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Okt. 042010
 

Holla, was ist denn das – ein alter Bekannter packt aus! Wolfgang Schenk, ehemaliger bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Das klingt alles sehr vertraut, was ich in der taz soeben lese – liest der etwa dieses Blog hier mit, sind wir uns schon mal über den Weg gelaufen, Herr Schenk?

Über den Weg gelaufen – wahrscheinlich ja. Hat er hier aus diesem Blog abgeschrieben? Sicher nicht! Eher umgekehrt, allerdings kannte ich den Artikel nicht, den mir ein aufmerksamer Leser zumailte, denn der taz-Beitrag stammt aus dem Jahr 2007.

Er entspricht dem, was mir andere Menschen im persönlichen Gespräch berichtet haben.

Obwohl also der taz-Artikel uralt, nämlich 3 Jahre alt ist, empfehle ich ihn nachdrücklichst nicht zu lesen. Er ist niederschmetternd.

Also: Lesen Sie den hier verlinkten Artikel bitte nicht, sondern genießen Sie die herrliche Sonne!

Erfahrungsbericht Hauptschule: Ein Idealist packt aus – taz.de
Den Kindern fehlen erwachsene Vorbilder, sie leben ohne jede Struktur, sie wissen nicht, zu wem sie gehören. Ob ein Kind aus einer intakten Familie kommt oder nicht, ist für seine Bildungskarriere wichtig. Kinder brauchen den Schutzraum Familie, um sich entfalten zu können.

Kinder allein erziehender Eltern sind besonders benachteiligt, sosehr sich diese auch bemühen. Wenn es gelänge, den Wert der Familie in der öffentlichen Diskussion neu zu definieren, wäre viel gewonnen […]

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„Wie unterscheidet man eigentlich Türken von Arabern?“

 Ethnizität, Identitäten, Sprachenvielfalt, Unter Arabern  Kommentare deaktiviert für „Wie unterscheidet man eigentlich Türken von Arabern?“
Okt. 042010
 

Tja, liebe Freunde, darauf würde ich erwidern: An der Sprache!

Oft wird in unzulässiger Vereinfachung von „den Muslimen“ gesprochen. Unzulässig! Denn die Muslime in Deutschland sind ethnisch bunt gemischt.

Als Faustregel verwende ich: Wer Türkisch spricht, ist Türke, wer Arabisch spricht, ist Araber.

Das ist zwar eine grobe Vereinfachung, denn viele Kurden beispielsweise sprechen Türkisch, sehen sich aber nicht als Türken, sondern als Kurden. Ebenso gibt es in Kreuzberg viele arabischsprachige Kurden, die weder Palästinenser noch Libanesen sind, sondern Kurden, die es überhaupt ablehnen, sich irgendeinem Nationalstaat, sei es die Türkei, sei es Deutschland verpflichtet zu fühlen.

Kompliziert!  Aber meine arabischen und türkischen Freundschaften haben mir immer wieder behutsam die Unterschiede in Sprache und Denkart erklärt. Jeder arabische Muttersprachler kann sofort hören, ob dieser oder jener Araber ein Palästinenser, ein türkischer Mallamyie-Kurde, ein Ägypter oder ein Syrer ist. Deswegen herrscht auch weiterhin eine echte, eine strukturelle Diskriminierung gegenüber den – arabischsprachigen – Palästinensern etwa im Libanon. Dort sind sie weiterhin von vielen Berufen ausgeschlossen – obwohl sie „Araber“ sind.

Woran unterscheidet man sie von den anderen Arabern? An der Sprache, an einzelnen Wörtern, an der Aussprache des Arabischen!

Mir fällt immer wieder eine große Unbekanntheit der deutschen Bevölkerung mit den ganz unterschiedlichen Herkünften der muslimischen Zuwanderer auf.

Der große Unterschied zwischen den Türken und den Arabern, auch in Deutschland, besteht meines Erachtens darin, dass die meisten Türken neben dem Sippenbewusstsein ein ausgeprägtes türkisches Nationalstaatsbewusstsein entwickelt und beibehalten haben, während die Araber kaum ein Nationalstaatsbewusstsein, aber dafür ein uraltes, ein sehr starkes Sippenbewusstsein und manchmal auch ein panarabisches, kulturell begründetes Überlegenheitsbewusstsein hegen. Das Sippenbewusstsein ist stärker als das Bewusstsein der Staatlichkeit. Der Staat, das ist für die arabischen Familien grundsätzlich etwas, das man zur Kenntnis nimmt und wovon man ein möglichst großes Stück für die eigene Familie abhaben möchte.

