Auffliegender Habicht

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Apr. 222018
 

Innerhalb weniger Tage hat sich die Natur mit zartem Grün geschmückt. Der Gesang der Nachtigallenmännchen ertönt regelmäßig nachts, wenn der Tau gefallen ist, aber sehr wohl tagsüber auch hier im Südgelände-Park fast bei jedem Besuch!

Wenn man Glück hat, bekommt man hier einen Habicht zu Gesicht. So geschah es mir heute. Etwa 2 Minuten lang beobachtete ich einen Habicht, der gerade seine Beute kröpfte. Dann schien er zu bemerken, dass er nicht allein war, und erhob sich in kraftvollem Flug. Nach wenigen Sekunden war er meinem Blick hinter einem Birkenstamm entzogen.

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Edinburgh, die Schöne Europas – vom Arthur’s Seat bestaunt

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Apr. 212018
 

Gelb gesprenkelt bieten sich die Flanken des mächtigen Arthur’s Seat unseren Augen dar: es ist der Stechginster, der hier vor den immer noch kahlen Laubbäumen seine üppig schäumenden Blüten austreibt. 251 m ragt der mächtige, vor 350 Millionen Jahren aus Vulkanschlecke erstarrte massige Doppelgipfel über Edinburgh empor. Die Hauptstadt Schottlands zieht europäische Reisende von überallher an! Ich höre während des unschweren, nur 40 Minuten dauernden Aufstieges Italiener, Russen, Spanier, Schweizer, Franzosen in ihren jeweiligen Sprachen miteinander sprechen. Die Italiener versichern einander: „Lì sopra, ci sono pure gli scalini!“ – „Per fortuna!“, werfe ich ein. Gelächter allenthalben! Dieser 251 m hohe Gipfel sollte doch auch von Ungeübten an diesem sonnigen Vormittag des 14. April 2018 wirklich zu bezwingen sein! Und siehe da: Schon nach wenigen Minuten haben wir die von den Italienern angekündigten Stufen erreicht. Von oben winkt unsere erste Gipfelstürmerin herab. „Vittoria, mio core, non lagrimar più!“

Oben angelangt,genießen wir den herrlichen Ausblick auf die Silhouette der Stadt. Hier im Vordergrund unten rechts der Ortsteil Holyrood mit dem Holyrood-Palast, den Überresten der Abtei Holyrood und dem neuen schottischen Parlamentsgebäude. Weit hinten, jenseits der Stadt mit ihren fast 500.000 Einwohnern, in der Mitte des Horizonts, locken die Pentland Hills. Der strahlende Sonnenschein, in dem der Stechginster uns gelb anlachte, hat sich mittlerweile hinter einigen Wolkenschleiern verborgen.

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Wanderers Glück auf dem Caerketton

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Apr. 202018
 


Sieh Dich um, Wanderer auf dem Caerketton! Du gehst den Saumpfad auf Berges Grat entlang, der breit genug ist, dass Dir nicht schwindelt. Zur Linken geht es hinunter nach Swanston, dort wo das weiße Cottage hinter noch unbelaubten Bäumen schimmert. Und zur Rechten? Nach rechts, da führt der Weg weiter nach Allermuir. Aber Deine kleine Schar und Du, ihr haltet die Spur; der Wind weht euch von beiden Seiten zu, ihr steht darüber, ihr haltet das Gleichgewicht. Nichts kann euch umkippen, der Widerstand des Windes ist eine Wohltat, ihr haltet die Nase in den Wind. Ihr seid stark, ihr seid unbeirrbar und unschlagbar. Ihr seid – der Clan im Hochland!

Bild: Auf dem Pfad vom Caerkatton Hill Richtung Lothianburn in den schottischen Pentland Hills. Aufnahme des Verfassers vom 16.04.2018

Diese Wanderung wird in diesem schönen Wanderführer beschrieben:
Susan Falconer: Walking in the Pentland Hills. 30 walks in Edinburgh’s local hills. A walker’s guide. Second edition 2016. Cicerone, Milnthorpe. Hierin: Walk 2: In Stevenson’s footsteps, S. 27-30

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Brauchen wir eine DIN Platz?

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Apr. 132018
 


Die berühmte DIN-Norm 5008 legt Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung fest. Man könnte sie auch knapp die „DIN Textverarbeitung“ oder auch die „Textverarbeitungs-DIN“ nennen.

