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Advent – Zeit der Wüste, Zeit der Versteppung, Zeit des Durstes nach Licht!

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Dez. 072015
 

Beim Warten auf den Einsatz mit Vivaldis jubelndem Gloria hörte ich gestern in der Canisius-Kirche eine äußerst bewegende Predigt. Grundgedanke war: Advent, das ist die Zeit der Dürre, der Versteppung. Advent, da zweifeln die Menschen an sich selbst. Auch die „philosophische Anthropologie“ findet heute keine Worte mehr, um die Größe und das Leuchten des Menschen, das Leuchten der Kinderaugen zu beschreiben.

Advent, da wissen sie nicht ein noch aus.

Irgendwie wanderten meine Gedanken beim Nachhauseradeln zu dem „Traum der Wüste“, zu dem großen, gewaltigen Gedicht Clemens Brentanos ab. Neben Adalbert Stifter, neben den Beschreibungen der endlosen kalmückischen Steppe, wie sie der Rotarmist Wassili Grossman geliefert hat, ist Brentano derjenige, der wohl am ehesten den abgrundtiefen Verzweiflungston der Psalmen, die wehe Zerrissenheit der Jahre 1914-1945 getroffen hat.

Aus diesem Grunde gebe ich das Gedicht unverändert wieder:

Der Traum der Wüste

O Traum der Wüste, Liebe, endlos Sehnen,
Blau überspannt vom Zelte, Stern an Stern;
O Wüstenglut voll Tau, o Lieb voll Tränen,
Weil sich unendlich Nahes ewig fern.

O Wüstentraum, wo Lieb auf Herzschlag lauschet,
Wenn flüchtgen Wildes Huf die Wüste drischt,
O Traum, wo der Geliebten Schleier rauschet,
Wenn Geierflug im Sandmeer Schlangen fischt.

O Wüstentraum, wo Liebe träumt zu fassen
Jetzt Josephs Mantelsaum mit durstger Hand,
Da geißelt wach, verhöhnt halb, ganz verlassen
Ihr Herz, der Wüste Geißel, glüher Sand.

O Liebe, Wüstentraum der Sehnsuchtspalme,
Die blütenlos Gezweig zum Himmel streckt,
Bis segnend in des höchsten Liedes Psalme
Der Engel sie mit heilgem Fruchtstaub weckt.

O Wüste, Traum der Liebe, die verachtet
Vom Haus verstoßen mit der Hagar irrt,
Wo schläft der Quell? da Ismael verschmachtet,
Bis deine Brust ihm eine Amme wird.

O Wüstentraum der Liebe, die sich sehnet,
Steigt nie ein Weiherauch aus dir empor?
Geht duftend, auf den Bräutigam gelehnet,
Nie meine Seele heil aus dir hervor?

O Wüste, wo das Wort der ewgen Liebe
Im unversehrten Dorn vor Moses flammt,
Ein Zeugnis, daß die Mutter Jungfrau bliebe,
Aus deren Schoß der Sohn der Gottheit stammt.

Lieb‘, Wüstentraum, so laut des Rufers Stimme,
»Bereit‘ den Weg des Herrn!« dir mahnend schallt,
Summt in des Löwen Schlund dir doch die Imme,
Die Süßes baut im Rachen der Gewalt.

O Durst der Liebe, Wüstentraum, wann spaltet
Der Herr den Fels, daß Wasser gibt der Stein,
Wann deckt in dir den Tisch, der gütig waltet,
Wann sammle ich das Himmelbrot mir ein?

Durst, Liebe, Wüstentraum, dort scheint am Hügel
Der Morgenstrahl, ein Hirtenfeuer weiß,
Wo Durst gewähnt des Wasserfalles Spiegel
Fand Liebe ein Geschiebe Fraueneis.

O Liebe, Wüstentraum des Heimatkranken,
Ihr Paradiese, schimmernd in der Luft,
Ihr Sehnsuchtsströme, die durch Wiesen ranken,
Ihr Palmenhaine, lockend in dem Duft.

O Liebe, Wüstentraumquell, beim Erwachen
Rauscht dir kein Quell, es wirbelt glüher Sand,
Es saust das Haus der Schlangen und der Drachen
Und prasselt nieder an der Felsenwand.

O Wüstentraum, wo Sehnsucht Feuer trinket,
Und Liebe angehaucht vom giftgen Smum,
Ohn Trost und Hoffnung tot zur Erde sinket;
O Tod ohn Liebe, Hoffnung, Ehr und Ruhm!

O Wüstentraum der Lieb! in der Oase
Labt dich am Quell, der zwischen Palmen glänzt,
Ein schlankes Kind – die Schlange ist’s im Grase,
Der Räuber Kundschaft’rin, ein Truggespenst.

O Liebe, Wüstentraum, nach kurzem Gasten
Sprengt dich der Räuber gastfrei an mit Hohn:
»Mein Brüderchen! entlaste dich zum Fasten,
Wo denkest du hinaus, mein lieber Sohn?«

O Liebe, Wüstentraum, du mußt verbluten,
Beraubt, verwundet, trifft der Sonne Stich,
Der Wüste Speer dich, und in Sandesgluten
Begräbt der Wind dich, und Gott findet dich!

