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„Es soll alles beim alten bleiben“

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Dez. 192010
 

Stifters „Bergkristall“  in der Kastanienallee lesen! Das wär’s. Dann könnte man sich darüber unterhalten, ob alles im Leben so bleiben soll, wie es ist, oder ob es Formen des Wandels geben soll.

Sie sind sehr stetig, und es bleibt immer beim alten. Wenn ein Stein aus einer Mauer fällt, wird derselbe wieder hineingesetzt, die neuen Häuser werden wie die alten gebaut, die schadhaften Dächer werden mit gleichen Schindeln ausgebessert, und wenn in einem Hause scheckige Kühe sind, so werden immer solche Kälber aufgezogen, und die Farbe bleibt bei dem Hause.Wenn es in einem Haus ein scheckiges Kalb geboren wird, bleibt es dabei.“

Massive Touristenabwehr, wie etwa in der neuen Nummer der interim, Kampf der Gebirgsbewohner gegen „die von draußen“, gegen „die von drüben“ – alles Dinge, die von einem habituell gewordenen, auf Staatskosten lebenden linkskonservativen Establishment zur Schau getragen werden.

Lest:

Berlin: Post-Gentrification-Protest in Prenzlauer Berg « Gentrification Blog

Im Streit um die Kastanienallee geht es offensichtlich vor allem um dieses Lebensgefühl der aktuellen Bewohnerschaft – und für die Gewerbetreibenden auch um ihre Geschäftsgrundlage. Die im Zuge der Aufwertung der letzten Dekade entstandene Bewohner- und Gewerbestruktur soll in ihrem Kern konserviert werden. Wir haben es mit einem typischen Post-Gentrification-Protest zu tun: Die Pioniere und Gentrifier der vorherigen Aufwertungsphase schließen die Tore und verteidigen die von ihnen symbolisch und materiell angeeigneten Räume.

 Posted by at 23:20
Dez. 192010
 

Ein wirklich bedenkenswerter Einwand gegen das Wort „Integration“. Spannend! Das sind einige der wenigen Stimmen, die sagen: Wir brauchen keine Integration. Das „Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung“ lehnt den Begriff Integration als undemokratisch komplett ab. Lest das:

Demokratie statt Integration
Wir wollen das Offensichtliche klar stellen. Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft. Das bedeutet: Wenn wir über die Verhältnisse und das Zusammenleben in dieser Gesellschaft sprechen wollen, dann müssen wir aufhören, von Integration zu reden. Integration heißt, dass man Menschen, die in diesem Land arbeiten, Kinder bekommen, alt werden und sterben, einen Verhaltenskodex aufnötigt, bevor sie gleichberechtigt dazugehören. Aber Demokratie ist kein Golfclub. Demokratie heißt, dass alle Menschen das Recht haben, für sich und gemeinsam zu befinden, wie sie miteinander leben wollen. Die Rede von der Integration ist eine Feindin der Demokratie.

Ich habe immer es wieder bemerkt: Die angeblichen „Nicht-Integrierten“ sind oft hervorragend integriert – in verschiedene Hilfesysteme wie etwa das deutsche Sozialhilfewesen, in bleibende familiäre Abhängigkeiten des Herkunftslandes, in Indoktrination durch Religionsvertreter der Herkunftsländer, in generationenübergreifende Integrations-Ketten und Netzwerke, in Berieselung durch Regierungen der Herkunftsländer und Dauerbeschallung durch kommerzielle Medien der Herkunftsländer.

Sie sind und bleiben mannigfach integriert!

Deshalb meine ich in der Tat wie die kritischen Migrationsforscher, dass das demokratische Gemeinwesen in der Tat nur kulturell „schwache“ Mindestanforderungen an Zuwandernde stellen kann und stellen muss.

Welche sind das?

1) Der Wille, dem Gemeinwesen beizutreten, in das man einwandert. In unserem Fall also der erkennbare und auch geäußerte Wille, ein Mitglied der Gesellschaft und ein Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland zu werden. Wer das einfach nicht will – wieso sollten wir ihn mit offenen Armen empfangen? Wieso sollten wir jemanden in die Bundesrepublik Deutschland integrieren wollen, der sagt und zu erkennen gibt: Ich will gar nicht zu euch gehören?

