Juli 202010
 

Ein harter Brocken, was hier in der Überschrift steht! Dennoch gefällt mir dieser philosophisch-theologische Brocken. Immer wenn ich, der sehr schwach praktizierende, der sehr schlechte Knecht des Christentums mit Muslimen spreche oder mit ihnen bildhaft gesprochen zusammenrumple, wird mir das sofort klar, ebenso auch beim Studium der Hadithe, des Talmud oder der paulinischen Briefe.

Mehr oder minder zufällig finde ich daneben immer wieder Bundesgenossen in dieser Sicht, so etwa seit Jahren in Jacques Attali, oder neuerdings (?) auch in Angelika Neuwirth.

Angelika Neuwirth (FU Berlin) hat sich nämlich aufsehenerregend bei der Tagung „Beyond tradition“ in Münster hervorgetan.  Thema „Aufgeklärte islamische Theologie möglich in Deutschland?“ (FAZ, 16.07.2010, S. 34). Sie sagt,

der Koran sei sowohl in seiner überlieferten Textform als auch in seiner mündlichen Vorform vor allem als „europäisches Vermächtnis, als Auslegung und Neuformulierung bereits bekannter biblischer und nachbiblischer Traditionen zu betrachten. Inhaltlich handle es sich um eine ergebnisoffene Mitschrift von Diskussionen zwischen dem Propheten Mohammed und seinen Hörern. Es gelte demnach, den Koran als europäischen Grundtext in die (westliche) Spätantike-Vorstellung aufzunehmen.

Wow! Das entspricht genau meinem Empfinden, das entspricht genau meinem bildungspolitischen Programm für Berlins Grundschüler. Koran ist also Bestandteil der europäischen Überlieferung ebenso wie frühchristliche Literatur, da sowohl Christentum wie später Islam aus der
Verschmelzung von „Jerusalem“ und „Athen“ hervorgehen.

Welch ungeheure Chance böte sich den Berliner Grundschulen, wenn sie altgriechische, jüdische, islamische und christliche Geschichten in ihren Lesestoff aufnähmen! Ulysses meets Mohammed. THAT is IT. Sie, die Berliner Stadtgesellschaft, erwürbe sich nahezu ewigen Ruhm, wenn sie die unselige Spaltung zwischen muslimischen und nichtmuslimischen („christlichen“) Kindern überwände.

Aber sie tut es nicht. Sie scheut die Grundtexte der europäischen Überlieferung wie der Teufel das Weihwasser.

Koran kann gelesen werden wie die Vorlesungsmitschriften etwa des Aristoteles. Und in der Tat gab es im 11. bis 12. Jahrhundert eine Hochblüte arabischer Gelehrsamkeit, die genau das versuchte – die Synthese koranischen und aristotelischen Wissens.

Spannend, spannend … aber noch nicht Allgemeingut.

Bild: Sowjetisches Ehrenmal für den „Ewigen Ruhm“ in russischer Sprache, Ort: Erkner, Neu-Zittauer Straße.

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Juli 192010
 

18072010002.jpg Recht ernüchternd ist die Lage nach dem Hamburger Volksentscheid über die Schulreform des Senats. Die Befürworter und die Gegner der Reform haben wirklich hervorragend gekämpft, erstklassige Broschüren in die Materialschlacht geworfen. Ich selbst wohnte damals auf dem taz-Kongress einer Diskussion mit Christa Goetsch bei und fand, sie machte ihre Sache gut – vielleicht zu gut.

Viele Gespräche mit Berliner Eltern und Lehrern, vor allem aber meine gerüttelten eigenen Erfahrungen an Berlins staatlichen Schulen haben mich skeptischer werden lassen, was die verbindende Kraft der Grundschulen angeht. Ich war bis zuletzt ein Anhänger des gemeinsamen Lernens – mindestens in den vier Jahren gemeinsamer Grundschule!

