Apr. 272013
 

Das Label Silvio Meier hat kaum noch etwas mit meinem ermordeten Freund zu tun.

So schreibt Dirk Moldt, ein Freund des Erstochenen, in der taz. In der Tat, Moldt hat recht. Silvio Meier, der kämpferische Unerschrockene,  hätte dergleichen ersatzreligiösen Opferkult vermutlich empört zurückgewiesen, wie er ihm nun wider Willen widerfährt. Die Umbennung der Gabelsbergerstraße in Silvio-Meier-Straße ist wirklich autozelebratorische Symbolpolitik vom Allerfeinsten. Man könnte auch sagen: Sie ist ein klarer Triumph der Anti-Hitler-Koalition, ein Sieg des ritualisierten Opfergedenkens im grünroten Friedrichshain-Kreuzberg, einer bundesweit bestens ausgewiesenen Hochburg der politisch maskierten, politisch grundierten Gewalt. Friedrichshain-Kreuzberg ist wirklich ein Saatbeet der zum Rechtsbruch geneigten politischen Extremismen. 

Zugleich ist die Straßenumbenennung eine Legitimation für die Fortsetzung des – mitunter gewaltsamen – nachgeholten antifaschistischen Kampfes gegen Mussolini, Hitler, Franco und Metaxas. Was die Deutschen in Deutschland – im Gegensatz etwa zu den Polen – zu Lebzeiten Mussolinis, Lenins, Hitlers, Lenins, Stalins, Maos, Metaxas‘, Francos, also zu Lebzeiten der „großen“ Diktatoren  nicht zustande brachten, nämlich eine breit aufgestellte, organisierte Widerstandsbewegung gegen die italienischen Faschisten, deutschen und österreichischen Nationalsozialisten, Rassisten, Hitleristen, Stalinisten, Nationalkommunisten, Bolschewisten … e tutti quanti im eigenen Lande, das holen die Antifaschisten der neuesten Stunde nunmehr nach. Sie alle, die Hitlergegner, die ein paar Jahrzehnte nach Hitler kommen, setzen sich mit der Silvio-Meier-Straße ein Denkmal der eigenen Großartigkeit.

Man darf darauf warten, wann in Kreuzberg auch einer der zahlreichen in den letzten Jahren praktisch vor unseren Augen ermordeten türkischen Kreuzberger Frauen erstmals durch Straßenumbenennungen gedacht wird. Der von der BVV geforderten Frauenquote im Friedrichshain-Kreuzberger Straßenland täte es gut!

Der von mehreren Zeugen eindeutig identifizierte Mörder der Klientin von Seyran Ateş lebt oder lebte nach seinem Freispruch angeblich unbehelligt im schnuckeligen Kreuzberg. Der Mord geschah in Kreuzberg, hier um die Ecke am U-Bahnhof Möckernstraße.  Und einige andere Morde an türkischen Frauen, von denen niemand etwas wissen will, ebenfalls.

via Straße für Silvio Meier: Das Leben toter Helden – taz.de.

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Der Euro untergäbt das Vertrauen der Bürger in die EU

 Bundestagswahlen, Europäische Union  Kommentare deaktiviert für Der Euro untergäbt das Vertrauen der Bürger in die EU
Apr. 262013
 

Die Bürger laufen der EU in Scharen davon. Das finde ich niederschmetternd, wenn auch erklärlich.

Schön, dass ausgerechnet das größte EU-Land, das den Euro nicht eingeführt hat, nämlich Polen, der EU noch am meisten Vertrauen entgegenbringt!  Eine neue Umfrage des Eurobarometers, eines Organs der Europäischen Kommission, zeigt: An der Gemeinschaftswährung Euro haftet kein Vertrauen. Ausgerechnet der Euro gilt bei den EU-Bürgern als entscheidender Quell des Misstrauens.

Ich meine: Man muss den Euro als pragmatische Frage sehen. Am Sinn der EU insgesamt werden kaum Zweifel geäußert – ganz im Gegenteil! Die Euro-Politik sät diese Zweifel an der EU insgesamt doch mehr als alles andere. Gerade diejenigen, die die Einheitswährung als sekundär, als prinzipiell verzichtbar betrachten, könnten schon in wenigen Monaten, etwa bei der Bundestagswahl, als die klügsten Befürworter und Stützer der Europäischen Union dastehen!

 

Einziger Lichtblick für EU-Anhänger dürfte Polen darstellen, da es hier mehr Menschen gibt, die der EU vertrauen, als solche, die ihr misstrauen. Und es geben immer noch 48 Prozent der polnischen Befragten an, der EU zu vertrauen. Allerdings waren das vor fünf Jahren noch 68 Prozent.

via Schuldenkrise : Die Europäer verlieren das Vertrauen in die EU – Nachrichten Politik – Ausland – DIE WELT.

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Die Ehe zwischen Weib und Mann: die perfekte 50%-Quote!

 Familie, Frau und Mann, Friedrichshain-Kreuzberg, Hebraica  Kommentare deaktiviert für Die Ehe zwischen Weib und Mann: die perfekte 50%-Quote!
Apr. 252013
 

Leidet Ihr sehr unter der geringen Frauenquote in Kreuzbergs Straßennamen, oh ihr Kreuzberger Frauen?“, so frage ich gelegentlich süffisant lächelnd meine Kreuzberger Bekanntschaften und Verwandtschaften.

