Herrlicher Kurzurlaub auf der ADFC-Kreisfahrt

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Sep. 262009
 

26092009.jpg Die Stadt neu erfahren. Das war das Motto der ADFC-Kreisfahrt 2009 durch Berlin. Ich reihte mich zusammen mit einem meiner Söhne ein. Es gelang mir tzrozu erheblichen Altersunterschiedes, mit meinem Sohn Wanja stets mitzuhalten, der mich auch durch seine geistreichen Kommentare auf den hastig abgedrehten Videos erfreute. Einige Videos könnt ihr auf Youtube sehen. Sie bieten keine professionelle Qualität, sind alle mit der Handy-Kamera geschossen.

http://www.youtube.com/watch?v=bR4dAolw9cc&feature=channelhttp://www.youtube.com/watch?v=XnwqXuUdPT4&feature=channel26092009011.jpg

Immer wieder gab es kleine Zwischenstopps, damit der Lindwurm sich nicht zu sehr in die Länge zog. Ich plauderte mit vielen bekannten und unbekannten Mitradlern. Toll!

Von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr genossen wir die Stadt Berlin in ungewohnter Ruhe, ließen uns den Wind um die Ohren pfeifen.

26092009014.jpg

Mein 7-jähriger Sohn bewältigte die gesamte Kreisfahrt  ohne jeden Anflug von Müdigkeit oder Erschöpfung. Nur eine ganze Flasche Wasser trank er im Weltmeistertempo weg. Es war ein herrlicher Tag, der die bunte Vielfalt der Stadt erlebbar machte. Danke an alle Organisatoren und Helfer vom ADFC, ein dickes Dankeschön an die Polizei, die die Straßen sperrte und an alle Autofahrer, die die kleinen Verzögerungen mit Humor wegsteckten!

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„Ich habe auch kein Auto mehr“

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Sep. 112009
 

Gestern nahm ich an der 2. Sitzung des Fahr-Rates teil. Das ist ein Gremium, das alle 2 Monate über den Radverkehr in unserem Heimatbezirk Friedrichshain-Kreuzberg diskutiert. Mir gefällt die kooperative, auf gegenseitiges Zuhören und  Lernen bedachte Art, mit der Bezirksstadträtin Jutta Kalepky die Sitzungen leitet. Gutes, um die Sache bemühtes Verhandeln herrscht vor! Alle Teilnehmer stellten sich vor. Einige fügten hinzu: „Ich habe gar kein Auto mehr“. Ich vergaß, dies bei der eigenen Vorstellung hinzuzufügen.

Aber es ist so. Ein zusätzlicher Beweggrund für die Abschaffung des Autos war für mich die immense Steuergeldbelastung, die gerade in diesen Tagen wieder zur Rettung eines  großen Autokonzerns aufgewendet wird. Es sind über sechs Millarden Euro an Krediten, Beihilfen und Bürgschaften, die wir aufbringen. Nach der Abmeldung des Autos bekam ich jetzt immerhin eine Gutschrift von 1.- für zuviel entrichtete Kfz-Steuer.

Die zu große Nähe des konservativen früheren Bundeskanzlers Schröder zu Konzernen wie VW und Gazprom störte mich. Die zu größe Nähe unserer jetzigen sozialdemokratischen Bundesregierung zu Konzernen wie GM und Magna stört mich noch weit mehr. Der Opel-Deal war ein Fehler, ist ein ordnungspolitischer Sündenfall allererster Größe. Ich bin dagegen. Ich erkläre mich nicht einverstanden, obwohl ich als wackerer Christdemokrat weiterhin in diesem Bundestagswahlkampf für die CDU ackern werde.

Auch als Zeichen des Protestes habe ich meinen kleinen Renault Modus abgeschafft. DIESE BRANCHE will ich nicht noch mehr unterstützen, als ich es gezwungenermaßen sowieso tue. Ich fuhr meist gern Auto. Aber es gibt das Fahrrad, es gibt die BVG, es gibt sogar Taxis. Prima.

Ich teile die tiefe, öffentlich geäußerte Skepsis eines German Gref (Sberbank-Chef), eines  John Smith (GM-Verhandlungsführer), einer Hildegard Müller (CDU), eines Manfred Wennemer, eines Dirk Pfeil, eines KT zu … (CSU). Dies nur zu Protokoll.