Clemens Brentano: Der Traum der Wüste. In: Clemens Brentano. Eine Auswahl. Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Curt Hohoff. Veröffentlicht unter der Zulassungs-Nr. US. E-119 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung. Carl Hanser Verlag, München o.J., Erster Band, S. 135-137

 Posted by at 20:00

„Polen, die in der Wehrmacht kämpften? Das gab es nicht! Niemals!“

 Europäische Bürgerkriege 1914-????, Polen, Unverhoffte Begegnung, Vergangenheitsunterschlagung  Kommentare deaktiviert für „Polen, die in der Wehrmacht kämpften? Das gab es nicht! Niemals!“
Dez. 072015
 

Aus dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erreichte mich eine interessante Einladung, die ich hier unverändert wiedergebe:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mehr als eine halbe Million Polen kämpften in der Wehrmacht: an allen
Fronten, von Afrika bis zum Nordpol. Ihre Rekrutenzeit dauerte vier Wochen
länger als die der deutschen Rekruten, sie mussten Befehle wie „schnell“
oder „laufen“ erst lernen. Dann wurden sie an die Front geschickt, die
meisten von ihnen wurden an der Ostfront getötet. Wer überlebte und es
zurück nach Hause schaffte, wurde als Volksverräter beschimpft – daher
erzählten sie ihren Familien am liebsten nichts.
Ein schwieriges Thema für Polen – in Deutschland kaum erinnert.

Wir konnten Prof. Ryszard Kaczmarek, Universität Katowice, für einen
Vortrag gewinnen, dessen Buch „Die Polen in der Wehrmacht“ derzeit ins
Deutsche übersetzt wird.
Alojzy Lysko berichtet über die Erfahrungen seiner Familie. Aus dem Film
„Großvater war in der Wehrmacht“ zeigen wir einen Ausschnitt; die
Regisseurin Wioletta Weiß ist anwesend.

Zu unserem Themenabend „Polen in der Wehrmacht“ laden wir Sie herzlich
ein. Mehr Informationen finden Sie hier.

Ort: Landesvertretung Niedersachsen, In den Ministergärten 10, 10117
Berlin
Zeit: Mi., 9. Dezember, 18.00 Uhr

Ihre Anmeldung erbitten wir an erinnerungskultur@volksbund.de, möglichst
bis zum 4.12.15

Eine Kooperation des Volksbundes mit dem Zentrum für Historische Forschung
der Polnischen Akademie der Wissenschaften (CBH PAN) und dem
Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen
Europa, Oldenburg.

 Posted by at 19:36
Dez. 072015
 

„Und warum erfahren wir das erst jetzt?“ So geht es einem wieder und wieder, wenn man sich näher mit der Geschichte der Jahre 1914-1945 befasst. So mag es manchem ergehen, wenn er erfährt, dass gegen Ende des 2. Weltkrieges immerhin mehr als 1 Million sowjetische Kriegsgefangene bereit standen, um als Freiwilligenarmee unter der Führung des Generals Wlassow gegen Stalin in den Krieg zu ziehen. Was zum Teufel ritt sie denn? Wovor hatten die ehemaligen Rotarmisten Angst?

Früher, unmittelbar nach 1945 schob man zur eigenen Entlastung in beiden deutschen Staaten bisweilen alle Schuld von sich: „Das haben alles nur die Nazis gemacht, nicht wir!“

Und in Russland, Italien, Deutschland kann man umgekehrt seit 1956 bis zum heutigen Tage immer wieder hören: „Это была вина сталинизма. Это была не наша вина! Es war alles die Schuld des Stalinismus, nicht unsere!“ Man könnte diese Haltung gegenüber der eigenen Vergangenheit eine apologetische Erinnerungskultur nennen.

In Deutschland herrscht demgegenüber heute eine eindeutig auto-kategoretische, also selbst-anklagende Geschichtsbetrachtung vor. „Wir Deutschen tragen alleine die Schuld und die Verantwortung für die zweimalige Zerstörung Europas in den Jahren 1914-1945. Und wir Deutschen sind außerdem an dem bislang größten Menschheitsverbrechen schuld!“ Deutschland übernimmt tausendfach, stillschweigend oder ausdrücklich, die Alleinschuld oder doch die Hauptverantwortung für zwei Weltkriege und obendrein noch für die Shoah. Die Formulierung vom „größten Menschheitsverbrechen“, der Shoa (auch Holocaust genannt), ist mittlerweile in dieser Absolutsetzung geradezu offiziös geworden, sie findet sich beispielsweise auch bei H.A. Winkler im letzten Band seiner „Geschichte des Westens“ (München 2015, S. 597).

