Soll man 10 oder 20 Jahre zurückdenken?

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Aug. 242011
 

Wenig erstaunlich finde ich es, dass in den deutschen Medien fast nie der Berliner Anschlag auf die Berliner Diskothek LaBelle, hinter dem Gaddhafi und die Stasi steckten, erwähnt wird. 1986 starben dabei 3 Menschen, hunderte wurden verletzt.

Man möchte einwerfen: Wozu unbequeme Erinnerungen wecken? Lasst den Schnee von gestern ruhen!

Gadhafi, ein erfolgreicher linker Revolutionär, wurde in deutschen linken Kreisen wegen seines amerikafeindlichen Kurses ebenso wie die „RAF-Leute“ hofiert, die Stasi saß in West- und Ost-Berlin und bei den „RAF-Leuten“ sowieso immer dabei.

Erstaunen über Enthüllungen ist unangebracht. 

Wenig erstaunlich ist es auch, dass die deutschen Medien fast nichts mehr über die Zusammenarbeit zwischen Horst Mahler und Hans-Christian Ströbele berichten. Es steht also weiterhin unwiderlegt im Raum, dass Ströbeles Anwaltsgenosse Horst Mahler ein Stasi-Spitzel gewesen sein soll. Ob es stimmt oder nicht stimmt? War Ströbele eingebettet in ein Umfeld, das durch und durch von der Stasi unterwandert war? Ich meine: Es ist zweitrangig, ob Horst Mahler oder wer auch immer von seinen Genossen im Dienste der Stasi stand.

Entscheidend bleibt: Die Stasi der DDR gehörte von Anfang an zum Förder- und Unterstützerkreis der RAF.

Die RAF ist ohne die Stasi der DDR nicht denkbar. Das muss Ströbele, der famose Spitzenmann der Kreuzberger Grünen, gewusst haben. Ein Erstaunen darüber ist unangebracht.

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Aug. 242011
 

„Mehr Mut, Politiker!“ „Mehr Mut, Bürger!“ Sehr gute Slogans, wie ich finde!

Den Mut, für unbequeme Forderungen einzutreten, begrüße ich. Etwa bei Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Sie forderte gestern  Studiengebühren an den Universitäten. Eine äußerst unpopuläre, aber sinnvoll begründbare Forderung, die den Universitäten etwa 2 Milliarden Euro pro Jahr bringen würde. Wieso sollte ein Geselle alle Ausgaben für den Meisterbrief selber zahlen (etwa 50.000 Euro), während der etwas ältere Student allein auf Kosten der Allgemeinheit dem besser bezahlten Akademikerberuf entgegensegelt und nebenbei noch Zeit für politische Aktivitäten findet?

„Mehr Mut Bürger!“ Wer sagt das? Einerlei, wer dies sagt, dieser Politiker trifft den richtigen Slogan. Wir brauchen wirklich die Ermutigung des Bürgers: „Du KANNST das, BürgerIn, auch ohne die Politik.“ Die meisten Politiker haben jahrzehntelang den Bürger überzuckert mit ihren ständigen Versprechungen: „WIR (der Staat) machen das für DICH, Bürger, sei unbesorgt.“ Gerade im Bundesland Berlin ist ein überbordendes Überangebot an Politik zu beklagen, bei gleichzeitiger Schwächung der öffentlichen Verwaltung – und Passivierung der BürgerInnen, die mit trügerischen Verheißungen stillgelegt werden. Das Gemisch aus trügerischen Verheißungen und unweigerlichen Enttäuschungen entlädt sich dann in tektonischen Eruptionen: siehe Proteste gegen Kastanienallee-Umbau, Stuttgart 21, Mediaspree, Flugrouten über Wann- und Müggelsee, unterirdische Methan-Lagerstätten im Fläming … Ich beobachte eine schlimme Infantilisierung beider Seiten, von der Politik und den Bürgern in einem unbewussten Wechselspiel erzeugt!

