Jestem całym sercem z rodziną prezydenta i z rodzinami innych ofiar.
Mit diesen Worten drücke ich meine Teilnahme an dem schrecklichen Unglück aus.
Jestem całym sercem z rodziną prezydenta i z rodzinami innych ofiar.
Mit diesen Worten drücke ich meine Teilnahme an dem schrecklichen Unglück aus.
Eine herrliche Belegsammlung für das vorherrschende Sozialstaatsverständnis liefert der aktuelle SPIEGEL, S. 40-44. Wäre es nicht so traurig, man könnte schon wieder lachen – ein Richter namens Rieckhoff erlaubt sich sogar zu lachen. Die zornfunkelnde Anwältin des Klägers darauf: „Lachen Sie ruhig, das zeigt mir, wo Sie stehen!“
Der Staat – so die allgemeine Lehre – muss allen hier lebenden Menschen unbegrenzt, dauerhaft und ohne Gegenleistung ein anständiges Dasein, Teilhabe am Wohlstand, ein Aus- und ein Einkommen sichern. Eine Vielzahl an Anspruchstiteln, Zuständigkeiten, Regelungen, Ausnahmeregelungen laden geradezu dazu ein, ein Maximum an Geld aus dem Staat herauszuholen. Beispiel: Ein Berechtigter namens Omar bezieht zusätzlich zum Lebensunterhalt 300.- Euro Wohngeld, schläft aber bei einem Bekannten auf der Couch. Die 300.- Euro sind folglich mühelos verdientes Bargeld, das sofort zur Verfügung steht.
Jeder, der sich im Sozialrechtsdschungel auskennt, wird auf Anhieb sofort ein paar Dutzend derartige Kniffe aufzählen können. „Aber der Wohngeld-Berechtigte zahlt Miete für die Couch!“, so die wutschnaubende Anwältin des Opfers. „Wo ist der Mietvertrag?“, so der lachende Richter. „Es existiert eine gewohnheitsrechtliche Vereinbarung zwischen Mieter und Vermieter: Zahle mir das, was du kannst„, so die Wutschnaubende. Der Lachende zeigt sich unbeeindruckt und streicht kaltlächelnd die 300.- Euro. Bis zur nächsten Instanz.
Wieviel kosten diese Theateraufführungen? Was kostet eine solche Gerichtsverhandlung den Staat? Wer profitiert davon? Sicherlich die zornfunkelnden Anwälte. Eine zuverlässig sprudelnde Einkommensquelle und Sozialrechts-Rechtsanwaltsarbeitslosigkeitsvorbeugeversicherung sind die Berge an Sozialklagen, die die deutschen Gerichte beschäftigen. Ferner profitieren die Zeitschriften wie der SPIEGEL, die Stoff für rührselig-weinerliche Geschichten bekommen. Dann natürlich Politiker, die für eine Glattstellung aller Leistungsansprüche eintreten, nach dem Motto: „Schluss mit lustig: 1.200.- für alle, die zu uns kommen und sagen: Da bin ich und ich bereichere euch. Ohne Nachprüfung. Punkt.“
Der Unterhaltungswert dieser Komödien wird dennoch sinken, sobald man erkennt, dass immer wieder dasselbe Stück aufgeführt wird.
Ich persönlich vertrete gegenüber der oben skizzierten vorherrschenden Lehre eine abweichende Meinung. Ich meine: Der Staat ist eine gemeinsame Sache aller. Er darf nicht vorrangig als Anspruchsgegner gesehen werden.
Die Familien müssen in aller Regel selber für sich sorgen. Die Familie ist seit Jahrtausenden der wichtigste Garant sozialer Sicherheit, nicht der Staat. Die Familie muss wieder stärker als die große Keimzelle sozialer Solidarität gesehen werden. Der Staat schafft durch Bildung nur die Bedingungen, damit möglichst alle Kinder befähigt werden, später einmal selber für sich und ihre Familien zu sorgen. Durch Erwerbsarbeit, nicht durch Theaterstücke.
Mehr oder weniger Geld für Integration? Badr Mohammed (CDU), der Politiker und interkulturelle Manager, sprach sich bei einer Veranstaltung des CDU-Ortsvereins Kreuzberg-West am 24.03.2010 eindeutig für eine nachhaltige, großzügige Finanzierung der Integrationspolitik aus. „Wir müssen wesentlich mehr Geld in die Hand nehmen.“ Integrationspolitik sei eine Kernaufgabe für die nächsten Jahre und Jahrzehnte. Nur dann könne es gelingen, die neuen Deutschen zu schaffen.