„I wo! O ihr schwatzhaften Männer und Frauen!“, antworten die ausländischen, die migrantischen, die multikulturellen   Frauen. „Kümmert euch um eure Familien statt um die läppischen Zauseleien der BVV und der Kreuzberger Lokalpolitik!“

„Männer, erzieht eure Söhne und Töchter zusammen mit den Frauen! Haut nicht ab in die Politik! Verhindert Gewalt und Unterdrückung der Kreuzberger Frauen, pflegt eure greisen Eltern, o ihr Multi-Kulti-Männer, zeugt Kinder, ihr Männer,  und zieht diese groß zu anständigen, tüchtigen, liebevollen Männern und Frauen!“

„Das Entscheidende ist doch, dass die Institution mit der perfekten 50%-Frauen-Quote gehegt und gepflegt wird: die Ehe zwischen Weib und Mann, zwischen Mann und Weib! Die reicht an die Gottheit an!“

Brauchen wir die 50%-Quote in der Ehe? Ich denke ja. Herrlicher Kompromiss pro matrimonio, pro egalitate mulieris ac viri in der BVV meines Heimatbezirks, während ich mal wieder im fernen Ausland weile. Gut gemacht, Mädels und Jungs, lasst Euch bloss nicht vom SPIEGEL der WELT auslachen!

Der Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz-BVV-Benennungsbeschluss ist ein überragendes Monument pro matrimonio und pro familia, für die Ehe zwischen Mann und Weib, für die Familie als Keimzelle der Gesellschaft, wie sie das Judentum (und auch das Christentum und der Islam) lehrt. Ein klarer Hinweis auf den überragenden Rang, den das gesamte Judentum ohne echte Ausnahmen  über 3 Jahrtausende hinweg der Ehe zwischen Mann und Weib und daraus entspringend  der Mischpocha, der Familie einräumt.

Das Judentum – egal ob orthodox, säkular, atheistisch oder aufklärerisch -,  hat stets die jungen Männer und Frauen ermuntert, ja dringend aufgefordert zu heiraten, Kinder zu zeugen und sich der Pflege der greisen, pflegebedürftigen  Eltern und Erziehung der unmündigen, hegebedürftigen Kinder zu widmen.

Genau dasselbe fällt mir ein, wenn ich mal wieder den schwarzen Block der jungen Männer sehe, die da mit verhüllten Gesichtern, Steine wurfbereit in Händen haltend gegen  Vater Staat  kämpfen.

BVV Fri-Kre, tov me’od! Gut so!

Danke, danke liebe BBV, toda rabah!

Jüdisches Museum: Grüne akzeptieren Namenskompromiss für Platz – SPIEGEL ONLINE.

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Apr. 232013
 

Jetzt nehmen Sie doch bitte die Deutschlandfahne weg!“ So oder so ähnlich hört man es immer wieder in Deutschlands Straßen, ja selbst in Deutschlands neugegründeten Parteien. Kein Zweifel: Ein Bekenntnis zur deutschen Nation, zum deutschen Grundgesetz (nichts anderes ist ja das Bekenntnis zur deutschen Fahne), wie es beispielsweise viele Russlanddeutsche, viele Neue Deutsche wie etwa Cem Özdemir oder Fatih Cevikkollu oder meine lieben Neuköllner Araber und Libanesen ablegten, ist in Deutschland nicht erwünscht.

Merke: Ein Bekenntnis zur Bundesrepublik Deutschland oder auch zur deutschen Sprache gilt in Deutschland als unverzeihlicher  Tabubruch. Aber: Schön von den Bündnisgrünen, dass sie unseren Kreuzberger Mitschwaben Cem Özdemir an hervorgehobener Position noch (hüstel hüstel!) grummelnd tolerieren, auch wenn Özdemir leider bei den Kreuzberger Grünen als Kandidat für den nun frei werdenden Bezirksbürgermeisterposten keinerlei Chance hätte, zumal er bisher kein flammendes Bekenntnis gegen übermannshoch geflieste Wannenbäder in der Oranienstraße abgelegt hat und den Drogensüchtigen in seinem privaten Wohnhaus keinen Freiraum einräumen wollte.

Merke: Die Fahne der Bundesrepublik Deutschland, die Fahne des Grundgesetzes ist out, ist NICHT angesagt in Deutschland! ABER: Die türkische Fahne ist vermehrt angesagt in Deutschland. Noch weit stärker als der deutsche Antinationalismus ist seit einigen Jahren der türkische Nationalismus in Deutschland. So war es noch vor 10 oder 20 Jahren undenkbar (oder ich habe es nicht gesehen), dass die fröhlich hupenden Hochzeitskorsos all der Kreuzberger BMWs und Neuköllner Merzedesse mit türkischen Nationalflaggen geschmückt wären. Heute ist es bei uns in Kreuzberg schon fast die Regel! Türkische Hochzeiten in Deutschland werden selbstverständlich im Zeichen der türkischen Nationalflagge gefeiert.

Ergebnis: Man soll und darf in Deutschland – außer bei WM- und Europameisterschaftsspielen der Nationalmannschaft – kein Bekenntnis zur Bundesrepublik Deutschland (in Gestalt ihrer Fahne) ablegen, man soll und darf in Deutschland aber sehr wohl ein Bekenntnis zur türkischen Flagge ablegen.