2) Der Wille, die Landessprache zu erlernen.  Partizipation setzt eigene Anstrengungen voraus. Dabei ist das Erlernen der Landessprache zentral. Wie der Zuwandernde das bewerkstelligt, bleibt ihm oder ihr überlassen.

3) Der Wille und die Fähigkeit, den Lebensunterhalt für sich und seine Familie im Land der Zuwanderung dauerhaft selbst zu verdienen.  Auch dies scheint mir zentral. Im Sozialsystem wird Integration nicht gelingen.

Sind diese drei Voraussetzungen gegeben, wird man von gelungener Integration sprechen.  Das ganze andere wolkige Drumherum, von dem eine blühende Migrations- und Integrationsforschung lebt, ist dann fast schon zweitrangig. Man kann es machen, muss es aber nicht machen. Die ganze Aufregung kann man runterkochen auf ein sinnvolles Maß.


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Rassistische Diskriminierung verhindern – Zweisprachigkeitsanforderung ist Illusion

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Dez. 192010
 

Kulturübergreifende Kentnisse werden im neuen Integrationsgesetz des Berliner Senats verlangt, z.B. sehr gute Kenntnisse in zwei Sprachen. Da sehe ich aber ein riesiges rassistisches Diskriminierungspotenzial! Denn diejenigen, deren angeblich „objektive Benachteiligung“ durch „positive Diskriminierung“ beendet werden soll, werden nun doppelt durch die Einstellungsgespräche fallen: sie beherrschen weder die Landessprache Deutsch noch die angebliche „Muttersprache“ Türkisch, die ja ihrerseits häufig erst vor 2 oder 3 Generationen durch staatlichen Zwang an die Stelle der eigentlichen Herkunftssprachen wie etwa Kurdisch oder Arabisch getreten ist.

Das weiß hier in Kreuzberg jeder – das fiel mir auch bei meinen Reisen durch die Türkei auf. Ich dachte: „Mann, die sprechen hier in der Türkei gar kein richtiges Türkisch, wie ich es aus Kreuzberg im Ohr habe!“

Ebenso rassistisch und ausländerfeindlich (jawoll, so nennt man das heute!) verfährt Radio Metropol FM, ein deutsch-türkischer Sender. Auch hier dasselbe Bild wie bei den Einstellungsgesprächen der Feuerwehr, der Polizei, der privaten Unternehmen: Hunderte von deutsch-türkischen Bewerbern werden abgewiesen, weil sie weder ausreichend Deutsch noch Türkisch können. Ist das Rassismus? Diskriminierung? Verweigerung von Bürgerrechten, wie dies der TBB nennt?

Die türkischen staatlichen und religiösen Organisationen haben ihre Zöglinge jahrzehntelang im Geist des türkischen Nationalismus darin eingelullt, dass sie „eigentlich“ brave und gute Türken seien, die ihre Identität durch Nicht-Erlernen des Deutschen, durch Fernhalten von allen anderen Nationalitäten und durch fleißige Geld-Transfers ins Mutterland bewahren müssten.  Jetzt zeigt sich, dass dies die reinste Sackgasse war.

Radio in zwei Sprachen: Arabeske aus Kreuzberg – Medien – Tagesspiegel
Yikicis Suche nach Mitarbeitern war mühsam. Als er einen Moderator einstellen wollte, musste er gleich mehrere hundert Deutschtürken casten. Fast niemand erfüllte die sprachlichen Anforderungen, die der Beruf mit sich bringt. Die Deutschkenntnisse waren unzureichend, die Türkischkenntnisse ebenso. „Am schlimmsten war es, dass es den Bewerbern gar nicht bewusst war“, sagt Yikici.

 Posted by at 19:13
Dez. 192010
 

061220101171.jpg „Sie fahren immer noch mit dem Rad? – Tapfer!“ derartige Kommentare fliegen mir immer wieder entgegen.