„Die einheimischen Deutschen und die zugewanderten Deutschen – sie alle zusammen bilden die neuen Deutschen. Nur im Bewusstsein dieser Gemeinsamkeit kann echte Integration gelingen.“
Es führt nicht weiter, wenn man sagt: Du bist Russe, du bist Türke, du bist Deutscher. Nein, es gilt, eine neue, bewegliche, sich weiterentwickelnde Identität als „neue Deutsche“ auszubilden. Diese neuen Deutschen mit kurdischen, armenischen, assyrischen, türkischen … Wurzeln werden bald schon Staatsanwälte, Richter und Polizisten sein.
„An die Familien müssen wir ran! Nur über die Familien kann Integration gelingen.“ So Badr Mohammed. In Kursen ausgebildete und staatlich bezahlte Integrationslotsen, die Kenntnisse in Herkunftskultur und in Kultur der Bundesrepublik Deutschland haben, müssen die Familien zuhause aufsuchen. Männer müssen mit Männern reden. Die Frauen allein anzusprechen, reicht nicht. Die jungen Männer müssen von älteren Männern auf Pflichten und Regeln hingewiesen, zur Brust genommen werden. Flötentöne helfen nicht. Es gilt, klare Kante zu zeigen. Es gilt, einen Deal anzubieten: „Wir schaffen gemeinsam Erfolge, wenn du das und das einhältst. Wenn du zur Schule gehst. Ich werde aufpassen.“
Ich stimme Badr Mohammed zu: Wenn wir das, was Mohammed will, nicht schaffen, dann zersplittert unsere Gesellschaft. Der Staat erodiert. Es drohen dann Verhältnisse wie im Libanon, wo Christen und Muslime, einheimische Araber und zugewanderte Palästinenser zeitweise friedlich nebeneinander herlebten, wo aber letztlich eine komplette Segregation eingetreten ist, die leider auch immer wieder Anlass zu Gewaltausbrüchen bis hin zum Bürgerkrieg gibt. In das kulturelle Nirwana, in das Machtvakuum des schwachen Staates stoßen bewaffnete Milizen und Banden vor. Ein gemeinsames Bewusstsein von „Wir sind alle Libanesen“ gibt es nicht.
Wir brauchen das Bewusstsein: „Wir sind alle Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Wir sind – die neuen Deutschen.“
Die jungen Männer aus Libanon, Syrien, Türkei, die sich ihre zusammenhängenden Lebensräume hier in Kreuzberg, Neukölln oder Wedding zurechtlegen und zurechtkämpfen, leben nach meinen Eindrücken, nach meinen Gesprächen mit ihnen, im kulturellen Nirwana: weder in der Bundesrepublik Deutschland noch in einem anderen Staat. Eine Vorstellung von gelingender Männlichkeit haben sie nicht. Die Schule tritt ihnen in Gestalt von einfühlsamen, emanzipierten Frauen entgegen – also genau das, was sie nicht anerkennen können.
Der Staat ist allenfalls ein Gegenstand von Ansprüchen, den es auszubeuten gilt.
Oft wird gesagt: „Sie erkennen die Rechtsordnung nicht an. Sie erkennen das staatliche Gewaltmonopol nicht an.“
Ich würde noch einen Schritt weitergehen: Sie haben eine ganz andere Vorstellung von Staatlichkeit. Den demokratischen Staat als gemeinsame Sache aller Bürger gibt es in den Herkunftsländern nicht. Den Staat reißen sich die jeweils Mächtigen unter den Nagel.
Der deutsche Staat wird als etwas Schwaches gesehen – als etwas, was es anzuzapfen gilt. Und das ist ja leider ein Staatsverständnis, das sich auch bei sehr vielen einheimischen Deutschen findet.
Rainer Wendt, der neue Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, erhebt heute in der Morgenpost seine Stimme. Und er fordert – wie der CDU-Politiker Badr Mohammed – eine kraftvolle Finanzgrundlage für die Integrationspolitik:
Innere Sicherheit – Polizei warnt vor Chaos in Migrantenvierteln – Politik – Berliner Morgenpost
Aber all das muss endlich als staatliche Pflichtaufgabe im Rang der Schul- oder Polizeifinanzierung gelten, die nicht vom guten Willen der Haushaltspolitiker abhängt. Integration müsste zum Top-Thema aufsteigen.
