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Okt. 182010
 

Gestern sahen wir den Zeichentrickfilm „Konferenz der Tiere“. Ein Leckerbissen für alle Ökofreaks, Ökotussis, Multikultis und neokonservativen Kümmerer. Es kommt sogar ein vegetarischer (wenn auch nicht veganer) Löwe des Namens Sokrates vor. Sokrates! Wer kennt den noch? Ist das nicht ein portugiesischsprachiger Fußballer? Schreibt man den nicht mit einem C? Oder besinnt sich die deutsche Unterhaltungsindustrie also neuerdings auf die Ursprünge abendländischer Geistigkeit?

Ich erlebte den Film als großen filmischen Essay über das Thema Familie und Wertebindung. Die Treue – sie ist doch kein leeres Wort! Diese Verse Friedrich Schillers schossen mir durch den Sinn, als ich Winifred und ihren Gatten Wilfried (?), die beiden hochbetagten Schildkröten über 700 Jahre glückliche Ehe nachdenken sah. 700 Jahre zusammen – welches Menschen-Ehepaar könnte da mithalten, abgesehen von Ausnahmegestalten wie Noah und Sem, die es immerhin auf hohe dreistellige Lebensjahre (950 max.)  brachten?

„Kinder brauchen den Schutzraum Familie, um zu gedeihen“; diese Worte Wolfgang Schenks, des ehemaligen Grünen-Mitgliedes, des ehemaligen GEW-Mitgliedes, des ehemaligen schulpolitischen Sprechers der Berliner AL  (Grünen?) im Abgeordnetenhaus durchzogen mein Gemüt, als ich Rückschau hielt auf die lustige Erdmännchen-Familie. Der Vater der Erdmännchen versucht alles, um den nötigen Lebensunterhalt (also Wasser) für seine Familie zu beschaffen. Durch vielfältiges Scheitern reift er allmählich zu seiner Verantwortung als Vater und Gatte heran.

Und die Menschen, diese rohen Zweibeiner? Kommen schlecht weg! Sie denken nur an die Ausbeutung, den Profit, scharen sich in heuchlerischen Klimakonferenzen zusammen. Aber sie vernachlässigen ihre eigenen Kinder, sie zerstören die belebte Umwelt. Ihnen fehlt der Sinn für Gerechtigkeit. Nicht zufällig fehlt jede Mutter. Das einzige Menschenkind, das vorkam, Maya, hatte nur einen Vater. Die MUTTER FEHLTE. Unvollständige Familien, vernachlässigte Kinder, ein Mangel an Verantwortung kennzeichnen die Menschenwelt in diesem Film.

Ganz zum Schluss heißt es dann: „Meine Firma ist kaputt, der Staudamm ist weggebrochen, ich bin erledigt. Wolltest du das haben? Bist du glücklich?“ So fragt der Vater seine Tochter. Sie antwortet: „Ja.“ Kein Wunder: Denn jetzt hat sie Papa ganz für sich. Er wird ihr Mama ersetzen.

Also: Die Großprojekte der kalten berechnenden Väter werden von den naturliebenden Töchtern zerstört. Die Söhne und Töchter der Menschen sind vernachlässigt. Die heilen Familien der Tiere, insbesondere der Erdmännchen, sind ein leuchtendes Vorbild.

Die Frage, wovon die Menschen nach der Zerstörung des Großprojektes leben sollen, bleibt unbeantwortet!

Bei wem liegt die Hauptverantwortung für die Kinder? Der Film „Die Konferenz der Tiere“  meint: bei den Eltern. Der Film sagt das. Kanzlerin Merkel sagt es ebenfalls. Das Grundgesetz sagt das. Und ich schließe mich dieser Meinung an.

Gestörte Familien können gestörte Gesellschaften, gestörte Umwelt erzeugen.

Wir brauchen starke Familien, die durch Treue und Verantwortung der Menschen getragen werden. In den Familien erlernen Kinder die Grundsätze des solidarischen Miteinanders.

Integrationsdebatte – Problemviertel – Merkel warnt vor rechtsfreiem Raum – Politik – Berliner Morgenpost – Berlin
Zugleich warnte die Kanzlerin davor, Gewalt mit einer bestimmten Religion in Verbindung zu bringen. Das führe „in die Irre“. Gewalt bei jungen Menschen sei „oft ein Zeichen dafür, dass sie keine Perspektive für sich sehen. Und da hilft nur Bildung, Bildung, Bildung.“ Der Staat mache diesbezüglich viele Angebote. Bei den Eltern liege aber die Hauptverantwortung, „die ihnen Schule und Gesellschaft nicht abnehmen“ könnten.AFP/tma

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Okt. 182010
 

Eine der von diesem Blogger am häufigsten befahrenen Stellen wurde in diesem Blog bereits mehrfach erwähnt: die Zossener Straße. Und zwar am nördlichen Ende, da wo die Johanniterstraße einmündet. Hier ließ uns – also mir und meinem kleinen Sohn – vor Zeiten ein ritterlicher Saab-Cabrio-Fahrer, den ich aus dem Berliner Abgeordnetenhaus zu kennen meinte, mit einer freundlichen Geste die Vorfahrt: vorbildlich.

