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Wenn Mythen zerbrechen

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Sep. 042009
 

Zerbrechende Mythen – unter dieses Motto stelle ich meine Auswertung der heutigen gedruckten Süddeutschen Zeitung.

Erster zerbrechender Mythos: „Das finstere Mittelalter“.“Wie jede pubertierende Bewegung hat die Renaissance Vatermord an den vorangegangenen Erfindungen des Mittelalters begangen“, wird Stefan Trinks von der Humboldt-Universität auf S. 16 der SZ  zitiert. Universitäten, eine europaweite Kultur des Lernens, Streitens und Lehrens, ständige friedliche Auseinandersetzung zwischen Islam und Christentum, Einsichten in die Kugelgestalt der Erde … die Liste der Errungenschaften des 6. bis 14. Jahrhunderts ist lang. Die Mär vom ach so finsteren Mittelalter sollte man aufgeben.

Zweiter zerbrechender Mythos: „Alle europäischen Länder waren ausschließlich Opfer Deutschlands.“ Unter dem Titel „Vorauseilende Kollaboration“ berichtet Johannes Willms auf S. 11 über den Tatbeitrag Frankreichs – sowohl des besetzten wie des unbesetzten Teils – an der Deportation und Ermordung der französischen Juden. Ein Kapitel, das Frankreich erst seit der bahnbrechenden Rede von Jacques Chirac im Juli 1995 allmählich (aber nur ganz behutsam) zu öffnen beginnt.   Auch im unbesetzten Teil Frankreichs wurden durch französische Polizei Razzien durchgeführt, um die Juden den Deutschen auszuliefern. Die Shoah ist ein gesamteuropäisches Verbrechen gewesen. Nur eine kleine Minderheit von besetzten oder nicht besetzten Ländern hat an diesem gewaltigen Menschheitsverbrechen nicht mitgewirkt. Frankreich gehört mit Sicherheit nicht zu diesen Ländern. Das gesamte Thema der Kollaboration ist nur höchst unzureichend aufgearbeitet.

Weitere lesenswerte Artikel: Seite 5, Wahlverhalten der Migranten, Titel: „Mächtige Migranten“. Ein neu entstandener Mythos – der Mythos vom „Ewigen Migranten in Deutschland“! Mein Kommentar: Die Parteien haben erfolgreich eine starke Klientel an hilfebedürftigen migrantischen Empfängern herangezogen. Man lese die Verlautbarungen der SPD, eines Kenan Kolat, der anderen Verbände, der Linskpartei: Immer und immer wieder wird wiederholt: „Ihr seid benachteiligt“. Gegenmittel: staatsfinanzierte Programme, staatsfinanzierte Stellen, staatliche Fördermittel, staatlich mitfinanzierte Verbände … ein sich selbst verstärkender Zirkel. Der Titel „Migrant der n-ten Generation“ ist mittlerweile wie ein erblicher Adelstitel. Er verleiht Anrecht auf besondere Förderung bis weit in die 4. und 5. und n-te Generation hinein und ist potenziell unbegrenzt, ad infinitum. So ist ein kräftig wachsender Sozialadel entstanden, der ökonomisch dem Durchschnitt der Bevölkerung in den Herkunftsländern weit überlegen ist.

Lesenswert auch im Immobilienteil auf der letzten Seite: Das neue Stadtwohnen. Mischung der Sozialmilieus ist das A und O gelingender Wohnungspolitik. Homogene Viertel für die ganz Armen und die ganz Reichen, die „Domänen der Reichen“, sollen vermieden werden. Zustimmung. Wir brauchen hier in Berlins Mitte mehr junge selbstverdienende Familien.

Nachrichten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport – sueddeutsche.de

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„Die Eltern sind in der Pflicht“ – na endlich sagt das jemand mal!

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Sep. 042009
 

Die Berliner Journalistin Regina Köhler erhält den Theodor-Wolff-Preis. Sehr gut! Ich gratuliere Ihnen, Frau Köhler.

