Feb. 222011
 

„Jahrzehntelange Staatsverwöhnung hat zu der berlintypischen, unvergleichlichen Mischung aus Anspruchshaltung, Besserwisserei, Welterlösungsglauben, Klientelismus und Verteilungspolitik geführt!“ Ich schrieb dies gestern. Ich steh dazu.

So also! Anspruchshaltung, Besserwisserei, Klientelismus, Verteilungspolitik, Welterlösungsglauben. Das sind die fünf Laster. Wir haben fünf Parteien im Abgeordnetenhaus. Kann man also jeder Partei eines der fünf Hauptlaster zuordnen? Nein! Warum? Alle sind sie betroffen, alle bedienen sich mehr oder minder aus dem Erfahrungsschatz dieser Laster. Keine Partei ist immun gegen diese Laster. Alle Parteien sind jahrzehntelang mehr oder minder damit durchgekommen, denn wir haben in Berlin keine anderen Parteien. Das Berliner System – eine innige Verquickung aus Förderkulissen und Milieuschutzklauseln – pflanzt sich fort.

Schlimmer noch: Die 5 Berliner Parteien haben sich ihre jeweilige  Berliner Wählerklientel herangezogen. Sie haben das Wahlvolk verwöhnt und werden es weiter verwöhnen. Eine Art Dauer-Infantilisierung des Berliner Wahlvolkes ist zu diagnostizieren. Not täte eine Entwöhnung des Berliner Wahlvolkes. Wer bringt den Mut dazu auf?

Ab und zu ein Skandal, ab und zu ein Skandälchen – dann wird ein Sündenbock gesucht und in die Wüste geschickt, ob er nun Landowsky oder Sarrazin heißt, und die Karawane zieht weiter zu üppigem Äsen auf grüner Au.

Beliebiges Beispiel – diesmal trifft es die Grünen. Sorry, Mädels!

Der Kampf um die „Klimahauptstadt Berlin“. „Ich will, dass Berlin Klimahauptstadt wird.“ Grünes Wahlprogramm! Ein typischer Fall von Welterlösungsglauben. Siehe das Plakat oben! „Der letzte macht das Licht aus.“ Hier wird mit Angst gespielt. Denn niemand kann wollen, dass der Fernsehturm demnächst brusthoch im Wasser steht. Die Weltrettung muss folglich oberstes Ziel der Berliner Landespolitik werden. Diesem Ziel sind die anderen Ziele unterzuordnen.

Energetische Gebäudesanierung ist ein wichtiger Bestandteil der Weltrettung. Denn etwa 35-40% der klimabeeinflussenden Gase entstehen durch Gebäudeheizung. Die energetische Gebäudesanierung ist teuer, lässt sich aber mietsteigernd zu Lasten der Mieter umlegen – im Gegensatz zur normalen Instandhaltung. Ein Trick, den auch unser Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) schon längst erkannt hat.

So berichtet mir eine Mieterin aus der Nebenstraße: „Bei uns wurde die energetische Gebäudesanierung durchgeführt – die Miete ist sprunghaft gestiegen! Ansonsten macht der Vermieter nichts, aber hier hat er zugeschlagen. Ich überlege mir wegzuziehen.“

Eine deutlich verschärfte Klimapolitik ohne Augenmaß, wie sie die Berliner Grünen fordern, wird also entweder zu deutlichen Mietsteigerungen samt Verdrängungseffekt oder zu deutlich höherer Staatsverschuldung führen. Mindestens einer dieser Effekte wird notwendigerweise eintreten – und die Welt wird dadurch nicht gerettet werden.

Gentrifizierung und höhere Staatsverschuldung durch rabiaten Klimaschutz!

(Serie wird fortgeführt).

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Feb. 202011
 

20022011365.jpg Heute staunte ich mehrfach in Waldsieversdorf! Dieses 1000-Seelen-Dorf kann viele berühmte Söhne sein eigen nennen: John Heartfield, dieser unerschrockene Vorkämpfer gegen den Faschismus, der vieles von dem kommenden Grauen vorausahnte, der die Collage als erster in die politische Plakatkunst einführte – er stammt aus diesem Flecken in der Märkischen Schweiz! Heute wandelten wir auf seinen Pfaden – auf dem John-Heartfield-Weg am Ufer des zugefrorenen großen Däbersees.

