolk, also in diesem Fall vor den Eltern haben. Sie zittern. Zu Unrecht!

Kein Politiker braucht Angst zu haben, wenn er von Bürgern, in diesem Fall von den Eltern, mehr Mitarbeit verlangt.

Ein Beispiel: Ich höre immer wieder unisono von Erziehern und Lehrern, dass die Kinder nicht richtig gesund essen, dass sie nicht richtig versorgt werden, dass die Eltern sich nicht kümmern. Dass die Kinder stunden- oder tagelang vor Fernseher oder Computer geparkt werden. Dass Kinder nicht wissen, was Pünktlichkeit, Fleiß und Höflichkeit sind. Vorher könne man nicht sinnvoll unterrichten. Was tut der brave Staat? Er springt ein – mit Ganztagsschulen, mit mehr Betreuung, mit Angeboten noch und noch. Er sucht die Schuld immer – bei sich selbst.  Das „Einspringen“ mag auch seine Berechtigung haben. Aber zuvor oder „zuvörderst“, wie das Grundgesetz sagt –  sind die Eltern an ihre Pflicht zu erinnern. Und das kann ich in der ganzen Debatte nicht erkennen! Auch nicht im heutigen SZ-Interview.

Ermannt euch, Politiker! Ihr seid nicht für alles verantwortlich! Über etwa 2500 Jahre war Europa der Meinung, dass Erfolg durch die Anstrengung der Einzelnen errungen wird, dass Bildungserfolg in erster Linie durch fleißiges Lernen unter Anleitung erzielt wird, weniger durch Strukturen.

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Patriotismus per Gesetz?

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März 102010
 

In den USA und in der Türkei ist Erziehung zum Patriotismus den Schulen gesetzlich vorgeschrieben. In jeder Schule steht vorschriftsgemäß eine Fahne. „DU BIST EIN STOLZER US-AMERIKANER“, diese Grundbotschaft bekommt jeder US-amerikanische Schüler durch Fahne und Hymne immer wieder vermittelt. Unabhängig von Hautfarbe oder ethnischer Herkunft – jeder US-Bürger gehört dazu. Und die allermeisten Bürger der USA sind stolz darauf und möchten mit niemandem tauschen!

Ähnliches beobachtete ich in der Türkei. „Ich bin TÜRKE …“, so geloben es die Schulkinder Tag um Tag zu Unterrichtsbeginn. Und es folgt der Treueeid auf Atatürk. So gelang es den Jungtürken, einen modernen Nationalstaat zu schaffen, obwohl die Türken 1919 nur 55% der Bevölkerung stellten und die Türkei zu Beginn ein multiethnischer, multireligiöser Staat war.

Bei uns in der EU rümpft man glücklicherweise über so etwas Böses, wie es die USA und die Türkei machen, die Nase. Es gilt ehern: Je weniger Deutschland, desto besser. Folge: Die Türken in Deutschland fühlen sich als „Türken in Deutschland“ oder als irgendwas dazwischen, die Araber in Deutschland fühlen sich als „Araber in Deutschland“ oder als irgendwas dazwischen, die Deutschen in Deutschland fühlen sich als irgendwas oder sonstwas oder irgendwas dazwischen.

Nur die Slowakei versucht gerade etwas Ähnliches wie die USA oder die Türkei. Großes Gelächter löste in Deutschland – wie zu erwarten – folgende Meldung aus:

Heimatliebe per Gesetz – Patriotismus ist in der Slowakei für jeden Pflicht – Politik – Berliner Morgenpost
In allen öffentlichen Schulklassen des Landes müssen künftig Staatswappen, Fahne und auch der Text von Hymne und Verfassungspräambel aufgehängt sein. Die „Erziehung zur Heimatliebe“ wird gesetzlich vorgeschriebenes Bildungsprinzip. Staatsbeamte müssen künftig beim Ablegen ihres Amtseides schwören, „die Symbole des Staates zu ehren“.

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La ministro – Ermannt euch, habt Mut zum Maskulinum!

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März 102010
 

Frau Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist der deutsche Justizminister. Oder die deutsche Justizministerin? Oder die deutsche Justizminister? Was ist richtig? Was ist besser? Was hättet ihr Frauen denn gerne?

Im Italienischen hat sich das Blatt gewendet: Viele Frauen wollen keine weiblichen Funktionsbezeichnungen mehr. Gerade linke, progressive, aufgeklärte und emanzipierte Frauen – nehmen wir den Familiennamen Rossi – wollen nicht professoressa Rossi genannt werden, sondern professor Rossi. Nicht la ministra, sondern la ministro.

Gerade linke, progressive, aufgeklärte und emanzipierte Zeitungen folgen diesen selbstbewussten Frauen in ihrem redaktionellen Sprachgebrauch. Hier ein Beleg aus der Repubblica von heute.

