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Freiheit – eine lebenslange Aufgabe

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Aug. 152009
 

Bin begeistert von dem Interview mit Hans-Joachim Maaz in Spiegel online. Der in der DDR aufgewachsene Psychotherapeut schildert eindrücklich, dass die Gewinnung von innerer Freiheit ein mühseliger, über Jahre und Jahrzehnte sich erstreckender, bewusst angestrebter Prozess sein muss. Klasse! Er ist noch nicht bewältigt, ja eigentlich kaum begonnen.

Was mir weniger gefällt, ist, dass er behauptet, die Ostdeutschen hätten noch viel nachzuholen, die Westdeutschen seien da schon wesentlich weiter. Ich glaube – und ich habe dies immer in diesem Blog vertreten – , dass wir Deutsche überhaupt den vollentwickelten Begriff von Freiheit, wie er an der Wurzel des Grundgesetzes steht, teilweise verloren haben. Der eine mehr, der andere weniger. Einen Mangel an innerer Freiheit erkenne ich immer dann, wenn Menschen alles den Umständen zuschieben, Umstände nicht als veränderbar begreifen. Und dieses Denken ist allzu weit verbreitet. Zitat:

SPIEGEL ONLINE: Am meisten sind die Ostdeutschen über ihre mangelnden politischen Einflussmöglichkeiten enttäuscht. Nach einer aktuellen Studie sind nur elf Prozent mit der Demokratie und nur sieben Prozent mit ihrem politischen Einfluss zufrieden. Wollen die Ostler wirklich Partizipation?

Maaz: Sie können es noch nicht wirklich. Nach der verständlichen Enttäuschung und Ernüchterung über den Westen müsste eine kritische Auseinandersetzung folgen. Uns fehlt noch eine reife Ablösung vom autoritären Syndrom, ein 1968-Ost, wie es auch im Prager Frühling aufschien. Die noch nicht bewältigte Unterwerfung blockiert Selbstbewusstsein und Kreativität. Erst wenn wir das nichtheldenhafte Verhalten in der DDR kritisch analysieren, werden wir auch reif, uns mit den westlichen Strukturen offen auseinanderzusetzen.„Viele Ostdeutsche sind nicht geheilt“ – einestages

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Aug. 132009
 

Thüringen – Fall Zeca Schall beschäftigt nun Staatsanwaltschaft – Bundestagswahl 2009 – sueddeutsche.de
Nach der NPD-Attacke auf den dunkelhäutigen CDU-Wahlhelfer ermittelt nun der Staatsanwalt – wegen des Verdachts auf Volksverhetzung, Beleidigung und versuchte Nötigung.

Beschämend, dass in Deutschland so etwas denkbar ist. Ein Mensch, ein Bürger unseres Landes wird nur wegen seiner anderen Herkunft oder Hautfarbe bedrängt und genötigt! Hier erkläre ich mich in jedem Sinne solidarisch mit Zeca Schall. Dabei fällt mir das merkwürdige Bild ein, das ich am dritten Tag meiner italiänischen Reise an der Türe der Klosterkirche Ettal sah: ein dunkelhäutiger Fürst – das Wappen des Marktes Mittenwald mit dem gekrönten Mohrenkopf aus dem Jahr 1407. Dass ein König, ein Herrscher, als Schwarzer, als ein Mohr, dargestellt wurde, deute ich so: Offenbar hat man in früheren Jahrhunderten noch gar nicht in Hautfarben gedacht. Es gab einfach schwarze Menschen. Darunter gab es auch Könige und Fürsten. Der dritte der Weisen aus dem Morgenlande  wurde meist als Mohr dargestellt. Er vertrat den Erdteil Afrika, die anderen Asien und Europa. Das hatte nichts Rassistisches.

Den echten Rassismus, diese furchtbare Verirrung, scheint es erst seit dem 19. Jahrhundert zu geben. Noch heute plagt er uns, wie die Vorfälle um Zeca Schall belegen. Hier dürfen wir nicht nachgeben! Zeca Schall braucht unsere volle Unterstützung, Schutz und – genau jenen Geist der umfassenden Anerkennnung, oder sagen wir – der Liebe, von denen die Geschichten um den Mohren Balthasar, aber auch die Selbsterforschungen des Augustinus sprechen.