Sie sind die einzige mir bekannte Journalistin, die so einfache Sätze wie „Die Eltern sind in der Pflicht“ bei den Redaktionen einzureichen wagt – und die dann die Redaktion so weit umgarnt, dass solche einfachen bündigen Wahrheiten abgedruckt werden. Sie müssen ja beträchtlichen Charme haben.

Diesen Satz „Die Eltern sind in der Pflicht“, den habe ich schon oft – häufig in der Form „Wir Eltern sind in der Pflicht“  – ausgesprochen, hier hinein gebloggt, geschrieben, geklagt und gepfiffen. Das Echo? Nun, ich bekomme Erwiderungen der folgenden Art:

„Du redest ja schlimmer als ein CDU-ler aus den 50er Jahren!“

„Wir müssen den Eltern durch Förderprogramme helfen!“

„Die Eltern haben kein Geld, um ihre Kinder sinnvoll zu erziehen“

„Die Eltern brauchen Hilfe, sie sind alle überfordert!“

„Die verheerende Schulpolitik des rot-roten Senats macht sinnvolle Erziehung unmöglich!“…

… und was dergleichen trickreiche Ausflüchte mehr sind. Ich nehme alle diese Vorwürfe gerne auf mich, bin bereit, sie Punkt um Punkt zu widerlegen, und erkläre mich hiermit zum Bundesgenossen der Preisträgerin Regina Köhler.

Regina Köhler hat recht. Damit sind wir schon zwei.  Sie und ich.

Kommentar – Fernseher aus! – Berlin – Berliner Morgenpost
Die Eltern sind in der Pflicht.

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Sep. 042009
 

Oh Paul Dirac, was hättest du dazu gesagt, dass jetzt wohl erstmals die von dir postulierten Monopole nachgewiesen wurden? Wahrscheinlich hättest du einen Luftsprung gemacht! Einen „Barkhausen-Sprung“ gewissermaßen!Unter Barkhausen-Sprung verstehen wir bekanntlich jenes Phänomen, bei dem unter bestimmten Feldstärken das magnetische Moment der Bezirke in eine Richtung umklappt. Liegt hier so etwas vor?

Sollte es den Berliner Forschern tatsächlich gelungen sein, die von Paul Dirac postulierten Monopole in tiefgekühltem Dysprosium-Titanat nachzuweisen, dann wäre dies ein königlicher Beweis dafür, dass die „Wirklichkeit“den Erkenntnissen der physikalischen Theorie „folgt“. Dann sollte man über die nächsten Nobelpreise für Physik nachdenken!

Zum Nachmachen: Hier ist die chemische Formel für Dysprosium-Titanat (auf Englisch dysprosium titanate): Dy2Ti2O7.

Aber lies selbst, was uns das Helmholtz-Zentrum Berlin wissen lässt:

Magnetische Monopole erstmals nachgewiesen
Während der Neutronenmessungen haben die Forscher zugleich ein Magnetfeld angelegt. Mit diesem Feld konnten sie die Symmetrie und die Orientierung der Strings beeinflussen. Dadurch wurde es möglich, die Dichte des String-Netzwerks zu reduzieren und die Anzahl der Monopole zu verringern. Als Ergebnis wurden bei einer Temperatur von 0,6 bis 2 Kelvin die Strings mit den magnetischen Monopolen an ihren Enden sichtbar.

Die charakteristischen Merkmale dieser magnetischen Monopole wurden ebenso durch Messungen der Wärmekapazität an Dysprosium-Titanat beobachtet. Die von Bastian Klemke HZB durchgeführten Messungen bestätigen die Existenz der magnetischen Monopole und zeigen, dass sie ähnlich wie elektrische Ladungen wechselwirken können.

