Dez. 142010
 

Zu den Psychologen, die mein Denken nachhaltig beeinflusst haben, gehört der aus Berlin stammende Fritz Perls. Ihn beschäftigten bei den Neurosen und den psychischen Störungen weniger die tiefsitzenden, infantilen Reste einer unbewältigten Vergangenheit, wie dies etwa Sigmund Freud tat. Viel stärker richtete er die Aufmerksamkeit auf das, was den Patienten hier und heute gefangen hielt: welche inneren Hemmungen und Bedenken ihn davon abhielten, so zu werden, wie er sein wollte. Perls entdeckte, dass es nicht der Vater, nicht die Mutter oder die Kindheit waren, die seine Patienten gefangen hielten – sondern feste Muster, eingeschliffene Selbstwahrnehmungen und zum Zwang geronnene Gewohnheiten.

Solche festgelegten, immer wiederkehrenden Erlebnismuster nannte er GESTALT.  Therapie besteht darin, diese Gestalten zu erkennen, mit ihnen zu arbeiten und sie schließlich zu überwinden, indem sie durch bewusstes Gegen-Denken, durch bewusstes Gegen-Fühlen und Gegen-Handeln überwunden werden.

So mag ein Hauptschüler einmal gehört haben: „Mit dem Hauptschulabschluss können Sie nichts anfangen!“ Ich hörte erst vor wenigen Monaten im Abgeordnetenhaus einem Berliner  Bildungspolitiker zu, der genau diesen Satz verwendete.

„Damit kannst du nichts anfangen!“ Diese Voraussage des Scheiterns prägt sich als verhindernde Gestalt in die Psyche ein. Nicht die objektive Unmöglichkeit wird dann zur Selbstbehinderung des Hauptschülers führen, sondern die gestalthaft geronnene, von der Umwelt wieder und wieder bekräftigte Versagenserwartung.

Ich protestierte damals – ich protestierte namens der Freiheit gegen diesen Satz „Damit können Sie nichts anfangen.“ Gegen die Misslingensvorhersage, wie sie leider auf viel zu viele unserer jungen Menschen einströmt, setze ich die Gelingenserwartung: „Du hast den Hauptschulabschluss. Schön! Was willst du jetzt? Du willst mehr Erfolg?“

In der Berliner Grundstimmung lautet die Ansage dann meist: „Ich werde durch die Umstände gehindert. Ich habe zu wenig Zeit. Ich habe zu wenig Geld. Ich bin zu alt. Meine Familie lässt es nicht zu.“ Ich habe viele Gespräche mit Menschen geführt, die die Schuld am Scheitern irgendwelchen anderen, irgendwelchen Umständen gaben.

„Ich verlor in der 8. Klasse das Interesse an Chemie, weil ich mit dem Lehrer nicht klarkam.“ Der Lehrer ist schuld. So schreibt es ein Vater in der Informationsbroschüre des Senats zur Schulreform. Wer weiß, wenn es den schlechten Lehrer nicht gegeben hätte, vielleicht wäre aus dem Schüler ein Chemiker geowrden?

Perls hätte hier angesetzt und gesagt: Du interessierst dich für Chemie? Du willst Chemiker werden? Du willst Erfolg? Wie hinderst du dich daran?

Im Laufe der Gespräche und Übungen wäre er darauf gekommen, dass es nicht der andere ist, der einen behindert, sondern die eigene Erwartung des Nicht-Könnens.

Die Erwartung des Scheiterns frisst sich in die Psyche als Bewusstsein der Benachteiligung ein. Die Pläne und Maßnahmen zugunsten der Benachteiligten verstärken diesen Mangel an Selbstvertrauen. Der Mensch gerät in den Strudel aus negativen Zuschreibungen, Übernahme des entmutigenden Selbstbildes, Einschleifen der Scheiternserfahrungen. Das Selbst verkriecht sich, wird mehr und mehr abhängig von den stützenden Maßnahmen. Der Mensch gerät in Abhängigkeit von dieser GESTALT. „Ich kann nichts. Andere müssen für mich sorgen.“

So entsteht Anhängigkeit von der Versorgung durch andere, die schließlich in lähmende Überversorgung kippt.  Überversorgung manifestiert sich bei Individuen etwa als jahre- oder jahrzehntelange Abhängigkeit von Therapien, von Medikamenten. Sie kann in eine Sucht umschlagen.

Bei Familien oder ganzen Klassen manifestiert sich Überversorgung als generationenübergreifende Abhängigkeit von Fürsorge, Familien- oder Sozialhilfe.  Hier wäre nun nichts falscher, als die Fürsorge noch einmal zu verstärken. Ein therapeutischer Schock ist vielmehr dringend gefordert!

So rate ich etwa dazu, jungen Menschen, die sich an Abhängigkeit gewöhnt haben, nach Verlassen der Schule oder Ausbildung keinerlei Hilfen zum Lebensunterhalt zu gewähren. Sie müssen sich selbst Lohn und Brot erarbeiten – und sei es durch Fortziehen.

Den negativen Zirkel aus Scheiternsvorhersage, Abhängigkeit und Überversorgung gilt es zu durchbrechen. Kein Mensch ist gefangen in den Umständen, aus denen er hervorgeht.

Die Ansprache muss lauten: Du willst Erfolg? Dann tu etwas dafür! NIMM dein BETT und GEH! Die Besinnung auf die große, befreiende Botschaft des Fritz Perls kann in der heutigen Debatte über die Umgestaltung der Sozialsysteme wertvolle Anstöße liefern.