Wenn es denn ein echtes gemeinsames Lernen wäre. Wenn es Hand und Fuß hätte. Wie demütigend waren für uns die häufigen Erfahrungen, dass wir die Hausaufgaben unseres Sohnes in der dritten Grundschulklasse nicht mehr verstanden – dabei besitzen wir beide akademische Studienabschlüsse.

Oft wird festgestellt: „Das System Schule und das System Elternhaus passen nicht zusammen. Sie sprechen keine gemeinsame Sprache.“ Das erzeugt Misstrauen auf beiden Seiten. Das Übermaß an nicht bedachten Reformen hat in Berlin zu Verdruss und Verzweiflung an allen Fronten geführt.

Spricht man offen mit anderen Eltern, so wird man sich recht bald das ganze Ausmaß der Verzweiflung eingestehen.

Ole von Beust hat es auch zutreffend bemerkt, dass der Hauptgrund für die Ablehnung der Schulreform darin lag, dass die wahlberechtigten deutschen Eltern ihre Kinder nicht mit den deutlich zurückhängenden Migrantenkindern  zusammensitzen lassen wollen. Früher habe ich diese Haltung versucht zu überwinden, etwa indem ich rief: „Was habt ihr gegen uns migrantische Familien? Kommt zu uns! Wir beißen nicht!“

Heute verstehe ich diese Eltern. Noch bis vor wenigen Monaten hätte ich für die Reform der Hamburger gestimmt – aus wohlerwogenen Gründen. Aber gestern hätte ich wahrscheinlich gegen sie gestimmt. Aufgrund von Erfahrungen.

Not tut jetzt erst einmal Systemkonstanz. Die neue Lernkultur, wie ich sie wünsche, kann sich in jedem System entfalten. Privatschulen und Gymnasien bleiben notwendig als Horte des Aufstiegs für alle, als Horte des Rückzugs vor einer zunehmend bildungsabgewandten Bevölkerungsmehrheit. Kreuzberg, Neukölln und Wedding werden vermutlich ohne Privatschulen in einen noch stärkeren Abwärtsstrudel gerissen, die bildungsnahen Familien werden ohne die Möglichkeit solcher Refugien weiterhin die türkisch-arabisch dominierten Kieze verlassen. Und die türkischen und arabischen Familien müssen aus dem behaglichen Nest der Sozialhilfe herausgedrängt werden. Sobald die Notwendigkeit der Arbeit erkannt wird, werden sie sich selber aus dem Sumpf herausziehen.

Wer dies leugnet und weiterhin nur auf Förderung setzt, lügt sich in die Tasche.

Wir brauchen vor allem eine neue Kultur des Lernens. Mehr Vertrauen in die einzelnen sollten wir setzen. Mehr Vertrauen in die jahrhundertealten Methoden des rhythmischen, des straff aufbereiteten, des übersichtlichen und relativ streng geführten Lernens und Lehrens.

Die neue Lernkultur  braucht nicht einmal mehr Geld oder mehr Ausstattung. Sondern mehr Aufmerksamkeit füreinander. Mehr Liebe, mehr Strenge. Mehr Klarheit.

Bild:  das ehemalige Schulungszentrum der DDR-Staatssicherheit für Auslandsagenten in Gosen. Hier plante im Jahr 2005 ein Investor eine Privatschule samt Internat für hochbegabte Kinder. Unser Bild zeigt den Zustand der Anlage am gestrigen Tag.

Schulreform in Hamburg: Klassenkampf – Ausgang ungewiss – Inland – Politik – FAZ.NET

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Juli 192010
 

19072010013.jpg Nach dem Rad-Training für den am Wochenende bevorstehenden Dresden Race Day, das ich heute auf dem Flughafen Tempelhof absolvierte, erfrischte ich mich im benachbarten Columbiabad. Die einseitige Bevorzugung des Prinzenbades muss ich hiermit widerrufen: Das Columbiabad ist noch gefälliger angelegt, insbesondere die Liegewiesen sind dank in den Boden versenkter stationärer Sprinkler durch üppiges, kräftig sprießendes Grün beteppicht. Da können wir Kreuzberg schwerlich mithalten, selbst wenn die mediale Aufmerksamkeit im Augenblick gleichermaßen auf Columbiabad und Prinzenbad niederprasselt.

