„Bei uns arbeiten alle jungen Migranten“

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Apr. 182011
 

„Bei uns arbeiten alle Immigranten „. So Italiens Wirtschaftsminister Tremonti laut Pressebericht im Corriere della sera am 16.04.2011. Trotz hoher Jugendarbeitslosigkeit herrsche Vollbeschäftigung bei den etwa 4 Millionen Migranten. Tremonti fordert die jungen Arbeitslosen Italiens durch die Blume auf, sich den veränderten Arbeitsbedingungen anzupassen:

«Non mi risulta che tra i giovani immigrati ci sia disoccupazione, è tutta gente che lavora tantissimo», ha aggiunto il ministro. E a chi gli chiede se sia il caso di chiudere all’immigrazione o se i giovani italiani debbano adeguarsi, Tremonti replica secco: «Escludo la prima ipotesi».

Mein Kommentar: In Italien liegen weite Bereiche der Fürsorge mittlerweile überwiegend in den Händen junger Migranten. Die Badanti, die in der Familie wohnenden  Altenpflegerinnen, meist aus Ukraine, Weißrussland, den baltischen oder afrikanischen Ländern stammend, leisten einen Großteil der Betreuung von Demenzkranken und Pflegebedürftigen – zu Bedingungen, zu denen die Italiener selbst nicht mehr bereit sind zu arbeiten. Weitere Bereiche, die überwiegend von Migranten abgedeckt werden,  sind saisonale Arbeiten wie etwa Erntehilfen, ferner Hilfs- und Packdienste an Häfen, Flughäfen oder in großen Umschlagsplätzen.

Der Unterschied zu Deutschland liegt tatsächlich darin, dass die Migranten nicht ins System der Sozialversicherung einwandern. Die berühmte „Einwanderung ins Sozialsystem“ findet nicht statt, und zwar aus dem einfachen Grund, weil Italien kein der deutschen Grundsicherung vergleichbares Sozialwesen kennt.

Tremonti: ma quale disoccupazione, da noi gli immigrati lavorano tutti – Corriere della Sera

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Apr. 022011
 

Ein klares, eindeutiges Bekenntnis zu den Vorteilen der Immigration legt der Washingtoner Politologe Parag Khanna ab. In dieser Fassung stimme ich Parag Khanna aus ganzem Herzen zu:

Interview: lch bin für Tyrannenmord – Berliner Zeitung
Immigranten bringen das Land, in das sie einwandern, voran. Weil sie sich voranbringen möchten. Sie wollen weiterkommen. Sie wollen, dass ihre Kinder es besser haben, als sie es hatten. In Amerika sind es die Eingewanderten, die den amerikanischen Traum realisieren. Sie schaffen es von ganz unten nach ganz oben. Sie führen den Einheimischen vor, was alles in ihrem Lande möglich ist.

Wie schaut es dagegen bei uns in Berlin aus? Die Zahlen sind niederschmetternd – rein äußerlich betrachtet. Deutschland ist Absteigerrepublik für Einwanderer. Es gibt Einwanderergruppen, die laut den amtlichen Zahlen über Jahre und Jahrzehnte hinaus mehrheitlich oder fast ausschließlich von Zuwendungen des Staates und von Schattenwirtschaft leben. Dies bringt einen massiven Kostendruck in die Sozialsysteme, insbesondere in die Kommunalfinanzen hinein.

Fürsprecher dieses Systems des sozialen Abstiegs – die linken Parteien, welche nicht müde werden, die Benachteiligung dieser ausländischen Staatsabhängigen herauszustreichen! „Ja, hätten die Ausländer das Wahlrecht! Ja hätten sie nur die doppelte Staatsbürgerschaft! Dann könnte alles gut werden!“ So erst gestern wieder der Kreuzberger Finanzstadtrat Jan Stöß in der gedruckten taz gestern:

 „In manchen Teilen meines Bezirks ist die Hälfte der Erwachsenen von den Wahlen ausgeschlossen“, sagt Jan Stöß. Stöß, Stadtrat für Finanzen, Kultur, Bildung und Sport in Friedrichshain-Kreuzberg, SPD-Vorsitzender des Bezirks und Mitglied im Landesvorstand der Partei.

Ich halte die Argumentkette des Kreuzberger Finanz-Stadtrates für grundfalsch. Nicht das fehlende Wahlrecht für Ausländer, nicht das Verbot doppelter Staatsbürgerschaft für manche Nationalitäten, sondern die langjährige Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung ist die eigentliche Benachteiligung der Ausländer! Würde die langjährige oder jahrzehntelange staatliche Unterstützung unserer Mitbürger gestrichen, würden sofort neue, willkommene Wanderungsbewegungen einsetzen – hin zu besserer Bildung, hin zum beruflichen Aufstieg, hin zu den Gegenden und Ländern mit Arbeitsmöglichkeiten, hin zu den Ländern mit niedrigeren Lebenshaltungskosten.

Wir brauchen wie jede Gesellschaft ein gewisses Maß an Wanderung. Wanderung hin zu den Chancen, auch über Landesgrenzen hinweg! Das Sich-Festsetzen in zunehmend zementierten Strukturen der Sozialhilfe ist wanderungsfeindlich. Ich würde so weit gehen zu sagen: Nur über Arbeit und Bildung, über selbst erarbeiteten Aufstieg ist echte Integration in das Land der Einwanderung möglich. Das jahre- und jahrzehntelange Verharren der Ausländer in der deutschen Sozialhilfe ist das große Integrationshemmnis und Grundübel, welches es zu beheben gilt. Wahlrecht her oder hin, doppelte Staatsbürgerschaft her oder hin – darüber sich den Mund fusslig zu reden ist doch alles törichter Zeitvertreib und übliche Förderkulissenhinundherschiebepolitik der linken Parteien. An der Situation der Menschen ändert sich dadurch fast nichts, sie wird allenfalls noch etwas schlimmer, weil sie noch tiefer in ihren Mündel-Status hineingetrieben werden.