Die Araber fühlen sich aber den jeweiligen Staaten kaum verpflichtet. Eine Zivilgesellschaft in unserem Sinne gibt es in den arabischen Ländern nicht, sehr wohl aber in Iran, also dem alten „Persien“, und in der Türkei, dem Nachfolgestaat der Osmanen. Die zugewanderten Türken fühlen sich mit ihrem Herkunftsland, ihrem Herkunftsstaat viel stärker verbunden als die zugewanderten Araber.

Der türkische Staat nimmt auch weiterhin über seine Behörden und seine Verbände starken direkten Einfluss auf die deutsche Politik.

Wie das Beispiel Zypern lehrt, sieht sich der türkische Staat in der Pflicht, die Interessen der Auslandstürken und somit seine eigenen auch gegenüber anderen Staaten zu vertreten.

Diese Unterschiede sollte man bedenken, ehe man recht kurzschlüssig von „den muslimischen Zuwanderern“ spricht.

„Wie unterscheidet man Türkisch und Arabisch?“ Indem man sich mit Türken und mit Arabern trifft, ihnen zuhört, mit ihnen lacht, redet, ihre Einladungen zum Ramadan annimmt, sie selbst zum Osteressen oder zum Weihnachtsbraten einlädt, mit ihnen das Fasten bricht und mit ihnen den Rosenkranz betet. Indem die Familien sich gegenseitig besuchen, Kinder gegenseitig zum Geburtstag einladen, sich gegenseitig ein paar Brocken Türkisch, ein paar Brocken Deutsch, ein paar Brocken Arabisch lehren.

Indem man zusammen Tee trinkt.

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Okt. 042010
 

Größte Hochachtung empfinde ich vor den offenen Worten einer Rektorin aus Berlin-Lichtenberg, die heute in der BZ ganz unverhohlen über die psychischen Probleme vieler Lehrer spricht: „Viele Eltern sind überfordert. So werden wir Lehrer zu Erziehern, bevor wir überhaupt mit dem Lehrstoff beginnen können. Die Belastung wird dadurch größer“ (S. 6). Die Schule hat viele Lehrer krank gemacht.

B.Z. Berlin – Aktuelle News und Nachrichten

In dieser Zuspitzung, wie das Berliner Boulevard-Blatt B.Z. heute den Bericht über die wachsende Belastung der Berliner Lehrer bringt, muss ich die Diagnose der Lichtenberger Rektorin leider unterstützen, Die Kinder kommen aus den Familien heute anders in die Schule als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren. Die Familien delegieren stillschweigend immer mehr Aufgaben der Erziehung an die staatlichen Einrichtungen Kita und Schule.

Jeder Erwachsene wird dies aus eigener Anschauung bestätigen. So habe ich selbst beispielsweise noch zuhause in der Familie das Kochen lernen, den ungeliebten „Küchendienst“ ausüben müssen. Warum gaben unsere Eltern uns nicht herrliche Capri-Sonne, das herrliche Nogger-Eis, den herrlichen Hamburger vom McDonalds? Die schmeckten doch viel besser als Krautsalat!

Heute wird in den Familien schon oft nicht mehr regelmäßig gekocht. Die „Tafeln“ und die Schulmensen florieren, ständig werden kostenlose oder billige neue warme Mahlzeiten vom Staat gefordert und gewährt.

Die Tatsache, dass so viele Menschen liebend gerne kostenloses warmes Essen annehmen, wird dann flugs als Beweis für schreckliche Armut gedeutet.“Wenn es keine Tafeln gäbe, müssten alle diese Menschen in der Bundesrepublik Deutschland verhungern!“ So ist es sinngemäß immer wieder zu hören. Selbst im „Kapital“ von Marx, das ja viele gute Einsichten enthält, habe ich es kürzlich so ähnlich gelesen.

Die Tatsache, dass Menschen kostenloses warmes Essen lieber in Empfang nehmen als selber zu kochen, wird als Beweis für Massenelend und Massenarmut gedeutet.