Der Wirt unseres Quartiers legte aber noch nach: „Aus unserem Dorf stammt auch der Mann mit dem schwarzen Koffer, den wir im Osten alle kannten.“ „Alexander Schalck-Golodkowski – stammt wirklich aus dieser Idylle?“, frug ich zurück. Ich war bass erstaunt. „Sie sind offenbar ein Ostdeutscher, aber wenn Westdeutsche kommen, sagt ihnen der Spitzname nichts“, klärte mich der Wirt auf. „Ja ja, der Schalck-Golodkowski …“ sinnierte ich.

„Und auch Lord Dahrendorf stammt aus unserem Dorf … er ging hier zur Schule“, legte der Wirt noch einmal nach. Potz! Der liberale Vordenker, Soziologe in London, hochverdientes  Mitglied der FDP… Ich jubelte fast in Freude über diesen Ort. Dann besann mich auf einen Gegenzug: „Ich stamme aus der Vaterstadt des Dichters, der oft schützend seine Hand über Heartfield hielt und ihn vor dem kleingeistigen Kritteln der SED in Schutz nahm!“ Und dieser Dichter hatte sein Domizil im nahegelegenen Buckow.

20022011372.jpg

Staunen erregten in mir auch die umfassenden Deichbau-Vorbereitungsarbeiten der Biber. Allerdings empfinden die Menschen die Tatkraft der Biber schon als fast überhandnehmend. Hier werden ganze See-Arme abgezweigt, geflutet, Biber-Neubaugebiete werden durch die Biber ohne Rücksprache mit der Behörde ausgewiesen, Bäume werden ohne Genehmigung zum Umfallen vorbereitet. Große Kunst – aber alles ohne Genehmigung! Undeutsch.

Toller, klirrend kalter  Tag in dem Dorf. Die Menschen begegneten uns sehr offen, erzählten gern und freigebig von ihrer Heimat.

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Feb. 142011
 

Kleiner Nachtrag: Der Stimmzettel des gestrigen Volksentscheides enthielt tatsächlich 2 offenkundige Rechtschreibfehler.  Allerdings wäre die Schreibung „offen legen“ von 1991-2006 möglich gewesen. Lächerlich, dass man sich noch in der Wahlkabine Gedanken über die deutsche Rechtschreib-Reformunfähigkeit machen musste! Wie viele der Nein-Stimmen sind wohl durch die Rechtschreibfehler verursacht worden, etwa im Sinne: „Die können ja nicht mal richtig Deutsch schreiben!“? Ich glaube: keine. Denn mittlerweile kennt sich niemand mehr so recht mit der deutschen Rechtschreibung aus.

Was tut’s. Der Volksentscheid ist ein Erfolg. Darin drückt sich vor allem ein gewaltiges Misstrauen des Volkes gegenüber den Berliner Landesregierungen, einschließlich des amtierenden rot-roten Senats aus. Für ihn, aber nicht nur für ihn, ist es eine Klatsche. Ich werte es als eine Klatsche für die Berliner Landesregierungen der vergangenen Jahrzehnte.

Mal sehen, was jetzt alles zutage kommt! Der Blogger ist gespannt. Die taz hat schon mal mitten in der Nacht vorgelegt, als sie enthüllte, dass der Senator Harald Wolf sich für weit höhere Wasserpreise ausgesprochen hatte. Sebastian Heiser berichtete nämlich in der Online-Ausgabe der tageszeitung, der Linken-Politiker habe weit höhere Wasserpreise durchsetzen wollen als schließlich vereinbart worden seien.

Na, wenn die Grünen einen hohen Benzinpreis wollen, dann dürfen die Linken aber auch einen hohen Wasserpreis fordern. Nur sagen sollte man es.

Aus ökologischer Sicht ist Wasser immer noch wahnsinnig billig. 1000 Liter allerbestes Trinkwasser für unter 20 Euro! Davon können die Araber und Sudanesen nur träumen!

