IntegrationKommentare deaktiviert für Integrations-Ministerium muss kommen!
Okt.112009
Gute Forderungen des DIW-Präsidenten Zimmermann! Er bezeichnet Sarrazins Äußerungen als „Weckruf“. Darin hat er recht. Ich meine: Weckrufe sind oft schrill und krähend. Aber deswegen soll man den Hahn nicht gleich vom Hof scheuchen und dann wild durcheinandergackern, wie es jetzt geschieht. Auch wenn der Hahn Sarrazin heißt. Besser ist es, gleich zum Frühstück zusammenzukommen und etwas auszuhecken. Etwa ein Bundesministerium für Integration. Dieses Ministerium sollte dann sehr genau hinhören, was erfahrene, verdiente Politiker wie etwa Armin Laschet, Heinz Buschkowsky oder Badr Mohammed zu sagen haben. Es gibt einige Politiker, die wirklich bereits Erfahrungen und Kompetenzen angesammelt haben und im Gegensatz zu vielen anderen nicht um den heißen Brei herumreden. Diese Kräfte gilt es zu bündeln. Ruft sie zusammen!
DIW-Präsident Zimmermann beklagte, viele Zuwanderer seien, obwohl sie lange im Land sind, weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich ausreichend integriert. „Gleichwohl brauchen wir in Zukunft mehr denn je die besten Köpfe aus aller Welt, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können“, forderte er.
Eine neues Ministerium nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens wäre ein kräftiges Signal für eine neue Politik. Zimmermann nannte die Debatte über die umstrittenen Äußerungen von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin über Migranten einen „ernsten Weckruf“.
DeutschstundeKommentare deaktiviert für Gutes Deutsch für alle!
Okt.112009
Aus dem vielen unerträglichen Wortmergel und Wortgewürge, das mir täglich über den Bildschirm rauscht, siebe ich einige Gold-Nuggets heraus. Hier kommt eines. Leser GinoGinelli kommentiert im Tagesspiegel:
Berlins SPD rechnet mit Sarrazin ab
Ich, als Sohn iranischer Einwanderer, weiß am besten wie wichtig soziale Akzeptanz nur wegen der Sprache ist. Ich hatte nie Probleme in Deutschland, weil ich mit einem fast peniblem Deutsch erzogen wurde.
„Sie sind aber kein Deutscher, oder?“, das habe ich schon mehrfach gehört. Dabei bin ich ein Deutscher wie er im Buche steht! Ich liebe das Wandern in der herrlichen Bergwelt der Alpen, Johann Sebastian Bach ist mein Lieblingskomponist, als 13-Jähriger las ich Thomas Manns Doktor Faustus, ich habe während meiner Dienstzeit bei der Bundeswehr Faust I und II auswendig gelernt. Was wollt ihr mehr? Natürlich, bei uns zuhause wird viel Russisch gesprochen, und in der Grundschule meines Sohnes bin ich einer von vielleicht einem Dutzend Väter oder Mütter, die noch Deutsch als Muttersprache beherrschen. Die anderen sprechen andere Sprachen.
Ich bemühe mich seit vielen Jahren mit einem gewissen Erfolg um gutes, akzentfreies Deutsch, das sogenannte Hochdeutsch, wie man es heute vielleicht noch in den Kirchen, ab und zu auch auf deutschen Bühnen und im deutschen Fernsehen und Radio hört. Dieses akzentfreie, aber leider auch dialektfreie Deutsch versuche ich auch meinem Sohn weiterzugeben. Dem von mir gesprochenen Deutsch fehlt der deutliche regionale Einschlag, während mein Sohn bereits einen deutlichen türkischen Akzent erlernt hat.
Natürlich, wir leben in der Diaspora. Dennoch halte ich es für richtig, von frühester Kindheit an alle Kinder in Deutschland auf ein einwandfreies Deutsch hinzuerziehen, das ihnen später einmal den Erfolg in Arbeit und Familie ermöglichen wird. Dazu können, müssen aber nicht zweite und dritte Sprachen treten, wie etwa das Türkische, das Arabische oder das Russische.
Soll man den Gebrauch von anderen Sprachen verbieten und bestrafen, wie das die Türkei, viele arabische Staaten und die Sowjetunion über Jahrzehnte hinweg getan haben und teilweise heute noch tun? Nein! An der Zwangstürkisierung leiden noch viele „türkische“ Zuwanderer in Deutschland bis zum heutigen Tage. Denn sie können oft selbst kein „richtiges“ Türkisch, das ihren Vorfahren aufgezwungen wurde.
