Nov. 152007
 

Am 10.11.2007 besuchte ich die Premiere des Doppelabends „Arlecchino“ und „Cavalleria rusticana“ in Görlitz. Arlecchino von Busoni spielte kunstvoll auf Operntraditionen an, mit zahlreichen eingebauten Zitaten, doppelten Böden und Verständnis-Fallstricken. Derbes, Zotiges und angenehm Geistreiches reichten einander die Hand. Das ist doch was anderes als die übliche Kost! Die Cavalleria Rusticana zeigte hochwogende Leidenschaften, in ihren Gefühlen verstrickte Männer – und Frauen, die es auch nicht mehr richten können. Weil die Männer halt nicht hören wollen. Das Publikum war begeistert, ich auch! Ein Empfang im Theaterfoyer rundete den gelungenen Abend ab. Dort entstand das Bild. Es zeigt von rechts im Uhrzeigersinn Chorsängerin Mi-Seon Kim, Solistin Irina Potapenko und den Komponisten Mozart mit einer Perücke, die ihm die Maskenbildnerin des Theaters als Toi-toi-toi verpasst hat.

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Nov. 142007
 

Heute, am 14.11.2007, wollte ich im Moskauer Flughafen Domodedovo gemeinsam mit meinem fünfjährigen Sohn, deutscher Staatsbürger so wie ich, das Flugzeug der Fluggesellschaft Germanwings besteigen. Geplanter Abflug: 15.50 Uhr. Ich legte der Grenzpolizistin an der Passkontrolle unsere beiden deutschen Reisepässe sowie die beiden Bordkarten vor. Es entspann sich folgender Dialog:

Russische Grenzpolizistin: Wo ist das Visum Ihres Sohnes?

Ich: Er hat kein Visum, da er vor 7 Wochen gemeinsam mit seiner Mutter, meiner Ehefrau, eingereist ist. Sie ist russische Staatsbürgerin, er ist in ihrem Pass eingetragen.

Polizistin: Er braucht ein Visum. Ohne Visum kommt er nicht raus.

Ich: Er ist deutscher Staatsbürger, Sie haben kein Recht ihn zurückzuhalten.

Polizistin: Ihr Sohn hält sich ohne Genehmigung auf russischem Territorium auf. Sie brauchen ein Visum, ehe er das Land verlassen darf.

Ich: Aber er ist Russe, er hat die doppelte Staatsbürgerschaft.

Polizistin: Beweisen Sie das! Wo sind die Papiere? Sie haben keine Papiere!

Ich: Seine Mutter hat ihn im Pass, sie ist in Deutschland auf Reisen und muss ständig den russischen Pass mit sich führen, da er ihre Aufenthaltsberechtigung enthält.

Polizistin: So geht es nicht. Sie sind hier in Russland. Hier gelten russische Gesetze.

Usw. usw. usw. Ich wusste schon lange, dass alle Vertreter des russischen Staates einem gerne das Gefühl geben, dass man ein armes Würmchen ist, ein Bittsteller, ein Untertan, der ab und zu ein paar Bröckchen Gnade erwarten darf. Gleichwohl war ich der Meinung, dass man als Ausländer die wesentlichen international anerkannten Rechte genießt.

Nicht so heute! Es gab keine Gnade, und die Polizistin wurde sogar auf hitzige Art böse und selbst für russische Verhältnisse barsch und unwirsch deswegen, weil ich, ein deutscher Staatsbürger meinen fünfjährigen Sohn, ebenfalls deutscher Staatsbürger, mit nach Deutschland nehmen wollte. Es war nichts zu machen! Ich musste meinen Sohn in guter Obhut bei Verwandten in Moskau lassen. Wenigstens haben wir uns ohne Tränen verabschiedet – man muss gute Miene zum bösen Spiel machen, dann fällt es ihm nicht so schwer, auch wenn er erst ein paar Mal wütend an der Absperrung gerüttelt hat.

Ich selbst habe diese Erfahrung der Ohnmacht ja auch mit den DDR-Grenzern schon einmal gehabt. Damals habe ich noch geschimpft, heute weiß ich, dass man die autokratische Staatsmacht durch Lästern und Schimpfen nur in ihrem Allmachtswahn bestärkt.

