Juli 142010
 

Ein Blick auf Wirtschaftsstatistiken zeigt: Echte, „massenhafte“ Armut herrschte in Deutschland  immer wieder: so etwa in den Jahren 1640-1650 während und nach dem Dreißigjährigen Krieg, 1919-1923, 1946-1947. Meine Vorfahren väterlicherseits zogen nach dem zweiten Weltkrieg mit 25 kg Gepäck und ohne Bargeld in den Westen. Sie waren in der Tat arm. Dennoch hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel, kümmerten sich umeinander. „Erziehungsversagen“ kam ganz selten vor, „aus allen ist etwas geworden“, und schon nach wenigen Jahrzehnten waren sie alle „reich“, gemessen an den Maßstäben von 1946-1947.

Anders heute! Lest:

Berliner Zeitung – Aktuelles Politik – Schröder will Kinder vor Vernachlässigung schützen
Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sprach in der «Welt» von einer dramatischen Entwicklung. Ein immer größerer Teil der Kinder lebe in Armut, und Armut sei der größte Risikofaktor, sagte er. Zu 90 Prozent spielten sich die Fälle, in denen die Kinder aus den Familien herausgeholt werden müssten, im Armutsmilieu ab. «Das Problem des Erziehungsversagens löst man nicht mit mehr Geld, sondern mit mehr Prävention“, sagte Hilgers. Je früher der Staat Eltern und Kindern mit familienergänzenden Hilfen unter die Arme greife, desto größer seien die Erfolgschancen und desto niedriger die Kosten.

Erziehungsversagen ist heute ein massives Problem. Das sehe ich selbst in meinem Umfeld immer wieder. Die Familien zerfallen, halten nicht zusammen, geschweige denn „wie Pech und Schwefel“.

Als eine der Hauptursachen, vielleicht die Hauptursache für das Versagen der Eltern meine ich den Mentalitätswandel und den tiefgreifenden Wandel im Familienbild zu erkennen, dessen Zeuge jeder heute über 50-jährige geworden ist.

Dieser Mentalitätswandel wird befördert durch die verlässliche materielle Absicherung der Existenz jedes Einzelmenschen durch den Staat. Die Familie hat (vorübergehend?)  als wesentliches soziales Sicherungssystem – wie sie das sicherlich über Jahrtausende hin in nahezu allen Völkern war –  ausgedient. „Du brauchst nichts zu machen, die Kinder wachsen von selber auf, das Geld kommt vom Amt.“

So läuft es. Dieses Grundmuster meine ich flächendeckend zu erkennen. Ausbildungsverweigerung, Kriminalität, Drogensucht, Vernachlässigung, all das gab es in kleinem Maße früher in der Bundesrepublik auch. Aber dass es wirklich zu einem „Flächenbrand“ an auseinanderbrechenden Lebensläufen kommt, das ist systemisch bedingt. Untrennbarer Bestandteil dieses „Systemversagens“ ist die Missachtung, die Geringschätzung, ja teilweise die bewusste, ideologisch überhitzte Zersetzung des Familienbildes.

Gesunde, intakte, von persönlicher Liebe zusammengehaltene Familien sind die beste Prävention gegen Misshandlung, Schulversagen, Kriminalität.

Das ist keine Frage des Geldes, sondern eine Frage der Moral oder wie man mit einem treffenden, altertümlich klingenden Ausdruck sagen könnte, der Sittlichkeit.

Ich bin kein Sozialarbeiter, aber ich kenne viele Menschen und spreche mit denen, um die sich Sozialarbeiter kümmern oder kümmern sollten. Nur aus diesen direkten Beobachtungen speisen sich die vorstehenden Betrachtungen.

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„Alle anderen sind nur Flaschen“

 Integration  Kommentare deaktiviert für „Alle anderen sind nur Flaschen“
Juli 132010
 

nicht-nur-flaschen-im-columbiabad-12072010.jpg Assimilation ist kein Verbrechen. Jedenfalls dann, wenn sie von den hier geborenen, hier aufwachsenden Menchen erbracht (nicht erzwungen) wird. Respekt, Assimilation, Erlernen der Sprache – dies alles fordert Bushido aus Neukölln.

Unsere Fotos zeigen den Eingang zum Columbiabad in Neukölln.

columbiabad-eingang-12072010001.jpgIch fuhr gestern dort mit meinem tiefergelegten FENT F85 vorbei, zückte mein E51, schoss vom fahrenden Fahrzeug aus, gab Gummi und zog Leine. Alle anderen sind Flaschen.