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Temporäre Zuwanderung unerwünscht, oder: Spielhöllen statt Hostels!

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Dez. 122010
 

„Friedrichshain-Kreuzberg wehrt sich gegen Herbergsflut“. So berichtet es das Berliner Abendblatt, die Wochenzeitung für Friedrichshain-Kreuzberg in der Ausgabe Nr. 48 auf S. 1. Das Boot ist voll. „Die Belastungsgrenze für die Anwohner ist erreicht„, „uns erreichte eine Beschwerdeflut wegen der ungesteuerten Ansiedlung“, so wehren sich in unserem Heimatbezirk die Kommunalpolitiker, etwa der Bürgermeister Franz Schulz und Fraktionssprecher Daniel Wesener gegen das ungehemmte Vordringen von Beherbungsbetrieben der Low-Cost-Sparte.

Man merkt: Die festangesiedelten Dauerbürger beginnen sich gegen den ungesteuerten Zustrom unordentlich gekleideter, fremdländische Lieder singender, die Nacht zum Tag machender Backpacker zu wehren.

Zumal zu befürchten ist, dass manche Elemente dieses fahrenden Volks im Hinterhof Sprachen sprechen, die nicht auf Berliner Schulhöfen gesprochen werden sollen!

Dauerbürger, wehrt euch gegen die dauernde temporäre Zuwanderung!  So lautet die Devise der Bürger und der sie unterstützenden bürgerlichen Parteien.

Auch Vizebürgermeister Peter Beckers unterstützt den Bürgerwehr-Gedanken. Er spricht sich gegen die „zügellose“ (vulgärsprachlich: „verlotterte“) Entwicklung des Berlin-Tourismus aus.  „Die Belastungsgrenze der Anwohner für immer neue Bettenburgen ist in einigen Ecken Friedrichshains bereits erreicht.“ O-Ton Daniel Wesener.

Na, ich meine: Da sollte man mal das Volk entscheiden lassen! Sollen wir denn eher weitere Spielhallen hinnehmen, wie ich deren zwei kürzlich am Mehringdamm habe aufmachen sehen. Spielhallen bringen auch Geld in die leergefegten Bezirkssäckel! Und sie sind sehr sehr still. Denn fast niemand besucht diese Spielhallen. Dennoch sind sie voll sauer verdienten Geldes. Ein Teil davon fließt als Steuer in die Staatskasse. Pecunia non olet.

Spielhallen oder Hostels? Das wäre ein schöner Bürgerentscheid!  Hier noch mal Vor- und Nachteile beider Betriebsarten:

Spielhallen sind mangels Publikumsverkehrs sehr ruhig, schaffen jeweils 2-3 Arbeitsplätze und spülen viel Geld in die Staatskasse. Sie sind Goldesel.

Hostels für Backpacker und weniger Verdienende sind etwas lauter, schaffen jeweils einige Arbeitsplätze und spülen viel ehrlich verdientes Geld in die Staatskasse. Und sie bringen Menschen, Menschen, Menschen!

Bürger, was ist euch lieber? Spielhallen oder Jugendhotels?

Ich bin für mehr temporäre Zuwanderung! Ich spreche mich aus für Hostels, Jugendherbergen, Fahrradleihstationen. Das Hotel City Ost in der Frankfurter Allee ist doch vorbildlich!

Und noch etwas: Direkt vor dem Eingang der Billigherberge entdeckt mein entzücktes Ökufuzzi-Auge – eine Fahrrad-Verleih-Station! Toll toll toll!

Friedrichshain-Kreuzberg könnte Vorreiter für einen neuartigen, ökologischen Tourismus der Low-Cost-Sparte werden.  Dazu müssten sich die fünf bürgerlichen Parteien aber klar für Umweltschutz, für temporäre Zuwanderung und für Ansiedlungsfreiheit aussprechen.

Dieses dauernde Reden von „Überflutung“, „Belastungsgrenzen der Anwohner“, „ungesteuerter Zustrom“ ist doch brauner Quark. Genau diese Formulierungen werden doch reflexhaft gegen Asylbewerberheime vorgebracht!

Dieses Gedankengut, diese spießbürgerliche Abwehrhaltung sollten die drei (spieß-?) bürgerlichen Parteien (Grüne, SPD und Linke), die sich gegen die Hostels zur Wehr setzen, mal hübsch den Rechtsextremisten überlassen.

Andererseits bin ich aus wohlerwogenen Gründen für Daumenschrauben gegen die weitere Ansiedlung von Spielhallen, auch wenn sie dem Staat Knete einspielen.

Da könnte man eine Vorab-Volksabstimmung machen! Insoweit stimme ich unserem Bürgermeister wieder zu.

Vom Volk regiert: Bürger begehren auf – Berlin – Tagesspiegel
Franz Schulz, Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, hat vor ein paar Wochen eine Art Vorab-Volksabstimmung vorgeschlagen. Der Politiker, der im Streit um Mediaspree zwischen alle Fronten geraten ist, will die Bürger über alle größeren Bau- und Investitionsvorhaben entscheiden lassen. Er denkt an „Leitpunkte“ wie die Größe und das Investitionsvolumen. Von denen soll abhängen, ob nur die Anwohner, alle Wahlberechtigten eines Bezirks oder alle Bürger der Stadt zu befragen sind.

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Dez. 122010
 

Bei Überschwemmungen in den Niederlanden war und ist es Bürgerpflicht, dass alle Hand anlegen, um die Naturgewalten einzudämmen. Davon kündet noch das obige Verslein  des halluzinierenden Faust aus dem letzten Akt eines in Deutschland schon weitgehend vergessenen Dichters. Faust II, 5. Akt, um es genauer zu sagen.