Rechtschreibnormen sind Schreib- und Gestaltungsregeln für die deutsche Sprache, wie sie im amtlichen Gebrauch sowie im Schulunterricht anzuwenden sind.

Für zusammengesetzte Eigennamen, Bezeichnungen von Plätzen und öffentliche Einrichtungen schreiben die amtlichen Rechtschreibregeln stets den Bindestrich oder die Zusammenschreibung vor, nicht jedoch die Getrenntschreibung ohne Bindestrich.

Orthographisch richtig sind gemäß den in dieser Hinsicht ununterbrochen seit 1900 geltenden amtlichen Regeln folgende Schreibweisen:
Schiller-Theater
Schillertheater
Konrad-Adenauer-Platz
Willy-Brandt-Haus
Julius-Leber-Brücke
Humboldt-Forum
der DIN-Platz
Pergamon-Museum
Pergamonmuseum
Maxim-Gorki-Theater
Goethe-Institut
Textverarbeitungs-DIN
Fräsmaschinen-DIN

Richtig sind auch folgende Kurzbezeichnungen, die im hier betrachteten orthographischen Sinn keine Zusammenfügung sind:
die DIN Textverarbeitung
DIN Platz (dies wäre eine DIN-Norm für Platzgestaltung)
die DIN Fräsmaschinen
der Bundesminister Verteidigung

Eindeutig falsch sind bzw. wären hingegen gemäß den amtlichen Regeln der deutschen Rechtschreibung:
Konrad Adenauer Stiftung
Willy Brandt Haus
Annedore Leber Gedenkort
Humboldt Forum
der DIN Platz (richtig wäre: der DIN-Platz)
Pergamon Museum
Goethe Institut
die Fräsmaschinen DIN
die Platz DIN
die Textverarbeitungs DIN
der Verteidigungs Minister

Als echte Unsitte wertet der hier Schreibende die um sich greifende Manie, alle möglichen neuen, irgendwie denglisch klingenden, inhaltlich unklaren, aber orthographisch falschen Titel einzuführen, so etwa beim höchst amtlich so benamseten „Humboldt Forum“ oder auch beim „DIN Platz“. Das schafft bei unseren Kindern nur Verwirrung. Wenn nicht einmal die Behörden und die staatlichen Stellen sich an die Rechtschreibregeln halten, warum sollten unsere Kinder es tun? Ist doch eh alles egal?

Bild:
DIN Platz. Straßenschild am DIN-Platz in Berlin, dem Sitz des DIN-Instituts, also des Deutschen Instituts für Normung. Aufnahme vom 12.04.2018 (gestern)

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Wanderlust in den Rauener Bergen

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Apr. 112018
 

„It’s a pleasant thing to be young and have ten toes, and you may lay to that – Ach, es ist herrlich jung zu sein und zehn gesunde Zehen zu haben“
Dieser Lobpreis des Gehens und Wanderns aus dem Mund des einbeinigen Seebären John Silver aus Robert Stephensons Schatzinsel kommt mir bei unseren Wanderungen immer wieder in den Sinn. Bald werde ich Edinburgh besuchen, wo ich die Spuren dieses bedeutenden schottischen Schriftstellers nachzeichnen werde!

Letzten Sonntag führte uns der Weg von Bad Saarow durch Gehölz und Gestrüpp zum Großen Kolpiner See, wo wir hunderte von Erdkröten auf Massenwanderung beobachteten.

Überall sprangen und kletterten, krabbelten und krochen sie uns vor den Füßen umher. An einer Bucht im Kolpiner See paarten sie sich mit größter Lust, gern auch zu mehreren; später würden sie dann zwischen den Halmen des Röhrichts ihre Laichfäden aufspannen.

An diesen amphibischen Tieren wird der entwicklungsgeschichtliche Ursprung des Lebens aus dem Wasser deutlich!

Und von da gings hoch hinauf zu den Rauener Bergen, wo wir die beiden gewaltigen Markgrafensteine bestaunten. Grobkörniger prophyrischer Granit wurde während des Pleistozäns in mächtigen Massen von Südschweden hierher geschoben. Der größte landliegende Findling Deutschlands befindet sich genau hier!

Ein Blick vom Aussichtsturm auf den Rauener Bergen belohnte uns für alle Anstrengungen. Das Bild ganz oben zeigt diese Weite!
Solche Wanderungen tun uns allen sehr gut! Man besteigt den Zug, fährt gestärkt, ermutigt und erquickt zurück in die Stadt und freut sich seiner zehn gesunden Zehen und wie herrlich das Leben und das Wandern doch sein kann.

