Nov. 032010
 

Bei einem netten Plauderstündchen irgendwo in einer der angesagtesten Party-Locations Berlins zitierte ich vor wenigen Tagen mehr oder minder wortgetreu erst den polnischen Historiker Kazimierz Wóycicki und dann den deutschen Dichter Andreas Greif.

Der Pole Wóycicki äußerte sich kürzlich auf einer Tagung zu den Verbrechen der Diktaturen Osteuropas im Literaturhaus Berlin, hier zitiert nach FAZ vom 01.11.2010, Seite 30:

„Über Zufriedenheit kann man hier nicht reden, nur über zerstörte Seelen.“

Er meinte damit wohl: Die juristische und historische Aufarbeitung der zahlreichen Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen der kommunistischen Diktaturen ab 1918 –  beginnend von den gehäuften Massenmorden in der Sowjetunion ab 1918 – wird den Opfern niemals mehr nachholende Gerechtigkeit verschaffen können – ebensowenig wie die jetzt in vollem Umfang zutage tretende verbrecherische Tätigkeit des Auswärtigen Amtes unter der nationalsozialistischen Diktatur dadurch ungeschehen gemacht wird, dass alle jetzt (60 Jahre danach!) übereinkommen: „Das Auswärtige Amt war eine verbrecherische Organisation.“

Mir kamen dazu Verse des bekannten zeitgenössischen deutschen Dichters Andreas Greif aus dem schlesischen Städtchen Glogau in den Sinn. Sie lauten – hier unverändert wiedergegeben in der etwas altertümlich anmutenden Schreibweise, welche Andreas Greif gerne pflegt:

Dreymall sindt schon sechs jahr als vnser ströme flutt
Von so viel leichen schwer / sich langsam fortgedrungen.

Doch schweig ich noch von dem / was aerger als der todt.
Was grimmer den die pest / vnd glutt vndt hungers noth
Das nun der Selen schatz / so vielen abgezwungen.

Der deutsche Dichter Andreas Greif und ebenso der polnische Historiker Kazimierz Wóycicki beugen sich nachträglich über das Leid, über die Leichenberge der vergangenen Jahrzehnte – und sie kommen in der Trauer überein: „Es ist nicht wiedergutzumachen. Die Seelen sind unheilbar beschädigt.“

Andreas Greifs Gedicht „Threnen des Vatterlandes“  zitiert nach:
Das deutsche Gedicht. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Wulf Segebrecht unter Mitarbeit von Christian Rößner. S. Fischer Verlag, 2005, hier S. 75

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Nov. 032010
 

Hier ein Hinweis auf ein Theaterstück über Atatürk – ich glaube, es ist außerordentlich reizvoll, sich mit türkischem Staatsdenken vertraut zu machen, die kultische Verehrung für den Staatsgründer zu begreifen und den herausragenden Ewigkeitsrang der türkischen Volkstumsidee nachzuvollziehen. Das Volk ist alles, der einzelne muss sich in seinen Ansprüchen ein- und unterordnen! Das steht ja auch in wünschenswerter Deutlichkeit am Beginn der geltenden türkischen Verfassung. Das weiß doch jedes Schulkind.

Das türkische Volkstum ist stark – wo immer es sich befindet!

Es ist spannend, diese starke, diese überragende Vorstellung des Volkstums, wie sie die Türkei prägt, mit der überragenden Stellung der Würde der Person zu vergleichen, wie sie andere Verfassungen, z.B. das deutsche Grundgesetz, zugrunde legen.

Geht da hin:

05.11. Cuma
ve
06.11. Cumartesi 

Saat19:30′ da

Friedrich Str.101’de ki

Admiralpalast da sahne alacak
Atatürk oyununa herkesi bekler,

Saygılar sunarım

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Gerade, fest und unverrückbar: der Fahrradhelm

 Fahrrad  Kommentare deaktiviert für Gerade, fest und unverrückbar: der Fahrradhelm
Nov. 022010
 

Dieser Blogger ward soeben ermahnt von einer Unfallassistentin wegen eines Bildes seines Sohnes in der aktuellen RadZeit auf S. 14:

„Der Helm des Kindes muss gerade, fest und unverrückbar sitzen. Der Helm muss über die Stirn vorragen. Nur so schützt er vor den schweren Gesichts- und Schädelverletzungen, die bei uns nahezu täglich auf dem OP-Tisch landen.“

Ich meine, die Ärztin hat recht. Ich werde mich daran halten. Das Bild in der RadZeit hat zu recht verschiedentlich Kritik ausgelöst. Wir haben uns gebessert!