Die deutschen Behörden konnten mir jetzt um 18 Uhr abends auch nicht weiterhelfen.

Wir arbeiten nunmehr an einer Lösung, ihn aus Russland herauszuholen. Ohne Kooperation der Behörden ist das nicht zu schaffen, man wird auf den russischen Flughäfen äußerst scharf kontrolliert. Das übliche Überzeugungsmittel, das man bedenkenlos bei den russischen Verkehrspolizisten anwenden kann, etwa bei einer drohenden Verwarnung, empfiehlt sich an der Grenze nicht.

Die deutschen Grenzpolizisten am Flughafen Schönefeld (Schalter ganz links, heute 17.00 Uhr) sagten mir sofort: „Das ist ein klarer Fall von Rechtsbruch durch die russischen Behörden! Die ausländischen Behörden haben kein Recht, einen deutschen Staatsbürger gegen dessen Willen an der Rückreise in sein Heimatland zu hindern, selbst wenn er widerrechtlich in einem ausländischen Staat sein sollte. Sie müssen sofort Anzeige bei der deutschen Botschaft in Moskau erstatten!

Habe soeben mit dem deutschen Außenministerium, der russischen Botschaft in Berlin und der deutschen Botschaft in Moskau gesprochen. 5 Anrufe – keine eindeutige Antwort! Niemand weiß so recht bescheid. Man hat mich auf morgen vertröstet.

Kennt jemand ähnliche Fälle? Fühle mich niedergeschlagen. Wer weiß Rat?

Wir hatten vorher sehr schöne Tage in Moskau und Umgebung. Das Foto zeigt uns beide vor dem Palast Tsaritsyno, einem Bauwerk, das Katharina die Große für sich bauen ließ. Als ihr die ersten Bauten nicht zusagten, ließ sie das ganze Projekt abbrechen. Erst hunderte Jahre später wurde es vor wenigen Wochen fertiggestellt. Nach den originalen Plänen. Das heutige Russland knüpft also nahtlos an seine imperiale Vergangenheit an. Der russische Doppeladler zeigt seine spitzen Krallen voller Stolz.

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Pflüger nimmt die Herausforderung durch Islam und Islamismus an

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Nov. 082007
 

Am 12.11. läuft unwiderruflich meine Leihfrist ab für das Buch von Friedbert Pflüger „Ein neuer Weltkrieg? Die islamistische Herausforderung“. Zeit und Grund genug für eine Kurzbesprechung!

Erschienen ist das Buch 2004. Ist es veraltet? Keineswegs, die tiefschürfende Diagnose Pflügers trifft leider im wesentlichen auch im Jahr 2007 unverändert zu. Der Autor hat sich ausführlich mit den Entstehungsbedingungen des modernen Islamismus befasst. Er wirft einen kenntnisreichen Blick in die Gesellschaften von Marokko bis Indonesien, die, so unterschiedlich sie auch sind, eben doch von verschiedenen Varianten des Islam geprägt erscheinen. Er entwirft ein differenziertes Bild der islamistischen Bestrebungen, ist weit davon entfernt, den politischen Islam nur als Gefahr und Buhmann darzustellen. Vielmehr unternimmt er geistige und reale Erkundungsfahrten in die islamisch bestimmten Länder, bringt sie zum Sprechen, wie dies meines Wissens nur ganz wenige Autoren (und kein anderer aktiver Politiker) in Deutschland geleistet haben.

Besonders gefallen hat mir: Pflüger hält unseren westlichen Gesellschaften ebenfalls den Spiegel vor. Er fragt: Was haben wir eigentlich noch anzubieten? Weshalb leben wir unsere Modelle nicht überzeugend genug? Was sollten wir uns selbst abverlangen? Hier erhebt er Vorwürfe gegen unsere vom Kommerz und Entertainment geprägte Medienindustrie, wie sie ja in diesen Tagen auch in dem neuen Film „Free Rainer“ mit Moritz Bleibtreu ins Bild gebracht werden. Der Verfasser fragt: Was können wir von denen fordern, die bei uns zuwandern? Wo sind Gemeinsamkeiten, welches sind die Spielregeln, nach denen wir zusammenarbeiten können?