Ich konnte mich nicht sattsehen an dem Streifzug eines Falken, der nur wenige Meter von mir entfernt aufsetzte, seinen Ruf erschallen ließ und dann mehrfach von Baum zu Baum schweifte. Einmal kamen wir uns auf 3 Meter nahe, blickten einander in die Augen! Was für eine Begegnung! – Das angehängte Video kann nur einen schwachen Eindruck vermitteln.

Ein Neuköllner Bürger sprach mich an, wir unterhielten uns ausführlich über das Bad: Es ist meist eher schwach besucht, nur am Wochenende wird es sehr voll. Die Falken lassen sich immer wieder hier blicken, aber so nahe wie heute hatte der Badegast, ein freundlicher älterer Herr, sie bisher nie zu Gesicht bekommen. Die Falken erleben das Bad wohl als geschützten Ort, in dem häufig Futter ohne räuberisches Beuteverhalten zu ergattern ist.

YouTube – Der Falke.mp4

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Wider den breiigen Konservatismus der Parteien

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Juli 192010
 

Alles soll so bleiben wie es ist. Jeder soll weiterhin so leben, wie er es gewohnt ist.  Das ist die Quintessenz der Politik im Bundesland Berlin und in vielen Bezirken. Die aus Opportunismus bestandskonservativen Parteien (wozu ich die Grünen, die SPD, die Linke zähle) füttern sich über Jahrzehnte ihre Günstlinge an, holen für sie raus, was rauszuholen ist: Grüppchen, Initiativen, Klüngel, Initiativen ohne Ende.

Ein recht holpriges Merkverslein für diesen Grundsatz breiig-konservativer Politik, worin vor allem die linken und die pseudolinken Parteien Berlins Meister sind, fand ich soeben in Facebook. Lest selbst:

Sie ignorieren Zeiten, übersehen Gegebenheiten,
sie machen weiter wie bisher, denn ändern fällt ihnen zu schwer.
Sie wissen, was nicht geht, was funktioniert, wird ignoriert,
das dünnste Brettchen wird gebohrt,
nichts investiert, nur rausgeholt

Facebook | Gruppe: Wer DIE wählt hat nichts kapiert

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„Die Angst überwiegt alles andere“

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Juli 192010
 

falke-im-columbiabad.jpg Erste Auszüge aus dem Buch von Kirsten Heisig bringt diese Woche der SPIEGEL. Ich kann das bisher aus eigener persönlicher Kenntnis nur bestätigen, was Frau Heisig beschreibt.

Soll man also verzweifeln? Soll man sich gleich umbringen, wie dies Kirsten Heisig – soweit es tatsächlich Selbstmord war – getan hat? Sie scheint in ihrem Buch schwere Vorwürfe gegen die staatlichen Stellen zu erheben. Und mit den „libanesischen“ Clans ist nicht zu spaßen.

Ich meine: Nein, Selbstmord ist keine Lösung. Man darf sich von den jahrzehntelang aufgetürmten Problemen der Zuwanderung, der systematischen Unterwanderung der deutschen Städte und des deutschen Sozialsystems nicht unterkriegen lassen. Wichtig für den einzelnen Helfer ist: Sobald man sich beruflich oder ehrenamtlich mit dem riesigen Problemgebirge „Migration und Integration“ einlässt, muss man sein persönliches Glück anderswo suchen und pflegen. Man braucht einen stabilen Rahmen für sein persönliches Glück. Sonst fressen einen die Probleme auf, da die Öffentlichkeit weiterhin beide Augen fest zudrückt.