Von dieser autokategoretischen Haltung Deutschlands profitieren insbesondere Italien und Russland in ihrem vorwiegend apologetischen Geschichtsbild. Können sie doch zur eigenen Ehrenrettung stets darauf verweisen, dass die eigenen Verbrechen der Vergangenheit ausnahmslos früher oder später durch die Deutschen übertroffen oder mindestens verursacht worden seien. Weil die Deutschen überall so schlimm gewütet hätten, habe man auch selbst nicht unschuldig bleiben können.

Während sich also in Deutschland mittlerweile in vielen tonangebenden Medien – bis in den Bundestag hinein – diese selbstanklagende Geschichtsschreibung durchgesetzt hat, fördert die historische Forschung seit 1990 sehr viel mehr Zwischentöne heraus.

Die Stichworte dafür lauten: geteilte Verantwortung, Interdependenzen, Kausalketten, reaktive Eskalationsstufen der Verbrechen, „schwache Diktaturen“, Anomie-Prozesse in den Gesellschaften, „europäischer Bürgerkrieg“.

So hat Timothy Snyder etwa darauf hingewiesen, dass bis zum 01.09.1939 das Deutsche Reich unter nationalsozialistischer Herrschaft „nur“ etwa 20.000 Morde an Zivilisten begangen hatte. Deutschland wurde in den Jahren 1935-1939 überall hofiert. Die Tageszeitungen Amerikas, Frankreichs und Englands verfolgten nachweislich die ersten sechs Jahre der Hitlerregierung mit kritischem Wohlwollen oder auch mit Bewunderung.

Demgegenüber hatten die staatlichen Organe der Sowjetunion, also insbesondere die Rote Armee und die Tscheka/der NKWD, ab 1917 bis zum 01.09.1939 sicherlich mindestens das Hundertfache an Morden an Zivilisten begangen, während in der Buchhaltung der Massenmorde an zweiter Stelle das faschistische Italien folgte. Die Sowjetunion nahm also gemessen an der Zahl der Todesopfer bis 01.09.1939 mit großem Vorsprung den ersten Platz der verbrecherischen Regime in Europa ein, Italien den zweiten Platz. Das Deutsche Reich rangierte damals noch weit abgeschlagen auf dem dritten Platz in der europäischen Champions League der Massenverbrechen!

Die Angst vor einem kommunistischen Putsch beherrschte obendrein die Innenpolitik der westeuropäischen Staaten, hatten sich doch die Bolschewiki nicht durch eine Revolution, sondern alleine durch bewaffnete Kader an die Macht in Russland geputscht. Und das Deutsche Reich unter Hitler galt spätestens ab 1935 als eine Art Bollwerk gegen den drohenden kommunistischen Umsturz in den Staaten Westeuropas.

Man braucht nur beliebige Tageszeitungen westeuropäischer Länder jener Jahre aufzuschlagen, und man wird die Wahrheit dieser Thesen aus damaliger Sicht bestätigt finden.

Im großen und ganzen wird man aber sagen können, dass im Nachhinein die tiefe Überzeugung von der alleinigen Schuld der Deutschen erstens an den beiden Weltkriegen und zweitens an der absolut als das Böse an sich gesetzten Shoah eine doppelte Glaubenswahrheit geworden ist, ohne die die Völker Europas nicht friedlich zusammenleben wollen und können.

 Posted by at 19:35

Move the bow in the air, breathe normally!

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Dez. 052015
 

Beweg den Bogen in der Luft,
Atme ganz normal,
Von Spitze zu Frosch,
Von Frosch zu Spitze.
Berühr die Saite nicht,
Die Muskeln lockre im Rücken:
Zwischen den Schulterblättern,
An beiden Seiten des Rückgrates!
Spürst du die Unterschiede?

Einfache Grundübungen, einfach wie das Ein- und Ausatmen, das sanfte Herantasten, das allmähliche Eintauchen in die unermessliche Welt der Musik und des eigenen Körpers sollten den Geiger Tag um Tag begleiten – mindestens jedoch vor jedem öffentlichen Konzert. Carl Flesch, der 1873 im heute zum ungarischen Moson gehörenden Wieselburg geboren wurde und lange Jahre auch hier in Berlin unterrichtete, nannte 1911 diese Übungen in seinem unübertrefflich gepflegten, fast wissenschaftlich zu nennenden Deutsch „Urstudien“.

Simon Fischer nahm diesen Ball auf und versammelte 1997 in seinem Band „Basics“ eine bunte Palette derartiger vorbereitender, unersetzlicher Grundbewegungen, deren eine – die Nr. 35 – ich soeben ausführte und hier in Carl Flesch‘ geliebtes Deutsch, in mein geliebtes Deutsch übersetze.

Zitat:
„Exercise 5“, in: „Long, slow, sustained bows“, in: Basics by Simon Fischer. 300 exercises and practice routines for the violin. Edition Peters, London, Frankfurt, Leipzig, New York 1997, S. 18-20, hier Seite 20

 Posted by at 12:44

Höret das Lallen, das Fiedeln!