Verbote sind der falsche Weg! Richtig ist es, das Erlernen der Landessprache bei allen Bürgern zur Pflicht zu machen und durch allerlei Anreize zu unterstützen. Etwa durch Preise oder Auszeichnungen.
„Höher als jede Wand wächst das Misstrauen.“ Mit diesen einfachen, wie ein Birkenbäumchen gerade gewachsenen Worten beschreibt Herta Müller in ihrem Roman Atemwende die klirrende Luft in einem Lager für die Deportierten. Die Worte fallen mir ein, als ich heute in der Süddeutschen Zeitung auf S. 10 lese, der tschechische Präsident Klaus wolle die Unterschrift unter den EU-Reformvertrag verweigern, wenn der rechtliche Fortbestand der Benesch-Dekrete nicht ausdrücklich bekräftigt werde.
EU-Reformvertrag – Prager Sonderwünsche – Politik – sueddeutsche.de
Einem Bericht der polnischen Zeitung Rzeczpospolita zufolge will Klaus Garantien gegen mögliche deutsche Eigentumsansprüche im ehemaligen Sudetenland. Nach dem Zweiten Weltkrieg war auf Grundlage der sogenannten Benes-Dekrete die deutschsprachige Minderheit in der damaligen Tschechoslowakei ohne Entschädigung vertrieben und enteignet worden. Tschechien hält bis heute an den umstrittenen Benes-Dekreten fest und lehnt die Rückgabe von Eigentum ab.
Welches Urteil fällt Daniel Jonah Goldhagen über die Vertreibung der Deutschen und Ungarn aus Polen und der Tschechoslowakei nach dem 2. Weltkrieg? Es lohnt sich, seine Stellungnahme genau zu lesen! Sie findet sich auf den Seiten 222-223 seines Buches über Völkermord. Er bezeichnet die Deportationen der Deutschen ausdrücklich als „verbrecherische eliminatorische Akte“, die auch durch das subjektive Gefühl, es sei hier Vergeltung geübt worden, nicht zu rechtfertigen seien. „In der Hauptsache Polen aus den von ihrem Staat annektierten Teilen des deutschen Ostens und Tschechen führten eine gründliche und manchmal mörderische Vertreibung von rund zehn Millionen Deutschen durch, steckten Hunderttausende zeitweilig in Lager und brachten Zehntausende um. Der unbändige Hass auf die Volksdeutschen führte zu einem der seltenen Fälle, dass ein demokratischer Staat, die Tschechoslowakei, im eigenen Land eine umfassende tödliche Eliminierungspolitik durchführte.“
Durch die Benesch-Dekrete der Tschechoslowakei wurde in Friedenszeiten plötzlich ein Drittel der Bevölkerung des eigenen Staates aller Rechte verlustig erklärt. Ihnen wurde die Staatsangehörigkeit aberkannt, sie galten als vogelfrei, sie trugen das „N“ auf ihre Jacken genäht. Ihr gesamter Besitz fiel entschädigungslos dem Staat anheim. Die Deutschen und die Ungarn sowie auch diejenigen Juden, die als Deutsche gezählt wurden, verloren alle Eigentums- und Aufenthaltsrechte. Alle Verbrechen, die an ihnen nach dem Krieg begangen worden waren, wurden straffrei gestellt, für die zahlreichen Massaker und Morde ist kein Tscheche belangt worden.
Ich meine: Die EU darf sich nicht darauf einlassen, derartige willkürliche, allen Grundsätzen der Menschenrechte zuwiderlaufende Dekrete anzuerkennen. Hier darf man sich nicht durch den Präsidenten Klaus unter Druck setzen lassen!
„Wir waren alle in keinem Krieg, aber für die Russen waren wir als Deutsche schuld an Hitlers Verbrechen.“ So schreibt Herta Müller über die gleichfalls deportierten Rumäniendeutschen.
So könnte man auch auch sagen: Der Krieg hatte Böhmen verschont, in ganz Böhmen fand während des 2. Weltkriegs keine Schlacht statt, aber nach dem Krieg waren alle Deutschen in der Tschechoslowakei an allem Bösen schuld, das die nationalsozialistischen Mörder weltweit verübt hatten. Auf diese Logik darf man sich nicht einlassen!
Es gilt, durch gemeinsame Erinnerung, durch gemeinsame Aufarbeitung der tschechisch-deutschen Geschichte die Mauern des Misstrauens zu überwinden. Ich habe schon mehrfach behauptet, die Zukunft der EU stehe auf tönernen Füßen, solange die gemeinsame Vergangenheit nicht einvernehmlich aufgeklärt wird. Das gilt für Slowaken und Ungarn, für Kroaten und Italiener, für Türken und Griechen, es gilt aber ebenso auch für Tschechen und Deutsche. Denn Geschichte ist nicht wie Zement, Geschichte ist nicht ein feiner Staubnebel, der alles umhüllt und zudeckt.