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März 172011
 

Der Hamster und die Ameise – Gotthold Ephraim Lessing – Hekaya
Der Hamster und die Ameise
„Ihr armseligen Ameisen“, sagte ein Hamster. „Verlohnt es sich der Mühe, dass ihr den ganzen Sommer arbeitet, um ein so weniges einzusammeln? Wenn ihr meinen Vorrat sehen solltet! —“
„Höre“, antwortete eine Ameise, „wenn er größer ist, als du ihn brauchst, so ist es schon recht, dass die Menschen dir nachgraben, deine Scheuren ausleeren und dich deinen räuberischen Geiz mit dem Leben büßen lassen!“

Ein häufiges Aneinander-Vorbeireden entfaltet Gotthold Ephraim Lessing in seinen Fabeln, die ich gestern las. Großartig!

Der hochmütige Hamster ähnelt einem Anhänger der Großtechnologie: Er hortet mehr als er voraussichtlich braucht. Und er muss dafür mit dem Leben büßen. Er ist sozusagen der AKW-Betreiber unter den Vorratshaltern.

Die Ameisen gleichen dem Anhänger der kleinen, dezentralen Versorgungswerke: Sie wuseln emsig umher, mühen sich ab, Tag um Tag. Eine stille, fleißige Schar. Man kann sie mit den unverdrossen strampelnden Radfahrern vergleichen.

Wer hat recht? Ihr müsst entscheiden!

Lesehinweis: Gotthold Ephraim Lessing, Fabeln. Abhandlungen über die Fabel. Herausgegeben von Heinz Rölleke. Reclam Verlag, Stuttgart 1976, hier S. 12

Heute Abend übrigens wieder in der Reihe „Politik selber machen!“:

Frau und man trifft sich in der neuen Reihe „Politik selber machen!“ jeden Donnerstag um 18.00 Uhr in der Wirtschaft Stresemann, Stresemannstraße 48, Kreuzberg.  

Da geh ich hin.

 

Donnerstag, 17. März (3): Brauchen wir Parallelgesellschaften?  Die Antworten der Sawsan Chebli, des Franz Schulz und des Burkard Dregger

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März 082011
 

Vieh oder korrekt Viach lautet ein alter bairischer Name für Tier. „Dea Mensch is a politisches Viach“, hätte Aristoteles gesagt, wenn er das in seine Ohren barbarisch geklungen haben würdende Bairisch gelernt hätte.

Aber ist Vieh ein zulässiges Wort für Menschen? Ist das nicht ein viehisches Wort? Riesendebatte! Im Gespräch mit Politikern verwahrte ich mich kürzlich gegen den Ausdruck Stimmvieh. „Ich finde den Ausdruck Stimmvieh herabwürdigend!“, schnob ich durch die Nase. „Ich verbitte mir eine derartige Wortwahl!“

„Aber political animal ist politically correct, wa?!“, blaffte jemand zurück. Ich hatte tatsächlich einmal diesen Ausdruck einfließen lassen, als das Gespräch auf Politiker wie Herbert Wehner, Franz Josef Strauss oder Willy Brandt kam – sie waren zweifellos political animals – also Vollblutpolitiker, die nicht anders konnten als ihrer Leidenschaft zu frönen.

Vural Öger verwendet diesen Ausdruck ebenfalls – um sich jedoch gleich davon zu distanzieren.  Lest DAS hier, was Vural Öger gesagt hat:

Immer Ärger mit Erdogan « Jörg Lau
“Wir wollen keine Diasporatürken in der dritten und vierten Generation. Ankara soll sich hier gefälligst nicht mehr einmischen. Wie lange soll das noch weitergehen? Bis zur 5. Generation? Das macht die Identitätskrise der Menschen hier nur noch schlimmer, wenn sie als Stimmvieh der türkischen Politik behandelt werden. Es wäre keine Schande, sondern ein Grund zum Stolz, wenn junge Leute hier besser Deutsch als Türkisch könnten. Seid endlich Deutsche – mit einem großen türkischen Herzen!”

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März 052011
 

Ich staune immer wieder, mit welcher persönlich diffamierenden Hetze in Foren von den Herren der Schöpfung  über manche türkisch- oder kurdischstämmigen Frauen hergezogen wird. Es ist Hetze, denn ein sachliches Argument gegen Frauen wie Ates oder Kelek habe ich schon lange nicht mehr gehört. Nie wird gesagt: „Das oder das finde ich falsch.“ Es läuft nur noch auf Beleidigung und Herabsetzung hinaus. Schande.

Hasstiraden: Wer schützt mich vor den verrückten Türken? – Nachrichten Debatte – WELT ONLINE
Die Wut darüber, Schweigen zu müssen, die Wut darüber, keine Kraft gegen die Gewalt zu haben, die uns entgegengebracht wird. Uns, die wir nach Freiheit streben, die wir nach Freiheit dürsten. Freiheit als Türkin, Freiheit als Muslimin. Denn Freiheit als Deutsche habe ich. Nur kann ich diese Freiheit nicht wirklich leben.

Der Grund dafür sind Menschen, die solche Mails schreiben und die Tatsache, dass aus den Drohungen Realität werden kann.

Die Mail ins Deutsche übersetzt:
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Betreff: „Du bist eine richtige Deutsche geworden, wer assimiliert ist, muss vorher eine Nutte gewesen sein.“

Text: „Ihr seid nicht von uns und wir sind nicht von euch, das sollt Ihr wissen. Aber, passen Sie auf Ihre Zunge auf, machen Sie keine Beleidigungen und Respektlosigkeiten, sonst können Sie Ihre Zunge verlieren.“

Die Mail wurde von einem Account namens Iskender Büyük abgeschickt. Übersetzt: Alexander der Große.

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Ich habe verstanden: Parallelwelten

 Ethnizität, Friedrichshain-Kreuzberg, Integration, Türkisches, Was ist deutsch?  Kommentare deaktiviert für Ich habe verstanden: Parallelwelten
März 042011
 

Sven Regeners Buch herrlich verqueres Buch „Neue Vahr Süd“ verschlang ich mal zwischen zwei Spaziergängen durch das winterlich verschneite Moskau. WIE KLEIN DOCH DEUTSCHE MENTALITÄT IST. Diese Deutschen!, schmunzelte ich. Sie lieben ihre Unzufriedenheit sehr!