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Apr. 092018
 

Es stimmt, dass Einwanderer unsere Sozialsysteme ausbeuten wollen. Ebenso, dass es viele Menschen aus Mittelschichten oder aus der Oberschicht gibt, die unser System schröpfen, indem sie Steuern hinterziehen. Steuerhinterziehung und Einwanderung in Sozialsysteme sind zwei Seiten einer gleichen Münze, nämlich die Schwächung des Gemeinwesens.“

Recht starke Worte sind es, die der 1945 im französischen Montauban geborene Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit da im Europäischen Parlament vortrug (taz, 07.12.2010). – Keine Angst, der ist ein Linker, ist bester Herkunft, der darf so was sagen!

Ähnlich wie Cohn-Bendit äußerte sich an diesem 7. April 2018 zwar nicht in der taz, aber immerhin in der FAZ der 1949 im Libanon geborene Ralph Ghadban; wir zitieren aus dem Gespräch über bekannte arabische große Familien, die es sich im deutschen Sozialsystem behaglich eingerichtet haben und zu erheblichem Reichtum in mehreren Generationen gelangt sind:

„Gleichzeitig nehmen sie den Sozialstaat gezielt aus: 90 Prozent der Clan-Mitglieder in Berlin sind arbeitslos gemeldet, Hartz IV betrachten sie als ihr „Grundgehalt“. Sie lassen sich also von der Gesellschaft aushalten, die sie zur selben Zeit ausbeuten. Ihre Verachtung für die scheinbar schwache Gesellschaft, die sich das alles bieten lässt, verstärkt das noch.“

Keine Angst, der ist bester Herkunft, der darf so was sagen!

Dieses Interview in der FAZ, das Reiner Burger führte, ist aufschlussreich. Beiden Beobachtern ist die Kenntnis der tatsächlichen Lage in deutschen und französischen Großstädten nicht abzusprechen.

Kleine Anmerkung: Kaum beachtet wurde bisher, wie leicht sich das deutsche Sozialsystem austricksen lässt. So hat Anis Amri, ein mittlerweile verstorbener, europaweit bekanntgewordener Geflüchteter, sich unter nicht weniger als 14 Identitäten registrieren lassen und bezog dementsprechend Unterstützung aus den Sozialkassen verschiedener Gemeinden. Mehrfachanmeldungen, eine Option unter vielen! Es ist wirklich kinderleicht, bei den Behörden unterschiedliche Identitäten in unterschiedlichen Gemeinden anzugeben. Jeder weiß, dass es noch zahllose andere Arten gibt, den deutschen Sozialstaat hinters Licht zu führen.

Die Ausdrücke „Ausbeutung des Sozialstaates“, „Einwanderung in Sozialsysteme“, die Cohn-Bendit und Ghadban verwenden, scheinen mir durchaus angemessen.

„Wir müssen die Clan-Strukturen jetzt schnell zerschlagen“. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2018, Seite 4
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wie-kriminelle-araber-clans-die-stadt-beherrschen-15529799.html

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Belebende Sterne

 Antike, Dante, Gedächtniskultur, Natur-Park Schöneberger Südgelände  Kommentare deaktiviert für Belebende Sterne
Apr. 072018
 


Io ritornai da la santissima onda rifatto sì come piante novelle rinnovellate di novella fronda com’è puro e disposto a salire alle stelle.

88 weltweit anerkannte Sternbilder gibt es. Ihre Namen gehen zum Teil auf antike Sternsagen zurück. Ursa major, Haar der Berenike, Perseus, Pegasus, Phoenix … der munter erzählende Astronom in der Wilhelm-Foerster-Sternwarte bot uns gestern nacht einen sehr aufschlussreichen Sternenspaziergang. Wir fanden auch den Polarstern, indem wir fünf Mal die Hinterachse des Großen Wagens abtrugen, der Teil des Großen Bären, Ursa maior, ist.
In jeder Betrübnis, die Geist und Sinn gefangen hält, kann der Mensch sich wieder durch Betrachtung des gestirnten Himmels aufrichten. Die oben angeführten Verse vom Ende des Purgatorio beweisen dies. Dante fühlt sich nach längeren Gesprächen über die Unzuverlässigkeit seiner Erinnerung erschöpft. Der Anblick des Sternenhimmels macht ihn neu. Er gewinnt Zutrauen, er gewinnt seine Erinnerung zurück. Er fühlt sich wie ein begrünter Zweig, der mit frischem Laub wiederbelebt wird.
Die unendliche Größe der Welt, die uns gestern vor Augen geführt wurde, wird aufgewogen durch die strahlende, überschießende Freude beim Anblick des ersten zarten Grüns und dieser frischen Weidenkätzchen im Schöneberger Südgelände.