Ach gäbe es doch mehr Vorbilder im Straßenverkehr wie diesen freundlichen Saab-Cabrio-Fahrer! Dann drohte weniger Zoff. Autofahrer hupte und wütete nicht gegen Radfahrer, Radfahrer zürnte und schimpfte nicht auf Autofahrer! Der Prophet Jesaia kleidet dieses Bild der Harmonie in das Gleichnis von Lamm und Löwe: sie sollen weiden zumal.

Die Johanniterstraße ist dank Konjunkturfördermitteln nunmehr mit einem herrlichen Asphaltbelag vershen worden ist, so dass Radlerherzen höher schlagen. Der Finanzkrise sei Dank! Denn das rumpelige historische Pflaster ist uns Radlern eigentlich eher unangenehm. Eine Spaßbremse ersten Ranges.

Die Zossener hat es nunmehr sogar in die überlokale Berliner Presse geschafft. Denn sie verfügt seit wenigen Tagen an dieser Stelle über das, was sich meistens als die beste und sicherste Radverkehrsführung erweist: einen RADFAHRSTREIFEN! Die Radfahrer erhalten ihren eigenen Raum auf der Fahrbahn, gut sichtbar für PKW und andere Radfahrer. Die Autofahrer wissen oder sollten wissen: Ich darf da nicht rein.

An Kreuzungen stellen sich die Radfahrer übersichtlich neben und vor den Autofahrern auf, so dass die gefürchteten Kreuzungsunfälle vermindert werden – die nötige Achtsamkeit vorausgesetzt. Im Längsverkehr werden die Radfahrer nicht bedrängt, belästigt und gefährdet, wenn sie auf einem ihnen vorbehaltenen Radstreifen dahinrollen.

Manche Autofahrer grummeln, wenn statt drei nur noch zwei Fahrspuren zur Verfügung stehen. Aber ich meine: Sie werden erkennen, dass die Radfahrer ihnen weniger in die Quere kommen. Und: Ein Auto braucht etwa soviel Platz wie 16 Fahrräder. Warum beanspruchen die Autos soviel von dem öffentlichen Raum für sich? Die Förderung des Radverkehrs nützt allen – nicht zuletzt den Kindern der Autofahrer.

Ich bin für eine menschenfreundlichere Stadt! Die Stadt ist für alle Menschen da! Der Autoverkehr muss sich unterordnen und einordnen lernen. Er darf nicht so gewalttätig den Großteil des öffentlichen Raums für sich wegfressen.

Lies selbst, was die überlokale Presse über die nunmehr so berühmte Zossener Straße schreibt. BILD dir Deine Meinung!

Brauchen Radfahrer wirklich so viel Platz? – Berlin – Berliner Kurier

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Wandernd und zugfahrend dem Volk aufs Maul schauen!

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Okt. 172010
 

Im Gegensatz zu gepflegten Umfragen, Soziologieseminaren, dicken Büchern  beziehe ich Unterschichtler einen großen Teil meiner Überlegungen und Einsichten aus direkten Gesprächen mit den Menschen, sehr gerne bei Zufallsbegegnungen im Regionalexpress oder an der Kasse beim LIDL oder beim ALDI, beim Warten im LABO (Ausländerbehörde) oder an der roten Ampel (wenn die anderen Radfahrer durchrauschen).

Ergebnis: Die riesigen Umfragen hinken meistens hinterdrein, geben aber ungefähr das wider, was man ohnehin durch direktes Fragen auch herausbekommt.  Das Umfragendesign kann in Maßen stets so gestaltet werden, dass der Auftraggeber zufrieden ist. Ein vortreffliches Beispiel für dieses gedungene Umfragenwesen ist die neue Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Rechtsextremismus. Nach dieser Studie ist die deutsche Bevölkerung bis weit in die Mitte hinein durchzogen von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus.

Gewünschtes Ergebnis: Mehr Geld für Initiativen gegen rechts, heldisches Kämpfen gegen Adolf Hitler und seine Mordbuben, Poststempel gegen „Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt“ werden weiterhin auf Berlins amtliche Post gedruckt, Klüngel und Grüppchen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus werden überall herangezogen.  Heldisches Kämpfen gegen rassistische Mörderbanden, gegen „Nazi-Methoden“ wird belohnt und gefördert und durch Preise, Fördermittel, Pöstchen und Posten belohnt.

Ich meine: Neben „Nazi-Methoden“ sollte man auch „Stasi-Methoden“ entschlossen bekämpfen, wo immer man sie vorfindet oder vorzufinden glaubt.

Die Reaktionen auf das Sarrazin-Buch etwa ahnte ich schon 2 Tage nach Erscheinen des Buches. 3 Tage nach Erscheinen hatte ich das Buch fertig gelesen und habe sofort meine Meinung in dieses Blog reingehämmert, des Sinnes: „Dem guten Herrn Sarrazin wird aus der Bevölkerung quer durch alle Parteien eine riesige Woge der Zustimmung entgegenschlagen. Abgesehen von seinen merkwürdigen biologischen Aussagen trifft er vielfach den Nagel auf den Kopf.“

Ich riet damals öffentlich in diesem Blog zu einer vorurteilsfreien Auseinandersetzung mit dem Buch, da ich ebenfalls voraussah, dass die Meinungsführer zahlreicher wichtiger Parteien und Verbände sofort wie eine hexenhungrige Meute über den armen Herrn Sarrazin herfallen und ihn zerfetzen würden – selbstverständlich ohne das Buch gelesen zu haben.