Gemeindrang oder Gemeinsinn, bürgerschaftliches Zusammenstehen – das fordert auch unser Bürgermeister. Ich finde das sehr gut, Herr Bürgermeister! Denn der Winter ist – die Zeitungen beklagten es mehrspaltig – mit unerbittlicher Härte über ganz Deutschland hereingebrochen, hielt Flughäfen, Eisenbahnen, ja sogar Gehwege für endlos lange zwei Tage im unerbittlichen Griff fest.

„Nimm Hack‘ und Spaten!“ Das forderte ich bereits letztes Jahr, zahlreiche Geschäftsleute in Kreuzberg und anderswo gingen mit gutem Beispiele voran.

Wenn wir gestern die SPD als „staatslastig“ und „überversorgend“ bezeichneten, so galt das nur im Großen und Ganzen für die heutige Berliner SPD. Daneben gab es auch einen wichtigen Gedankenstrom innerhalb der deutschen SPD, der vor allem den anständigen, den braven Bürger forderte und förderte, also etwa den sozialdemokratischen Arbeiter, der sich in Abendkursen zum Facharbeiter fortbildete, der sparsam für die Familie vorsorgte und der eben jederzeit auch Hand anlegte, wenn das Gemeinwohl dies erforderte, etwa in der Freiwilligen Feuerwehr oder in der Arbeiterwohlfahrt. Thilo Sarrazin hat während seiner Zeit als Finanzsenator immer wieder voll Hochachtung von diesem sozialdemokratischen Urgestein gesprochen und – meist vergeblich – bei seinen Sparappellen eine Einschränkung der „öffentlichen Hand“, eine großzügigere „Bürgerhand“ verlangt.

Genau diesen Nerv trifft unser Bürgermeister mit seiner Bemerkung. Applaus, Applaus.

Eis auf Gehwegen: Wowereit fordert Berliner zum Schneeräumen auf – Berlin – Tagesspiegel
Wowereit appellierte an Bürgersinn der Berliner. An der einen oder anderen Stelle könnte sie vielleicht auch selbst „Hand anlegen könnten, um Gefahrenstellen zu beseitigen“.

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Dez. 112010
 

101120100521.jpgEin Leser aus Friedrichshain fragt nach Reaktionen auf den Wortbeitrag des Bloggers zum Thema Integration. Ihr erinnert euch: Die Konrad-Adenauer-Stiftung hatte in den BVV-Saal des Rathauses Kreuzberg eingeladen. Der Blogger erklärte staatliche Überversorgung zum Kernproblem, an dem die Integration scheitere. Die Sozialhilfe beschuldigte er, für die weitverbreitete Immobilität und Anspruchsmentalität vieler dauermigrantischer Gemeindemitglieder verantwortlich zu sein. Er nannte auch – wie Daniel Cohn-Bendit einen Tag zuvor in der taz –  das böse Wort „Ausbeutung des Sozialstaates„. Er forderte eine große Sozialstaatsreform, ordnungspolitische Maßnahmen statt weiterer staatlicher „Integrationsförderung“.

Reaktionen?  Während des Redens spürte ich, dass eine Mehrheit im Publikum sehr überrascht war, dass jemand kühn und frei so quer zum gängigen Kindchen-Schema der Integrationsförderung redete.

Kindchen-Schema? Ich nenne dies so! Die Migranten aus SÜD-OST sind demnach eine arme, kindliche Minderheit, die durch die böse, verstockte, rassistische deutsche Gesellschaft mitunter erschreckt wird. Ein einziges falsches Wort, ein einziges falsches Buch – und die mühsame jahrzehntelange Erziehungsarbeit an den Migranten ist VERNICHTET! Alles geht wieder von vorne los. Wir Deutschen müssen also schon sehr gut aufpassen. Wir dürfen den Migrantencommunities keine Aufgaben stellen, sondern müssen verständnisvoll, lieb und nett auf ihre Bedürfnisse als Benachteiligte eingehen.

Als ich sagte „Ich als Steuerzahler fühle mich oft ausgebeutet“ gab es einen empörten Zwischenruf: „Sie verallgemeinern, das dürfen Sie nicht machen.“ So kam Leben in die Bude! Dabei hatte ich nur davon berichtet, wie sich das Ganze mittlerweile für jemanden anfühlt, der über viele Jahre hinweg stets aktiv für die Einbeziehung aller Kulturen in eine gemeinsame Gesellschaft eingetreten ist.

Nachdem ich mich hingesetzt hatte, meinte ich eher eine Woge der ungläubigen Zustimmung zu verspüren. Es gab Beifall. „Endlich hat es mal jemand gesagt!“ So deutete ich die meisten Reaktionen. Einige Zuhörer waren erkennbar nicht einverstanden, aber die gefühlte Zustimmung überwog, jedenfalls in meiner Wahrnehmung.

Sehr weise, sehr bedacht war die Reaktion des Senatsvertreters, Andreas Germershausen, zum Schluss der Fragerunde: „Ich spüre aus vielen Äußerungen eine gewisse Staatsferne … und dem kann ich einiges abgewinnen.“ Man könne und solle ruhig über alle Vorschläge dikutieren.

Ich vermute also, auch in der Senatsverwaltung wird den Verantwortlichen klar, dass Integration ohne einen entscheidend höheren Beitrag der zu Integrierenden (?) nicht gelingen wird.

