Uyum, Leute & Gurbetciler! Denkt dran: Hepimiz insaniz!

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Feb. 122008
 

Richtige Wellen hat der Besuch des türkischen Ministerpräsidenten in der Bundesrepublik ausgelöst. Da ich fast kein Türkisch kann und bei den Auftritten nicht dabei war, habe ich die deutsche Presse der beiden vergangenen Tage durchforscht. Viel mehr oder minder Gutes und Beherzigenswertes fand ich darin, überwiegend Zustimmenswertes, aber am meisten gelernt habe ich aus drei Kommentaren der FAZ, in denen die Autoren unter Beweis stellen, dass sie den Blick in beide Länder hinein wagen können, dass sie das Eigentümliche des Sprechens und Redens sowohl auf deutsch wie auf türkisch zu erfassen vermögen. „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, soll Erdogan gesagt haben. Wirklich? Hat er nicht Türkisch geredet? Was hat er damit gemeint? Hier helfen die drei genannten Kommentare weiter. Lesen Sie Auszüge:

Rainer Hermann in der FAZ:

Problematischer ist noch der Umgang mit dem Begriff Integration. Hier zeigen sich Verständigungsschwierigkeiten: Meist gebrauchen dafür die türkischen Medien und Politiker den Begriff „uyum“, Harmonie also. In Harmonie kann man nebeneinander leben, ohne dass man integriert ist. Je konkreter aber die Integrationspolitik der Bundesregierung geworden ist, desto stärker ist auch die türkische Regierung gefordert, es ihr gleichzutun.

In ihrem Lebensgefühl trennen die Türken in der Türkei und in Deutschland aber Welten. „Begriffe verraten das Denken“, sagt der türkische Dramaturg Aydin Engin, der nach dem Militärputsch von 1980 einige Jahre in Frankfurt im politischen Exil gelebt hatte. Auch am Montag schrieben die türkischen Zeitungen wieder von den „gurbetciler“, vor denen in Köln Erdogan gesprochen habe: Die regierungsnahe Zeitung „Zaman“ ebenso wie das Massenblatt „Hürriyet“. Erstmals tauchte der Begriff des „gurbetci“, des in der Fremde Lebenden, in den sechziger Jahren auf, erinnert sich Engin, als ungebildete Männer aus ihren ostanatolischen Dörfern aufbrachen, einige Monate in den Großstädten auf dem Bau arbeiteten und dann mit vollen Taschen in ihre Heimat zurückkehrten.

Volker Zastrow in der FAZ:

Hepimiz insaniz – das heißt: Wir alle sind Menschen. Diese Worte hat der türkische Ministerpräsident Erdogan in Ludwigshafen den zumeist türkischen Zuhörern zugerufen, über das Fernsehen haben sie Millionen weitere Türken und Deutsche erreicht. Seither hat Erdogan bei den Deutschen vermutlich einen Stein im Brett – und wenn er nicht Türke wäre, sondern Amerikaner oder Franzose, würde man seinen Namen in einem Atemzug mit dem Kennedys und de Gaulles nennen, die es einst auch vermocht hatten, das richtige Wort zum richtigen Zeitpunkt zu finden.

Zastrow meint darüber hinaus, Erdogan sei ein Staatsmann, dem kaum jemand das Wasser reichen könne, obwohl man den „Tag nicht vor dem Abend loben solle“. Erdogans gemäßigter Islamismus sei das Gegenteil des gewaltbereiten Fundamentalismus. Nun, mit ganz ähnlichen Worten habe ich mich schon im Herbst letzten Jahres geäußert, öffentlich, in der Blogosphäre, und auch privat. Damals erntete ich keine Zustimmung. Das könnte sich ändern. In jedem Fall bleibe ich dabei: Wir Europäer müssen uns „natürliche Verbündete“ schaffen, wo immer dies möglich ist – gerade in der Türkei. Dort sind Erdogan und mehr noch der Staatspräsident Gül gute Kandidaten.