Die italiänische Reise brachte mich natürlich immer wieder vor die Wegmarken der europäischen Geschichte. Einer der größten Lehrer der Christenheit, Aurelius Augustinus, war selbst von Herkunft Afrikaner, und ich habe ihn auf frühen Darstellungen oft als Schwarzen, mit krausem Haar gesehen. Augustinus ist übrigens einer jener Kühnen, Wagemutigen, der mit seinen Confessiones die Tür zur öffentlichen Darstellung der eigenen Biographie aufgestoßen hat. Selbst dieses Blog wäre nicht denkbar ohne den ungeheuren Beitrag, den dieser Christ aus Afrika geleistet hat. Wenn wir früher in diesem Blog immer wieder bekräftigten, dass das Christentum aus Asien stammt, so dürfen wir doch nicht vergessen, dass es entscheidende frühe Umformungen in Nordafrika durchlebt hat, noch ehe es sich zur dominierenden Religion auch in Europa entwickelte.

Wir dürfen auch nicht vergessen, welch ungeheure ausgleichende Kraft das Christentum über die Jahrtausende hinweg ausgeübt hat. Da alle als Kinder Gottes gesehen wurden, konnte es auch keinen wesentlichen Unterschied zwischen ihnen geben. Ob Römer oder Afrikaner von Geburt, ob Fürst oder Sklave – alle fanden sich unter einem Dach zusammen. Als Brüder und Schwestern.

Genau diesen Geist gilt es wiederzubeleben. Ein religiöses Bekenntnis wird dazu nicht erforderlich sein. Aber eine Rückbesinnung auf die fundamentale Gleichheit und gleiche Würde aller Menschen. Darunter unser Bruder Zeca Schall. Der Mohr an der Kirchentür in Ettal zeigt uns den Weg.

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„Wir haben Erfolg“. – „Wir haben mehr zu bieten“. Über Frauenbilder

 Donna moderna  Kommentare deaktiviert für „Wir haben Erfolg“. – „Wir haben mehr zu bieten“. Über Frauenbilder
Aug. 132009
 

Leider läuft heute die Leihfrist eines entliehenen Buches ab, dem ich viele, sehr viele Leser und auch Leserinnen wünsche: „Wir haben Erfolg“ von Kerstin E. Finkelstein. Die Autorin hat es geschafft, 30 deutsche Frauen aus muslimischer Herkunft ihre Geschichten erzählen zu lassen: Erzählungen von individuellen „Wegen zur Freiheit“.  Grundbotschaft: „Erfolg ist möglich“, wir übernehmen Verantwortung, wir sehen uns nicht als Benachteiligte. Ob als Polizistin, Ärztin, Professorin oder Unternehmerin.

Ich halte dieses Buch für äußerst wichtig. Es hilft uns bei folgender Frage: Wie schaffen wir es, die 50% der unter 6 Jahre alten deutschen Kinder, die fälschlich als Migrantenkinder bezeichnet werden, so ins Leben zu führen, dass sie selbstbewusst, frei, selbstverantwortlich ihr Leben meistern – dass ihr Leben gelingt?

Wir haben noch keine Antworten. Aber wir haben erste Erfolgsgeschichten. Bitte weiter dranbleiben! Bitte das Thema im Bundestagswahlkampf ansprechen!

Stolz bin ich darauf, dass die Autorin bei uns im ADFC Berlin mitmacht. Sie ist meine Kollegin als Sprecherin einer Stadtteilgruppe. Sie für Mitte, ich für Friedrichshain-Kreuzberg. Traf Kerstin gestern bei der Bezirksratssitzung des ADFC und sprach ihr mein höchstes Kompliment für das Buch persönlich aus.

Ade, du schönes Buch, ich geb dich jetzt auf die Post. Güle güle. Tschüss!

Kerstin E. Finkelstein: „Wir haben Erfolg!“ 30 muslimische Frauen in Deutschland. Vorwort von Seyran Ates. Fackelträger Verlag Köln, 2008. 223 Seiten

P.S.: Auch hier haben es wieder die besonders  jungen dieser 30 deutschen Frauen auf das Cover geschafft. Die über 50-Jährigen wie etwa Lale Akgün fehlen. Man stellt sie nicht vorne hin. Ich nehme an, das haben die Marketingspezialisten so eingerichtet. Denkt mal über Frauenbilder nach, ihr Werbefachleute, ihr Alice Schwarzer und Luise F. Pusch dieses Landes!