Kuckt ma, Jungs: Der Eingang gleicht baulich einem Hochsicherheitstrakt in Stammheim. Mehrfach übermannshoch vergittert, Video-Totalkontrolle. Krass.

Daneben der coole Spruch der Wasserwerke: „Alle anderen sind nur Flaschen.“ Fett! Er erinnert mich an den Spruch eines Jugendlichen aus einer vielköpfigen Kreuzberger Brüderschar von neuen Deutschen, mit dem wir einmal ein Radausflug machten:  „Verkehrsregeln sind doch nur was für Angsthasen.“ Das gibt das Selbstbild der etwa 60 jugendlichen neuen Deutschen zutreffend wider, die am Samstag das Columbiabad unter ihre Gewalt brachten. Ich schließe messerscharf: Es waren messerbewaffnete Mitglieder der berühmten „libanesischen“ Clans, die Schritt um Schritt ihren Einflussbereich ausweiten.

Und das blüht euch, Jungs, wenn ihr nicht schnellstens die Spur wechselt:

12072010002.jpg

Integration: „Ey, Bruder, da ist Bierhoff dran“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Kultur
Natürlich haben wir früher darüber geredet, wo die Väter herkommen, aber das hat keine Rolle gespielt. Wir haben nicht gesagt: Eigentlich kommst du aus Palästina und du aus dem Libanon und der dritte aus der Türkei.

SPIEGEL: Sondern?

Bushido: Wir sind Deutsche. Genauso wie Mesut Özil. Meinen Sie, der hat ernsthaft überlegt, für die Türkei zu spielen?

SPIEGEL: Der Berliner Kevin Boateng spielt auch für Ghana. Der scheint sich anders als Sie nicht so deutsch zu fühlen.

Bushido: Das ist was anderes. Ich kenne Kevin gut. Der hatte beim DFB keine Chance, das war eine reine Karriereentscheidung. Aber der musste auf der Karte erst mal gucken, wo Ghana liegt.

SPIEGEL: Eine Mannschaft mit vielen Migrantenkindern spielt super Fußball, und ein Rapper, den man ebenfalls erst mal nicht für deutsch hält, singt das Lied dazu. Meinen wir das mit multikulturell?

Bushido: Das ist noch gar nichts. Es wird Zeit, dass Deutschland sich auch auf anderen Gebieten, jenseits von Fußball und Pop, wandelt. Wenn wir über Integration sprechen, müssen wir nicht nur über euch Deutsche sprechen, nicht nur darüber, ob ihr uns annehmt. Wir müssen vor allem über die neuen Deutschen reden, die hier leben: Ob die bereit sind, sich zu assimilieren, die Sprache zu lernen, Respekt zu haben.

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Festhalten am Bestehenden – oder den Wandel gestalten?

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Juli 122010
 

11072010004.jpg „Jeder Mieter hat ein Recht darauf, in seinem angestammten Wohnumfeld zu bleiben.“ So lässt sich – nahezu wortgleich mit einem BVV-Beschluss – die Position des Mieterschutzes zusammenfassen, welche etwa die Verfechter des Status quo hier in Kreuzberg (Fanny-Hensel-Kiez) vertreten.

Ein Blick auf meinen Steuerbescheid ergibt, dass meine gesamten Steuern für diesen Bestandsschutz hoch subventionierter Sozialbauten ausgegeben werden. Ich zahle als wackerer Kreuzberger Steuerzahler im Grunde nur für das starre Festhalten am Status quo. Das Land Berlin hat – zu Nutz und Fromm der Machthaber in Politik und Bauwirtschaft –  mehrere Milliarden in stark überteuerte soziale Wohnbauprojekte versenkt und bedient nun noch auf Jahrzehnte hinaus die daraus erwachsenden Verpflichtungen. Für wichtige Themen – etwa Ausbau der frühkindlichen Bildung, Verkleinerung der Klassen, vermehrte Neueinstellung von Lehrern,   Sprachfördung, Ausbau des Radwegenetzes, ganz zu schweigen vom Klimaschutz – fehlt das Geld. Das öffentliche Geld ist ganz überwiegend für Sozialausgaben, für das starre Festhalten am Status quo festgeschrieben.

Ist das nachhaltige Politik? Nein! Das Bundesland Berlin betreibt seit Jahrzehnten keine nachhaltige Politik mehr. Diese erschütternde Einsicht treibt offenbar auch den neuen Finanzsenator Nußbaum um. Noch ist er nicht verzweifelt. Herrliches Interview gestern im Magazin der Berliner Zeitung!