Berthold Kohler in der FAZ:

Doch muss die Republik sich inzwischen eine noch unbequemere Frage stellen: Was, wenn die Mehrheit der Türken sich gar nicht integrieren will, und zwar nach unserem, ohnehin ausgesprochen liberalen Verständnis? Wenn sie, wie von Erdogan dazu angespornt, türkische Schulen und Universitäten in Deutschland verlangt? Wenn sie eigene Parteien fordert und das Türkische als Amtssprache in Berlin-Kreuzberg? Noch meiden es alle, von einer eingewanderten ethnischen Minderheit zu sprechen. Doch weit entfernt davon sind wir nicht mehr.

Dieser letzte Kommentar schließt also mit der Frage, ob wir nicht mancherorts in Deutschland eine echte, mittlerweile autochthone ethnische Minderheit hätten, der dann – so füge ich hinzu – natürlich nicht die Rechte einer anerkannten Minderheit zu verweigern wären, wie z.B. den Deutschsprachigen Italiens im heutigen Südtirol/Alto Adige, den Deutschen in der früheren CSR bis 1939. Dazu würde etwa Türkisch als Amts- und Schulsprache gehören. Kohler meint: Wir stehen nahe davor.

Und was meint ihr?

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Feb. 112008
 

In jedem Buch findet wohl auch der flüchtige Leser den einen oder anderen Satz, an dem sich sein Blick festliest: irgendetwas sperrt sich, der Fluss des ständigen Aufnehmens und Vergessens der nacheinander hintreibenden Sätze wird unterbrochen. Es ist, als verhakte sich ein Kahn in einer Wurzel am Grunde des Flusses. So erging es mir mit einem italienischen Satz. Ich fand ihn in den Lebenserinnerungen der Rossana Rossanda. Hier öffnet sie kurz den Vorhang in das Gespinst ihrer Erinnerungen hinein. Die italienische Kommunistin erzählt mit großer Wärme aus ihrer Kindheit und Jugend, berichtet von anregenden und begeisternden Erfahrungen der Zuwendung, des Zusammenhalts im Kampf gegen die Diktatur. Sie tritt der KPI bei, erreicht nach und nach höchste Ämter und wird Mitglied des Zentralkomitees. Aber je mehr sie sich in die Politik hineinbegibt, desto stärker verschwindet das Mädchen, die Frau Rossana. Nur manchmal bricht ein Bewusstsein für den Preis auf, den sie gezahlt hat, um sich ihrer Sache zu widmen. Oder war es etwas Ungeklärtes, etwas Verschwiegenes? Hier kommt nun der Satz, der mich in dem ganzen Buch am meisten berührt hat:

Andavo sui trent’anni, età decisiva e inquietante, e stavo fra pubblico e privato come una stentata mangrovia fra terra e mare.

„Ich ging auf die Dreißig zu, ein entscheidendes, verunsicherndes Alter, und stand zwischen öffentlich und privat wie eine kümmernde Mangrove zwischen Land und Meer.“

 

Rossana Rossanda: La ragazza del secolo scorso, Einaudi, edizione tascabile, Milano 2007, Seite 148

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Feb. 102008
 

Wir haben Taha, Wanjas Freund aus dem Kindergarten, zu uns eingeladen.  Nach dem gemeinsamen Besuch der Kindervorstellung im Theater Endstation Sehnsucht herrscht buntes Treiben in unserer Bude – Wanja und Taha sind einfach nur glücklich, dass sie zusammen spielen und toben können. Ich schlage, weil es mir zu kunterbunt wird, eine Partie Mensch-ärgere-dich-nicht vor. Die beiden stimmen sofort ein. Taha erweist sich als äußerst routinierter Spieler, der uns zu Beginn durch einige Sechser gleich locker abhängt. Die Routine merke ich daran, dass er nicht mühsam von Kästchen zu Kästchen zieht, sondern im Kopf gleich vorrechnet und dann „springt“. Allerdings gibt es unterschiedliche Regeln in unseren Köpfen: Muss man bei einem Sechser herausziehen, solange noch ein Kegel im Aus steht? Oder hat man die Wahl? Wanja sagt: Man muss herausziehen, sonst „machst du die Regel kaputt„. Ich sage: „Wir kennen die Regel so, dass man rausgehen muss.“ Taha kennt es anders: „Wenn ich nicht will, muss ich nicht herausgehen.“ Nach seiner Erfahrung hat man offensichtlich die Wahl. Was meint ihr? Wie hättet ihr diese Frage entschieden?