Ein kluges, im besten Sinne gelehrsames, stellenweise brillant geschriebenes Buch, das insofern aus der Fülle der wissenschaftlichen Publikationen zu dem Thema heraussticht, als es konkretes politisches Handeln einfordert und die Beziehung zwischen „uns“ und den „anderen“ trotz aller Gefährdungen als gestaltbar beschreibt. In der Demokratie sind wir Schmiede unseres Glücks, es gibt keine kruden Naturgesetze im menschlichen Zusammenleben.

Pflüger wünscht sich einen europäischen, aufgeklärten Islam, so wie es ja auch ein modernes, aufgeklärtes Christentum gibt. Die Diskussion über einen Islam, der republikanisches Bewusstsein, Demokratie und Menschenrechte affirmativ in politisches Handeln einbaut, wird übrigens meines Wissens derzeit vorwiegend in französischer Sprache geführt. Diese Diskussion rauscht im Moment in Deutschland noch an uns vorbei (wichtiger Ideengeber: Tariq Ramadan).

Gegenüber dem aufgeklärten, moderaten Islamismus, wie er in diesen Tagen etwa in der türkischen AKP eines Abdullah Gül auftritt, scheint mir Pflüger eher noch zum Abwarten zu raten, im Sinne unseres Sprichwortes: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!“ Das Buch schließt mit einem kraftvollen Schlussakzent auf den Gemeinsamkeiten zwischen Christen, Juden und Muslimen.

Ich bin nicht sauer, dass ein anderer Leser dieses Buch in der Staatsbibliothek vorbestellt hat. Denn ich wünsche ihm viele Leser!

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Nov. 082007
 

Ich bin schon voller Vorfreude auf die Opernpremiere am kommenden Samstag. Ira singt am Theater Görlitz die Mamma Lucia in der Cavalleria Rusticana von Mascagni. Auf deutsch. Bei unseren Spaziergängen hat sie mir immer wieder einzelne Glanzstücke vorgesungen – nicht nur aus ihrer eigenen Partie. Zum Beispiel dieses:

„Zuhause harrt mein Weib – chen

mein wunderbares Täub – chen.“

Ansonsten scheint es sich um eine aufwühlende Geschichte um Eifersucht, Besitzstreben, sizilianische Frauenherrschaft und Verdammnis zu handeln. Bin gespannt!

Und rechtzeitig habe ich es sogar geschafft, Iras Homepage hochzuladen und freischalten lassen.

Meine sonstigen Stationen: Gestern war Einsatz in Frankfurt, heute war Einsatz in Berlin, morgen sind 2 Einsätze in Berlin sowie Potsdam, Samstag reise ich nach Görlitz zur Opernpremiere, Sonntag ist Abflug nach Moskau, Mittwoch ist Rückflug nach Berlin. Ein prallgefüllter Terminkalender bedeutet ein lustiges Leben!

Von wegen „zuhause wart mein Weibchen …“

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Nov. 082007
 

Bei einem Empfang der Tunesischen Botschaft lernte ich Achmed Khammas kennen. Bald geraten wir in ein Gespräch über den Islam, den Westen, die gemeinsamen Wurzeln der Ein-Gott-Religionen. Ich frohlocke! Endlich jemand, der im Orient wie im Westen gleichermaßen zuhause ist, Arabisch und Deutsch als Mutter- und Vatersprache spricht. Achmed ist ein großer Erzähler; wenn er von dem Propheten Mohammed spricht, ist es, „als spräche er von seinem Oheim“. Ähnlich äußerte sich ja Hegel über seinen Plato. Achmed sendet mir seinen Text „Mohammed der CHRIST“ und erlaubt mir, ihn hier in meinem Blog zu veröffentlichen. Ich empfehle ihn sehr zur Lektüre.

Lesen Sie nachstehend den Gastbeitrag von Achmed A. W. Khammas:

Bildung tut not!

Zumindest den CHRISTEN unter den Islam-Hassern sollte man einmal klar und deutlich sagen, gegen WEN sie da eigentlich agieren: Denn der Prophet Mohammed war schließlich selber Christ, bevor er im Alter von 40 Jahren die erste Offenbarung empfing.

Jawohl – auch die Muslime hören dies (noch) nicht so gerne – und viele streiten es sogar vehement ab. Es ist genau das Gleiche wie die früheren Christen, die einfach nicht wahr haben wollten, daß Jesus ein Jude war.