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„Wann machen wir die nächste Probe?“

 Gute Grundschulen, Integration durch Kultur?, Musik  Kommentare deaktiviert für „Wann machen wir die nächste Probe?“
Sep. 032009
 

Manches hat sich geändert im neuen Schuljahr. Klassen wurden aufgelöst und neu zusammengelegt. Das erste Jahr mit dem Experiment „Jahrgangsübergreifendes Lernen“ läuft jetzt auch in der Fanny-Hensel-Grundschule an. „Wir sind jetzt drei Klassen in einer!“, berichtet stolz mein Sohn. Und er erzählt: „Wir sitzen jetzt alle sortiert.“ Uralte Schwarzweiß-Fotos fallen mir ein: Auf Holzbänken sitzend – die Kinder eines ganzen Dorfes nach Jahrgängen „sortiert“.

Trotz der verblassten Nostalgie-Fotos bleibe ich bei meinem Optimismus: In jeder Situation gilt es das Beste zu bewirken, egal ob man früher eher „dafür“ oder „dagegen“ war. Und ich bin sicher, dass die Lehrerinnen und die Schüler im Bunde mit uns Eltern auch in diesem Schuljahr wieder sehr viel Gutes schaffen werden. Ich setze mein Vertrauen ganz auf diese Menschen. Sehr viel weniger auf „die Schulpolitik“.

Heute lernte ich den neuen Religionslehrer kennen, der gerade die Schülerschar nach oben ins „Religionszimmer“ bringt. Da kommt ein 7-jähriges Mädchen auf mich zugestürzt: „Du, wann machen wir die nächste Probe? Bitte bitte!“ Kaum zu glauben: Die Proben für die Zauberflöte liegen doch jetzt schon viele Monate zurück. Aber immer noch sprechen mich die Mädchen und Buben darauf an, wollen wissen, wieviel so eine Geige kostet, wollen wissen, wie ich heiße, reichen mir die Hand, um Freundschaft zu schließen. Und dabei habe ich mich eigentlich nur an das Projekt meiner Frau Ira drangehängt.

Auffallend: Nicht die Aufführung des Mozartschen Singspiels bleibt offenbar als besonders glücksbringend im Gedächtnis, sondern die Arbeit vor der Aufführung, also die anstrengenden Proben.

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Gemeinsame europäische Erinnerung ist noch in Kinderschuhen!

 Gedächtniskultur, Geschichtspolitik, Krieg und Frieden, Polen, Russisches  Kommentare deaktiviert für Gemeinsame europäische Erinnerung ist noch in Kinderschuhen!
Sep. 012009
 

Heute, am1. September, tritt wieder einmal hervor, was ich immer wieder feststelle: Von einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur kann noch keine Rede sein. Seit Tagen tobt beispielsweise in Polen und Russland ein Kampf um das rechte Erinnern an das Jahr 1939. Die Polen sehen den Beginn des zweiten Weltkriegs als abgekartetes Spiel der beiden totalitären Großmächte Deutschland und Sowjetunion. Durch seinen Einmarsch am 17. September habe Stalins Sowjetunion der polnischen Nation den Dolchstoß versetzt. Die Russen wiesen das bisher mehrheitlich zurück. Heute hat Putin immerhin einen Brief an das polnische Volk abdrucken lassen, in dem er den verwerflichen Charakter des Molotov-Ribbentrop-Paktes einräumt:

List Putina do Polaków – pełna wersja
Moim zdaniem szczególnie ważny jest etyczny aspekt polityki. W związku z tym chciałbym przypomnieć, że w naszym kraju niemoralny charakter paktu Mołotow-Ribbentrop został jednoznacznie oceniony przez parlament [24 grudnia 1989 r. Zjazd Deputowanych Ludowych ZSRR przyjął oświadczenie potępiające pakt z 1939 r.]. Czego na razie nie możemy powiedzieć o szeregu innych państw, chociaż one w latach 30. też podejmowały bynajmniej niejednoznaczne decyzje.