Mehr Mut, Bürger! Für eine Politik des Gehörtwerdens.

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Aug. 232011
 

Als rassistisch gelten heute oftmals nicht nur Diskurse, die Menschen nach angeblichen genetisch bedingten „Rassen“ einteilen, sondern auch alle sonstigen Überlegungen, die Gesellschaften in Gruppen einteilen, die individuelles Verhalten aus kollektiven Dispositionen zu erklären versuchen, die Erfolg oder Misserfolg anhand eines Rasters zu erklären versuchen. „Juden in Deutschland sind um 1900 viel erfolgreicher als Christen in Deutschland gewesen, sie haben dank der rechtlichen Gleichstellung den Aufstieg durch Bildung geschafft„, wäre ein typischer Satz, der eine gewisse Höherberwertung der Juden zum Ausdruck zu bringen scheint, – folglich eine Abwertung der Christen. Man könnte diesem Satz den Vorwurf der Diskriminierung der Christen machen, und sicher gibt es Leute, die solche Sätze als rassistisch verwerfen.

Hören wir also einen solchen „rassistischen Diskurs“, diesmal aus der Feder des Historikers Götz Aly:

Ich mach dann mal Pause : Textarchiv : Berliner Zeitung Archiv
Juden machten um 1900 in Berlin zehn Mal so oft Abitur wie Christen, sie zahlten in Frankfurt am Main vier Mal so viel Steuern wie ein protestantischer Steuerpflichtiger und acht Mal so viel Steuern wie ein katholischer.

Es sind genau solche Sätze, die man bei der Linken als rassistisch bewertet, sobald man ähnliche Aussagen über Zuwanderer, über Ausländer, über Muslime macht – etwa: „Die Sozialhilfequote, die Schulabbrecherquote, die Kriminalitätsrate ist in der Gruppe xy 3 Mal höher als bei der Gruppe pq.“

„Protestanten zahlen doppelt soviel Steuern wie Katholiken!“ – dies ist, so meine ich, ein zulässiger Satz. „Katholiken sind dümmer und fauler als Protestanten.“ Das wäre zweifellos ein diskriminierendes Vorurteil.

Dieser letzte Satz ist  – so meine ich – unzulässig. Der Satz „Protestanten zahlten um 1900 doppelt so viele Steuern wie Katholiken“ ist hingegen eine statistische Aussage, die als solche nicht zu beanstanden ist. Sozialwissenschaftler und Historiker müssen solche Aussagen machen, um gesellschaftliche Prozesse erklären zu können. „Je mehr Katholiken, desto ärmer war eine Gegend.“ Dieser Satz ist hinnehmbar, denn er stellt eine statistisch nachweisbare Korrelation her.

Entscheidend bleibt die Erklärung! Wie deutet der Soziologe den Zusammenhang zwischen Religion und Bildungserfolg, zwischen Religion und Wohlstand?

Einem Götz Aly Rassismus zu unterstellen, wäre genauso verkehrt wie wenn man Thilo Sarrazin einen Rassisten nennen wollte.

Götz Aly ist kein Rassist. Er wertet zunächst einmal Zahlen aus. Aly zieht darüber hinaus umfangreiche zeitgenössische Quellen heran, um das diskriminierende Vorurteil gegenüber Juden begreiflich zu machen.

Außerdem bemüht sich Aly, aus ökonomischen Faktoren das Entstehen eines machtvollen, schließlich mörderischen Vorurteils zu erklären:

In dieser sozialen Spannung entstanden massenhaft der kleine böse Neid, die Missgunst und die Schadenfreude, wenn irgendjemand den insgesamt Erfolgreicheren eins auswischte. Folglich konzentrierten sich die deutschen Antisemiten auf die Forderung „Bitte etwas mehr Gleichheit!“ für die lahme christliche Mehrheit.

In der Forderung nach Gleichheit erblickt Aly gewissermaßen das Ressentiment des Zukurzgekommenen. Eine höchst bedenkenswerte These!