Ich würde es anders herum sehen und sagen: „Wenn es keine Tafeln gäbe, müssten alle diese Menschen selber kochen.“ Und selber kochen ist unbequem, daran erinnere ich mich noch genau. Vor allem auch das Geschirrspülen, das hatte und habe ich ja so was von gefressen.

Mein Wunsch lautet: Alle Buben und Mädchen sollten früh schon das Kochen und Abspülen lernen, am besten in der Familie, aber notfalls auch im Deutschunterricht in der Schule, etwa durch das Diktieren von schlichten Kochrezepten. Das Kochen halte ich für eine noch wichtigere Kulturtechnik als selbst das Radfahren und das Schwimmen. Ich halte das eigene Kochen für Kinder ebenso wichtig wie das eigene Singen der Kinder.

Aus einfachen billigen Zutaten, wie etwa Kartoffeln, Karotten, Kohl, Zwiebeln, Gemüse der Saison, einem Tropfen Speiseöl und Quark lässt sich eine gute, schmackhafte Kost zaubern, die recht wirksam vor der grassierenden kindlichen Adipositas und dem zunehmenden frühen Diabetes bei Kindern schützt.

Und die herrliche Capri-Sonne? Sollte man gleich ganz absetzen.

Lesehinweis:
Reinhard Marx: Das Kapital. Plädoyer für den Menschen. Pattloch Verlag, 2008

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Freuen wir uns!

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Okt. 042010
 

„20 Jahre deutsche Einheit“ – diesen Tag feierte ich mit verschiedenen Familien und Freunden, vormittags in meiner bunt gemischten Gemeinde schräg gegenüber dem Rathaus Kreuzberg. Ich vernahm bei herrlichstem Sonnenschein im Laufe des gestrigen Tages russische, alte griechische, lateinische, deutsche, englische, hebräische, arabische Namen, Worte, Wendungen und Namen. Der Chor Gaudeamus („Freuen wir uns“) aus Lichtenrade sang. Meine Frau Ira sang während der Kommunion ein Gloria Patri von Vivaldi, ich spielte auf der Geige dazu, ließ die Stimme des Instruments durch den ganzen weiten Raum schallen.

Am Nachmittag radelten wir quer durch Berlin zu unserem Liguschatnik, dem traditionellen Schülerkonzert der russischen  Nachwuchsgeiger im Alter von 4-8 Jahren. Ein herrliches Programm, zu dem mein Sohn den dritten Satz des h-moll-Konzerts von O. Rieding beisteuerte! Was die Buben alles lernen und leisten, wenn sie nur kundig gestützt und gefordert werden, ist verblüffend!

Die Reden Joachim Gaucks und die des Bundespräsidenten Wulff kann ich heute nachlesen. Ich bin  sehr zufrieden, hocherfreut über beiden Reden! Allein schon das Zitat aus Goethes West-östlichem Divan freut mich über die Maßen.

Orient und Okzident
sind nicht mehr zu trennen

(„Endlich fangen sie wieder an den Divan zu lesen und zu zitieren!„, so meine ketzerischen Gedanken, die ich natürlich niemals öffentlich aussprechen würde!).

Die Grundgedanken der beiden Reden entsprechen meiner eigenen Sichtweise in sehr hohem Maße: Beide Redner haben sich für verbindliche Werte stark gemacht. Beide haben keine Schuldzuweisungen an einzelne Gruppen betrieben, sondern zu mehr Verbindlichkeit, zu mehr Eigenverantwortung, zu mehr Gemeinsamkeit ermutigt. Beide haben die erreichte Staatlichkeit gelobt und die Bürger eher ermuntert, statt ihnen etwas zu versprechen oder das Blaue vom Himmel in Aussicht zu stellen. Beide Redner haben mehr nach vorne in die Zukunft als nach hinten in die Vergangenheit geschaut.

Ich hätte wahrscheinlich keine so guten Formulierungen gefunden, aber ich wäre froh gewesen, wenn ich sie gefunden hätte. Ich hätte ganz ähnliche Akzente gesetzt wie Joachim Gauck und Bundespräsident Wulff.  Und genau das ist das Merkmal guter, erfolgreicher Reden, wenn ein Zuhörer oder Leser empfindet: das hätte ich aber auch gerne so schön gesagt!