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Verwöhnung und Überversorgung als Nährboden der 68-er Bewegung?

 1917, 1968, Rosa Luxemburg, Sozialismus, Überversorgung, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für Verwöhnung und Überversorgung als Nährboden der 68-er Bewegung?
Apr. 072018
 

Einen schmerzhaft treffenden Blick wirft Bettina Röhl (geb. 1962) heute in der Berliner Zeitung auf die 68er-Bewegung, auf die Rote Armee Fraktion und nicht zuletzt auf ihre eigene Kindheit. Wohlversorgt, verwöhnt, verhätschelt und erfahrungsarm – so kennzeichnet sie die bis heute meinungsprägende Generation, aus der – um nur einige führende Gestalten zu nennen – ihre Mutter Ulrike Meinhof (geb. 1934), Bernd Rabehl (geb. 1938), Gudrun Ensslin (geb. 1940), Rudi Dutschke (geb. 1940), Andreas Baader (geb. 1943), Daniel Cohn-Bendit (geb. 1945), Joschka Fischer (geb. 1948) hervorgingen.

Ihnen allen war damals mindestens einige Jahre lang gemeinsam: eine gesicherte, materiell gut ausgestattete Jugend ohne echte Sorgen; der scharfe Protest gegen die sie nährende Gesellschaft und gegen den sie unterhaltenden Staat, in dem sie sorgenfrei aufwuchsen; die Solidarisierung mit den imaginierten Armen und Entrechteten, zu denen man keinen Kontakt hatte; das Ja zum Sozialismus; das Nein zur eigenen Familie; eine glühend geglaubte linke Ideologie, die gegen jede empirische Erfahrung abgedichtet war; das Ja zur bewaffneten Gewalt; die Ignoranz gegenüber den Verhältnissen in der Sowjetunion, der Führungsmacht der sozialistischen Staatenwelt; die Bejahung der gewaltsamen Revolution. „Leute mit null Ahnung hatten den Anspruch, die Welt umzuerziehen.“

Ich halte die zunächst einmal verblüffende, insgesamt bittere Analyse Bettina Röhls für höchst bedenkenswert.

Sympathie für Mao Tse Tung, für Lenin, Rosa Luxemburg, und für Trotzkij, für die glorreiche russische Oktoberrevolution von 1917, für Che Guevara und Fidel Castro (wenn auch nicht – mehr – für Stalin) und all die anderen Edelrevolutionäre gibt’s heute immer noch auf Schritt und Tritt in den westlichen Staaten zu bestaunen. Warum eigentlich?

Was die heute noch lebenden Führer jener Tage dazu sagen werden? Sicher haben einige von ihnen umgedacht. Aber die meisten finden sich allem Anschein nach immer noch toll.

Lesehinweis:
„Leute mit null Ahnung hatten den Anspruch, die Welt umzuerziehen.“ Berliner Zeitung, 7./.8. April 2018, S. 1 und Magazin, S. 1-2

Straßenschlacht wennn’s dunkel wird – nicht nur auf der Demo. – Wehrt euch“. Unser Bild zeigt einen gezettelten Anschlag auf der Ohlauer Straße/Reichenberger Straße, Kreuzberg, aufgenommen durch den hier Schreibenden am 13. April 2013, direkt vor der besetzten Gerhart-Hauptmann-Grundschule.

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Die Füße im Wasser

 Eigene Gedichte, Ostern, Trauma  Kommentare deaktiviert für Die Füße im Wasser
Apr. 042018
 

Nicht zuckt der Blitz, kein Donner kracht,
Nicht kämpfen deine Füße mit dem Sturm,
Ein neuer Tag zerreißt die Nacht
Und schwach beleuchtet steht ein Turm,
Am Ufer steht des Reiters scheues Roß,
Und eine Brücke führt zum Schloß
des Augenblicks, du pochst ans Tor,
Dein Mantel wirbelt noch im Wind empor.