Alles, was geschehen ist, tragen wir mit uns. Es ist eingeschrieben in die Gedächtnisse, es wartet darauf, erzählt zu werden. Wie es mit leuchtendem Mut und salzigen Augen Herta Müller getan hat.
Herta Müller: Atemschaukel. Roman. Carl Hanser Verlag, München 2009, hier: S. 38 und S. 44
Daniel Jonah Goldhagen: Schlimmer als Krieg. Wie Völkermord entsteht und wie er zu verhindern ist. Aus dem Englischen von Hainer Kober und Ingo Angres. Siedler Verlag, München 2009, hier: S. 222-223
… so äußerte sich gestern der Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky in einer sehr nachdenklich geführten, vorzüglich besetzten Talkshow zum Thema „Gute Bildung nur für Reiche?“Was Armin Laschet, Emre Ulukök und Heinz Buschkowsky zu sagen hatten, das gefiel mir sehr gut. Ich merkte: Diese Menschen wissen, wovon sie reden. Sie wollen die Lage verbessern. Sie gestehen ihre Ratlosigkeit ein.
Jeden Tag merke ich, dass ich zur Unterschicht gehöre. Ich radle mein Kind 2 km in die normale Kreuzberger Regelschule, vorbei an all den bildungsnahen Mamis und Papis, die ihre Kinder in die nähergelegene, sehr spezielle Montessori-Schule bringen. Oft parken die Autos dort in vier Spuren, Tausende Liter Benzin werden jeden Monat verfahren, damit die bildungsnahen deutschen Schichten jeden Kontakt mit uns, der Unterschicht vermeiden können. Schaut euch das Foto an. Das sind sie, die Autos der Montessori-begeisterten Oberschichtler.
Längst fühle ich mich eins mit der Unterschicht. Ich fühle mich sehr sehr gut an unserer normalen Schule für die Armen, die Ausländer, die Unterschichtler!
Dass die Deutschen ihre Kinder nicht zu uns Migranten geben, das ist das einzige, worüber ich mich wirklich aufrege. Das halte ich für für duckmäuserisch und verlogen, wenn man dann öffentlich das Maul nicht aufkriegt. Aber immer hübsch auf Sarrazin einschlagen! Wer wie ich seit langem zur Unterschicht gehört, der kann all das hämische Gedöns der bildungsnahen Oberschicht-Lobbyvertreter über die Äußerungen eines Sarrazin nicht mehr ertragen.
Wenn es euch ernst wäre mit eurer Integration – wo seid ihr dann? Warum schicken die bildungsnahen Politiker und die Deutschen ihre Kinder nicht zu uns Unterschichtlern? Warum sind keine Unterschichtler zu Politikern geworden? Warum betrügen die bildungsnahen Kreuzberger Oberschichtler die Behörden mit ihren Ummeldungen? Warum versucht ihr es denn nicht mit uns Migranten, Ausländern und Unterschichtlern? Wir sind das Volk, wir sind die Zukunft dieses Landes!
Am selben Tag, als alle anderen den Namen Herta Müller zum ersten Mal zur Kenntnis nehmen, lese ich das zweite große Buch von Daniel Jonah Goldhagen. Was verbindet Müller und Goldhagen? Vielleicht dieses: Müller wie Goldhagen forschen in den Gängen und Schächten des Vergessens des Leidens. Sie fördern Schlacken des Entsetzens zutage.
Goldhagen breitet einen Teppich des Schreckens aus: über mehrere Jahrhunderte, über alle Kontinente hinweg. Wichtig: Er bricht das Schweigen über die Verbrechen der kommunistischen Regime. Wer weiß denn bei uns, dass in Polen und der Sowjetischen Besatzungszone einige Konzentrationslager der Deutschen einfach weiterbetrieben wurden, wie Goldhagen auf S. 129 berichtet, von polnischen, deutschen und russischen Kommunisten? Hunderttausende wurden in den KZs eingesperrt, Zehntausende starben an den elenden Lagerbedingungen. Auschwitz, Lamsdorf, Jaworzno, Oranienburg, Buchenwald – alle diese und noch weitere Lager wurden 1945 nach dem Abzug der Nationalsozialisten wieder befüllt. Echte und vermeintliche Gegner der neuen Machthaber, Bürgerliche, Konterrevolutionäre, sie alle wurden zusammengetrieben. Das millionenfache Unrecht der Vertreibungen – auch der Vertreibungen der Deutschen aus dem Osten Europas – benennt Goldhagen klar und eindeutig (S. 222). Er lässt den wohl an die Hundert Millionen Opfern der Völkermorde Gerechtigkeit widerfahren – soweit man von „Gerechtigkeit“ sprechen kann.