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Dez. 042015
 

Advent heißt Vorfreue, Erwartung, Ankunft. So werde ich übermorgen am Sonntag wieder einmal die Geige einpacken und mich fiedelnd beim Adventskonzert unter das singende, musizierende Volk mischen.

Ihr könnt alle kommen, mitsingen, euch mitfreuen!

Sonntag, 06. Dezember 2015, 19.00 Uhr

Adventskonzert in der Kirche Sankt Canisius, Berlin-Charlottenburg, Witzlebenstraße 30

Leitung: Stefano Barberino

Vivaldi: Gloria Nr. 1
Händel: „Tochter Zion“ mit Gemeinde
„Conditor alme siderum“
Telemann: Adventskantate „Hosianna dem Sohne David“
Transeamus
Es kommt ein Schiff geladen mit Gemeinde
Arcadelt „Ave Maria“
Saint-Saens: „Tollite Hostias“
Macht hoch die Tür Gemeinde
Ecce Dominus veniet Gemeinde

 Posted by at 20:09

„Aucune guerre ne peut mettre fin aux guerres“: endet nie des Irdischen Gewalt?

 Gemeinschaft im Wort, Krieg und Frieden, Syrien, Versöhnung  Kommentare deaktiviert für „Aucune guerre ne peut mettre fin aux guerres“: endet nie des Irdischen Gewalt?
Dez. 012015
 

„Kein Krieg kann den Kriegen ein Ende setzen.“ Dies ist die Quintessenz aus 818 Seiten detaillierter historischer Analyse, wie sie uns im Jahre 2011 Prof. Henry Laurens, Inhaber des Lehrstuhles für „Zeitgeschichte der arabischen Welt“ am Collège de France schenkt. „Aucune guerre ne peut mettre fin aux guerres.“ Das ist die Bilanz der Jahre 1967-1982, das ist die Bilanz aus 818 Seiten genauester diplomatisch-historisch-militärischer Analyse.

Ein vortrefflicher Satz! Die Vorstellung, man könne mit einem wirklich endgültigen, mit dem wirklich allerletzten Krieg endlich im gesamten Ringen und Rechten der Völker des Nahen Ostens (in Palästina, Israel, Syrien, Libanon, Jordanien, Ägypten, Türkei, Saudi-Arabien, Iran, Irak, Afghanistan usw. usw.) Frieden schaffen, erweist sich seit 1948, oder vielleicht schon seit 1792, wieder und wieder als trügerischer, törichter Wahn.

Ich habe mir ein paar Stunden Zeit genommen und in des Pariser Historikers monumentaler mehrbändiger Geschichte der Palästinafrage gelesen: Ein reiches Reservoir an wiederkehrenden Figuren, wütenden Beschwörungen, iterativen vergeblichen Formen der Gewalt, und wieder und wieder dem Anheizen der Gewalt und des Terrors! Wann fing es an? Wer brach den Streit vom Zaun? Fing alles mit Napoleon an? Mit dem Türken? Mit den Briten? Mit dem Holocaust oder mit der Shoah? Mit Lord Balfour? Mit Kain und Abel? Mit Sara und Agar? Mit Isaak und Ismael? Wer weiß es, wer kennt die Zahlen alle, nennt die Namen alle? Irgendwie hängt ja alles mit allem zusammen.

Man denkt sich fassungslos: Irgendwo haben sie irgendwie früher oder später doch irgendwann recht.
Schließlich – unterbrach ich ermattet die Lektüre. Der Spruch des Friedrich Leopold Freiherrn von Hardenberg, entnommen aus seinen gewaltigen Hymnen an die Nacht, erhellte mir das Bewusstsein:

Muß immer der Morgen wiederkommen? Endet nie des Irdischen Gewalt?

Gewaltige Hymnen an die Nacht! Gewaltiger Novalis! Können Worte gewaltig sein? Ich denke ja! Worte können gewaltig sein! Sie sind stärker als die Gewehre und Bomben.

Waffen alleine können der Gewalt der Waffen kein Ende setzen.

Es muss zum Waffenstillstand und zum Friedensschluss in jedem Falle der Gewaltverzicht im Wort hinzukommen. Alle beteiligten Seiten müssen erkennbar und verlässlich der Gewalt der Waffen abschwören, ehe sie den Stift unter ein Abkommen setzen. Keiner darf als Verlierer aus der Walstatt davon gehen.

Nur das verbindliche, das gute verbindende Wort kann Kriege beenden. Daran fehlt es erkennbar.

Zitatnachweis:

Henry Laurens: La question de Palestine. Tome quatrième. 1967-1982. Le rameau d’olivier et le fusil du combattant. Librairie Arthème Fayard, Paris 2011, hier v.a. Seite 818

 Posted by at 14:59

Glans, frid, благополучия zum Antritt des Neuen Jahres!

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Dez. 012015
 

С наступающим праздником ХАНУКИ! С наступающим Новым годом-2016!

Здоровья, счастья, благополучия!