Aber Regener hat wirklich einen Blick für das Wesentliche. Sein Zwischenruf zur Veranstaltung „Hilfe! Die Turis kommen!“ verdient Beachtung. Hier, in dieser Veranstaltung,  wurde ja offenbar in spalterischer Weise gegen Fremde&irische Trinklieder singende Ausländer gehetzt. Als würden nur Fremde und betrunkene Ausländer Bierflaschen auf Radwegen fallen lassen oder das Wasser am nächsten Polizeiauto abschlagen!

Gut auch seine Bobachtung zum Nebeneinanderherleben der verschiedenen Volksgruppen!

Ich habe verstanden: Der Kiez ist kein Sehnsuchtsort – Meinung – Tagesspiegel
„Und was heißt schon Kreuzberg? In Kreuzberg gab und gibt es doch ohne Ende Parallelwelten. Das ist doch so eine Mulitkulti-Lebenslüge: Ich habe in Kreuzberg nie einen Deutschen gekannt, der mit einem Türken befreundet gewesen war. Und in die Türkencafés, das nur mal als Beispiel, darf man oft gar nicht rein. Aber das macht ja nichts, die Leute müssen doch nicht den ganzen Tag Händchen halten, und wenn es einem nicht passt, zieht man weg. … Der ganze Kiez-Quark, das ist doch alles nur muffig. … Denn wenn einer sagt, unser Kiez soll so und so sein, ist das die Voraussetzung dafür, dass einer totgeschlagen wird, wenn er nicht reinpasst.“

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Feb. 122011
 

 12022011330.jpg „Wir kommen einfach nicht an sie heran“, so äußerte sich wiederholt unsere  Friedrichshain-Kreuzberger Schulstadträtin Herrmann über unsere aus dem Libanon zugewanderten Familien. „Wir sollten den Arabern ihre Parallelgesellschaft lassen„, beschwichtigt Bürgermeister Schulz. „52 Prozent der Berliner Türken, 92 Prozent der Berliner Libanesen leben amtlich von Hartz IV“, wirft das Landesamt für Statistik dazwischen.  „Du musst Deutsch können„, donnerte Renate Künast bereits im Jahr 2009 an die Adresse unsere lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger. Vergeblich. Genützt hat Künasts Aufforderung wenig. Die jungen Türken, die hier in Kreuzberg wirklich gut Deutsch lernen, werden weniger und weniger – wenn es sie je gab. Das stimmt mich besorgt. Denn gut Türkisch lernen sie auch nicht. Welche berufliche Perspektive erarbeiten sie sich – außer Sozialhilfe?

Die Briten haben uns 20 Jahre an multikultureller Erfahrung voraus.  Mohammed ist mittlerweile nach Auskunft der britischen Standesämter bei den Geburten landesweit der häufigste englische Vorname. Nichtmigrantische Briten sind in vielen britischen Innenstädten deutlich in der Minderheit- etwas, was in 15 oder 20 Jahren in weiten Stadtteilen des ehemaligen West-Deutschland, weniger in der ehemaligen DDR ebenfalls der Fall sein wird. Das Land Shakespeares erkennt sich nicht mehr wieder, fürchtet, die britische Kultur zu verlieren.

So mag sich wohl erklären, was David Cameron kürzlich über den gescheiterten Multikulturalismus sagte:

Cameron: My war on multiculturalism – UK Politics, UK – The Independent
He warned Muslim groups that if they fail to endorse women’s rights or promote integration, they will lose all government funding. All immigrants to Britain must speak English and schools will be expected to teach the country’s common culture.

Es fehlt an Gemeinsamkeiten, an die die Zuwanderer andocken können, es fehlt an Werten, die wir den Zuwanderen überzeugend vorleben – so deute ich einen anderen Teil aus Camerons Rede, den ihr hier auf Video sehen könnt.

Was ich in der Tat an unseren Grundschulen bemerke, ist ein fast völliges Überbordwerfen einiger Jahrhunderte europäischer Kultur – aus Angst, man könnte die zarten Migrantenseelen verletzen?

Ich habe mir einmal das Deutsch-Lesebuch „Bausteine“ meines achtjährigen Sohnes angeschaut und entdecke fast nur Texte, die nach 1990 entstanden sind.  Es wimmelt darin von frechen&klugen Mädchen, die die Jungs in der Klasse mit schierer Körperkraft niederringen, von Jungen, die gerne Gummi hüpfen und die Farbe Rosa lieben, es gibt Opas, die null von Computern kapieren, es gibt alleinerziehende Mütter, die den ganzen Laden allein und bewundernswert schmeißen. Es herrscht in den Texten gegenüber Älteren ein respektloser, schnoddriger Ton. Das Buch passt sich anbiedernd der Sprache unserer Kinder an. „Opa kapiert null.“ Ein typischer Satz aus einem deutschen Lesebuch unserer Zeit!

Wie mag all dies auf einen jungen Türken, einen jungen Araber wirken? Die Deutsch-Lesebücher unserer Schulen bieten keinerlei kulturelle Modelle an, an die Achmed oder Mohammed anknüpfen könnten!

Die Lieder in seinem Musikbuch sind mir ebenfalls alle unbekannt. Sie sind alle jüngeren und jüngsten Datums. Das heißt, wenn Eltern und Kinder zusammentreffen, etwa bei Wanderungen, kennen sie keine gemeinsamen Lieder mehr zum Singen. Das war früher anders.

In einem stimme ich jedenfalls David Cameron, Franz Schulz, Angela Merkel und auch Nicolas Sarkozy zu: Die verschiedenen Kulturen, an deren Zusammenwachsen oder Miteinanderleben viele von uns noch vor 15 oder 20 Jahren geglaubt haben, haben in unseren europäischen Städten nie wirklich zueinander gefunden. Sie leben beziehungslos nebeneinander her. Es ist und bleibt mühsam. Oft spricht man ja nicht einmal eine gemeinsame Sprache. Räumliche Segregation kommt trennend hinzu. Bei meinen Wanderungen und Gesprächen durch Kreuzberg wird mir dies immer wieder klar.