Es lebe die türkische Republik! Das ist die Devise, unter der sehr viele junge Türken, die in Deutschland leben, in Deutschland heiraten.

Auch der gebührenfinanzierte staatliche Fernsehsender rbb zeigt heute stolz und triumphal die türkische Nationalflagge vor der Berliner Gedächtniskirche und verkündet stolz die Verurteilung Deutschlands (nicht Sarrazins!) als rassistischen Staates durch die UNO! Kuckstu ma hier auf den Link unten:

Türkische Fahnen vor Berliner Gedächtniskirche (dpa-Archivbild)

Die Aussagen Sarrazins zu Türken in Deutschland wurden als rassistisch bewertet

Die Entscheidung des UN-Ausschusses geht auf eine Beschwerde des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg (TBB) zurück. Dieser und mehrere Einzelpersonen hatten nach Erscheinen des Interviews Strafanzeige gegen Volksverhetzung und Beleidigung gestellt. Das Ermittlungsverfahren gegen Sarrazin wurde eingestellt, zu einer strafrechtlichen Anklage kam es daher nicht. Daraufhin hatte der TBB eine Beschwerde beim UN-Antirassismus-Ausschuss eingereicht.

via UN: Deutschland soll sich zu Sarrazin-Urteil äußern | rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg.

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„Ergreift endlich Verantwortung – gestaltet den Wandel“ … genau das ist der ominöse Wertkonservatismus!

 Das Gute, Italienisches, Konservativ, Tugend, פרקי אבות  Kommentare deaktiviert für „Ergreift endlich Verantwortung – gestaltet den Wandel“ … genau das ist der ominöse Wertkonservatismus!
Apr. 222013
 

Speriamo che ognuno faccia il suo dovere – wir hoffen, dass jeder seine Pflicht erfüllen möge.

Baff erstaunt kann man über die neuesten Reden von Giorgio Napolitano sein – etwa die vom heutigen Tage!  Und doch sind sie nur ein weiterer Beleg für den tiefgreifenden Wertewandel, den ganz Italien unter unseren Augen in den letzten Jahrzehnten seit etwa 1990 durchlebt hat. Ich erinnere mich noch an Napolitano, als er noch Kommunist innerhalb der KPI war. Beim Einmarsch der Sowjets 1956 in Ungarn verteidigte er die Panzer noch als Wahrer des Friedens. Später kämpfte er für Solidarität mit der Arbeiterklasse, für den Wandel des Kommunismus hin zum „Eurokommunismus“, einer menschenfreundlichen Spielart des Kommunismus, an die damals vor allem Intellektuelle in den kapitalistischen Ländern Süd-Europas und Westberlins glaubten.

http://it.wikipedia.org/wiki/Giorgio_Napolitano

Heute vertritt er  im Grund einen Wertekonservatismus reinsten Wassers, wie ihn bei uns in Deutschland selbst keine CDU-Politikerin mehr zu äußern wagen würde! Von „gesellschaftlicher Ungerechtigkeit“, vom einfühlsamen Sozialstaat, von der Benachteiligung der Arbeiterklasse, von Frauenquoten und derlei phantastischen Gebilden ist nicht mehr die Rede.

Statt dessen geht es heute in Italien um Ehrlichkeit, Anstand, Verlässlichkeit, Fähigkeit des Zuhörens, des Miteinander-Redens, es geht um Gemeinsinn, Bürgersinn, Rechtstreue, Rechtsstaatlichkeit, Pflichterfüllung, Liebe und Treue zum Vaterland Italien, Einheit der Nation, Familie, Stärkung der Institutionen, Mitgefühl mit den Menschen, denen es weniger gut geht. Es geht nicht um den Kampf gegen die Ausbeutung des Menschen, es geht nicht um strukturelle Transformation der Gesellschaft oder der Wirtschaft.

 

Gut gefällt mir auch, dass in Italien kaum mehr alle Schuld auf den mehrfach gewählten früheren Ministerpräsidenten Berlusconi geschoben wird, wie das einige unverbesserliche deutsche Politiker leider bis in jüngste Zeit getan haben. Das Schwarze-Peter-Spiel verfängt nicht mehr. Es zählen nunmehr in Italien auch und gerade für die ehemals linken oder kommunistischen Politiker wie Napolitano die Werte, die es schon gab, als wir alle noch nicht geboren waren. Es sind die zeitüberdauernden Werte der Menschheit, die man weder mit Panzern noch mit viel viel Geld durchsetzen kann. Diese Werte sind von den einzelnen Menschen, den einzelnen Parteien und Unternehmen vorzuleben. Es sind die Werte des individualethischen Denkens.

 Posted by at 22:22

Verantwortung ergreifen – den Wandel wollen und gestalten!

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Apr. 222013
 

Am Radio verfolge ich Ereignisse in Rom:

Kraftvolle,  von gesammelter Leidenschaft geprägte Antrittsrede des wiedergewählten italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano!  Worte, die nichts offen lassen, die nichts und niemanden verschonen!

Napolitano geißelt unumwunden Korruption, Schlendrian, Selbstbezüglichkeit der italienischen Politiker.

Die anwesenden italienischen Politiker klatschen ihm einmütig Beifall.

An Versäumnissen zählt er auf: Wahlrechtsreform, Verfassungsreform, Kampf gegen die Korruption, Senkung der Politikkosten. Überall beklagt er – Fehlanzeige!