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Aug. 112009
 

Immer wieder besuche ich Gemäldegalerien und lasse mir die ausgestellten Kunstwerke erklären. „Achten Sie auf die Augen! Was sagen Ihnen die Blicke? Wie ist das Bild aufgebaut? Welche Blickrichtung nimmt das Auge des Betrachters? Welche Beziehung herrscht zwischen den dargestellten Personen? Welche Fläche nehmen sie auf den Bild ein? Wer ist wichtig? Was sagen die Hände?“ Dieses und ähnliches erläutern mir die geschulten Kustoden.

Genau dieses Wissen wende ich auch bei der Analyse der Wahlplakate an. Meist blicken einen die Kandidaten direkt an, versuchen Aufmerksamkeit für die 2,5 Sekunden zu erheischen, die der Passant das Plakat wahrnimmt.

Anders das neue Plakat von Vera Lengsfeld!  Erstens sind zwei Frauen darauf zu sehen. Politik spielt sich ja zwischen Menschen ab, ist keine Einbahnstraße. Das erste mir bekannte Wahlplakat mit zwei gleichrangig dargestellten Menschen – gut! Demokratie ist ein Geben und Nehmen. Eine allein schafft es nicht. Man muss mehr bieten als nur eine Spitzenkandidatin. Erst in dem Zwischen der Politik, von dem Hannah Arendt immer wieder spricht, entfaltet sich echte Politik – im Gegensatz zu den Anordnungen und Befehlen autoritärer Herrschaft.

Beide Frauen werden mit großem Selbstbewusstein dargestellt. Die linke Hauptgestalt wendet ihr Gesicht zur rechten Dame, die Sprache ihrer Hände drückt eine raumgreifende Frage- und Vorschlagshaltung aus. Die rechte Frau nimmt die Position der Angesprochenen ein, sie wendet sich jedoch in freiem Ermessen dem Betrachtenden zu. Ein geheimes Einverständnis scheint zwischen den beiden Damen zu herrschen, denn sie haben sich in ähnlicher Weise festlich angezogen. Der feine Perlenschmuck der linken Dame gemahnt an Darstellungen von Herrscherinnen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, so etwa Porträts von Zarin Katharina II. Erinnert sei insbesondere an das Porträt Fedor Rokotovs aus dem Jahr 1763. Dieses Blog widmete ihm am 6.1.2009 eine kunstgeschichtliche Betrachtung.

Zum festen Inventar weiblicher Herrscherporträts gehört ein dezentes Unterstreichen der selbstbewussten, auch körperlich dargestellten Weiblichkeit. Dies kann durch Schmuck geschehen, durch ein Décolleté oder andere Attribute der Weiblichkeit wie etwa Fächer, Spiegel oder Pelz.

Lengsfeld hat sich über die Jahre hin immer wieder für eine stärkere Betonung der individuellen Freiheitsrechte ausgeprochen. Unsere politische Landschaft sieht sie im Griff der übermächtigen Parteien. In einem sehr bemerkenswerten Aufsatz im aktuellen Heft des Cicero hat sie genau diese Einsicht mit treffenden Analysen untermauert.

Vera Lengsfeld mahnt mit ihrem Plakat genau die politischen Freiräume an, die im Tagesgeschehen allzuleicht aus den Augen verloren gehen. Sie tritt mit der Bildersprache ihres Plakates für ein starkes, selbstbewusstes Parlament ein, dem die hier mit abgebildete weibliche Herrscherin zuhören soll. Dem obwaltenden Übergewicht der Exekutive setzt sie gewollt eine Aufwertung der Legislative entgegen. „Wir, die Kandidatinnen des Parlaments, sind genauso wichtig wie die Regierungsmitglieder.“ Das ist die Botschaft der Raumaufteilung.

Legislative und Exekutive speisen dabei ihr beziehungsreich-kraftvolles Mit- und Gegeneinander nicht aus der Zugehörigkeit zu einem Hofstaat, Parteiungen oder Klüngeln, sondern aus dem in sich ruhenden, nach außen geöffneten Zusammenspiel von freien, entscheidungsfähigen Menschen.