Die zweifelhaften Segnungen des Satellitenfernsehens und der Sozialhilfe tun ein übriges. Dieser Zustand kann niemanden befriedigen. Hier beim NKZ, einem bekannten Sozialbau in Kreuzberg am Kotti, kann man mulitikulturelle Atmosphäre schnuppern und schwelgen, schwelgen in Erinnerungen und Gedanken an die Zeiten, als man noch an den Multikulturalismus glaubte.

 Posted by at 22:38
Feb. 082011
 

05022011323.jpg Die WELT schaut weiterhin auf unseren Heimatbezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Heute würdigt sie auf Seite 3 unseren Bezirksbürgermeister einer Kopfnote, die ihm glatt das Sitzenbleiben, also den Amtserhalt über das Jahr 2011 hinaus ermöglichen würde.

So also wird einem Politiker Ehrlichkeit vergolten, der sich klar für den Erhalt der organisch gewachsenen arabischen Parallelgesellschaften ausgesprochen hatte (dieses Blog berichtete am 20.01.2011)!

Leider zitiert die WELT den Bürgermeister unvollständig! Er hatte nicht nur gesagt:

Man sollte also auch Arabern ihre Parallelgesellschaft gönnen

sondern unmittelbar darauf auch angefügt:

Die Frage ist dann: In welchem Bereich koppeln sie sich vom Gesetz ab?

Ein höchst problematischer Satz, wie ich finde, ein diskriminierender Satz! Denn er stellt eine ganze ethnische Parallelgesellschaft, eben die arabische, unter den Generalverdacht der Kriminalität! Der Polizeipräsident, Heinz Buschkowsky und Thilo Sarrazin lassen grüßen.

Bild: Blick vom Gipfel des Kreuzberges auf neu entstandene Wohnsiedlungen.

Kopfnoten: Aufregend – Nachrichten Print – WELT KOMPAKT – Debatte – WELT ONLINE

 Posted by at 12:33
Jan. 202011
 

100120112661.jpgIch sag’s immer wieder: Friedrichshain-Kreuzberg hat Modellcharakter! Was hier geschieht, darüber spricht die ganze Republik, spricht die ganze Welt! Wie anders ist es zu erklären, dass auch die ausländische Presse hineinhorcht in unseren Bezirk? So brachte der Standard gestern, am 19. Jänner, ein Interview mit unserem Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz. Auszug:

„Man sollte ihnen ihre Parallelgesellschaft gönnen“ – Alltag – daStandard.at › Alltag
Dann sehen Sie Teile von Kreuzberg oder Neukölln also nicht als Parallelgesellschaft?

Franz Schulz: Warum sollten Bürger mit bestimmtem Background nicht in einer Parallelgesellschaft leben, wenn wir in einer Gesellschaft mit nur Parallelgesellschaften leben? Im Sportverein herrschen eigene Regeln. Wenn ich in der Karnickelzucht engagiert bin, bin ich dort auch in einer Parallelgesellschaft, wenn ich mich kulturell engagiere, lande ich auch in einer Parallelgesellschaft. Manager leben in einer Parallelgesellschaft. Sie ist nur bestimmten Personen mit bestimmter Kleiderordnung an bestimmten Orten zugänglich. Man sollte also auch Arabern ihre Parallelgesellschaft gönnen. Die Frage ist dann: In welchem Bereich koppeln sie sich vom Gesetz ab?

Das Interview lohnt in jedem Fall sorgfältiges Lesen. Mit gefällt es gut! Franz Schulz trifft vor allem den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt, dass der Bezirk durch dieses Lebensgefühl der „parallelen Welten“, also der nicht mehr miteinander verbundenen Lebenswelten gekennzeichnet sei. „Wir leben in einer Welt mit nur noch Parallelgesellschaften.“

Hat Schulz recht? Bilden die üblichen Karnickelzüchter, Manager, und ich ergänze:  die Rapper, die Opernbesucher, die Autonomen, die Radfahrer, die Kirchgänger, bilden alles diese Gruppen unverbundene Parallelgesellschaften? Ich meine nein. Denn der typische „Vereinshuber“, der Taubenzüchter oder Karnickelzüchter oder Radsportler hatte und hat doch stets ein Gefühl der Zugehörigkeit zu seiner Gemeinde, zu seinem Staat bewahrt. Er war und ist nicht NUR Karnickelzüchter, sondern AUCH Gewerkschaftsmitglied, auch Berliner, AUCH SPD-Wähler, AUCH Hertha-Fan, AUCH Kirchenchormitglied, auch Familienvater. Er lebte nicht in Parallelwelten, sondern in kommunizierenden Welten.

Was wir hier aber in Friedrichshain-Kreuzberg erleiden, ist ein echtes Auseinanderdriften und Zerfallen der Bevölkerung in praktisch nicht  mehr verbundene Segmente. Und diese Segmente drohen sich entlang den ethnischen, weltanschaulichen und religiösen Trennlinien voneinander abzugrenzen. Kurz gesagt: Man geht sich aus dem Weg. Man weist sich die kalte Schulter.

Dies ist etwas Neuartiges, denn in dieser scharfen Absonderung gab es das bisher in der Bundesrepublik nicht. Die Tschechoslowakei bis zu den Vertreibungen der Jahre 1945-1946, das späte Habsburgerreich ab etwa 1848, das Osmanenreich (bzw. die Türkei)  bis zu den großen Vertreibungen der Jahre 1921-1923: sie alle waren derartige zerklüftete, multikulturelle und multiethnische Gesellschaften. Wir haben heute eine derartige aufgesplitterte, multikulturelle Gesellschaft in Staaten wie Libanon, Belgien, Ägypten, Indien, Irak. Alle diese Staaten drohen an ihren inneren Spannungen zu zerbrechen. Wollen wir also eine multiethnische, multikulturelle Gesellschaft werden, wie es die Tschechoslowakei bis 1946, die Sowjetunion bis 1990 war, wie es Libanon, Irak oder Indien heute sind?

Ich halte dies für eine gefährliche Entwicklung, der es bewusst entgegenzusteuern gilt. Wie?