RadZeit-0510.pdf (application/pdf-Objekt)

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Nov. 022010
 

31102010031.jpg Mit einem italienischen Freund besprach ich kürzlich die Ursachen für den Verfall und Zusammenbruch der italienischen Christdemokratischen Partei. Wir stellten Vergleiche zwischen Deutschland und Italien an, denn auch in Deutschland gab es lange Zeit eine fast ebenso starke Vorherrschaft der Christdemokraten wie in Italien. Wieso verschwanden die Democristiani innerhalb sehr weniger Jahre als Partei von der Bildfläche? Kann auch die CDU von der Bildfläche verschwinden?

Unser deutsch-italienischer Befund:

1) Parteien neigen im Laufe der Zeit zur Korruption, zu Günstlingswirtschaft und Vetternwirtschaft.  Sie erringen die Macht für sich selbst, für eigene Verwandte und die eigene Familie. Typisch für korruptionsanfällige Parteien sind personengebundene „Systeme“. Wenn ein Mann ganze Parteigliederungen behrrscht, wie dies in Süditalien oft der Fall ist, dann entstehen „Systeme“. „O sistema Rossi“, wie der Neapolitaner sagt: Das System Rossi.

2) Wenn ein solches personengebundenes System entsteht, haben Außenstehende keine Chance. Die Bürger werden nicht mehr gehört, denn sie stören das System. Alle Entscheidungen werden innerhalb des kleinen Führungszirkels getroffen, dessen Hauptzweck es ist, die eigene Macht in Gestalt von Posten, Pöstchen und Mandaten zu sichern.

3) Parteien können sich gegen die Versuchung der Macht wehren. Ein wichtiges Mittel, um Parteien stark und lebendig zu erhalten, ist das Mitgliederprinzip, sind aber auch Mitgliederentscheidungen, wie es die taz heute auf S. 4 berichtet:

 Röttgen soll NRW-CDU anführen: Abrechnung mit dem System Rüttgers – taz.de
Bei einer Beteiligung von knapp 53 Prozent könne parteiintern von Politikverdrossenheit nicht die Rede sein. „Absolut sauber und fair“ sei das „Verfahren“ abgelaufen, betont der Bundesumweltminister – sein Konkurrent Armin Laschet, der bis zur Wahlniederlage der CDU im Mai 2010 Integrationsminister unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers war, sei „nicht zum Gegner“ geworden.

4) Ein anderes wichtiges Mittel sind „selbstlernende Systeme“, also etwa das Modell der „lernenden Volkspartei“, wie es dieser Blogger unerschrocken vertritt. Gibt es solche lernenden Volksparteien? Bei uns in Friedrichshain-Kreuzberg kommen die Grünen meinem Ideal der lernenden Volkspartei nahe. Das muss ich trocken und ohne mit der Wimper zu zucken so konstatieren. Ich darf das, zumal ich ja kein Grünen-Mitglied bin. Beweis? Ihn bringt die taz heute auf S. 23:

Die Berliner Grünen fordern systematisch Bürger und politikferne Menschen auf, sich für die BVV-Listen zu bewerben. Die Grünen fragen systematisch bei Gruppen und Grüppchen ab, wo sie der Schuh drückt. Ich habe als Ehrenamtlicher in verschiedenen Funktionen schon einige Male mit Vertretern der Bezirksgrünen gesprochen. Mein Eindruck insgesamt: Innerhalb von 10 Minuten verstanden sie meine Anliegen, die ich anderen Parteien über Jahre hinweg wieder und wieder vergeblich nahezubringen versuchte. Ob man dann inhaltlich einig wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber der einfache Bürger hat es halt gerne, wenn ihm einer zuhört.

Diese hinhörende, forschende, lernende Grundhaltung sollten die anderen Parteien einfach von Grünen abkupfern und dann den Kampf mit den Grünen um die inhaltlichen Themen aufnehmen.  Es ist alles keine Geheimwissenschaft. Das kann man alles lernen und abgucken. Die heutige taz ist ein Lese- und Lernbogen für Parteien mit Nachholbedarf.

Die Parteien müssen ihre Netze auswerfen, um Menschenfischer zu werden!

Unser Bild zeigt Fischernetze am Strausberg-See, aufgenommen beim Ausflug unserer Schulgemeinde am vergangenen Sonntag.