Ansonsten kann aber von Einigkeit in der europäischen Erinnerung nicht die Rede sein. Wir Deutsche und unsere westlichen Nachbarn kreisen fast ausschließlich um uns selbst – um die Westhälfte Europas.  Der verheerende verbrecherische Charakter des NS-Regimes wird häufig dazu verwendet, um den falschen Eindruck zu erwecken, „vorher“ und „drumherum“ sei alles im Wesentlichen in Ordnung gewesen. Ein grober Fehler – und was die Sowjetunion und ihre Verbrechensmaschinerie angeht, ein unverzeihlicher Irrtum. Nicht nur die Deutschen, sondern auch die Sowjets haben nach ihrem Einmarsch Polen mit einer erbarmungslosen Terrorherrschaft überzogen, die hunderttausende Opfer gekostet hat – wohlgemerkt nicht als Opfer von kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern als Opfer von wahllosem Terror gegen die Zivilbevölkerung.

Die FAZ bringt heute einige gute, sehr lesenswerte Artikel über dieses Thema der „gespaltenen Erinnerung“.

Bin gespannt, was derAbend mit Lena Kornyeyeva morgen bringt. Ihr Buch „Putins Reich“ liegt vor mir auf dem Schreibtisch.

 Posted by at 14:07

Vorfahrt für Sicherheit

 Wanderungen  Kommentare deaktiviert für Vorfahrt für Sicherheit
Sep. 012009
 

30082009004.jpg Toller Ausflug am Sonntag nach Wendisch-Rietz am Scharmützelsee! Unser Auto haben  wir abgeschafft, wir leben nunmehr als junge aufstrebende Berliner Familie autofrei! Gut so! Der Sonntagsausflug brachte uns per Rad und Bahn ins herrliche märkische Umland! Ich schloss die Augen, sog die Luft mit vollen Nüstern ein: es war ein perfekter Urlaubstag. Kleiner Nebeneffekt des Zugfahrens: Man führt viele kleinere und auch größere Gespräche. Auf der Heimfahrt saß ich neben einer teilgelähmten Frau, die mir erzählte, wie sie durch viel Willen, durch Glauben an ihre Kräfte, durch Fleiß und Physiotherapie  die Prognose der Ärzte „Sie haben noch etwa 17 Tage zu leben und werden sich nie mehr bewegne können“ überwand. Mittlerweile fährt sie selbständig Zug, bewegt sich sicher mithilfe des Rollators durch Bahnhöfe und durch die Straßen.

Wieder wurde mir bewusst, wie herrlich es ist „zehn gesunde Zehen und zehn gesunde Finger zu haben.“ Und einen Kopf, der Impulse aussendet, die über eine Tastatur eingegeben werden, so dass Tag um Tag in allen Ländern der Welt diese mehr oder minder bedeutungsschwangeren Betrachtungen nachvollzogen werden können.

Gute Argumentesammlung im heutigen Tagesspiegel zum Helmtragen! Die meisten Verkehrsexperten, die Unfallärzte und die Polizei raten seit Jahren dazu, nur mit Helm Rad zu fahren. Ich stimme ihnen zu. Ich habe in meiner Familie Helme eingeführt und habe  meinen zweiten Sohn Wanja zum Aufpasser, Hilfspolizisten und Mahner erzogen: Er weist mich bestimmt und fast immer höflich darauf hin, wenn  ich das innerfamiliäre Helmgebot verletze oder wenn ich mich nicht millimetergenau an die Verkehrsregeln halte. „HIER ist die Haltelinie, Papa!“ Tja, und dann muss ich eben 3 cm zurück. Gut so, lieber Sohn! Lass dich nicht beirren durch Krethi und Plethi auf unseren Straßen und Fußwegen, die sich einen Deibel um die Benimmregeln scheren!

Bloß nicht oben ohne!
„Verantwortungsbewusste Eltern sollten ihre Kinder nicht ohne Helm fahren lassen“, sagte der Polizeipräsident jetzt zum Schulbeginn dem Tagesspiegel. Und setzte hinzu: „Dazu sollte man Eltern nicht durch eine gesetzliche Verpflichtung zwingen müssen.“ Soll heißen: Glietsch fordert – noch – keine Fahrradhelmpflicht. Zumindest nicht, solange die Hoffnung besteht, dass Appelle gehört werden. Schließlich rät die Polizei seit längerem allen Radfahrern zum Helm.