Die drei großen Institutionen, die diese Segmentierung am ehesten rückgängig machen könnten, sind die Schule, die Arbeitswelt und die deutsche Sprache. Nur hier könnten die einzelnen Parallelgesellschaften noch in nennenswertem Umfang zusammenkommen, insbesondere in der Schule, und zwar in Gestalt der Familien: Kinder, Väter, Mütter.

Dazu kann dann noch als krönender Schlussstein die Einigung auf das Grundgesetz stehen. „Unsere Leitkultur ist das Grundgesetz.“ So hat es Cem Özdemir treffend in der FAZ gesagt. Und das Grundgesetz sagt es ja in der Präambel klipp und klar: Das Deutsche Volk hat sich dieses Grundgesetz gegeben. Die Bundesrepublik Deutschland – durch Gründungsdokument ausgewiesen – ist der Nationalstaat der Deutschen. Sie ist nicht als multiethnischer Staat gedacht wie etwa Indien, die Sowjetunion oder Afghanistan. Sie ist zwar de facto Einwanderungsland geworden, aber sie ist eben weiterhin der Staat der Deutschen. Wenn man dies ändern will zugunsten eines Vielvölkerstaates mit zahlreichen Parallelgesellschaften, muss man es sagen. Ich will es nicht. Ich meine: Wer auf lange Sicht gesehen durch eigene Arbeit Deutscher werden und mitmachen will, ist herzlich willkommen.

Wer auf lange Sicht gesehen nicht Deutscher werden, sondern Russe, Türke, Syrer, Pole bleiben will – ist als einzelner Mensch ebenfalls immer herzlich willkommen, aber er muss gewärtig sein, dass er keine besonderen Gruppenrechte als scharf umrissene Minderheit oder Enklave oder eigenständige „Volksgruppe“ beanspruchen kann. Er muss damit rechnen, dass die Bundesrepublik Deutschland seine Loyalität, seinen Beitrag, seine Zugehörigkeit verlangt. Vor allem wird es sich Deutschland nicht unbegrenzt leisten können, Angehörige anderer Staaten über Jahrzehnte hinweg als abgeschlossene Kollektive aus den eigenen Sozialkassen mitzutragen.

Das Zusammenkommen der zersplitternden Gruppen würde dreierlei voraussetzen: Alle Eltern müssten sich der Schule verbunden fühlen, indem sie einen aktiven Beitrag zur Schularbeit leisten. Und alle Bürger Friedrichshain-Kreuzbergs müssten imstande und willens sein, sich in der Landessprache Deutsch auszudrücken. Von beidem sind wir noch weit entfernt. Und drittens müssten alle Kinder, alle Jugendlichen sich durch eigene Anstrengung so weit bringen, dass sie irgendwo in Deutschland, in Europa oder in der Welt einen Beruf ergreifen und ausüben können. Die Perspektive auf „Arbeitslos in Kreuzberg wie Onkel und Nichte“ müsste systematisch verbaut werden.

Schule, deutsche Sprache und Arbeitswelt könnten die einigende Klammer liefern, durch die die Gesellschaft unseres Bezirks statt wie jetzt eine zerklüftete Sammlung von Parallelwelten zu einem System kommunizierender Röhren wird. Wie? Durch eine gemeinsame Kultur der deutschen Sprache, eine gemeinsame Arbeitswelt, überhaupt eine gemeinsame Bildung. Dies alles fehlt jetzt noch weitgehend und droht sogar mehr und mehr verloren zu gehen.

Die Gesellschaft droht in Friedrichshain-Kreuzberg zu zerfasern. Der Bezirk droht abzurutschen in dem Maße, wie das Bundesland Berlin oder die Bundesrepublik Deutschland den Bezirk mit seinen vielfältigen Milieus nicht mehr durch stetig wachsende Transferzahlungen erhalten und pflegen kann. Das höchst lesenswerte Interview mit Franz Schulz vom 19. Jänner 2011 ist als warnender Hinweis auf dieses drohende Abgleiten nicht hoch genug zu loben. Besonders gefällt mir die diplomatisch verkleidete Selbstanalyse: „Verharmlose ich Multi-Kulti hier in Kreuzberg oder spitzt Buschkowsky zu?“

Beides halte ich für richtig: Buschkowsky spitzt die Probleme zu, Schulz verharmlost recht staatsmännisch die Probleme. Beide kennen ihre Bezirke sehr gut. Beides – Zuspitzung und Verharmlosung – ist für amtierende Politiker legitim, zumal beide sich ja letztlich im Dienst des Gemeinwohls so verharmlosend und so zuspitzend äußern, ja äußern müssen.

Man sollte ausführlich weiterdiskutieren, und vor allem: handeln, arbeiten, machen.

Bild: Der Kreuzberg als Rutschbahn, aufgenommen vor wenigen Tagen.

 Posted by at 13:36

Ist die Schulqualität für die Zukunft des Kindes entscheidend?

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Jan. 162011
 

Immer wieder wird behauptet, die bildungsehrgeizigen Eltern schickten ihre Kinder auf die „guten Schulen“ und ließen die „schlechten Schulen“ links liegen. Denn von der Schulqualität hänge der Bildungserfolg der Kinder im Wesentlichen ab. Man brauche also nur die Qualität aller Schulen auf ein gleich hohes Niveau zu verbessern und alle Schüler hätten gleiche Bildungschancen und annähernd gleichen Bildungserfolg – unabhängig von der Herkunft der Eltern.

Typischer Beleg dieser Auffassung: der heutige Kommentar von Gerd Nowakowski.

Schulreform: Berlin braucht gute Schulen in allen Bezirken – Meinung – Tagesspiegel
Die meisten Eltern aber wissen, dass Schulqualität entscheidend für die Zukunft ihres Kindes ist und drängen auf gute Schulen. Deswegen müssen Lehranstalten in sozial schwächeren Bezirken befürchten, ganz abgehängt zu werden.

Ich widerspreche diesen Behauptungen. Vielmehr scheint – nach der Mehrzahl der Untersuchungen – der Bildungserfolg eines Kindes in Deutschland ganz entscheidend vom Elternhaus abzuhängen. Ein Akademikerkind auf einer „schlechten Schule“ wird mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls Akademiker werden – und umgekehrt.