Opel-Treuhand: Regierungsvertreter stimmt gegen Verkauf an Magna – Opel – Wirtschaft – FAZ.NET
Doch Manfred Wennemer steht nicht vollkommen allein: Sein Kollege Dirk Pfeil, der sich der Stimme enthalten hatte, sagte, er hätte Opel aus europarechtlichen Gründen lieber an den Finanzinvestor RHJ verkauft. Er klagte über politische Pressionen: „Ich hätte mich für die Aufgabe nicht bereit gefunden, wenn ich gewusst hätte, das politisch entschieden wird und nicht nach betriebswirtschaftlichen Kriterien.“ Beiratschef Fred Irving sagte, die Verkaufsentscheidung bedeute nicht „dass Opel gerettet ist. Man muss sehr viel arbeiten.“

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Aug. 282009
 

Eines schlechten Rufes erfreuen sich in der Radler-Szene die Radwege. Sie sind meist handtuchbreite Rüttelstrecken und Holperteppiche. Sie sind nachweislich unfallträchtig. Sie sind die Pest für jeden gesunden, jungen, kräftigen und selbstbewussten Radler!  Hierzu schreibt der STERN auf seinen Auto-Seiten in einem sehr lesenswerten Artikel:

Radfahr-Offensive: Freie Fahrt für freie Radler – Auto | STERN.DE
Radwege sind die Pest – für den, der vorankommen will. Viel zu schmal, mit aufgeplatztem Asphalt behindern sie den Pedalisten. Meistens sind es bauliche Verlegenheitslösungen. Sie führen plötzlich auf eine Parkspur, enden gern einfach mal so und folgen unmöglichen Kurven – nur um dem Autofahrern das Abbiegen zu erleichtern. Für Oma auf dem Weg zum Markt reicht das aus. Wer das Rad als Alternative zum Auto begreift, morgens zur Arbeit will und dabei eine Geschwindwindigkeit von mindestens 25 km/h einplant, muss dagegen auf die Straße.

Aber was ist mit den nicht ganz so jungen, den unsicheren, den zittrigen Radfahrerinnen und Radfahrern? Immer wieder spreche ich mit solchen. So gehen in den Fachdebatten häufig unter, werden an den Rand gedrängt. Sie fühlen sich sicher, wenn sie ihren breiten, schön markierten Radweg haben, wo sie nicht bedrängt und nicht angehupt werden.

Ich meine: An manchen Straßen, insbesondere an vielbefahrenen Durchfahrtsstraßen sind breite, ebene, gut gepflegte, vom Fußgänger- und Autoverkehr eindeutig abgesetzte jederzeit gut einsehbare Radwege keineswegs empörend, unsittlich, oder entwürdigend. Sie sind keine Pest. Sie sind ein Argument auch für langsame, unsichere und ältere Radler, das Auto öfter stehen zu lassen.

Unser Foto zeigt eine „Rad-Autobahn“ in der Stadt Padua.

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Juli 272009
 

angebotsstreifen23072009004.jpg Es geht voran mit dem Radverkehr in Berlin!  Darüber berichtet die Morgenpost heute: „Im Herbst will die Verkehrsverwaltung die Ergebnisse einer Haushaltsbefragung zur Verkehrsnutzung vorstellen. Stichproben haben schon jetzt ergeben, dass der Radverkehr in Mitte seit 2001 um 40 Prozent zugenommen hat und in Kreuzberg um mehr als 30 Prozent.“ Ca. 500.000 Radfahrer bewegen sich täglich auf Berlins Straßen, Radwegen und Gehwegen. Womit wir beim Problem sind: Wo fahren sie? Wo sollen sie fahren? Lest den Artikel, indem ihr darauf klickt:

Ausbau – Berlin bekommt 56 neue Radwege – Berlin – Berliner Morgenpost
„Es ist erklärter Wille des Senates, den Fahrradverkehr von den Bürgersteigen auf die Straße zu verlagern, deswegen verstehe ich nicht, dass weiter Radwege auf Bürgersteigen eingerichtet werden“, kritisiert der Fahrradbeauftragte des Landes Berlin, Benno Koch. Er versteht auch nicht, warum marode Radwege auf Bürgersteigen saniert oder wie in Stahnsdorf sogar neu gebaut werden. Außerdem kritisiert Koch die Nutzungspflicht auf engen und gefährlichen Radwegen, wie die neu eingeführte Nutzungspflicht in der Potsdamer Straße in Tiergarten und Schöneberg.