Die anderen Podiumsteilnehmer nahmen den einen oder anderen Hinweis freundlich auf, aber widersprochen hat meiner Kernthese von der „staatlichen Überversorgung“ und der deshalb dringend gebotenen Sozialrechtsreform niemand.

Nur das Thema „Ausbeutung des Sozialsystems duch Zuwanderer“, von dem die Politiker und Fachkräfte Heinz Buschkowsky, Stephan von Dassel, Thilo Sarrazin, Kirsten Heisig, Jürgen Zöllner, Daniel von Cohn-Bendit neuerdings ganz offen sprechen,  sollte man besser nicht in die Öffentlichkeit tragen. Es ist der berühmte „Elephant in the room“ – eine unangenehme Wahrheit, die niemand auszusprechen wagt. Dadurch würde ein unerwünschter spaltender Effekt hervorgerufen. Bitte nicht mehr davon sprechen! Man wird wirklich bei lebendigem Leib ausgepeitscht, wenn man derartiges anspricht.

Betrachtet noch das Bild oben! Seht ihr einen Elephanten auf dem Foto? Nein! Richtig! Da ist kein Elephant! Bitte nicht vergessen: Da ist KEIN ELEPHANT!

 Posted by at 22:50

Eigene Anstrengungen einfordern! „Gute Regierungsführung“ des Selbst pflegen!

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Dez. 112010
 

Spannendes Interview mit Neuköllner Schülern! LEST!

Aus der Deutschland-taz: „Wir achten nicht auf Herkunft“ – taz.de
Haben sich Deine Leistungen verbessert, seit Du mit dem Mobben aufgehört hast, Kassem?

Kassem: Auf jeden Fall! Ich konzentriere mich jetzt auf mich selbst, ich will in die Oberstufe, ich will etwas erreichen in meinem Leben. Und was die anderen Schüler von mir denken, interessiert mich eigentlich nicht mehr.

Max: Die, die mobben, haben oft kein Ziel. Denen wird auch zuhause keins vorgegeben, da helfen die Eltern nicht oder verstehen gar nicht, was in der Schule los ist.

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Gibt es „staatslastige“ und „bürgerlastige“ Parteien?

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Dez. 112010
 

Sowohl in den Wirtschaftsdaten wie in den Bildungsdaten bei den internationalen Vergleichstests stehen fast immer die unionsgeführten Bundesländer besser da als die SPD- bzw. durch die linken Parteien geführten. Wer ist schuld? Was kommt zuerst? Die Henne oder das Ei? Wählen erfolgreiche Menschen eher Union? Oder macht die CDU bzw. die CSU die erfolgreichere Politik? Schwierig, schwierig!

Der sächsische Kultusminister Roland Wöller kann oder will im Interview im heutigen Tagesspiegel auf S. 4 auch keine überzeugende Antwort geben, räumt sogar einen gewissen Nachholbedarf seiner Partei ein.

Ansonsten halte ich das Interview aber für äußerst beachtlich und lesenswert.

Ich selber meine: Die CDU/CSU kann und sollte sich vorrangig über ein unterschiedliches Staatsverständnis von allen anderen Wettbewerbern absetzen. Demnach gründet sich christdemokratische Politik auf der überragenden Rolle der Person, auf der unbeschränkten Würde und der Freiheit jedes einzelnen Menschen, während SPD, Linke und Teile der Grünen von der überragenden Lenkungsrolle des Staates ausgehen.

Was heißt das? Beispiel Integration: Für SPD, Linke und einen Teil der Grünen ist Integration eine Leistung des fürsorglichen Lenkungsstaates. Bester Beleg: das gestern verabschiedete Integrationsgesetz Berlins. Integration ist nach Absicht des Gesetzes vorrangig eine Von-oben-Leistung des Staates, der übergeordneten Einheiten also, da die Menschen prinzipiell ungleich sind und ungleich bleiben. Ungleichheit ist ungerecht. Diese Ungerechtigkeit muss der Staat beseitigen, indem er die strukturell Benachteiligten gezielt fördert. Da die Migranten über Generationen hinweg „strukturell benachteiligt“ sind, werden sie auch über Generationen hinweg eine „strukturelle Förderung“ benötigen.

Die letzte Verantwortung für das Gelingen des individuellen Lebens lastet auf dem Staat.  Die SPD, die Linke und Teile der Grünen würde ich deshalb gerne als staatslastige Parteien bezeichnen. Der Staat muss Integration leisten!

Anders die CDU. Für die CDU ist Integration vorrangig eine Von-unten-Aufgabe der einzelnen Menschen, der Familien, der Gemeinden, da die Menschen prinzipiell gleich frei und mit gleicher Würde begabt sind. Ungleichheiten kann der Staat von oben her nicht abschaffen. Jeder Mensch soll seinen Weg finden, um vorhandene Startnachteile wettzumachen.  Ungerechtigkeiten sind weniger im System bedingt als im Fehlverhalten einzelner Menschen, einzelner Teile des Systems. Letzte Verantwortung lastet bei den Bürgern, nicht bei den staatlichen Strukturen. Insofern sehe ich die CDU und die FDP als bürgerlastige Parteien. Die Bürger sind es selbst, die vorrangig Integration leisten müssen. Bester Beleg: Alles, was Badr Mohammed zur Integration in der taz geschrieben hat (siehe dieses Blog: Mohammed hat recht).

Beide Sichtweisen haben etwas für sich. Letztlich muss jede Bürgerin und jeder Bürger seinen Interessen, ihren Überzeugungen und Einsichten folgen. Es lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen, ob die linken Parteien oder die CDU „recht haben“, ob man eher dem Staat oder eher dem Bürger „über den Weg traut“.