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Nov. 022010
 

22102010009.jpg Mit anderen Radfahr-Aktivisten diskutierte ich gestern die Frage der Falschparker, die uns Radfahrern so oft den Platz wegnehmen und auch ein brandgefährliches Unfallrisiko darstellen. Mein Standpunkt:

Ich denke, wir brauchen wirklich eine breitenwirksame Botschaft, ausgerollt
über alle Massenmedien, an Radfahrende und Autofahrende zu diesem Thema und
zu anderen Themen, etwa des Inhalts: „Autofahrer, achtet stets auf von
hinten kommende Radfahrer!“  „Radfahrer, haltet stets einen seitlichen
Mindestabstand zu parkenden Autos.“ „Verkehrsplaner, legt Radstreifen so an,
dass der seitliche Abstand zu parkenden Autos Sicherheit ermöglicht!“

Die bisher angelegten Radfahrstreifen bieten häufig zu wenig Raum, um diesen
notwendigen Seitenabstand zu parkenden Autos zu halten – übrigens auch in
„unserer“ Großbeerenstraße hier in Kreuzberg (die Namensgleichheit zur
Potsdamer Großbeerenstraße ist zufällig.)

Ferner bin ich der Meinung, dass der Staat die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung durchsetzen darf und durchsetzen soll, bei Autofahrern ebenso wie bei Radfahrern.

In Spiegel online fordert soeben Holger Dambeck eine „Radlerethik“. Sehr guter Vorschlag. Man könnte auch von einer Ethik des Radfahrens sprechen.

Ethik – das ist die Lehre vom guten und richtigen Verhalten. Und so etwas brauchen wir. So etwas sollten Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger zusammen ausarbeiten.

Pedalritter: Allein unter Kampfradlern – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto
Als Gedankenstütze wäre eine Radlerethik durchaus sinnvoll – und auch fürs Selbstverständnis. Was sollte darin stehen? Zum Beispiel, dass man Fußgänger nicht bedrängt oder belästigt, wenn man schon verbotenerweise über den Gehweg rauscht. Und dass man rote Ampeln nicht einfach ignorieren sollte.

 Posted by at 11:52
Nov. 012010
 

Industrie fordert verpflichtendes Kita-Jahr – Nachrichten Print – DIE WELT – Politik – WELT ONLINE
„Für Kinder mit Migrationshintergrund ist der Kindergarten die erste und entscheidende Instanz für gelingende Integration“, begründete der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages seine Forderung.

Ehe am Mittwoch der Integrationsgipfel beginnt – noch ein kleiner Zwischenruf des Kreuzberger Bloggers! Was die Vertreter der deutschen Industrie zum Thema Integration im Vorfeld gesagt haben, unterstütze ich voll und ganz.

Mit einem ganz gewichtigen Caveat jedoch. Ich meine:

Die erste, die entscheidende Instanz der Integration ist für Kinder die Familie. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Da beißt auch die „Sendung mit der Maus“ keinen Faden ab.

Für Erwachsene ist die erste und entscheidende Instanz der Integration die Arbeit.

Erst wenn Familien sich integrieren, kann auch das Kind sich integrieren. Die Vorstellung, man könnte Integrationspolitik über die Kita und die Schule an den Familien vorbei oder gar im Rücken der Familien  führen, leitet in die Irre!

Wenn die Familien keine Integration wollen, wird sie auch über die Kita nicht gelingen können. Das ist meine feste Überzeugung, die ich aus zwei Jahrzehnten Kreuzberg und Tausenden von Begegnungen mit Migranten schöpfe. Die Politik und die Fachwelt und wir alle stochern im Nebel. Aber diese wenigen Einsichten, wie ich sie hier darlege, bin ich bereit noch vor den klügsten und gelehrtesten Fachpolitikern und Wissenschaftlern zu vertreten.

Es gibt nur sehr wenige Politiker, die mit mir diese feste Überzeugung teilen. Badr Mohammed etwa gehört dazu, er hat mir öffentlich bei einer Diskussionsveranstaltung zugestimmt. Wir sind der Überzeugung, dass den Familien die Schlüsselrolle bei der Integration zukommt.

Ich weise ferner noch einmal auf unser Modell „Eltern als Teil der Schulgemeinschaft“ hin, wie es auch die Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksschulstadträtin Monika Herrmann zu bevorzugen scheint. Dieses Modell gilt es zu studieren und mit Leben zu erfüllen.

Ich halte die Verzahnung von Kita/Schule und Familie, die Verzahnung von deutschen und migrantischen Familien für die alles entscheidende Stelle, über die die Integration der Kinder gelingen wird.  Dazu bedarf es der Verzahnung und Vermittlung, der Übersetzung in und zwischen den Familien und den Schulen.

Die Familien müssen den Hauptanteil der Integration leisten – ohne staatliche Gelder, weitgehend ohne Sozialarbeiter, unbezahlt und nicht professionell, sondern aus Zuneigung und Gemeinsinn.

