Wildschweine auf den Weg der Freiheit führen!

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Nov. 172008
 

Erneut greifen wir das Thema „Wildschweine in der Stadt“ auf. Wir berichteten bereits am 26.10.2008 in diesem Blog. An kaum einem anderen Thema lässt sich so einfach durchspielen, wie Zusammenleben funktioniert. Heute berichtet Miriam Mey Khammas  in der BZ von einer spannenden Begegnung im Dämmerlicht:

Es grunzt im Dunkeln! Ich steige aus dem Auto am Grunewaldturm an der Havel. Ein mulmiges Gefühl macht sich in mir breit. Ich werde von 20 Wildschweinen umringt. „Keine Angst, die wollen nur fressen“, sagt ein Mann, der mit einer Wildsau kuschelt.

Es ist Michael Gehricke (56) – Papa Wildschwein. Er kommt seit 12 Jahren täglich zum Füttern. „Angefangen hat es damit, dass ich mein altes Brot hierher gebracht habe. Da wusste ich aber noch nicht, welche Tiere das fressen.“

Es waren Wildschweine. Und es werden immer mehr. Das bestätigt auch Elmar Kilz, Forstamtleiter Grunewald. „Es gibt mehr als 10000 Schwarzkittel im Einzugsbereich der Stadt. Sie vermehren sich stark, weil viele Berliner die Tiere anfüttern.“ Michael Gehricke versteht das, hört dennoch nicht auf. „Ich kann nicht anders. Es ist mein Hobby“.

Mit dem Herrn Gehricke würde ich gern einmal sprechen! Ich versuche ihn erst einmal zu verstehen. Er hat sich über die Jahre hinweg etwas aufgebaut, was ihm vielleicht sonst niemand bieten kann: eine verlässliche Beziehung zu lebenden Wesen, in der man sich gegenseitig kennt, respektiert und wertschätzt. Er hat bei den Wildschweinen das gefunden, was wir doch alle wollen! Nichts ist so stark in uns wie dieser Wunsch nach beständigen, von Zuneigung und Verlässlichkeit geprägten Verbindungen. Eine gute Beziehung, in der man sich aber Freiraum lässt. Denn Herr Gehricke wird die Wildschweine nie zwingen, ihm in die Wohnung zu folgen. Er wird sie nie einsperren. Sie werden ihn nie angreifen. Die Wildschweine vertrauen Herrn Gehricke – Herr Gehricke vertraut den Wildschweinen. Schön!

Aber: Er tut etwas Verbotenes, etwas, womit er weder den Wildschweinen noch der Stadt einen Dienst erweist. Und genau hier liegt das Problem. Wer geht noch einmal auf den Herrn Gehricke zu, wer spricht mit ihn? Wird die angekündigte Strafanzeige weiterhelfen? Oder kommt es auf einen intensiven Dialog an – bei dem natürlich eine Partei kaum mit Worten, sondern nur mit Grunzen wird reagieren können?

Ich meine: Die Wildschweine müssen auf den Weg der Freiheit zurückgebracht werden. Sie müssen lernen, dass sie vom Menschen keine dauerhafte Hege und Pflege erwarten können. Sie müssen wie ein junger Mensch in der Pubertät lernen, wieder ihre eigenen Wege zu gehen. Die Versorgungsmentalität hilft niemandem weiter: „Unser Papa Wildschwein kommt, er wird uns schon weiterhelfen. Wir brauchen nicht mehr selbst nach Futter zu suchen.“

Nein, Wildschweine: Wo ist euer Stolz? Wollt ihr euch in immerwährende Abhängigkeit vom Menschen begeben? Vom Menschen, der euch so oft verletzt und getötet hat? Wollt ihr das wirklich?

Ich meine: Es wäre die Pflicht des Herrn Gehricke, seinen wesentlichen Beitrag zu diesem Lernvorgang zu leisten. Wir Bürger müssen anerkennen, dass dieser unvermeidliche Trennungsvorgang für Herrn Gehricke mit Schmerzen verbunden sein wird.