Nachhaltigkeit bedeutet auch die Gestaltung des unabweisbaren Wandels. Hierüber geriet ich meinerseits gestern im tiefen, tiefen Tegeler Walde in tiefsinniges Nachdenken, das heute noch nachwirkt.  Hier könnt ihr in diese Gedanken hineinhören:

YouTube – Nachhaltigkeit und Wandel 11072010.mp4

Bild: Die Dicke Marie, eine etwa 900 Jahre alte Eiche am Tegeler See, der wir jungen Hupfer gestern Respekt zollten.

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Juli 102010
 

09072010.jpg Obwohl selbst symbolisch eher der Kreuzberger Unterschicht angehörend, verfolge ich doch mit Sympathie die Erklärungen und Versuche des Finanzsenators Nußbaum, eines erfolgreichen Unternehmers. Er verwaltet unsere Staatsschulden, die sich auf etwa 21.000 Euro/Bürger belaufen.

Was er in der Berliner Zeitung sagt, entspricht genau meinem Eindruck: Die Reichen und die Wohlhabenden, die Stiftungen der Reichen und Wohlhabenden könnten etwas mehr tun! So habe ich mich erstmals vor einigen Wochen etwa bei einigen Stiftungen darum bemüht, 200.- Euro Honorar für eine Pianistin, die bei unserem Schulkonzert mitwirkte, zu erlangen. Vergeblich. Die ganze Bettelei hat uns außer Zeitverlust nichts gebracht. Wir bezahlen also die Pianisten der Schulkonzerte weiterhin selber. In genau diesen Wochen der vergeblichen Bettelei besuchte ich auch einen noch erträglichen Kongress über „Bürgerschaftliches Engagement“. Des Langen und Breiten wurde von Politikern dort über Freiwilligkeit usw. diskutiert.

Was Nußbaum über die Volksentscheide und Volksbegehren sagt, trifft den Nagel auf den Kopf. Sie richten sich GEGEN etwas (siehe Mediaspree versenken), ohne pragmatisch-politisch Durchführbares aufzuweisen, oder sie verlangen MEHR GELD vom Staat – für zugegebenermaßen durchweg löbliche Zwecke. Dann sollen sie aber auch sagen, wo sie das verlangte Geld wegnehmen. Denn das Bundesland Berlin lebt zu großen Teilen vom Geld der anderen Bundesländer.

Wir halten fest: Die Berliner Bürger verlangen mehr Geld vom Staat. Das Bundesland Berlin – hier vertreten durch den Finanzsenator – verlangt mehr ehrenamtliches Engagement von den Bürgern. Jeder sagt zu dem anderen: Geh du voran!

Bild: Versteppungen auf einer Brachfläche in Kreuzberg, aufgenommen gestern.

Berliner, schaut auf Eure Stadt! – Berliner Zeitung
Der Unternehmer, den der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als Thilo Sarrazins Nachfolger vor anderthalb Jahren aus Bremen holte, bescheinigte den Berlinern eine wenig ausgeprägte Identifikation mit ihrer Stadt. Es gebe zwar ein Mobilisierungspotenzial, erkennbar etwa an den jüngsten Volksbegehren wie „Pro Reli“. Es seien aber oft Initiativen, die sich gegen etwas stellen oder vom Staat etwas forderten. „Ich wünschte mir mehr Bewegungen, bei denen die Menschen selbst etwas in die Hand nehmen und mit ihrem Engagement Verantwortung übernehmen.“

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Juli 092010
 

Etwa 900.- Euro soll die neuartige Bürgerarbeit den Arbeitenden einbringen. Das entspricht nach Kaufkraft und Höhe in etwa dem Lohn eines Arbeiters in der früheren DDR oder in einem der heutigen östlichen EU-Länder. Und es ist nach Kaufkraft und Höhe das 20fache des Betrages, der einer normalen Mutter in Sambia zur Verfügung steht. Das ist viel!

Das Beste daran ist: Die Menschen kommen heraus aus ihrer Strukturlosigkeit. Sie versacken nicht. Sie werden gegrüßt und gebraucht.

Mir fallen gleich eine ganze Menge Arbeiten ein, die jetzt unerledigt bleiben. Beispielsweise kenne ich Familien mit Demenzkranken, bei denen das Einkaufen oder simple Besorgungen schon ein riesiges Problem darstellen. Denn unsere schwer Demenzkranken (ca. 2 Millionen) müssen Minute um Minute betreut werden, 24 Stunden am Tag muss jemand um sie sein. Hier können die Bürgerarbeiter dringend benötigte Hilfe liefern.