Die Ressourcen des Staates sind endlich. Selbst wenn wir den Spitzensteuersatz auf 80% anheben, so dass ein Vorstandsvorsitzender netto nicht 100 Mal, sondern nur 10 Mal soviel verdient wie ein Bundestagsabgeordneter, wenn wir all die reichen Steuerhinterzieher aus ihren Luxemburger Verstecken scheuchen, die reichen Unternehmens-Erben durch eine kräftig-ausgleichende Erbschaftssteuer heranziehen: die Kassen des Staates können nicht mehr hergeben, als die Bürger zuvor hineintun.
Derzeit gibt der Staat – Bund, Länder, Gemeinden – etwa 33% des Haushaltes für Sozialleistungen aus und – bei großzügigster Buchhaltungskosmetik – 8-10% für Bildung und Forschung. Das reicht nicht, wie die ZEIT soeben meldet:
Arbeitsmarkt: Von der Leyen warnt vor Fachkräftemangel | News | ZEIT ONLINE
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat vor einem dramatischen Fachkräftemangel in Deutschland gewarnt. «Wir sehen die ersten Anzeichen eines Fachkräftemangels, der dieses Land stärker verändern wird, als die Krise es getan hat», sagte sie dem «Hamburger Abendblatt».
AnzeigeDaher müssten Qualifikation und Weiterbildung verbessert werden. «Wenn wir es schlecht machen, sehen wir in einigen Jahren einem drastischen Fachkräftemangel entgegen bei gleichzeitiger Massenarbeitslosigkeit, weil Menschen nicht ausreichend ausgebildet sind für die Fertigkeiten, die gebraucht werden», sagte von der Leyen.
Zu viele Kinder und Jugendliche verbleiben in den Sozialhilfe-Warteschleifen. Gerade die Kinder müssen aus der Erwartungshaltung des Kümmerer-Staates, des Versorger-Ersatz-Vaters herausgeholt werden. Die Umgestaltung und Verschlankung des Sozialwesens zugunsten besserer Bildungschancen – das wäre eine Riesenaufgabe, für die eine einzelne Politikerin sicher nicht ausreicht! Da müssen auch die Männer ran!
Hier braucht es den Mut zu erzieherischen Kürzungen und persönlichkeitsbildenden Befristungen im Sozialbereich, und es braucht den Mut zur Umschichtung der freiwerdenden Mittel in die Schuldentilgung und den Bildungsbereich hinein.
Wer wagt sich daran?
Es lohnt sich doch, immer wieder mal ein Verslein aus der jüdisch-christlichen Bibel zu lesen. Die eine oder andere unter den Leserinnen mag noch ein verstaubtes Exemplar aus Urgoßmutters Besitz auf dem Dachboden haben. Ansonsten hilft auch Google weiter, um Levitikus 19,34 zu lesen. Was sagt Moses zum Thema Integration, Sozialhilfe, Aufenthaltserlaubnis, Diskriminierung, Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Migration, affirmative action, Assimilation, Zuwanderung usw. usw.?
34. Ὡς ὁ αὐτόχθων ἐν ὑμῖν ἔσται ὁ προσήλυτος ὁ προσπορευόμενος πρὸς ὑμᾶς καὶ ἀγαπήσεις αὐτὸν ὡς σεαυτόν ὅτι προσήλυτοι ἐγενήθητε ἐν γῇ Aἰγύπτῳ ἐγώ εἰμι κύριος ὁ θεὸς ὑμῶν.
Als wackerer Gräzist übersetze ich aus der für die frühen Christen und die assimilierten Juden maßgeblichen griechischen Übersetzung der jüdischen Tora, wie sie ungefähr auch Jesus von Nazaret in den Ohren geklungen haben mag:
„Wie der Einheimische bei euch soll der Zuwanderer sein, der zu euch aufbricht, und du sollst dich um ihn kümmern wie um wie dich selbst, da ihr selbst in Ägypten Zuwanderer geworden wart.“
Hervorzuheben: Die Zuwendung, die Annahme des Fremden ist ein Werk des einzelnen – DU sollst ihn lieben. Nicht: DER STAAT soll sich um ihn kümmern. Sondern: DU sollst dich um ihn kümmern. Von Mensch zu Mensch. Nicht vom Staat zum Menschen. Warum? „Weil ihr selber Zuwanderer wart.“
Die Zuwanderungserfahrung ist also eine kollektive Erfahrung. 2. Person Plural! Vor dem Gedächtnishintergrund der kollektiven Zuwanderungserfahrung ergibt sich für die gläubige Jüdin und den gläubigen Christen der Aufruf zur individuellen Nächstenliebe.