Ich meine: Der Fahrradbeauftragte des Berliner Senats Benno Koch hat recht.  Denn 80% aller Fahrradunfälle geschehen auf den Radwegen oder beim Hinauffahren auf die Radwege oder beim Verlassen der Radwege. Continue reading »

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Gelassen läuft’s

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Juli 242009
 

nrvk07052009007.jpg Längst schon habe ich aufgehört, unbekannte Radfahrer anzusprechen, um zu erfahren, warum sie das und das machen. Geschweige denn irgendwelche erziehlich-gedeihlichen Gespräche zu führen. Nur mein Sohn, den ich mittlerweile auf regelkonformes, selbstbewusstes Radfahren auf dem Radstreifen (nicht auf dem Gehweg) getrimmt habe,  löchert mich immer wieder mit Fragen: „Warum machen die das? Warum halten sie nicht bei Rot? Warum fahren sie auf dem Gehweg, obwohl ein herrlich breiter Radstreifen auf der Straße angelegt ist?“ Continue reading »

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Wir schaffen Raum für den Radverkehr

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Juli 052009
 

nrvk07052009005.jpg Eine bunte Fülle an Anregungen für eine moderne, integrierte Fahrradpolitik bot der 1. Nationale Radverkehrskongress, den das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung am 7. und 8. Mai 2009 in Berlin abhielt.

 

„Wir schaffen Raum.“ Mit dieser griffigen Formel legte Berlins Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer ein klangvolles Bekenntnis zur Stärkung des Radverkehrs ab. Das Fahrrad schafft ein Wir-Gefühl, es ist ein Beitrag zum verantwortlichen Miteinander. Es öffnet den Raum, statt ihn abzuschließen. In der Tat: Schon aus den Eröffnungsansprachen der Senatorin und des Bundesverkehrsministers Tiefensee hätten Marketing-Strategen zahlreiche Werbesprüche herausspinnen und die Holzmarktstraße komplett zuplakatieren können. Man konnte als Zuhörer den Eindruck gewinnen: Das Fahrrad hat keine natürlichen Feinde. Es ist umgeben von Partnern, besser noch Systempartnern, es fügt sich harmonisch ein in den Modal split, in gebrochene Reiseketten, es spielt eine Schlüsselrolle in einem ganzheitlichen Konzept für eine nachhaltige Verkehrspolitik. Also – alles bestens? Ja – wäre da nicht der Münsteraner Oberbürgermeister Berthold Tillmann gewesen. Er stellte heraus, dass der besonders starke Anteil des Radverkehrs entgegen den Erwartungen der Fahrradfans in seiner Stadt auch zu besonders hohen Unfallzahlen mit Radfahrbeteiligung geführt hat. Die Stimmung in der Stadt Münster wendet sich teilweise schon gegen die Radfahrer allgemein. Hier wurde klar: Guter Radverkehr ist kein Selbstläufer. Er bedarf der steten Pflege, vor allem aber verlangt er die mündigen, ihrer Pflichten bewusste Radfahrenden. Deren gibt es noch viel zu wenige, auch in Fahrrad-Hochburgen wie Münster.

 

Die Pausengespräche, vor allem aber die Kleinarbeit in den zahlreichen Fachforen rückte das zur Eröffnung mit breitem Pinsel gemalte Wohlfühl- und Wimmelbild zurecht:

 

08052009001.jpg Aus dem Forum Straßen für alle? – Erfolgreiche Verkehrssicherheitsarbeit blieben vor allem zwei Beiträge haften: Die ostwestfälische Stadt Bünde will, dass mehr Kinder und Jugendliche mit dem Rad zur Schule fahren. Dem diente das Projekt It’s cool to bike to school. Dabei wirken Schüler, Lehrer, Eltern und Stadtverwaltung zusammen, um das Radfahren sicher und attraktiv zu gestalten. An alles wird gedacht: Eine Pausenaufsicht verhindert Vandalismus an der Abstellanlage, die Straße vor dem Gymnasium wurde als Fahrradstraße ausgewiesen. Gut gefiel mir die Gestalt des Fahrradscouts: Die älteren Schüler wirken als Vorbilder, sie übernehmen Verantwortung und helfen jüngeren Schülern, ihren eigenen Rad-Weg zu finden.