Kirsten Heisig: „Die Angst überwiegt alles andere“ – Berlin – Tagesspiegel
Die Kinder, die aus diesen Strukturen stammten, begännen ihre kriminellen Karrieren früh: „Die Mütter (…) überlassen ihre Jungen früh sich selbst, wobei dies nicht auf mangelnde Fürsorge, sondern eher auf kulturelle Traditionen zurückzuführen ist. Söhne sind kleine Männer (…), sie treiben sich im Kiez herum und begehen erste Straftaten. Was geschieht daraufhin? Manchmal wird seitens des Jugendamts eine Familienhilfe eingerichtet. Wegen der Größe der Familien werden bis zu drei Sozialarbeiter benötigt. Deren Bemühungen werden von den Familien häufig abgelehnt.“

Bild: Einer der drei ansässigen Falken im Columbiabad Neukölln, aufgenommen heute

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Kultur,Tradition, Sozialstaat, Zusammenhalt, Wohlstand

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Juli 192010
 

Drogenkuriere im Alter von unter 12 Jahren, Messerstechereien in Schwimmbädern, Drogenhandel in der Hasenheide und in der U-Bahn. Immer wieder schrecken die guten Deutschen in diesen Tagen durch derartige Meldungen aus ihrer hitzebedingten Schläfrigkeit auf. „Wo sind die Ordnungsdienste?“, fragen sich die ruheliebenden Bürger. „Warum kann man diese Täter nicht des Bades verweisen?“

Verfehlt wäre es, hier den einzelnen Tätern die Alleinschuld zuzuschreiben! Hinter dem einzelnen kindlichen Täter steht vielmehr ein dichtgewebtes Geflecht an verwandtschaftlichen und kulturellen Beziehungen. Dieses Beziehungsgeflecht ist hervorragend in den deutschen Staat integriert, hat ihn studiert, kennt die Lücken und Einladungen, weiß, wie man Formulare ausfüllt, was man hineinschreiben muss, um die Segnungen der deutschen Willkommenskultur beanspruchen zu dürfen.

Letztlich sind derartige gewachsene kriminelle Strukturen nur im deutschen Sozialstaat so mühelos zu bewirtschaften! Dass immer wieder einzelne minderjährige Drogenkuriere geschnappt werden, tastet das Überleben des gesamten Clans nicht an. Das intensiv über Jahrzehnte gepflegte Netz besteht weiter. Tradition, Zusammenhalt, Wohlstand – das sind die Schlüsselwörter.

Markus Henninger, ein Mitarbeiter des LKA Berlin, beschreibt in einem längeren Aufsatz recht schön, wie der deutsche Sozialstaat sich als Heger und Mehrer der Kultur anderer Völker beweist. Es ergibt sich: Das über Kinder abgewickelte Drogengeschäft ist ein eleganter Zuverdienst. Die Basis des wirtschaftlichen Erfolges ist und bleibt die Sozialhilfe.

Er schreibt auch, weshalb die deutsche Sozialhilfe so attraktiv auf Zuwanderer anderer Kulturen wirkt:

Durch die Berliner Altfallregelung von 1987 kamen die Betroffenen in den Genuss einer Steigerung der Sozialsätze um 22 % und damit gleichen Sozialhilfesätzen, wie deutsche Staatsangehörige. Damit lagen sie bereits über dem Verdienst eines Professors an der Amerikanischen
Universität Beirut.

Berlin_Araber_Problem – Markus Henninger – Importierte Kriminalität.pdf (application/pdf-Objekt)

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Juli 192010
 

11072010002.jpg Der Mensch ist ein laufendes, ein schwitzendes Wesen. So schildert ihn die Bibel, so schildern ihn die Biologen, so schildern ihn die Sprachen aller Nationen. Unzählbar sind die Redewendungen mit „gehen“. Ça va bien, eh? Es geht gut, oder? Everything goes well.

Minister zu Guttenberg glaubte sich kürzlich entschuldigen zu müssen, weil er nach dem Radfahren mit einem schwitzenden Gesicht im Café Einstein dasaß und zum Afghanistan-Krieg Rede und Antwort stand. I wo, Herr Minister! „Im Schweiße deines Angesichts“, so sollst du dein Brot verdienen. Was ist so schlimm, wenn man schwitzt?