P.S. Wir haben diese Frage entschieden. Wenn ich drei Antworten von euch Lesern bekommen, sage ich, wie unser trikulturelles Brettspiel weitergegangen ist, und was noch passierte.

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„Unsere Kommunikationsstrategie ist gescheitert“

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Feb. 102008
 

Genießen Sie diesen Satz, der unsere heutige Betrachtung zur politischen Kommunikation einleitet! Geäußert hat ihn Karl-Theodor zu Guttenberg, ein deutscher Politiker. Welcher Partei er angehört, in welchem Zusammenhang er diesen Satz gesagt hat, spiele hier vorerst keine Rolle. Bemerkenswert ist vielmehr, dass er öffentlich eine Art Generalbekenntnis ablegt und sich selbst ausdrücklich nicht ausschließt. Das hat Seltenheitswert auf der politischen Bühne. Es ist, als hörte man zu Guttenberg den Ausruf sagen: „O electores! Peccavimus! – Oh Wähler, wir haben Fehler gemacht!“

Ferner fällt auf, das zu Guttenberg die Kommunikation – also die Darstellung politischer Inhalte gegenüber Partnern und der Öffentlichkeit – als Sache der Strategie auffasst, also nicht dem taktischen Klein-Klein und alltäglichen Scharmützel überlässt, wie man es so oft beobachtet. Noch seltener! Und schließlich gefällt es mir, dass er diesen mutigen Schritt gegenüber einem Online-Medium tut – in diesem Falle Spiegel online vom gestrigen Tage. Ich finde das gut, beherzigenswert, und ich wünsche mir, dass derartige Erkenntnisse noch häufiger zu begrüßen sein mögen! Bedenken wir: Es läuft doch wohl nach dem Ende des Blockdenkens darauf hinaus, dass kommunikative Strategien und persönliche Eigenschaften wie Lauterkeit wichtiger werden, wenn die Parteien inhaltlich immer schwerer voneinander zu unterscheiden sind. Bereits jetzt werden in den USA mit diesen strategischen Mitteln Vorwahlen – und auch Präsidentschaftswahlen überhaupt – entschieden. Die Inhalte, also die berühmten „Kampagnenthemen“, scheinen derzeit an Bedeutung zu verlieren.

Lesen Sie abschließend hier einen kurzen Abschnitt aus Spiegel online (Hervorhebung von diesem Blog):

SPIEGEL ONLINE: Die Bündnispartner sprechen hier auf der Sicherheitskonferenz vom „Krieg“, um den Nato-Einsatz in Afghanistan zu bezeichnen. Wir hingegen sagen lieber „Einsatz“ oder ähnliches. Ist das ein Fehler?

zu Guttenberg: Jeder hat seine eigene Sprache. Aber klar ist: Unsere Kommunikationsstrategie der letzten Jahre ist gescheitert, wir müssen uns hier definitiv verbessern. Das gilt für alle politischen Verantwortungsträger. In die Bevölkerung hinein und gegenüber den Bündnispartnern muss Deutschland detailgetreuer darstellen, was die Bundeswehr in Afghanistan macht und weshalb sie es tut. In den letzten Jahren wurde von unserer Seite aus mit einer gewissen Schüchternheit kommuniziert, um möglicherweise nach innen keine Verstörungen hervorzurufen. Das hat aber wohl auch dazu geführt, dass die Wahrnehmung bei unseren Bündnispartnern eine falsche ist.