Einen fundamentalen Mangel an Tatkraft, an bürgerschaftlichen Tugenden, die Italien einst zusammengeführt hätten, beklagt er. Dieser Mangel an Tugenden des Gemeinsinns führe zu einer Unterhöhlung der Institutionen, zu einer Lähmung der Reformfähigkeit, zur gegenseitigen Blockade.

Der überschwängliche Beifall der Versammlung – spontan mehr als 30 Mal gespendet – trägt ihn!

Jetzt kommt er zur Wirtschafts- und Finanzkrise, zu Europa! Auch hier stellt er seinem Vaterland kein gutes Zeugnis aus.

Dinamismo e solidarietà! Entfaltung der Kräfte im Geiste der Solidarität! Darin sieht er die Sendung Europas, der auch Italien genügen müsse.

Seine Forderungen: Ungenutzte Ressourcen – Jugendliche, Frauen – nicht zur Untätigkeit, zur Rückständigkeit verdammen! Institutionen des Staates handlungsfähig machen!

Volere il cambio – den Wandel wollen!

Den Süden aus der Rückständigkeit und der Verarmung herausziehen!

Das Internet bietet zahlreich Anknüpfungs- und Beteiligungsmöglichkeiten, aber nur politische Parteien, die endlich auch fähig zur Selbsterneuerung sind, können diese Einflüsse bündeln und artikulieren.

Dem neugewählten Parlament empfiehlt er, sich ein konkretes Programm mit klaren Zielen und Fristen zu setzen.

Napolitano geißelt jetzt die Scheu vor Koalitionen als Rückfall, als Regression in im Grunde politikfremde Radikallösungen, die das Denken in Alternativen unmöglich machen. Ein klares Votum für die Kunst der Vermittlung.

Ergreift die Verantwortung, werdet endlich verantwortlich – das ist letztlich der Dreh- und Angelpunkt seiner gesamten Rede.

Napolitano ist sichtlich getragen, auch mitgenommen von eigenen Emotionen.

Viva il Parlamento, viva la Repubblica, viva l’Italia!
Es lebe das Parlament, es lebe die Republik, es lebe Italien! So die letzten Worte.

Begeisterter Applaus der Versammlung.

Zweifellos eine packende, eine große Rede!

 

 

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Ježíš pro ateisty, oder: Was geht hier eigentlich ab?

 Samariter  Kommentare deaktiviert für Ježíš pro ateisty, oder: Was geht hier eigentlich ab?
Apr. 202013
 

2013-03-24 10.54.58

„Ježíš pro moderního člověka“ (původní název Ježíš pro ateisty), Jesus für den modernen Menschen (ursprünglicher Titel Jesus für Atheisten), das ist ein Buch, das ich gern geschrieben hätte, das allerdings bereits geschrieben worden ist, und zwar durch den tschechischen Philosophen Milan Machovec. Das Buch kenne ich nicht, habe es folglich auch nicht gelesen, kenne aber einige Christen, die Machovec kannten und mir von ihm  berichtet haben. Was könnte darin stehen? Machen wir doch ein kleines Experiment anhand einer beliebigen Streitfrage!

via Milan Machovec – Wikipedie.

Die kleine beliebige Frage laute für uns heute: Würde Jesus den von ihm erzählten barmherzigen Samariter als einen seiner Nachfolger annehmen?

Zweifellos würde Jesus den Samariter als seinen Nächsten annehmen und sich um ihn  kümmern, da die Nächstenliebe ja unterschiedslos und voraussetzungslos jedem Nächsten gilt.

Aber würde Jesus den barmherzigen Samariter auch als seinen Nachfolger – als „Christen“, wie wir heute aus Bequemlichkeit sagen – annehmen oder anerkennen? Keine leichte Frage! Die Samariter waren ja verrufen als religiös unsichere Kantonisten, zwar galten sie ethnisch („dem Blute nach“) als zum Volk Israel gehörig, aber sie hingen kulturell (also dem Kultritus nach) teilweise anderen Göttern an, ließen Götter der umliegenden und der zugewanderten ethnischen Gruppen meist gelten. Sie waren theologisch höchst unzuverlässig, sie waren dem Einen wahren Gott manchmal abtrünnig, sie standen mit dem wahren Volk Israel auf gespanntem Fuße, was Jesus allerdings nicht daran hinderte, von einer Samariterin einen Trunk aus dem Brunnen anzunehmen.

Kein Zweifel kann daran bestehen, dass die Samariter nach den Maßstäben der heutigen christlichen Kirchen keine Christen werden können, sofern sie nicht ihrem Fremdgötterglauben bzw. ihrem Atheismus abschwören und sich zurückbesinnen auf den Einen Gott des Abraham, Isaak und Jakob. Sie müssten sich erst einmal von einem Priester buchstäblich die Leviten lesen lassen. Sie müssten sich erst einmal taufen lassen und die Lehren der von ihnen erwählten christlichen Kirche bekennen. Ein 6 Monate dauernder Kurs dürfte in etwa ausreichen. Danach gölten sie dann in den Augen der Welt als „Christen“.