 Posted by at 11:03

„Wir haben mehr zu bieten“: Musik zur Politik

 Einladungen, Friedrichshain-Kreuzberg  Kommentare deaktiviert für „Wir haben mehr zu bieten“: Musik zur Politik
Aug. 312009
 

Die unermüdliche Vera Lengsfeld organisiert und lädt ein zu einem besonderen Abend:

 

Mittwoch, 02.09.2009, 19.00 Uhr: Lesung. Die Soziologin Lena Kornyeyeva liest aus ihrem Buch „Putins Reich“, begleitend und anschließend: Konzert von und mit Irina Potapenko (Alt) und Lala Isakowa (Klavier). Zusammen bieten die beiden Lieder von Michail Glinka, Alexander Dargomyschski, Anton Rubinstein, Tschaikowskij, Rachmaninow, Rimskij-Korsakow dar. In russischer Sprache mit kurzer vorheriger deutscher Inhaltsangabe. Max und Moritz, Oranienstraße 162, Berlin, Kreuzberg.

 

Welches Russland-Bild scheint da durch? Ich habe mich ja immer wieder mit diesem großen, beeindruckenden Land befasst, das mir in den letzten Jahren so sehr ans Herz gewachsen ist – so sehr, dass ich eine Tochter dieses großen Landes heiratete – oder war es eher umgekehrt, nämlich so, dass ich eine Tochter dieses großen Landes heiratete und mir das Land dann ans Herz wuchs?  Egal, wo Herz zum Herzen findt … ich gehe übermorgen hin, in das lustige Alt-Berliner Restaurant, in das Max & Moritz. In der Oranienstraße, nicht weit von der Roten Harfe, wo Rot und Rot zusammenfindt …  Ihr könnt auch kommen! Der Eintritt ist frei!

 

 Posted by at 18:38
Aug. 312009
 

Eine merkwürdige Wähleransprache bieten die Grünen auf einem Wahlplakat. In Anlehnung an das berühmte Plakat „Uncle Sam wants you!“ drücken die Grünen uns Wählern ein „Du bist verdächtig!“ auf die Augen.

Was mag dahinter stecken? Am ersten Tag der Schule mag folgender Hintergrund plausibel erscheinen: Jedes Jahr beginnt in den Berliner Innenstadtbezirken erneut der Tanz um die „Wunschschule“. Die deutschen Eltern unternehmen alles, nur damit ihr Sprössling nicht in eine Klasse mit türkischer oder arabischer Mehrheit kommt. Alle Mittel werden genutzt. Beliebt ist die Scheinummeldung. Man meldet sich dort an, wo man größere Chancen hat, auf die Wunschschule zu kommen, wo dann möglichst die Deutschen unter sich sind. Dies alles in einem Bezirk, der zu 80% „links“ oder „grün“ wählt!

Das links-grüne Bezirksamt beginnt sich gegen diesen Betrug zu wehren. Kreuzberger Eltern haben mir berichtet, dass unser Bezirksamt mittlerweile hochnotpeinliche Fragen stellt. Alles muss vorgelegt werden: Mietvertrag, Zahlungsbelege, amtliche Anmeldung, Bankauszüge, ja selbst Grundbucheinträge. Die Obrigkeit des Bezirks lässt nicht mit sich Schlitten fahren. Der Kindesentzug durch die wohlmeinenden Eltern wird nicht so einfach hingenommen.

So mag denn die Vorliebe der Grünen für den Slogan „Du bist verdächtig“ ihren Sinn haben: Wenn die Bürger nicht mitspielen, wenn sie dem Staat die Wahrheit verheimlichen, dann entsteht ein Klima der allgemeinen Verdächtigung. Die Bürger in unserem Stadtteil haben kein Vertrauen zur staatlichen Schule – und der Staat, vertreten durch das Bezirksamt, hegt einen allgemeinen Verdacht gegen die Eltern. Das von den Grünen dominierte Bezirksamt sucht größtmögliche Aufklärung. Es fordert und fördert die gläsernen Eltern. Es sammelt offenbar die Daten und wertet sie aus. Alles muss auf den Tisch. Vielleicht machen die Grünen deshalb Werbung für den Innenminister?