Wenn die deutschen und die zugewanderten Familien sich einander öffnen, werden all die Integrationsprobleme in ein bis zwei Jahrzehnten überwunden sein.

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Nov. 012010
 

besterhaltendste-31102010024.jpg… fanden wir gestern auf einem herrlichen Radausflug von Schülern, Eltern und Lehrern in Strausberg! Der Ausflug hätte unter dem Leitwort stehen können:  „Eltern als Teil der Schulgemeinschaft“.

In der Tat: Wenn alle Familien einer Schule jeden Sonntag etwas gemeinsam unternähmen, entstünde eine echte Schulgemeinde, die Kinder fänden zusammen, all die vielbeschrieenen Nöte flögen fort, als wären sie ein staatlich subventionierter Dauer-Albtraum misslingender Integration!

Da würden sich aber meine bevorzugten Mitstreiterinnen in der Friedrichshain-Kreuzberger Schulpolitik gefreut haben. Wer mag das wohl sein? Ratet!

Aber ist es richtig gutes Deutsch, was ich auf der Stadtmauer der Stadt Strausberg las: „Das besterhaltendste Teilstück der Stadtmauer …“ Was hätte Karl Kraus dazu gesagt?

Vor den Schwierigkeiten der deutschen Sprache sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken. Das wäre eine Vogel-Strauß-Politik, die uns nicht weiterhülfe.

Übrigens:

Das besterhaltene Teilstück der Berliner Mauer befindet sich in unserem Doppelbezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

Das trotz gelegentlicher Beschmierungen sorgfältig zu erhaltende Teilstück findet man längs der Mühlenstraße.

Möge es weiterhin ein gut erhaltenes, ja wohl das besterhaltene Teilstück der Berliner Mauer bleiben!

 Posted by at 20:10
Nov. 012010
 

Schlimme Sache – gestorben, weil ein unachtsamer falschparkender Autofahrer die Autotür öffnete. Mein Beileid!

Ich muss sagen, dass ich in den all den 40 Jahren glücklichen Radfahrerlebens nur einen Unfall hatte: Ich prallte gegen eine sich plötzlich öffnende Autotür, direkt vor der SPD-Bundeszentrale in der Wilhelmstraße in Kreuzberg, stürzte, rappelte mich aber sofort wieder auf, und zufällig kam kein Auto hinter mir drein gefahren.-

Kreuzbergs Wilhelmstraße – das ist eines der berüchtigten Nadelöhre, wo Radfahrer und Autofahrer durch eine völlig falsche Verkehrsführung neben den parkenden Autos eng aneinander gepresst werden! Mitten in Kreuzberg! Direkt vor der Bundeszentrale der SPD!

Dann bekam ich noch Beschimpfungen der Autofahrerin: „Sie müssen aber auch aufpassen!“ Aber es war nur der Schock der Autofahrerin. Ihr war klar, dass sie Schuld gehabt hätte, wenn ich überfahren worden wäre. Wir besprachen die Sache sofort vor Ort, versöhnten uns, umarmten uns zum Abschied, und ich radelte unverletzt weiter.

Seither halte ich stets einen mindestens 1 Meter großen Sicherheitsabstand an parkenden Autos.

Ich meine: SPD-Bundeszentrale, Kreuzberger Bezirksgrüne und  alle, die Verantwortung tragen, sollten derartige Nadelöhre wie an der Wilhelmstraße entschärfen.

Derzeit wird dort gebaut. Mal kucken.

Radfahrer ist gestorben – Märkische Allgemeine – Nachrichten für das Land Brandenburg

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Ich fordere größere Klassen und ein Streichkonzert bei Sozialausgaben und Bildungsforschung!

 Geld, Gute Grundschulen, Sozialstaat, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für Ich fordere größere Klassen und ein Streichkonzert bei Sozialausgaben und Bildungsforschung!
Nov. 012010
 

„Ja sind Sie denn verrückt geworden, werter Herr Blogger, Herr Hampel! Berlins Kitas, Berlins Schulen werden systematisch kaputtgespart, der rot-rote Senat vernichtet durch seine Kahlschlagpolitik Bildungschancen für die Kinder. Die Kinder lernen deswegen aus Geldmangel schon gar kein Deutsch mehr, die Schultoiletten sind aus Geldmangel in einem erbärmlichem Zustand, die Kinder bekommen alle deswegen Blasenentzündungen, es gibt keine Sportplätze, überall fehlen aus Geldmangel Turnhallen, ohne eine Halbierung der Klassengrößen bzw. eine zweite Lehrkraft in jeder Klasse werden wir auf keinen grünen Zweig kommen! Berlin braucht doppelt soviele Lehrer, doppelt soviele Erzieherinnen, aber dieser unfähige Senat hat kein Geld dafür! Sie sind verrückt, wenn Sie diese Zusammenhänge leugnen, werter Herr Hampel!