Das Plakat verströmt diese Kraft der Freiheit. Als wollte es sagen: „Es gibt zwei von uns. Wir sind wie gegensätzliche Schwestern.“ Es setzt auf den mündigen, all seiner Sinne mächtigen Betrachter, der die Gesamtkomposition im Auge hat und sich nicht in einigen wenigen Details verliert.

Sinnfällig wird dieser ikonographische Gehalt – ähnlich dem Sinnspruch allegorischer Darstellungen aus dem Barock – durch die Zeile „Wir haben mehr zu bieten“ untermauert. Das „Mehr“ unterstreicht den Wettbewerbscharakter moderner Demokratie – ohne doch die Betrachter auf eine Eindeutigkeit festlegen zu wollen, wie sie das zeitgenössische Anspruchsdenken einfordert. Es werden keine Versprechungen gemacht, keine Forderungen erhoben.

Das Ganze ist durchwebt von einem raffiniert-ironischen Spiel mit hergebrachten Bildern des Weiblichen, das den mündig-aufgeklärten Betrachter voraussetzt, der die zunächst einfach scheinende, aber doch vielfach gebündelte Bildsprache des Plakats zu entschlüsseln vermag.

Es wird spannend sein zu sehen, wie die moderne Kommunikationswissenschaft auf die Herausforderung dieses herausragenden Plakates reagiert, das am heutigen Tage völlig zu recht auf die Titelseiten einiger deutscher Tageszeitungen gesetzt wurde.  Kunstgeschichtlich gesehen ist es ein Sonderfall einer produktiven Umformung traditioneller Mal- und Bildgestaltungstechniken, die zu widersprüchlichen Reaktionen ermutigt.

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Aug. 112009
 

Den dreißigsten Juli, früh neun Uhr stahl ich mich aus dem heimischen Berlin weg, weil das Gefühl einer unauflöslichen Verknüpfung mich sonst nicht fortgelassen hätte. Manche Tage blieb dieses Blog verwaist. Doch werde ich nunmehr, soeben nach Berlin zurückgekehrt, den bislang vernachlässigten Berichtspflichten eifrig nachkommen und euch durch allerlei Denk- und Merkwürdiges zu unterhalten suchen. Das flache Land um Berlin herum, welches dem Auge erst beim näheren Hinsehen manche Anregungen bietet – hier ein aufsteigender Habicht, dort ein stillgelegtes Mühlenwerk -, ließen wir bald hinter uns. Brandenburg, Sachsen, Thüringen stiegen nach und nach ins Bewaldet-Bergichte auf. Wir durchquerten das Land rasch von Nord nach Süd.

Unsere erste Etappe war Augsburg. Nach längerem Fortbleiben bot sich die Vaterstadt dem Auge des Heimkehrers mit manchen überraschenden Einzelheiten dar.

NEMO OTIOSUS las ich auf dem Deckenmedaillon des Goldenen Saales im Rathaus: „Niemand sei müßig!“. Der Goldene Saal bietet eine deutliche Bildersprache dessen an, was die bürgerliche Gesellschaft dieser Stadt einst zusammenhielt: Ein Kanon an Grundhaltungen, das Gefühl einer unleugbaren Zusammengehörigkeit und das unausgesetzte Bemühen, an einem gemeinsamen Werk zu schaffen. Klare, einprägsame Botschaften, allegorisch verschlüsselt, aber eben darum auch über das Individuum hinausgreifend.

„Niemand gebe sich dem Müßiggang hin!“ Diese unbedingte Hochschätzung der Vita activa scheint  mir ein Grundzug der erfolgreichen Handelsstädte der frühen Neuzeit zu sein: Venedig, Augsburg, Antwerpen, Brügge, Krakau: Mit allen stand Augsburg in regem Austausch, diente als Umschlagplatz und Börse.

Wenn es keine Arbeit gab, dann wanderte man aus oder man suchte sich welche. Man bewegte sich!

Und genau unter diesem Motto stand auch die Aktion „Deutschland bewegt sich“.  Dieses Foto entstand bei den Aufbauarbeiten, die ich am 31. Juli beobachtete.