Nicht die Qualität der Schulen führt zur Entmischung in bestimmten Wohnlagen, sondern die Entmischung des Wohnens mit der berlintypischen Ballung von Transferempfängern und Familien mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund führt zur Entmischung der Schülerschaften.

Leider prägt nicht die pädagogische Arbeit, sondern die Zusammensetzung der Schülerschaft den Ruf einer Schule. Es gibt pädagogisch und materiell erstklassig ausgestattete Schulen, die bei den bildungsehrgeizigen Eltern dennoch als schlechte Schulen gelten, die man meiden sollte.

 Posted by at 23:05
Dez. 262010
 

Die weihnachtliche Abendmeditation nimmt ihren Ausgang von einer zufällig aufgelesenen Frage im Interview (Südeutsche Zeitung heute, S. 2):

Erzbischof Zollitsch – „Manches wird uns noch weh tun“ – Politik – sueddeutsche.de
SZ: Der Psychologe und Theologe Manfred Lütz hat von einem kollektiven Vaterproblem gesprochen

So lautet eine Frage im Interview mit Erzbischof Robert Zollitzsch.

Ein kollektives Vaterproblem? Sind wir eine vaterkranke Gesellschaft?

Ja. Ich halte dieses kollektive Vaterproblem, das allerdings eher ein Vater-Sohn-Problem ist, für eins der bestgehüteten, aber doch offenbaren Geheimisse. Es steht an der Wurzel einer Vielzahl an gesellschaftlichen und politischen Notlagen.

Nur ein, ebenfalls zufällig herausgegriffener Beleg: Berlin diskutiert derzeit intensiv über Intensivtäter, also jene Kinder und Jugendlichen oder auch jungen erwachsenen Männer, die dutzendfach oder auch hundertfach Straftaten begehen, immer wieder eingefangen und milde bestraft werden, dann wieder holterdipolter entlaufen, oder einfach losgelassen werden.

Jetzt soll ein geschlossenes Heim für Intensivtäter in Berlin entstehen (vgl. etwa taz vom 22.12.2010):

„Das neue Heim soll bis Sommer 2011 eröffnet und von der Stiftung soziale Dienste (FSD) und dem Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) betrieben werden. Der genaue Standort werde noch geprüft. Vorgesehen sind sechs Krisenplätze, die pro Kind und Tag rund 300 Euro kosten werden. Es sei gewährleistet, dass die delinquenten Kinder „nicht einfach wieder weglaufen können“, versicherte Zöllner. Die Unterbringung sei aber nur vorübergehend. Spätestens nach sechs Monaten in dem Heim soll eine langfristige Unterkunft für die Kinder gefunden sein.“

Was ist Problem dieser Intensivtäter?

Persönlich kenne ich zwar nur eine Intensivtäter-Familie, aber durch behutsames Eingehen und durch Nachfragen, auch bei Fachkräften der psychosozialen Versorgung meines weiteren Bekanntenkreises ergibt sich mir folgendes Bild, das mehr oder minder auf die meisten (vermutlich aber alle)  Intensivtäter zutreffen dürfte:

Die Jungen kommen aus Familien, in denen es an nichts so sehr fehlt wie an einem guten Vater. Es fehlt der gute Vater als Erzieher der Söhne. Die Mütter sind heillos überfordert, zumal sie häufig viele Kinder haben. Bleiben sie sich selbst überlassen? Nein! Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen, Psychologinnen, Amtsmitarbeiterinnen werden meist recht früh aufmerksam, ordnen kleinere erzieherische Maßnahmen oder Betreuung an.

Recht oft ergibt sich ein dichtgewebtes Netz an Hilfe, an Fürsorge, „aufsuchender Sozialarbeit“, Terminen und Gesprächen beim Amt oder beim Familiengericht. Zuletzt auch beim Jugendrichter oder beim Strafrichter.

Die Jungen werden meist sehr früh auffällig, etwa durch ständige Regelverstöße ab dem Kita-Alter, durch kleinere Frechheiten und Regelverstöße, die in der Summe ungeahndet bleiben. Nach und nach bauen sich die Jungen etwas auf: ein superstarkes Ego. Kontakte, ältere Brüder dienen als negatives Vorbild. Und der gute Vater fehlt. Es fehlt die grenzensetzende Autorität der Väter. Die Mütter und überhaupt Frauen werden als Grenzzieherinnen nicht akzeptiert.

Der mütterliche, der fürsorgliche Staat versucht es nun im Guten: Die Jungen werden mit einer ganzen Latte an Maßnahmen „bespielt“. Die Jungen machen es gerne mit. Aber das Verhalten wird sich dadurch nur in seltenen Fällen ändern. In den meisten Fällen schleift sich eine kriminelle Karriere nach und nach ein, völlig unabhängig von der Bespielung durch fürsorgerische und weiblich-pflegerische Maßnahmen.

Als Endstation wird nunmehr in der Berliner Landespolitik das geschlossene Heim diskutiert. Ein für die Gemeinschaft extrem teurer Schlusspunkt unter eine Kette von für sich ebenfalls teuren Einzelfallmaßnahmen!

Geht es anders? Ich meine: ja!

Ich bin numehr zur Überzeugung gelangt, dass den Jungen nur durch den vorübergehenden oder längerdauernden Anschluss an einen festen, unbedingt an einen männlichen Vater-Ersatz oder Ersatz-Vater zu helfen ist. Es muss ein Mann sein, und es muss ein gleichbleibender, mit Autorität und Strenge begabter Erzieher sein. Der Erzieher muss fest im Leben des Jungen verankert sein. Bei Auswahl und Leitung kann der Staat helfen. Der russische Pädagoge Makarenko hat ähnliches für schwerstkriminelle Jugendliche vorgeschlagen und erfolgreich umgesetzt.