Unbedingt lesenswert: das neue Buch von Götz Aly.

Götz Aly: „Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800-1933“, S. Fischer Verlag, Frankfurt 2011, 352 Seiten

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Aug. 232011
 

Aha, eine interessante Veranstaltung findet da übermorgen statt. Da werd ich nicht fehlen!

Unterwerfung, Assimilation oder Integration des Fremden?

 

Der Historiker Dr. Christian Dettmering hat die Geschichte des Russischen Reiches im 19. Jahrhundert studiert. Er untersuchte in seiner Dissertation die damaligen Versuche Russlands, zwei als fremdartig und später auch widerspenstig erlebte Völker, die Inguschen und die Tschetschenen, in den eigenen Machtbereich zu integrieren.

 

Wie versuchte der russische Staat die „Integration“ oder „Assimilation“ der beiden Völker zu bewirken? Welche Rolle spielt die Religionspolitik gegenüber den beiden islamischen Völkern dabei? Können wir in Deutschland Lehren daraus ziehen?

 

Es wird spannend!

 

Sitzung am Donnerstag, 25.08.2011, 18 Uhr, Wirtschaft Stresemann, Stresemannstraße 48, Kreuzberg. Eintritt frei. Veranstalter: CDU Kreuzberg-West
Mehr dazu:
http://politikselbermachen.wordpress.com/2011/08/22/unterwerfung-assimilation-oder-integration-des-fremden/

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Kreuzberg: Neue Grundschule am Marheinekeplatz

 Friedrichshain-Kreuzberg, Gute Grundschulen  Kommentare deaktiviert für Kreuzberg: Neue Grundschule am Marheinekeplatz
Aug. 232011
 

Eine klare Zweckbindung des denkmalgeschützten Gebäudes am Marheinekeplatz hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg festgelegt: Eine Grundschule soll hinein.  Nicht eine türkische private Musikschule soll hinein, sondern eine Grundschule. Darüber berichtet der Tagesspiegel am 16. Juli 2008:

 Kreuzberg: Neue Grundschule am Marheinekeplatz – Stadtleben – Berlin – Tagesspiegel
In der Bergmannstraße eröffnet voraussichtlich 2009 eine Evangelische Grundschule. Von dem Vorhaben erhofft sich die Bezirksverwaltung bildungsnahe Familien im Stadtteil zu halten. Diese ziehen nämlich häufig um, sobald die Kinder ins schulpflichtige Alter kommen.

Hochschulprojekt von türkischem Bildungsinstitut wird abgelehnt

Für den Standort an der Bergmannstraße 28 hatten sich auch das türkische Bildungsinstitut „Tüdesb“ und die Hochschule für Weltmusik beworben, Tüdesb wollte eine Gymnasial- und Realschule eröffnen. Doch beide sind nun mit der Bindung an eine Grundschulnutzung aus dem Rennen. Das Bezirksamt sprach sich dafür aus, weil der Bedarf hier bis 2011 wachsen soll. Schon jetzt sind Kreuzbergs Grundschulen überfüllt. In der Mittel- und Oberstufe sinkt dagegen bereits die Nachfrage wegen des Geburtenrückgangs nach der Wende. Dennoch war das Projekt einer evangelischen Grundschule stark umstritten. Vor allem die staatlichen Grundschulen fürchten, ihre wenigen deutschen Kinder an die neue Schule zu verlieren. Inzwischen geht es aber offenbar nur noch darum, diese begehrten Familien wenigstens im Bezirk zu halten – egal auf welcher Schule. (CS/mj)

Das herrliche, riesige denkmalgeschützte Gebäude harrt noch seiner offiziell festgelegten Bestimmung! Es liegt ungenutzt da. Was mag wohl aus dem Projekt der evangelischen Privatschule geworden sein? Die müsste doch längst den Betrieb aufgenommen haben. Hmmm!