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Juli 292009
 

Esst mehr Senf – las ich kürzlich als Werbespruch für einen der kleinen feinen Läden in unserer Hagelberger Straße. Es ist ein — Senfladen! Richtig geraten! In Kreuzberg! Richtig geraten!

Ich gebe Note 1 für Anke Martinys Kommentar zur Dienstwagenaffäre um Gesundheitsministerin Schmidt! Lest selbst:

Dienstwagen-Streit – Transparency lobt Schmidt – Politik – sueddeutsche.de
Die Nutzung des Dienstautos sei kein besonders großes Problem, sagte Vorstandsmitglied Anke Martiny der Nachrichtenagentur dpa. „Man sollte sich um die wichtigen Sachen kümmern“, sagte Martiny. „Aus der Aufdeckung von Interessenkonflikten ist viel mehr Honig zu saugen.“ Sie lobte Schmidt für deren Einsatz gegen Geldverschwendung.

Martiny trifft den Nagel auf den Kopf. Was Ulla Schmidt gemacht oder nicht gemacht hat, ist ziemlich unerheblich.  Schade, dass Steinmayer jetzt vor dem Empörungsgebrumm eingeknickt ist. Ich halte das für ein Zeichen von Schwäche des Kanzlerkandidaten.

Ich finde es unerquicklich, wie jetzt über einen Dienstwagen so beherrschend das Maul zerrissen wird. Jeder gibt seinen Senf dazu. Ich auch. Aber: Es gibt Wichtigeres. Bitte tiefer hängen.

Gebt weniger Senf dazu! Saugt mehr Honig!

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Wieder die Bespitzelung! – Wider die Bespitzelung!

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Juli 292009
 

Linker Protest: Über 4000 Berliner auf der Straße
In der Nacht zu Mittwoch hatten Vermummte die Disko Jeton in der Frankfurter Allee mit Steinen beworfen. Evrim Baba, Politikerin der Linken im Abgeordnetenhaus, forderte von den Betreibern des Jeton eine klare Stellungnahme zu ihrem Publikum: Immer wieder hatten Anwohner Rechtsextreme beim Verlassen des Jeton gesehen. [Oh wie schrecklich!] Wie die vier Verdächtigen vom vergangenen Wochenende sollen Gäste regelmäßig Pullover der bei Neonazis beliebten Marke „Thor Steinar“ getragen haben. [Unerhört!] Die Demonstration am Samstagabend startete deshalb vor dem „Thor Steinar“-Laden am nahen Bersarinplatz. Während der Demonstration hielten sich in einem Imbiss neben der Disko mehrere Männer in „Thor Steinar“-Kleidung auf [Skandal!!]
(Hervorhebungen und Zwischenrufe durch dieses Blog)

Stasi lässt grüßen!

Man lese mit gekühltem Blut bei einem gut gekühlten Bier noch einmal die Pressemeldungen über die Demo gegen das Jeton nach. Und dann lese man Abhörprotokolle oder irgendwelche Akten aus der Stasi-Behörde. Und dann lese man „Meldungen aus dem Reich“ nach, also die heute freigegebenen Berichte des Reichssicherheitsdienstes SS aus dem, was das Volk unter den braunen Nazi-Verbrechern dachte, schwatzte, lachte, trug und frug. Und dann ziehe man Erkundigungen über den türkischen Geheimdienst MIT ein. Worin bestehen 80-90% dieser Bespitzelungsprotokolle? Nun, aus vermeintlich Alltäglichem: Wer hat mit wem gesprochen, wer hat was gesagt, hat welche Kleidung getragen, ist wohin gegangen.

Genau so auch die Empörung mancher Politiker, wie etwa Evrim Babas. „HÖRT! ERWACHET! Der und die hat die oder jene Marke Klamotten getragen, ist da und dort gesehen worden.“ Was liegt hier vor? Was geht hier ab? Alles ungefähre Angaben! Denunziation blüht! Es ist ein Bespitzelungswesen in reinrassiger Reinkultur! Da stockt einem das Blut. Leute, solange wir diese linke Szene und außerdem die Boulevardpresse  haben, brauchen wir keine Bespitzelungsbehörde wie etwa die Stasi oder die MIT! Die machen den Job alleine.