Es ist alles so gekommen, wie es mir schwante.

Mitunter geht es dem hier bloggenden wackeren S-Bahn-und-RE-Reisenden beim Lesen von Umfragen wie dem Mephisto in der Klassischen Walpurgisnacht:

Da ist für mich nichts Neues zu erfahren
Das kenn ich schon seit hunderttausend Jahren

Was tun? Warum hauen die bestallten Politiker und Funktionäre so oft neben den Nagel und schreien dann laut auf? Ich meine: Wie weiland der Kalif von Bagdad sollten Politiker, bestallte Verbandsfunktionäre, Fraktionsvorsitzende einfach mal einen Monat das Auto stehen lassen und nur RE, Fahrrad, S-Bahn und U-Bahn fahren, selber in die Kaufhalle, zum LIDL oder zum ULRICH gehen und in der Schlange ein Gespräch anfangen.

Das verliehe einfach eine größere Sicherheit in der Einschätzung von Stimmungen. Überhaupt: Mehr zu Fuß gehen, mehr wandern, weniger im Auto rumhocken!

Ein vortreffliches Hilfsmittel zur wandernden Entdeckung unserer schönen Heimat nutzten wir gestern:  Nachdem wir den RE nach Ludwigsfelde verlassen hatten, verließen wir uns auf die

„Schöne Heimat
GROSSE RADWANDER- UND WANDERKARTE
Teltow, Ludwigsfelde und Umgebung
Ausflüge zwischen Potsdam, Luckenwalde, Trebbin und Zossen, an Nuthe, Nieplitz und NottekanalMaßstab 1: 35.000
GPS-fähig
2. Auflage

Dr. Barthel Verlag“

Südliches Berlin, Teltow, Ludwigsfelde und Umgebung

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Sind wir also fast alle Ausländerfeinde und Rechtsextremisten?

 Migration, Philosophie, Russisches  Kommentare deaktiviert für Sind wir also fast alle Ausländerfeinde und Rechtsextremisten?
Okt. 162010
 

Mit großem Kopfschütteln las ich heute die Studie „im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung“ über das vermeintliche Vordringen rechtsextremer Einstellungen in Deutschland. Im ersten Teil des Buches fiel mir die überbordende Theorielastigkeit auf. Ich fühlte mich an die Soziologie-Seminare erinnert, die ich geduldig während meines Studiums besuchte. Die Autoren beweisen, dass sie viele Seminare und Oberseminare samt zugehöriger Literatur besucht, geleitet und verdaut haben.

Im empirischen Teil fiel mir auf, dass viele Aussagen als manifest rechtsextrem oder manifest ausländerfeindlich gewertet werden, die eher ein Gefühl der Unsicherheit widerspiegeln. „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.“ Schlimm, so etwas zu fühlen?

Nun, das Wort „überfremdet“ gilt seit Jahrzehnten als Alarmklingel für das Schreckgespenst des Rechtsradikalismus. Und sicherlich werden viele zehntausende Familien, die – im Gegensatz zu diesem Blogger – aus Kreuzberg oder Neukölln wegziehen, genau wegen dieses Gefühls der Überfremdung weggezogen sein. Sind das alles Rechtsextremisten, weil sie das Gefühl der gefährlichen Überfremdung verspüren?

Vergessen wird in der Studie, dass auch alle linken Diktaturen eine üble Hetze gegen Volksfeinde und zersetzende Elemente geführt haben. Die linken Diktaturen, welche die KPdSU installierte, waren nicht minder nationalistisch oder ausländerfeindlich als die von den Autoren mit Wonne zitierten rechten Diktaturen! Lenin und Stalin selbst bauten eindeutig auf das Konzept Nationalismus, sprachen zeitweilig sogar von einem „Nationalkommunismus“, um die ideologische  Nähe des realen Sozialismus zum Nationalsozialismus hervorzuheben, die sich ja auch in der innigen Waffenbrüderschaft mit Deutschland bis 1941 niederschlug.  Waren also Lenin, Stalin, die Tscheka usw. alles in der Wolle gewaschene Rechtsextremisten?

Gerade die Sätze, die in der Studie als Beleg für Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus gewertet werden, geben diese Deutung nicht her.  So wird etwa die Aussage „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen“ bereits als Beweis der Ausländerfeindlichkeit bewertet (S. 78). Das kann man so mitnichten schlussfolgern! Ein Fehlschluss! Man frage einmal in Kreuzberg oder Neukölln herum – an den Schulen mit den üblichen 90-95% Hartz-IV-Empfängern. Man wird letztlich erkennen müssen, dass der inkriminierte Satz einen Teil der Realität zutreffend widerspiegelt. Fast niemand kommt hierher, um Goethe im Original zu lesen oder um demokratische Partizipation am Gemeinwesen einzuüben.

Davor sollte man die Augen nicht verschließen. Deswegen ist man aber noch lange kein Ausländerfeind. Man hält die Augen offen – und man analysiert die Lage.  Selbstverständlich liegt auch zu diesem Satz die Zustimmung im Osten höher als im Westen.

„Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert.“ Diese Aussage wird von den Autoren als Beleg des Wunsches nach einer rechtsautoritären Diktatur gedeutet (S. 76). Die Zustimmung liegt im Osten höher als im Westen. Warum wohl? Nun, in der DDR gab es genau diese autoritäre, einzige starke Partei – verkörpert durch die SED. Der Satz, der als Beleg für Rechtsextremismus gedeutet wird, ist eine Selbstbeschreibung der linken, der nationalkommunistischen Parteien wie etwa der SED!

Der Extremismus der Rechten ist über weite Strecken nichts anderes als die Fortsetzung der autoritären Regime, welche bis 1989 einen großen Teil Europas beherrschten. Aber davon wollen die Autoren nichts wissen.

Die DDR erkennen die Autoren der Studie nicht. Dabei war die DDR ein Nährboden für links- und rechtsextreme Einstellungen gleichermaßen.

Ich rate zu einem genauen Studium, jedoch zu einem äußerst kritischen Umgang mit dieser Studie. Ich persönlich halte sie für empirisch unsauber und theoretisch recht stark veraltet, überdies einem schicksalhaften Verblendungszusammenhang (Ha! ein schönes Horkheimer-Adorno-Habermas-Wort!) in der Leugnung und Abschattung der Linksdiktaturen verhaftet.

Die Schlussfolgerungen und das aus der Studie entstehende Gesamtbild halte ich für falsch, für eindeutig fehlfarbengezeichnet.

Studie zu rechtsextremen Einstellungen application/pdf-Objekt

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Abgrenzungswahn oder Vielfaltsglaube?

 Gute Grundschulen, Parkidyllen, Sprachenvielfalt, Willkommenskultur  Kommentare deaktiviert für Abgrenzungswahn oder Vielfaltsglaube?
Okt. 152010
 

Ein klares Bekenntnis zur Vielfalt der Kulturen, ein starkes Vertrauen in die Veränderbarkeit der Menschen äußert Innensenator Erhart Körting heute auf S. 16 der Berliner Zeitung. Interessanterweise erkennt er, das die Bevölkerung in den arabischen Staaten oft viel weiter ist als die stetig wachsende arabische Volksgruppe in Deutschland.

Einem Teil der muslimischen Gemeinde hält Regina Mönch heute – wie ich meine zu Recht – in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf S. 31 „Abgrenzungswahn“ vor. Und sie erkennt, dass dieses schroffe, mitunter feindselige  Abgrenzungsverhalten allzu lange verschwiegen wurde. Lehrer erhalten Maulkörbe und werden eingeschüchtert.

Ich meine: Mit den Eltern und den Lehrern sollte man ruhig sprechen. Fragen ist doch so einfach! Und an die Araber, meine Libanesen, traut sich keiner ran. Oder die Journalisten sind selber Eltern und wissen längst Bescheid, trauen es sich aber nicht zu sagen?

In dieselbe Kerbe schlägt Maritta Tkalec in ihrem Kommentar auf S. 4 der heutigen Berliner Zeitung. „Angst, über ihre Erfahrungen zu sprechen, ließ auch Berliner Lehrer schweigen über schwelende Konflikte.“

Ich wiederhole meine Bitte: Oh Politiker, oh ihr Journalisten, schickt eure Kinder doch bitte in die bundesweit berühmten Schulen im Wedding, in Neukölln, in Kreuzberg, in Schöneberg, in Friedenau, auf die ihr so neugierig seid! Lasst eure Angst vor fremden, sich abgrenzenden Welten nicht die Oberhand behalten! Niemand verbietet euren Töchtern, mit kurzem Rock und unbekleideten Oberarmen durch die Sonnenallee zu spazieren!

Huldigt nicht dem Abgrenzungswahn! Lasst uns doch nicht allein! Es sind alles hier geborene, hier aufgewachsene deutsche Kinder. Geht in die Schulen, steht nicht rum, mischt euch unter die neuen Mehrheiten!

Sammelt freudvolle Erfahrungen, wie es dieser Blogger getan hat. Dann reden wir weiter.

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„Wir werden erreichen, woran wir glauben!“

 Ökologie  Kommentare deaktiviert für „Wir werden erreichen, woran wir glauben!“
Okt. 132010
 

Älteste germanische Dichtung – noch unbefleckt vom Christentum – preist hymnisch den Wald als Urstätte des Glaubens. Holz lautet ein alter Name für Wald.

Phol ende Uodan fuoran zi holza …

Das ist:

Phol und Wotan fuhren in den Wald…

Da brach sich das Pferd ein Bein! Was tun?  Ein Zauberspruch ist schnell zur Hand:

Ben zi Bena, gelid ze gelida – so entsteht der neu Fug der Natur, Wotans Ross wird durch die magische Beschwörung der Kräfte des Waldes geheilt.

Dieser starke Glaube an die Kraft der Natur, das Kämpfen gegen Baumfrevel und Verletzung der heilgen geweihten Erde, das Hinwallen zu  Walstätten, das grimme Anrennen gegen den Feind und die Übermacht, das trutzige Aufbäumen gegen den Staat – das alles lässt sich trefflich aus den Bildern herauslesen, die der Tagesspiegel veröffentlicht.