Aus der jüdischen Gemeinde Berlins erreichen mich soeben in russischer Sprache die besten Glückwünsche zum Lichterfest, mit dem das neue Jahr der Juden beginnt. Das jüdische Lichterfest Chanukka – eines der Vorbilder des christlichen Weihnachtsfestes – wirkt durch Kerzen, Lieder, Gebete, das Singen biblischer Psalmen; die Kinder werden mit Gschenkla (wie es auf Fränkisch heißt) bedacht, sie sollen sich an diesem Fest mit glänzenden Augen freuen. In den glänzenden Kinderaugen spiegelt sich zum Jahresbeginn die Freude darüber wieder, dass es uns Menschen gibt und dass wir das Neue Jahr mit Zuversicht, Tatkraft und im Geiste der Nächstenliebe beginnen dürfen. Glans und frid, Glanz und Friede, das war wohl auch der Wunsch des schwedischen Weihnachtsliedes, das wir vorgestern zu entschlüsseln versuchten.

Ich gebe diese Segenswünsche gern in die virtuelle Sphäre weiter und verstärke sie, indem ich den russischen Segenswunsch der jüdischen Gemeinde Berlins ins Deutsche übersetze (wobei wir die zum Verständnis der russischen Genitive unerlässlichen Hinzufügungen in eckige Klammern setzen):

[Alles Gute] zum bevorstehenden Chanukka-Fest! [Alles Gute zum] bevorstehenden Neuen Jahr 2016!
[Wir wünschen Euch] Gesundheit, Glück, Wohlergehen!

С наступающим праздником ХАНУКИ! С наступающим Новым годом-2016!

Здоровья, счастья, благополучия!

 Posted by at 13:31

„Kom signade jul“. Die uralte neue, ewig erneuerte Sehnsucht: frid und glans

 Gnade, Singen, Sprachenvielfalt  Kommentare deaktiviert für „Kom signade jul“. Die uralte neue, ewig erneuerte Sehnsucht: frid und glans
Nov. 292015
 

„In des Herzens heilig stille Räume
Mußt du fliehen aus des Lebens Drang
Und das Schöne blüht nur im Gesang“

– so schrieb es Friedrich Schiller 1802 zu „Antritt des neuen Jahrhunderts“. Gesagt getan! Ich floh gestern. Durch Schnee und Sturm kämpfte ich mich in den Süden der Stadt. Dort schloss ich mich dem Chor der Eltern der Beethovenschule an, die für ihre Kinder und alle Menschen den Frieden durch Singen herbeisingen wollten. Angesagt war gestern auch das eine oder andere fremdsprachige Lied. Ich brummte und grummelte die verschiedenen Lieder mit, so gut ich eben konnte. Das „kom“ wird übrigens in der fremden Sprache, die mich irgendwie ans Althochdeutsche erinnerte, wie das altdeutsche „kum“ ausgesprochen.

„Chume chume geselle min
ich enbite harte din“

Diese alten Verse aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts kamen mir in den Sinn, als wir das Lied „Jul, jul, strålande jul“ sangen, das seinerseits dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entsprang.

Cum chum geselle min…
Kom, kom, signade jul! Sänk dina vita vingar
över stridernas blod och larm,
över all suckan ur människobarm,
över de släkten som gå till ro,
över de ungas dagande bo!
Kom, kom, signade jul, sänk dina vita vingar!

Für welches Jahrhundert passten nun diese Verse? Für das erste Drittel des 13. Jahrhunderts, das erste Drittel des 20. Jahrhunderts, oder das erste Drittel des 21. Jahrhunderts? Oder drückt sich in diesem Lied ein überzeitlicher Wunsch aus? Was bedeuteten überhaupt diese Worte: Frid? Glans? Jul? In welcher Sprache waren sie eigentlich verfasst?

Es war mir nicht klar. Aber es gefiel mir, es sprach mich an! Und so sang ich dies Lied spät abends gleich noch einmal in beiden Strophen beim Geburtstag eines Freundes, sang es für ihn und für sein neugeborenes Kind Elisabeth.

Hier ist die erste Strophe des Liedes:

Jul, jul, strålande jul, glans över vita skogar,
himmelens kronor med gnistrande ljus,
glimmande bågar i alla Guds hus,
psalm som är sjungen från tid till tid,
eviga längtan till ljus och frid!
Jul, jul, strålande jul, glans över vita skogar!

 Posted by at 11:43

Die neue, die alte, ach die allzu alte Kriegswut

 Friedrich Schiller, Krieg und Frieden, Süddeutsche Zeitung  Kommentare deaktiviert für Die neue, die alte, ach die allzu alte Kriegswut
Nov. 282015
 

Aus aktuellem Anlass fügen wir heute ein Gedicht eines in Deutschland vergeßnen Dichters bei. Sein Name tut nichts zur Sache. Nennen wir ihn, diesen unbekannten deutschen Dichter, einfach Fritz Marbacher. An wen richtete sich sein Gedicht? Niemand weiß es. Vielleicht an uns.