Ich meine: Falsche Angaben gegenüber den Behörden sind kein Kavaliersdelikt.  Wer hier in Kreuzberg wohnt, der sollte seine Kinder auch hier in die Grundschule schicken. Sonst entsolidarisiert sich die Gesellschaft – getreu dem Spruch unseres Bürgermeisters Wowereit: „Ich würde meine Kinder auch nicht nach Kreuzberg in die Schule schicken.“

Ich habe diese Frage „Würden Sie Ihre Kinder in eine staatliche Kreuzberger Grundschule schicken?“ dem Bundestagskandidaten Björn Böhning am 22.08.2009 in seinem Blog vorgelegt.  Denn er war derjenige, der sich eindeutig gegen die weitere Desintegration in unserer Gesellschaft aussprach. Löblich! Dann sollten wir Eltern damit anfangen, so meine ich. Wird der Kandidat  sich gegen die links-grüne Elternmehrheit in unserem Bezirk, wird er sich gegen den Bürgermeister Klaus Wowereit aussprechen?

Wird er sagen: „Eltern, schickt eure Kinder in die Schule, der ihr zugewiesen seid?“ Ich würde mich freuen!

Mal sehen, wie er darauf antwortet.

 Posted by at 17:25

„Gentrification sucks“

 Friedrichshain-Kreuzberg, Mieten, Nahe Räume  Kommentare deaktiviert für „Gentrification sucks“
Aug. 292009
 

 26082009011.jpg „Gentrification sucks“  „Der Zuzug des Kleinadels (gentry) saugt uns das letzte Blut aus den Adern“. So liest man auf dem Wahlplakat eines nicht chancenlosen Bundestagskandidaten in unserem Bezirk. Kennt ihr diesen Hochadligen, diesen König von Kreuzberg?

Der Kandidat belebt mal wieder alle reaktionären Vorurteile gegenüber den blutsaugerischen kleinadligen Zuzüglern aus West- und Ostdeutschland.

Die Gentrifizierung – also die Aufwertung eines Wohnumfeldes durch wirtschaftliche Tätigkeit, durch Zuzug von Selbstverdienern – wird als Gespenst überall in Friedrichshain-Kreuzberg an die Wand gesprayt.  Dieses Gepenst der Gentrifizierung übernimmt unser konservativer hochadliger Kandidat in kluger Anpassung an die Wetterfahne der herrschenden Stimmung auf sein Wahlplakat.

Und unser guter Tagesspiegel greift das Thema ebenfalls auf:

Wer schick baut, kann in Berlin Angst bekommen
Die sogenannten Aktionswochen im Juni sollten auf die „Gentrifizierung“ aufmerksam machen. Der Begriff bezeichnet einen Verdrängungsprozess in einem Kiez. Zum Beispiel wenn Studenten und Kreative in eine billige Wohngegend ziehen, Cafés und Galerien folgen, die Gegend „aufgewertet“ wird und die Mieten steigen – bis die nicht so zahlungskräftige Bevölkerung vertrieben wird. Die Veranstalter hatten allerdings nicht zu Brandanschlägen aufgerufen.

ICH HALTE DAGEGEN:

 

Durchmischung fördern! Keine Apartheid!