Hier um die Ecke vor dem Anhalter Bahnhof findet das Frauenfußballturnier Discover Football statt. Bürgerarbeiterinnen können den Frauen aus Sambia unsere Stadt zeigen, können ihnen zujubeln, sie anfeuern, sie an der Hand nehmen und in ihre Häuser führen. Sie können gemeinsam Lieder singen.

Der Görlitzer Park oder der Viktoriapark in Kreuzberg werden immer wieder von Müll übersät. Hier können die Bürgerarbeiter schnell wieder Ordnung schaffen.

Viele Teilnehmerinnen der Integrationskurse finden keinerlei Möglichkeit, außerhalb des Kurses mit deutschen Frauen zu reden. Bürgerarbeiterinnen können mit ihnen reden. Können auf Kinder aufpassen, Kochrezepte austauschen.

Einige migrantische Familien hier haben 10 oder 12 Kinder, die Väter sind meist verschwunden. Hier können deutschsprachige Bürgerarbeiter Nachmittage organisieren, können die Kinder zu Stadtwanderungen einladen, ihnen zeigen, wie ein Berg oder ein Wald aussieht.

Werdet Schmiede des Glücks! Was in Bad Schmiedeberg gelungen ist, wird auch in Kreuzberg, Wedding, Augsburg oder Tutzing am Ammersee gelingen.

Die Bürgerarbeit ist ein Dienst am Menschen, an den Menschen, die unsere Gesellschaft bilden  – vor allem an den Menschen, die ungewollt in Arbeitslosigkeit geraten sind. Es wird ihnen besser gehen, wenn sie einen solchen Platz ergattern!

Bild: „Discover Football“ heute in Kreuzberg.

Statt Hartz IV: 34.000 Plätze für Bürgerarbeit | meta.tagesschau.de
09.07.2010 – 21:24 — Bigbyte

Anmerkungen eines Hartz4-Beziehers…

Ich bin aufgrund einer seit mehreren Jahren bestehenden Depression Bezieher von Hartz4.
Sollte dieses Vorhaben der Regierung wirklich umgesetzt werden, so kümmert mich der Verdienst von 900 Euro brutto rein garnicht. Ich hoffe, es gelingt mir dann, eine dieser Stellen zu „ergattern“.
Was nämlich nicht mit Geld aufzuwiegen ist, ist der Umstand, sich endlich wieder (zumindest teilweise) als gewolltes Mitglied dieser Gesellschaft zu fühlen.
Niemand, der sich nicht in der gleichen Situation befindet, kann auch nur im Entferntesten nachempfinden, was es heißt, sich wie das allerletzte Subjekt zu fühlen.
Ich wünsche jedem der Kommentatoren, die die wirkliche Situation von Hartz4-Empfängern bagatellisieren, dass er niemals in die Lage kommt, davon und damit leben zu müssen.
Auch hege ich keinerlei Neid auf Besserverdienende. Ich erkenne den Leistungsgedanken durchaus an, aber Leistungsbereitschaft reicht in diesem Land längst nicht mehr aus.
Und glauben Sie mir, ich habe in meinem Leben grundsätzlich niemals geplant, auf Ihre Kosten leben zu müssen.

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Ein Helmbruch tut nicht so arg weh

 Fahrrad  Kommentare deaktiviert für Ein Helmbruch tut nicht so arg weh
Juli 092010
 

„Der Helm ist die preiswerteste Lebensversicherung, die du als Radsportler abschließen kannst. Alles andere ist leichtsinnig.“ So der ehemalige Rad-Profi Jörg Ludewig in der aktuellen Ausgabe  von Roadbike (Juli 2010, S. 43).

Da fällt mir ein: Erst in den letzten Wochen traf ich zwei Berliner Alltagsradfahrer, die nach einem Sturz bzw. einem Aufprall die Zerstörung ihres Fahrradhelms zu beklagen hatten. Aber – sie beklagten sich nicht! „Der Helm ist hin – zerbröselt, ich hatte einfach den Pfosten nicht gesehen“, erzählte mir erleichtert ein Jugendlicher. Wieso war er „erleichtert“? Ein wirklich sehr guter, renntauglicher Helm kostet laut aktuellem Roadbike-Test ab 70 Euro aufwärts! Für einen Jugendlichen ist das doch ein herber finanzieller Verlust.