Und damit komme ich zu meiner politischen Botschaft: Die Integration der Zuwanderer kann nur von Mensch zu Mensch gelingen. Die einzelnen Menschen müssen sich umeinander kümmern. Familien um Familien. Der Staat kann es nicht schaffen. Die endlos und über Generationen ausgereichte Sozialhilfe, die sündhaft teuren staatlichen Programme lähmen Wagemut, Kraft und Tüchtigkeit der Menschen.
Die berühmten „Eigenkräfte“, von denen 1981 Richard von Weizsäcker (mit geringstem Widerhall) sprach, die individuelle Sorge werden Platz gewinnen, sobald die erstickenden, von oben herab geregneten Sozialprogramme Schritt für Schritt aus dem Leben der Familien, der einzelnen weggenommen werden.
Quelle: Septuaginta, id est Vetus Testamentum graece iuxta LXX interpretes edidit Alfred Rahlfs. Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, 1979, S. 193
Eine interessante Diskussion entspinnt sich auf dem Blog Jörg Laus! Wir werden uns schmarotzerhaft daran heften!
Bremst der Wohlfahrtsstaat die Integration? « Jörg Lau
Man stelle sich vor, was geschähe, wenn die Sozialhilfe nach 6-12 Monaten wegfiele.
Ein Leser J. S. warnt:
Dann müssten viele in den Problemvierteln nach dieser Zeit aus ihren Wohnungen ausziehen. Das bedeutet Leerstand und damit Wertverlust der Immobilien. Das führt u.U. zu einer Krise auf dem Immobilenmarkt. Und was das für Folgen haben kann, haben wir bei der letzten Weltwirtschaftskrise gesehen.
Darauf kommentierte ich:
In die freiwerdenden Wohnungen würden bei uns in Berlin (Kreuzberg, wo ich wohne) die neuen, aufstiegswilligen, gut verdienenden Familien einziehen, denn die Innenstadtlagen sind in Berlin heiß begehrt! Es entstünde endlich die gewünschte ethnische Mischung statt unserer türkisch-arabischen Migrantenquartiere. Aus einem Problemviertel würde ein Zukunftsviertel mit vielen neuen Wohnqualitäten! Die arbeitenden, weniger verdienenden Araber und die arbeitenden, weniger verdienenden Türken könnten dann in die hochwertigen, aber billig zu mietenden Plattenbauten im Osten Deutschlands einziehen, die jetzt entvölkert und leider abgerissen werden. Oder die steinreichen libanesischen Bankiers leihen günstige Start-up-Kredite an ihre ehemaligen Landsleute warum nicht?
Einige Sätze aus dem Merkur-Heft von April 2010 mögen bei der Antwort helfen. Verfasser: Siegfried Kohlhammer.
Editorial
Niemals zuvor in der Migrationsgeschichte hat es einen derartig hohen Grad an materieller, rechtlicher und ideologischer Unterstützung der Migranten von staatlicher und nichtstaatlicher Seite gegeben wie im heutigen Europa, und Deutschland nimmt dabei einen der Spitzenplätze ein. Seit Jahrzehnten werden hier erhebliche Summen für Integration ausgegeben, in die Sprachprogramme allein sind Milliardenbeträge investiert worden. Schon die Gastarbeiter in den sechziger Jahren waren von Anfang an arbeits- und sozialrechtlich gleichgestellt, erhielten also Tariflohn, Arbeitslosengeld und -unterstützung, Kinder- und Wohnbeihilfe, BAFÖG, ärztliche Betreuung – das volle Programm. Das hatte denn auch zur Folge, dass das (1973 eingestellte) Gastarbeiterprogramm zwar für die Privatwirtschaft, auf deren Druck es eingeführt worden war, einen Erfolg darstellte, nicht aber gesamtwirtschaftlich, da die Folgekosten die Gewinne schließlich übertrafen. Generell gilt in Europa, dass die Migranten insgesamt den Wohlfahrtsstaat mehr kosten, als sie zu ihm beitragen. Eine Lösung der Probleme Europas durch mehr Migranten, wie sie die EU wünscht, ist eher unwahrscheinlich.Während früher den Einwanderern selbst die Last der Integration auferlegt wurde – und sie funktionierte in der Regel, auch ohne Sozialhilfen und Wohlfahrtsstaat und Antidiskriminierungsgesetze -, gilt heute Integration immer mehr als in die Verantwortung des Staates fallend. Und doch sind die Ergebnisse insgesamt immer dürftiger. »Nie zuvor in der Geschichte der Migration gab es so viel Rücksichtnahme und Planung. Doch die Ergebnisse waren dürftig.« (Laqueur) Das hatte unter anderem zur Folge, dass der Anteil der Erwerbstätigen unter den Migranten stetig sank und eine Lebensplanung auf der Grundlage von Sozialhilfe möglich wurde. So machen etwa die Muslime in Dänemark 5 Prozent der Bevölkerung aus, nehmen aber 40 Prozent der wohlfahrtsstaatlichen Leistungen in Empfang – und andere Länder weisen ähnliche Missverhältnisse auf.