Na, ich kenne diese Melodie – diese Arien kann ich vorwärts und rückwärts singen, da könnt ihr mich um 12 Uhr mittags (also in exakt 21 Minuten) aus dem Büroschlaf wecken.

Strukturdebatten und Finanzdebatten in der Berliner schulpolitischen Debatte sind in der Tat außerordentlich langweilig, außerordentlich einschläfernd. Das Repertoire der Argumente ist sehr beschränkt, die Argumente sind alle mit Pauken und Trompeten orchestriert und klingen einstudiert  – einen kleinen Klavierauszug habe ich hier oben gebracht.

Einen trefflichen Beleg für meine Diagnose, dass Berlins Landespolitik im Wesentlichen eine Ressourcenumverteilungspolitik ist, liefert heute für den wichtigen Bereich Schulpolitik die Berliner Morgenpost auf S. 11:

Vorgezogene Einschulung – Gymnasien müssen noch mehr Schüler aufnehmen – Berlin – Berliner Morgenpost – Berlin
Die Berliner Oberschulen stehen vor einem eklatanten Problem: Sie müssen zum Schuljahr 2011/12 wesentlich mehr Grundschüler aufnehmen als in den Jahren zuvor. Grund dafür ist das vorgezogene Einschulungsalter vor fünf Jahren. 2005 wurden auch Kinder mit fünfeinhalb Jahren eingeschult, was dazu führte, dass fast ein doppelter Jahrgang in die ersten Klassen drängte. Jetzt sind diese Kinder in der sechsten Klasse und stehen vor dem Übergang an die Oberschulen.

Zum Sachstand: Es fehlt in Berlins Schulen an Geld, an Lehrern, an Räumlichkeiten.  Es fällt zuviel Unterricht aus. Es fehlt an den genannten Ressourcen.

Diese  vorhandenen Ressourcen lassen sich nicht vermehren. Nicht mit Geld und nicht mit guten Worten. Vor allem fehlt es an Nachwuchslehrern (auch an Erziehern fehlt es).

Was tun? Meine Antwort: Die vorhandenen Ressourcen müssen effizienter verwendet werden. Die einzige Stellgröße, die dafür möglich ist, ist meiner Meinung nach der Klassenschüssel.

Ich meine: Die gegenwärtigen Klassenfrequenzen müssen vorübergehend quer durch die Schulbank um etwa 5-6 Schüler pro Klasse erhöht werden, dann wird das Geld reichen, dann werden die Lehrer ausreichen, dann werden die Räumlichkeiten ausreichen. Die vorübergehende Erhöhung der Klassenfrequenzen um fünf bis sechs Schüler ist vorerst das einzige Mittel, um den vorhandenen fürchterlichen Verteilungsk(r)ampf, der die Berliner Schulpolitik prägt, friedlich zu beenden.

Ich sehe keinen anderen Weg. Ob nun 22 oder 28 Schüler in einem Raum arbeiten, macht keinen qualitativen Unterschied.  Es gibt meines Wissens keinen wirklich triftigen Beleg für die Behauptung, dass eine Senkung der Klassenfrequenzen zu besseren Lern-Ergebnissen führt.

Ich gebe zu: Schön wären Klassenfrequenzen von etwa 10-12 Schülern in allen Stufen und allen Schularten. Aber die sind nicht finanzierbar, denn dann würde der gesamte Berliner Landeshaushalt ausschließlich für die Bildung draufgehen. Dann müsste man einen großen Teil der sonstigen Ausgaben streichen.

Die fast komplette Streichung der Ausgaben für Bildungsforschung wäre Teil meines Maßnahmenkatalogs. Bei der Bildungsforschung herrscht eine geradezu unfassbare Ressourcenverschwendung.

Wichtig wären auch kleine, bösartige, aber äußerst wohltuende Operationen wie etwa die komplette Streichung aller Sozialleistungen für alle gesunden Personen von 16-40 Jahren. Allein diese Maßnahme würde bei den Schülern Wunder bewirken! Sie hätte einen  Schneballeffekt sondergleichen. Wie ein Schreckensruf würde sich die Kunde verbreiten:

„Wir müssen in den Familien unseren Lebensunterhalt selbst erarbeiten, sobald wir die Schule verlassen! O Jammer! O Graus! Das würde ja bedeuten, dass wir schon mit 16 Jahren Deutsch in Wort und Schrift können müssen! Das würde ja bedeuten, dass wir bereits mit 16 Jahren die vier Grundrechenarten beherrschen müssen! O Jammer! O Graus! Welche Härte!“

Wer bringt den Mut dazu auf?