Ratisbona, padre Ratzinger si scusa „Anch’io talvolta li ho picchiati“ – Repubblica.it
La situazione per la Chiesa cattolica si fa dunque sempre più difficile nel paese del Papa. Ieri la ministro della Giustizia tedesca, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ribadendo la richiesta di una urgente Tavola rotonda …

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Wellen in München

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März 092010
 

200x.jpg Man schlägt Wellen. Die DLD-Konferenz war wirklich spannend!

Photo from Getty Images – DLD Conference 2010 News, photos, topics, and quotes
MUNICH, GERMANY – JANUARY 26: Chris Dercon, Christoph Schlingensief and Johannes Hampel of Opera House attend the Digital Life Design (DLD) conference at HVB Forum on January 26, 2010 in Munich, Germany. DLD brings together global leaders and creators from the digital world.

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März 092010
 

bb_fh-kb_2009-2010_gross.jpg Gestern wagten wir uns mit „Werten“ nach vorne, die es den jungen Leuten zu vermitteln gelte.  „Bisogna ridare valori ai giovani“, so zitierten wir eine italienische Politikerin heute, die früher als Kommunistin bei der KPI kämpfte.

Lernwille, Verantwortung, Toleranz, Höflichkeit. Diese vier Erwartungen hegt die August-Sander-Schule in bezug auf ihre Schüler/innen. Interessante Anzeige in der neuen amtlichen Bezirksbroschüre Friedrichshain-Kreuzberg! Die Schule erwartet also diese vier Eigenschaften, ohne die offenkundig ein sinnvolles Lernen nicht möglich ist. Wir zitieren in der Langfassung:

Erwartungen an unsere Schüler/innen

  • Willen zum Lernen
  • Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen
  • Toleranz im Umgang miteinander
  • Höflichkeit

Diese vier Tugenden sind in uns Menschen offenbar alles andere als selbstverständlich.  So sind wir eben nun. Deshalb werden sie so ausdrücklich formuliert.

Quelle:
Friedrichshain-Kreuzberg. Ein Bezirk mit vielen Gesichtern. 2009/2010. Herausgegeben vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, hier: S. 97

apercu Verlagsgesellschaft

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Bisogna ridare valori ai giovani

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März 082010
 

„Und vor allem müssen wir den jungen Menschen, die nicht mehr wissen, woran sie glauben sollen, wieder Werte vermitteln.“

Mit diesen Worten endet das im vorigen Eintrag erwähnte hübsche Interview mit Anna Maria Carloni. Sie war Politikerin der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) und gehört nunmehr – nach der Fusion der ehemaligen Linskparteien – der Demokratischen Partei an (PD).

Ich stimme zu. D’accordissimo! Welche sind diese Werte, die wir erneut vermitteln müssen?

Ich nenne fünf in absteigender Reihenfolge:

Verantwortung als unerlässliches Gegenstück zu Freiheit.
Redlichkeit.
Fleiß.
Gerechtigkeit.

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Brauchen wir die Frauenpartei?

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März 082010
 

Diese Frage muss am heutigen Tag der Frau erlaubt sein! Wir stellten in diesem Blog erste Überlegungen dazu am 23.11.2008 an. Mit einem klaren „Eigentlich – ja“ beantwortete eine italienische Politikerin, Anna Maria Carloni, Senatsabgeordnete vom Partito democratico, der Mitte-Links-Demokratischen Union Italiens, diese Frage in der aktuellen Ausgabe der italienischen Zeitschrift Panorama vom 4. März 2010, S. 82. Lest selbst:

„Io stimo le donne, in generale. Bisognerebbe azzerare tutto e ricominciare da loro, da noi. Per costruire una nuova classe politica.“

Also: „Ich schätze die Frauen, ganz allgemein. (Io stimo le donne, in generale.) Man müsste alles auf Null stellen und noch einmal von vorn bei ihnen anfangen, bei uns Frauen. Um eine neue politische Klasse aufzubauen.“

Der gegenwärtigen politischen Klasse Italiens traut Carloni offenbar wenig zu – deshalb fordert sie ja den Neuansatz. Nach ihren historischen politischen Vorbildern befragt, nennt sie, ehemals Politikerin der KPI: Enrico Berlinguer (Kommunist), Aldo Moro (Christdemokrat), Alcide de Gasperi (Christdemokrat), und mit Einschränkung Bettino Craxi (Sozialist). 2 Christdemokraten, 1 Kommunist, 1 Sozialist (mit Einschränkung). Den Frauen scheint das lagerübergreifende Denken in den Genen zu liegen! Überall kann sich persönliche Tüchtigkeit und politische Redlichkeit entfalten. Das sehe ich genauso.