Bei uns in Kreuzberg-West haben wir noch ein typisches Mischgebiet: einige Häuser und Straßenzüge sind noch überwiegend von Deutschen bewohnt, andere Häuser und Straßenzüge sind überwiegend oder bereits ausschließlich von arabischen und türkischen Zuwanderern bewohnt, die keiner geregelten Arbeit nachgehen, sondern sich allerlei alternative Einkommensquellen erschlossen haben, darunter auch Sozialleistungen des deutschen Staates. Jahr um Jahr verschiebt sich die Balance zugunsten der Zuwanderer. Kreuzberg-West wird in 10-15 Jahren muslimisch geprägt sein wie heute schon das alte Kreuzberg SO 36. Auffällig ist etwa, dass ich bereits heute auf den Straßen fast keine „deutsch aussehenden“ Jugendlichen mehr sehe.
Schmerzhaft war es für mich zu sehen, wie bildungswillige, gut integrierte polnische und russische Zuwanderer meines Bekanntenkreises Berlin und Deutschland vereinzelt bereits wieder verlassen. „Wir sehen für unsere Kinder keine Zukunft unter diesen Umständen“, erklärten sie mir. „Das ist nicht das Deutschland, in das wir einwandern wollten.“
Legen wir uns doch einmal folgende Frage vor:
Bremst der Wohlfahrtsstaat die Integration? « Jörg Lau
Ich würde sagen: er bremst sie nicht nur, er verhindert sie auch. Der ZEIT-Journalist Jörg Lau führt in seinem Blog einen sehr interessanten neuen MERKUR-Artikel von Siegfried Kohlhammer an. Hauptthesen Kohlhammers: Die muslimischen Zuwanderer der jüngsten Generation leben zunehmend und wissentlich von Sozialleistungen, gefördert durch ein kulturell geprägtes Überlegenheitsgefühl. Die europäischen Sozialstaaten schauen dem ohnmächtig zu und fördern zunehmende Segregation durch üppig verschenkte finanzielle Fürsorge. Soll es so bleiben?
Aus meiner – zugegebenermaßen erfahrungsgetränkten Sicht – meine ich:
Man muss meines Erachtens die Eigenkräfte der Zuwanderer durch einen systematischen Rückgang, durch eine klare Befristung der Sozialleistungen aktivieren. Ich halte dies für unerlässlich. Und das wird ohne eine umfassende Änderung der sozialrechtlichen Lage nicht gehen. Man stelle sich vor, was geschähe, wenn die Sozialhilfe nach 6-12 Monaten wegfiele! Alle würden sich bemühen, möglichst schnell eine Arbeit zu finden, entweder in Deutschland, in dem Herkunftsland oder in einem dritten Land. So soll es auch sein. Die Fürsorge innerhalb der Familien würde belebt. Nur diejenigen, die arbeiten wollen, würden neu nach Deutschland kommen. Die Kinder wüssten, dass sie ihren Lebensunterhalt selber verdienen müssen, und zwar in einem Land ihrer Wahl. Die meisten Probleme, die Jörg Lau und Siegfried Kohlhammer ansprechen, würden sich durch die Verknappung oder den Fortfall der Sozialhilfe im Lauf der Jahre auswachsen.