Mir fällt dazu einer meiner Lieblingsreporter ein, nämlich Herodot. Er schrieb: „Was ihnen zu tun verboten ist, dürfen sie auch nicht aussprechen. Das Entehrendste ist bei ihnen das Lügen. An zweiter Stelle steht das Schuldenmachen, dies aus vielen Gründen, namentlich aber, weil ihrer Meinung nach ein Schuldner notwendig in die Lage kommt zu lügen.“ Historien I, 138.

korrekturen.de | Wortliste: offenlegen / offen legen

Herodot: Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Alfred Kröner Verlag, 4. Auflage, Stuttgart 1971, S. 69

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„Das Eismeer der Stille“

 Freude, Kinder, Natur  Kommentare deaktiviert für „Das Eismeer der Stille“
Dez. 202010
 

Stifters Bergkristall erinnert mich an das eine oder andere Bild von Caspar David Friedrich, so etwa „Das Eismeer“ oder „Winterlandschaft mit Kirche“. Gibt es unter uns Deutschen noch Menschen, die Stifters durch und durch bildnerische Prosa mit den Ohren lesen können? Gibt es noch Menschen, die die Schönheit der deutschen Sprache mit allen Sinnen aufsaugen?  Gibt es noch Lehrer, die es wagen, ihre Schüler mit dem Erlebnis der Stille zu beeindrucken?

Ja. Ich weiß es. Zu den besten Erlebnissen unserer Elternkarriere an einer Kreuzberger Grundschule zähle ich es, als die Schulleiterin bei einem unserer Konzerte die Kinder aufforderte, einen Augenblick innezuhalten und die Stille zu hören – und … es gelang!

Hört hier einen solchen Augenblick bei Adalbert Stifter:

Aber es war rings um sie nichts als das blendende Weiß, überall das Weiß, das aber selber nur einen immer kleineren Kreis um sie zog und dann in einen lichten, streifenweise niederfallenden Nebel überging, der jedes Weitere verzehrte und verhüllte Und zuletzt nichts anderes war als der unersättlich niederfallende Schnee.

„Warte, Sanna“, sagte der Knabe, „wir wollen ein wenig stehen bleiben und horchen, ob wir nicht etwas hören können, was sich im Tale meldet, sei es nun ein Hund oder eine Glocke oder die Mühle, oder sei es ein Ruf, der sich hören läßt, hören müssen wir etwas, und dann werden wir wissen, wohin wir zu gehen haben.“

Sie blieben nun stehen, aber sie hörten nichts. Sie blieben noch ein wenig länger stehen, aber es meldete sich nichts, es war nicht ein einziger Laut, auch nicht der leiseste außer ihrem Atem zu vernehmen, ja in der Stille, die herrschte, war es, als sollten sie den Schnee hören, der auf ihre Wimpern fiel. Die Voraussage der Großmutter hatte sich noch immer nicht erfüllt, der Wind war nicht gekommen, ja was in diesen Gegenden selten ist, nicht das leiseste Lüftchen rührte sich an dem ganzen Himmel.

Es genügt, sich einige weitere dieser Gemälde vor Augen zu führen, und man wird die kantige, die grobkörnige Sprachmusik Adalbert Stifters buchstäblich vor den Augen emporwachsen sehen. Hört etwa folgende Stelle:

Projekt Gutenberg-DE
So weit die Augen der Kinder reichen konnten, war lauter Eis. Es standen Spitzen und Unebenheiten und Schollen empor wie lauter furchtbares, überschneites Eis. Statt ein Wall zu sein, über den man hinübergehen könnte und der dann wieder von Schnee abgelöst wurde, wie sie sich unten dachten, stiegen aus der Wölbung neue Wände von Eis empor, geborsten und geklüftet, mit unzähligen blauen geschlängelten Linien versehen, und hinter ihnen waren wieder solche Wände, und hinter diesen wieder solche, bis der Schneefall das Weitere mit seinem Grau verdeckte. „Sanna, da können wir nicht gehen“, sagte der Knabe.