Was ist so schlimm, wenn man zu Fuß geht? Dies hat endlich auch der Senat erkannt. Die Förderung des Fußverkehrs hat er sich zum Ziel gesetzt. Gut so, warum erst jetzt? Ich mache mit! Ich bremse auch für Fußgänger. Das ist doch EHRENSACHE für einen Radfahrer. Es wird schon gehen.

Das gute Miteinander wächst von unten her, vom Prinzip der Subsidiarität: Was du zu Fuß erledigen kannst, erledige zu Fuß. Was du zu Rad erledigen kannst, erledige mit dem Rad. Was du mit der BVG oder dem Taxi erledigen kannst, erledige mit der BVG oder dem Taxi.

Das ist Subsidiarität. Uraltes Prinzip der katholischen Soziallehre 🙂

Bild: Fußverkehrfeindliche Autos im Tegeler Forst, dauergeparkt im absoluten Halteverbot.

Hauptstadt der Fußgänger – Berliner Zeitung
Viele Fußgänger fühlen sich belästigt, weil ihnen Radfahrer die Gehwege streitig machen. Auch dazu soll es ein Projekt geben – eine Kampagne für ein besseres Miteinander. Kenner des Berliner Verkehrs fragen sich allerdings, ob die Nachricht bei allen Radfahrern ankommen wird. Doch einen Versuch wäre es wert, so der Senat.

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Privileg Prinzenbad

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Juli 172010
 

prinzenbad-2.jpg Erneut fechte ich einen entschlossenen Kampf für UNSER GUTES PRINZENBAD. Klickt gleich auf das Werbevideo:

YouTube – Glück Prinzenbad Kreuzberg 16062010.mp4

Manche Presseberichte liefern heute wieder ein einseitiges Bild.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/schwimmbad-nach-schlaegerei-vorzeitig-geschlossen/1885678.htmlEs scheint erneut zu einer Schlägerei unter den arabischen und/oder türkischen Jungs gekommen zu sein. (Ich nenne sie ja lieber „neue Deutsche“). Aber das ist nicht repräsentativ für das Gesamterlebnis Prinzenbad! Gewalt ist besonders unter unseren männlichen Jugendlichen mit arabischer Herkunft ein großes Problem. Ich spreche immer wieder mal mit den Jungs im Prinzenbad. Die meisten sind absolut nett, höflich. Und – komplett alleingelassen. Orientierungslos. Sie leben in der kulturellen Brache. Es kommt mir so vor, als würde sie nie ein Deutscher freundlich ansprechen.

prinzenbad-13062010002.jpg

Die kulturelle Bewertung der Gewalt ist bei den Berliner Arabern, also bei den berühmten „Libanesen-Clans“, eine andere als bei den Türken. Wenn ein Araber einen Türken in der U-Bahn in Neukölln anmacht oder bedroht, wird der Türke in der Regel weggehen. Das ist einfach so. Der Ursprung dafür liegt in den Familien. Der Vater übt gerne Gewalt auf Kinder und Ehefrau aus. Der Einsatz des Messers ist üblich und nicht verpönt. Das ist nun mal in jener Kultur so, ich meine das aufgrund der Berichte von direkt betroffenen Familienmitgliedern so behaupten zu dürfen.

Aber – es ist eine Minderheit, die die Mehrheit einschüchtert. Man darf sich nicht das Bad vermiesen lassen.

Das Beste ist: So etwas ist nicht alltäglich.  Es kommt nur bei Hitze vor. Sobald der Himmel bewölkt ist oder die Luft-Temperaturen unter 23 Grad fallen, ist das Bad weitgehend leer.

Also, ihr Gewaltlosen alle, erobert euch das Prinzenbad zurück! Es ist herrlich für Prinzen und Prinzessinnen.

Hinweis zum Video: Das Problem der verbrannten Grasnarbe wegen Wassersprengens habe ich beim Bezirksamt vorgetragen. Offenbar mit Erfolg. Das Sprengen unter praller Sonne hat aufgehört. Das Prinzenbad ist ein nachhaltig wirtschaftendes Bad.