 Posted by at 09:39
Okt. 032010
 

Die massiven Belästigungen, Beleidigungen und selbst Verletzungen, von denen auf der GEW-Tagung berichtet wurde, muss ich leider bestätigen. Leider begehen die islamischen Verbandsvertreter erneut den alten Trick, das gehäufte Mobben durch muslimische Schülermehrheiten als „Reflex gesellschaftlicher Zurücksetzung“ zu deuten und mehr Verständnis, mehr Schulung der Lehrer anzufordern.

Das halte ich für Unfug. Wenn ein einzelner nichtmuslimischer Schüler systematisch bespuckt, gehänselt, missachtet und geschlagen wird, ist das nicht Schuld der Gesellschaft, sondern Schuld derjenigen, die ihn bespucken, schlagen, hänseln und missachten.

Das alles haben wir uns lange genug bieten lassen. Und dann sind wir gegangen.

Ich erwarte, dass ein einziges Mal die muslimischen Verbandsvertreter mäßigend und belehrend auf ihre Schäfchen wirken. Das tun sie nämlich nicht.

GEW-Tagung: Lehrer beschäftigen sich mit „Deutschenfeindlichkeit“ – Schule – Berlin – Tagesspiegel

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Willkommenskultur stärken!

 Integration  Kommentare deaktiviert für Willkommenskultur stärken!
Okt. 022010
 

Nicht uninteressant ist die Seite 13 in der heutigen Berliner Morgenpost! Das Kulturforum birgt unglaubliche Schätze, die unglaublich geschickt den Blicken der Öffentlichkeit entzogen werden! Isabell Jürgens stellt einige Vorschläge vor, wie man die Ödnis beleben könnte – darunter eine künstliche Eiszeit von Eike Becker.

Nebenbei: Seit 10 Jahren steigt zur Verzweiflung der Klimapäpste die globale Durchschnittstemperatur nicht mehr an. Die Sonnenfleckenaktivität lässt uns im Stich und wird vielleicht auf natürlichem Wege zu einer kleinen Eiszeit führen – wobei wir dann unsere Häuser mit Milliardensummen winterfest gemacht haben werden – eine Verdoppelung der Mieten dank des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung  bis 2050 ist schon prophezeit worden.

Nieder mit der Erderwärmung, oh Sonne!

Safter Cinar, Sprecher des türkischen Bundes, erhielt den Verdienstorden als „Pionier der Integrationspolitik“. Aber wo war der Türkische Bund am vergangenen Donnerstag in der gut gefüllten BVV-Veranstaltung? Orden abholen? Hic Kreuzberg, hic salta!

Christine Richter weist darauf hin, dass Parteien stets auch Menschen aus dem richtigen Leben anziehen sollten, Michael Braun und Karl-Georg Wellmann führen die vom Türkischen Bund geforderte Willkommenskultur aufs Herzlichste vor, wie Journalist sco (Schomaker?)  überzeugend darlegen kann.

Die Mercedes-Welt schenkt laut Anzeige ganz Berlin ein Jahr lang kostenloses Autofahren! Wir vom Tempelhofer Ufer haben bereits die E-Mobile in der Kinderwelt am Salzufer getestet und sind danach gerne wieder auf das Fahrrad umgestiegen.

Allen, die ein Auto ein Jahr lang kostenlos fahren wollen, sei die Seite 13 der heutigen gedruckten Morgenpost empfohlen.

Berlin – Berliner Morgenpost – Berlin

 Posted by at 21:26

Wo war am Donnerstag die Mehrheit der Kreuzberger Eltern?

 Friedrichshain-Kreuzberg, Gute Grundschulen, Kinder  Kommentare deaktiviert für Wo war am Donnerstag die Mehrheit der Kreuzberger Eltern?
Okt. 022010
 

Eine der in meinen Augen besten, der lehrreichsten politischen Veranstaltungen seit langem war der vergangene Donnerstag im  Kreuzberger Rathaus zum Thema „Eltern als Teil der Schulgemeinschaft“. DEN sollte man man einmal gesondert auswerten! Ich werde genau dies hier nach und nach in verschiedenen Blogbeiträgen versuchen und bitte um kritische Begleitung, Widerrede oder Bestätigung!

Hier im Nachgang einige knackige Thesen und Beobachtungen aus der letzten Reihe – ich saß ganz hinten und mischte auch in der Flüstergruppe der letzten Reihe mit!