Hierzu erkläre ich frisch und frei:

Ich bekenne mich als unerschrockener Allwetter-Ganzjahres-Radler und habe folglich sehr gute Winterbereifung mit Spikes aufgezogen. Ich fahre weiterhin wie im Sommer
problemlos alle meine Strecken in Berlin (allerdings abweichend vom Sommer
nur bis 10 km je Strecke) bei jedweder Witterung, bei allen Temperaturen und
zu jeder Tages- und Nachtzeit mit dem Fahrrad, jedoch sehr häufig – statt
auf den nur teilweise geräumten Radverkehrsanlagen – auf der Fahrbahn mit
durchgängiger Decke aus Schnee und Eis. Dabei schütze ich mich vor der
Unbill der Witterung durch die unverzichtbaren Handschuhe, hell
reflektierende, wärmende Außenkleidung, wärmenden Schal, Fahrradhelm und
darunter Wollmütze.

Unser Bild zeigt einen vorbildlich geräumten Radweg in Kreuzberg.

 Posted by at 14:00

Muntere Debatte … zu Staat und Religion

 Sozialismus, Vergangenheitsunterschlagung  Kommentare deaktiviert für Muntere Debatte … zu Staat und Religion
Dez. 192010
 

Neben dem Beitrag von Innenminister de Maizière möchte ich heute vor allem auf die sehr klaren Kommentare des Lesers flexton im dazugehörigen Online-Forum hinweisen. Wie nicht anders zu erwarten, erhält de Maizière sofort ein Sperrfeuer an Gegenmeinungen zu Dingen, die er gar nicht gesagt hat.

Bemerkenswert, dass Islam, Hinduismus und Buddhismus von den Lesern kaum angegriffen werden. Die Angriffe der Leser richten sich nur gegen die christlichen Kirchen und gegen das Christentum überhaupt.

Gegenüber all den erwartbaren religionsfeindlichen Äußerungen ragen meines Erachtens flextons Einwürfe durch Schärfe und Tiefe der Beobachtungen heraus, weshalb ich hier drei Abschnitte zustimmend zitiere:

Staat und Religion: Quer zum Zeitgeist – Meinung – Tagesspiegel

Zitat flexton 1:
„Ich kann hier freilich nur als evangelischer Christ sprechen, aber bei uns ist es so dass der Mensch ausdrücklich mit all seinen Makeln von Gott angenommen, ja so geschaffen, wird. Stichwort „Ursünde“, das heißt nicht im modernen zeitgenössischen Sinne wir sind alle „böse“ geboren sondern dass negative Verhaltensweisen untrennbar zu uns gehören (damit war man vor Jahrtausenden schon weiter als die politischen Ideologien des 19. Jahrhunderts die alle den „neuen Menschen“ schaffen wollten und im Totalitarismus endeten). Das ist ein sehr sehr realistisches Menschenbild, was schon in der Schöpfungsgeschichte klar wird – wir werden Mensch und fangen bereits an mit Zweifel, Mißtrauen, hintergehen einander…ja selbst Gott, und streben nach Erkenntnis gleich welche Konsequenzen es hat. Bis hin zur Hybris.“

Zitat flexton 2:

„Die infantile Weise mit der selbsternannte Bildungsbürger die Bibel gerne verspotten, indem Bibelverse aus dem Kontext zitiert werden (mit der sachlich falschen Behauptung zwischen den Zeilen dies sei wortwörtlich gemeint, gar „Gesetz“ für jeden frommen Christen) ist regelrecht anti-intellektuell. Ich habe mich mit meinem Glauben, aber auch anderen Religionen, theologisch befasst um mir ein Urteil zu bilden. Ich bin auch nicht „christlich“ erzogen worden, meine Eltern sind nervige 0815 alt68er. Ich habe mir meinen Glauben selbst gewählt, bin auch (AUS NEUGIER!) in den Religionsunterricht gegangen seit ich das selbst wählen konnte (davor musste ich, von den Eltern aus, in „Ethik“ wie das in Bayern heißt).“

Zitat 3 flexton:

„Davon abgesehen, was glauben Sie wie mir zB immer die Galle hochkommt wenn ich bei enthusiastisch-naiven jungen ungewaschenen „Linken“ das Konterfrei vom „Che“ auf T-Shirts sehe (auch eine Art ulkiger Kommerz-Personenkult, aber das haben „Linke“ noch nie bemerkt – „Ami Go Home“ und dabei Levis Jeanshosen getragen…).