 

In der Aussprache meldete ich mich zu Wort: „Alles gut und schön. Aber wie gehen Sie mit Schülern um, die von ihren Familien her das Radfahren nicht kennen? In Berlin fahren die Türken und die Araber mehrheitlich nicht Rad, sondern Auto, sobald es nur irgendwie geht.“ Mit dieser Frage löste ich erkennbar Verblüffung aus – denn da es im ostwestfälischen Bünde kaum türkische und arabische Einwanderer gibt, kennt eigentlich jedes Kind von zuhause her das Fahrrad. Mich wiederum verblüfft immer wieder, dass bei allen Berliner Fahrraddiskussionen eigentlich nie irgendwelche Migranten sich vernehmbar machen – ist das Fahrrad also ein urdeutsches Phänomen? Das nähme mich wunder, habe ich doch sowohl in Italien wie auch in den USA wie auch in Holland und Belgien immer wieder wackere nichtdeutsche Pedalisten gesichtet.

 

Der Verkehrsrichter Friedrich Dencker schilderte eindrücklich die häufigsten Unfallursachen im Radverkehr, die dann auf den Tischen der Zivilgerichte landen. Was das Fehlverhalten der Radfahrer angeht, sind dies die häufigsten Beanstandungen: Fahren in falscher Richtung, Missachtung des Rotlichts, Fahren ohne ausreichende Beleuchtung, Fahren auf dem Gehweg. Für Verblüffung  bei uns sorgte der Fall eines Radfahrers, der den Gehweg in hoher Geschwindigkeit befuhr und dann gegen einen aus einer Ausfahrt fahrenden PKW prallte. Dem Fahrradfahrer wurde vom Gericht nur ein Teilverschulden angelastet – und zwar, weil seine Bremsen nicht in ordentlichem Zustand waren. Opfer von Verkehrsunfällen werden Radfahrer besonders häufig dadurch, dass Kraftfahrer sie beim Rechtsabbiegen übersehen und die Autotür bei der Vorbeifahrt von Radfahrern öffnen.

 

Die entscheidende Botschaft, die durch die Foren wehte und den gesamten Kongress prägte: Radverkehr ist eine Querschnittsaufgabe! Verkehrsplaner, Firmen, Schulen, Eltern, Polizei – alle sind gefordert, das Fahrrad als unschlagbar effizientes und sozialverträgliches Werkzeug moderner Mobilität zu stärken. Der gute Wille allein reicht nicht. Es gilt, an vielen kleinen Stellschrauben zu drehen, um das Rad nicht neu zu erfinden, sondern es neu zu verbinden, es einzubinden in ein gesamtes Verkehrsumfeld, das endlich auf die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer, nicht vorrangig auf die der Autofahrer zugeschnitten werden muss.  

 

nrvk08052009016.jpg Alle kleinliche Krittelei verstummte in der abschließenden Siegerehrung unter dem Titel „Best-for-bike“. Der bekennende Ab-und-zu-Radfahrer Klaus Töpfer ward wegen seines weltweiten Einsatzes für nachhaltige Entwicklung geehrt. Wofür er sich in einer artig-launischen Rede bedankte. Seine Anwesenheit rückte ins Bewusstsein: Wer ein eigenes Fahrrad hat, ist bereits in gewisser Weise privilegiert, denn die meisten Menschen auf dieser Erde sind zu arm dafür. Die Auszeichnung für den Evangelischen Kirchentag als fahrradfreundlichste Großveranstaltung hob beispielhaft hervor, wie in kleinen, aufeinander abgestimmten Schritten guter Radverkehr gelingt: Durch sinnvolle, miteinander vernetzte Angebote. Durch klare, ermutigende Botschaften. Und nicht zuletzt durch lebende Menschen aus Fleisch und Blut, die das, was sie verkünden, auch vorbildhaft tun.