Und die Grünen?  Sind irgendwo dazwischen! Richtig wütend wurde vor kurzem eine grüne Politikerin, als ich gezielt stichelnd in die Runde warf: „Ach ihr Linken seid doch alle soo staatsfixiert!“ Aber hallo! Da bekam ich aber was zu hören!

Ich würde sagen: Die CDU und wohl auch die FDP haben einen personalen Begriff der Verantwortung, die linken Parteien und Teile der Grünen legen einen strukturellen Begriff der Verantwortung zugrunde.

Beide Ansätze haben was für sich.

Sachsens Kultusminister Roland Wöller: „Noch immer entscheidet Herkunft über Chancen“ – Politik – Tagesspiegel
Unionsregierte Länder sind in der Regel Pisa-Sieger, in der Bildungsdebatte aber ist die Union eher defensiv. Gibt es so etwas wie christdemokratische Bildungspolitik?
Es stimmt zumindest eines: Wer nach unserem bildungspolitischen Markenkern fragt, bekommt nicht eine, sondern sehr viele Antworten. Da muss die Union noch ein paar Hausaufgaben machen. Der Bildungsbundesparteitag, zu dem die Kanzlerin nach Leipzig eingeladen hat, wird sicher spannend.

 Posted by at 14:57
Dez. 112010
 

„Meine Mutter hat es auch ohne dieses Gesetz geschafft, zehn Kinder in Berlin einzugliedern und zu vernünftigen Mitbürgern zu machen.“ So schreibt Badr Mohammed auf S. 22 der Berliner taz vom 07.12.2010 (leider online nicht abrufbar). Freunde, Leute, Blogger: In allem, was Mohammed in seinem Beitrag schreibt, hat er recht, so finde ich. So schreibt er etwa: „Als Grundlage für Integration reichen das Grundgesetz und eine gute Erziehung völlig aus.“

Mutig, mutig, so etwas drucken zu lassen!

Aber ich unterschreibe jeden Satz und jeden Halbsatz, den Mohammed in diesem Artikel  geschrieben hat.

Insbesondere hat er meines Erachtens als einer der ganz wenigen Berliner Politiker die zentrale Rolle der Familie, der Eltern im Leben der Kinder erkannt. Seine Mutter hat die Hauptverantwortung für das Schicksal ihrer zehn Kinder erkannt, angenommen und bewundernswert ausgefüllt.

Während für Kinder also die Familie die entscheidenden Weichenstellungen für oder gegen Integration vornimmt, ist es bei den Erwachsenen die Erwerbstätigkeit.

Mohammed schreibt: „Erwerbstätigkeit spielt eine zentrale Rolle: Sie verschafft neben eigenem Einkommen soziale Beziehungen, Anerkennung und Selbstwertgefühl. Aufseiten der Zuwanderer setzt Integration den Erwerb bestimmter Kenntnisse und Fähigkeiten sowie Motivation voraus. Zentral ist das Erlernen der Sprache. Das allein ist aber nicht genug. Dazu gehören Kenntnisse über Kultur und Geschichte des Aufnahmelandes, über Umgangsformen, Institutionen und Organisationsstrukturen, politische Werte und Verfassung.“

Donnerwetter, Herr Mohammed! Sie verlangen also Kenntnisse! Fähigkeiten! Motivation! Das würde ja bedeuten, dass es neben der Familie und der Erwerbstätigkeit auf die persönlichen Bemühungen des einzelnen ankommt. Das würde bedeuten, dass nicht die Politik an allem schuld ist, was schiefläuft!?

Nun, ich meine, auch hier hat Mohammed recht. Ich persönlich fasse übrigens die gutklingenden Wörter Kenntnisse, Fähigkeiten und Motivation  mit dem altertümlich anmutenden Wörtlein TUGENDEN zusammen. Tugenden sind derartige individuell zu erlernende, zu übende Haltungen, die es dem einzelnen ermöglichen, ein gelingendes Leben zu führen, z.B. Lernwille, Fleiß, Achtsamkeit, Nächstenliebe, Verantwortung für sich und andere, Rechnen, Lesen, Schreiben, Singen, Turnen, Tanzen.

Von dieser Verantwortung für das gelingende Leben kann der Staat mit all seinen Gesetzen und seinen Integrationsmilliarden und Abermilliarden Euro die einzelnen nicht freistellen.

Mohammed hat recht.

Was verhindert Integration mehr als alles andere? Ich würde wagen zu behaupten:

1) Ein Rückgriff der Erwachsenen auf die Sozialhilfe. Denn Sozialhilfe als Dauerlösung verhindert Erwerbstätigkeit. Also brauchen wir dringend, so meine ich, eine Verringerung, Befristung, Abspeckung und Vereinfachung des gesamten Sozialhilfe-Wesens oder besser gesagt Sozialhilfe-Unwesens. Es müssen mehr und mehr Familien ihr Leben durch eigene Erwerbstätigkeit sichern. Je mehr die Familien ohne Staatshilfen ihr Leben bestreiten, desto besser! Idealerweise wäre keine Familie dauerhaft auf finanzielle Hilfe des Staates angewiesen.

2) Versagende Eltern, die die Erziehung der Kinder nicht wahrnehmen. Die Schulen werden die Defizite, mit denen die Kinder in den Unterricht kommen, stets nur zum Teil ausgleichen können.