1) Bildungsstadträtin Herrmann hob gleich zu Beginn hervor: „Sie, die Eltern sind die Experten.“ Dies ist eine löbliche Feststellung. Sie offenbart die gebotene Skepsis gegenüber den professionellen Ratgebern und bestallten „Experten“, also den zahlosen Forschern, Beratern, Theoretikern, die ja ganz offenkundig derzeit auch nicht weiter wissen.

Ob aber die Eltern grundsätzlich stets am besten wissen, was das eigene Kind braucht, kann mit einem Fragezeichen versehen werden.  Ich selbst würde mich nie und nimmer als Experten für meine Kinder bezeichnen. Ich bin – Vater, mit all den Knicken in der Optik, die das mit sich bringt.

2) Der Anteil der Schüler/innen mit „Nichtdeutscher Herkunftssprache“ (ndH) liegt in neun von 20 Kreuzberger Schulen über 80%, in nur vier Schulen unter 50% und in keiner Schule unter 30% Prozent.  So der gleichnamige, verteilte Zwischenbericht „Eltern als Teil der Schulgemeinschaft“.

Demgegenüber  betrug der Anteil von Wortmeldungen von Eltern, Experten, Schülern, Pädagogen und Schülern mit ndH in dieser Veranstaltung 0% (in Worten: null Prozent). Dieses Ergebnis  halte ich für ebenso niederschmetternd wie bezeichnend. Die Mehrheit der Kreuzberger Eltern war also bei dieser Veranstaltung nur sehr schwach vertreten – bestenfalls in Gestalt stummer Zuhörer.

Ketzerischer Kommentar: Öfters habe ich Berliner Grundschullehrer gefragt: „Bis zu welchem Anteil an ndH-Kindern halten Sie einen sinnvollen, gut strukturierten Unterricht für möglich?“ Ihre Antworten pendelten ganz überwiegend bei 30%. „Bei diesen Herkunftskulturen“. Ebenfalls ernüchternde Zahlen!

Ich konstatiere: Die Mehrheit der von mir befragten Berliner Grundschullehrer ist der Meinung, ein sinnvoller Unterricht sei bis zu einem ndH-Anteil von 30% möglich. Diese 30% scheint die intern ermittelte Zahl der Lehrer-Flüstergruppe zu sein.

So sehen das nun einmal viele Lehrer.

(Auswertung wird fortgesetzt.)

 Posted by at 20:38
Okt. 022010
 

Wirklich befreiend ist es, seine eigenen Ängste gestehen zu können. So bekenne ich mich als echter Kreuzberger seit längerem ganz offen zu meiner Überfremdungsangst. Ich begegne vielen Menschen, die kein Interesse an einer Begegnung mit mir haben, meine Sprachen (z.B. Deutsch) nicht kennen und auch nicht lernen wollen. Das erzeugt Angst in mir. Gezielte Fremdheit erzeugt Angst.

Angst ist allerdings ein schlechter alleiniger Ratgeber in der Politik. Aber wenn die Ängste nicht mehr gehört werden, hat alles Reden über Verantwortung auch keinen Sinn.

Im übrigen: Zustimmung, Herr Gauck – wie sonst ja auch.

 Feierstunde – Gauck fordert Eigenverantwortung der „Abgehängten“ – Politik – Berliner Morgenpost – Berlin
Gauck warnte zugleich davor, sich von Angst leiten zu lassen, und mahnte eine Politik der Verantwortung und der offenen Kommunikation an. „Nichts lässt Menschen mehr verkümmern als Verweigern von Verantwortung, als Verantwortungslosigkeit“, sagte der erste Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde. Er verband damit die heutigen Probleme mit den Ereignissen von 1989 und 1990. „Ohnmacht kommt nicht nur von Diktatoren, Ohnmacht kommt auch von innen.“

 Posted by at 16:50
Sep. 302010
 

Mobbing gegen die bekannten winzigen Minderheiten an Kreuzbergs Grundschulen ist leider ein heißes Thema. Ich kenne viele derartige Geschichten, die mir Schüler und Lehrer glaubwürdig und direkt erzählt haben, werde aber aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes in diesem Blog keine Einzelheiten nennen.

Aber es ist unserer Erfahrung nach ein chronisches, ein riesiges Problem, das allerhöchste Aufmerksamkeit verdient.