Die Kraft germanischen (besser: suebischen) Volkstums gegen  tobt ingrimmig gegen die Macht des Staates! Man glaubt sich in die Zeiten von Cäsars De bello gallico zurückversetzt: Die Germanen (die gefürchteten Sueben) schlugen mit Äxten und Knüppeln die technologisch weit überlegenen Römer in die Flucht.

Der pagane Kult der Natur, die tobende Kraft des Volkes wird gegen die weltliche Macht des Staates in Anschlag gebracht.

Das ist das gleiche Grundmuster, mit dem in den dreißiger Jahren die Wahlen in Italien und Deutschland gewonnen wurden: Das morsche, frevlerische System der Demokratie wurde durch kraftvolle Hiebe des Volkes, das sich einte zu grimmer Wehr, zu Fall gebracht.

Auch die Faschisten trieben einen innigen Kult des Volkes, des Bodens, des Waldes, an dem sich die feigen Demokraten des Weimarer Systems mit ihren gedungenen Richtern vergangen hätten.

Die Faschisten und die Nationalsozialisten begingen bereits in der parlamentarischen Demokratie einen Rechtsbruch nach dem anderen, wobei sie sich stets auf die Kraft der Natur und die Würde des Volkes beriefen – und fast niemand hinderte sie daran. Aber die Faschisten und die Nationalsozialisten waren doch Verbrecher.

Hier ein paar der religiös wabernden Schlachtrufe und Glaubensbekenntnisse von den Transparenten der Bahnhofsgegner:

„Wir werden erreichen, woran wir glauben!“

„Nazi-Methoden!“

„Mörderbande!“

„Erst sägt ihr unsere Bäume ab, dann sägen wir euch ab!“

„Wo Unrecht Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“

Das sind einige der Urlaute, die sich auf den Transparenten der Bahnhofsgegner Bahn brechen.

Gefährlicher, paganer Un-Fug ist das!

Fotostrecke: Proteste gegen Stuttgart 21 – Fotostrecken – Mediacenter – Tagesspiegel

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Mesut-Özil-Auspfeifen und Fankultur zusammendenken!

 Rassismus  Kommentare deaktiviert für Mesut-Özil-Auspfeifen und Fankultur zusammendenken!
Okt. 122010
 

Einer der interessantesten Beiträge zur Mesut-Özil-Auspfeif-Debatte erreichte dieses Blog am 10.10.2010. Wir fügen ihn hier unverändert (wenn auch mit redaktioneller Kommentierung und stillschweigenden Rechtschreibkorrekturen) ein. Danke an Martin!

„Das ist nicht unsportlich … das ist Fankultur … auch wenn sie nicht gefällt. Dieselben, die da gepfiffen haben, werden ihm zujubeln, wenn er mit Real Madrid die CL [Champions League, Anm. der Red.]  gewinnen würde.

Ein Olli Kahn ist auch überall in der Bundesliga ausgepfiffen worden und mit Affengebrüll (dass das zu diesen Fans passt, brauch ich nicht zu erklären), das aber nur, wenn er im Bayerntrikot da war, im Nationaldress haben sie dann im gleichen Stadion Olli-Olli gerufen.

So ist das nun mal da draußen … in den Weiten des Stadion und des Sports.“

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„Islamfeindlich“, „krude Thesen“ – Abschreiber!

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Okt. 122010
 

Groteske Aufstachelung zur Islamfeindschaft wird wieder einmal über Umfragen und die wohlmeinende Presse betrieben! „Deutschland ohne Islam wäre besser“, „Ich fühle mich durch die muslimischen Schüler an den Rand gedrängt“, „Die muslimischen Jugendlichen drängen uns auf den Bürgersteigen ab“, solche Aussagen habe ich zu Hunderten gehört – von Neuköllnerinnen und Kreuzbergerinnen, von Schülerinnen und Lehrerinnen, Frauen jeder Art und jeder Nationalität.  Sind das alles Islamfeindinnen? Ist das Islamfeindschaft?

„Krude Thesen“ – das ist der Renner des Jahres! Das Wort schreiben sie hübsch einer vom anderen ab, statt mal einen einzigen Elternabend mit der üblichen muslimischen Mehrheit zu besuchen. ABSCHREIBEN IS‘ FEI VERBOTEN, meine verehrten Damen und Herren Journalistinnen und Umfragerinnnen.

Nein, das sind alles Gefühle. Gefühle sind nun mal da. Man kann sie durch Umfragen bewusst bestärken, wie es die Süddeutsche heute wieder einmal macht. Oder man kann versuchen, diese Gefühle auf Erlebnisse und Erfahrungen zurückzuführen, wie es die Süddeutsche wohlweislich nicht macht.

Ich meine: Die Aussage „Deutschland wäre ohne Islam besser“ ist kein Beleg für eine vermutete Islamfeindschaft. Es ist keine islamfeindliche Aussage. Es ist eher ein kurzatmiger Seufzer.

Journalisten und Redakteure, die sicherlich weder in Neukölln noch in Kreuzberg, weder in Duisburg-Marxloh noch im Münchner Hasenbergl leben, nehmen diese und andere Aussagen zum  Anlass, den Deutschen eine „Islamfeindschaft“ zu unterstellen. Dann sollten sie ihre Kinder aber auch nach Neukölln oder Duisburg-Marxloh in die normalen staatlichen Grundschulen schicken – zu den muslimischen deutschen Mehrheiten. Dann sprechen wir uns wieder. Nach 12 Monaten.