„Nein“, antwortete die Schwester.

„Da werden wir wieder umkehren und anderswo hinabzukommen suchen.“

„Ja, Konrad.“

Die Kinder versuchten nun von dem Eiswalle wieder da hinabzukommen, wo sie hinaufgeklettert waren, aber sie kamen nicht hinab. Es war lauter Eis, als hätten sie die Richtung, in der sie gekommen waren, verfehlt.

Wer so etwas miterlebt hat, der wird den Glauben an unsere Kinder immer wieder finden.

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Dez. 152010
 

21082010016.jpg Beim fröhlichen Heimradeln von der ADFC-Stadtteilgruppensitzung ziehe ich – hoch auf der Oberbaumbrücke umherschauend – noch einmal Bilanz meiner gestrigen Recherche zum Thema BBI, Flugrouten, Klimapolitik, Umweltpolitik, E-Mobilität. Hier ein paar Befunde:

1) Klimapolitisch am günstigsten ist derzeit auf der Langstrecke der Verkehr mit modernen, gut ausgelasteten Reisebussen. Danach kommt das Fahren mit der Eisenbahn. Dann der PKW. Am schlechtesten ist die Klimabilanz beim Fliegen.

2) Auf der Kurzstrecke ist das Zu-Fuß-Gehen klimapolitisch am günstigsten, unmittelbar gefolgt vom Fahrrad. Danach kommen Busse und Bahnen. Weit danach kommen die PKW.

3) Die heute üblichen Dieselautos haben eine bessere CO2-Bilanz als die heute üblichen Elektro-Autos und als die heute üblichen Hybrid-Fahrzeuge. Dies wird auch auf einige Jahre so bleiben.

4) Der jetzige Erzeugungsmix bei Strom (Kohle, Gas, AKW, erneuerbare)  setzt umweltpolitisch den Diesel-PKW gegenüber dem Elektro-Auto in den Vorteil. Würde man die AKWs sofort abschalten, fiele die Klimabilanz des Diesel-PKWs gegenüber dem Elektro-Auto noch eindeutiger zugunsten des Verbrenner-Autos aus.

5) Klimapolitisch am vorteilhaftesten wird Strom derzeit erzeugt durch alte, abgeschriebene AKWs, die zudem bei den Gestehungskosten buchhalterisch mit großen Abstand die Nase vorn haben. Klimapolitisch sinnvoll ist die längstmögliche Ausnutzung von Restlaufzeiten der AKWs, soweit die Sicherheit der Anlagen nach menschlichem Ermessen zu verantworten ist. Die Endlagerungsfrage bleibt ungelöst, deshalb wird die Atomkraft mutmaßlich nach und nach auslaufen.

6) Klimapolitisch sinnvoll ist eine möglichst reibungslose Entsorgung und Zwischenlagerung verbrauchter Brennelemente.

7)  Klimapolitisch sinnvoll ist der möglichst direkte Anflug auf BBI auf zwei Routen, wobei das Abknicken der beiden Routen wegen der Sicherheitsanforderungen unumgänglich ist.

8) BBI muss unbedingt im geplanten Umfang gebaut werden. Flugroutendebatte hat nichts mit dem eigentlichen Bau zu tun. Riesenfehler von Künast ist es, die beiden Dinge zu vermengen.

9) Die Flugroutendebatte muss als Zielkonflikt zwischen den widerstrebenden Interessen der lokalen Anwohner, des Umweltschutzes, der Wirtschaftlichkeit, des Klimaschutzes, der Wirtschaftsregion Berlin-Brandenburg insgesamt gesehen werden. Politische Kunst wäre es gewesen, dies von Anfang an offen zu benennen und zu „moderieren“. Nur: Gemacht hat es keiner.

10) Falsch ist es, wenn Politikerinnen wie etwa Künast und viele andere Spitzengrüne einfach „aufspringen“ und auf der Woge des Protests „surfen“. Nicht „surfen„, nicht aussitzen, sondern hin- und herjoggen zwischen vermeintlich unvereinbaren Endpunkten lautet das Gebot der Stunde! Das macht Wowereit immerhin schon etwas besser – er knickt nicht gleich ein bei wichtigen Themen der Stadtentwicklung wie Stadtring oder BBI, sondern „sitzt zunächst einmal alles aus“.