Die Familien und die Schüler werden diese Zusammenhänge einsehen lernen. Statt ständig nach mehr Geld und „besserer Unterrichtsqualität“ zu greinen und zu jammern, werden sie zusammenrücken – und sie werden sich abstrampeln.

Die Familien werden erkennen, dass sie selber den Hauptteil der Arbeit beim Spracherwerb leisten müssen. „Die Eltern müssen mehr tun.“ So hat es ja auch in aller wünschenswerten Bösartigkeit unser Bezirksbürgermeister Dr. Schulz klipp und klar angesagt. Bravo! Bitte mehr solche klaren Ansagen!

Bitte seid etwas böser zu uns Bürgerinnen und Bürgern, oh Politikerinnen und Politiker!

Die Schüler werden erkennen, dass sie die Toiletten selber sauberhalten müssen, statt sich über imaginäre und echte Blasenentzündungen zu beschweren.

Der Senat wird erkennen, dass er mit Geld und guter Laune den Schülern die Arbeit des Lernens nicht abnehmen kann.

Weniger ist mehr!

 Posted by at 12:41
Nov. 012010
 

Ein heute weithin verkannter, fähiger Strukturpolitiker war der Fürst Potemkin. Die meisten Hochgebildeten (also etwa alle Leser dieses Blogs) werden wohl noch den Ausdruck „Potemkinsche Dörfer“ kennen. Er führte seiner Chefin auf einer Schiffsfahrt („Lower Volga Cruise“, würde man heute auf Deutsch sagen) am Unterlauf der Wolga sauber hergerichtete, wohlhabende Dörfer vor, mit denen er die Tauglichkeit seines Strukturentwicklungs-Masterplans „Untere Wolga“ beweisen wollte.

Allerdings waren die Dörfer noch nicht so weit. Vieles war aufgehübschte Fassade, hinter denen die Bauern weiterhin ein dürftiges Leben, geprägt von echtem Hunger, echter Armut, echter Unterdrückung führten. Es gab weiterhin noch echte Armut, echte Unterdrückung, echte Armut in Russland, auch wenn Potemkin und seine Chefin, die Zarin Katharina (deutschen Migrationshintergrundes, 1. Zuwanderungsgeneration) mit den richtigen Grundeinsichten mühsam und langsam die Lage gegen die Besitzstandsverwalter, die mancherley adeligen Faulenzer des weiten Lands der Reussen, zu bessern versuchten.

Ich bezeichnete den jüngsten Kiezrundgang durch migrantische Sozialkieze mit Senatorin Junge-Reyer als Fassadentheater, als „Potemkinschen Kiezrundgang“. Zu Recht?

Ich habe von Dutzenden solchen Kiezrundgängen gehört und an einigen wenigen auch teilgenommen. Seither winke ich meist ab. Denn bei diesen Kiezrundgängen geht es häufig darum, echte Armut, echte Unterdrückung, echten Hunger nachzuweisen. Es gelingt nie. Es gibt keine echte Armut, keine Diskriminierung, keine Unterversorgung  der migrantischen Sozialkieze. Sie leben ganz im Gegenteil in üppiger Überversorgung.

Was tun? „Die Armut ist nicht so sichtbar!“ So beteuern dann gerne sorgsam ausgewählte Sozialarbeiter, sorgsam ausgewählte Lehrer, sorgsam ausgewählte Migrantenverbandsvertreter und mancherley Besitzstandsverwalter des neuen Sozialadels. Und verlangen mehr Geld für sich selbst und ihr Schäfchen.

Drei Mal laut gelacht, kann ich da nur sagen!

Ich stehe weiterhin zu dem Ausdruck „Potemkinsche Kiezrundgänge“ – cum grano salis jedoch!  So wie Fürst Potemkin versuchte nachzuweisen, dass es keine Armut, keine Unterdrückung in Russlands Dörfern mehr gebe, bemühen sich die heutigen Günstlinge des herrschenden Geldumverteilungssystems nachzuweisen, dass es Armut, Unterdrückung und Hunger in den migrantischen Sozialquartieren gebe.

Eines der Hauptprobleme der heutigen Berliner Landespolitik ist die jahrzehntelange Überversorgung mit Ressourcen. Die Berliner Landespolitik ist bis zum heutigen Tage in der Tat über die weitesten Teile nichts anderes als eine riesige Geldumverteilungsmaschinerie.  Das gilt sowohl für den Osten wie für den Westen. Bereits die Hauptstadt der DDR war unvergleichlich überversorgt im Vergleich mit dem Rest der Republik. Ob Fahrradventile, Fußbälle, Fertigbauteile, Fressalien aus dem Westen – wenn es nirgendwo in den Kaufhallen der ganzen Republik so etwas gab – in der Hauptstadt konntest du es bekommen!