In einem bin ich unerbittlich: Ich bin für die Verfolgung echter Straftaten. Zum Beispiel von Tötungsversuchen (etwa von dem an Jonas K.), Körperverletzung an Polizisten, Körperverletzung an Passanten, schwere Delikte wie Brandstiftung, Sachbeschädigung, Fahrraddiebstähle, Steinwürfe auf Glasscheiben, Drogenhandel, Glasflaschenwürfe auf junge Männer und Frauen aus Demonstrationen heraus …  usw.usw.  All das ist strafbar, soll strafbar bleiben. Es muss durch die Strafverfolgungsbehörden verfolgt und geahndet werden.

Wir brauchen aber keine selbsternannte Bespitzelungsbehörde, die öffentlich verkünden will, wer wo wann reingehen oder nicht reingehen darf. Keine linken oder rechten Blockwarte, die vorschreiben wollen, wer wann und wo einen Laden aufmachen darf oder zumachen muss. Wer wann und wo welches Auto parken oder nicht parken darf. Wir brauchen niemanden, der von Diskothekenbetreibern ultimativ irgendwelche Erklärungen abfordert unter Androhung von Vergeltungsaktionen. WAS um alles in der Welt BILDET IHR EUCH EIN? Für wen haltet ihr euch? Für das Weltgewissen?

Ach Evrim Baba – warum verlangen Sie denn keine „klare Stellungnahme“ von den Vermummten, die Steine werfen? Steine werfen, Feuer legen, – das sind klare Straftaten. Einen bestimmten Pullover zu tragen, sich so oder so zu kleiden, ist keine Straftat. Oder sind Sie anderer Ansicht?

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David Cameron’s Thoughts on Twitter… « Ed Mayes

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Juli 292009
 

Ihr erinnert euch an David Cameron, den radfahrenden britischen Politiker, der mehrfach beim Überfahren roter Ampeln erwischt worden war? Wir sprachen uns damals, am 12.05.2008, gegen dieses Verhalten aus. Doch … jeder erhält eine zweite Chance!

Was er hier zum Twittern sagt …

David Cameron’s Thoughts on Twitter… « Ed Mayes

… finde ich gut. Er sagt: Der Zwang, in jedem Moment Twit zu sagen, kann zu einem Twat führen – also einen  zum Hampelmann machen. Nicht gut.

Dennoch: Cameron sagt auch, dass die Fähigkeit, knappe, geschliffene Kernsätze vom Stapel zu lassen, unbedingtes Rüstzeug jedes Politikers sein muss, beginnend von der Bibel. Guter Spruch!

David, du bist kein Twat. Wir verzeihen dir alle Rotlichtsünden. Unter Radfahrkameraden.

 Posted by at 16:43
Juli 292009
 

Immer wieder sage ich: Mitbürger, jetzt – VOR der Bundestagswahl – ist die beste Zeit, um die Politiker zu erziehen! Sagt doch nicht, ihr hättet keinen Einfluss! Wir sind die Wähler! Wir sind das Volk! Die Abgeordneten erhalten von uns einen zeitlich begrenzten Auftrag, unsere Anliegen zu vertreten.

Eine hervorragende Sache finde ich abgeordnetenwatch.de Hier ein Beispiel, wie man konkrete Anliegen an die Kandidatinnen herantragen kann:

abgeordnetenwatch.de:
Sehr geehrte Kandidatin,

sehr viele Falkenseer tätigen ihre Einkäufe im 2 km entfernten Havelpark in Dallgow. Die viel befahrene Straße ist leider noch immer ohne Radweg, und Radfahrer fühlen sich dort wie Hasen in der Treibjagd. Überall in Brandenburg, selbst an kaum befahrenen Straßen, werden Radwege gebaut. Warum nicht an so einem Brennpunkt?

Mit freundlichen Grüßen

R. Knö

 Posted by at 10:58
Juli 292009
 

Was für die Gemeinden Hamburg, Bohmte, Stuttgart, Münster und viele andere deutsche Städte gilt, das wird schon bei den nächsten Abgeordnetenhauswahlen in Berlin ebenfalls der Fall sein.Im Jahr 2011. Wetten? Bedenkt: Bisher sind alle Voraussagen dieses Blogs eingetreten.