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Mehr Mut, bitte!

 bitte!, Freiheit  Kommentare deaktiviert für Mehr Mut, bitte!
Aug. 212011
 

Mit einigen politischen Freunden diskutierte ich kürzlich den Umgang mit dem Thema „Steigende Mieten in Berlin“. Wir lasen einander ohne Nennung von Namen und Parteien verschiedene tagesaktuelle Stellungnahmen der 5 großen Parteien vor und versuchten diese dann den Parteien zuzuordnen.

Befund: Keine Partei bringt den Mut auf zu sagen: „Wir haben jahrzehntelang die Mieten in Berlin künstlich niedrig gehalten. Sie werden ansteigen. Wir werden dies nicht verhindern können. Ihr werdet mehr Geld für Mieten zahlen oder ihr werdet umziehen oder ihr werdet enger zusammenrücken. Wir können das nicht verhindern. Aber ihr schafft das schon. Entschuldigt bitte, wir haben euch was vorgemacht.“

Die Zumutung der Freiheit, das ist es, was die Politik nicht mehr übers Herz bringt. Neben dem Finanzführerschein für Politiker wünsche ich mir in der Berliner Landespolitik vor allem mehr Mut, den Bürgern unbequeme Wahrheiten ins Gesicht zu sagen.

Was die 17 Wirtschafts-Nobelpreisträger in Lindau sagen, scheint mir in dieselbe Kerbe zu hauen.

Nobelpreisträger – Versagen der Politik ruiniert das westliche System – Wirtschaft – Berliner Morgenpost – Berlin

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Wir brauchen den Finanzführerschein für Politiker!

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Aug. 202011
 

190820111112.jpg Nette Wahlkampfzeitung der CDA flattert mir ins Facebook! Ich finde das Thema Finanzführerschein, vorgetragen von dem Friedrichshain-Kreuzberger CDA-Vorsitzenden Dirk Förster-Trallo, am interessantesten. Viele Jugendliche sind überschuldet, schafffen es nicht rauszukommen aus der Verschuldensspirale. Wenn Papi ständig jeden Unsinn bezahlt, lässt man gern 5 grade sein. Das ist mir selber passiert. Eine bewusste Schulung im sorgsamen Umgang mit Geld wäre eine Labsal für das Taschengeld. 

Den FINANZFÜHRERSCHEIN bräuchten wir aber überhaupt und vor allem für die Politiker!  Finanzierbarkeit! Großes Thema. Im Wahlkampf wird mal wieder so viel  finanzpolitischer Unsinn geredet. Wir erinnern: Berlin hat in beiden Hälften jahrzehntelang hauptsächlich auf Kosten der anderen Bezirke (damals in der DDR) bzw. der anderen Bundesländer gelebt und tut es heute noch ohne mit der Wimper zu zucken.

Auch die von den Berliner Parteien im Wahlkampf vorgelegten unsoliden Vorschläge zur Mietendeckelung gehen alle in diese Richtung: Das Bundesland Berlin (also die anderen Bundesländer) zahlt den Berliner Vermietern ihre Kosten. Das lässt sich wunderbar an den Stellungnahmen der Parteien zum Problem der steigenden Mieten nachweisen.  Das muss sich ändern!

Finanzpolitische Vernunft – jetzt, aber DALLI DALLI!

Wahlkampfzeitung der CDA Berlin

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Ist taz rassistisch?

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Aug. 192011
 

Guter alter taz-Jornalismus. Bissig, angriffslustig! Ja, so gefällst Du mir! Nicht so regierungsnah, auch wenn die Roten und die Roten im Rathaus regieren, und die regierenden Grünen im Bezirksrathaus Dir auf Steuerzahlerkosten eine Dir genehme Adresse verschafft haben!