 Posted by at 22:19
Juli 032009
 

… soll der Verkehrsteilnehmer sein. Ablenkung, Gedudel vom Walkman, Handy-Telefonate, das alles ist Gift für die Sicherheit. Sehr gutes Interview mit dem Autor Tom Vanderbilt heute im Magazin der Süddeutschen Zeitung! Auszug:

…fragen wir am besten eine AUTOrität – Auto/Mobilität – Süddeutsche Zeitung Magazin
Was Auto zu einem der erfolgreichsten Sachbücher des letzten Jahres macht: Sie widerlegen gängige Überzeugungen. Zum Beispiel stellen Sie fest, dass auf besonders gut gesicherten Straßen mit Leitplanken und vielen Hinweisschildern oft mehr Unfälle passieren als auf derselben Straße im vermeintlich gefährlicheren Zustand vor dem Umbau.
Ein interessanter Fall aus Orlando, Florida: der U.S. Highway 50, Amerikas zweitgefährlichste Straße. In der Innenstadt wollten die Planer ein Sicherheitskonzept ausprobieren. Also verbreiterten sie die Straße, brachten Planken an und stellten Warnschilder auf. Die Zahl der Verkehrstoten stieg, weil die Fahrer im Schnitt schneller fuhren.

Nach dieser Logik fahren wir also auch an Radfahrern mit Helm näher vorbei: Weil wir uns sicherer fühlen?
Korrekt.

Was macht eine Straße wirklich sicher?
Das hat mit dem Unterbewusstsein der Fahrer zu tun: Bei breiten Straßen mit vielen Schildern wiegen wir uns in Sicherheit. Das Gehirn des Fahrers schaltet ab. Deswegen passieren auch die meisten Unfälle auf Straßen, die der Fahrer kennt. Das Ziel der modernen Verkehrsführung liegt darin, dem Fahrer zu signalisieren, dass er jederzeit hellwach sein muss.

Leider schafft es auch dieser Autor nicht, die Perspektive des PKW-Insassen einmal aufzugeben, wenn er sagt: Wir fühlen uns angesichts eines behelmten Radfahrers sicherer als bei einem Radfahrer ohne Helm. So als müsste der Autofahrer vor dem Radfahrer geschützt werden. Richtig ist: Die Autofahrer halten noch weniger Abstand zu einem Radfahrer, der mit Helm fährt, als zu solchen oben ohne.  Das haben Tests bestätigt. Und das erfahre ich selber auch zu meinem Leidwesen.

Es wäre toll, wenn die Polizei einmal systematisch den mangelnden Sicherheitsabstand der PKWs gegenüber Radfahrern mäße und dann auch von den PKW-Insassen Bußgelder wegen Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer erhöbe.

 Posted by at 11:23
Juli 012009
 

Soll man sich nur dann an Regeln halten, wenn die Polizei zuschaut? Ich meine nein. Ich halte mich auch dann an Regeln, wenn die Polizei nicht zuschaut. Bin ich deswegen blöd? Manche sagen: ja. Sicher würde das auch die WELT sagen. Denn sie empfiehlt, dass man sich in den nächsten Tagen an die Regeln halten soll, da die Polizei in den nächsten Tagen kontrollieren wird.

Im übrigen begrüße ich diese Kontrollen. Ich bin aber auch dafür, dass man sich außerhalb dieser Kontrollzeiten an Regeln hält. Gut auch, dass zugleich die Rechtsabbieger unter den Autos und den LKWs kontrolliert werden.

Intensive Kontrollen von Radfahrern in nächster Zeit

Berlin (dpa/bb) – Berliner Radfahrer sollten sich in den nächsten Tagen genau an die Verkehrsregeln halten. Die Polizei kündigte am Dienstag «intensive» Kontrollen bis zum 12. Juli an. Sie will besonders gegen das Ignorieren roter Ampeln und Fahren auf dem Bürgersteig als Hauptunfallursachen vorgehen. Auch den technischen Zustand der Fahrräder wollen die Beamten überprüfen. So soll die Sicherheit im Radverkehr erhöht werden. Kontrolliert werden soll an Stellen, wo es viele Unfälle oder Verkehrsverstöße gibt. Gleichzeitig will die Polizei auch das Rechtsabbiegen von Autofahrern überwachen. Dabei passieren immer wieder Unfälle, weil Radler übersehen werden.

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Fahrradstadt Wolfsburg

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Juni 262009
 

26062009002.jpg Am 02.01.2008 berichteten wir in diesem Blog über eine vorbildliche Initiative des Landstädtchens Dießen am Ammersee: Dort können Radfahrende ihr Velo vor Wind, Wetter und bösen Händen geschützt in einem Fahrrad-Parkhaus einstellen und dann in den Zug umsteigen.