Warum? Unter diesen ach so tollen Revolutionären wurden u.a. Schwule, wie ich einer bin, extrem brutal verfolgt – bis hin zu Lynchmorden und sofortiger Erschießung bei Bekanntwerden. In großer Zahl wurden schwule Männer interniert, es gab Versuche zur „Umerziehung“ und Homosexualität wurde als „perverses Produkt dekadenter westlicher Lebensweise“ dargestellt.

Soviel zu unreflektierter Idolverehrung…na, auch mal so ein „Che“ Shirt gehabt?“

 Posted by at 13:28
Dez. 182010
 

… mit diesen drei Worten würde ich für die berühmte Streichholzschachtel, die berühmte Nußschale oder den berühmten Bierdeckel den Inhalt taggen, den ich aus einem Aufsatz von Knut Bergmann und Tobias Pohl herauslese:

Knut Bergmann/Tobias Pohl: Die Zukunft der Parteien in der Bürgergesellschaft. Maßnahmen zur Vitalisierung der politischen Partizipation

in: Die Politische Meinung, Nr. 493, Dezember 2010, S. 60-63

In einer Zeit bröckelnden Zutrauens in die Entscheidungsfähigkeit der Politiker bieten die beiden Verfasser einige sehr bedenkenswerte Anregungen:

1) Kommunalpolitik wiederbeleben, dort ideologiefrei arbeiten!

2) Mehr in Projekten arbeiten: Umgestaltung einer Straße ist wichtiger als das große ideologische (Riesen-) Rad zu drehen!

3) Menschen befähigen, selber erreichbare Ziele zu setzen und zu erarbeiten, statt vorgegebene Ziele einfach umzusetzen oder den Menschen „vor den Latz zu knallen“!

4) Grenzen des eigenen Handelns erkennen und mitteilen – Allzuständigkeitsphantasien abwehren!

5) Rückbesinnung auf alte Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Vertrauen vermindern die um sich greifende Bevölkerungsverdrossenheit vieler Politiker.

Höchst lesenswert! Diese fünf Hauptbotschaften filtere ich heraus – andere mögen andere herausfiltern.

 Posted by at 12:23
Dez. 182010
 

„Bewahrung des gewachsenen Umfeldes, Schutz vor Vertreibungen der alteingesessenen Mieter“ – mit derart teils blumigen, teils trutzig-kriegerischen Wendungen wird mitunter in meinem Heimatdorf Friedrichshain-Kreuzberg von namhaften politischen Kräften versucht, den Zuzug der Fremden, den Einbruch einer als feindlich empfundenen Außenwelt abzuwehren. Nichts soll sich ändern!

Beim Wiederlesen von Stifters trefflicher Erzählung „Bergkristall“ bleibe ich an der Beschreibung eines solchen, sich gegen den Wandel sperrenden Umfeldes hängen. Lest selbst – und fragt euch: Soll immer alles beim alten bleiben?

Daher bilden die Bewohner eine eigene Welt, sie kennen einander alle mit Namen und mit den einzelnen Geschichten von Großvater und Urgroßvater her, trauern alle, wenn einer stirbt, wissen, wie er heißt, wenn einer geboren wird, haben eine Sprache, die von der der Ebene draußen abweicht, haben ihre Streitigkeiten, die sie schlichten, stehen einander bei und laufen zusammen, wenn sich etwas Außerordentliches begibt.

Sie sind sehr stetig, und es bleibt immer beim alten. Wenn ein Stein aus einer Mauer fällt, wird derselbe wieder hineingesetzt, die neuen Häuser werden wie die alten gebaut, die schadhaften Dächer werden mit gleichen Schindeln ausgebessert, und wenn in einem Hause scheckige Kühe sind, so werden immer solche Kälber aufgezogen, und die Farbe bleibt bei dem Hause.

 Posted by at 12:00

DAS ist der Winter!

 Deutschstunde, Haß  Kommentare deaktiviert für DAS ist der Winter!
Dez. 182010
 

All jenen, die ganze Zeitungsseiten mit den Winterklagen bedrucken, empfehle ich Adalbert Stifters schöne Novelle „Bergkristall“ oder auch die folgende Winterklage Walthers von der Vogelweide:

bibliotheca Augustana
«Uns hât der winter geschadet über al:
heide unde walt sint beide nû val,
dâ manic stimme vil suoze inne hal.
sæhe ich die megede an der strâze den bal
5

werfen, sô kæme uns der vogele schal.