3) Selbst-Diskriminierung und Fremd-Diskriminierung: „Du Migrant – ich Normal!“ Ich vertrete emphatisch das Einheits-Modell des Staatsbürgers. Jeder, der dauerhaft und nicht bloß vorübergehend (etwa als Tourist oder entsandter Arbeitnehmer) hier in Deutschland lebt,  sollte sich als „ganz normaler“ deutscher Staatsbürger sehen.

„Alteingesessene“ und „neue“ Deutsche zusammen bilden die bürgerliche Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, deren Leitkultur das Grundgesetz abbildet. Für diese Auffassung bin ich bereit überall einzutreten! Für diese Auffassung habe ich übrigens damals auch meinen Wehrdienst bei der Bundeswehr abgeleistet.

Unsere Leitkultur ist das Grundgesetz“ – das hat übrigens nicht Mohammed gesagt, sondern Cem Özdemir.

Zustimmung des Bloggers an Sie, Herr Mohammed, Zustimmung des Bloggers auch an Sie, Herr Özdemir!

Egal, ob sie Ugur, Maximilian, Dilek, Kassem, Joachim oder Yachya  heißen: es sind für mich alles Deutsche. Sie sind hier geboren, gehen hier zu Schule, sie werden aller Wahrscheinlichkeit nach hier bleiben.

Lest bitte auch das tolle Interview „Wir achten nicht auf Herkunft“ mit den Schülern der Neuköllner Otto-Hahn-Gesamtschule auf Seite 23 der Berliner taz vom 7. Dezember 2010.

Hey tazzler! Bitte stellt diese beiden Glanzstücke dauerhaft online! Teşekkür ederim schon mal im Voraus!

שלום ve السلام عليكم!

 Posted by at 13:13
Dez. 102010
 

Lest folgendes:

Aus der Deutschland-taz: Rechte Lebenslügen – taz.de
Es stimmt, dass Einwanderer unsere Sozialsysteme ausbeuten wollen. Ebenso, dass es viele Menschen aus Mittelschichten oder aus der Oberschicht gibt, die unser System schröpfen, indem sie Steuern hinterziehen. Steuerhinterziehung und Einwanderung in Sozialsysteme sind zwei Seiten einer gleichen Münze, nämlich die Schwächung des Gemeinwesens. Solange die Debatte nur um die Schwachen geht, geht die von Thilo Sarrazin befeuerte Debatte in die Irre.

Das sagte Daniel Cohn-Bendit, grüner Abgeordneter im Europäischen Parlament laut taz vom 07.12.2010, S. 3.

Bedenklich! Ist dieser Mann noch als Parlamentarier tragbar? Muss ihn seine Fraktion jetzt ausschließen? Wird ihn die NPD aufnehmen müssen? Ausbeutung der Sozialsysteme durch Einwanderer? Ebenso schlimm wie Steuerhinterziehung durch Großkapitalisten? Das klingt ja fast so schlimm wie Sozialbetrug – oder – noch schlimmer, AKW-Laufzeitenverlängerung!

Ich kann nur dringend davon abraten, dieses Thema zum Thema zu machen! Man sollte es als aktiver Politiker gar nicht erst ansprechen. Stephan von Dassel (Grüne), Heinz Buschkowsky (SPD), Jürgen Zöllner (SPD), Thilo Sarrazin (SPD), sie alle haben öffentlich dieses Thema des Behördenbetrugs mehr oder minder deutlich angesprochen.

Man wird sofort in die rechtsradikale Ecke getrieben, wenn man so etwas Böses sagt wie Daniel Cohn-Bendit oder Jürgen Zöllner.

Auch vorgestern, bei der Abendveranstaltung in der Kreuzberger BVV, herrschte Konsens, dass man das Thema auf keinen Fall ansprechen darf.

 Posted by at 16:46
Dez. 102010
 

Der Liberal-Islamische Bund ist eine jener Stimmen in Deutschland, die ich aufmerksam verfolge! Ich wünsche dieser Vereinigung wesentlich mehr Mitglieder. Vor allem scheint sie mir geeignet, in einem sich erhitzenden Klima, wo man häufig in Pawlowscher Manier aufeinander einprügelt, Argumente und Fakten zur Geltung zu bringen! Das scheint mir ganz wichtig.

Hier zum Beispiel ein sehr lesenswerter Beitrag von Lamya Kaddor, deren Kinder-Koran ich mehrfach zitiert und gelobt habe, zum Thema der angeblichen Rückständigkeit der muslimischen Welt!

Lamyas Welt – Warum die Muslime so rückständig sind | Migration und Integration in Deutschland | MiGAZIN
In letzter Zeit hört man immer wieder zwei schlagende Argumente für die Rückständigkeit des Islam. Eines davon lautet, dass es in der gesamten islamischen Welt nicht eine einzige Demokratie gebe. Dem mag man im ersten Moment beipflichten, genauso wie der Aussage, dass es kein afrikanisches Land mit einer Demokratie gebe oder kein buddhistisches. […]

 Posted by at 15:06
Dez. 092010
 

Feinste Bespaßungspolitik ist beschlossen!

Aber bitte nicht muttersprachliche Kenntnisse in zwei Fremdsprachen verlangen! Dann wären sooo viele Berliner benachteiligt, die weder die eine noch die andere Fremdsprache beherrschen!

Bayram und Wansner haben recht! Lest:

Berliner Zeitung – Aktuelles Politik – Berlin beschließt Integrationsgesetz
Bei der Beurteilung von Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung soll grundsätzlich auch die sogenannte interkulturelle Kompetenz berücksichtigt werden.