11) Wie im Großen – so auch im Kleinen.  Umbau von Straßen (Kastanienallee, Warschauer Straße usw.) ist im Grunde auch nichts anderes als das Austarieren unterschiedlicher, zunächst einmal berechtigter Interessen. Hier kommt es auf politische Klugheit, Einsicht und Führung an.

Bild: Klimapolitisch astreine Aktivitäten: die Startbahn des BBI.  Aufgenommen durch den locker mitjoggenden Blogger  am 21.08.2010

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Dez. 142010
 

Der Tagesspiegel berichtet soeben:

Auch beim neuen Hauptstadtflughafen „Berlin-Brandenburg International“ (BBI) regt sich nun massiver Widerstand. Davon wollen die Hauptstadt-Grünen, die mit Renate Künast bei den Berlin-Wahlen 2011 die Chance sehen, erstmals eine Regierende Bürgermeisterin zu stellen, profitieren.“Lärmschutz geht vor Wirtschaftlichkeit“, sagte die grüne Spitzenkandidatin gestern dem Handelsblatt.

„Lärmschutz geht vor Wirtschaftlichkeit!“ Unter diesem Motto kämpft Renate Künast nunmehr für die Umwidmung des neuen Berliner Flughafens BBI in einen Regional- und Europa-Flughafen. Ja, schlaft gut, Bürger.

Bei gleichbleibenden Mobilitätsbedürfnissen würde dies bedeuten, dass mehr Kilometer auf der Straße und der Schiene, weniger in der Luft zurückgelegt werden. Denn wenn man von Berlin aus nur in die nahegelegenen europäischen Städte gelangt, muss man eben für die Fernflüge mit Bahn oder Elektro-Auto nach Frankfurt oder München reisen. Und wie fährt der ICE und das E-Auto (im Gegensatz zu Flugzeugen)? Mit Strom! Und woher kommt der Strom? Zu 23% aus Atomkraft! Die Grundlast wird sogar zu einem viel höheren Anteil aus Atomstrom gedeckt. Mehr ICE-Verkehr oder E-Mobilität bedeutet also kurzfristig (bis 2016) in jedem Fall mehr Atomstrom. Also fördert Renate Künast in ihrem laufenden Wahlkampf die Abhängigkeit vom Atomstrom.

„5000 Euro Staatsknete für jedes Elektroauto!„, fordert Renate Künast im Interview mit der BZ (Jahr: 2010). Ist also die E-Mobilität die Lösung für Berlins Verkehrsprobleme? Ich würde sagen: Wenn es wenigstens  E-Fahrräder wären! Leiser sind die Motoren der E-Autos in jedem Fall als die Explosionsmotoren der PKW. Lärmschutz geht vor Wirtschaftlichkeit! Schlaft ruhig, Bürger!

Dennoch sind E-Autos in höchstem Maße umweltbelastend. Nicht nur bei uns, sondern mehr noch in Süd-Amerika, wo unter unzumutbaren sozialen Bedingungen mehr als die Hälfte des teuren Lithiums abgebaut wird, das für die Batterien gebraucht wird.

Nachdem dieses Blog auf diese Zusammenhänge wiederholt hingewiesen hatte, etwa am 20.04.2010, tut dies nunmehr auch der BUND. Er weist klar nach, dass Elektromobilität als solche nur unter eng umschriebenen Bedingungen eine bessere Umweltbilanz aufweist als Erdöl-Mobilität. Diese Bedingungen sind in Deutschland einfach nicht gegeben!

Elektromobilität – BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland

Ich bleibe dabei:  Mindestens bis zum Jahr 2016 bedeutet die von Renate Künast geforderte Verlagerung der Verkehre von der Luft auf den Boden, die geforderte Verlagerung hin zu zu mehr Verkehr am Boden, zu mehr E-Mobilität eine erhöhte Umweltbelastung durch Atomkraft.