Natürlich unterlaufen ihm auch Fehler. So behauptet er etwa fälschlich, im GULAG habe es im Gegensatz zu den deutschen KZs ein Kulturleben mit Orchestern usw. gegeben (S. 435). Das ist falsch. Auch in einigen deutschen KZs gab es Orchester, sogar Damenbands, es wurde komponiert, es wurde unter erbärmlichsten Bedingungen immer noch gefeiert, musiziert und rezitiert, und zwar von Häftlingen, die einem qualvollen Tod entgegengingen. Der vorgeblich weniger verbrecherische Charakter der Sowjetherrschaft lässt sich also nicht damit begründen, im GULAG habe es noch ein Kulturleben gegeben.
Und die Auslöschung der polnischen Intelligenz schreibt Goldhagen zu Unrecht nur den Deutschen zu. Polen wurde 1939 zerrissen zwischen Nazideutschland und Sowjetrussland. Beide Mächte haben die polnische Intelligenz brutalst in Massenmorden ausgemerzt. Das Wort Katyn ist dafür nur ein Symbol. Goldhagen hätte es erwähnen müssen.
Richtig ärgerlich werden seine summarischen Zusammenstellungen, etwa auf S. 519: Dort beschreibt er die gegenwärtige politische Situation in der Europäischen Union (EU) mit folgenden Worten: „Nationalsozialismus und Faschismus vorbei, vollkommen demokratisch und politisch integriert.“ 20 Jahre nach der Hinrichtung Ceaușescus ist es starker Tobak, wenn das millionenfache Unrecht, das über Europa gekommen ist, ausschließlich dem Faschismus und Nationalsozialismus zugeschrieben wird. Hier hätte unbedingt auch der reale Sozialismus erwähnt werden müssen, der heutige EU-Länder wie Rumänien, Ungarn, Bulgarien, DDR, Polen, Lettland, Litauen mit eiserner Faust regierte.
Als wichtigen Massenmörder lässt Goldhagen leider Karl den Großen unerwähnt. Wenn schon, denn schon. Es stünde uns in Europa gut an, die Völkermorde und Vertreibungen dieses Pater Europae klar beim Namen zu nennen und den Aachener Karls-Preis umzubenennen, den ja sogar unsere Bundeskanzlerin schon ohne mit der Wimper zu zucken empfangen hat.
Aber immerhin bringt Goldhagen den GULAG, belegt anhand von Zahlen und Dokumenten den verbrecherischen Charakter des riesigen verzweigten Lagersystems in der UdSSR. Er erzählt die riesigen Hungersnöte der Ukraine in den 30er Jahren. Er zeichnet nach, wie die Bolschewisten von Anfang an auf Terror, Massenmord und Konzentrationslager setzten (S. 51). Von der Aura des Kommunismus als weltbefreiender Macht bleibt nichts, gar nichts mehr übrig.
„Massenmörderischen kommunistischen Regimen, die sich urprünglich auf arme und verbitterte Proletarier und Bauern stützten, ist es in bemerkenswerter Weise gelungen, durch die Indoktrination der Jugend ganze Generationen von wahren Gläubigen heranzuziehen, die sich bereitwillig für die Verwirklichung eliminatorischer Programme einsetzten“ (S. 225).
Die Blutspur des Genozids zieht sich durch die Jahrhunderte, sie färbt sich besonders rot im 20. Jahrhundert. Und die staatlich verordneten und gedeckten Massenmorde gehen weiter bis zum heutigen Tage!
Das Buch ist ein großer Wurf. Goldhagen schont niemanden: nicht die Hutus, nicht die Belgier, nicht die Deutschen, die Türken, nicht die US-Amerikaner, nicht die Kommunisten, nicht die Franzosen, nicht die autoritären Regime Südamerikas … sie alle haben Massenmorde und Völkermorde begangen, die weiterhin weitgehend verschwiegen oder beschönigt werden (wohl mit Ausnahme der deutschen Verbrechen). So die bitteren Vorwürfe Goldhagens. Der Völkermord, besser die Vökermorde, allen voran der Holocaust, haben verheerender gewütet als die Kriege.
Dieser Nachweis gelingt Goldhagen meines Erachtens mit großer Überzeugungskraft. Dies ist das Hauptverdienst des Buches, uns dafür die Augen zu öffnen, auch wenn die Begriffe Massenmord, Völkermord, Terror, Krieg bei Goldhagen teilweise unscharf formuliert sind und ineinander verfließen.