Gleiches galt für den Westen Berlins!  Im Dienste der Freiheit wurden hier riesige Kolonnen an Geschenke-Empfängern herangezogen. Darunter der hier Bloggende, der arme Mann aus Kreuzberg. Denn auch ich war als studentische Hilfskraft an der FU Berlin Nutznießer der „Berlin-Zulage!“ Ich erhielt wesentlich mehr Geld als meine Berufskollegen in den anderen Bundesländern – für dieselbe Arbeit!

Und ich nutzte die niedrigen Kreuzberger Mieten aus, wohnte für 70 DM pro Monat in der herrlichen Hornstraße, einer der ersten verkehrsberuhigten Zonen des Bundeslandes Berlin!

So züchtet man über Jahrzehnte seine Truppen heran. Besser: Man verwöhnt sie, um sie dann als treues Stimmvieh für eigene Zwecke einspannen zu können.

Nirgendwo finden sich in Berlin Hungernde, Arme, Unterdrückte. Was tun? Siehe oben!

Man sagt halt: „Die Armut ist nicht so sichtbar!

Ach was. Grotesk, lächerlich, eine Komödie. Bitte Vorhang fallen lassen zu diesen langweiligen Jammerarien!

Ist man arm, wenn man die Ferien nach dem jeweils billigsten Flugangebot von Ryan Air planen muss?

 Posted by at 11:19
Okt. 302010
 

Na ja – ich nutze zunehmend auch die weniger befahrenen Seitenstraßen. Es ist ruhiger, man wird besser gesehen.

Verkehrsunfälle: „Die Berliner Fahrradwege sind eine Katastrophe“ – Verkehr – Berlin – Tagesspiegel
Das Hauptproblem sind versteckte Radwege

Die Lösung aller Probleme könne das aber nicht sein. Aus Sicht von Glowalla ist weniger das Unvermögen der Autofahrer und Fahrradfahrer die Ursache der Unfälle, sondern die vielfach schlechte Sicht auf die Fahrradwege: „In Berlin ist der Radweg häufig einen Meter oder mehr neben der Fahrbahn, dazwischen sind womöglich noch ein paar Hecken oder parkende Autos. Dann kann der Autofahrer den Radfahrer gar nicht sehen, selbst wenn er sich umdreht.“ Selbst geübten Autofahrern könne es deshalb passieren, dass sie zwar über die Schulter schauen, dann aber trotzdem scharf bremsen müssen. „Diese Fahrradwege sind eine Katastrophe“, sagt Glowalla.

Damit liegt der Verbandsvorsitzende auf einer Linie mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Berlin. Auch der ADFC fordert weniger eine verbesserte Ausbildung für Fahrschüler, sondern die Fahrradwege auf die Straße zu verlegen, um die Radler in das Blickfeld der Autofahrer zu rücken. „Die Infrastruktur muss so sein, dass alle die Chance haben, sich sofort zu sehen“, sagt die Vorsitzende des Landesverbands Berlin, Sarah Stark.

 Posted by at 23:56

Amartya Sen fordert: „Gleiche Rechte für die Immigranten wie für ethnische Deutsche!“

 Antideutsche Ideologie, Rechtsordnung, Willkommenskultur  Kommentare deaktiviert für Amartya Sen fordert: „Gleiche Rechte für die Immigranten wie für ethnische Deutsche!“
Okt. 302010
 

Gleichberechtigung für Immigranten und ethnische Deutsche fordert Amartya Sen in der November-Ausgabe des Cicero (S. 86). Sen verlangt also, dass einem Zuwanderer aus Polen, Rumänien, Libaonon usw. die gleichen Rechte zustehen wie einem hier geborenen Deustchen. ABER! Das würde wohl bedeuten, dass jeder Zugewanderte dieselben Schulen besuchen darf, dieselben Berufe ergreifen darf, dieselbe Gewerbefreiheit genießt, dieselben Bücher ausleihen darf wie alle anderen Bürger auch.

Und genau DIES ist DER FALL! Wir haben doch die absolute Gleichberechtigung der Zugewanderten – im Gegensatz zu Ländern wie Libanon oder Indien trifft das deutsche Rechtswesen keine Unterscheidung zwischen ethnischen Deutschen und eingebürgerten Deutschen. Von wenigen Dingen wie etwa dem Wahlrecht abgesehen, haben alle hier Wohnenden dieselben Rechte. Alle Menschen mit deutscher Nationalität haben exakt die gleichen Rechte.