Sanftes Eintauchen der Füße in den See, stilles Ruhn im Sonnenglast! Versöhnung überstrahlt den Wannsee. Ja, du weißt, dort hinten, am anderern Ufer ruht sie, die Villa –
— Da sprüht die Flamme weit umher
Und wird ein lodernd Flammenmeer —
Doch lang ist’s her,
Nicht heute ist’s gewesen
Und morgen wird’s nicht sein.
Du lebst auf Zukunft hin, Reiter!
Wie es auch sei, das Leben, es geht weiter.

Festkrallen der Füße im Wannseesand! Beuget die Knie! Lustvolles Schaufeln der Körner! Stilles Rieseln der Wärme! Vorwärtstasten, den Sandberg hinauf!

Hinter Dir liegt so vieles, das war, liegt alles was war! Lass es abfließen von deinen Füßen. Ein paar Schwielen bleiben, ein paar Risse bleiben, aber allmählich schließen sich die Wunden. Tauche die Füße ein in den kalten Wannsee. Lass es abfließen, was vergangen ist. Was vergangen ist, das lass sich schließen. Erhebet Euch!

Lesehinweis:
Conrad Ferdinand Meyer: Der Hugenot. In: Epochen der deutschen Lyrik. Band 8. 1830-1900. Nach den Erstdrucken in zeitlicher Folge herausgegeben von Ralph-Rainer Wuthenow. dtv Wissenschaftliche Reihe, 2. Aufl., München 1975, S. 252-257, hier bsd. S. 252

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Wider das Vergessen – ein Kiezspaziergang durch das Bayerische Viertel

 Heimat, Karl Marx, Revisionismus, Schöneberg, Sozialismus, Wanderungen  Kommentare deaktiviert für Wider das Vergessen – ein Kiezspaziergang durch das Bayerische Viertel
März 242018
 

Bei kaltem Frost und strahlendem Sonnenschein warfen wir am vergangenen Samstag einen großartigen, erkenntnisreichen Blick in die Geschichte unserer Schöneberger Wohnumgebung! Geführt durch Bürgermeisterin Angelika Schöttler durchstreiften wir unseren Bezirk. An jedem dritten Samstag im Monat wird in der Regel mit der Bürgermeisterin ein neues Gebiet erkundet – sehr löblich, sehr empfehlenswert! Thema des Kiezspazierganges war dieses Mal das Bayerische Viertel.

Für die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie stellt zwar das heutige Schöneberg kein Ruhmesblatt dar, denn die Schöneberger Kohlenhandlung, in der die mutigen SPD-Politiker Annedore Leber und Julius Leber ihre konspirativen Treffen abhielten, ist in ihrem jetzigen Zustand nur noch als trauriges Denkmal für das Vergessen zu bezeichnen.

Aber es war mir um so mehr eine große Genugtuung, dass der maßgebliche Begründer des Revisionismus, der große Sozialdemokrat Eduard Bernstein, immerhin noch im Gedächtnis zumindest unserer kleinen Wandergruppe verankert wurde. Ja, wir kamen an der oben zu sehenden Gedenktafel in der Bozener Straße vorbei. Gelegenheit, dieses mutigen, unbeugsamen Theoretikers, der als einer der ersten SPD-Politiker öffentlich an den marxistischen Dogmen zweifelte, zu gedenken!

Bernsteins Grab besuchte ich übrigens am 4. Juni 2017 auf dem Friedhof an der Eisackstraße, der sich im Zuge der Auflösung befindet, umtost von der Stadtautobahn A 100, ebenfalls in Schöneberg. Dort dämmert Bernsteins Ehrengrab unter tiefschattenden Bäumen dem Ende alles Irdischen entgegen.

Die Schriftsteller Gottfried Benn und Arno Holz zählten ebenfalls zu den Schönebergern. Wir kamen an ihren ehemaligen Wohnungsadressen vorbei.

Besonders dankbar war ich dafür, dass sich endlich mein quälender Zweifel bezüglich der im Bayerischen Viertel überall ausgehängten nationalsozialistischen Verordnungen und Gesetze klärte, mit denen ab 1933 die Entrechtung, Verfolgung und Vertreibung der Schöneberger Juden juristisch abgesichert wurde. Das kann doch nicht sein! Sollten diese Gesetze und Verordnungen immer noch oder gar wieder gelten? So durchzuckt es mich immer wieder, wenn ich durch das Bayerische Viertel radle. Warum hängen diese schändlichen Unrechtsparagraphen Tag um Tag im Schöneberger Straßenraum herum? Ist es denn schon wieder so weit?