Islam: Neue Studie – Der Sarrazin-Effekt: Deutschland wird islamfeindlich – Politik – sueddeutsche.de

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„So kommst du mir nicht vor die Augen …!“

 Fahrrad  Kommentare deaktiviert für „So kommst du mir nicht vor die Augen …!“
Okt. 112010
 

… herrschte mich eine gute Freundin ironisch an, als ich mit der gelben ADFC-Warnweste und einem Fahrrad-Schutzhelm zum Treffen antanzte.

Neuerdings trage ich sogar eine komplett gelbe Jacke, wie sie sonst nur Träger amtlicher Gewalt führen – zum Beispiel Straßenkehrer. Und prompt erkannte mich eine Bekannte nicht! Sie hielt mich für einen BSR-Mitarbeiter.

Dennoch: Ich steh dazu. Dann bin ich halt hässlich. Gute Sichtbarkeit ist ein Baustein zu guter Sicherheit beim Radfahren.

Guter Move auch in Karlsruhe: Eine  Kampagne des Bürger- und Ordnungsamtes für Regeltreue, Rücksicht, Vorsicht, vorbildliches Verhalten bei Radfahrern.

Alle, alle – Politiker, Senioren, Frauen, Männer, Kinder – liegen sie mir in den Ohren: „Du bist doch beim ADFC! Könnt ihr nicht mal was machen. So viele Radfahrer halten sich nicht an die Regeln! Die kommen von überallher angeschossen! Ich fühle mich BELÄSTIGT!“

Ich meine: Regelgerechtes, ja menschenfreundliches Verhalten von PKW- und Radfahrern ist ebenso wichtig wie eine radfahrerfreundliche Verkehrsplanung. Beides muss Hand in Hand gehen! Je artiger und verantwortungsvoller wir Radfahrer uns benehmen, desto freundlicher wird man uns zuhören, wenn’s an die Planung geht. Wenn alle PKW- und Fahrradfahrer etwa den § 1 der StVO befolgten, sähe die Welt schon viel besser aus.

Das chaotische Gebaren vieler Fahrzeugführer, oft hart an der Grenze zur Unzurechnungsfähigkeit gelegen, ist nunmal Fakt – mindestens in Berlin, Münster, Bonn und Karlsruhe. Das haben mir meine Freunde und Gesprächspartner immer wieder bestätigt. Da kann man sich noch so gerne Fahrradstadt schimpfen.

Meine hässliche Weste und meinen hässlichen Fahrradhelm lege ich übrigens neuerdings ab, sobald ich einer hübschen Freundin im Café begegnen soll. Man will ja nicht den guten Eindruck verderben, den man ohne Helm und ohne Warnweste vielleicht erzeugen kann.

 Karlsruhe: Sicher Radfahren in der Fahrradstadt Karlsruhe
Machen Sie sich auffällig!

Zweiräder sind bei Dunkelheit besonders schwer zu erkennen. Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Ausrüstung des Fahrrads mit Beleuchtung und Rückstrahlern sind besonders helle Kleidung und Reflektoren zu empfehlen. Nur wenn der Autofahrer Sie wahrnimmt, kann er rechtzeitig reagieren. Selbstverständlich: In der Dämmerung und bei Nacht niemals ohne Licht fahren!

 Posted by at 17:42

Beziehungen sind das A und O

 Integration, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Türkisches  Kommentare deaktiviert für Beziehungen sind das A und O
Okt. 102010
 

Trotz allem – die Debatte geht weiter, Bülent Arslan hat einige sehr gute Dinge gesagt, die sicherlich auch für Berlin gelten, nicht nur für NRW. Seh ich fast alles genauso. Lest selber:

Wie ticken die Türken in Deutschland, Herr Arslan? – Politik – Berliner Morgenpost – Berlin
Einen Integrationsvertrag abzuschließen, nützt wenig. Die türkische Kultur ist beziehungsorientiert, die deutsche dagegen sachorientiert. Das heißt, eine mündlich getroffene Vereinbarung hat eine größere Wirkung. Das ist auch so ein kultureller Unterschied.

 Posted by at 23:15

Haben sie Mesut Özil gemobbt?

 Opfer  Kommentare deaktiviert für Haben sie Mesut Özil gemobbt?
Okt. 102010
 

Den ganzen gestrigenTag dachte ich an das herrliche, das überragende, das überreiche, das mich zutiefst anrührende Buch „Freedom“ von Jonathan Franzen und hatte auch Gelegenheit, zu ihm und für ihn persönlich auf der Frankfurter Buchmesse zu sprechen.

So war ich leider für alle anderen Bücher dieser Welt und dieser Buchmesse gestern verloren und verbrachte den zweiten, dienstfreien  Teil des Tages statt mit Büchern auf dem internationalen Bildungskongress „Lernende Gesellschaft“ gleich nebenan. Dort traf ich viele interessante Menschen und besuchte zwei Workshops, über die ich stichpunktartig berichten möchte.

Erste Frage also: Haben die Türken Mesut Özil gemobbt durch ihr gellendes Pfeifen?