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Feb. 082008
 

bettines-innerer-schweinehund.jpg Ira hat sich mal wieder als grandiose Puppenmacherin betätigt. Für Sängerin Bettine hat sie den „inneren Schweinehund“ geformt – was in trüben Tagen einen überfallen mag, gewinnt hier runzlig, faltig, verdrießlich Gestalt. Sogar die Warze mit einem darauf sprießenden Haar ist echt! Die Frage ist aber: Soll man den Inneren Schweinehund immer bekämpfen? Oder muss man ihm manchmal nachgeben – um ihn bei Laune zu halten? Was meint ihr?

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Feb. 072008
 

Eine Partei nach der anderen übernimmt die in diesem Blog bereits im vergangenen Jahr geäußerte Kritik am Begriff „Bürgerliches Lager, bürgerliche Parteien“ (wir berichteten mehrfach). Nunmehr fällt auch SPD-Chef Beck ein – spät, doch nicht zu spät. Bald werden auch die CDU und die FDP folgen! Somit sage ich voraus: Der Begriff „Bürgerliches Lager“ wird in absehbarer Zeit aus den Kampagnen verschwinden. Er ist nicht mehr vertretbar, hat keinerlei beschreibende Kraft mehr. Union und FDP – und nebenbei bemerkt auch die Journalisten – sollten ihn ganz streichen, vor allem natürlich in Großstädten wie Berlin und Hamburg. So berichtet Spiegel online heute:

Wenn er das Gerede der Liberalen und Konservativen vom „sogenannten bürgerlichen Lager“ höre, so Beck, frage er sich immer: „Was bin ich denn dann für einer?“ Ein Ausgebürgerter? Ein Unbürger? In das Gelächter im Saal rief er, er werde es nicht zulassen, dass Sozialdemokraten von FDP und CDU/CSU aus der Gesellschaft „herausdefiniert“ würden.

Ob denn die Frau Pauli bürgerlicher sei als der sozialdemokratische Stadtrat, der abends brav zur Gemeindesitzung gehe, fragte Beck listig. Und in der Fortsetzung des hessischen Wahlkampfs, in dem er dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch Spalterei vorgeworfen hatte, sagte Beck, Union und FDP setzten mit der Selbstdefinition als bürgerliches Lager bewusst darauf, „auszugrenzen und zu diffamieren“. Da falle ihm nur eines dazu ein: „Pfui Teufel“.

Erneut stellt sich heraus: In diesem bescheidenen Blog werden die Zeichen der Zeit einige Wochen, Monate oder sogar Jahre vorher gedeutet, ehe sie dann von den Großen in der Politik – mitunter in polemischer Zuspitzung – aufgegriffen werden. Auch unsere Bewertung der hessischen Landtagswahl vom Montag danach („Die Deutschen wählen das Lagerdenken ab“) wurde mittlerweile innerhalb der Medien, Parteien und Forschungsinstitute weitgehend bestätigt. Gefragt ist ganz offenkundig ein neuer, um Ausgleich und Vermittlung kämpfender Politikertyp. Der aktuelle gedruckte Spiegel (Nr. 6, 02.02.2008, S. 21) folgte denn auch – bis in einzelne Wendungen hinein – meiner postwendend – bereits am 28.01.2008 – gelieferten Einschätzung des Wahlausgangs. Natürlich haben die Redaktionen ungleich mehr Daten und Material zur Auswertung. Aber entscheidend ist doch, welche Fragen man an den Datenwust stellt und welche Schlüsse man zieht.

Es kann nicht verwundern, dass die Leserschaft dieses Blogs von Monat zu Monat ohne Dellen und Knicks beständig wächst. Die nächste Erfolgsmarke ist greifbar nahe: 1000 Zugriffe pro Tag sind machbar – nicht schlecht für ein persönliches Blog, oder? Wir bleiben dran – wir „hören das Gras wachsen“.

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Doppelgedächtnis: Debatten für Europa

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Feb. 062008
 

Mich erreicht eine Einladung, auf die ich mich schon gefreut hatte: Die Gesellschaft zur Förderung der Kultur im erweiterten Europa, deren aktives Mitglied ich bin, beginnt die Vortragsreihe “Doppelgedächtnis”. Der Titel scheint ja auf das Wort “Double mémoire” von Jorge Semprun anzuspielen. Ich bin schon gespannt und freue mich auf die Eröffnung mit dem tschechischen Außenminister.