 

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Nov. 042008
 

Einen anschaulichen Grundkurs in Kommunalpolitik gönnte ich mir heute abend: Öffentliche Sitzung des BVV-Ausschusses für Umwelt, Verkehr und Wohnen. Angesagt war zwar auch das Thema „Shared Space“, aber es wurde wegen der am nächsten Freitag stattfindenden Tagung der Böll-Stiftung verschoben. Um so mehr war ich auf die anderen Themen gespannt! Und siehe da: Bei der Besprechung von Umgestaltungsplänen für die Marchlewskistraße, die Wrangelstraße und bei der Erörterung des Bürgerinnenhaushalts kamen geradezu klassische Zielkonflikte der Kommunalpolitik zur Sprache: Soll man 12 Bäume in der Marchlewskistraße opfern, damit die Autos schön ordentlich in gleicher Ordnung parken können? Der Ausschuss votierte für die „Bestandsbäume“ – gegen eine Ausweitung der Stellflächen. Da war ich erleichtert! Denn Neupflanzungen können den Verlust eines stattlichen erwachsenen Baumes vorerst nicht wettmachen.

Alle Mitglieder arbeiteten in sachlicher Atmosphäre zusammen – ich ertappte mich dabei, bei den mir unbekannten Mitgliedern erraten zu wollen, welcher Partei sie angehörten. Die beiden jungen engagierten Damen – die gehörten sicherlich nicht der FDP an, dachte ich mir. (Was auch stimmte). Anhand der Kleidung, der Sprechweise, des Ost- oder Westberliner Akzents  meinte ich meist die Parteizugehörigkeit erkennen zu können. Werde das morgen mal im Internet nachprüfen.

Wenn meine Vermutungen zutreffen, würde das meine Behauptung stützen, dass die Berliner Parteien ihre Mitglieder fast ausschließlich über Gruppenzugehörigkeit werben. Politische Inhalte scheinen eine geringe Rolle zu spielen – in gewissen Kreisen würde man nie zur CDU gehen – und umgekehrt. Nie zur Linken – das schickt sich nicht! Das Schickliche tritt an die Stelle des Politischen.

Eine schlechte Überlebenschance hat die Pappel am Böcklerpark, die morgen gefällt wird. Wir haben zu viele Pappeln. Das sind Problembäume. Beim Bürgerhaus muss morgen diese Pappel gefällt werden wegen fortgeschrittener Holzzerstörung. Andernfalls wäre die Gefahr für die Menschen zu groß.

Überrascht war ich über die riesigen Summen, die für Geländereinigung ausgegeben werden müssen. Pro Woche werden die Flächen grundsätzlich 2 Mal gesäubert. Ein löblicher Verein „Stadt und Hund“ bietet an, Hundekottüten-Spendeautomaten aufzustellen. Gut so! Wir Eltern werden dankbar dafür sein.

Mein Fazit: So funktioniert Kommunalpolitik! In diesem Hin und her, diesem Abwägen widerstreitender Interessen wurde heute abend für mich Politik vom Wurzelgrund der Gemeinschaft her erfahrbar: sachlich abwägend, kundig Auskunft gebend. So klappt es.

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Wildschweine treiben CDU zum Leitbild der Lernenden Volkspartei

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Okt. 262008
 

26102008006.jpg Immer wieder fragen mich politische Weggefährten: „Was meinst du mit dem Begriff Lernende Volkspartei? Gib uns ein Beispiel!“

Ich erwidere: Schaut euch die gegenwärtige Berliner Wildschwein-Diskussion an! Erst tritt ein Problem auf: Wildschweine in der Stadt! Dann kommt ein Schnellschuss: „Mehr abschießen!“ Dann rudert man zurück: „So geht’s nicht!“

Ich sage: Das, Freunde, ist keine Lernende Partei – eine Partei, die ständig im Wochentakt unterschiedliche Botschaften aussendet, ist das Gegenteil einer Lernenden Partei. Es ist eine Lärmende Partei.