Wie dumm nur, daß Mohammeds Vater unwidersprochen Abdallah hieß – also ‚Diener Gottes’ – denn Allah heißt ja nichts anderes als Gott. Auf Arabisch. Und WER hat um 600 n.Chr. seinen ‚Herrn’ wohl ‚Gott’ genannt (und nicht ‚Jahwe’)? Nun…?!!!

Dann sein Schwiegervater Waraqa bin Naufal (o. Nawfal), ein in Mekka bekanntes, gut beleumdetes und geehrtes Mitglied der urchristlichen Gemeinde. Denn noch heute sind überkonfessionelle Ehen eher selten – und damals war dies nicht anders. Hätte also Waraqa einer Ehe seine Einwilligung gegeben, in welcher sich seine geliebte Tochter mit einem ‚Götzenanbeter’ vermählt?!

Denn auch diese gab es damals, neben den Christen und den Juden.

Wenn wir moderne Begriffe nehmen, dann reden wir von paganen Religionen, deren (viele!) Götter damals Hubal oder Allāt, Manāt und ‘Uzzā hießen – letztere drei sind die Göttinnen, die Mohammed aus politischen Erwägungen fast (!) als ‚Töchter Allahs’ in dem (neuen) Islam integrieren wollte… doch dann schnell merkte, daß es darum ging, GERADE DIES nicht zu tun, weil Gott nicht geboren ist, nicht gebiert und ihm auch niemand gleich kommt (Koran, 112. Sure). Also hielt er am Monotheismus fest und sündigte damit auch nicht.

Mohammed hatte später auch eine Christin zur Frau, Miriam, von der er seinen einzigen Sohn bekam, den schon früh verstorbenen Achmed. Ich bin aber sicher, daß auch seine anderen Frauen zumeist Christinnen waren – zumindest bevor er den Islam verbreitete und es dann auch Musliminnen gab, die er heiraten konnte. Viele davon waren die schon älteren Witwen seiner gefallenen Kampfgefährten, für die eine Ehe mit dem Propheten die wohl ehrenvollste ‚Sozialversicherung’ darstellte, die man sich damals vorstellen konnte. Dies nur zum Thema ‚Lustmolch’…

Ein weiterer Punkt ist sein ausgesprochen befremdliches Verhalten als Geschäftsmann in den Jahrzehnten VOR der Offenbarung.

Er arbeitete für seine spätere erste Ehefrau als Spediteur. Seine diplomatischen Fähigkeiten und sein strategisches Denken verhalfen ihm zu dem Spitznamen ‚der Verläßliche’ – denn niemals verlor er eine Karawane durch Überfälle. Er sorgte vor und nach und begleitete die Sommer- und die Winterkarawane von Mekka bis nach Damaskus und zurück. Aber halt! Er hat Damaskus doch nie betreten … und erklärte dies mit den Worten, das Paradies nur ein Mal betreten zu wollen – nämlich erst NACH seinem Tod. Was wohl den Gipfel an fadenscheiniger Ausrede und gleichzeitig unübertroffener Höflichkeit gegenüber den selbstbewußten Damaszenern darstellte – immerhin bilden sie die Bevölkerung der am längsten ununterbrochenen bewohnten Stadt auf diesem Planeten!

In Sichtweite der Stadt hielt er auf einem kleinen Hügel in al-Qadam an (= der Fuß, wo in einer Moschee der entsprechende Abdruck im Stein noch heute zu sehen ist), verabschiedete sich und verschwand… zu einem christlichen Eremiten, dem Mönch Buheira, der in einer Höhle über dem heute israelisch annektierten Tiberias-See lebte. Dort verbrachte er die Tage und Wochen, in denen die Karawane abgeladen, ‚aufgetankt’ und neu beladen wurde. Er verbrachte diese Zeit mit Meditation und spirituellem Austausch … und zwar mit seinem christlichen Kontaktoffizier vor Ort!

Denn Mohammed – und hier beginne ich zu spekulieren – wurde schon früh dazu ausgebildet, eine URCHRISTLICHE Revolution gegen die inzwischen von Macht korrumpierte Liaison zwischen dem Rabbinat, den Resten des christianisierten Rom und den Herrschern von Byzanz durchzuführen.