Etwas ähnliches scheint es hier am ach so neuen, modernen Berliner Hauptbahnhof noch nicht zu geben. Heute schloss ich mein Fahrrad dort schlecht und recht an einem Laternenpfahl am Taxistand ab und stieg in den Zug nach Wolfsburg, wohin mich berufliche Pflichten führten. Angeblich eine Autostadt. Doch was sehe ich da? Schaut selbst:

26062009.jpg

Richtig – ein Parkhaus für Fahrräder! Das ist toll, Wolfsburg erkennt die Zeichen der Zeit. Die umweltfreundliche Bahn und das menschenfreundliche Fahrrad finden zu einem innigen Verbund zusammen. Intermodal nennt man das ja neuerdings. Ich würde sagen: Dieses verkehrsmittelübergreifende Zusammenspiel mehrerer menschenfreundlicher Verkehrsträger weist den Weg in eine bessere, die menschengerechte Stadt. Bravo Wolfsburg! Du hast es besser!

Das kann Berlin doch auch, oder? Wir müssen uns ranhalten! Das richtige Abstellen und das frohe Wiedersehen mit dem am Bahnhof abgestellten Fahrrad ist ein wichtiger Bestandteil eines nachhaltigen städtischen Verkehrskonzepts. Wiedersehen macht Freude!

Herrlich war dann das Zurückradeln heute abend vom Hauptbahnhof: am Kanzleramt vorbei, einen Blick auf den Reichstag werfend, in den üppig-grünen Tiergarten an Standbildern Mozarts, Beethovens und Haydns vorbei, heim zu meinen Lieben.  Da summt mir das Herz!

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Utopia concreta: la bicicletta

 ADFC, Fahrrad, Italienisches, Positive Kommunikation, Sprachenvielfalt  Kommentare deaktiviert für Utopia concreta: la bicicletta
Juni 252009
 

Gute, fruchtbare Sitzung des ADFC-Bezirksrates gestern abend! Ich erhalte am Rande der Sitzung ein Buch überreicht: „Wir haben Erfolg! 30 muslimische Frauen in Deutschland. Vorwort von Seyran Ates.“ Fackelträger Verlag, Köln 2008. Autorin Kerstin E. Finkelstein überreicht mir das Buch persönlich. Ich bin begeistert, verspreche gleich eine gute Rezension, ohne das Buch gelesen zu haben! Bin ich unehrlich? Nein! Der Gedanke, dass man Erfolgsgeschichten erzählen muss, überzeugt mich auf Anhieb! Möge dieser Gedanke die heute stattfindende Islamkonferenz des Bundesinnenministers beflügeln! Heute habe ich das Buch schon gelesen. Es ist wirklich gut! Ich habe mich nicht getäuscht!

Herrlicher Hymnus auf das Fahrrad im aktuellen italienischen Wochenmagazin L’espresso! Ivan Illich hatte bereits 1973 ein „Lob des Fahrrads“ verfasst.  Der Espresso zitiert daraus: „Um 40.000 Menschen in einer Stunde über eine Brücke zu bringen, braucht man 12 Fahrspuren für PKW, aber nur zwei, wenn die Leute mit dem Fahrrad fahren!“ Na bitte!

Sogar der ehemalige Ministerpräsident und frühere EU-Kommissionspräsident Romano Prodi ist ein begeisterter Radfahrer. Er berichtet brühwarm aus seinen Erfahrungen in Bologna: So wird er angeredet. „Hau ab, du Arschloch!“ hört er immer wieder, wenn er zur Uni radelt. „Die beziehen sich nicht auf den Politiker Prodi, denn von hinten können sie mich nicht erkennen. Wenn mich ein Bus mit 36 cm Abstand überholt, kann man nicht glücklich sein. “

„Il ciclismo offre una dimensione concreta al sogno di un mondo migliore.“  Sagt Marc Augé. Das heißt auf gut Deutsch: „Das Radfahren eröffnet dem Traum einer besseren Welt eine konkrete Dimension.“ Schön!

Quelle: Gigi Riva: Utopia su due ruote. L’espresso. N. 24, 18 giugno 2009, pagina 96-99.