Besser ist folgender Ablauf: Ein Problem tritt auf: Wildschweine in der Stadt. Zweiter Schritt muss sein: Die Partei überlegt, berät, hört auf die Bürger, hört auf die Jäger, hört auf die Forstverwaltung. Das Ganze gerne auch öffentlich in Gestalt einer Anhörung. Nachdem alle Seiten angehört sind, erarbeitet die Partei eine Lösung des Problems. Hier also: „Man muss mit den Wildschweinen leben. Notfalls tiefe Zäune einbuddeln. Öffentlichkeitsarbeit tut not.“

Diese gemeinsam erarbeitete, methodisch „erlernte“ Position wird einhellig in die Öffentlichkeit hinein vertreten. Kein Hü und Hott wie sonst so oft. Keine Schnellschüsse auf alles, was vor die Flinte läuft. Klappe zu. Mensch und Wildschwein kommen schiedlich-friedlich miteinander klar. So funktioniert es.

Das nennt der Fachmann einen Lernzyklus. Eine Lernkurve.

Aha! Klingt gut, ist aber oft schwer umzusetzen. Vor allem, wenn es an die dicken Klopper geht, wie etwa Föderalismusreform, nachhaltige Flächennutzungsplanung, Spreeufer, Staatsverschuldung, Finanzkrise. Aber ich meine: Hat man das Ganze einmal anhand eines kleinen lösbaren Problems wie der Berliner Wildschweinplage durchschaut, dann klappt es auch im Großen, bei den dicken Brettern.

Lest den ganzen Artikel:

Wildtiere – CDU gegen Jagd auf Wildschweine – Berlin – Berliner Morgenpost
Doch von der Position rücken CDU-Mitglieder nun ab. „Wir haben gelernt, dass wir mit den Tieren leben müssen, auch wenn mir persönlich – immer noch – weniger Wildschweine im Stadtgebiet lieber wären“, sagte der Bezirksverordnete Frank Mückisch, einer der drei Gastgeber der Informationsrunde.

Unser Bild zeigt eine Ansicht vom Bundestag auf das Bundeskanzlerinamt, aufgenommen heute.

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Unsere Erde – atemberaubend

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Feb. 242008
 

Gestern sahen wir den Film „Unsere Erde“- eine atemberaubende Dokumentation, eine wunderbare Verschlingung mächtiger Erzählströme in einem einzigen 90-minütigen Film, gewaltig rauschend wie der Ozean. Allerdings erschien mir die Aufforderung, etwas gegen den Klimawandel zu tun, wie künstlich aufgesetzt. Der überwältigende Eindruck war ganz im Gegenteil der, dass die Natur und die Tiere mit allen Schwierigkeiten fertig werden, Gefahr und Not immer wieder meistern. Der auf den schmelzenden Eisschollen jammervoll einbrechende Eisbär war zwar kein majestätischer Anblick. Als Mahnung gegen den Klimawandel taugte er jedoch nur bedingt. Vielmehr erschien die Natur in ihren tausend zauberhaften Formen als etwas ganz und gar vom Menschen Unbeeinflusstes, zumal die Filmemacher jede Spur menschlicher Einwirkung aus ihrem Material verbannt haben. „Man fühlt die Botschaft, und man ist verstimmt.“

Bestens geeignet für den Besuch mit Kindern.

Natürlich werden wir fleißig trotzdem Fahrrad statt Auto fahren. Aber eben nicht wegen dieses Films.