Damaskus war ein viel zu heißes Pflaster für ihn, welches er deshalb tunlichst vermied, damit seine Tarnung als Geschäftsmann nicht aufflog.

Und so geht es weiter… mit den Texten des Koran selbst, die sich zum Teil nachweislich auf aramäische Gebete zurückverfolgen lassen (der Sprache Jesu, die selbst heute in drei Dörfern nördlich von Damaskus, sowie ein paar anderen in der Südtürkei und – noch – im Irak lebendig ist) … mit der Beschreibung seines siegreichen Einzugs in Mekka, aus dem er zuvor hatte fliehen müssen (womit übrigens die islamische Zeitrechnung begann), und wo er nun die Kaaba betrat, nach Wasser rief und den Befehl dazu gab, alle Bilder von den Wänden abzuwaschen (!), wobei er mit emporgereckten Armen bis zuletzt EIN Bild beschütze, dann aber zurücktrat und sagte: „Nun auch dieses!! … welches Maria mit dem Jesuskind darstellte – womit bewiesen ist, daß die Kaaba ursprünglich eine KIRCHE war, wie es auch der lange Zeit verfemte Theologe, Staatswissenschaftler sowie promovierter Arabist und Islamwissenschaftler Günter Lüling nachgewiesen hatte) … und … und …

Gerade heute, gerade in der Zeit der asymmetrischen Kriege, gerade in der Zeit des Zündelns und der wie irrsinnig zunehmenden Waffenexporte, gerade in der Zeit der Manipulation und der Verdummung durch die Medien, der ‚false flag operations’, des Schürens von Haß und des Errichtens von Apartheidmauern … gerade HEUTE – HEUTE – HEUTE (!) müssen wir alles dafür geben, daß die Menschen – einer nach dem anderen – die Wahrheit erfahren, daß es nur EINEN Gott gibt, und daß sie alle seine Propheten sind – Adam und Noah und Moses und Abraham und Jesus und David und Hiob …. und auch Mohammed, Sohn des Abdallah, aus christlichem Elternhaus, und Erneuerer des EINEN Glaubens an die EINE Macht.

Möge die Macht also mit uns sein – und mit allem was kreucht und fleucht und wächst und liebt auf diesem Planeten … wie auch überall sonst auf allen Planeten und in allen Galaxien!

Salam – Friede!

Achmed A. W. Khammas

Berlin, September 2007

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Herr Hampel, wo bleibt das Negative?

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Nov. 082007
 

frankfurt-hbf.jpg Sitze im Frankfurter Haubtbahnhof, in einer zugigen Durchgangshalle. Der Schädel brummt ein bisschen von zu viel Arbeit. Klage ich? Nein, es geht mir gut! Das Kopfweh ist ein heilsamer Hinweis, dass ich jetzt mein Tagewerk beenden soll. Die zugige Durchgangshalle bringt mich in Kontakt mit den Vorbeigehenden. Ich warte auf den Nachtzug nach Leipzig, denn morgen um 8 muss ich in Berlin sein.

Einige Äußerungen von Leserinnen und Lesern zu meinem Blog sind ermutigend, andere sind zweifelnd: „Sie sind ja ein unverbesserlicher Gutmensch! Haben Sie auch Fehler und Schwächen?“ „Du singst ein Loblied auf unsere Verfassung, auf den Zustand Berlins und Deutschlands im allgemeinen – aber du kannst nicht leugnen, dass seit 10 Jahren alles schlechter wird!“ Mehrfach hörte ich in den letzten Wochen den Satz: „Das Erziehungsgeld … und das und das … ist alles Scheiße!“
Kleine Anmerkung: Ja, ich habe Schwächen. Viele sogar! – Ich bestreite allerdings, dass in den letzten 10 Jahren alles schlechter geworden ist. Und: Es ist nicht alles Sch …

Ich habe mich entschieden, auf das Gute zu setzen.

Mehr dazu in den nächsten Folgen. Ich muss zum Zug!