Weit gefehlt! Es handelt sich um ein Erinnerungsmahnmal, die Orte des Erinnerns, wie ja auch aus kleinen, nachträglich angehängten Täfelchen hervorgeht. Starker Tobak, nichts für empfindliche Nerven ist das; diese Erinnerungsorte wirken vermutlich re-traumatisierend für die Menschen, die jene Unmenschlichkeit der durch die Nationalsozialisten beherrschten Gesellschaft gerade hier in der Schöneberger „jüdischen Schweiz“ erleiden mussten. Auf mich entfalten offen gestanden die Täfelchen weiterhin eine nachhaltig verstörende, deprimierende Wirkung.

Insgesamt jedoch fand ich den Rundgang mit Bürgermeisterin Schöttler eine wunderbare Sache. Sie liebt ganz offensichtlich den Bezirk. Sie möchte all die schönen und weniger schönen Geschichten, die hier geschehen sind, weitererzählen und weitergeben. Und wir gerieten sogar ins persönliche Gespräch mit einem Mitwandernden, der tatsächlich ab 1952 hier am Bayerischen Platz seine Kindheit erlebt hatte. Er schilderte uns seine Erlebnisse und Erfahrungen. Wir hörten zu, lauschten, froren, nickten, fragten.

Mein Dank geht in diesem Augenblick an Frau Schöttler und alle, die uns erzählt, geführt, begleitet haben. Und an die Märzensonne! Sie wird es im Laufe der Tage schaffen. Der alte Winter wird sich ohnmächtig in seine Berge irgendwo hinter Bayern zurückziehen. Sie wird die Oberhand über den Frost behalten.

Strahle hell und warm! Im Zuhören, Lauschen, Nicken, Fragen, ja auch im Frieren entsteht allmählich das Gefühl der Zugehörigkeit, das Gefühl der Gemeinschaft. Und zuletzt erscheint, wie immer vorübergehend, wie fröstelnd und gefährdet auch immer, tatsächlich das Bewusstsein von Heimat.

https://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/ueber-den-bezirk/spaziergaenge/

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Schritte zur Versöhnung der europäischen Völker

 1917, Russisches, Versöhnung, Wanderungen  Kommentare deaktiviert für Schritte zur Versöhnung der europäischen Völker
März 102018
 

„Ja, damals, als diese Najade im pompejanischen Stil aufgetragen wurde, nahm Russland selbstverständlich an der europäischen Geschichte teil. Deutsche Handwerker, italienische Architekten, französische Gouvernanten und Gelehrte waren fester Teil der russischen Gesellschaft. Der deutsche und der russische Hochadel bildeten eine politische Klammer zwischen der Mitte und dem Osten Europas. Überall in Europa wurden die Romane Balzacs, Zolas, Tolstois und Dostojewskis gelesen.“

Derartige Gedanken an die ehemals durchaus vorhandene gesamteuropäische Kultur- und Gedächtnislandschaft kamen mir vor zwei Sonntagen während einer kurzen Wanderpause in den Sinn.

Hier ein Fresko, ein Wandgemälde in der Loggia Alexandra auf dem Böttcherberg oberhalb des Wannsees. Weit, hoch, herrlich schweift der Blick hinüber nach Babelsberg. Errichtet wurde dieses kleine Prachtstück zur Erinnerung an Alexandra Fjodorowna, die als Prinzessin Charlotte von Preußen geboren wurde und nach ihrer Heirat mit dem russischen Großfürsten Nikolaus, dem späteren russischen Kaiser Nikolaus I., diesen russischen Titel annahm: Kaiserin Alexandra Fjodorowna.

Die Zerstörung der traditionell guten, jahrhundertelang gewachsenen preussisch-russischen bzw. deutsch-russischen Beziehungen begann im späteren 19. Jahrhundert im Zeichen imperialen Machstrebens der europäischen Großmächte.

Aber erst durch die bolschewistische Machtergreifung und die anschließende, unvorstellbar brutale, etwa bis zum Tod Stalins (1953) währende kommunistische Terrorherrschaft in der Sowjetunion wurde Russland dauerhaft aus der europäischen Familie herausgerissen. Lenin, der deutsch-russische Adlige mit all seinen willigen Vollstreckern, warf 1917 gewissermaßen – gefördert und angestachelt durch die Oberste Heeresleitung des Deutschen Reiches – die zerstörerische Brandfackel, mehr noch: eine Atombombe auf das alte Russland. Millionen von Toten, Hungersnöte unvorstellbaren Ausmaßes, zerstörte Landschaften, unendliches Leiden und Elend in weitesten Bevölkerungsschichten, zerbrochene Familien waren die Folge.