Die neuen urbanen Mittelschichten mit deutschem Migrationshintergrund wollen saubere Straßen, katholische Kindergärten, katholische und evangelische Gymnasien, Möglichkeiten, weitgehend ohne Auto zu leben,  – und breite, gut ausgebaute Radwege und Radstreifen. Das ist nun mal so. Wer die Innenstädte wieder mit einer Mittelschicht mit deutschem Migrationshintergrund bevölkern will, der muss vernetzt denken, kleinräumige Lösungen schaffen. Der muss die Ströme, die bisher den in Brandenburg gelegenen Speckgürtel zersiedeln, wieder in die Stadt Berlin holen.

Eine Partei, die diese Megatrends  verschläft, kann den Anspruch aufs Bürgermeisteramt gleich begraben. Mit diesem Grundrezept – Privatschulen christlicher Prägung mit niedrigem Anteil „bildungsferner Schichten“ (sprich: türkischer und arabischer Kinder), Fahrradfahren allüberall, sauberes, gepflegtes Umfeld, niedrige Kriminalität –  kann man wahrscheinlich überall deutliche Prozente gewinnen. Das wollen die Leute. Mit der Kirche haben sie nichts am Hute, aber sie geben ihre Kinder mit Wonne in ein katholisches Gymnasium. Grund: siehe vorstehenden Satz. Da kriegt ihr die erwerbstätigen Familien auch nach Kreuzberg und Friedrichshain zurück. Die Hartz-IV-Quote in den Innenstädten wird dann sinken.

Lest hierzu auch das bürgerliche Leib- und Magenblatt von heute. (Hinweis: Boris Johnson gehört der konservativen Partei an):

Schneller durch den Stau: London verliebt sich ins Fahrrad – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Reise
Politiker strampeln fürs Image

Die Stadt an der Themse erlebt einen regelrechten Fahrradboom. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Fahrten mit dem Rad mehr als verdoppelt. Spitzenpolitiker wie Bürgermeister Boris Johnson und Oppositionsführer David Cameron lassen sich gern und häufig auf dem Fahrrad ablichten. Während in Berlin der Grüne Hans-Christian Ströbele als Inbegriff des Radlers gilt, ist es in London der Konservative Cameron, der für Schlagzeilen sorgt, wenn mal wieder sein Fahrrad geklaut wird. Das dient der Imagepflege bei der zunehmend grün angehauchten, urbanen Mittelschicht.

 Posted by at 09:57
Juli 282009
 

Gute Formulierungen – mal wieder von Jugendrichterin Heisig. Absolut richtige Einsichten. Lest den Artikel! Das ist mein Kiez, das sind die Jungs, denen wir oft oft begegnen.

Heroin und Bargeld vergraben – Junge wurde vermutlich als Drogenkurier eingesetzt – Berlin – Berliner Morgenpost
Jugendrichterin Heisig verweist aus eigener Erfahrung vor allem auf die Einhaltung der Schulpflicht hin. Kriminelle Karrieren beginnen oft mit Schulschwänzen. Sie habe jüngst erst Strafanzeigen gegen einen deutschen Vater wegen Verletzung der Fürsorgepflicht erstattet, der sein Kind nicht zur Schule schickte. In der Zeit verübte der Junge Straftaten. „Es geht um die Kinder. Wir müssen aufpassen, dass sie uns nicht verloren gehen“, so die Jugendrichterin. „Familiengerichte müssen schneller Sorgerechtsentscheidungen treffen, wenn die Eltern nicht mitziehen.“ Das könne schon jetzt unter Anwendung bestehenden Rechts geschehen, wenn das Kindeswohl gefährdet sei.

 Posted by at 20:53

Renaissance der Diktatur des Neides

 Carl Schmitt  Kommentare deaktiviert für Renaissance der Diktatur des Neides
Juli 282009
 

lausitzer_06-02-09_1524.jpg Las soeben in Spiegel online ein Interview mit dem Gewerkschafter Rainer Wendt. Sehr gute Formulierungen – etwa die, es handele sich bei den linksextremistischen Brandanschlägen um eine „Diktatur des Neides“. Ich halte diese Einschätzung für zutreffend. Das mächtige Antriebsmotiv hinter irrationaler Politik wie etwa jetzt in unserer heimatlichen linksautonomen Szene sind stets – Emotionen: Angst, Neid, Hass, extreme Ich-Schwäche, Mangel an Selbstbewusstsein – diese negativen Emotionen muss man auf man dem Spielzettel halten, sonst versteht man die Politik nicht. Niemand kann leugnen, dass Angst, Neid und Hass  mächtige Antriebe hinter den totalitären Diktaturen des 20. Jahrhunderts waren.