Der Marbacher hat damals sehr genau erfasst und verfolgt, was auf der weltpolitischen Bühne geschah: Napoleon erobert mehr als den halben Kontinent Europa, sein Ziel ist die Schaffung eines einzigen großen europäischen Reiches unter französischer Vorherrschaft. Pläne für eine europäische Einheitswährung waren entworfen, doch wollte Napoleon zunächst die politisch-militärische Einheit, erst danach dann die europäische Einheitswährung durchsetzen. 3 Millionen Kriegstote kostete Europa der französische Griff zur Weltmacht innerhalb von weniger als 2 Jahrzehnten. Die europäische Landkarte wurde umgepflügt.

Das ägyptische Abenteuer der Franzosen (1798/99) wurde zum Startschuß für den Wettlauf der beiden führenden Kolonialmächte des 19. Jahrhunderts um neue Herrschaftsgebiete – Großbritannien und Frankreich. In Afrika, im Nahen Osten und überall. Beider Ziel war die Vorherrschaft rings um den gesamten Globus. Frankreich und Großbritannien richteten so die Determinanten der gesamten Nahostpolitik ein; bis zum heutigen Tage prägt die damalige Eroberungs- und Kriegspolitik der Briten und der Franzosen das weltpolitische Geschehen im Nahen und Mittleren Osten.

Freilich haben mittlerweile die USA und Russland – die neuen führenden Kolonialmächte – Frankreich und Großbritannien überflügelt; China und Indien versuchen aufzuschließen. So haben wir ein überraschend stabiles weltgeschichtliches Tableau vor uns: USA, Russland (1917-1991 Sowjetunion), Frankreich und Großbritannien führen seit damals immer wieder „Koalitionskriege“ mit wechselnden Bündnissen – deren erster fand 1792-1797 statt. Die 4 großen Kolonialmächte, THE BIG FOUR der letzten beiden Jahrhunderte, sind wieder da auf der weltpolitischen Bühne! Sie setzen die kriegerischen Akzente, sie erklären den Kriegszustand, sie beginnen und beenden Kriege. Seit 1792 werden an dieser Stelle in unterschiedlichen Koalitionen Kämpfe um die regionale und globale Vorherrschaft geführt. Der Nahe Osten ist seit 2 Jahrhunderten Schauplatz erbitterter Stellvertreterkriege. Die Völker kommen nicht zur Ruhe.

Und wir? Deutschland lässt sich fast blindlings herumtappend hineinziehen: „Der Krieg im Nahen Osten hat endgültig auch Deutschland erreicht.“ So schreibt es die Süddeutsche Zeitung heute auf S. 1. Man betrauert die 130 Todesopfer von Paris. Zu recht. Aber wer betrauert die 180 zivilen Todesopfer allein im Monat Oktober des Bezirks Aleppo?

Ach, läse man doch hierzulande noch Fritz Marbacher. Ach, könnten doch mehr Menschen in Deutschland die schöne französische Sprache verstehen und lesen! Dann würde es den deutschen Politikern wie Schuppen von den Augen fallen. Dann wäre schon viel gewonnen.

Dann müsste das Austrocknen oder besser Aushungern all der Stellvertreterkriege folgen: Stopp der Waffenlieferungen von außen. Stopp der Finanzflüsse, die diese Kriege seit mehr als 2 Jahrhunderten nähren und füttern. Wiedereinführung des Völkerrechts unter Führung der UN. Wiederherstellung souveräner Staaten. Einhaltung und Durchsetzung des Interventionsverbotes gemäß dem Völkerrecht. Wiederherstellung des grundgesetzlich garantierten Rechtsstaatsprinzips in der Bundesrepublik Deutschland durch Stärkung des Bundestages.

Und hier das Gedicht Fritz Marbachers in der Urfassung von 1802:

An ***

Edler Freund! Wo öfnet sich dem Frieden,
Wo der Freiheit sich ein Zufluchtsort?
Das Jahrhundert ist im Sturm geschieden,
Und das neue öfnet sich mit Mord.

Und die Grenzen aller Länder wanken,
Und die alten Formen stürzen ein,
Nicht das Weltmeer sezt der Kriegswut Schranken,
Nicht der Nilgott und der alte Rhein.

Zwo gewalt’ge Nationen ringen
Um der Welt alleinigen Besitz;
Aller Länder Freiheit zu verschlingen,
Schwingen sie den Dreizack und den Blitz.

Gold muß ihnen jede Landschaft wägen,
Und wie Brennus in der rohen Zeit,
Legt der Franke seinen ehrnen Degen
In die Waage der Gerechtigkeit.

Seine Handelsflotten streckt der Britte
Gierig wie Polypenarme aus,
Und das Reich der freien Amphitrite
Will er schließen, wie sein eignes Haus.

In des Südpols nie erblickten Sternen
Dringt sein rastlos ungehemmter Lauf,
Alle Inseln spürt er, alle fernen
Küsten – nur das Paradies nicht auf.

Ach, umsonst auf allen Ländercharten
Spähst du nach dem seligen Gebiet,
Wo der Freiheit ewig grüner Garten,
Wo der Menschheit schöne Jugend blüht.