II
L 39,6
Möhte ich verslâfen des winters zît,
wache ich die wîle, sô hân ich sîn nît,
daz sîn gewalt ist sô breit und sô wît.
weiz got, er lât ouch dem meien den strît,
5

sô lise ich bluomen dâ rife nû lît.

Um das nur klarzustellen:

Dieser Dichter drückt einen Hass auf den Winter aus: „so hân ich sîn nît“! Er würde ihn am liebsten verschlafen. Da dies aber nicht möglich ist, empfindet er echten Widerwillen gegen den Winter, den er offenkundig als Feind des Lebens empfindet.

 Posted by at 11:16

Such deinen Yol durch den Winter!

 Türkisches  Kommentare deaktiviert für Such deinen Yol durch den Winter!
Dez. 182010
 

06122010117.jpg Aus dem türkischen Film Yol sind mir noch einige starke, beeindruckende Bilder im Kopf! Bilder von frierenden, hungrigen Menschen, die sich mühsam stapfend ihren Weg durch die Berge suchen! Kaum jemand weiß, dass dieses großartige Land, die Türkei, neben dem sattsam bekannten herrlichen Sommer auch alle anderen Naturgewalten zu bieten hat: den grimmen Winter, die schroff aufragende Bergwelt, Schneemassen im Winter, das Sprudeln der Bäche und Quellen im Frühling!

Freuen wir uns, dass heute in der Türkei und auch bei uns in Deutschland niemand mehr an Hunger und Kälte zugrunde gehen muss. Über Jahrtausende hinweg galt der Winter nördlich der Alpen mit all der Kälte, all dem Schnee und der Nahrungsknappheit als Lebensfeind Nr. 5 (nach dem Tod, der Krankheit, dem Hunger, dem Krieg).

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass der Winter DIE große Herausforderung für alle heimischen Säugetiere in Feld und Wald ist. Gerade Rotwild, Schwarzwild, Niederwild wird durch den Winter schrecklich dezimiert! Viele überleben nicht.

Die grimmige Macht des Winters darf unter uns Menschen hingegen heute als endgültig besiegt gelten. Das einzige, was noch bleibt: Verspätete oder ausfallende Züge, Staus auf der Autobahn, hin und wieder ein Beinbruch. Äußerst unangenehm für den einzelnen, aber insgesamt eben doch: Kinderkram.

Übrigens: Im Nahbereich bis 10 km kann man dem Winter mit Spikes am Fahrrad ein Schnippchen schlagen. Herrlich – das Winterradeln! Es ist mein Weg durch die Unbill des Wetters.

Such deinen Weg durch den Winter! Unser Bild zeigt winterliche Straßenmöblierung (für frierende Radfahrer?) und einen halb beräumten Radweg  in unserer heimatlichen Straße in Kreuzberg.

 Posted by at 09:56
Dez. 172010
 

Nanu – „wir haben keine Bürgerrechte“. So steht es in § 1 der Satzung des einflussreichen Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg TBB, dem Kenan Kolat MdB als Geschäftsführer vorsteht.

Die Türken geben sich somit offiziell als rechtlose ethnische Minderheit aus, vergleichbar den Aborigines in Australien.

Und das unter einem Geschäftsführer, der Mitglied des Deutschen Bundestages ist.

TBB – Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg – Über den TBB – Selbsdarstellung
Wir, Menschen türkischer Herkunft, sind uns bewußt, daß wir uns in Berlin und in der Bundesrepublik Deutschland niedergelassen haben und hier längerfristig leben werden. Obwohl wir seit über 25 Jahren hier leben, Deutschland eine multikulturelle Gesellschaft geworden ist, haben wir keine Bürgerrechte. Die Vereinigung beider deutscher Staaten, die steigende Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit, die bevorstehende politische Union Europas sind Faktoren, die uns zusammenbringen. Mit dieser Vereinigung wollen wir auf rechtlicher, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene unsere Minderheitenrechte einklagen.

Einklagen! Jammern, Klagen, Anklagen – der satte orientalische Klageton! Dafür wird man sein Ohr schulen, wenn man mit Menschen aus dem Orient zu tun hat.