Die berühmt-berüchtigte Oktoberrevolution des Jahres 1917 muss, so scheint mir, heute in mancherlei Hinsicht als ein vernichtender atomarer Schlag betrachtet werden, von dem sich Russland erst im 21. Jahrhundert zu erholen beginnt.

Hier sind auf Seiten aller europäischen Länder, insbesondere Deutschlands, mühsame Schritte der Wiederannäherung erforderlich, die hoffentlich irgendwann zu echter Aussöhnung zwischen den europäischen Völkern führen werden, wie dies ja auch zwischen Frankreich und Deutschland, zwischen Großbritannien und Deutschland gelungen ist.

Ein Schüleraustausch zwischen Russland, dem größten europäischen Land, und den anderen Staaten Europas, insbesondere den Staaten der Europäischen Union, könnte ein wichtiger Baustein dieser Versöhnungsarbeit sein. Hierfür kann und soll, so meine ich, der deutsch-französische Schüleraustausch ein echtes Vorbild sein.

Die Strecke dieser Wanderung, welche zur Loggia Alexandra führt, ist hier zum Nachwandern beschrieben:
Manfred Schmid-Myszka: Von Wannsee nach Babelsberg. Wanderung am südlichen Berliner Stadtrand. In: M. Schmid-Myszka: Rund um Berlin. Von der Ruppiner Schweiz bis in den Spreewald. 50 ausgewählte Wanderungen in der Mark Brandenburg. Bergverlag Rother, München 2016, S. 104-106, hier bsd. S. 106

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Ost-Berliner Rebellen. Weitere langlebige Legenden um Lenin … aus dem Deutschen Historischen Märchenbuch

 1917, 1968, Lenin, Sozialismus  Kommentare deaktiviert für Ost-Berliner Rebellen. Weitere langlebige Legenden um Lenin … aus dem Deutschen Historischen Märchenbuch
März 082018
 

Um Lenin, den adligen Berufsrevolutionär russisch-deutscher Herkunft, der zusammen mit Trotzkij und Stalin ab 1918 den erbarmungslosen Roten Terror gegen die eigene Bevölkerung als Strategie der Machtergreifung und Machtsicherung entwickelte und bereits vor Stalins Herrschaft ungeheure Leichengebirge auf seinem weltgeschichtlichen Weg hinterließ, ranken sich langlebige Legenden, ja, sein Name reicht aus, auch heute noch frei erfundene Märchen am Leben zu erhalten. Die aktuelle 1917-Revolutions-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum ist ein sprechender Beweis dafür.

Im aktuellen SPIEGEL wird auf einem Foto („Die Straße kocht“) gezeigt, wie demonstrierende Studenten in West-Berlin 1968 ein überlebensgroßes Plakat mit dem Konterfei Lenins, des großen Führers der Bolschewiki schwingen. Daneben ein Portrait Che Guevaras und der Schriftzug „Ho-Chi-Minh siegt“. Sehenswert!

Kein Zweifel – Lenin, Ho-Chi-Minh und Che Guevara erfreuten sich größter Hochachtung bei all den im Luxus wohlversorgten Rebellen, die aus den wohlgewärmten westdeutschen Wohnzimmern stammten, die nie in der Sowjetunion, Vietnam oder Kuba gelebt hatten, kein Russisch, Vietnamesisch, Spanisch verstanden, aber gerne durch gewaltsamen Umsturz in Westdeutschland sozialistische Verhältnisse wie in der Sowjetunion, der DDR, Vietnam oder Kuba herbeigeführt hätten.

Stephan Schnitzler, der Sohn Karl-Eduard von Schnitzlers, weihte seinen Vater, den Chefkommentator des DDR-Fernsehens und unverwüstlichen Baron des „Schwarzen Kanals“, in den Plan ein, der westdeutschen linken Protestbewegung Geld und logistische Unterstützung zukommen zu lassen, und er gewann mit einigen Freunden die Unterstützung einiger Prominenter des DDR-Systems, darunter des Nationalpreisträgers Fritz Cremer und der Nationalpreisträgerin Inge Keller. Immerhin 8000 Mark der DDR kamen als Spenden zusammen, ferner Berge von Regenmänteln und Sturzhelme, damit die Demonstranten in Westberlin sich gegen die Polizei und deren Wasserwerfer schützen konnten.