Alles paletti? Aber klar doch!

prinzenbad.jpg

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Wandle dich!

 Antike, Geige  Kommentare deaktiviert für Wandle dich!
Juli 172010
 

Wandle dich! Jeder der sich selbst immer gleich bleibt, erstarrt. Kaum ein anderes Musikstück liegt mir in diesen Monaten so am Herzen wie die Méditation der Thais aus der gleichnamigen Oper von Jules Massenet. Ich habe dieses Violinsolo mindestens schon 10 Mal vorgetragen, ob in Kirchen, Schulen und Sälen, zuletzt im Kreuzberger Schnittchen bei einer Geburtstagsfeier.

Hier zunächst für alle geigenden Freunde eine wohlfeile Sammelausgabe, die auch dieses Stück in einer Fassung für Violine und Klavier bietet:

Violin Meets Piano. Score and violin part. Zusammengestellt und herausgegeben von Lajos Vigh. Könemann Music Budapest.

Kürzlich in Wohltats Buchhandlung erstanden für € 4,95.

Thais ist eine bekannte Kurtisane im Ägypten des 4. Jahrhunderts n. Chr., die in Liebe zu dem christlichen Mönch Athanael entbrennt. Das schafft erhebliche, dramatische Schwierigkeiten. Heidnische und christliche Parallelgesellschaft treffen aufeinander – mitten in Ägypten. Thais ist hin- und hergerissen. Sie weiß nicht nicht, wo sie hingehört. Nichts ist mehr sicher. Und in dieser Situation – erklärt sie, nichst anderes zu sein als sie selbst. Sie will die bleiben, die sie ist. Hört man die überirdisch schön herabschwebende Zwischenaktsmusik, so erfährt man die verändernde Kraft der Musik. Man wird dieses Thema bei der Wiederkehr ganz anders hören als beim ersten Mal. Dieser innere Kampf in der Seele, der zeigt die Wandlung an. Wandlung, Umkehr, Läuterung – darum geht es in dieser Musik. Das wird sich jedem erschließen. Zuletzt auch den Kindern der Fanny-Hensel-Schule in der St.-Lukas-Kirche.

THAIS (avec un dernier mouvement de
revolte) . 

Non! Je reste Thais, Thais la
courtisane. Je ne crois plus a rien et
je ne veux plus rien. Ni lui, ni toi, ni
ton Dieu!

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Juli 152010
 

Als „medizinische Zeitbombe“ bewerten immer mehr Fachleute die starke Zunahme von Diabetes bei Kindern und Jugendlichen. Zunehmend beobachten Ärzte sogar den üblicherweise spät einsetzenden Typ-II-Diabetes bei Jugendlichen! Diabetes ist mit großer Wahrscheinlichkeit multifaktoriell bedingt, aber Übergewicht spielt mit Sicherheit in den meisten Fällen eine mitauslösende Rolle. Übergewicht im Jugendalter führt in vielen Fällen zum frühen Diabetes.

Erstaunlich: Übergewicht und krankhaft erhöhtes Übergewicht (Adipositas) scheint in den verschiedensten Bevölkerungsgruppen gleichermaßen vermehrt aufzutreten. So liegen die Zahlen für Adipositas bei Jugendlichen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und im Gaza-Streifen in der gleichen Größenordnung. „Jeder achte Schulanfänger war 2008 übergewichtig“ (amtliche Bezirksbroschüre Friedrichshain-Kreuzberg, S. 96). „Von den 19,5% übergewichtigen arabischstämmigen Kindern sind über die Hälfte als adipös einzustufen“ (ebda.).