Doppelgedächtnis: Debatten für Europa

Karel Schwarzenberg und Karl Schlögel

am 22. Februar 2008 um 19:00 Uhr

Eröffnungsworte: Zsuzsa Breier

Gesprächsleitung: Peter Frey

im Automobil Forum, Unter den Linden 21, Berlin (Mitte)

Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter anmeldung@kultur-in-europa.de

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Sicherheit fördern – Regeln beachten – Tödliche Unfälle vermeiden

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Feb. 052008
 

Schon wieder – gestern wurde eine Radlerin in Berlin durch einen abbiegenden LKW überfahren. Sie starb. Schlimm, ich bin traurig! Sie hatte den linken Bürgersteig entgegen der Fahrtrichtung benutzt. Vielleicht fuhr sie, vielleicht schob sie das Rad.

Benno Koch vom Berliner ADFC schreibt seit Monaten in den diversen Postillen und Journalen sehr überzeugend gegen die dauernden Regelverstöße durch uns Radler an. Seine Argumente sind unwiderlegbar. Siehe Bericht im Tagesspiegel von heute! Ich werde demnächst ein paar Vorschläge in der neu zu gründenden ADFC-Bezirksgruppe Friedrichshain-Kreuzberg zur Stärkung des Regelbewusstseins vorlegen. Etwa: „Ein Rot ist ein Rot“. Oder: „StVo – Deine Lebensretterin.“

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„Wenn ich doch nur fliegen könnte …!“

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Feb. 042008
 

fasching03022008005.jpg Gestern ergetzten wir uns erneut an allerlei närrischen Späßen im beliebten Theater „Endstation Sehnsucht“ in der Kreuzberger Obentrautstraße. Clown Toti markierte Probeaufnahmen für einen Film, und da die echten Schauspieler fehlten, engagierte er flugs alle anwesenden Kinder. Heraus kam ein geplant-improvisiertes Narrenspektakel, bei dem unser Wanja als Elefant Atze eine tragende Rolle übernahm – als fliegender Elefant.

Ich selbst warf mich gegen Schluss mit revolutionärem Pathos ins Zeug zugunsten der ausgebeuteten, ständig geschurigelten Hilfsclowns, deren Fähigkeiten nicht zum Tragen gekommen wären, wenn sie sich nicht zuletzt doch noch durchgesetzt hätten. Pero und Jojo spielten eine Pantomime, bei der sie alle Höhen und Tiefen des Daseins auskosteten. Da konnte einem Hören und Sehen vergehen! Verdienter Beifall prasselte satt herab!

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Feb. 032008
 

Unser Haushalt wird um 6 neue Lebewesen reicher. Sechs bunte Fische tummeln sich seit gestern in unserem neuen Aquarium. Was sage ich – sechs? „Sie halten vor allem Bakterien“, belehrte uns der kundige Verkäufer in der Zoohandlung. Jetzt weiß ich es: Ein solches 60-Liter-Aquarium stellt einen gehegten Lebensraum für Millionen und Abermillionen von Kleinstlebewesen dar: und darin die flinken lustigen Zierfische: Drei Guppies, zwei Schwertträger, ein Grundbarsch. Drei kleine Schnecken vervollständigen den Zoo. Den männlichen Guppy, den „Bock“, nennen wir „Orange“, weil er sich so stolz und prachtvoll präsentiert. Den einen Schwertträger nennen wir „Künstler“, da er sich zunächst mehrere Stunden im Abseits hielt und erst seit heute seine unermüdlichen Erkundungsfahrten unternimmt. Er scheint sich für etwas Besonderes zu halten. Der Grundbarsch heißt nur noch „Staubsauger“, da er eifrig an Wänden und Pflanzen nach Nahrung sucht, die er dann mit seinem wulstartig ausgestülpten Mund aufliest. Die angstvolle Erfahrung des Umgesetztwerdens haben alle sechs Fische wunderbar verkraftet, sie schweifen ohne Unterlass im Becken umher, tauchen abwärts und aufwärts, hin und her, vereinen sich zu einem Schwarm, teilen sich dann wieder. Wir sind begeistert und bestaunen das neue Leben mit allerlei Entzückensrufen. Schon in der Vorphase – also beim Einrichten das Aquariums – bemerkte ich, wie entspannend das Blicken in so ein klares Unterwasserparadies sein kann. Ein echtes Labsal.