Man kann also mit Fug und Recht sagen: Renate Künast fördert die Atomkraft.

Grüne im Lande! UmweltschützerInnen und Ökofuzzis! Wohin fliegt Renate Künast?  Holt sie zurück! Ihr dürft sie nicht so alleine fliegen lassen!

Grüne, bitte umsteuern! Wart ihr nicht eine Umweltpartei?

Bildnachweis: Eigenkraftfahrzeug des Bloggers, aufgenommen heute. Copyright: Johannes Hampels Blog

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„Kirche der Angst“

 Angst, Grünes Gedankengut, Leviathan, Natur  Kommentare deaktiviert für „Kirche der Angst“
Nov. 072010
 

Christoph Schlingensief, mit dem ich noch kurz vor seinem Tod ein letztes Mal zusammentraf,  prägte den genialen Ausdruck „Kirche der Angst“. In der Tat, wenn eine Gemeinde nichts Positives vorzuweisen hat, wenn sie nicht weiß, wofür sie arbeiten und wirken soll, dann wählt sie sich ein Gegenüber, das dann mit allen Kräften verteufelt wird.

Das verteufelte Gegenüber kann eine Menschengruppe sein, eine Religion, eine Technik. Das Angstmachende kann aber auch die befürchtete Verschmutzung und Verletzung der Natur sein.

So erschlugen die Germanen die fremdländischen Missionare, die Hand an die Reinheit der Bäume legten.

Man kann dann, geeint durch die Angst vor einem schier übermächtigen Gegner, für die „Reinheit des Volkes“, die „Reinheit der Natur“, die „Reinheit der Kultur“ kämpfen.

Man kämpft im Namen der Millionen Jahre, zu deren Hüter man sich berufen fühlt. Man greift auf das Schicksal vor: „Was wäre, wenn …“ Man spielt selbst Schicksal! Da man Sachwalter des Schicksals ist, braucht man keinerlei Rücksichten auf die staatliche Ordnung zu nehmen.

Was diese Gemeinden zusammenbindet, ist die Selbstermächtigung: „Was Reinheit und Sicherheit ist, das bestimmen wir! Wir brauchen uns an kein Recht und kein Gesetz zu halten.“

Die Berufung auf eine beschworene Natur, auf eine vor- und überstaatliche Gemeinschaft, verleiht Riesenkräfte. Man fordert den Leviathan heraus.


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Sep. 272010
 

Der Deutsche (inklusive des hier schreibenden Bloggers) liebt alte Bäume. Siehe die Verehrung für Wotans-Eichen in Niedersachsen, Tassilo-Linden in Wessobrunn, 150 uralte Bäume in Stuttgart und 30 uralte Bäume am Landwehrkanal in Kreuzberg.

Junge Kinder liebt der Deutsche schon weniger, siehe die ständigen Klagen wegen Kinder-„Lärms“ vor den deutschen Amtsgerichten.

So gibt es viele Baumschutziniativen, aber merkwürdigerweise keine Initiativen, die mehr Kinder in der Stadt und auf dem Land sehen wollen.

Und es gibt fast keine Klagen vor Amtsgerichten gegen alte Bäume und deren mitunter unerträglichen Schattenwurf und Pollenauswurf, gegen deren Brausen und Wehen, deren Ästeklappern und Laubrascheln.

Marsbewohner würden nach kurzem Aufenthalt auf der Erde denken:

Der Baum, also die Natur steht im Mittelpunkt der Politik.

Ohne die Verehrung für Schönheit und Reinheit der Natur ist weder der altgermanische Baumkult, weder die deutsche Jugendbewegung, weder der Wandervogel, die bündische Jugend noch all das sonstige Jungvolk des 20. Jahrhunderts erklärbar – bis hin zu den heutigen konfessionellen Atomkraftgegnern, denen die Reinheit und Unversehrtheit der Natur ebenfalls über vieles geht.

„Offenheit und Haltung“ – so der Spruch einer Kandidatin in Wien – die selbstverständlich an einen alten Baum gelehnt abgelichtet wird. Sympathisch, nett, offen, gewinnend.