Endlos liegt die Welt vor deinen Blicken,
Und die Schiffahrt selbst ermißt sie kaum;
Doch auf ihrem unermeßnen Rücken
Ist für zehen Glückliche nicht Raum.

In des Herzens heilig stille Räume
Mußt du fliehen aus des Lebens Drang,
Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,
Und das Schöne blüht nur im Gesang.

Quelle:
Gedichte 1800-1830. Nach den Erstdrucken in zeitlicher Folge herausgegeben von Jost Schillemeit [=Epochen der deutschen Lyrik. Herausgegeben von Walther Killy, Band 7], Deutscher Taschenbuch Verlag, 2. Aufl., München 1978, S. 67-68

 Posted by at 12:59

„Faut-il frapper du glaive?“ – „Sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?“

 Jesus Christus, Krieg und Frieden, Syrien  Kommentare deaktiviert für „Faut-il frapper du glaive?“ – „Sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?“
Nov. 272015
 

„Tous ceux qui prennent le glaive, périront par le glaive.“ – „Alle, die das Schwert nehmen, werden durch das Schwert umkommen.“

Eine klare Absage an die Gewalt! Ausgesprochen an einem bedeutenden Wendepunkt der Geschichte, ausgesprochen vor etwa 2000 Jahren, nur wenige Suchoi-Bomber-Flugsekunden vom syrischen Azaz im Nordwesten Aleppos entfernt.

Ganz unabhängig davon, ob man nun Jesu Aufruf zum Verzicht auf Gewalt folgt oder nicht folgt, gilt es doch – so meine ich – bei jedem Einsatz militärischer Gewalt Sinn und Zweck der Maßnahme zu befragen. Auch die unbeabsichtigten Nebenwirkungen und die große Frage nach dem politischen Danach gilt es zu bedenken.

Hier eine Gesamtbilanz der (in diesem Fall russischen) Luftangriffe im Regierungsbezirk Aleppo im Monat Oktober, wie sie das „Institut syrien pour la Justice“, eine aus Aleppo stammende, nach Gaziantep exilierte Vereinigung bietet, die von der Zeitung Le Monde heute als verlässlich eingeschätzt wird:

128 Luftangriffe gegen militärische Ziele
110 Luftangriffe gegen Wohngebiete
Unter den Zielen der Luftschläge waren nach Angaben der Monde (heute S. 4) auch:
16 Fabriken, 6 Krankenhäuser, 3 Schulen, 3 Moscheen
Todesopfer der Luftschläge im Monat Oktober im Bezirk Aleppo: 180 Zivilisten und 20 bewaffnete Kämpfer

 Posted by at 14:25

„Was ist für Sie deutsch?“

 Eigene Gedichte, Magdeburg, Süddeutsche Zeitung, Was ist deutsch?  Kommentare deaktiviert für „Was ist für Sie deutsch?“
Nov. 252015
 

Auf diese Frage antwortete gestern in der Süddeutschen der Magdeburger Theologe David Begrich: „Der preußische Ikarus. Immer noch.“ Ein klarer Hinweis auf die trutzig aufbegehrende Ballade unsere Nationalbarden Wolf Biermann! Du kennst sie doch!

[…]
dann steht da der preussische Ikarus
mit grauen Flügeln aus Eisenguss
dem tun seine Arme so weh
er fliegt nicht weg – er stürzt nicht ab
macht keinen Wind – und macht nicht schlapp
am Geländer über der Spree

„Was ist für Sie deutsch?“

Darauf antworte ich mit einem vierfachen Glockenschlag:

Eins!
Der Magdeburger Dom mit seinem afrochristlichen Stadtpatron Mauritius, mit der ersten plastischen Darstellung eines Schwarzafrikaners im Norden der Alpen.

Vergiss es nicht ganz, o Magdeburg!

Zwei!
Die Magdeburger Stadtpatronin, Katharina von Alexandria, eine ägyptische Vorkämpferin der Frauenbildung und der Frauenemanzipation im Nahen Osten, die eine zahlenmäßig vielfach überlegene Schar an akademischen männlichen High-Potential-Philosophen in Grund und Boden disputierte.

Sei dir dessen bewusst und sei dankbar dafür, o Magdeburg!

Drei!
Das Magdeburger Stadtrecht, das modellhaft weithin strahlend in vielen Städten Europas Anwendung fand, darunter Königsberg, Kaunas, Vilnius, Warschau, Posen, Kiew und Minsk. Das Magdeburger Recht samt seinen Tochterrechten ermöglichte die Herausbildung städtischen Selbstbewusstseins, städtischen Eigenrechts in weiten Gegenden Europas. Städte – nicht die Territorialherrschaften waren die Keimzelle der Demokratie.

Gedenke dessen und vergiss es nicht, o Magdeburg!

Vier!
Otto I., römisch-deutscher Kaiser ab 962. Etwa ab dem Jahr 962 vollzog sich die Herausbildung eines mehr oder minder deutlich ausgeprägten Eigenbewusstseins der Deutschen. Erst seit etwas mehr als 1000 Jahren gibt es so etwas wie „deutsche Geschichte“ – oder besser „Geschichte der deutschen Lande“.