Generell sollen Anstrengungen zur Integration von Zuwanderern zur Pflichtaufgabe der Landesverwaltung und der zwölf Bezirke werden. Zudem soll die religiöse Vielfalt mehr berücksichtigt werden. So sind künftig Bestattungen ohne Sarg möglich werden, wie sie im islamischen Kulturkreis üblich sind.

Der CDU-Abgeordnete Kurt Wasner wies darauf hin, dass selbst einige der SPD-Bezirksbürgermeister das Gesetz als «kontraproduktiv» und «Karikatur» ablehnen. Die Grünen-Abgeordnete Canan Bayram erklärte: «Es wird in diesem Gesetz immer noch zwischen denen und wir unterschieden.»

Wichtiger Punkt: DIE und WIR! Ich würde sagen:  Seit wieviel Jahren oder Jahrzehnten jemand Deutscher ist, muss zweitrangig sein. Er oder sie hat alle Rechte und Pflichten auf Teilhabe. Dazu bedarf es keiner Einteilung in Migrantisch und Nichtmigrantisch. Für alle müssen dieselben Anforderungen gelten.

WIR müssen uns alle mehr abstrampeln. Und IHR auch.

 Posted by at 21:33

Wer oder was leistet Integration? Wer oder was verhindert sie?

 Integration, Staatlichkeit, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für Wer oder was leistet Integration? Wer oder was verhindert sie?
Dez. 092010
 

08122010119.jpg Immer mehr verschiebt sich die Berliner Debatte zur Integration hin in Richtung auf das Problem: Wer oder was leistet Integration? Der Staat? Der einzelne? Die Familie? Die Schule?

Ferner: Wer oder was verhindert Integration? Die mangelnden Türkisch- und Arabischkenntnisse der deutschen Lehrer? Schlechte Ausbildung der deutschen Lehrer und Sozialarbeiter? Mangelndes interkulturelles Feingefühl? Der wohlbekannte Rassismus der Deutschen? Fremdenfeindlichkeit? Mangelnde Inklusion der anderen?

„Ist die Bildung der Schlüssel für eine bessere Integration in Berlin?“
Zu dieser Podiumsdiskussion stapfte der Kreuzberger Blogger gestern abend durch herrlich knirschenden Schnee in den BVV-Saal des Rathauses Kreuzberg. Andreas Schleicher von der Konrad-Adenauer-Stiftung begrüßte das Publikum, stellte die Podiumsgäste vor und übergab dann an den Moderator des Abends, den Abgeordneten Kurt Wansner, der mit einem Hinweis auf das Berliner Integrationsgesetz eröffnete, das am folgenden Tag (also heute, während ich dies schreibe) zur Abstimmung stehe.

Necla Kelek, Sozialwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin, antwortete mit einem erfrischend klaren Nein auf die Frage: „Ist Bildung der Schlüssel zu besserer Integration?“ Die Schulen seien bereits jetzt gut ausgestattet, so gut wie in kaum einem anderen Land. Die Kinder gingen grundsätzlich alle gerne dorthin, das Problem seien die Familien. Im Spannungsfeld zwischen bildungsabgewandten oder bildungsverweigernden Elternhäusern und der bildungsfördernden Schule sei es sehr schwer für die Kinder, ihren eigenen Weg zu finden. Wenn Integration scheitere, dann sei dies grundsätzlich Schuld der Eltern. A und O jeder besseren Integration seien die Eltern. Die staatlichen Bildungsangebote als solche hingegen seien mehr als ausreichend. „Wie schaffen wir es, die Eltern zu erziehen?“ So ihre abschließende Frage.
Ertan Taskiran, Vorsitzender des Deutsch-Türkischen Forums der CDU Berlin, sprach die wichtigen Sprachstandsmessungen an, forderte mehr Lehrer mit Migrationshintergrund, die Kita-Betreuung für Kinder müsse verbessert und ausgebaut werden, und er beendete seinen Beitrag mit der Feststellung, das Berliner Schulwesen enthalte eine strukturelle Diskriminierung zum Nachteil von Kindern mit Migrationshintergrund.

Andreas Germershausen, Leiter des Referats Integrationspolitik bei der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, bot einen Ausblick auf die bereits erreichten Verbesserungen. Dank der wohlbedachten Maßnahmen der Politik des fürsorglichen Senats seien auf allen Gebieten Besserungen festzustellen. Der Senat werde weiterhin ein Monitoring betreiben und auf allen Handlungsfeldern durch gezielte Maßnahmen die Lage verbessern.

In der anschließenden Diskussion erzählten viele Zuhörer ihre Geschichten. Mich beeindruckte vor allem ein türkischer Berufsschullehrer, der sich bereits vor 41 Jahren einer staatlichen Prüfung stellte und seither Schüler deutscher und ausländischer Herkunft unterrichtet. Großartig! Solche bräuchten wir in Berlin zu Hunderten! Aber er tat es eben nicht aufgrund einer integrationspolitischen Maßnahme, sondern weil er eine berufliche Aufgabe suchte und sich den Ansprüchen des aufnehmenden Landes unterwarf.