Ist es gerecht, dass die Schulen im sozialen Brennpunkt wesentlich mehr Geld bekommen, wesentlich kleinere Klassen haben als die anderen Schulen?

Ich würde sagen: Nein, es ist nicht gerecht, es widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz, dass manche Bevölkerungsteile so eklatant bevorzugt werden wie unsere Immigranten.

Trotz dieser Ungleichbehandlung erfüllt die Bundesrepublik Deutschland die Forderung Amartya Sens bereits heute vollumfänglich. Das sollte man ihm einmal sagen!

Gutes sagt er zum Thema Gerechtigkeit! Er greift dazu auf eine Familie zurück: Welches der Kinder bekommt die Flöte? Das erste Kind hat sie hergestellt, das zweite Kind kann sie als einziges Kind spielen, das dritte Kind hat außer der Flöte keine anderen Spielzeuge.

Wem gehört die Flöte? Was ist gerecht?

Ich meine: Die Eltern müssen dafür sorgen, dass jedes Kind die Chance erhält, Flöte zu spielen.  Das Eigentum an der Flöte würde ich  bei der Familie belassen und es erblich als Familieneigentum festschreiben. Den Besitz hingegen, also die dingliche Verfügungsgewalt würde ich dann demjenigen Kind zusprechen, das die Flöte spielen kann.

Werden Einkünfte durch die Flöte erzielt, würde ich die Kinder durch sittliche Bildung dahin erziehen, die Einkünfte nach den Grundsätzen der Geschwisterliebe aufzuteilen.

Cicero – Magazin für politische Kultur

 Posted by at 22:05
Okt. 302010
 

Gute Sache, diese Kiezrundgänge, von denen Ralf Schönball heute im Tagesspiegel auf S. 7 berichtet. Bei solchen Rundgängen wird man freilich niemals mit der Realität der Bewohner in Kontakt kommen. Potemkinsche Spaziergänge sind das!

Die Realität wird man nur über uns migrantische Familien im Alltag kennenlernen, etwa indem man seine eigenen Kinder in die Schulen „im sozialen Brennpunkt“ schickt – wie es dieser Blogger 18 Monate lang getan hat.

Integration gilt in den Augen der meisten weiterhin als eine Leistung des Staates, der viel Geld, viel deutsches Schuldbewusstsein und viel Personal zur Verfügung stellt, damit „die Armut nicht so sichtbar wird“.

Na, irgendwann hat man die Faxen dicke.  Dieser Blogger hat die Faxen dicke mit dem ständigen Anklagen, mit dem ständigen Sich-zum-Opfer-Ausgeben. 400.000 bis 500.00 Euro pro Monat und pro Schule fließen jeden Monat an Sozialhilfe an die Familien im sozialen Brennpunkt! Und dann wird ständig weiter die Hand ausgestreckt!

Es wird darüber hinaus wahnsinnig viel Geld in Projekten, in Sozialhilfe, in allen möglichen Initiativen versenkt. Und dann kommt heraus, dass viele Jugendliche nach 8 Jahren Schule weder lesen noch schreiben können.

Die Schuld daran wird dann den Deutschen in die Schuhe geschoben. Der Staat soll noch mehr zahlen, soll zahlen für Kurse und Cafés. Abartig. Ein Affentheater.

Und wieder einmal ist der Staat, also in diesem Fall die Bundesregierung, schuld, wenn es nicht klappt mit der Integration.  Denn der Bund will von den gewünschten 30 Millionen nur 15 Millionen überweisen. Da wird ein Café auf der Strecke bleiben. Schlimm, schlimm, schlimm!

Meine Diagnose: Die meisten Politiker haben keine Ahnung, wie der Hase läuft. Sie haben das Problem der Überversorgung immer noch nicht erkannt.

Wedding: Junge-Reyer zeigt Abgeordneten Brennpunkt – Berlin – Tagesspiegel
Muss Berlin wirklich auf die Hälfte der rund 30 Millionen Euro verzichten, die der Bund überweist, dann ist auch die Erweiterung der Mensa um ein Café gefährdet, in dem dann Passanten von der nahe gelegenen Mauergedenkstätte einkehren können. Das soll die Schule wieder öffnen. Denn „die Armut hier ist nicht wirklich sichtbar“, sagt Lehrerin Christiane Schweising. Und Ali Bülbül vom Quartiersrat im Viertel ergänzt: „Die sozialen Defizite“ seien das Problem. Ausschluss, Ghettoisierung klingen da mit.

 Posted by at 20:37