Schieb es nicht ganz weg, o Magdeburg!

Ein paar Zeilen seien rasch noch hingeworfen:

Magdeburger Mauritius an Preußens Ikarus

Du lass dich nicht verhärten
Von Eisen, Schuld und Stolz,
Von Riegeln und von Gerten,
Du bist aus weichem Holz.

Entfalt doch deine Flügel,
Steig raus aus deiner Gruft,
Tu ab den spröden Zügel,
Erheb dich in die Luft!

Zerspreng den Bann des Bösen,
Du kannst mehr als du denkst,
Lass dich vom Windhauch lösen,
Du fliegst so wie du lenkst.

Lass irre Tölpel keifen,
Flieg wie dein Herz dich trägt,
Lass deine Bahnen schweifen,
Zur Stelle die dich hegt.

 Posted by at 13:49

Das Wort in Fleisch und Blut hören. Vom Geheimnis Bachs

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Nov. 252015
 

Vielleicht kann man sagen, daß Beethoven, Schumann und die anderen Romantiker alle ihr eigen Fleisch und Blut zum Ausdruck gebracht haben. Bach steht auf einer anderen Ebene und wird in dieser Weite zum Sinnbild gleich seinem Gott.
Wir wenden uns zu Bach wie zu einer größeren Kirche, wie zu einem Heiland der Musik. Obgleich der Klang der Musik unantastbar ist, so daß man annehmen könnte, er sei nicht zu verderben, ist Bachs Musik doch gegen Mißdeutungen nicht gefeit, so wenig wie Christi Wort. Spätere Geschlechter haben nicht immer gehandelt, wie das WORT es gebietet.

So schrieb es Yehudi Menuhin im Jahr 1962, und aus diesen Worten spricht etwas, was mich ebenfalls bereits als 14-jährigen Knaben unerklärlich berührte und berückte, als ich erstmals die Sonaten und Partiten Bachs in einer Aufnahme mit Henryk Szeryng hörte und sie später selbst zu spielen versuchte. Was geschah in diesen Tönen der d-moll-Partita? Insbesondere bei dem unfassbaren Übergang, in der Ciaccona, zu D-Dur, von Takt 132 zu Takt 133? Es war etwas Unnennbares, das mich fast zu Tränen rührte und mich buchstäblich dazu antrieb, durch Wald und Felsen zu wandern. Es war ein unbegreiflich holdes Sehnen! Aber was, was war das?

Erst vor wenigen Wochen, beim Lesen des Geleitwortes von Yehudi Menuhin zu einer Wiedergabe der Handschrift, fand ich eine mögliche Antwort auf diese Frage. Menuhin gibt eine, gibt SEINE Antwort, die für mich nunmehr ebenfalls sprudelnde Quelle einer tröstlichen Gewißheit geworden ist.

Quellen:
„Geleitwort“ von Yehudi Menuhin, in: Johann Sebastian Bach: SONATEN UND PARTITEN FÜR VIOLINE ALLEIN. Wiedergabe der Handschrift. Mit einem Nachwort herausgegeben von Günter Haußwald. Geleitwort von Yehudi Menuhin. Insel-Verlag, Leipzig 1962 [=Insel-Bücherei Nr. 655] S. 5-8, hier S. 8

J.S. Bach: Drei Sonaten und drei Partiten für Violine solo. Hrsgg. von Günter Haußwald. Revidierte Ausgabe von Peter Wollny. Urtext der Neuen Bach-Ausgabe. Bärenreiter Kassel, Basel, London, New York, Praha [=BA 5116] 2012, S. 36

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„… also sind alle Juden nach יהודי מנוחין benannt …?“

 Hebraica  Kommentare deaktiviert für „… also sind alle Juden nach יהודי מנוחין benannt …?“
Nov. 252015
 

„Sind denn alle Juden nach Yehudi Menuhin benannt?“ Diese Frage stellte sich mir gebieterisch in der ersten Stunde meines Hebräischunterrichtes, den ich vor etlichen Jahren in Schöneberg nahe der Julius-Leber-Brücke nahm. Mit der Eselsbrücke Yehudi Menuhin glaubte ich mir das hebräische Wort für Jude einzuprägen, eben יהודי -„Yehudi“. Denn dem Geiger Yehudi Menuhin wurde im April 1916 von seiner Mutter ganz bewusst dieser Vornamen beigelegt – wohl aus Trotz gegenüber jahrhundertelangen Erfahrungen der Anfeindungen in verschiedenen Ländern diesseits und jenseits des Atlantiks.

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ganz stimmt die Eselsbrücke ja so nicht. Vielmehr stimmt die Richtung nicht. Der Esel geht umgekehrt über die Eselsbrücke. Nicht die Juden sind alle nach dem Geiger Menuhin benannt, sondern der Geiger Menuhin wurde nach allen Juden benannt.

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