Toll, wie der Artikel die Unzulänglichkeit der 4 großen Parteien beim Lösen der Probleme aufdeckt!

taz-Veranstaltung zur Berlin-Wahl: Eigentlich gibt es viel zu tun – taz.de
Wenig Konkretes hatten die vier auch zum Thema Bildung anzubieten, genauer zu der Frage: Was tun gegen das Phänomen, dass viele Kreuzberger Schulen fast 100 Prozent Schüler nichtdeutscher Herkunft haben, weil die Deutschen ihre Kinder in anderen Bezirken einschulen?

Aber warum hat taz nur Deutsche mit MhG eingeladen, aber keine FDP? Vielleicht, weil ein Deutscher für die FDP ohne MhG kandidiert? Keine Piratenpartei? Keine Deutschen? Keine Polen, keine Russen, keine Italiener? Wo bleiben die Kleinen?

Ist das nicht rassistisch? Taz, denk nach!

 Posted by at 12:04

„Die deutschen Schüler haben es schwer“, oder: Wem gehört der Kiez?

 Heimat, Kinder, Mobbing in der Schule, Sozialadel, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für „Die deutschen Schüler haben es schwer“, oder: Wem gehört der Kiez?
Aug. 172011
 

Einen sehr nachdenklich stimmenden Artikel las ich soeben auf Seite 3 im heutigen Tagesspiegel. Unter dem Titel „Allein zu Haus“ beschreibt Claudia Keller die Lage einer der Familien im Wedding, die als „letzte Deutsche“ in einem von arabischen und türkischen Familien übernommenen Kiez wohnen geblieben sind. Sie kommen sich in der eigenen Welt nunmehr fremd vor. Auf den Straßen hören sie praktisch kein Deutsch mehr.

Dem Tagesspiegel gebührt Dank dafür, dass er so mutig dieses Thema aufgreift. Denn selbstverständlich werden auf ihn nun wohlgemeinte Ratschläge einprasseln, angefangen beim Vorwurf des Rassismus, der Xenophobie bis hin zu Beschwichtigungen, dies sei doch nur ein subjektiv erlebter Einzelfall.

Tja, es sind alles Einzelfälle. Das Leben besteht aus Einzelfällen.

Die Beschreibung halte ich für durchaus wahrhaftig und übertragbar auf ähnliche Gegenden. Aus meinem eigenen Umfeld wurde mir Ähnliches berichtet. Ich habe die Berichte jedoch stets als „Einzelfälle“ abgetan und stets das Fähnchen der Integration hochgehalten. Dann hörte ich Berichte von monatelangem, fortgesetztem und systematischem Mobbing der Mehrheit gegen die wenigen einzelnen deutschen, nur deutsch aussehenden oder auch nur  für „christlich“ gehaltenen Schüler.

Der türkische Bund und der Lesben- und Schwulenverband wenden sich nunmehr direkt in arabischer, türkischer und sogar deutscher Sprache an die Eltern, um  etwas gegen die Ausgrenzung und Beschimpfung von Menschen in bestimmten Milieus zu tun. Denn in deutscher Sprache erreicht man viele Menschen nicht. Sie leben jahrzehntelang in Deutschland, häufig nur von staatlichen Zuwendungen, aber sie sehen keine Notwendigkeit, Deutsch zu lernen.

Wem gehört der Kiez?
Deutsche in Wedding: Zu Hause geblieben und fremd geworden – Berlin – Tagesspiegel

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„Das Schwere will er nicht für euch“

 Das Gute, Islam, Koran, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für „Das Schwere will er nicht für euch“
Aug. 162011
 

150820111104.jpg

Eins der ganz großen Themen, das mir neben vielen anderen (oder den meisten) wichtigen Themen (Kindererziehung, Familie, deutsche Sprache, Kultur, Europa, Demenz, demographische Entwicklung, Islam, Christentum, Stadtbildentwicklung) in diesem Berliner Wahlkampf bisher noch fehlt, ist die Frage, welche Werte unser persönliches Handeln leiten sollen.