Durch eine Befristung, Verknappung oder auch völlige Streichung der Sozialhilfe wird der Grundstein für eine erfolgreiche Integration der Ausländer und auch der Zuwanderer mit deutscher Staatsbürgerschaft gelegt. Je schneller, je konsequenter, desto besser.
Patriotismus ohne Deutschland? Das klingt paradox, was Robert Habeck heute in der Berliner Morgenpost fordert. Ich denke: Als guter Kanadier wird man kanadischen Patriotismus nicht ohne Kanada haben können. Nur ein starker Staat ist der Garant von Freiheit. Gerade faktische Einwanderungsländer wie Deutschland und Kanada müssen alles daran setzen, die Neubürger zu einer Identifikation mit dem neuen Staat einzuladen. Nur ein starker Staat ist der Garant von Freiheit. Und Patriotismus ohne klares Bekenntnis zu dem jeweiligen Land – das ist Tobak, reiner Rauch, blutleer.
Ich meine wie die alten Griechen des Aischylos: Wenn der Staat wirklich als Gemeinwesen gefasst und erlebt wird, dann entsteht nach und nach eine Bindung, eine Identifikation. Dann wird man keinen Anstoß daran nehmen, wenn in einer Kreuzberger Schule auch mal irgendwo eine deutsche Fahne steht. Die Identifikation wächst von der Familie über die Schule, von der Schule über die Stadt, von der Stadt zum Bundesland, und von da zu Deutschland und zu Europa.
Robert Habeck – Grüner fordert „Patriotismus ohne Deutschland“ – Kultur – Berliner Morgenpost
Nur ein starker Staat ist der Garant von Freiheit.
Nur wer den Koran studiert, nur wer das jahrtausendealte Herrschaftsdenken der alten orientalischen Reiche vom Herrscher als dem „Völkerhirten“ kennt, wird letztlich unsere muslimischen Volksgruppen verstehen können. Wer sich nicht bemüht, die tiefen kulturellen Prägungen der Muslime ernstzunehmen, dessen sozialpolitische Anstrengungen laufen ins Leere.
Eine eingehende Befassung lohnt in jedem Fall das Internet-Portal der einflussreichen Islamischen Gemeinschaft Milli Görus. Dort kann man sich in deutscher Sprache in ein gewisses islamisches Gesellschafts- und Politikverständnis einarbeiten, dort werden Freitagspredigten abgedruckt, von denen anzunehmen ist, dass sie so oder so ähnlich überall in Deutschland vorgetragen werden. Und man kann dort erfahren, dass der Spruch „Wissen ist Pflicht“, den Yusuf Bayrak kürzlich bei uns in Kreuzberg-West vortrug, keine Neuprägung ist, sondern uraltes islamisches Gedankengut.
Was sagt der Islam zu den sozialen Problemen unserer Zeit? Was sagt er zur Armut? Die Almosengabe ist eine der 5 Grundpflichten des Moslems. Ist die staatliche Sozialfürsorge der Bundesrepublik Deutschland ein Almosen im Sinne des Islam?
Ich vermute: Nein. Denn muslimische Almosen sind freiwillig erbrachte Gaben des Begüterten an die Armen. Im Islam ist das Almosen eine Gabe von Mensch zu Mensch. Nicht vom Herrscher an den Untertan. Jeder, der hat, soll etwas abgeben, und zwar direkt von Mensch zu Mensch. Genau so galt das christliche Gebot der Barmherzigkeit stets von Mensch zu Mensch, nicht vom Staat an den Bürger.
Der Islam, wie ihn Milli Görüs offen lehrt, schöpft sich vorrangig aus dem Koran. Alle anderen Quellen sind nachrangig. So gelangt Milli Görüs in der Freitagspredigt vom 02. April 2010 etwa zu folgenden Aussagen:
Hutba Der Koran, unsere Quelle – IGMG.de – Das islamische Portal
Verehrte Muslime,alles, wonach wir suchen, ist im Koran. Unser familiäres Wohl und Lösungen für unsere sozialen Probleme befinden sich im Koran. Der Koran weist Wege aus den Krisen unserer Zeit. Ihr braucht euch keine Sorgen um eure Familie, Kinder und Freunde zu machen, vertraut sie dem Koran an. Eure Kinder sind es schließlich, die das Licht des Korans in eure Wohnungen tragen werden. Das größte Erbe, dass wir auf dieser Welt zurücklassen können, sind unsere Kinder.