Schule: Lehrer beklagen Mobbing gegen deutsche Kinder – Schule – Berlin – Tagesspiegel

 Posted by at 23:04
Sep. 302010
 

Oft wird zur Behebung sprachlicher Defizite eine Kita-Pflicht für Vorschulkinder gefordert. (Ich selbst forderte sie sogar einmal für Politiker – zur Erlernung einer gepflegten Streitkultur.)

Dabei besuchen Berlins Kinder bereits jetzt zu etwa 93% die Kita mindestens 1 Jahr vor der Grundschule. Soeben wies auch in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg die Bildungsstadträtin Monika Herrmann darauf hin, dass die Kinder vor der Einschulung in aller Regel sehr viele Stunden in der Kita verbingen.

Eventuelle sprachliche oder sonstige Benachteiligungen lassen sich also nicht durch die Einführung der Kitapflicht beheben. Da müsste man schon genauer schauen und fragen: Warum schaffen wir es in den Kitas nicht, alle Kinder zur echten Schulreife zu bringen? Was läuft falsch?

Ich selbst wagte mich mutig heute zum allerersten Mal ans Friedrichshain-Kreuzberger BVV-Mikrophon! Ich lauschte einigen Experten bei einer Veranstaltung zum Thema „Eltern als Teil der Schulgemeinschaft„. Ich hob in einer kurzen Wortmeldung hervor, dass die Kommunikation zwischen Familie und Schule vielfach gestört oder unterbrochen sei und fuhr fort:

„Die Familien sind das erste, das bestimmende Umfeld der Erfahrung der Kinder. Die Familie legt das Fundament für den gesamten Bildungsgang des Kindes. Die Schule tritt später hinzu. Weit entfernt davon, ein schwaches Subsystem der Gesellschaft zu sein, prägt die Familie das gesamte Erfahrungsfeld der Kinder in den ersten Lebensjahren.

Viele Lehrer berichten mir, sie müssten die Defizite ausbügeln, mit denen die Kinder in die Schule kämen. Das sei weitgehend eine Überforderung.

Das System Schule und das System Familie sprechen oft nicht zueinander. Sie passen irgendwie nicht zusammen. Selbst ich als Vater habe oft Mühe zu begreifen, was in der Schule geschieht. (Zustimmendes Gelächter der Anwesenden).

Wir sollten nicht die kulturellen Unterschiede zwischen Kindern zu sehr betonen. Im Grunde werden alle Kinder mit sehr ähnlichen Grundbedürfnissen geboren: Sie brauchen Liebe. Sie müssen sich angenommen fühlen, wollen Wertschätzung und Aufmerksamkeit.

Ebenso wichtig für das Wachsen ist das Regelsetzen. Kinder müssen sich freikämpfen, müssen Freiheit erlernen, müssen sich ändern können, aber sie brauchen auch feste Grenzen.

Für diese Grunderfahrungen sind die Familien verantwortlich. Wenn sie dieses Aus- und Abwägen der unbedingten Liebe und der festen Grenzsetzung nicht hinbekommen, werden es die Schulen sehr schwer haben, dies auszugleichen.

Deshalb sollten wir Familien stärken, aber auch stärker in die Pflicht nehmen. Insbesondere die Väter sollten sich nicht so einfach aus dem Staub machen. Hier haben wir das Recht, die stärkere Beteiligung vor allem der Väter einzufordern.“

In der Diskussion der Flüstergruppen wandte ein Lehrer  mir ein: „Das stimmt zwar, was Sie sagen, aber wir dürfen als Schule nicht belehrend von oben herab wirken. Da müssen wir aufpassen.“

Nun, ich meine allerdings: Die Schule wirkt in jedem Falle belehrend. So lehrt sie etwa die Rechtschreibung von oben herab. Schule soll und muss sogar normensetzend auf Kinder einwirken! So verlangt die Schule die vielbeschworene Toleranz gegenüber anderen Religionen und Nationen von den Kindern – von oben herab. Sie verlangt, dass man Regeln einhält, dass man etwa kein Altöl ins Grundwasser schütten darf.

Ich meine, dass die Schule oder die Gesellschaft überhaupt sehr wohl fordernd und belehrend auf die Schüler und die Eltern einwirken soll. Gerade dann, wenn es entscheidend um das Gedeihen der Kinder geht. Man verlangt, dass die Kinder die Zähne putzen. So kann man auch verlangen, dass die Kinder nicht zu viel Süßes essen und nicht so viel vor dem Fernseher hocken, sondern stattdessen wandern, schwimmen, kochen, singen und radfahren.