Wer Bäume liebt, kann kein böser Mensch sein! Auch ich – mag alte Bäume.

Ein alter Baum auf einem Plakat – da lacht das Herz des Deutschen und des Österreichers auch. Und das Herz der Österreicherin auch.

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Juli 192010
 

19072010013.jpg Nach dem Rad-Training für den am Wochenende bevorstehenden Dresden Race Day, das ich heute auf dem Flughafen Tempelhof absolvierte, erfrischte ich mich im benachbarten Columbiabad. Die einseitige Bevorzugung des Prinzenbades muss ich hiermit widerrufen: Das Columbiabad ist noch gefälliger angelegt, insbesondere die Liegewiesen sind dank in den Boden versenkter stationärer Sprinkler durch üppiges, kräftig sprießendes Grün beteppicht. Da können wir Kreuzberg schwerlich mithalten, selbst wenn die mediale Aufmerksamkeit im Augenblick gleichermaßen auf Columbiabad und Prinzenbad niederprasselt.

Ich konnte mich nicht sattsehen an dem Streifzug eines Falken, der nur wenige Meter von mir entfernt aufsetzte, seinen Ruf erschallen ließ und dann mehrfach von Baum zu Baum schweifte. Einmal kamen wir uns auf 3 Meter nahe, blickten einander in die Augen! Was für eine Begegnung! – Das angehängte Video kann nur einen schwachen Eindruck vermitteln.

Ein Neuköllner Bürger sprach mich an, wir unterhielten uns ausführlich über das Bad: Es ist meist eher schwach besucht, nur am Wochenende wird es sehr voll. Die Falken lassen sich immer wieder hier blicken, aber so nahe wie heute hatte der Badegast, ein freundlicher älterer Herr, sie bisher nie zu Gesicht bekommen. Die Falken erleben das Bad wohl als geschützten Ort, in dem häufig Futter ohne räuberisches Beuteverhalten zu ergattern ist.

YouTube – Der Falke.mp4

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Bäume der Nachhaltigkeit pflanzen!

 Einladungen, Fanny Hensel, Gute Grundschulen, Musik, Nahe Räume, Natur  Kommentare deaktiviert für Bäume der Nachhaltigkeit pflanzen!
Juni 242010
 

Wir Deutschen lieben den Wald und die Bäume – mehr als viele andere Völker. Noch der heutige Kult um Naturschutz, Umweltschutz, der rasante Erfolg der grünen Partei, die Idee der Umwelt-Detektive usw. ist kaum vorstellbar ohne die ganze Vorgeschichte von Eichendorff, von Waldesrauschen, Jägerlust und Auenseligkeit.

Ich selbst teile diese ganze romantische Natursehnsucht, die Vorstellung, dass die Natur, die Umwelt etwas Schützenswertes, etwa nahezu Verehrungswürdiges ist. Letztlich freilich soll der Mensch die Natur sich dienstbar machen. Er soll die Natur pflegen und hegen, soll sich ihrer freuen. Aber er soll sie nicht anbeten. Die Vorstellung, dass Nachhaltigkeit eine Beibehaltung des Status quo bedeute, ist irrig. Den starren Status quo gibt es in der Natur nicht.

Es geht darum, sich so achtsam und schonend zur Natur zu verhalten, dass sie auch in 50 oder 100 Jahren den Menschen noch Freude bereiten und ihnen als Lebensgrundlage dienen kann.

Unser Bild zeigt einen vor einem Jahr gepflanzten Baum in der Fanny-Hensel-Grundschule, der den „Umwelt-Detektiven“ gewidmet ist.

Der Sommer ist endlich da! Um dies zu feiern, laden wir die Fanny-Hensel-Grundschule zu einem Konzert ein. Lieder von Robert Schumann stehen im Mittelpunkt. Der Eintritt ist frei.