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Juni 242009
 

Eine schlimme Nachricht erreicht mich heute über den Tagesspiegel: Eine Radfahrerin wurde von einem abbiegenden LKW erfasst und getötet. Dies ist schrecklich und stimmt mich traurig. R.I.P.

Radfahrerin bei Unfall getötet

Eine Radfahrerin ist bei einem Verkehrsunfall in Prenzlauer Berg getötet worden. Ein Lkw-Fahrer hatte die Frau am Mittwoch gegen 8:40 Uhr beim Rechtsabbiegen von der Danziger Straße in die Prenzlauer Allee auf dem Radweg übersehen und mit seinem Fahrzeug erfasst. Beide kamen von Osten her, die Radfahrerin wollte die Prenzlauer Allee vor dem Lkw geradeaus überqueren. Die 34-Jährige erlag noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen.

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Mai 142009
 

13052009008.jpg Klare Antwort: Wer sich für so nachweislich lebensrettende, aber langweilige Sachen wie etwa das Einhalten der Straßenverkehrsordnung oder das Tragen von Fahrradhelmen einsetzt, der ist im Hintertreffen gegenüber jenen, die gegen das grausame Abschlachten von Robbenbabys oder gegen die Tötungssimulationen im Paintball kämpfen. Aber was hat mehr Sinn?

Ich habe zum Beispiel als Kind sehr gerne „Völkerball“ gespielt. Dabei schoss ich mit Wonne auf Beine, Knie und Arme meiner Klassenkameraden. Furchtbar: Ich schoss sie ab. Auch spielten wir gerne mit Bleistift und Papier „Schiffeversenken“, ohne jede Rücksichtnahme auf die Tausenden von unschuldigen Seeleuten, die dabei einen jämmerlichen Tod starben. Wir spielten Ritterle, Räuber und Gendarm, Indianer und ähnliches mehr. Wurden wir dadurch, durch diese Tötungssimulationen,  zu Tötungsmaschinen? Ich bezweifle dies.

Jahr um Jahr sterben in der EU 0 (in Worten: null) Menschen an Paintball. Jahr um Jahr sterben in der EU etwa 50.000 (in Worten: Fünfzigtausend) Menschen in Verkehrsunfällen, von denen nach Meinung der Experten etwa 90% durch mehr Vorsicht und mehr Rücksicht sowie durch Einhalten der StVO vermeidbar sind.

Durch Schusswaffenmissbrauch sterben Jahr für Jahr viele Menschen! Wie viele genau – ich weiß es nicht! An den Schusswaffenmissbrauch müsste der Gesetzgeber mal ran! Aber davor scheuen sie noch zurück.  Bitte aufwachen, Bundestag! Macht doch keine solche Schaufensterpolitik!

Gestern stand ich drei Stunden im Lichtenberger Ring-Center an unserem ADFC-Stand. Wir warben für den Slogan „Radfahren – aber sicher“. Den Slogan habe ich mir selber mal einfallen lassen, bei einer Gremiensitzung des ADFC. Ich stelle ihn hiermit sehr gerne ohne Nutzungsgebühr der Allgemeinheit zur Verfügung.

Fahrradhelme und das Einhalten der Straßenverkehrsordnung senken genauso wie Vorsicht und Rücksicht nachweislich das Risiko schwerer und tödlicher Kopfverletzungen bei Fahrradfahrern. Was für eine langweilige Botschaft! Das will doch niemand hören!

Ich bin sicher: Hätten wir für oder gegen das grausame Paintball, für oder gegen das fürchterliche Robbenschlachten geworben – unser Stand wäre weit heftiger belagert worden. Aber auch so ergab sich manches anregende Gespräch. Eine Dame (nicht die abgebildete ADFC-Kameradin Barbara!) fragte mich, ob ihr Fahrradhelm in Ordnung sei. Er sitze so weit oben, sie fühle sich irgendwie pilzartig. Ich erwiderte: Das muss wohl so sein.

Wir sehen mit Fahrradhelmen alle irgendwie pilzartig aus. Pilzartig und langweilig ist immer noch besser als ein Schädeltrauma.

 Posted by at 14:18
Mai 142009
 

 Immer wieder bemühe ich mich, das zu verstehen, was in den Köpfen anderer Menschen vorgeht. Ich spreche mit Hinz und Kunz, lese Koran und Bibel, Grundgesetz und Rosa Luxemburg, Flugblätter der Independent-Szene und FAZ.