Ich erklär mir das so: Diese beiden Berliner Alltags-Radfahrer waren offenkundig erleichtert, dass ihr Kopf nicht den helmzerstörenden Aufprall ungemindert abzufangen hatte. So ein „Helmbruch“ tat ihnen offenkundig nicht weh. Der „Helmbruch“ war ihnen offenkundig lieber als der „Schädelbruch“. Und ehrlich gesagt: Darin verstehe ich sie.

Helme – roadbike.de

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Ad fontes!

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Juli 092010
 

Reichen wir hier noch den Fundort für unsere Wendung „callida junctura“ samt Übersetzung in unser Englisch, unsere Mischmasch-Sprache nach:

 The Routledge Dictionary of Latin Quotations: The Illiterati�s Guide to Latin Maxims, Mottoes, Proverbs, and Sayings | BookRags.com
dixeris egregie notum si callida verbum reddiderit junctura novum

you will have spoken well if, by skillful arrangement of your words, you have made the ordinary seem new

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Juli 092010
 

Klasse Wendung: „Opportunistische Wut“. Geklaut haben wir diese listige Fügung, diese callida junctura, wie dies Gevatter Horaz nannte, bei einem Instant-Blog, das sich zeitgemäß „Einminutentexte“ nennt.

Opportunistische Wut – jeder Redner muss sie beherrschen, jeder Redner muss sie zu entfachen wissen! „Wohlfeile Empörung“ über alles mögliche gefällt mir auch, aber diese Fügung ist schon zur stehenden Wendung geworden. Wut oder Empörung über alles mögliche – über Privatschulen oder Einheitsschulen, über Radfahrer oder Autofahrer, über Atomkraft oder Solarstromubventionen, über die A 100 oder die JüL – der Gegenstand dieses künstlichen Sturms ist stets zweitrangig. Wichtig ist: Man muss fest daran glauben – dann werden irgendwann auch andere daran glauben.

einminutentexte.de
Bis zum Februar 1975. Da besetzten Bauern, Winzer und Jäger den Bauplatz für das oberrheinische Kernkraftwerk Wyhl. Und in ihrer hohen opportunistischen Wut schwenkten die Intellektuellen um – auf einen erbitterten Protest gegen den Atomstaat.

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Nachhaltigkeit von der Person her wachsen lassen!

 Grünes Gedankengut, Ökologie, Personalismus  Kommentare deaktiviert für Nachhaltigkeit von der Person her wachsen lassen!
Juli 082010
 

Als erklärtem Umweltschützer liegt mir stets an einem guten Verhältnis zur Partei Die Grünen. Denn in der Tat war es die Partei Die Grünen, die dem Natur- und Umweltschutz  größeres Gewicht in der Hierarchie politischer Ziele verschafft hat.

In manchen Zielen, in manchen  Methoden weiß ich mich völlig im Einklang mit den Grünen: Förderung des Fuß- und des Radverkehrs, Schutz seltener Pflanzen- und Tierarten, Förderung der regenerativen Energien.

Aber bei den Diskussionen mit den Grünen zeigt sich immer wieder auch der Unterschied zwischen den Grünen und einem stärker von der Person her denkenden Politikverständnis, wie ich es bevorzuge. Mein Politikverständnis geht von der Person aus. Was bedeutet das? Klimaschutz ist wichtig. Jeder kann etwas beisteuern. Ein Bürgermeister, der auf den Dienstwagen verzichtet und stattdessen Rad fährt, ist vorbildlich.  Aber die Grünen pflegen darüber hinaus ein staatsverquicktes, vom lenkenden Staat ausgehendes Politikideal. Der Staat schreibt also etwa ein übergeordnetes Klimaschutzziel vor: 50% CO2-Einsparung bis 2020, gemessan an 1990. Dieses Einsparungsziel wird dann von „oben nach unten“ durchgereicht. Was der einzelne tut, ist zweitrangig, solange nur das übergeordnete Ziel erreicht wird. Ein solcher lenkender Umweltschutz-Staat muss stark sein, er braucht die Machtmittel, um seine moralisch gebotenen Ziele und Vorschriften durchzusetzen. So kann er etwa anordnen, dass alle Altbauten einem Programm zur energetischen Sanierung zu unterziehen sind, dass also alle älteren Gebäude den „Pullover“ an Wärmedämmung übergestreift bekommen. Dann braucht der Staat aber auch die Machtmittel, also die finanziellen Mittel, um diese Anordnung durchzusetzen – etwa durch Steuervergünstigungen oder Zuschüsse.