Ira bringt aus ihrer sowjetischen Kindheit umfangreiches Wissen über Aquarien mit, so dass wir wohl keine Anfängerfehler machen werden. Neu ist für sie die Vielfalt an Arten, in der Sowjetunion gab es viel weniger davon. Doch die Grundsätze der erfolgreichen Zucht scheinen gleichgeblieben zu sein: Sorgfältige Einrichtung des Aquariums mit sterilem Grund, einwandfreie hygienische Verhältnisse, keine Überfütterung, kein Sonnenlicht, geeignete Auswahl der Pflanzen und Fische, Pflege und Erhaltung einer geeigneten mikrobiotischen Umwelt.

Auf dem Bild könnt ihr Künstler (natürlich in der Mitte!) und Orange entdecken – schaut nur genau hin. Ich werde euch über alle wesentlichen Ereignisse auf dem Laufenden halten!

 Posted by at 20:12
Jan. 312008
 

Das Einladungsschreiben zur Gründungsversammlung ist fertig. Alle ADFC-Mitglieder sind eingeladen, ebenso aber auch Neugierige und Interessenten!

 

Einladung zur Gründungsversammlung einer ADFC-Stadtteilgruppe Friedrichshain-Kreuzberg

Liebe ADFC-Mitglieder,

wir, Boris, Johannes und Tom haben uns als begeisterte Radler in Kreuzberg getroffen und unseren gemeinsamen Wunsch, eine „ADFC-Stadtteilgruppe Friedrichshain-Kreuzberg“ zu gründen, bekräftigt. Wir wollen mit vereinten Kräften ein besseres Fahrradklima im Bezirk schaffen und auch vielleicht mal gemütlich zusammen eine Tour radeln.

Themen, die uns beschäftigen, sind zum Beispiel: Wunsch nach einer Querung durch das Gleisdreieckgelände, Verbessern der Radführung im Bereich Kottbusser Tor, Bergmannstraße als Fahrradstraße, mehr Abstellanlagen schaffen, Baustellen für Radler entschärfen. Uns ist es wichtig, vor Ort als Radler Präsenz zu zeigen und kompetente Ansprechpartnerin im Bezirk zu sein.

Ihr seht: Wir haben Ideen und Engagement. Dafür suchen wir Mitstreiter/innen!

Wir treffen uns regelmäßig jeden dritten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im „Max und Moritz“ und laden Euch herzlich zur

Gründungsversammlung der ADFC-Stadtteilgruppe Friedrichshain-Kreuzberg

am 13.03.2008, 19 Uhr im „Max- und Moritz“, Oranienstr. 162 (zwischen Oranien- und Moritzplatz)

Vorschläge zur Tagesordnung: Kennenlernen, Bestimmung eines/er Versammlungsleiters/in, Wahl eines/er Ortsgruppensprechers/in, Mailingliste, Vorhaben.

Mit den besten Grüßen

Johannes

 Posted by at 14:48
Jan. 292008
 

Leider lassen mir dienstliche Pflichten keine Zeit, die schulärztliche Pflichtuntersuchung meines Wanja zusammen mit meiner Frau zu besuchen. Aber sie berichtet mir am Abend davon. Die Reifeuntersuchung beginnt pünktlich um 8.30 Uhr morgens. Erste Frage der Schulärztin: „Na, hast du beute schon ferngesehen?“ Wanja enttäuscht sie, denn – er hat nicht!

Nein, Frau Doktor – so früh steht er nicht auf!