 Posted by at 23:39
Feb. 032008
 

Unser Haushalt wird um 6 neue Lebewesen reicher. Sechs bunte Fische tummeln sich seit gestern in unserem neuen Aquarium. Was sage ich – sechs? „Sie halten vor allem Bakterien“, belehrte uns der kundige Verkäufer in der Zoohandlung. Jetzt weiß ich es: Ein solches 60-Liter-Aquarium stellt einen gehegten Lebensraum für Millionen und Abermillionen von Kleinstlebewesen dar: und darin die flinken lustigen Zierfische: Drei Guppies, zwei Schwertträger, ein Grundbarsch. Drei kleine Schnecken vervollständigen den Zoo. Den männlichen Guppy, den „Bock“, nennen wir „Orange“, weil er sich so stolz und prachtvoll präsentiert. Den einen Schwertträger nennen wir „Künstler“, da er sich zunächst mehrere Stunden im Abseits hielt und erst seit heute seine unermüdlichen Erkundungsfahrten unternimmt. Er scheint sich für etwas Besonderes zu halten. Der Grundbarsch heißt nur noch „Staubsauger“, da er eifrig an Wänden und Pflanzen nach Nahrung sucht, die er dann mit seinem wulstartig ausgestülpten Mund aufliest. Die angstvolle Erfahrung des Umgesetztwerdens haben alle sechs Fische wunderbar verkraftet, sie schweifen ohne Unterlass im Becken umher, tauchen abwärts und aufwärts, hin und her, vereinen sich zu einem Schwarm, teilen sich dann wieder. Wir sind begeistert und bestaunen das neue Leben mit allerlei Entzückensrufen. Schon in der Vorphase – also beim Einrichten das Aquariums – bemerkte ich, wie entspannend das Blicken in so ein klares Unterwasserparadies sein kann. Ein echtes Labsal.

Ira bringt aus ihrer sowjetischen Kindheit umfangreiches Wissen über Aquarien mit, so dass wir wohl keine Anfängerfehler machen werden. Neu ist für sie die Vielfalt an Arten, in der Sowjetunion gab es viel weniger davon. Doch die Grundsätze der erfolgreichen Zucht scheinen gleichgeblieben zu sein: Sorgfältige Einrichtung des Aquariums mit sterilem Grund, einwandfreie hygienische Verhältnisse, keine Überfütterung, kein Sonnenlicht, geeignete Auswahl der Pflanzen und Fische, Pflege und Erhaltung einer geeigneten mikrobiotischen Umwelt.

Auf dem Bild könnt ihr Künstler (natürlich in der Mitte!) und Orange entdecken – schaut nur genau hin. Ich werde euch über alle wesentlichen Ereignisse auf dem Laufenden halten!

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Im Luch

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Nov. 022007
 

luch_7.jpgVom Wildwasser geht es am Sonntag direkt ins Havelländische Luch. Bei Barnewitz steigen wir aus. Weit, unermesslich dehnt sich sumpfiges Gelände. In der Ferne kreisen Raben. Die erhofften Trappen, eine geschützte Großvogelart, die hier gerne brütet, bekommen wir nicht zu Gesicht. Ein kläffender Jagdhund hält unsere Aufmerksamkeit gefangen. Er jagt über Stoppelfelder, sein Herrchen befährt mit einem Pickup die Wiesen, lädt hier und da einen Vogel-Beobachtungsturm auf. Blechern klappern die Metallstangen auf der Ladefläche. Kläglich pfeift das Herrchen auf seiner Hundepfeife. Der Hund, ein reinrassiger Jagdhund, schert sich nicht im mindesten darum und hetzt ein plötzlich auftauchendes Reh durch das Vogelschutzgebiet. Das Reh entkommt in panischen Zickzacksprüngen. Gerne hätte ich mehr von dieser Jagd gesehen! Eine Spur Blutrünstigkeit schlummert in mir. Da ertönt die Hupe des Geländewagens, wieder vergeblich. Der Hund macht, was er will. Wir ziehen an einer Viehherde vorbei. Färsen nicken uns zu. Einjährige tollen über das feuchte Gras. Zwei Sekunden lang rauscht ein ICE durch eine Sichtöffnung im Lärmschutzwall. Es war hier, dass die Bahn damals, beim Bau der neuen Magistrale nach Hannover, ihre teuren Ausgleichsmaßnahmen schaffen musste, um das Nistgebiet der Trappen zu erhalten. Eine korkenzieherartige gewundene Weide, vielhundertjährig, findet unsere Bewunderung. Keinen Menschen begegnen wir. Zugvögel scharen sich, am Abendhimmel blüht die Sonne auf. Kinder spielen im Darf Barnewitz, das ansonsten wie ausgestorben daliegt.

 Posted by at 00:13