Mustafa Jannan, Gymnasiallehrer und Verfasser des „Anti-Mobbing-Buches„,  lieferte vier unbestechliche Kriterien für Mobbing überhaupt und also auch für Mobbing im Sport:

1) Es muss ein Kräfteungleichgewicht herrschen. Das Opfer ist allein, fühlt sich einer Übermacht ausgesetzt. Cliquenkämpfe, Raufereien sind kein Mobbing.

2) Mobbing erfolgt wiederholt und mit einer angebbaren Häufigkeit.

3) Mobbing hat eine längere Dauer – es ist kein einmaliges Ereignis.

4) Eine Konfliktlösung aus eigener Kraft ist nicht möglich.

Ich würde zu „Özil vs. 45000 Türken“ sagen:  1) Özil war nicht allein, er fand Unterstützung in der Mannschaft. 2) Das Auspfeifen ist auf das Spiel beschränkt, ein Ende war stets absehbar. 3) Die Konfliktlösung gelang Mesut Özil dadurch, dass er ein Tor schoss und eine brillante Leistung ablieferte, wie ich sie selbst von ihm bisher selten zu sehen bekam. (Das Tor war nur das Sahnehäubchen, seine super Pässe werden mir noch länger im Gedächtrnis bleiben!)

Es war also KEIN MOBBING gegen Özil!

Mustafa Jannan bot gestern höchst konstruktive Konfliktlösungsmuster an: Mobbing muss zum Thema in der Schule gemacht werden. Es muss ans Tageslicht kommen. Nur die SCHULE selbst kann Mobbing verhindern, Mobbing abstellen, Mobbing auflösen.

Die zentrale Figur ist dabei der LEHRER. Er muss Verbündete und Helfer suchen – vor allem unter den anderen Schülern und unter den Elternvertretern (nicht jedoch unter den Eltern des Mobbers und des Mobbing-Opfers selbst).

Der vermittelnde Lehrer (das muss nicht der Klassenlehrer sein) muss zuerst den vertraulichen Kontakt zum Mobbing-Opfer, dann zum Mobber suchen und pflegen. Mit einer guten Beziehungsqualität steht und fällt jeder fruchtbare Umgang mit Mobbing.

Ich stellte die Frage nach dem Mobbing migrantischer Mehrheiten gegen winzige Minderheiten an Berliner Schulen, drang aber damit nicht durch. Meine Frage wurde nicht aufgegriffen – wohl aus Zeitgründen.

Was ergibt sich aus Mustafa Jannans Erkenntnissen zur gegenwärtigen Mobbing-Debatte in Berlin?

Erstens: Die Schulen haben die Karten selbst in der Hand. Ein erhöhter Aufwand an Sozialarbeitern, Psychologen, Streitschlichtern ist – wenn ich Jannan richtig verstehe – nicht nötig.

Zweitens: Die Schulen müssen viel stärker die Identifikation mit sich, also mit der Schule XY pflegen und stärken. „Wir sind hier die Nazim-Hikmet-Schule, wir gehören alle dazu!“

Drittens: Mobbing ist sehr häufig. Etwa 1 von 25 Schülern wird gemobbt.  Die Schulen sollten deshalb eine Anti-Mobbing-Kultur aufbauen. Das ist eine Daueraufgabe.

Ich empfehle meiner gebeutelten Stadt Berlin, Mustafa Jannans Buch zu lesen und ihn auch einmal offiziell nach Berlin einzuladen.

 Posted by at 23:05
Okt. 102010
 

Etwas, was bei Sami Khedira undenkbar wäre: die Türken pfiffen im Berliner Olympistadion ihren abtrünnigen Landsmann aus. „Einmal Türke – immer Türke!“, „Die türkische Nation ist ewig und heilig“, „Wir müssen zueinander halten – wo immer wir sind“, „Wir müssen den Ruhm des türkischen Vaterlandes überallhin tragen“. Solche Stimmen hörte ich aus dem gellenden Pfeifkonzert heraus.  Es stimmt schon: Die Türken haben mit unendlicher Mühe aus einem Vielvölkerstaat unter Zuhilfenahme heiliger Beschwörungsformeln eine mit Blut geweihte Staatsnation geschmiedet. Wem das nicht passte, der konnte ja gehen oder wurde gegangen. Man besuche einmal das Atatürk-Mausoleum in Ankara! Man besuche auch das Lenin-Mausoleum (früher: Lenin/Stalin-Mausoleum) in Moskau! Die Ähnlichkeiten sind überraschend!

Dann wird man die heilige Verehrung der türkischen Nation besser begreifen.

Einer wie Özil, der sich aus freien Stücken für das Land entscheidet, in dem er geboren und aufgewachsen ist, gilt offenbar vielen als Verräter.

Ich habe über dieses Thema oft mit „gut integrierten“, akademisch gebildeten Deutschtürken gesprochen. Sie gaben mir privat weitgehend recht. Aber öffentlich wird kaum ein deutscher Türke dieses ersatzreligiöse Festklammern an der überragenden ewigen türkischen Nation, diese Verehrung des türkischen Staates, des Türkentums  in Frage stellen.

Er sähe sich sofort einem gellenden Pfeifkonzert ausgesetzt. Siehe Mesut Özil! Das gellende Konzert für Özil macht alle weiteren Integrationskongresse erst mal überflüssig, oder?