Anders würde wohl Jesus urteilen. Besser gesagt: Er würde gar nicht urteilen. Er hat nicht geurteilt. Er hat nur Nachfolge verlangt. Er hat konkrete Schritte statt eines ausgefeilten Bekenntnisses verlangt. Dem Schriftgelehrten, der ein Handlungsrezept zum ewigen Leben verlangte, hat er gar nichts versprochen. Er hat nur gesagt: „Mach das und du wirst leben.“ Er hat nicht gesagt: „Glaube das, was ich dich lehre, und du wirst ewig leben!“ Er verheißt dem Schriftgelehrten keinerlei Vergütung im Jenseits. Sondern er hat gesagt: „Mach das, was dich der Samariter lehrt, – und du wirst leben.“ Übersetzt: „Verlange nicht das ewige Leben, sondern fange an in der Wahrheit zu leben.“

Jesus sagt: Der Samariter ist näher dran am Liebesgebot als der viel frömmere Priester und der theologisch viel sattelfestere Levit.

Ich meine: Sofern der Samariter oder irgendein Mensch glauben sollte, über Jesus und über Jesus ganz entscheidend zur Wahrheit des Lebens zu gelangen, steht er in der Nachfolge Jesu Christi. Er wird somit im eigentlich Sinn zum Nachfolger und Stellvertreter Christi auf Erden. Die frei erwählte persönliche Nachfolge Christi, um „in Wahrheit zu leben“  – das ist das entscheidende Kriterium des Christseins, nicht das Bekenntnis zu Altar und Kirche, nicht ein „system of beliefs“, ein Gebäude von Lehren und Überzeugungen, wie es heute gerne – etwa von Edward Dawkins – als Definition von Religion in die Runde geworfen wird. Recht unerheblich, mindestens nachrangig  für die Nachfolge Christi ist auch die administrative Zugehörigkeit zu einer öffentlich anerkannten Institution.

Jesus verlangt: „Fange an in der Wahrheit zu leben, indem du mir nachfolgst.“ Es ist eine plötzlich aufscheinende Evidenz der Wahrheit, die den Menschen zum Christen macht, sofern er dies will und annimmt.

„Holla, was sagen Sie da? Also kann auch ein Atheist Christ sein oder werden?

Wer vermag dies zu beurteilen? Ein Mensch sicher nicht. Eines ergibt sich aber aus dem Zeugnis des Neuen Testaments meines Erachtens ohne jeden Zweifel: Diese Liebe Jesu wird voraussetzungslos und ohne jede Vorbedingung gelebt. Sie erstreckt sich auf Verbrecher und nicht straffällige Menschen, auf Gläubige, Lauwarme und Ungläubige gleichermaßen.

Paulus hat diese Erkenntnis  bei Damaskus erlebt. Der Norweger Karl Ove Knausgård, der hartgesottene Sohn des Jahres 1968, beschreibt es in seinem Buch „Lieben“ so:

Ich, der ich mich seit meiner frühen Jugend leidenschaftlich gegen das Christentum gewandt hatte und von ganzem Herzen Materialist war, hatte mich binnen einer Sekunde, ohne wirklich nachzudenken, erhoben, war den Mittelgang hinaufgegangen und hatte vor dem Altar gekniet. Es war eine spontane Eingebung gewesen. Und als ich diesen Blicken begegnete, konnte ich mein Verhalten nicht verteidigen, konnte ich nicht sagen, dass ich gläubig war, und senkte, leicht beschämt, die Augen.

Und kurz darauf berichtet der Autor aus einem Gespräch mir seiner Mutter über den fernen, abwesenden, schwierigen Vater, der sich von der Familie losgesagt hatte:

„Ich habe ihn wirklich gern gehabt, Karl Ove. Ich habe ihn geliebt.“

Das hatte sie noch nie gesagt. Nicht einmal ansatzweise. Ja, ich konnte mich nicht einmal erinnern, dass sie je zuvor ein Wort wie „lieben“ in den Mund genommen hatte. Es war erschütternd. Was passiert hier, dachte ich. Was passiert hier? Denn um mich herum veränderte sich etwas. Geschah es in mir, so dass ich nun etwas sah, was ich vorher nicht gesehn hatte, oder ging es darum, dass ich etwas in Gang gesetzt hatte?

In ihm geschah etwas, was er vorher nicht gesehen hatte, und was ihn erschütterte!

Ihr seid näher dran als wir, Milan und Karl Ove!

Milan Machovec: Ježíš pro moderního člověka. Orbis, Praha 1990. Akropolis, Praha 2003

Karl Ove Knausgård: Lieben. Roman. Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Luchterhand Verlag, München 2012, S. 582 und S. 762

Richard Dawkins: The God Delusion. Black Swan edition, London 2007

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„Dass alles so bleibt, wie es ist.“ – Aber ist dies möglich?

 Angst, Friedrichshain-Kreuzberg, Gerhart-Hauptmann-Schule, Görlitzer Park, Grünes Gedankengut, Konservativ  Kommentare deaktiviert für „Dass alles so bleibt, wie es ist.“ – Aber ist dies möglich?
Apr. 202013
 

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Dass alles so bleibt wie es ist“ – mit diesem Wunsch für den von ihm regierten Bezirk  wird der scheidende Bürgermeister Franz Schulz in einem großen Porträt in der gestrigen WELT auf S. 31 zitiert.

Ein wahres Wort! Verhinderung des Wandels, Bewahren des Status quo, Einhegen und Einhausen der Gegenwart, Vertreibung der bösen Außenwelt – genau dies meinte ich als Grundzug der grün-roten Bezirkspolitik zu erkennen.