Und vor allem unterbeitet er Vorschläge, wie staatlicher Massenmord zu verhindern sein könnte: etwa durch ein Kopfgeld auf Politiker und Regierungsmitglieder, die den Massenmord anordnen oder decken. Hier wird das Buch zu dem, was es eigentlich ist: ein flammender Aufruf, mehr Gerechtigkeit, mehr Frieden herzustellen. „Verschaffe mir Recht“ – dieser biblische Spruch der ewig Gemarterten kam mir in den Sinn, als ich das Buch erschüttert zur Seite legte.
Daniel Jonah Goldhagen: Schlimmer als Krieg. Wie Völkermord entsteht und wie er zu verhindern ist. Aus dem Englischen von Hainer Kober und Ingo Angres. Siedler Verlag, München 2009
„Rudi war der einzige Deutsche in der Glasfabrik. „Er ist der einzige Deutsche in der ganzen Umgebung“, sagte der Kürschner. „Anfangs haben die Rumänen sich gewundert, daß es nach Hitler immer noch Deutsche gibt. ‚Immer noch Deutsche‘, hatte die Sekretärin des Direktors gesagt, ‚immer noch Deutsche. Sogar in Rumänien.“
Die Manschettenknöpfe. Eine kleine bittere Prosa-Miniatur von Herta Müller. Bei Dussmann in der Friedrichstraße streife ich fuchsartig durch die Regale. Ich spüre das Buch Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt auf. „Wie haben Sie das geschafft?“, fragt mich ein Reporter vom Nicht-Ersten Deutschen Fernsehen. „Seit Jahrzehnten durchstreife ich die Weiten der Berliner Buchhandlungen“, so lautet meine listige Antwort. „Ich kenne die versteckten Winkel. Bei Herta Müller lernen wir, was es heißt, in der Diaspora zu leben. Sie hält die Fackel hoch. Sie verkörpert das leibhaftig Unselbstverständliche. Die Freiheit. Das gilt auch für ihre Sprache. Kein Wort in ihrer Prosa ist vorhersagbar. Vielmehr versuchen die Worte mühsam, einander die Hand zu reichen.“
Beim Nachhauseweg fällt mir ein, dass dieses Gefühl der Diaspora mich selbst immer häufiger befällt. Sogar in Deutschland. Ich beschließe, noch mehr von Herta Müller zu lesen! Aber ihren neuesten Roman Die Atemschaukel konnte ich heute nicht mehr erhalten.
Herta Müller: Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt. Eine Erzählung. Hanser Verlag, München 2009, S. 44 (Erstauflage: 1986, Rotbuch Verlag)
Der ADFC Berlin hat heute eine Aktion zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für Fahrräder und Fahrradfahrer gestartet.
An drei Standorten in Berlin werden von 10:00 – 16:00 Uhr Fahrräder gecheckt – insbesondere in Bezug auf die Funktionsfähigkeit der Lichtanlagen.
Kleine Reparaturen werden sofort vor Ort durchgeführt – bei größeren Mängeln wird eine Mängelliste erstellt und auf den Fahrradfachhandel verweisen.
Jeder Fahrradnutzer erhält dazu diese Liste zusammen mit einer Liste von nahe liegenden Fahrradhändlern.
Parallel klären sog. Berater die Radfahrer über ihre Rechte und Pflichten im Verkehr sowie über typische Gefahrensituationen für Radfahrer und die „Tücken“ der StVZO auf.
Näheres zu der Aktion und die drei Standorte findet Ihr unter folgendem
Link:
http://www.adfc-berlin.de/aktionenprojekte/adfc-herbst-check.html
So flapsig äußerte ich mich zu unserer Kindergartenleiterin Ute Kahrs, als wir den Anstoß für eine „musikbetonte Kita“ ausgeheckt hatten. Auch in dieser gutgeführten Schöneberger Einrichtung überwogen die Kinder aus türkischen und arabischen Familien. Die Deutschen schickten ihre Kinder auf die kleinen und feinen privaten und kirchlichen Kitas. Dafür zahlten sie auch gerne.
Heute, drei Jahre später, hat sich eine prachtvolle, fröhliche Kita daraus entwickelt, die deutschen Eltern setzen sich wieder auf die Warteliste. Die Berliner Zeitung hat darüber berichtet. Dieses Blog hat mehrfach darüber berichtet. Und – jawohl – die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Kinder und die Erzieherinnen empfangen und sich auf ein schönes Foto dazugestellt. Dies entnehme ich mit großer Freude dem neuen Programmheft des Nachbarschaftsheims Schöneberg auf S. 125.