Alle anderen Aufgaben löst er mit Bravour und ohne Zögern, außer dem Hörtest. Da hat er Mühe, die Richtung zu benennen, aus der ein Geräusch kommt. Jetzt bekommt die Ärztin Oberwasser: „Das ist ja alles falsch, alles falsch!“

Erstaunlich bleibt für mich, dass die Amtsärztin annimmt, er habe schon vor 8 Uhr morgens ferngesehen. Weil er Migrationshintergrund hat? Welche Erfahrungen haben sie im Amt mit migrantischen Familien wie der unsrigen? Dass wir Tag und Nacht vor der Glotze hängen?

 Posted by at 22:32

Drei Mal ein klares Votum: Die Deutschen wählen das Lagerdenken ab

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Jan. 282008
 

Einer der spannendsten Fernsehabende flimmerte gestern über die Mattscheibe: Erst gab es Berichte zu den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen, dann den zweiten Aufreger der Woche: „Das Wunder von Berlin“, den großartigen ZDF-Fernsehfilm über den Fall der Mauer. Ein wunderbares Zusammentreffen mit Botschaften, die sich wechselseitig verstärkten! Die rhetorisch matten Generalsekretäre redeten sich den Mund fusslig ob des Wählervotums, „bürgerliche Mehrheiten“, (vulgärsprachlich: Mehrheiten aus CDU und FDP) geisterten durch die Podien – der Wähler hatte sich offenbar nicht eindeutig ausgedrückt. Nicht eindeutig – ist das so?

„So gehst du mir nicht aus dem Haus“, herrschte der Stasi-Oberstleutnant Kaiser seinen Sohn Marco an, als dieser mit aufgegeltem Haar und in schwarzen Punk-Klamotten zu einem Konzert abzog. Der aufmüpfige Marco rebellierte gegen eine ihm verlogen erscheinende, spießige Ordnung. Die Ordnung schlug geballt zurück. Was war die DDR doch für ein ordentlichkeitsbesessener Staat! Solange man die äußeren Formen einhielt, solange man den Führungsanspruch von Staat und Partei nicht infrage stellte, konnte man meist recht geruhsam leben. Die bürgerliche Fassade hielt schlecht und recht bis 1989. Erpressbar wurde Marco durch seinen Wunsch nach privatem Glück und beruflichem Fortkommen. Und so wird er Zugführer der NVA.

Roland Koch ist bestraft worden. Er hatte mit der Jugendkriminalität auf ein Thema gesetzt, das zwar wichtig ist, in dem er sich aber nicht auskannte und bei dem er sachlich nichts zur Lösung beitragen konnte. Er hoffte auf den Angst-Effekt. Die Wähler sind ihm nicht gefolgt. Ich kann mich somit darauf verlassen, dass meine türkischen, arabischen und russischen Mitbürger und Familienmitglieder nicht unter einem bedrückenden Generalverdacht mit mir zusammenleben.

Ganz anders Christian Wulff: Er präsentierte sich als um Ausgleich bemühter, an Problemlösungen arbeitender Manager. Damit hatte er Erfolg. Die Deutschen geben ganz offenkundig – jetzt schon seit vielen Wahlgängen – genau diesem Politikertyp den Vorzug, unabhängig von der Parteizugehörigkeit. Die meisten führenden Politiker unseres Landes fallen mittlerweile unter diesen Leitgedanken: „Zusammenbringen statt spalten“.

Die DDR-Bürger im Film „Das Wunder von Berlin“ waren des dauernden auf sie niedertrommelnden Propagandabeschusses mit der Mär vom feindlichen kapitalistischen Lager, gegen das es sich mit aller Entschiedenheit zu wehren gelte, ebenso überdrüssig wie die Hessen des Kochschen Linksblock-stoppen!-Lagerdenkens.

Das Freund-Feind-Denken ist gestern erneut mit großem Nachdruck abgewählt worden, an den Wahlurnen ebenso wie in dem höchst sehenswerten ZDF-Film über das „Wunder von Berlin“.

 Posted by at 15:46