Mein Grundgefühl nach langjähriger Abwesenheit aus Kreuzberg war 2002 bei der Rückkehr aus südlichen Ländern: Seit 20 oder 30 Jahren sind hier in Friedrichshain-Kreuzberg  dieselben Ideen am Herrschen. Es hat sich eine Art große Kita für Erwachsene gebildet, die sich selbst am Leben erhält. Und so sieht es auch in vielen Straßen aus: Kinderhände von Erwachsenen bemalen Wände und Dächer (z.B. mit „Deutschland verrecke“) mit bunter Farbe, – und die grünrote Politik findet es gut. Kinderfüße von Erwachsenen betreten ein ehemaliges Krankenhaus (Bethanien), eine leerstehende Schule und sagen: „Wir wohnen  hier, das ist jetzt unseres!“ Und die grünrote Politik unter Bürgermeister Schulz findet es gut.

Große Magistralen wie die Skalitzer Straße oder das Tempelhofer Ufer bleiben weiterhin für den Radverkehr eine lebensgefährliche Zone – damit sich nichts ändert!

Alles, was Änderung bedeuten könnte, wird misstrauisch beäugt und bei Bedarf verboten: Einbauküchen, Doppelwaschbecken, übermannshoch geflieste Bäder, scheingoldene Wasserhähne. Und deswegen ändert sich nichts. Denn alles soll so bleiben, wie es ist.

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Aber ist dies so? Lässt sich die Zeit zum Stillstand zwingen? Nein!   Ein kurzer Gang über den Görlitzer Platz bestätigt dies (siehe Bild). Dort hat sich über die Jahre hin ein offener Drogenmarkt entwickelt. Noch vor einem Jahr standen dort tagsüber stets etwa 20-30 Drogenhändler herum und boten mir, ob ich wollte oder nicht, ihre Ware an. Vor zwei Wochen, an einem der letzten wirklich kalten Tage dieses Winters, war ich wieder mal dort – na, und was soll ich Euch sagen:  Jetzt sind es schon 80-100 Drogenhändler, die dort ihre Ware offen anbieten. Lauter junge, kräftige, kerngesunde Männer auf der Suche nach Arbeit. Es gibt also durchaus Wachstum und Wandel in Friedrichshain-Kreuzberg!

Der SPIEGEL brachte vor 2 Wochen unter dem Titel „Endstation Görli“ einen mehrseitigen Bericht über den offenen Drogenhandel auf dem Görlitzer Platz: „Hier verschwinden jede Woche Menschen.“ Erste Morde sind hier auf dem liebevoll Görli genannten Fleckchen Erde auch schon passiert, denn der Markt wird enger. Revierkämpfe brechen aus, das Territorium wird abgesteckt.

In Süditalien habe ich dies genau so beobachtet, Roberto Saviano hat dies in seinen Büchern beschrieben: In Neapel und der Campagna existiert ein derartiges  fest verwurzeltes Drogenhandelsnetz schon seit Jahrzehnten, wie es gerade hier in Kreuzberg unter unseren Augen und mit Billigung der Politik kräftig wächst und gedeiht. Und das Geld, das die jungen kräftigen Männer erwirtschaften? Treibt die vielen aufsprießenden Spielsalons in Kreuzberg an!

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Nur 200  Meter vom offenen Drogenumschlagsplatz entfernt liegt die stillgelegte Schule, von der mit Billigung von Bürgermeister Schulz die Flüchtlingsinitiativen Besitz ergriffen haben (siehe Bild). Zwischen dem Görli und der Schule herrscht ein reges Kommen und Gehen.

Klar, Familien mit kleinen Kindern verlassen die Gegend um den Görli. Welches artige Kreuzberger Kid würde denn schon Tag um Tag den gutgemeinten Angeboten der freundlichen jungen Männer am Görli widerstehen können?

Kein Wunder, dass so viele Familien die Flucht aus Kreuzberg ergriffen haben.

Mein Ergebnis: Der Wandel lässt sich nicht durch Verbote von renovierten Toiletten, Wannenbädern oder übermannshoch gekachelten Bädern aufhalten. Er kommt sowieso – und zwar oft zum Schlechteren hin. Die Mieten steigen unter Grün-Rot in Friedrichshain-Kreuzberg genau so stark oder stärker als in anderen Innenstadtbezirken, die Zahl politisch motivierter Straftaten ist unter Grün-Rot sogar am allerhöchsten unter den 12 Berliner Bezirken. Viele Plätze gleichen Müllkippen, die Umwelt leidet sehr unter Grün-Rot.

Die Dauerherrschaft von Grün-Rot hat den Bezirk in eine Sackgasse geführt – wobei den Politikerinnen als Einzelmenschen durchaus edle Absichten zu unterstellen sind.

Sinnvoll wäre es, den Bezirk neu zu erfinden: Warum nicht mal ernsthafte Schritte zum Umweltschutz, etwa zur Förderung des Radverkehrs unternehmen, statt Heizpilze zu verbieten – und dann doch den eigenen Privat-PKW zu nutzen?

Warum nicht leerstehende Schulen für eine kirchliche Schule oder eine Privatschule öffnen? Warum nicht Schulen zu Schulen machen, warum nicht die Straßen für den Radverkehr und die Fußgänger umgestalten? Warum nicht ein sinnvolles Tourismus-Konzept entwickeln, statt Ferienwohnungen zu verbieten? Verbieten, verhindern, verweigern – und ansonsten ausschließlich jungen, kräftigen Männern das Feld zu überlassen, die ihren eigenen kriminellen Mikrokosmos schaffen  – das kann doch keine Politik sein?