Minderheitenrechte – das heißt ja wohl: Türkisch als zweite Amtssprache zuzulassen, Sonderrechte für die ethnische Minderheit der Türken, eigenes, staatlich finanziertes Schulwesen, türkische Gerichte, türkische Gesetze, eigene staatlich finanzierte Universitäten … die Liste möglicher Einfälle ist lang.

Hier ein paar Fakten:

Alle Türken, die hier leben, haben Recht auf kostenlosen Schulbesuch, haben Recht auf weit höhere Sozialhilfe, als die Türkei je zahlen würde, und Recht auf ärztliche Versorgung, haben ein Recht zu arbeiten. Sie haben selbstverständlich das Recht, ihre Sprache zu verwenden, wo immer sie das wollen und wünschen. Ganz im Gegensatz zu gewissen Minderheitensprachen in der Türkei. Es gibt keinerlei juristische oder staatliche Diskriminierung der Türken in Deutschland. Sie können hier Betriebe aufmachen, studieren, Ärzte und Rechtsanwälte werden.

Die Türken können hier prima leben, ohne sich mit so unangenehmen Dingen wie der deutschen Sprache zu befassen. Niemand verlangt etwas von ihnen. Niemand verlangt, dass sie einen Schulabschluss machen. Die Sozialhilfe fließt trotzdem.

Sie können die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen und können dann alle Positionen erklimmen – bis hin zum Bundestagsabgeordneten und zum Bundespräsidenten.

Noch einmal § 1 der Satzung des TBB:

„Obwohl wir seit über 25 Jahren hier leben, Deutschland eine multikulturelle Gesellschaft geworden ist, haben wir keine Bürgerrechte.“

Was sagen Sie dazu, Herr Kilic? Ist das wirklich so? Herr Özdemir, was sagen Sie dazu? Haben die Türken bei uns keine Bürgerrechte?

Woher dieses dauernde, dieses penetrante Klagen und Anklagen? Dieses dauernde Opfergehabe, dieses dauernde „Wir-sind-ja-so-benachteiligt“-Gerede? Geht es darum, die eigenen Verbände als Opfer-Verbände zu finanzieren?

Ich würde es gerne wissen!

 Posted by at 22:42

Süßes oder Saures?

 Immanuel Kant, Philosophie  Kommentare deaktiviert für Süßes oder Saures?
Dez. 172010
 

Mit dieser Frage klopfen am letzten Tag des Monats Oktober die Kinder bei uns an. Ob ihnen bewusst ist, dass sie eine Fragestellung aus Kants Metaphysik der Sitten aufgreifen?

Immanuel Kant unterscheidet bekanntlich zwischen süßem und saurem Verdienst:

Kant, Immanuel, Die Metaphysik der Sitten, Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre, Einleitung, VII. Die ethischen Pflichten sind von weiter, dagegen die Rechtspflichten von enger Verbindlichkeit – Zeno.org
Wenn dieses Verdienst ein Verdienst des Menschen um andere Menschen ist, ihren natürlichen und von allen Menschen dafür anerkannten Zweck zu befördern (ihre Glückseligkeit zu der seinigen zu machen), so könnte man dies das süße Verdienst nennen, dessen Bewußtsein einen moralischen Genuß verschafft, in welchem Menschen durch Mitfreude zu schwelgen geneigt sind; indessen daß das sauere Verdienst, anderer Menschen wahres Wohl, auch [522] wenn sie es für ein solches nicht erkenneten, (an Unerkenntlichen, Undankbaren) doch zu befördern, eine solche Rückwirkung gemeiniglich nicht hat, sondern nur Zufriedenheit mit sich selbst bewirkt, ob zwar es in letzterem Falle noch größer sein würde.

So mag etwa ein Vater, der seinem 14-jährigem Sohn das Besuchen von Spielhallen und das Trinken von Alkohol verbietet und ihn stattdessen regelmäßig ins Fußballtraining schleppt, als miesmacherischer Spielverderber erscheinen. „Aber alle anderen machen das doch auch!“, wird der Sohn klagen.

Dem Vater kommt das saure Verdienst zu, den Sohn auf die rechte Bahn der Tugend zu lenken.