“ … bis die nicht so zahlungskräftige Bevölkerung vertrieben wird“. Leider plappert sogar Frau Heitmüller den Unsinn nach, es werde die angestammte Bevölkerung „vertrieben“. Das ist grober Unfug. Eine Vertreibung wie etwa die der Indianer in den USA, der Hereros durch die Deutschen, der Deutschen aus der Tschechoslowakei ist nicht im Ansatz zu erkennen. Nicht einmal eine Verdrängung der bisherigen Mieter findet in nachweisbarem Umfang statt, das hat selbst Bürgermeister Franz Schulz festgestellt. Sicherlich hat dank der über Jahrzehnte fortgesetzten Mietpreisbindung im sozialen Wohnungsbau eine Verdrängung der angestammten Mieter stattgefunden. Die künstliche Niederhaltung der Mieten hat zu Mauerzeiten in weiten Teilen Kreuzbergs zu einer massiven Verschlechterung der Wohnqualität geführt. Die deutschen Familien mit Kindern haben Reißaus ergriffen, sobald sie es sich leisten konnten. Für nachziehende Familien aus der Türkei, für Sozialhilfeempfänger, für Arbeitslose und Studenten wurde billiger, bezahlbarer Wohnraum frei. Politisch gewollte Niedrigstmieten wie im alten SO 36 führen zu einer Ballung sozialer Probleme. Das Ergebnis sind heute Verhältnisse wie am Kottbusser Platz. Eine bessere Durchmischung der sozialen Milieus ist dringend geboten. Die neuen Wohnungen und sanierten Häuser in gehobener Qualität müssen allen willkommen sein, die das Wohnumfeld in Kreuzberg für Familien von Selbstverdienern wieder attraktiv machen wollen. Die reaktionäre Parole der ewiggestrigen Konservativen „Yuppies vertreiben – Junkies bleiben“ ist das falscheste Signal. Die Mischung macht’s. Wir brauchen ein sichtbares Zeichen gegen Vertreibungen! Und die Vertreibungen werden einzig und allein von den reaktionären Kräften der Zündler, Schmierer und Plärrer angedroht.

 

HEY PEOPLE! STOP HOOLIGANISM. STOP THE SELF-DECLARED PETTY TALIBAN. STOP GRAFFITI. IT SUCKS.


 Posted by at 18:57

“Frau Lehrerin, ich werde Hartzer“

 Sozialadel  Kommentare deaktiviert für “Frau Lehrerin, ich werde Hartzer“
Aug. 282009
 

Und wieder mal haut Heinz Buschkowsky in die richtigen Kerben! Der Neuköllner SPD-Bürgermeister redet Tacheles und er zeigt Herz. Seine Beobachtungen treffen sicherlich zu – soweit ich das vergleichen kann. Kreuzberg und Neukölln – das sind nicht so unterschiedliche Welten.  Ganzes Interview lesen – es lohnt sich! Und ich unterstreiche ausdrücklich, was er sagt.

Reden wir über Geld – “Frau Lehrerin, ich werde Hartzer“ – Reden wir über Geld – sueddeutsche.de
In vielen Herkunftsländern der Migrantenfamilien ist Kinderreichtum auch heute noch üblich und wird auf hiesige Verhältnisse übertragen. Die Wohnungen sind häufig überbelegt und oft haben die Kinder keine eigenen Betten und Schreibtische, sie schlafen auf Matratzen und machen die Hausaufgaben, wenn überhaupt, liegend auf dem Fußboden. Als Statussymbol hat Elektronik große Bedeutung. Der Flachbildschirm kann nicht groß genug sein, Handy und MP3-Player immer neuester Standard. Hinzu kommt die informelle Wirtschaft, also die Schwarzarbeit. Es handelt sich um Parallelgesellschaften, und die funktionieren nicht so wie die deutsche bürgerliche Gesellschaft.

SZ: Was wollen Sie anders machen?

Buschkowsky: Wir können das bei den Eltern nicht mehr ändern, aber wir dürfen nicht zulassen, dass sich diese Defizite in den Kindern fortpflanzen.

 Posted by at 12:16
Aug. 282009
 

Man reibt sich die Augen. Wieder einer.

Mich freut es.

Badr Mohammed ist einer der wenigen Politiker, der das formuliert, was ich hier mit weit unbeholfeneren Worten seit Monaten in die Tastatur hämmere und als Mensch vorzuleben versuche: Wir müssen zusammenstehen, wir brauchen eine gemeinsame, in steter Bewegung sich weiterentwickelnde Identität als Deutsche, bei der die unterschiedliche ethnische Herkunft sekundär ist.