Dieser tief in den Seelen verwurzelte türkische Nationalismus ist – so meine ich – eines der größten Integrationshemmnisse. Falsch wäre es auch, von Türken zu verlangen, sie sollten umdenken. Das Sich-Lossagen vom türkischen Staat wird fast wie ein Frevel am Vaterland empfunden und kann zu schwerem seelischem Leid führen.

Über die türkischen Religionsbehörden steuert und stärkt der türkische Staat seine Auslandstürken in ihrem Sonder- und Abhängigkeitsbewusstsein. Er bestärkt sie als Schutzmacht im Bewusstsein, hier in einer türkischen Exklave zu leben. Er will nach Kräften verhindern, dass die seit vielen Jahrzehnten hier lebenden, hier geborenen Türken gute deutsche Staatsbürger werden und dadurch dem ewigen Türkentum verlorengehen.

Er bindet sie an sich – etwa durch die Beschneidung des Erbrechts bei Abgabe der türkischen Staatsbürgerschaft. Und wie man in Zypern sieht, nimmt der türkische Staat dieses wechselseitige Treueverhältnis blutig ernst.

Solange die Türken in Deutschland da nicht ran gehen und die Integration allein uns schafsfrommen Biodeutschen überlassen, wird das nichts mit der Integration der Türken.

Das ist doch alles Essig.  Ich bin es leid. Ich bin dessen überdrüssig, mir dieses ewige Lied vom Leid und Elend der Auslandstürken anzuhören.

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Ramsey Hill = Kreuzberg?

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Okt. 082010
 

Damals fuhren sie einen Volvo 240 und waren grüner als Greenpeace, heute fahren sie einen Toyota Prius und ziehen zurück in innerstädtische Wohnquartiere, bilden Baugemeinschaften, haben Kinder bekommen. Sie sind – die neue wohlhabende Mittelschicht der Doppeltverdiener, die ihr Herz für die Benachteiligten nie vergessen haben. Sie verdienen gut. In einem Wort: sie sind urban gentry. Sie sind die Träger der gentrification.

Spreche ich von Kreuzberg? Nein! Ich spreche von Walter und Patty Berglund, den Hauptdarstellern in Jonathan Franzens neuem Roman „Freedom“. Walter und Pattys Geschichte könnte so ähnlich, bis hin zur Wahl des Autos, auch in Marburg, Hamburg oder Tübingen spielen. Jonathan Berglund könnte auch Wolfgang Schenk, Peter Schneider oder Gunnar Schupelius heißen. Patty Berglund könnte auch Alice Schwarzer heißen.

Ich besitze dieses Buch in der frühen amerikanischen Originalausgabe von 2010, die vor wenigen Tagen vom Verlag in einer gigantischen Rückrufaktion wie beim Toyota Prius eingestampft werden musste, als hätte das Gaspedal geklemmt: Sie war übersät mit Sinn- und Druckfehlern, der Autor hatte – so wurde vermeldet – versehentlich eine unkorrigierte Vorfassung abgeliefert. Das macht mich sehr sehr neugierig. War da vielleicht eine politische Inkorrektheit drin? Irgendeine teuflische kleine Wahrheit, die sofort justiziabel würde? Wir wissen es nicht.

Macmillan: Freedom – Oprah #64: A Novel Jonathan Franzen: Books

Die Themenaufstellung, die das Buch einleitet, vergleiche ich jedenfalls mit dem Präludium zu einer großen Oper. Ich zitiere hier einige der Fragen, die der Autor seinen Personen und damit uns vorlegt:

How can you relearn certain life skills that your own parents had fled to the suburbs specifically to unlearn? (Aha! Zum Beispiel Kochen!)

How can you protect your bike from a highly motivated thief? (Siehe Berliner Zeitung heute, S. 17!)

How can you encourage feral cats to shit in somebody else’s children’s sandbox? (Gilt auch für Hunde).

How to determine whether a public school sucked too much to bother trying to fix it? (Kirchliche Schulen sind auch nicht die Lösung).

Ihr seht: Die USA haben es teilweise mit denselben Problemen zu tun wie wir auch. Franzens Roman „Freedom“, den ich gerade lese, ist ein großartiger, kühner Versuch über den Zerfall der alten Werte und den mühsamen Versuch, diese alten Werte so erneut zu formulieren, dass sie das Leben der Ungeschützten, der Kinder, der Mädchen und der Benachteiligten einhegen.

Es geht um Familie, Sexualität, Erziehung, Eltern und Kinder, Macht, Nächstenliebe, Hass, Neid, Politik. Das sind unsere Hauptthemen seit etwa 2500 Jahren. Wer zu diesen Hauptthemen nichts sagen kann oder sagen will, der benachteiligt sich selbst.

Dinge wie Toyota Prius, der Juchtenkäfer, Volvo 240, Gentrification, „Stuttgart 21 – ja oder nein“, Greenpeace sind nur Kräuselungen auf der Oberfläche. Es genügt, dieses Buch zu lesen oder zu verschlingen, um in sich diese Überzeugung zu bestärken.

Quelle: Jonathan Franzen: Freedom. A novel.  Farrar, Straus and Giroux. New York 2010, hier: S. 4

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