Woher nimmt er dieses Geld? Von den Bürgern. Er muss unter Umständen die Steuern erhöhen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Das Einhalten der von oben herab auferlegten Klimaschutzziele wird zu einer Machtsteigerung des Staates führen, da er über mehr Geld, mehr Mittel und mehr Einfluss verfügen muss, um zusätzliche Ziele zu erreichen.

Ich meine hingegen: Was der einzelne, der einzelne Mensch, das einzelne Unternehmen tut, ist von erstrangiger Bedeutung. Der Klimaschutz soll von unten her wachsen, im wesentlichen auf dem Wege der Einsicht in das wirtschaftlich Vorteilhafte und der freiwilligen Selbstverpflichtung. Wenn immer mehr Menschen sich den berühmten wärmenden Pullover anziehen, wird man die Temperatur in beheizten Räumen auf 19 Grad absenken können. Wenn immer mehr Menschen mit dem Rad statt mit dem Auto fahren, werden die verkehrsbedingten Emissionen, die etwa 30% der Treibhausgase verursachen, zurückgehen. Der Mensch wird freier, die Luft wird besser, das gesamte städtische Umfeld wird aufgewertet. Die Stadt der kurzen Wege kann entstehen. Doch sie kann nur von unten her wachsen, weil und wenn die Menschen sie wollen.

Die Menschen übernehmen Verantwortung.  Sie treffen pragmatische und moralische Entscheidungen nicht aufgrund staatlicher Anordnung, sondern aufgrund eigener Einsicht in die wohlverstandenen eigenen Interessen und die Interessen des Ganzen. Gegenüber dem Staat behaupten sie eine Sphäre der Entscheidungsfreiheit, in die der Staat nur ausnahmsweise eingreifen soll.

Die Grundsätze der Nachhaltigkeit sollen von unten her, von der jeweils untersten Ebene, von der Graswurzelebene her aufwachsen.

 Posted by at 15:19
Juli 082010
 

Wo immer es geht, suche und säe ich Keime der Hoffnung. Noch lange nicht verzweifelt sind wir migrantischen Familien in unserem so einladenden, zur Verzweiflung einladenden Kreuzberg. Wichtig: Etwa 3-5% unserer Deutschtürken sind hochgebildet, hoch erfolgreich. Sie haben es geschafft. Ich spreche sie an: „Erzählen Sie mir Ihre Geschichte!“

Was kommt heraus? Diese erfolgreichen Deutschtürken – oder deukischen Türken – stammen aus Akademikerhaushalten. Die Väter und Mütter sind selbst Akademiker, arbeiteten als Journalisten oder Lehrer in der Türkei, verließen meist das Land nach dem Militärputsch 1980. Die meisten sind der Herkunft nach Linkskemalisten und finden nahezu gesetzmäßig den Weg zur deutschen Sozialdemokratie oder zu den Grünen, zur taz und zur Linkspartei.

Keine dieser eloquenten, attraktiven deukischen Menschen, die ich kenne, stammt aus Hartz-IV-Familien. Sie sind alles andere als repräsentativ für die übergroße Mehrheit der Zuwanderer aus dem Osten der Türkei. Die deukischen Kinder sind in beiden Sprachen wohlbewandert. Sie sind nicht im Rollbergviertel oder Kreuzberg-SO 36 aufgewachsen, sondern in Britz, Dahlem, Grunewald.

Die übergroße Mehrheit der türkischen und kurdischen Zuwanderer aus dem Rollbergviertel oder Kreuzberg beherrschen hingegen weder das Türkische noch das Deutsche in ausreichendem Maße, um damit einen akademischen Beruf zu erlernen.

Die deukischen Menschen haben vieles früh gelernt. Auch dies haben sie gelernt: Die Schuld am Scheitern der anderen Deutschtürken weisen sie dem Staat und der Gesellschaft zu. „Mehr Förderung, bitte!“ Stets sind die anderen schuld: der Staat, die Deutschen, die Gesellschaft, der Rassismus, oder im Notfall auch der arme geprügelte Thilo Sarrazin. Berlin gibt jährlich 4,1 Milliarden für Bildung aus, pro Kind mehr als jedes andere Bundesland. Noch mehr Förderung bedeutet noch mehr Verschuldung.

Geradezu reflexartig ist der Impuls, sich als Opfer der Verhältnisse auszugeben: „Wir fühlen uns angegriffen.“ „Wir werden diskriminiert.“ „Wir sind benachteiligt.“ Man wiederhole dies oft genug – und irgendwann werden es alle glauben.