Die Religionen sind eher an den Rand gedrängt, für Philosophie haben die meisten keine Muße. Also bleibt nur noch der Staat übrig. Er muss nach dem Rechten sehen. Alles, was die einzelnen Menschen falsch machen, wird hier in Berlin dem Staat angelastet. Das ist die ungeheuerliche Anomalie der Berliner Landespolitik. Ein verwöhntes, ein staatsgläubiges, ein staatsabhängiges Geschlecht hat sich da die Politik herangezogen!

Vielleicht bleibt noch eine Art sitttliches Grundgefühl, das unbewusste Übereinstimmen mit diesem oder jenem.

Religionen und philosophische Reflexion fangen dieses sittliche Grundgefühl ein. In diesem Bewusstsein werde ich nun das Fastenbrechen mit dem Bundesinnenminister Friedrich besuchen, das ihn am Abend nach Kreuzberg führen wird. Gestern las ich noch einmal die Sure 2 des Koran, diesmal in der neuen, vortrefflich kommentierten Ausgabe des Islamwissenschaftlers Hartmut Bobzin.

„Gott will für euch das Leichte, das Schwere will er nicht für euch“, heißt es in Sure 2, wo ausdrücklich der Fastenmonat erklärt wird.

Hartmut Bobzin: Der Koran. Aus dem Arabischen neu übertragen, unter Mitarbeit von Katharina Bobzin, C. H. Beck, München 2010

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Aug. 142011
 

Nicht als wandelndes Monument der Zeitgeschichte, eher als ein mitfühlender Zeuge, als in allen Fasern mit Berliner Geschichte verwobener, jung gebliebener Mann: so nachdenklich, so festlich gestimmt präsentierte sich gestern der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen bei einer Gedenkveranstaltung der CDU Friedrichshain-Kreuzberg im Gold-Hotel in Friedrichshain.

Diepgen amtierte als Regierender Bürgermeister von 1984-1989 und von 1991-2001. Wer hätte packender, umfassender die Jahre ab 1961 entfalten können? Die Hauptlinien seiner Festrede waren: 1) Die Mauer war ein verheerendes Unrecht für die ganze Stadt, aber auch ein eklatanter Bruch der Vier-Mächte-Vereinbarungen. Ohne Not haben damals die drei Westmächte den Sowjets und der DDR gesicherte Teile des Status quo preisgegeben. 2) Die Berliner CDU hat jahrzehntelang die Sache der Freiheit, die Sache der Deutschen Einheit hochgehalten gegen die gaukelspielerischen Verlockungen derer, die der geschrumpften „Limesrepublik“ oder der „Rheinischen Republik“ das Wort redeten. 3) Die Senate Diepgen haben damals in der Berliner Landespolitik nach der mit viel Geschick, aber auch der Gunst der Stunde errungenen Wiedervereinigung kraftvolle Signale der Ost-West-Angleichung gesetzt hat, insbesondere durch Ost-West-Tarifangleichung im öffentlichen Dienst. Weitere derartige Schritte hätten alsbald folgen sollen.  4) „Sagen sie bitte nie DIE WENDE – sagen Sie einfach REVOLUTION: Die Mauer wurde durch eine echte Revolution in Ostdeutschland niedergerissen – eine politische, eine soziale Revolution, die später auch zur nationalen Revolution, zur deutschen Wiedervereinigung wurde.“ In diesen Worten lag auch eine fast beschwörende Aufforderung, das Vermächtnis der 50 Jahre ab dem 13.08.1961 zu pflegen und fortzuführen.

Ein gutes Hinabtauchen in den Brunnen der Erinnerungen, dem herausgehobenen Datum angemessen! Ich spürte: Es liegt an uns, diesen Ansprüchen zu genügen und unser politisches Handeln unbeirrbar in den Dienst der Freiheit zu stellen, die durch den Mauerbau so grausam beschnitten worden war.