Ich vermute: Das Migrantenghetto ist zur Sackgasse geworden, in der es mittlerweile vor allem um Pfründe und Besitzstandswahrung für professionelle Retter und Helfer geht.

Hat man diesen Mechanismus einmal durchschaut, kann man sich zumindest in dieser Frage nicht mehr als Linker fühlen.

Parteiübertritt – Berliner SPD-Politiker wechselt zur CDU – Berlin – Berliner Morgenpost
Nach 18 Jahren Parteimitgliedschaft sei ihm der Schritt schwer gefallen, aber ausschlaggebend sei sein Mitwirken bei der Islam-Konferenz gewesen: „Da habe ich mich gut aufgehoben gefühlt.“ Vor allem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble CDU und dessen interreligiöser Dialog hätten ihn schwer beeindruckt. In der SPD war der 43-Jährige mit seinen Thesen zum „Neuen Deutschen“ nicht durchgedrungen. „Das war mit der Sozialdemokratie nicht machbar.“ Deswegen wolle er in einer anderen Volkspartei einen Neuanfang wagen.

 Posted by at 10:36
Aug. 282009
 

Eines schlechten Rufes erfreuen sich in der Radler-Szene die Radwege. Sie sind meist handtuchbreite Rüttelstrecken und Holperteppiche. Sie sind nachweislich unfallträchtig. Sie sind die Pest für jeden gesunden, jungen, kräftigen und selbstbewussten Radler!  Hierzu schreibt der STERN auf seinen Auto-Seiten in einem sehr lesenswerten Artikel:

Radfahr-Offensive: Freie Fahrt für freie Radler – Auto | STERN.DE
Radwege sind die Pest – für den, der vorankommen will. Viel zu schmal, mit aufgeplatztem Asphalt behindern sie den Pedalisten. Meistens sind es bauliche Verlegenheitslösungen. Sie führen plötzlich auf eine Parkspur, enden gern einfach mal so und folgen unmöglichen Kurven – nur um dem Autofahrern das Abbiegen zu erleichtern. Für Oma auf dem Weg zum Markt reicht das aus. Wer das Rad als Alternative zum Auto begreift, morgens zur Arbeit will und dabei eine Geschwindwindigkeit von mindestens 25 km/h einplant, muss dagegen auf die Straße.

Aber was ist mit den nicht ganz so jungen, den unsicheren, den zittrigen Radfahrerinnen und Radfahrern? Immer wieder spreche ich mit solchen. So gehen in den Fachdebatten häufig unter, werden an den Rand gedrängt. Sie fühlen sich sicher, wenn sie ihren breiten, schön markierten Radweg haben, wo sie nicht bedrängt und nicht angehupt werden.

Ich meine: An manchen Straßen, insbesondere an vielbefahrenen Durchfahrtsstraßen sind breite, ebene, gut gepflegte, vom Fußgänger- und Autoverkehr eindeutig abgesetzte jederzeit gut einsehbare Radwege keineswegs empörend, unsittlich, oder entwürdigend. Sie sind keine Pest. Sie sind ein Argument auch für langsame, unsichere und ältere Radler, das Auto öfter stehen zu lassen.

Unser Foto zeigt eine „Rad-Autobahn“ in der Stadt Padua.

 Posted by at 07:33

„Es gibt Menschen, die nie vorkommen …“

 Vergangenheitsunterschlagung  Kommentare deaktiviert für „Es gibt Menschen, die nie vorkommen …“
Aug. 272009
 

Guter Spruch von Philippa Ebéné  im Gespräch mit inforadio: „Menschen die nie vorkommen“ – und genauso gibt es Völker, die nie vorkommen: die Tscherkessen, die Uiguren, die Abchasen, die Tschuktschen – in der Tat, unsere Wahrnehmung ist eine beschränkte. Wir müssen den Blilck erweitern!

Streit um Ausstellung – muss man Nazi-Kollaboration erwähnen? 27.08.2009 17:06 | Inforadio – Aus der Hauptstadt für Berlin und Brandenburg

 Posted by at 23:37