Kristina Köhler sagte gestern in der mäßig harten und ziemlich unfairen Sendung „Hart aber fair“: „Wir müssen mehr Erfolgsgeschichten erzählen.“ Richtig! Dann schaut euch doch mal das Foto mit Bundeskanzlerin Merkel und der Kita am Kleistpark an: Alle Kinder tragen einen Pulli in den deutschen Farben, sie dokumentieren damit: Wir gehören alle dazu. Und zwar zu Deutschland. Viele Musiker stehen als stützender schützender Hintergrund dabei. Das heißt: Klassische Musik, die Musik eines Mozart, eines Bach, eines Brahms oder Dvorak oder Tschjaikowskij kann uns zusammenführen und verbinden.
Ich ergänze: Diese deutschen Kinder brauchen neben viel Musik und Malen auch viel Poesie. Sie brauchen sinnvolle Gedichte. Sie brauchen Reime, Abzählspiele, Kinderlieder. Sie brauchen Goethe, sie brauchen Friedrich Schiller. Sie brauchen von mir aus auch die türkische Nationalhymne. Und zwar in deutscher Sprache. Und genau das – gute, einfache, farbenfrohe Bilder aus der deutschen, der europäischen, der Weltkultur – vermisse ich.
Ich blättere verzweifelt die Lesefibeln durch, mit denen unsere Kinder in der Grundschule lernen. Nichts! Keine sinnstiftenden Geschichten! Keine Märchen, keine Sagen, keine Legenden. Keine Reime. Keine Pippi Langstrumpf, kein Zundelfrieder, kein Schweik. Kein Hans im Glück! Nichts. Es ist die Selbstaufgabe der europäischen Kultur, was ich da in den Lernmitteln der Kinder sehe. Der komplette Bankrott. Nur um niemandem auf die Füße zu treten, vermitteln unsere Grundschul-Lehrmittel eine weiße Fläche. Kein Hänsel, kein Gretel, und nicht einmal ein Ali Baba oder ein kleiner Muck. Denn es könnte ja sein, das Kulturstereotypen unbewusst weitergegeben werden. Huch!
Das sollte sich ändern. Wir brauchen ein gutes Lesebuch für die Grundschule. Mit Geschichten, Märchen, Bildern, Gedichten, Liedern.
Schaut euch noch einmal das Bild von gestern an. Ihr seht den fleißigen Blogger Johannes Hampel im Kreise der Zauberflöten-Kinder von der Fanny-Hensel-Grundschule nach der Aufführung von Mozarts Singspiel „Die Zauberflöte“.
Nun ratet mal, welcher Muttersprache diese Kinder zugehören! Seht ihr die beiden großen blonden Kinder? Deren Mütter sprechen zuhause Russisch und Polnisch. Die Mütter aller anderen Kinder sprechen zuhause teils Arabisch, teils Türkisch. Eine spricht Italienisch. So sieht es aus. Das ist die Lage an unserer Grundschule. Es sind alles gute, fröhliche, aufgeweckte Kinder. Der da so vorlaut den Finger hochreckt, der blonde Junge, das ist mein Sohn. Deutsche Kinder, überwiegend hier geboren, alle hier in Deutschland aufwachsend. Sie sind unsere Zukunft. Wir tragen alle für sie Verantwortung – ehe sie dann für uns Verantwortung übernehmen. Wie heißt es doch so schön?
Am Ende hängen wir doch ab
von denen, die wir machten.
Kennt ihr den Namen des deutschen Dichters, der solches schrieb? Sagt euch sein Name noch etwas, oh ihr guten deutschen Erwachsenen, die ihr dies lest? Er hieß Goethe. Ü-ber-ra-schung! Sagt euch der Name Mozart noch etwas? Diesen Kindern aus deutsch-türkischen und deutsch-arabischen, aus deutsch-russischen und deutsch-polnischen Familien sagt er etwas! Ich gebe euch mein Wort.
Gute GrundschulenKommentare deaktiviert für „Nimm’s doch nicht so wichtig“
Okt.072009
Die großmächtig angekündigte Bewerbung war überflüssig. Man meldet sich bei solchen Elterntreffen zu Wort, kündigt seine Bereitschaft an, ein Ehrenamt zu übernehmen, und wird dann meist auch gewählt. Ich habe nur wenig gesagt, sprach mich in meiner einzigen Wortmeldung dafür aus, dass die Informationsblätter der Schule an die Eltern nur in deutscher Sprache verfasst werden sollten.
Zum Glück war unsere bisherige GEV-Vorsitzende, Frau Krüger, bereit, diese Aufgabe weiter zu übernehmen. Ich wurde zu ihrem Stellvertreter gewählt, nachdem sich niemand anderes gemeldet hatte. Ich halte die Grundschulen für äußerst wichtig. Hier entscheiden sich Schulkarrieren, hier entscheidet sich die Zukunft des Landes.