Ideallösung in meinen Augen ist weder das geschlossene Heim noch das geschlossene Erziehungslager etwa eines Makarenko („Boot-Camp“), sondern die amtliche Zuweisung einer Art „Adoptiv-Familie“, in die die Jungen nach und nach zusätzlich zu ihrer Herkunftsfamilie integriert werden. Im Gegensatz zu den „Stadtteilmüttern“ oder freiwilligen „Patenschaften“, wie sie etwa Neukölln praktiziert, wäre dieses neuartige Modell der Adoptiv-Familie  verpflichtend durch das Jugendamt oder das Jugendgericht vorzuschreiben. Die Adoptiv-Familie müsste unbedingt aus Mutter und Vater bestehen. Sie sollte, muss aber nicht derselben Religion oder Volksgruppe angehören wie der Intensivtäter.

Die Adoptivfamilie müsste im Laufe der Wochen, Monate und Jahre recht weitgehend in das Leben der Familie des Intensivtäters hineinreichen. Das verlangt Vertrauen, das erst allmählich gebildet werden kann. Hauptaufgabe: Zeit sinnvoll gliedern, Zeit anfüllen, nach und nach Identifikation mit dem Vater-Ich herstellen.

Idealerweise wird der Ersatzvater solche Autorität gewinnen, dass sein Wort, sein Verbot gilt: „HANDLE NICHT MIT DROGEN! HALTE DICH AN DIE GESETZE!“

Es liegt auf der Hand: Wenn das Wort, das Verbot des Vaters solches Gewicht hätte, dass der Junge es befolgte, wird er das Schattenreich der Staftaten verlassen und ins Reich der Gesetzestreue, ins symbolische „Reich des Vaters“ hinüberwandern.

Ich wage folgende Behauptung: Nur über die bewusst herbeigeführte Identifikation mit einem als vorbildlich empfundenen Mann wird es dem Intensivtäter gelingen, seine Karriere als Intensivtäter  beizeiten zu unterbrechen.

Wer kann dieses Vorbild sein? Viele! Es kann auch ein Lehrer sein, ein Sozialarbeiter, ein Imam, ein Fußballtrainer – oder eben, wenn es nicht anders geht, der Vater einer „Adoptiv-Familie“.

Wichtig ist: es muss über einen längeren Zeitraum ein und derselbe Mann sein, an dem sich der Jugendliche „abarbeitet“. Nur durch diese Konstanz kann der Jugendliche nach und nach ein stabiles männliches Ich aufbauen.

Das Adoptiv-Familienmodell unter Beibehaltung und Einbeziehung der Herkunftsfamilie gibt es meines Wissen nach deutschem Recht derzeit noch nicht. Ich kenne jedoch die SOS-Kinderdörfer, bei denen etwas Verwandtes versucht wird. Deren Erfahrungen gilt es abzurufen.

Systematische, extrem zeitnah erfolgende Repression durch Polizei und Justiz werden nicht überflüssig, aber sie sind nur ein Baustein in einer dichtgeknüpften wachsamen Kette, deren früher Beginn – wie gesagt – das bewusste Heranführen, das bewusste Einführen einer väterlichen Autorität in den Alltag des gefährdeten und gefährdenden Jungendlichen ist. Sind die Väter der Straftäter noch da, dann müssen sie in jedem Fall mit einbezogen werden!

Aber, wie gesagt, die Väter sind häufig nicht da, haben sich abgesetzt oder sitzen selbst im Gefängnis.

Wenn es nicht gelingt, die Jungen durch väterliche Autorität gewissermaßen umzupolen, besteht die Gefahr der Verfestigung krimineller Strukturen. Dann bilden sich stabile Netzwerke, die letztlich vor unseren Augen zu einer Art selbsterzeugter, einer Berliner „Homegrown-Mafia“ nach süditalienischem Typ führen können. Eine derartige weitverzweigte, über viele Generationen sich erstreckende Mafia gibt es derzeit in unseren heimischen Berliner Sippen wohl noch nicht, aber sie droht zu entstehen.

Das kollektive Vaterproblem unserer Gesellschaft, von dem Menschen wie Manfred Lütz, Kirsten Heisig, Wolfgang Schenk, Ahmet Toprak, Necla Kelek, Wassilios Fthenakis und viele andere gesprochen haben,  spiegelt sich als individuelles, tragisches Vaterproblem einzelner junger Männer. Sie sollen hier die Vaterkranken genannt werden.

Wir sind aufgerufen, diesen Menschen durch starke Ersatz-Väter den Ausstieg aus kriminellen Karrieren zu ermöglichen. Das hier vorgeschlagene Modell der „Adoptiv-Familie“ versteht sich als erster Baustein dazu.

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Das Problem liegt a) in der Besatzung b) im Westen

 Der Westen, Integration, Migration, Opfer, Sündenböcke, Verantwortung, Vertreibungen  Kommentare deaktiviert für Das Problem liegt a) in der Besatzung b) im Westen
Dez. 212010
 

Sehr gutes, aufschlussreiches Interview mit Syriens Präsident  in der BILD! Worin liegen die Probleme des Nahen Ostens begründet?

Die Antwort des Präsidenten erfolgt mit wünschenswerter Deutlichkeit und Eindeutigkeit:

a) „In der Besatzung“ – jahrhundertelange Besatzung! Erst durch den Westen, dann durch Israel. Spannend zu sehen, dass weder die Herrschaft der Mameluken über Syrien noch die jahrhundertelange Herrschaft der Osmanen über Syrien (ab 1516) als Besatzung gilt. Die Besatzer – das ist immer nur der „Westen“. Alles Übel rührt von daher. Das ist heute felsenfeste Überzeugung in großen Teilen der arabischen Welt. Der Präsident sagt wörtlich:

 „Die Ursache aller Konflikte hier ist Besatzung: erst durch die Briten, dann durch die Franzosen, jetzt durch die Israelis. Das führt zu Verzweiflung, die wiederum zu Extremismus führt. Das ist der Grund, warum wir keinen Frieden finden.“

b)  „Im Westen„. Das Problem liegt immer und einzig im Westen.

BILD: Sie sind seit zehn Jahren der Präsident Syriens. Wie sehen Sie das Image Ihres Landes in der Welt?