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„Sie haben Angst“

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Nov. 062007
 

In dem ZDF-Dokumentarfilm „Roots Germania“ von Mo Asumang, heute nach Mitternacht ausgestrahlt, sah und hörte ich erschütternde Zeugnisse. Unter anderem einige Hasslieder aus der deutsch-nationalistischen Musikszene. In einem Rap wurde einigen bekannten Menschen Mord angedroht. Wie fühlen sich diese Menschen, wenn sie mit dem Tode bedroht werden? Rita Süssmuth antwortet: „Sie haben Angst … sie sind vorsichtiger, wenn sie im Dunkeln um eine Ecke gehen.“ Mir war nicht klar, ob Süssmuth hier von denen sprach, „denen, die Angst haben“, oder von sich selbst … denn auch sie wurde namentlich mit diesen hasserfüllten gegrölten Parolen eingeschüchtert. Dann wurde mir klar: Sie sprach wohl eher von sich selbst, von ihrer eigenen Angst. Ich bewundere Frau Süssmuth schon seit langem für ihre mutigen, klaren, zuversichtlichen Worte. Zum ersten Mal sah ich sie hier, wie sie völlig offen von Angst, mit Angst sprach. Und da wurde mir klar, womit die Extremisten arbeiten: mit Angst. Angst ist ihre Waffe, mehr noch als die Kugeln und die Bomben. Frau Süssmuth hat sich durch ihre Worte erneut als stärker und mutiger denn die Angstmacher erwiesen.

Der Film von Mo Asumang hätte es verdient, weit früher und weit öfter gezeigt zu werden. Frau Asumang hat einen rechtsradikalen Gewalttäter im Gefängnis besucht und versucht, ein Gespräch mit ihm zu führen. Ich bin begeistert von diesem Mut und von diesem unerschütterlichen Vertrauen in das Wort. Ich teile dieses Vertrauen!

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Offene Plattformen schaffen!

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Nov. 062007
 

Google macht es vor: die neue offene Software-Plattform „Android“ wird ein Betriebssystem, eine Handy-Oberfläche und Anwendungen enthalten. Sie wird allen Entwicklern offenstehen. Das heißt: Neue Inhalte, neue Teilnehmer, neue Modelle treten in einen sich beständig erneuernden Verbund ein. Dies ist das Gegenteil von geschlossenen Systemen.

Genau so etwas brauchen wir auch für die Politik! Die Parteiprogramme der nächsten Generation werden schlanke, offene Plattformen sein. Es wird darin kaum noch in Stein gemeißelte Festlegungen geben, sondern Werkzeuge, Angebote, Einstiegshilfen. Es wird ihnen kein Weltbild mehr zugrundeliegen, sondern eine zur Welt hin offene Grundhaltung.

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Nov. 052007
 

mozart3.jpg Ira überrascht mich zum Frühstück mit ihrem neuen Mozart. Den hat sie vollständig selbst hergestellt: aus Pappmaché, Farbe, Seide und Samt. Ein neuer Mitbewohner! Ihr erster Mozart, eine ganz ähnliche selbtgemachte Marionette, ist ja nach Moskau verschenkt worden. Möge unser neuer Mozart den Menschen ebensoviel Freude bringen wie sein Vorgänger!

Wir telefonieren mit unserem Wanja. Nächsten Sonntag fliege ich nach Moskau und hole ihn zurück nach Berlin. Zum dritten Mal ist in Moskau Schnee gefallen, doch er bleibt noch nicht liegen.

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Im Luch

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Nov. 022007
 

luch_7.jpgVom Wildwasser geht es am Sonntag direkt ins Havelländische Luch. Bei Barnewitz steigen wir aus. Weit, unermesslich dehnt sich sumpfiges Gelände. In der Ferne kreisen Raben. Die erhofften Trappen, eine geschützte Großvogelart, die hier gerne brütet, bekommen wir nicht zu Gesicht. Ein kläffender Jagdhund hält unsere Aufmerksamkeit gefangen. Er jagt über Stoppelfelder, sein Herrchen befährt mit einem Pickup die Wiesen, lädt hier und da einen Vogel-Beobachtungsturm auf. Blechern klappern die Metallstangen auf der Ladefläche. Kläglich pfeift das Herrchen auf seiner Hundepfeife. Der Hund, ein reinrassiger Jagdhund, schert sich nicht im mindesten darum und hetzt ein plötzlich auftauchendes Reh durch das Vogelschutzgebiet. Das Reh entkommt in panischen Zickzacksprüngen. Gerne hätte ich mehr von dieser Jagd gesehen! Eine Spur Blutrünstigkeit schlummert in mir. Da ertönt die Hupe des Geländewagens, wieder vergeblich. Der Hund macht, was er will. Wir ziehen an einer Viehherde vorbei. Färsen nicken uns zu. Einjährige tollen über das feuchte Gras. Zwei Sekunden lang rauscht ein ICE durch eine Sichtöffnung im Lärmschutzwall. Es war hier, dass die Bahn damals, beim Bau der neuen Magistrale nach Hannover, ihre teuren Ausgleichsmaßnahmen schaffen musste, um das Nistgebiet der Trappen zu erhalten. Eine korkenzieherartige gewundene Weide, vielhundertjährig, findet unsere Bewunderung. Keinen Menschen begegnen wir. Zugvögel scharen sich, am Abendhimmel blüht die Sonne auf. Kinder spielen im Darf Barnewitz, das ansonsten wie ausgestorben daliegt.