Die Lösung für alle sozialen Probleme in einem heiligen Buch zu suchen, das ist etwas, womit die meisten Menschen in Deutschland wohl ihre Mühe haben werden.
Es fehlt mir hier das Gebot des „Hinausgehens“. Geht hinaus in die Welt! Was ist die Welt? Für den gläubigen Moslem ist sie wohl – in Goethes Worten – „ein Abglanz“ der Herrlichkeit. Die Welt ist für einen bedeutenden Teil der muslimischen Gemeinde nicht Gegenstand des aktiven Eingreifens, des verändernden, zupackenden, studierenden Umarbeitens und Gestaltens. Sie ist – was sie ist.
Für einen bedeutenden Teil der jüdisch-christlichen Überlieferung ist die Welt hingegen etwas, was bestellt und beackert werden muss. Die Weisung, die „Rechtleitung Gottes“, wie das der Koran nennt, erfolgt nicht durch die Versenkung in den unabänderlichen Schriftsinn – das wäre Mystik – sondern durch das Hinausschauen, das Aufmerken, das Hinhören – letztlich durch die Begegnung mit dem unvorgreiflichen Gegenüber, mit dem anderen Menschen.
Heute hatte ich eine Sitzung beim Zahnarzt. Der deutsche Zahnarzt hat ein Bild von drei Kindern aus dem Jemen in seine Praxis gehängt. Die Kinder schauten mich an. Sie waren arm. Der Berliner Zahnarzt hat einige Jahre bei ihnen gelebt und ihnen zahnärztliche Leistungen erbracht. Ich sah die offenen, die lachenden, die fragenden Gesichter dieser jemenitischen Kinder. Die Zahnheilkunde entwickelt sich ständig weiter. Würde es ausreichen zu sagen: Lies den Koran, da ist alles schon enthalten? Soll man die Zahngesundheit der jemenitischen Kinder dem Koran anvertrauen, oder soll man sich Sorgen um die Zahngesundheit machen?
Für die meisten Christen reicht es nicht aus, die Kinder der unveränderlichen Lehre der Glaubensgemeinschaft auszusetzen. Sie wollen etwas Konkretes tun. Die Welt verändert sich. Die Kindererziehung verändert sich. Was zu Goethes Zeiten richtig war, kann heute in die Sackgasse führen. Nicht DAS BUCH, sondern das lebendige, das gesprochene WORT, das verhallt und verklingt, sind für den Christen die Anrufung.
Die Welt insgesamt, aber vor allem die Kinder, brauchen unsere Sorge. Sie brauchen es, dass wir uns um sie kümmern. Hier in Kreuzberg genauso wie dort im Jemen. Wir müssen genau hinschauen und fragen: Was dient ihnen? Was brauchen diese Kinder, damit sie ein gesundes, glückliches Leben führen können? Wo finden wir die Antwort auf die Fragen der Zeit? „Denn das größte Erbe, das wir auf dieser Welt zurücklassen können, sind die Kinder.“
Die Hochschätzung des Kindes ist etwas, was Muslime und Christen eint.
Ich halte diese Gemeinsamkeiten und diese Unterschiede für wichtig. Man sollte sie zur Kenntnis nehmen und sich friedfertig darüber austauschen.
BILD verwendet noch gute alte Wörter wie z.B. dumm und faul. Solche Wörter darf man ja heute nicht mehr in den Mund nehmen als Fachmann. Wir sind allenfalls „unmotiviert“, „überfordert“, „benachteiligt“, „verwöhnt“ oder – und das ist das Beste: „arm“.
Ich glaube dennoch, dass man heute von einer alimentierten, geförderten Dummheit und Faulheit sprechen kann und darf. Höflicher ausgedrückt: Bequemlichkeit und Aufgabenscheu.
Dennoch interessante Umfrage auf BILD: Wer ist schuld daran, dass Jugendliche so dumm und faul sind?
Nachhilfe-Offensive: Azubis zu dumm für die Ausbildung – Wirtschaft – Bild.de
Daran fehlt es den Schualbgängern nach 16 Jahren Elternhaus, Kita und Schule. Niederschmettternd. Die Politik hat zwei Jahrzehnte lang die Schüler eingelullt im beruhigenden Bewusstsein: „Ihr seid benachteiligt!“
Wir brauchen mehr Disziplin, mehr Fleiß, weniger Zerstreuung, mehr Fordern, mehr Strenge, mehr Härte an den Schulen.