Wann? Am Mittwoch, dem 30.06.2010, um 10.00 Uhr vormittags

Wo? In der St.-Lukas-Kirche, Bernburger Straße 3-5, 10963 Berlin-Kreuzberg

Wer singt und spielt?
Irina Potapenko, Sängerin
Mark Lewin, Ivan Hampel, Johannes Hampel, Geige
Lala Isakowa, Klavier

Lest doch die nachfolgenden deutschen Naturgedichte – sie werden im Konzert am kommenden Mittwoch erschallen und erklingen!

Joseph von Eichendorff: Mondnacht

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

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 Posted by at 14:30
Mai 242010
 

… also am Flughafen Tempelhof, drehten wir wieder gemeinsam mit Hunderten anderen unsere Runden. Dieses Wiesenmeer ist ein großartiges Geschenk für uns alle! Wachsen lassen, Feldlerchen wiederkommen und brüten lassen, – diese Weite und Ungegliedertheit des Tempelhof-Geländes gleicht einen der wenigen Nachteile Berlins aus – nämlich das Fehlen eines echten Meeresstrandes. Tempelhof ist wie das Meer! (Dasselbe behaupten auch die Böhmen über ihre Heimat: Böhmen habe den einzigen Nachteil, nicht am Meer zu liegen …)

Neben poetischen Eingebungen galt es heute erneut, die Fitness für das Radrennen am Sonntag zu verbessern. Platzrunden, Gymnastik, isometrische Übungen, Späße und Plaudereien waren unser heutiges Rezept. Es gelang! Die Feldlerche, die uns von oben zusah, weiß es.

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„Teiche auf den Tauwind harren …“

 Natur  Kommentare deaktiviert für „Teiche auf den Tauwind harren …“
März 202010
 

So dichtete einst Stefan George.

Am zweiten wärmeren Vorfrühlingstag vertiefe ich mich in die herrlichen Meditationen eines Giles Foden über Schnee, Eis, Kälte, fließendes Wasser! Im unberechenbaren Wirbel des Schneesturmes erblickt der Erzähler einen Hinweis auf die unabdingbare Irrsal und Wirrsal des Menschseins. Großartig, was der Meteorologe über die Anstrengungen berichtet, das Unberechenbare – das Wetter – zu berechnen, das Unbeherrschbare auszunutzen! Wir zitieren:

From within as well as without, disorder is always waiting to pounce. Failure is always at the ready. All it takes is a little push at the brick of one’s self-possession and the whole enterprise is threatened. Sometimes memory is the only thing left holding the individual together: the crypt that is also the keystone.

Wie zur Beruhigung warf ich heute einen Blick auf den Scharmützelsee in Bad Saarow. Er ist immer noch großflächig gefroren. Merkwürdiges Bild der Erstarrung angesichts des verhalten anrollenden Frühlings!

Quelle: Giles Foden, Turbulence. A Novel of the Atmosphere. faber and faber, London 2009, S. 37

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Fürsorgliche Schildkröten – die Republik der Aufsteiger

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März 162010
 

app_full_proxyphp.jpgEin verblüffendes Schauspiel erlebten wir vorgestern bei unserem Besuch im Berliner Zoologischen Garten (dieses Blog berichtete). Im Aquarium beobachteten wir, wie mehrere Schlangenhalsschildkröten sich um eine sichtlich erschöpfte oder erkrankte Artgenossin kümmerten. Oder zu kümmern schienen? Wir können uns das merkwürdige Verhalten der Wasserbewohnerinnen nur so erklären, dass ein leidendes Mitglied der Gemeinschaft Hilfe zur Selbsthilfe bekam. Dass Schildkröten einander Fürsorge und Aufstiegshilfe gewähren, erstaunte uns bis zum Entzücken.

Die kranke Schildkröte war offenbar nicht imstande, selbständig aufzutauchen. Sie musste durch Streicheln, Locken, Beschwören und Schubsen ermuntert werden, ehe sie dann gewissermanßen erwachte und mit eigenen Kräften emportauchte, um die überlebensnotwendige Luft einzuatmen.

Schaut euch die Szene auf Youtube an, ich habe sie gefilmt. Was sagt wohl der Berliner Zoo dazu? Haben wir mit unseren Deutungen recht?

Was für ein Wunder!

YouTube – Kanal von JohannesHampel

 Posted by at 18:03