Vor allem kann und darf die Gesellschaft und die Schule von den Vätern verlangen, dass sie ihren Pflichten gegenüber den Kindern nachkommen und sich nicht aus dem Staub machen.

Ich bin überzeugt, dass die Kinder vom ersten Tag an die liebende Zuwendung, die Anwesenheit der Eltern brauchen, und dass die Gesellschaft dies auch von den Eltern einfordern darf.

Die heutige Veranstaltung „Eltern als Teil der Schulgemeinschaft“ brachte viele wertvolle Anregungen. Sie sollte als Auftakt, als Ansporn zu Taten dienen!

 Posted by at 22:51

Kreuzberger Kindermund erweitert deinen Wortschatz

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Sep. 292010
 

Die Radwege sind manchmal so humpelig„, so wird ein Kreuzberger Grundschüler mit russischem Migrationshintergrund auf Seite 14 in der aktuellen RadZeit des Berliner ADFC zitiert.

Das Wort humpelig kannte ich nicht wirklich, obgleich ich es verstand. Eine kurze Internetrecherche  ergab soeben: Das Wort humpelig existiert. Es ist gut bezeugt. Es bedeutet uneben, schleppend, rüttelnd. Gut, dass ich weiterhin neue Wörter kennenlerne, sogar aus Kindermund!

Quelle:
Ivan und Johannes Hampel: „Was sich die Radfahrer von morgen wünschen.“ In: RadZeit. Zeitschrift für Alltags- und Freizeitradfahrer. Heft 5/2010, S. 14

Suchwort :“humpelig“ hat folgende Bedeutung in deutschen Nachschlagewerk

 Posted by at 20:57

Ist der Staat oder die Familie die Keimzelle der Gesellschaft?

 Armut, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für Ist der Staat oder die Familie die Keimzelle der Gesellschaft?
Sep. 282010
 

Lauscht man den Zänkereien und dem Gezeter um die Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze, so fragt man sich, ob der Staat letztlich allein dafür verantwortlich sein soll, jedem Menschen ein größtmögliches Lebensglück zu verschaffen. Es wird der Anschein erweckt, der Staat stünde in der Pflicht, jedem Menschen durch finanzielle Zuwendung das Klima der Geborgenheit, der Liebe, der Wärme und der Fürsorge zu gewähren.

Zahlt der Staat nicht soviel, wie die Polit-Schickeria sich das vorstellt, wird sofort der Peitschenknall der „Sozialen Kälte“ losgelassen.

Dieser Eindruck entsteht bei zahlreichen Diskussionen und bei der Lektüre von Zeitungsartikeln.

Etwa 1 Million Kinder, also die Hälfte aller Kinder, die in Hartz-IV-Haushalten leben, wachsen bei Alleinerziehenden auf. Ministerin von der Leyen hat gestern bei Anne Will noch einmal auf diesen vielfach belegten Zusammmenhang zwischen Ein-Eltern-Familien und dauerhafter Arbeitslosigkeit hingewiesen.

Ich hege keinen Zweifel: Der Staat steht selbstverständlich in der Pflicht, allen Kindern bestmögliche Entwicklungschancen zu sichern, und muss vor allem den Alleinerziehenden unter die Arme greifen, wenn sie Hilfe brauchen.

Dennoch erschreckt mich so eine Zahl. Dass so viele Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen, halte ich für höchst beunruhigend.

Ich habe hunderte von Kindheitsgeschichten gehört und gelesen.

KEIN ERWACHSENER IN MEINEM BEKANNTENKREIS HAT JEMALS SEINEN ELTERN VORGEWORFEN, SIE SEIEN  ZU ARM GEWESEN.

Mir selbst fehlte es in der Kindheit manchmal an Verständnis, dass unsere Eltern uns nie die herrlich gezuckerte Capri-Sonne kauften, sondern immer irgendwelche selbstgemachten Früchtetees hinstellten. Wir hatten keinen Fernseher, keine Mickey-Mouse-Hefte, und ich musste in früher Kindheit oft die Sachen meines älteren Bruders übernehmen.