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Am Wildwasser

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Okt. 312007
 

wildwasser.jpg Am Sonntag gehen wir durch die im Nebeldunst verhüllte Obentrautstraße. Junge Frauen haben auf dem Trottoir einen Tisch hingestellt, laden uns ein, Platz zu nehmen. Wir ziehen Lose aus ihrer Lotterie. Ich habe Nummer 71: “ 2 Cappuccinos im Café am Meer in der Bergmannnstraße.“ Die Sonne lacht, das ist ja genau das, was Ira sich so sehnlich wünscht – ins Café zu gehen, Leute anschauen, reden, reden, reden. Das Glück bleibt mir treu. Wir plaudern mit den Mädchen. Ich kannte Wildwasser e.V. bisher nur aus den Erzählungen von Sozialarbeiterinnen und Sozialwissenschaftlerinnen und stellte mir unter den Wildwasser-Mädchen eher verschüchterte Opfer vor. Darf ich denen gegenüber als Mann einfach so das Wort ergreifen? Ich will und darf! Uns treten lebensfrohe, selbstbewusste, charmante Frauen gegenüber, die ihr Leben gemeinschaftlich neu ausrichten. Ich darf sogar ein Foto machen und erhalte die Erlaubnis, dies in mein Blog zu stellen! Wir probieren die richige Pose für die Aufnahme. Das Ergebnis: Frau ist selbstbewusst, frau hat es nicht nötig, in die Kamera zu lächeln, frau ist rundum schön! Zum Abschied bekommen wir noch zwei Stück Kuchen, den wir sorgsam als Wegzehrung für unsere geplante Wanderung im Havelländischen Luch verwahren. Ira tritt mir mit sofortiger Wirkung alle Genussrechte an dem Schokoladenkuchen ab. So bin ich doppelt begünstigt.

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Positive Kommunikation? Fragen – Antworten – Fragen

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Okt. 292007
 

Am Samstag abend fahre ich nach Schmöckwitz. Klausurtagung des CDU-Kreisvorstandes Pankow. Erneut werde ich gebeten, mein Konzept der „Positiven Kommunikation“ darzustellen. Ich bemühe mich, in sieben Wendungen das Wesen dieser Methode zu fassen:

Positive Kommunikation sieht vor allem das Gute, arbeitet mit Fragen und Lob, setzt auf Vertrauen, richtet sich stets auch an Außenstehende, sieht in die Gegenwart und nach vorne, erarbeitet Gemeinsamkeiten, ermöglicht echte Gespräche, fördert gemeinsames Handeln.

Negative Kommunikation sieht vor allem das Schlechte, arbeitet mit Drohungen, Verneinungen und Angst, richtet sich an die eigenen Leute mehr als nach außen, klammert sich an Vergangenes, will vor allem Recht behalten, verhindert Gespräche und gemeinsames Handeln.

Negative Kommunikation – so meine Behauptung – bringt uns nicht weiter. Ich werfe meinen Hut in den Ring und werbe mit vollem Einsatz für Positive Kommunikation.