 Posted by at 21:31
Aug. 132011
 

Eine Frau, die mich immer so nett und direkt anlächelt, wenn ich die Straße betrete, ist meine Mit-Kreuzbergerin Miriam Noa, eine Kandidatin meines Wahlkreises 1 im bundesweit berühmten Kreuzberg. Partei? Siehe oben, ist aber nicht so wichtig. Für mich steht ohnehin der Mensch im Mittelpunkt!

Als bildungspolitisch interessierter Zeitgenosse, einfacher Vater  und einfacher Wahlberechtigter beschloss ich, ihr eine in diesem Blog aufgeworfene Frage vorzulegen, und besuchte die Kandidatin auf abgeordnetenwatch.de. Es ging mir natürlich vor allem um die geplante türkische Privatuniversität, die mein Mit-Kreuzberger Özcan Mutlu, seinerseits Kandidat auf der Landesliste (Nummer 8), nach Berlin holen möchte!  Ich war gespannt: Würde Direktkandidatin Noa den Listenkandidaten Mutlu unterstützen? Müssen Kreuzberger immer einer Meinung sein? Ich war gespannt!

Dies war meine Frage:

„Wie bewerten Sie die geplante Errichtung einer privaten türkischen Hochschule in Berlin? Wie stehen Sie zu einer möglichen binationalen privaten Grundschule in Kreuzberg?“

Nach einem guten Tag schon erhielt ich eine Antwort, und da abgeordnetenwatch.de absolut öffentlich und frei zugänglich ist, darf ich diese Antwort hier selbstverständlich auch zitieren:

abgeordnetenwatch.de: Miriam Noa
Sehr geehrter Herr ,

den Ausbau türkischsprachiger Bildungsangebote in unserer Stadt finde ich angesichts der Menge an Muttersprachlern prinzipiell richtig. Ich sehe Zwei- oder Mehrsprachigkeit als ein großes Geschenk, sprachliche Fähigkeiten sind der Schlüssel zu einem erfolgreichen Berufsleben.

Allerdings stehe ich privaten Bildungseinrichtungen sehr kritisch gegenüber, denn ich finde, dass Bildung ausschließlich in staatliche Hand gehört. Private Einrichtungen sind in der Regel kostenpflichtig – sie schließen dadurch Menschen aus, die sich den Besuch dort nicht leisten können und führen zu sozialer Spaltung. Bei privaten Hochschulen sehe ich zudem das Problem der Finanzierung durch Unternehmen, die folglich auf die wissenschaftliche Schwerpunktsetzung Einfluss nehmen. Bilinguale Grundschulen, also beispielsweise deutsch-türkisch, halte ich für eine großartige Sache. Aber auch hier: Bitte in staatlicher Hand, wie das bei unseren Staatlichen Europaschulen Berlin (SESB) der Fall ist. Nur so funktioniert meines Erachtens auch Integration.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Miriam Noa

Eine persönlich sehr nett formulierte, sachlich eindeutige Antwort, wie ich finde! So muss abgeordnetenwatch.de  laufen!

Ich konstatiere inhaltlich: Die Direktkandidatin Noa und der Listenkandidat Mutlu (beide Kreuzberg) werden hier wohl kaum auf einen grünen Zweig kommen. Mutlu scheint ja dem Staat kein Alleinmonopol in der Bildung zuzuschreiben. Er scheint zu meinen: Der Staat kann und soll vieles, aber er kann und soll nicht alles in der Bildung machen. Manches sollen ruhig auch mal die Privaten in der Bildung machen, wenn sie der Meinung sind, eine sinnvolle Alternative zum Staat anbieten zu können.

Na, ich werde dem Herrn Mutlu und anderen Kandidaten mal auch eine passende Frage auf abgeordnetenwatch vorlegen! Bin schon gespannt.

So bunt ist dieser Bezirk! Spannendes Kreuzberg! Danke für Ihre Antwort, Frau Noa! Vorbildlich gemacht!

 Posted by at 15:04