Alles Dinge, die man im Fußballverein oder im Tae-Kwan-Do lernen kann. Aber zu wenig in der Schule und im Elternhaus.
Jeder zweite Betrieb organisiert Nachhilfe für seine Lehrlinge
Rechnen und Lesen – aber auch Teamfähigkeit und Pünktlichkeit: Den Schulabgängern fehlen nach Einschätzung der Wirtschaft immer öfter die Grundvoraussetzungen für eine betriebliche Ausbildung. Viele Betriebe organisieren inzwischen Nachhilfe im eigenen Unternehmen.
Berlin – Die Unternehmen müssten zunehmend ausbügeln, was Elternhaus und Schule in 16 Jahren versäumt hätten, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit. Dabei gehe es nicht nur um Rechnen, Schreiben und Lesen. Immer häufiger mangele es auch an Disziplin, Teamfähigkeit und Pünktlichkeit.
So der Ratschlag von Mutter Teresa an amerikanische Professoren. (Dieses Blog berichtete am 05.04.2010). Bittere Enttäuschung empfand ich und nicht lächeln konnte ich, als ich den aktuellen Tip Berlin durchlas! Angekündigt war „Das große Streitgespräch“ wie eine Loja Dschirga afghanischer Stammesfürsten zwischen Ramona Pop von den Grünen und Thomas Heilmann von der CDU. Aber schon das Titelbild verhieß wenig Gutes: Die beiden lächeln einander unentwegt auf Augenhöhe an, als hätten sie gerade ein Retreat im indischen Ashram mit Mutter Teresas Schwestern von der Himmlischen Liebe besucht. Auch die Journalisten wurden von den beiden offenkundig zur Verzweiflung getrieben: „Herr Heilmann, Sie nicken ja dauernd!“ fährt ein Journalist entnervt dazwischen. Er sah wohl seine Felle und seine Verkaufsauflage davonschwimmen.
Umsonst! Das ganze Streitgespräch kommt nicht recht zustande. Es ähnelt eher einem freundschaftlichen Verwandtenbesuch bei Kaffee und Kuchen. Egal. Und auch die Fotos lassen keine echte Lagerstimmung aufkommen, von Lagerkoller ganz zu schweigen: „Hie bürgerlich – da alternativ.“ Schade. Eher schon – Lagerfeuerstimmung: „Ja, weißt du noch damals … zu Anti-AKW-Zeiten! Wie war das Leben so einfach! So erklärbar!“
Gut, dass wenigstens im Rest der Republik das alte Lagerdenken noch gepflegt wird! Das berichtet soeben der konservative Spiegel.
Ich werde aber trotzdem den tip Berlin nicht unter Protest zurück geben. Denn das sogenannte Große Streitgespräch zwischen Pop und Heilmann ist trotz der unsäglichen Fehletikettierung recht artig. So gehen höfliche Menschen miteinander um, die auch einen feinen Humor besitzen. Denen erkennbar die Probleme der Stadt wichtiger sind als irgendwelche Lagerbindungen. Jeder weiß doch, dass die Grünen eine linke Partei sind, und die CDU eine erzkonservative. Das weiß doch jedes Kind. Und wenn Ramona Pop stolz verkündet „Dieser Verantwortung haben wir uns stärker als die CDU gestellt“, dann klingt das einfach – so mütterlich und väterlich!
Die beiden Parteien wetteifern also darum, wer den besseren Verantwortungsbegriff hat! Na so etwas! Ungewöhnlich für die Berliner Landespolitik, aber wohltuend für den Diaspora-Kreuzberger! Hoffentlich kein Etikettenschwindel.
Und Mutter Teresa hat recht: Oft ist es schon ein gutes Zeichen, wenn man einander anlächelt. Man muss ja nicht immer streiten.
Schwarze und Grüne treffen sich beim Elternabend des örtlichen Gymnasiums, gehen ins klassische Konzert, halten sich im gleichen Tennisclub fit, sitzen hin und wieder (aber nicht regelmäßig) in der Kirche nebeneinander und kaufen gern im gesunden Bio-Supermarkt oder Hofladen ein. Grüne und sozialdemokratische Klientel treffen an all diesen Orten tendenziell seltener aufeinander. Schwarz-Grün ist, im Privaten, ein Bündnis aus Alt- und Neubürgertum. Wieso sollte es, im Politischen, schlechter sein als Rot-Grün?