Frauenquote unter ihren Vorbildern? Null. Schade. Aber ein Beweis, dass auch Männer vorbildliches Verhalten zeigen können. Erkannt von einer Frau.

Und somit komme ich am heutigen Frauentag zu einem vorläufigen Wunsch an meine Mitmänner: Lasst uns von den Frauen lernen, Jungs! Es gab und gibt Vorbilder – unter Männern wie unter Frauen. Niemand hindert uns daran, den Frauen achtungsvoll entgegenzukommen, sodass wir ihre Wertschätzung gewinnen.

Den Leserinnen  dieses Blogs entbiete ich herzliche Glückwünsche zum heutigen Frauentag. Ihr wisst es ja schon: Io stimo le donne, in generale. 🙂

Um zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Gegen eine Frauenpartei hätte ich nichts einzuwenden. Allerdings müsste sie auch uns Männern offenstehen. Denn: Gemeinsam sind wir stark.

 Posted by at 11:20

Wer „macht“ die Eingliederung? Staat, Schule oder Familie?

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März 072010
 

Die neuen Deutschen
Badr Mohammed sagt:

Toleranz beginnt im Elternhaus. Zu Hause müssen die Kinder lernen, dass es um den Respekt vor allen Menschen geht. Da spielen die Eltern eine große Rolle. Eingliederung machen die Eltern. Die Eltern müssen die Kinder integrieren.

Bild: Wartebereich im Rathaus Kreuzberg, 3. Stock

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März 072010
 

04032010013.jpg Haben wir in Deutschland ein Autobahn-Defizit oder ein Sinn-Defizit? „Törichte Frage!“ – werdet ihr mir einwenden – „die Autobahnen sind doch der Sinn Deutschlands, das wird jeder Raumfahrer, der vom Mars nach Deutschland kommt, sofort bestätigen! Autobahnen verbinden Städte, Autobahnen umhegen Städte, Autobahnen gliedern Städte im Inneren auf sinnstiftende Weise! Autobahnen ermöglichen Freiheit. Autos sind das Symbol der Freiheit! Nur wer Auto fährt, ist ein freier Mensch. Der Mensch diene dem Auto! Nicht umgekehrt! Denn das Auto verkörpert den Traum jedes Unfreien, endlich frei zu werden. Schlösser sind das Symbol der Unfreiheit! Deshalb gab es zu Zeiten der Hohenzollern auch fast keine Autos. Deshalb wurde das Stadtschloss in Schutt und Asche gelegt!“

Deshalb hat der Verkehrsminister auch gefordert, lieber 8 km Autobahn zu bauen statt dem Schloss eine Kuppel aufzusetzen.

Ist das alles so einfach? Ich hege Zweifel. Zumal ja das Fahrrad ebenfalls diesen Traum der individuellen Freiheit dank Mobilität verkörpert – mindestens innerhalb der Städte. Man müsste also erst einmal 8.000 km sichere, leicht erkennbare, gut ausgeschilderte  Fahrradrouten in Berlin-Brandenburg anlegen, ehe man noch für dasselbe Geld weitere 8 km Autobahn baut. Wir brauchen die Fahrradbahn! Also eine Art Radbahn, die die Städte ähnlich engmaschig erschließt, wie dies die Autobahnen landesweit, außerhalb der Wohngebiete tun sollen.

Das Foto zeigt eine „vorgezogene Aufstellfläche für Radfahrer“ in der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Der Tagesspiegel bringt heute auf S. 16 einige Leserbriefe zu diesem Thema „Kuppel oder Autobahn?“. Ich zitiere einen davon – von der Kreuzbergerin Annette Ahme:

Die Bürger sind gefordert
Jeder sieht mit einem Blick, dass ohne Kuppel oder mit einer Minikuppel das Schloß stark an Attraktivität verliert. Schon Schlüter hatte eine Kuppel geplant, die dann der Schinkel-Schüler Stüler in nobler Weise realisiert hat. Durch Kuppel und Eosander-Portal ist die Kastenhaftigkeit des Schlosses vermieden, welche ihm ohne diese Bauelemente anhaften würde. Späterhin ist der Raschdorffsche Dom entstanden, dessen Kuppel auf die Schloßkuppel antwortet. Die Silhouette mit den Kuppeln der damaligen Religionsgemeinschaften – goldene Kuppel der großen Synagoge in der Oranienburger Straße, Domkuppel, St. Hedwig – im Zusammenspiel mit der Schloßkuppel und später mit der Reichstagskuppel. Noch sind nicht alle Menschen ausgestorben, die solche Stadtsilhouetten zu lesen und schätzen wissen. Zu schätzen über den Tag hinaus. Zu schätzen als wertvoller als 8 km Autobahn …

Annette Ahme, Berlin-Kreuzberg

 Posted by at 13:30