Deshalb werde ich das weiterhin sehr wichtig nehmen, was an unserer Grundschule geschieht.
Vor der Sitzung der Gesamtelternvertretung an der Kreuzberger Fanny-Hensel-Schule nehme ich mir eine volle Stunde Zeit, um all meine über Jahrzehnte hinweg gesammelten Erfahrungen an Kreuzberger Grundschulen in wenigen Worten darzulegen. Wer weiß, vielleicht würde es ja um ein zu vergebendes Amt zu kämpfen gelten? Ich kenne das aus den USA! Jedes öffentliche Ehrenamt ist dort ein Amt, das Ehre bringt. Man bewirbt sich darum, gerne auch mit einem Flyer oder einem Bild.
Ich werde mich so bewerben:
Johannes Hampel
Elternvertreter der Klasse 1/2/3 D
in der Fanny-Hensel-Grundschule
Bewerbung als Elternsprecher der Fanny-Hensel-Grundschule
Meine Leitsätze: Wir haben wunderbare Kinder! Wir haben eine sehr gute Schule! Wir gehören alle dazu!
Meine Ziele: Die Fanny-Hensel-Grundschule soll stolz auf alle Menschen sein, die in ihr arbeiten und lernen. Jedes Kind soll sich in ihr stark fühlen.
Unser Weg: Sprache, Kunst, Tanz, Musik, Theater. Gutes Deutsch für alle! Deshalb: Unsere Kinder brauchen ein gutes Lesebuch, das sie mit vielen Gedichten und Geschichten begleitet und zusammen mit den Lehrern zu gutem, akzentfreiem Deutsch führt.
Die Zugehörigkeit zur Schule soll sich in äußeren Zeichen ausdrücken, etwa in Losungen für den Tag oder die Woche, in einer gesungenen Schul-Hymne, in gemeinsamen Festen oder auch in einem Schulpullover.
Zur Person:Aufgewachsen bin ich in Augsburg/Bayern. Ich lebte und arbeitete nach dem Studium 3 Jahre in Italien. Derzeitiger Beruf: Dolmetscher für Englisch und Italienisch. 2 Söhne, 25 und 7 Jahre alt. Beide in Kreuzberg zur Grundschule gegangen und gehend. Eine Leidenschaft: die Geige.
2000-2002: Gesamtelternsprecher an der Berliner Walther-Rathenau-Oberschule, zugleich Mitarbeit im Bezirkselternausschuss (BEA) Charlottenburg-Wilmersdorf. 2004-2005: Anregungen und musikalische Späße für die Schöneberger Kita am Kleistpark, die mittlerweile eine sehr erfolgreiche musikbetonte Kita geworden ist.
Derzeit zusammen mit meiner russischen Frau Irina Potapenko ehrenamtlich Theateraufführungen und Konzerte in Kindergärten, Schulen und in Kirchen, vorzugsweise Mozarts Zauberflöte. Beim ADFC (Fahrradclub) Berlin Sprecher der Stadtteilgruppe Friedrichshain-Kreuzberg.
Das Bild zeigt mich bei der Aufführung der Mozartschen Zauberflöte in der Fanny-Hensel-Grundschule. In meinem persönlichen Blog schreibe ich immer wieder Wichtiges und Unwichtiges über die Frage, wie wir unsere Kinder erziehen wollen. Besucher sind willkommen!
Gut gemachter Videoclip über die die Herrlichkeit einer gut funktionierenden Fahrradbeleuchtung! Bei vielen Debatten über den Straßenverkehr werfe ich den Begriff des Vorbildes in den Raum. Oder ich stelle ihn einfach mal so hin. Denn Rummosern bringt wenig.
So auch in der neuesten Radzeit, dem beliebten Fachblatt der Fahrradstadt Berlin, das diesmal dem Hauptthema „Sicher zur Schule“ gewidmet ist. „Das eigene Vorbild wird positiv aufgenommen„, töne ich da. – Das ist zwar kein vorbildlich gutes Deutsch, aber es gibt meine Empfindung wider.
Ich habe immer wieder das Gespräch mit den radelnden Regelbrechern gesucht, um etwas über dieses ärgerliche Verhalten zu erfahren. „Lass mich in Ruhe“, „ich fahre, wie es mir passt“, „hier in Berlin fahren alle so, Sie sind wohl nicht aus Berlin?“, waren die freundlichsten Antworten. Die Beleidigungen versuche ich zu vergessen und habe sie auch schon vergessen.