Wichtig wäre: Diese deukischen Menschen, die brauchen wir eigentlich als Erzieher in den Kitas, als Sozialarbeiter und als Lehrer in den Grundschulen. Aber das wollen sie nicht. Die erfolgreichen Menschen der deukischen Generation werden Juristen, Ingenieure, Zahnärzte. Und sie haben Erfolg – zunächst in den Medien, und später dann – dessen bin ich gewiss – im Berufsleben.

Deutsch-türkische Studentin: „Wir fühlen uns angegriffen“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – UniSPIEGEL
Selçuk findet sich nicht ab mit ihrem Groll, schluckt ihn nicht einfach runter. Sie ist überzeugt: Auch Kids wie Ali können etwas beitragen, wenn man sie fördert. Nur vergesse das die Gesellschaft viel zu oft. Deshalb gründete sie 2007 den Verein „Die Deukische Generation“. Sie gab Interviews, saß bei Podiumsdiskussionen, legte sich mit Politikern an. Zeitungen und Sender berichteten gern über sie. Denn sie war das Positivbeispiel – türkischstämmig, Abitur am Elite-Internat, engagiert, eloquent. Ihre Botschaft: Deutsch-türkische („deukische“) Jugendliche sind eine Bereicherung. „Wir wollten einfach sagen, dass wir dazugehören; dass junge Migranten ein Potential sind.“

 Posted by at 12:20
Juli 082010
 

Noch lange nicht verzweifelt bin ich mit meinem immer wieder geäußerten Aufruf: „Du musst dein Verkehrsverhalten ändern. Der Ausbau der Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer ist nur die halbe Miete. Wir Radfahrer und Fußgänger müssen zu Vorbildern für Erwachsene, vor allem aber für Kinder, für andere, insbesondere für die Autofahrer werden. Denn ein großer Teil der Unfälle ist nachweisbar und eindeutig durch falsches, leicht vermeidbares Verhalten bedingt!“

Und zwar sind es einige wenige „Standardsituationen“ (wie die Fußballer sagen): Querverkehre, rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge bei geradeausfahrendem Fahrradverkehr, falsche Benutzung von Geh- und Radwegen, Missachtung des Rotlichts, mangelnde Aufmerksamkeit. Ich krieg leider öffentlich fast keine Zustimmung für diese persönliche Botschaft. Unter der Hand wird mir allerdings versichert: „Sie haben ja recht, Herr Hampel! Aber sagen dürfen Sie es öffentlich nicht.“

„Sie haben ja recht, Herr Hampel! Aber sagen dürfen Sie es nicht.“ Das ist wirklich eine Standardsituation geworden, die ich immer wieder erlebe – im Umgang mit Verbänden, Parteien, Politikern, mit Amtsvertretern, mit Grüppchen und Klüngeln jedweder Art. Ausgenommen natürlich die verbissenen Ideologen, die es überall gibt, die allerdings überall die deutliche Minderheit sind. Dieses Grundmotiv zieht sich durch alle Bereiche hindurch: Schulpolitik, Verkehrspolitik, Haushaltspolitik, Sozialpolitik, „Integrations“-Politik. Es ist für mich das Leitmotiv geworden.

Selbstverständlich halte ich mich nicht an diese gutgemeinten Ratschläge. Selbstverständlich werde ich jederzeit für das kämpfen, was ich in der jeweiligen Lage als förderlich für das Gemeinwohl ansehe. Egal, ob es sich um das verzweifelte Migrantenelend, JüL, Hartz IV oder Verkehrssicherheit der Fahrradfahrer handelt.

Gut auch: Wir sind ein freies Land. Jeder darf seine Meinung sagen. Auch wenn sie im Querverkehr zum Mainstream steht. Auch wenn sie unbequem ist. Bequemlichkeit ist kein Argument.

Gute Sache aber:  Ab und zu bekomme ich doch Zustimmung. Es tut sich was – heute und hier! Der Mann des Tages heißt Friedemann Kunst, seines Zeichens oberster Verkehrsplaner der Stadt Berlin. Anlass: Der VCD hat eine Studie vorgelegt, wonach es mit der Verkehrssicherheit in Berlin besonders schlecht bestellt sei. Kunst weist die fundamentalen Anschuldigungen gegen die Verkehrsplanung in Berlin zurück: „Zu undifferenziert!“ Lest den ganzen Artikel (Berliner Morgenpost heute S. 13), lest vor allem die letzten Sätze (Fettdruck durch dieses Blog)!