Das Foto zeigt den hier schreibenden Blogger im Gespräch mit Vera Lengsfeld am Lausitzer Platz in Kreuzberg. Juni 2009. Unter dem Schutzschirm einer kleinen, oppositionellen, unbeugsamen Splitterpartei. Eine meiner aufschlussreichsten Erfahrungen in den letzten Monaten war dies, als ich am Lausitzer Platz in Kreuzberg Flugblätter mit Vera Lengsfeld und der CDU gegen das Abfackeln der Autos verteilte. So eine CDU-Flugblattaktion in Friedrichshain-Kreuzberg solltet ihr mal inkognito selber mitmachen! Auch wenn ihr keine CDU-Sympathisanten seid. Das ersetzt ganze Soziologie-Oberseminare über „Das Freund-Feind-Denken bei Carl Schmitt“ und ähnlich Erlesenes. Allein die Kommentare dort – „was wollt ihr denn, das ist doch Sozialhygiene!“ – sprachen Bände. Da braucht ihr keine Abhandlungen über Rassismus mehr zu lesen. Dann erfahrt ihr am eigenen Leibe, was der neue Rassismus ist. Es ist ein Rassismus der Klasse. Leider suchte ich damals nicht noch aktiver mit vielen Hunderten das Gespräch, sondern habe nur einige Reaktionen aufgeschnappt.

Aber an die Frühzeit des RAF-Terrors erinnere ich mich noch gut. Es fing an mit Brandsätzen, mit gesprengten Vorlesungen, mit Hörsaal- und Büro-Besetzungen. Damals, in den 70er Jahren (ich war Schüler), diskutierte ich mit Sympathisanten der damaligen Linksterroristen. „Die suchen sich schon genau aus, wen oder was sie angreifen!“ Die eine oder andere gesprengte Vorlesung an der Münchener Uni erlebte ich als Student ebenfalls. Die Argumente waren damals ganz ähnliche. Und von dem Professor Eric Voegelin, den damals, in den 30er Jahren, die Nazis aus der Universität verjagten, hörte ich ähnliches: Gesprengte Vorlesungen, Störungen und Vertreibungsaktionen gegen missliebige Professoren? Voegelin erlebte es zweimal:1933 durch die SA, in den 60er Jahren durch den SDS. Wie sich die Bilder gleichen!

Klammer zu. Genug des Gelabers. Lest das Interview mit dem Gewerkschaftsboss Rainer Wendt in SPIEGEL online, indem ihr auf den Link klickt! Ich halte Wendts Aussagen für richtig.

Brandanschläge in Berlin: „Renaissance des linken Terrors“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama
SPIEGEL ONLINE: Vermuten Sie eine Ideologie hinter den Taten?

Wendt: Es ist eine Diktatur des Neides und der Versager. Die Szene sucht sich ein sozialromantisches Thema, hinter dem sie sich dann versteckt. In Berlin kämpfen die Chaoten angeblich gerade gegen die Modernisierung bestimmter Stadtteile und die daraufhin steigenden Mieten. In Wahrheit aber wollen sie den Staat und seine Organisationen attackieren, wo sie nur können.

 Posted by at 11:37
Juli 282009
 

Auch im neuesten Rechtschreibduden, der 25. Auflage aus dem Jahre 2009, findet sich auf S. 30 folgender Beispielsatz:

Das Wort „fälisch“ ist in Anlehnung an West“falen“ gebildet.

Dieser Satz ist nahezu wörtlich der „Amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung in der Fassung von 2006“, wie sie die deutschen Kultusministerien (KMK) beschlossen haben, entnommen. In diesem amtlichen Dokument heißt es in § 94 (3):

Das Wort „fälisch“ ist gebildet in Anlehnung an West“falen“.

Was aber ist das – „fälisch“? Kommt euch das Wort spanisch vor? Continue reading »

 Posted by at 00:00