Es fehlt bei sehr vielen Radfahrenden an Bewusstsein für das, was sie bewirken. Wenn ich mit Fußgängern, Kindern, Lehrern, Erziehern, Autofahrern oder Politikern aus den verschiedensten Parteien spreche, schlägt mir sehr viel Verärgerung und mitunter regelrechte Wut auf uns Radfahrer entgegegen.
Einen großen Teil der Radfahr-Erziehung für meinen 7-jährigen Sohn Wanja nimmt mein Bestreben ein, ihn zur Beachtung der grundlegendsten Verkehrsregeln anzuhalten, auch wenn er Stunde um Stunde, Tag um Tag sieht, dass sich sehr viele oder vielleicht sogar die meisten Berliner Radfahrer nicht ans Rotlicht, nicht an Regeln, nicht an das Gebot der Rücksichtnahme halten. Ich versuche ihm begreiflich zu machen, dass Regeln im menschlichen Zusammenleben unerlässlich sind – auch im Straßenverkehr. „Wenn du dich selbst nicht an Regeln hältst, kannst du es auch nicht von anderen erwarten.“
Ich meine: Wir sollten uns stets beispielhaft verhalten und auch unseren Einsatz für bessere Bedingungen im Radverkehr fortsetzen.
Wir stehen in der Pflicht, uns in die Öffentlichkeit hinein klar, wiederholt und eindrücklich für Rücksicht, Freundlichkeit und Regeltreue einzusetzen.
Ich werde dieses Thema bereits am heutigen Dienstag als gewählter Elternsprecher in der Gesamtelternvertretung der Fanny-Hensel-Grundschule in Kreuzberg anschneiden. Wir alle sollten die Vernetzung mit Akteuren aus Schule, Politik und Verwaltung suchen und ausbauen.
Ich meine, es geht nicht nur um unser Image, es geht um eine Ethik des Radfahrens.
Allerdings erhalte ich auch viel Lob für vobildliches Verhalten, für Rücksicht und Vorsicht! „Mann, endlich ein Radfahrer, der bei Rot anhält!“, hörte ich einmal einen BSR-Müllkutscher. Der Mann kurbelte eigens sein Fenster herunter. Das will etwas heißen!
Ich versuche, Fußgängern zuzulächeln, so oft es geht. Ich bedanke mich durch freundliches Winken bei Autofahrern, wenn sie sich fair und rücksichtsvoll verhalten. Ich suche jederzeit Augenkontakt und sende kurze, freundliche Gesten aus. Der Klimawandel auf Berlins Straßen ist möglich! Wir können ihn alle gemeinsam bewirken. Jede Fahrradfahrt kann zur Quelle von guten Begegnungen werden. Wir sind stark. Freundlichkeit setzt sich durch.
Zu meiner großen Genugtuung wird mir soeben gemeldet, dass der Berliner Landesverfassungsgerichtshof entschieden hat: Das Kita-Volksbegehren ist gültig! Damit hat sich der Einsatz gelohnt. Ich selbst habe auch ein paar Unterschriften gesammelt. In diesem Blog haben wir am 27.04.2008 und am 27.02.2009 über das Kita-Volksbegehren berichtet und uns als Unterstützer zu erkennen gegeben.
Es geht nur um einen Betrag von 90 bis 165 Millionen, durch den dieses Gesetz in die Budgethoheit des Landes Berlin eingegriffen hätte. Gut so! Was hat denn direkte Demokratie für einen Sinn, wenn wir Bürger nicht auch über das Geld mitbestimmen dürfen! Für Bildung muss dieses Geld da sein.
Also, Mütter, Väter, Kinderlose! Fleißig in die Hände gespuckt – wir müssen die Einkünfte des Staates durch Fleiß und Tüchtigkeit mehren, damit die Mehrausgaben nicht unseren Kindern zur Last fallen! Eine kleine Rechnung ergibt: Wir müssen netto mehr arbeiten und mehr Steuern zahlen, damit der Staat mehr Geld für Kinderbetreuung ausgeben kann. Während dieser Mehrarbeit stehen wir als Eltern unseren Kindern nicht für die Betreuung zur Verfügung. Weniger Zeit für Kinder.
Landesverfassungsgericht – Richter erklären Berliner Kita-Volksbegehren für gültig – Berlin – Berliner Morgenpost
Mehr Zeit und mehr Geld für die Betreuung von Kindern hatten die Initiatoren des Kita-Volksbegehrens gefordert und dafür mehr als 66.000 Unterschriften gesammelt. Doch der Berliner Senat ignorierte das Ergebnis – mit Verweis auf die Kosten. Nun hat der Landesverfassungsgerichtshof entschieden, dass eine Ablehnung des Kita-Volksbegehrens durch den Senat mit der Verfassung von Berlin nicht vereinbar ist.