Studie – Fußgänger und Radfahrer leben gefährlich in Berlin – Berlin Aktuell – Berliner Morgenpost
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hält die VCD-Studie für nicht differenziert genug, die schlechte Platzierung Berlins damit unberechtigt. So habe der VCD nicht die Schwere der Unfallfolgen berücksichtigt. „In Berlin gibt es einen überdurchschnittlichen Rückgang an Schwerverletzten und Unfalltoten“, sagt Berlins oberster Verkehrsplaner Friedemann Kunst. Bei Unfällen mit Todesfolge habe die Hauptstadt den niedrigsten Wert aller deutschen Großstädte.

Doch auch Senatsplaner Kunst ist mit der Unfallentwicklung insgesamt nicht zufrieden. Diese sei auch Folge einer Änderung der Verkehrsströme, vor allem geprägt durch einen starken Anstieg des Fußgänger- und Fahrradverkehrs. Insbesondere Radfahrer seien häufig Opfer von Unfällen, etwa verursacht durch unachtsame Lkw-Fahrer beim Rechtsabbiegen. Ein weiteres Problem sei das oft falsche Verkehrsverhalten – bei Radfahrern das unerlaubte Fahren auf Gehwegen, bei Fußgänger das Überqueren der Fahrbahn trotz einer roten Ampel. „Wir müssen noch mehr tun, um das Verkehrsverhalten entsprechend zu ändern“, sagt Kunst.

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Vision, raison, stabilité! Et, surtout: durabilité!

 Afrika  Kommentare deaktiviert für Vision, raison, stabilité! Et, surtout: durabilité!
Juli 072010
 

„L’Afrique n’y arrive pas. Afrika kommt einfach nicht in die Gänge.“ Warum haben es die afrikanischen Mannschaften bei der Weltmeisterschaft trotz herausragender Einzelspieler nicht weitergebracht?

Eine klare Zielvorstellung, Vernunft, Beständigkeit – in diesen drei Worten fasst Alexis Billebault auf S. 17 der Zeitschrift Jeune Afrique  Nr. 2581 (27 juin au 3 juillet) seine Forderungen an den Kontinent zusammen. Daran fehlte es. Man suchte stattdessen sein Heil in teuren Gastverpflichtungen wie etwa dem Gasttrainer Eriksson, der 650.000 Euro für drei Monate Trainertätigkeit für das Land  Elfenbeinküste erhielt.

Das ist nicht nachhaltig.

Vision – raison – stabilité – und wir ergänzen: durabilité, also Beständigkeit und NACHHALTIGKEIT.

Jeuneafrique.com – le premier site d’information et d’actualité sur l’Afrique

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„Entschieden, eloquent, konsequent, aber auch humorvoll …“

 Selbsthaß  Kommentare deaktiviert für „Entschieden, eloquent, konsequent, aber auch humorvoll …“
Juli 062010
 

Persönlich habe ich in meinem Leben nur einige wenige Menschen kennengelernt, die sich später das Leben nehmen sollten. Es waren zufällig alles Männer, und alle haben sich, ohne dass Zweifel aufgetreten wären, erhängt. Diese gewaltsame Art des Selbstmords gilt als typisch männlich, während Frauen bei Selbstmord meist sanftere Arten wählen, etwa die Überdosis Schlaftabletten. Diese Menschen hatten alle keine tatsächlichen oder eingebildeten Feinde!

„Humorvoll“ war keiner von ihnen. Im Gegenteil. Sie nahmen sich die Dinge „zu sehr zu Herzen“. Es fehlte ihnen die Distanz, die ja auch Voraussetzung für Humor ist. Allen diesen Menschen, die aus eigenen Stücken gingen, fehlte Lockerheit im Umgang mit den Problemen. Die Probleme „wuchsen ihnen über den Kopf“.

Die Frage Cui bono? stellt sich im Falle Kirsten Heisig weiterhin.

Heisig-Interview wandert ins Archiv – Quotenmeter.de
„Diese Frau wurde ihrem Ruf mehr als gerecht in der Sendung“, berichtet der erfahrene TV-Journalist im Interview mit Quotenmeter.de. Sie sei bei ihm sehr entschieden, eloquent, konsequent aber auch humorvoll aufgetreten, beschreibt Hahne die 48-Jährige.“ Auf die Frage, ob sie denn nicht Angst hat, meinte sie: „Nein, überhaupt nicht. Die arabischen Jugendlichen achten mich“, berichtet Hahne weiter.

 Posted by at 15:09