Als Ursache für Übergewicht wird meist Bewegungsmangel und Fehlernährung angegeben. Diese Vermutung äußert auch die WHO in ihrem amtlichen Bericht über die medizinische Lage im Gaza-Streifen:

However, high prevalence of overweight children was found. In children 10-16 years overweight prevalence is 15.9%. This prevalence is higher in North Gaza District (20.4%) and lower in Rafah District (13.4%). The prevalence of overweight among females is five times that of males: 24.6% compared to 5.4%. At district level, the largest difference between female and males was detected in Gaza District: 30.0% in females and 6.5% in males. A more in depth analysis is needed but the lack of physical activity and poor diet are considered to be a possible reason for these findings.
Iron Deficiency

Gaza Health Assessment (29Jun09).pdf (application/pdf-Objekt)

Diabetes ist eine schwere, chronische Erkrankung, die beim einzelnen Menschen und seinen Angehörigen viel Leid verursachen kann. Bereits heute verursacht Diabetes etwa 20% der Kosten im Gesundheitswesen. Die Volkskrankheit Diabetes steigt derzeit stark an.

Der Anstieg des Diabetes lässt sich teilweise durch gezielte Bewegungsförderung, teilweise auch durch gesunde Kost bremsen. Gesunde Ernährung, reichlich Bewegung vom Kindheitsalter an sind das Gebot der Stunde. Mehr Radfahren, mehr Zu-Fuß-Gehen, täglich 1-2 Stunden Schulsport scheinen mir dringend geboten.

 Posted by at 14:53

Tritt in die Pedale, strample dich ab!

 Tugend  Kommentare deaktiviert für Tritt in die Pedale, strample dich ab!
Juli 152010
 

„Mit jedem Tritt in die Pedale deines Fahrrads verlängerst du dein Leben vor der Demenz um 5 Sekunden. Du reduzierst die Erderwärmung um 0,0000000002 Prozent. Du hellst die Stimmung deiner Mitmenschen um den Faktor 0,007 Prozent auf.“ Flapsige Sprüche … die wenig taugen, oder? Vergesst sie mit aller Kraft!

Denkt bitte jetzt nicht: „Mit jedem Tritt in die Pedale meines Fahrrads verlängere ich mein Leben vor der Demenz um 5 Sekunden. Ich reduziere die Erderwärmung um 0,0000000002 Prozent. Ich helle die Stimmung meiner Mitmenschen um den Faktor 0,007 Prozent auf.“

Aber einen wirklich tollen Clip über das Alltagsradfahren entdeckte ich soeben. Ihn kann ich nur allen Radfahraktivisten WÄRMSTENS empfehlen …  (die letzten Sekunden dienen der Produktwerbung für einen Mobiltelephonhersteller… dann bitte einfach abschalten).

Sell dir vor on Vimeo

 Posted by at 00:08

Une juste fierté

 Integration  Kommentare deaktiviert für Une juste fierté
Juli 142010
 

Großes Fest der Inklusivität am Nationalfeiertag! Man zeigt Farben. Ehemalige Kolonien entsenden Soldaten. Der Präsident zeigt sich mit Behinderten, geht den letzten Abschnitt zu Fuß. Gute Sache! Und dass ein Nichtfranzose die Etappe von Chambéry nach Gap gewonnen hat- sollte ebenfalls Anlass zum Stolz auf das eigene Vaterland zu sein.

Félicitations!

L’info en vidéo – France Télévisions Info

 Posted by at 22:36
Juli 142010
 

Vieles wird übertrieben, nicht alles ist falsch. Hübscher Hintergrundbericht über mein Stammbad, das Prinzenbad. Columbiabad hatte versucht, uns den ersten Rang in der Berichterstattung streitig zu machen: abgeschmettert! Das Prinzenbad ist schöner, großzügiger, weitläufiger.

Übrigens: das Badewasser wird durch eine Solaranlage beheizt. Insofern kann man ohne schlechtes Klimagewissen dort schwimmen gehen. Und wenn’s mal Probleme gibt wie im Columbiabad? Das sagt der Schwimmmeister:

Harte Welle: Bademeister – kein Job für Ängstliche – Berlin – Tagesspiegel
Sonnenbrille abnehmen, Blickkontakt suchen. Dann höflich, aber bestimmt reden. Wer keine deutlichen Ansagen macht, habe verloren.

 Posted by at 12:53