Der Kreuzberger Blogger Johannes Hampel erklärte die Überversorgung mit staatlichen Leistungen zur Hauptursache der Nichtintegration. Bei vielen Migranten herrsche als Folge davon eine grenzenlose Anspruchshaltung vor. Es werde mehr und mehr staatliches Geld in Schulen, in Familien  und Versorgungseinrichtungen geschüttet, ohne dass die Lage sich gebessert habe. Die Schuld am eigenen Scheitern werde immer nur dem Staat oder den Deutschen gegeben. Es gebe keinen ausreichenden Anreiz, durch Bildung eine berufliche Tätigkeit anzustreben. Der deutsche Staat garantiere allen Zuwanderern ein üppiges Paket an Sozialleistungen, das zu Missbrauch und Betrug einlade. Integration sei etwas, was der Staat nicht leisten und fördern könne, sondern nur die einzelnen Menschen. Viele deutsche Steuerzahler fühlten sich mittlerweile ausgebeutet durch eine umfassende Versorgungserwartung der Migranten.

Unerlässlich seien deshalb ordnungspolitische Maßnahmen, Reformen des Sozialrechts, etwa die Abschaffung von Sozialleistungen für Ausländer und Zuwanderer während eines mehrjährigen Moratoriums nach Zuwanderung, ferner die Rückbesinnung auf Tugenden wie Fleiß, Rechtschaffenheit und Anstand und die Schaffung einer neuen deutschen Identität, die sowohl „alten“ wie „neuen“ Deutschen Inklusion und Zugehörigkeit verschaffen würde.

Mein Fazit:

1) Als entscheidende Stellschraube der Integration hat sich für mich an diesem Abend die Familie – nicht die Schule! – herausgestellt. Wenn Familien Integration in den deutschen Arbeitsmarkt, in die deutsche Gesellschaft wollen, wird sie überall in Deutschland und also auch in Berlin möglich sein.

2) Wenn die Migranten diese Integration nicht wollen, wird sie durch die zahlreichen und fetten Angebote des Staates zur Integration eher verhindert als befördert. Die bisherige Integrationspolitik sehe ich weitgehend als Volksbespaßung und teilweise schlicht als Volksverdummung.

3) Der einzelne muss es schaffen, gestützt oder wenigstens nicht behindert durch die Familie. Der Schlüssel zu besserer Integration liegt im Bemühen des einzelnen, in der Freiheit des einzelnen.

4) Für den Berliner Wahlkampf 2011 sollte man sich als die entscheidende Frage vormerken:

Was soll der Staat? 

Wenn Politiker mich fragen sollten, so würde ich antworten:

5) Der Staat sollte sich nicht so wichtig nehmen! Der Staat ist doch das Bündnis freier und gleicher Bürger, die für ihr Leben die Letztverantwortung tragen.

6) Der Schlüssel zu besserer Integration liegt eher in der Ordnungspolitik, weniger in der Bildungspolitik. Der Staat muss weniger leisten, die Bürger müssen mehr leisten – für sich selbst, aber auch füreinander.

Gemeinsam gelingt den Bürgern die zusammenwachsende Stadt.

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Es geht nicht ohne Opportunismus

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Dez. 092010
 

Spannendes Gepräch mit dem Historiker Daniel Koerfer, in dem es auch um die gewaltige persönliche Leistung Adenauers geht!

Worauf Adenauer und die Bundesrepublik klugerweise verzichteten, war eine strafrechtliche Generalabrechnung  mit dem Nationalsozialismus.

Die Sowjetzone und die DDR inszenierten zwar eine solche strafrechtliche Generalabrechnung, verwendeten dabei aber Mittel des Terrors, etwa die berüchtigten 10 NKWD-Speziallager (darunter die KZs Buchenwald und Oranienburg), und der Pauschalvollstreckungen. Sie liquidierten einerseits auch viele Unschuldige und ließen andererseits viele Schuldige laufen, bzw. boten ihnen  die Chance zum Aufstieg.

Nach Diktaturen wird es ohne eine gewisse Portion Opportunismus nicht zu einem Neuanfang kommen.

Ein Gespräch mit dem Historiker Daniel Koerfer: Macht „Das Amt“ es sich zu einfach? – Themen – Feuilleton – FAZ.NET
Anknüpfend an Kurt Schumacher sagte Brandt 1976: „Die große innenpolitische Leistung Adenauers lag darin, Abstand zu schaffen zu dem, was vorher war, Zeit zu gewinnen für den neuen Staat: durch bewussten Opportunismus, durch das bewusste Nicht-so-harte-Maßstäbe-Anlegen an diejenigen, die im Dritten Reich engagiert gewesen waren; er war dabei in diesem Fall gar nicht so weit von Kurt Schumacher entfernt. Man konnte ein Volk nicht mitten durchspalten und es so über die Runden der Ereignisse jener zwölf Jahre bringen wollen . . . Damit hat er ein großes Stück Stabilität in den ,Laden‘ gebracht. Das war dann doch sehr positiv.“

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Dez. 092010
 

Schweres Gelände für Künast! Hat sie sich vergaloppiert?

Stars sind immer gut. Man braucht gute Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten, um Wahlen zu gewinnen. ABER: Sie müssen  der Partei den Puls abnehmen. Sie müssen sich briefen lassen. Sie dürfen nicht Positionen vertreten, die der offiziell festgelegten Parteilinie widersprechen.

Was Künast loslässt, säbelt an dem komfortablen Vorsprung, den die Grünen vor der FDP hatten!

Und dann noch ihre Forderung nach 5000.- Euro Staatsknete für E-Zweitautos für Besserverdienende! Das fördert doch nur die AKWs – denn E-Autos laufen mit Atomstrom.

Stars müssen sozusagen noch einmal die Ochsentour auf sich nehmen – durch Hinterzimmer, Marktplätze und  Hausflure.

Es ist ja nicht mehr so schwer. Denn es wird in Hinterzimmern nicht mehr geraucht.

Die Einzelkämpferin – Berliner Zeitung

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