Präsident Assad: Meinen Sie den Westen oder die Welt? Ich frage das, weil das Problem im Westen liegt, nicht in der gesamten Welt. Das Problem mit dem Westen ist, dass man sich dort für die gesamte Welt hält und dabei den Rest der Welt einfach vergisst. Der Westen kann nicht immer weiter seiner Strauß-Politik folgen, einfach den Kopf in den Sand stecken und dabei nicht sehen wollen, was im Rest der Welt vor sich geht. Syriens Image in der Welt ist sehr gut.

Ich empfehle dieses Interview wirklich der genauen Lektüre! Es ist ein überragendes Beispiel für rhetorisches Geschick.

Wenn ich mit Syrern oder Ägyptern oder Türken hier in Berlin spreche und sie frage: „Worin liegt das Problem? Wer ist schuld?“ werden die meisten  antworten:

Das Problem liegt an der deutschen Gesellschaft. Das Problem liegt in der deutschen Schule. Das Problem liegt an Sarrazin: er hat alle Integration kaputtgemacht. Das Problem liegt an der Bundesregierung. Das Problem liegt im Rassismus der Deutschen. Die Deutschen sind ausländerfeindlich. Das Problem liegt in der Islamfeindschaft. Das Problem liegt an den Zionisten (jawohl, auch das hört man hier in Kreuzberg). Das Problem liegt darin, dass der deutsche Staat uns nicht genug Geld gibt zur Integration und um Deutsch zu lernen. Der Staat tut nichts für uns.

Diese Melodien kann man wirklich auf allen Ebenen hören – im Deutschen Bundestag ebenso wie in Kreuzberger Kneipen.

Mein Problem mit solchen Argumenten ist: Es wird stets die Schuld an den Schwierigkeiten auf andere abgewälzt. Nie wird gefragt: Was haben wir versäumt?

Beispiel: Eine viel zu hohe Zahl, vielleicht die Mehrheit unserer jungen Deutschtürken lernt weder genug Deutsch noch genug Türkisch, um einen anspruchsvollen Beruf zu erlernen. Das ist nun mal derzeit leider noch so, da mag man drum herumreden wie man will. Warum? Antwort: „Wir sind Opfer des Schulsystems. In diesem Schulsystem können wir weder Deutsch noch Türkisch lernen. Die deutsche Schule ist schuld.“ Hab ich selbst wörtlich so gehört!

Diese beiden Strategien –

1) Suche die Schuld stets bei anderen!

2) Erkläre dich zum Opfer der anderen!

sind absolut fundamental in dem Reden sowohl über den Nah-Ost-Konflikt wie auch im Reden über die Integration in Deutschland!

Wobei man durchaus auch beides zusammenführen kann! „Ich kann mich nicht in Deutschland integrieren, weil Israel unser Land besetzt hat!“

Diese Fundamentalstrategien muss man durchschauen. Sonst kommen wir nicht weiter.

Syriens Präsident Baschar al-Assad im BILD-Interview: Warum findet der Nahe Osten keinen Frieden? – Politik – Bild.de

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Dez. 192010
 

Ein wirklich bedenkenswerter Einwand gegen das Wort „Integration“. Spannend! Das sind einige der wenigen Stimmen, die sagen: Wir brauchen keine Integration. Das „Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung“ lehnt den Begriff Integration als undemokratisch komplett ab. Lest das:

Demokratie statt Integration
Wir wollen das Offensichtliche klar stellen. Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft. Das bedeutet: Wenn wir über die Verhältnisse und das Zusammenleben in dieser Gesellschaft sprechen wollen, dann müssen wir aufhören, von Integration zu reden. Integration heißt, dass man Menschen, die in diesem Land arbeiten, Kinder bekommen, alt werden und sterben, einen Verhaltenskodex aufnötigt, bevor sie gleichberechtigt dazugehören. Aber Demokratie ist kein Golfclub. Demokratie heißt, dass alle Menschen das Recht haben, für sich und gemeinsam zu befinden, wie sie miteinander leben wollen. Die Rede von der Integration ist eine Feindin der Demokratie.

Ich habe immer es wieder bemerkt: Die angeblichen „Nicht-Integrierten“ sind oft hervorragend integriert – in verschiedene Hilfesysteme wie etwa das deutsche Sozialhilfewesen, in bleibende familiäre Abhängigkeiten des Herkunftslandes, in Indoktrination durch Religionsvertreter der Herkunftsländer, in generationenübergreifende Integrations-Ketten und Netzwerke, in Berieselung durch Regierungen der Herkunftsländer und Dauerbeschallung durch kommerzielle Medien der Herkunftsländer.

Sie sind und bleiben mannigfach integriert!

Deshalb meine ich in der Tat wie die kritischen Migrationsforscher, dass das demokratische Gemeinwesen in der Tat nur kulturell „schwache“ Mindestanforderungen an Zuwandernde stellen kann und stellen muss.

Welche sind das?

1) Der Wille, dem Gemeinwesen beizutreten, in das man einwandert. In unserem Fall also der erkennbare und auch geäußerte Wille, ein Mitglied der Gesellschaft und ein Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland zu werden. Wer das einfach nicht will – wieso sollten wir ihn mit offenen Armen empfangen? Wieso sollten wir jemanden in die Bundesrepublik Deutschland integrieren wollen, der sagt und zu erkennen gibt: Ich will gar nicht zu euch gehören?

2) Der Wille, die Landessprache zu erlernen.  Partizipation setzt eigene Anstrengungen voraus. Dabei ist das Erlernen der Landessprache zentral. Wie der Zuwandernde das bewerkstelligt, bleibt ihm oder ihr überlassen.

3) Der Wille und die Fähigkeit, den Lebensunterhalt für sich und seine Familie im Land der Zuwanderung dauerhaft selbst zu verdienen.  Auch dies scheint mir zentral. Im Sozialsystem wird Integration nicht gelingen.

Sind diese drei Voraussetzungen gegeben, wird man von gelungener Integration sprechen.  Das ganze andere wolkige Drumherum, von dem eine blühende Migrations- und Integrationsforschung lebt, ist dann fast schon zweitrangig. Man kann es machen, muss es aber nicht machen. Die ganze Aufregung kann man runterkochen auf ein sinnvolles Maß.


 Posted by at 22:15