Wird aber sein Sohn zwei Jahre später mit seiner Mannschaft einen Pokal  erringen, dann werden Vater und Sohn in diesem Gefühl der gemeinsam bestandenen Herausforderung schwelgen.

Das saure Verdienst hat sich in ein süßes Verdienst umgewandelt.

 Posted by at 20:38

Ich habe mich erschrocken

 Deutschstunde  Kommentare deaktiviert für Ich habe mich erschrocken
Dez. 172010
 

Ich habe mich erschrocken„, las ich kürzlich in einem Buch des Hanser Verlages („Die Frau mit dem roten Tuch“), und gerade eben bin ich sehr erschrocken, als ich folgendes las:

Bildungspolitik: Sarrazin schlägt Kindergeld-Halbierung für vergessene Hausaufgaben vor – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik
In den allermeisten der 860 Zuschriften habe er aber Zustimmung erfahren, betont der frühere Politiker, der sich vor allem einen Verdienst zuschreibt: „Ob das gelungen war oder nicht, es hat gewirkt.“

Nun, Sarrazin kann sich das Verdienst an seinem großen Zusatzverdienst von weit über einer Million Euro nicht allein selbst zuschreiben. Alle seine berühmten Kritiker haben seinen Verdienst durch häufiges Erwähnen, Nennen und Bekämpfen ungewollt erhöht! Der erhebliche Verdienst aus diesem Buch wird nicht nur seine Frau, sondern auch das Finanzamt erfreuen.

Ich schüttelte mein greises Haupt: Noch in meiner fernen Jugendzeit brachten uns die Lehrer den Unterschied zwischen „das Verdienst“ und „der Verdienst“ bei – niemand hätte es in eine Redaktion geschafft, der nicht den Unterschied zwischen

Das Verdienst Immanuel Kants liegt darin, die Vernunft mit den Mitteln der Vernunft auf ihre eigenen Grenzen hingewiesen zu haben

und

Der Verdienst Immanuel Kants war so schmal, dass er ihn durch Nachhilfestunden aufbessern musste

gekannt hätte.

Ähnliches galt in meiner fernen Jugend für Wendungen wie „Ich habe mich erschrocken“ oder „Ich habe das Plakat an die Stange gehangen“. So etwas ließen uns die Lehrer nicht durchgehen. Vergleichen wir:

Keiner, der nicht Wahlplakate an Stangen gehängt hat, kann ermessen, wie wichtig die Wahlwerbung ist.

Das Plakat der Kreuzberger Splitterpartei, das vorgestern noch an der Stange gehangen hat, habe ich vorhin nicht mehr gesehen. Haben sie es abgehängt?

Tja. So wurde uns das damals beigebracht.

Sprache ändert sich. Beckmesserei hilft nicht weiter.

 Posted by at 19:31

Die Freitagsbesinnung: Fremdenliebe

 Fernstenliebe  Kommentare deaktiviert für Die Freitagsbesinnung: Fremdenliebe
Dez. 172010
 

Der Winterabend fällt herein. Schnee lagert sich weich und wattig am Fensterbrett. Muslime und Juden in Berlin, in Deutschland, sofern gläubig, bereiten sich auf ihre Freitags-Besinnungsfeiern vor.

Ich schaue aus dem Fenster hinaus. Mir kommen die Verse Georg Trakls in den Sinn:

Ein Winterabend

Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet
Und das Haus ist wohlbestellt.

Mancher auf der Wanderschaft
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
Aus der Erde kühlem Saft.

Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinerte die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
Auf dem Tische Brot und Wein.

Schön. Passend.

Die uralte Pflege des Fremden, das Sich-Kümmern um den Unbekannten, das ist die Gastfreundschaft.

Ein Abschnitt aus dem 3. Buch Mose mag an die Seite des Gedichts von Georg Trakl treten:

Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. 

Buch Wajjikrá/Levitikus 19, 34

„Du sollst ihn lieben wie dich selbst“ – ein Vergleich des griechisch überlieferten Jesus-Wortes „Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 5,43) mit der griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel ergibt eine weitgehende Wort- und Satzgleichheit zwischen Levitikus 19,18, Levitikus 19,34 und Matthäus 5,43. Diese drei Stellen lassen sich wahrscheinlich nur zusammen verstehen.

   
 Posted by at 17:07