Warum nicht einen für Kinder, Frauen, Ausländer, Schwaben, Touristen, Alte, Benachteiligte, Demente, Behinderte lebenswerten  städtischen Raum schaffen, statt leerstehende Schulen und vermüllende Plätze für junge, starke, alleinstehende Drogenhändler zu reservieren?

Bürgermeister Franz Schulz gibt Amt ab – Nachrichten Print – WELT KOMPAKT – Berlin – DIE WELT.

Maximilian Popp: Endstation Görli. Der SPIEGEL 14/2013, S. 38-41

http://magazin.spiegel.de/reader/index_SP.html#j=2013&h=14&a=91768486
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Vorurteile bekämpfen, rassistische Behauptungen verbieten!

 Rassismus  Kommentare deaktiviert für Vorurteile bekämpfen, rassistische Behauptungen verbieten!
Apr. 192013
 

Nach einer Umfrage der türkischen Universität Kirikkale bei 3500 Türken befürworten 62% der türkischen Männer Gewalt und Schläge gegenüber Ehefrauen.

Dazu würde passen, dass wir hier in Kreuzberg in meinem unmittelbaren räumlichen Umfeld in letzter Zeit mehrere Morde von türkischen Ehemännern an ihren Ehefrauen zu beklagen hatten. Der Anschlag auf Seyran Ates und ihre Klientin und der tödliche Anschlag auf Semanur S. geschahen in einem Umkreis von 1 km. Kein Stolperstein erinnert daran, die Presse nahm kaum Notiz davon, es gibt keine Demos gegen frauenfeindliche Gewalt, diese angekündigten Morde an türkischen Frauen haben wenig Aufmerksamkeit gefunden. Der deutsche Staat kann oder mag die türkischen Frauen offenbar nicht umfassend vor Gewalt und Unterdrückung durch die Männer der Familien schützen.

Herrscht bei Türken ein anderes Verhältnis zur Gewalt, wie dies etwa auch der Kreuzberger Cem Özdemir behauptet? Sind türkische Männer wirklich gewalttätiger gegenüber Frauen als deutsche Männer?

Ich mag es nicht annehmen!

Was sagen die Umfragen, was sagen die Kriminalstatistiken zur Gewalt türkischer Männer, vor allem: was sagen die türkischen Frauen?

Kann man sagen: „Die türkische Universität Kirikkale ist aber so was von RASSISTISCH, denn sie fördert Vorurteile und Ausgrenzung gegenüber türkischen Männern. So als ob die Mehrheit der türkischen Männer Gewalt gegenüber den Ehefrauen befürwortete! DAGEGEN sollte der TBB mal klagen!“
Türkischer Bund Berlin Brandenburg: Klagt nach Sarrazin bitte die Universität Kirikkale bei der UNO an!

http://www.welt.de/vermischtes/article115427763/Tuerken-halten-Gewalt-gegen-Frauen-fuer-notwendig.html

 

 Posted by at 22:25

„Erwidere eine üble Tat mit etwas Besserem!“

 Das Gute, Positive Kommunikation, Türkisches  Kommentare deaktiviert für „Erwidere eine üble Tat mit etwas Besserem!“
Apr. 182013
 
Ich finde die vom TBB erwirkte Rüge der UN-Stelle gegen Deutschland sehr ärgerlich. Die Vorstellung des TBB, dass der Staat seine Bürger gerichtlich  vor seiner Meinung nach gefährlichen Meinungen schützen müsse, führt zur Gesinnungssschnüffelei, zu Duckmäusertum, zur Schere im Kopf. Sie ist einer freiheitlichen Demokratie unwürdig. Der TBB fährt eine sehr gefährliche Strategie, nämlich die, die Türkei selbst und das Ausland zunehmend gegen Deutschland in Stellung zu bringen.  Das Ganze scheint darauf hinauszulaufen, dem deutschen Staat seine Unfähigkeit nachweisen zu wollen, die türkische Volksgruppe zu schützen, so dass dann irgendwann  die Türkei, also die Schutzmacht der türkischen und der muslimischen Volksgruppe, sich einmischen müsse. Dem sollten alle besonnene Menschen entgegenwirken!
Diese nationalistische Strategie des TBB kann nur Zwietracht und Unfrieden säen, statt endlich einmal etwas Positives dagegen zu stellen, wie es der Prophet in Sure 41, Vers 34 ausdrücklich anempfiehlt. "Erwidere eine üble Tat mit etwas Besserem!" Warum nicht mal statt über Sarrazin zu hetzen und petzen mit Sarrazin friedlich und freundlich diskutieren - ? Wie wär's mit einem nachgeholten Geplauder im Hasir? Man isst sehr gut dort!

Rassismus-Vorwürfe: SPD, Grüne und Linke loben UN-Rüge im Fall Sarrazin – Berlin – Tagesspiegel.