Besonders spannend ist die Frage, ob eine Partei auch in der Opposition Positive Kommunikation pflegen sollte. Wäre das nicht Wasser auf die Regierungsmühlen? Hierzu meine ich: Die Opposition darf und soll Kritik üben, muss sogar die Mängel der Regierungspolitik schonungslos anprangern. Allerdings muss sie stets auch positive Alternativen aufzeigen. Sonst lähmt sie, macht mutlos und verdrossen. Erfolgreiche Opposition besteht auch darin, den Leuten Zuversicht einzuflößen, das Wagnis des Wandels einzugehen. Jammern und Anklagen kann immer nur ein erster Schritt sein. Wenn die Leute sich offensichtlich wohl fühlen, was hülfe es, ihnen schlechte Laune zu machen? Nur um damit Wechselstimmung zu erzeugen?

Ich steigere mich anschließend in ein Loblied auf unsere deutsche Demokratie und den Rechtsstaat hinein, wie ich es so nur selten gesungen habe.

Ich werde gefragt, ob ich etwas gegen den Spruch habe: „Die Mauer muss weg!“ Antwort: Nein, ich habe nichts dagegen. Gegen echtes Unrecht, gegen schreiende Missstände müssen wir laut und vernehmlich die Stimme erheben. Aber wir dürfen nicht vergessen, Alternativen zu entwerfen.

Noch besser – das fällt mir erst nachher ein – ist somit die Wendung: „Wir sind das Volk!“ Dies ist eine klare, positiv formulierte Ansage, einschließend statt ausgrenzend, offen für Neudeutungen. Das war eine der Jericho-Trompeten, welche die innerdeutsche Grenze zu Fall brachten. Ein Paradebeispiel für positive Kommunikation, für die Kraft des Wortes, an die ich glaube. Mehr davon brauchen wir!

Ausführlich spreche ich über den oft zu hörenden Politiker-Satz: „Es ist eine Schande, dass … !“ Ich halte ihn für untauglich, ein typisches Beispiel für weitverbreitete negative Kommunikation. Am nächsten Abend schleudert ihn Oskar Lafontaine bei Anne Will in der ARD den CDU/CSU-Vertretern entgegen: „Es ist eine Schande, dass eine christliche Partei sich gegen Mindestlöhne ausspricht!“ So wie ich ihn von Unionspolitikern ebenso inbrünstig gegen die PDS habe richten hören. Hier tritt hervor: Politische Beziehungen werden wechselseitig gestaltet.

Wir sind verantwortlich. Wir sind das Volk.

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Okt. 252007
 

glasbrenner.jpg
Am heutigen Schnuppertag öffnete die Adolf-Glaßbrenner-Schule ihre Tore weit. Alle Eltern und Kinder, die im nächsten Jahr schulpflichtig sind, werden herzlich willkommen geheißen. Wir führen ungezwungene Gespräche mit der Sekretärin, der Religionspädagogin, zwei Lehrerinnen und der Schulleiterin. Vor allem aber dürfen wir den Unterricht besuchen und lauschen. Die Jahrgänge 1 und 2 werden zusammen unterrichtet. Dies wird verpflichtend für ganz Berlin vorgeschrieben. Es erinnert mich an die Zwergschulen der 50er Jahre mit ihren jahrgangsgemischten Klassen, die dann gegen heftigen Widerstand der konfessionell gebundenen Eltern abgeschafft wurden. Die Kinder machen alle eifrig mit, obwohl die Steuerung des Lerngeschehens den Lehrern sicherlich mehr abverlangt als bei herkömmlichen Jahrgangsklassen. Ich bin recht begeistert und sage dies zu der neben mir sitzenden Mutter. – Am Ende unseres Besuches trage ich einen Streit mit meiner Frau Ira über das deutsche Schulwesen aus. Sie ist der Meinung, dass es den Kindern in Deutschland viel zu leicht gemacht wird, dass Talente vergeudet werden und keine Leistung gefordert wird, ganz im Gegensatz zu Russland. Alles sei immer zum Vergnügen da, man habe Angst, die Kinder zu beanspruchen. – Ich spreche noch einmal mit einer Lehrerin. Sie meint, gerade Hochbegabungen und auch besonders schwache Begabungen könnten mit dem neuen System des binnendifferenzierten Unterrichtens besonders gut gefördert werden. Ich habe jedenfalls einen sehr guten Eindruck von dieser Schule. Sie steht jetzt oben auf der Liste. Auch mein erster Sohn Tassilo hat diese Schule besucht.

 Posted by at 00:06