Ergebnis: Es ist wichtig, die Verinselung des Bewusstseins zu erkennen. Fast alle leben in ihrem hübsch zurechtgemachten, inselartigen Bewusstseins-Stübchen, pflegen ihre gut abgehangenen Vorurteile, leben so, wie sie es sich angewöhnt haben und bei anderen sehen. So sprach ich vor einer Stunde mit einem Hundehalter, der hier in der Obentrautstraße trotz gut ausgebauter Radwege mit dem Fahrrad und dem freilaufenden Hund in falscher Richtung auf dem Gehweg fuhr. „Warum machen Sie das? Es gibt hier doch Radwege“, fragte ich. Er antwortete in bestem Berliner Urdeutsch: „Das ist hier in Berlin eben so. Wir Berliner fahren überall Fahrrad und wo wir wollen.“ „Ich bin auch Berliner“, erwiderte ich unbeeindruckt und trockenen Auges.

„Sind Sie wirklich Berliner?“ frug er ungläubig zurück. Und da hatte er mich auf dem kalten Fuß erwischt! Denn da ich nahezu akzentfrei Hochdeutsch spreche, falle ich hier in Kreuzberg sofort auf. Ich bin hier nicht aufgewachsen, jeder Versuch, mich dem Kreuzbergdeutsch anzupassen, wäre zum Scheitern verurteilt. Die meisten sprechen entweder Türkdeutsch oder Berliner-Schnauzen-Deutsch oder irgend eine Mischform zwischen Szeneslang und dem, was sie für Englisch halten.

Ich versuchte auf die Unfallstatistik hinzuweisen: Falschfahrende Radfahrer werden sehr häufig in Unfälle verwickelt. Es ist eine der häufigsten Unfallursachen bei den Unfällen mit Todesfolge für den Radfahrer. Ich gab zu bedenken: „Ich kenne die Statistiken der Polizei. Demnach führt das Fahren auf nicht freigegebenen Teilen des Straßenlandes sehr häufig zu Unfällen mit Verletzten.“

Na, das sah der gute Hundehalter ein. „Dann bin ich ein potenzieller Unfallherd“, erwiderte er gutmütig. Sprach’s und fuhr weiter. In Gegenrichtung auf dem Gehweg neben dem Radweg. Mit dem guten Hunde unangeleint nebenher. Gelassen läuft’s.

Das nenne ich die Verinselung des Bewusstseins: Jeder hält das, was er gerade tut, für das Beste und das Richtige. „Bei uns ist das so. Wir sind die Berliner.“ Es herrscht der allesumschlingende Konformismus der Faktizität! Den jeweils anderen wird Ahnungslosigkeit vorgeworfen.

Ich habe wieder etwas gelernt. Allerdings werde ich weiterhin in aller Bescheidenheit dafür eintreten, dass die Radfahrer sich an die Straßenverkehrsordnung halten. Tut mir leid, Jungs! Auch wenn ich kein Berliner bin, sondern bloß ein aus Süddeutschland vor 30 Jahren zugewanderter Migrant. Und die Botschaft, die ich aus dieser Frage „Sind Sie wirklich Berliner?“ heraushöre, ist: „Sie haben keine Ahnung, was MAN in Berlin macht!“

Ganz ähnliches berichtet die Berliner Polizei laut heutiger Morgenpost:

Kult-Räder Fixies – Diese Fahrräder sind wilder, als die Polizei erlaubt – Lifestyle – Berliner Morgenpost
Rainer Paetsch, bei der Berliner Polizei für Verkehr zuständig, regt diese Einstellung auf: „Bei einigermaßen durchschnittlicher Intelligenz muss klar sein, dass ein Rad gänzlich ohne Bremsen im dichten Großstadtverkehr extrem gefährlich ist.“ Neben Sportwagen, Motorrädern und zahllosen Rollern stehen in einer riesigen Halle der Berliner Polizei deshalb inzwischen auch 17 Fixies.
Fahrradkurier Adam hält nichts von dieser Gefahrenanalyse. „Die Polizei fährt diese Räder nicht. Deswegen haben sie davon auch keine Ahnung“, meint er.

 Posted by at 11:58