Heute weiß ich: Die Eltern mussten sparen. Die Hartz-IV-Kinder heute bekommen die süße Capri-Sonne, sie haben Fernsehen satt, aber es geht ihnen nicht besser als mir damals.

SEHR VIELE ERWACHSENE BEKLAGEN, DASS IHRE ELTERN ODER EIN ELTERNTEIL ZUWENIG ODER ÜBERHAUPT NICHT GREIFBAR WAREN.

Fast alle Vorwürfe, fast alle Bitterkeit gegenüber Eltern kommen heute daher, dass die Eltern zu wenig oder gar keine Zeit mit den Kindern verbrachten.

Der nicht vorhandene Vater, die abwesende Mutter sind die größten seelischen Belastungen für unsere heute aufwachsenden Kinder.

Stabile, feste Familien mit Vater und Mutter, in denen die Kinder sich geliebt und angenommen fühlen, sind hingegen nahezu unverwundbar. Diese Kinder sind lebenslang gefeit gegen Rückschläge, gegen die meisten seelischen Krankheiten, gegen Arbeitslosigkeit und Armut.

Wir müssen ein Interesse daran haben, dass Kinder in dauerhaften, stabilen Familien mit Vater und Mutter aufwachsen.  Diese emotionale Stabilität ist für die Kinder unendlich viel wichtiger als der Schutz vor materiellen Entbehrungen.

Das Sozialsystem sollte die sich davonstehlenden Väter viel stärker in die Pflicht nehmen.

Die Schulen müssen viel stärker auf das Eingehen starker, langjähriger Paarbeziehungen hinerziehen. Nicht nur Sexualerziehung sollte auf dem Stundenplan stehen, sondern ebenso sehr auch Familienerziehung, einschließlich der Teilfächer Kochen, Kleinkinderpflege und Hauswirtschaft. Sowohl Jungen als auch Mädchen  sollten von der Grundschule an auf haltbare Paarbeziehungen und lebenslange Verantwortungsgemeinschaften hin erzogen werden.

Gerade die türkischen Väter in Berlin, deren Ehen zerbrechen, stehen meist vollkommen hilflos da, wenn sie ein Leben mit Kindern, aber ohne Frau allein meistern müssen.

Da das deutsche Sozialsystem jedem Einzelnen unmittelbar einen Rechtsanspruch auf Unterstützung zuspricht, hat es fast naturgesetzlich eine auflösende, zersetzende Wirkung auf die Bindung zwischen den Generationen, auf  die Bindung zwischen den Ehegatten.

Jahrtausendelang waren es die Ehe und die Familie als Schicksals- und Notgemeinschaft, die dem Einzelnen soziale Sicherheit verschafften. In Familien wurde Vermögen angesammelt, geteilt und weitergegeben.

In der oftmals streitigen, oftmals heftigen Absetzung von den Eltern erlernten die Kinder, eigene Kräfte zu entfalten.

Die Familie ist auch heute noch die beste rahmensetzende Gewissheit, die es für das Aufwachsen von kleinen Kindern geben kann. Familien setzen Kinder in die Welt und sichern so die Versorgung der Alten.

Die meisten sozialen Probleme – etwa Sucht, Gewalt, Kriminalität, psychische Krankheit – haben ihren Ursprung in Störungen der Familie, nicht in der Gesellschaft überhaupt, nicht im Arbeitsplatz, nicht in der Arbeitslosigkeit.

Das deutsche Sozialsystem bedarf des Umbaus. Es muss so umgestaltet werden, dass Familien eher gestärkt, eher aneinander gebunden und nicht zersetzt werden.

Im jetzigen Zustand ist das System der sozialen Sicherheit mittelbar für zerbrechende Familien, für bedrohlich sinkende Geburtenraten und für die heute bereits absehbare Sprengung der Sozialkassen verantwortlich.

Ich bin der festen Überzeugung:

Nicht der Staat, sondern die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. Das werden euch alle Sozialarbeiter, Lehrer, Psychiater, Jugendrichter, Psychologen und Polizisten sofort bestätigen!

Leider sehe ich in Deutschland keine politische Partei, die diese Überzeugung mit der nötigen Gewissheit und Überzeugung verträte. Schade, schade!

Ich werde aber weiter Rabatz schlagen und das Thema Familie auf die politische Agenda zu hieven versuchen – sowohl in diesem Blog wie auch in Gesprächen und Veranstaltungen.

 Posted by at 00:04