Waren die in der DDR lebenden Unterstützer der westdeutschen APO 1968 „Ost-Berliner Rebellen“? Die SPIEGEL-Autoren behaupten dies. Nichts deutet darauf hin. Weder Karl-Eduard von Schnitzler noch sein Sohn noch Fritz Cremer noch Inge Keller waren Rebellen. Sie waren überzeugte Stützen des DDR-Sozialismus.

Auch ein Großteil der westdeutschen sozialistischen „Rebellen“ waren überzeugte Unterstützer Lenins, Ho-chi-Minhs und Che Guevaras, alles Namen, die in der DDR und der Sowjetunion damals einen guten, staatstragenden Klang hatten. Diese Rebellen befürworteten oftmals den gewaltsam herbeizuführenden Sozialismus, sie wollten vielfach eine gewaltsame sozialistische Revolution nach dem Vorbild Lenins und Che Guevaras herbeiführen.

Regelrecht gesteuert war die westdeutsche 68-er Bewegung wohl nicht durch die DDR. Unterstützt aber wurde sie durch den sozialistischen Staat auf verschiedenen Kanälen sehr wohl: finanziell, logistisch, militärisch, administrativ. Nicht wenige RAF-Terroristen konnten beispielsweise mithilfe der DDR in der DDR untertauchen und dort eine zweite Existenz führen. Sie, die westdeutschen 68er, hätten sicherlich auch ohne die 8.000 Mark der DDR und ohne die logistische Unterstützung des – nach dem Nationalsozialismus – zweiten sozialistischen Staates auf deutschem Boden für den Sozialismus demonstriert, aber sie schauten eben doch voller Sehnsucht in die sozialistischen Staaten dieser Welt, die sie aus eigener Erfahrung nicht kannten.

Um die Gestalt Lenins ranken sich viele Legenden. Der aktuelle Spiegel spinnt eine davon weiter. Lesenswert!

Michael Sontheimer, Peter Wensierski: Revolte im Milchladen. Der SPIEGEL, 10/2018, 3.3.2018, S. 45
Buchempfehlung:
Michael Sontheimer, Peter Wensierski: Berlin – Stadt der Revolte. Ch. Links Verlag, Berlin 2018

http://www.spiegel.de/spiegel/wie-ost-berliner-rebellen-1968-die-apo-im-westen-unterstuetzten-a-1196289.html

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„Lautes Lesen, das sich wie ein Singsang anhört“

 Donna moderna, Einzigartigkeiten, Frau und Mann, Hebraica, Heiligkeit, Katharina, Mündlichkeit, Schriftlichkeit  Kommentare deaktiviert für „Lautes Lesen, das sich wie ein Singsang anhört“
März 082018
 

Die hebräische Bibel, so schreibt es zutreffend Eckhard Nordhofen, ist „kein Lesebuch, sondern in den meisten Passagen eine Rezitationsvorlage.“ Die der Bibel angemessene Darbietung sei somit nicht das stumme Nachlesen, sondern das Vorlesen, „lautes Lesen, das sich nicht wie normales Sprechen anhört, sondern eher wie ein Singsang„. In diesem Singsang, schreibt Nordhofen, werde die Heiligkeit des „Namens“ hörbar gemacht.

Und „der Name“ ,“ha-schem“ ist eben genau dasjenige Seiende oder vielmehr dasjenige Werdende, welchem die Bibel das Merkmal der „Einzigkeit“ beilegt. Der Einzige ist das Einzigartige, zu dem kein aussprechbarer Name hinreicht.

Gute weiterführende Anmerkungen sind dies. Ich denke sie stumm durch im Anblick der Katharina von Alexandrien, dieser großartigen Frau aus Ägypten. Stark, klug, mutig gegenüber männlicher Vorherrschaft, unbeugsam, unerschrocken, nicht dem Willen des Mannes untertan, von hoher philosophischer und theologischer Bildung, so stand sie gestern vor mir in der Hauptkirche St. Katharinen am Hamburger Hafen.

Ihr, dieser vorbildlichen, gewaltlosen Vorkämpferin der Frauenrechte sei mein heutiger Internationaler Frauentag, der 8. März gewidmet. Unser Bild zeigt sie in St. Katharinen in einer figürlichen Darstellung, mutmaßlich aus Süddeutschland, 15. Jahrhundert.

Zitat:
Eckhard Nordhofen: Corpora. Die anarchische Kraft des Monotheismus. Freiburg 2018, S. 125

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