 Posted by at 22:23
Apr. 182013
 

Wenn ich mit russischen Kindern spreche,  belehren sie mich gern, dass der 2. Weltkrieg im August 1941 mit dem Angriff Deutschlands auf Russland begonnen habe. Dass die Sowjetunion („Russland“) am 17. September 1939 Polen angegriffen und überrannt hat, ist im Westen Europas und in Russland noch nicht überall durchgesickert. Der britische Historiker Norman Davies räumte bereits 1996 der These, dass Italien am Karfreitag, 2. April des Jahres 1939, mit seinem Überfall auf Albanien den eigentlichen Auslöser für den europäischen Teil des Weltkriegs geliefert habe, eine gewisse Plausibilität ein. In jedem Fall steht fest, dass bereits seit 1931 in Ostasien eine Kette militärischer Konflikte ausgetragen wurde, die erst im Spätsommer 1945 zu Ende kamen.

Beleg:
Norman Davies, Europe. A history, London 1997, S. 991-998

Eine dritte These über den Auslöser oder den Beginn des 2. Weltkrieges wird bei Historikern diskutiert, die die germanozentrische, ja vor allem die eurozentrische Sichtweise auf den Weltkrieg durchbrechen. Demnach habe der 1935 ins Werk gesetzte Überfall Italiens auf  das damalige Abessinien den 2. Weltkrieg entscheidend ausgelöst. Darüber schreibt Heinrich Oehmsen in der Welt vom 17.04.2013:

„Wir Europäer haben gelernt, dass der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem Überfall der Nazi-Truppen auf Polen begann und am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation Deutschlands endete. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Sozialwissenschaftlern und Historikern, die dieser eurozentrischen Sicht widersprechen.

Für sie hat der Weltkrieg bereits 1935 in Afrika begonnen, als Italien das heutige Äthiopien angriff und 1936 annektierte. In Asien startete Japan im Juli 1937 eine Invasion in China, die bis zum September 1945 andauerte und in deren Folge 14 Millionen Chinesen den Tod fanden.“

via Erschreckende Fakten : Die „weiße Sicht“ auf den Zweiten Weltkrieg – Nachrichten Regionales – Hamburg – DIE WELT.

Eines scheint klar: Bei keinem dieser Angriffe – ob nun den italienischen Angriffen auf Äthiopien und Albanien, den deutschen Angriffen auf Polen oder die Sowjetunion, dem polnischen Angriff auf die Sowjetunion von 1920, den sowjetrussischen Angriffen auf Polen oder die baltischen Staaten von 1939/40 taten die Führer dies im Bewusstsein: „Und jetzt beginnt der 2. Weltkrieg.“ Kriege zwischen den Staaten waren in Europa nach 1919 eine sehr alltägliche Erscheinung, es gab zwischen 1918 und 1939 kein einziges Jahr, in dem nicht irgendwo in Europa ein regional begrenzter Krieg geführt wurde. Etwa ab 1935, spätestens ab 1939 jedoch erweiterten sich die regional begrenzten Kriege zu einem einzigen ineinander verflochtenen Weltkrieg.

Erst nach dem 8. Mai 1945 setzte sich die Meinung durch, dass der 2. Weltkrieg vom 1.9.1939 bis zum 8.5.1945 gedauert habe und dass Deutschland der einzige Schuldige für den „Ausbruch“ des 2. Weltkriegs sei. Dies ist bis heute überall die allgemein anerkannte Deutung, von den Historikern abgesehen.

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„Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“ Eine TBB – Presseerklärung im Original

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Apr. 182013
 

TBB – Presseerklärung

18.04.2013

 

 

„Rassismus ist keine Meinungsäußerung, Rassismus ist ein Verbrechen.“
Catherine Trautmann, ehemalige Bürgermeisterin von Strasbourg und Pressesprecherin und Kulturministerin der Regierung Mitterand

 

18.04.2013 – Presseerklärung
UN – ANTIRASSISMUS AUSSCHUSS (CERD) RÜGT DIE BUNDESREPUBLIK IM „FALLE SARRAZIN“

Die Beschwerde des TBB wurde positiv entschieden: Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Thilo Sarrazin verletzt UN-Antirassismus-Konvention

 

Der TBB-Sprecher Hilmi Kaya TURAN erklärte:

 

„Dies ist eine historische Entscheidung. Der CERD-Ausschuss hat festgestellt, dass die Äußerungen Herrn Sarrazins auf einem Gefühl rassischer Überlegenheit oder Rassenhass beruhen und Elemente der Aufstachelung zur Rassendiskriminierung enthalten.
Der CERD-Ausschuss hat festgestellt, dass trotz vorhandener gesetzlicher Bestimmungen Umsetzung der Bestimmungen des Übereinkommens in der Bundesrepublik in der Praxis unzureichend ist. Der Ausschuss hat die Bundesrepublik aufgefordert, entsprechend zu handeln. Außerdem hat der Ausschuss implizit eine entsprechende Schulung der Staatsanwält_innen und Richter_innen empfohlen.  Wir erwarten von der Bundesregierung, dem Bundestag und den Landesregierungen, dass die CERD-Empfehlungen ohne Verzögerung umgesetzt werden.“

 

Vorgeschichte:


Nach dem Interview des Bundesbankers Theo Sarrazin in der Zeitschrift „Lettre International“ im Herbst 2009 hatte der TBB Strafantrag wegen Volksverhetzung und Beleidung bei der Berliner Staatsanwaltschaft gestellt. Das Verfahren wurde aber eingestellt, der Widerspruch blieb erfolglos. Daraufhin wandte sich der TBB an CERD (UN-Antirassismus-Ausschuss). Die Entscheidung des Ausschusses ist am 4.4.2013 erfolgt:
„Der Ausschuss kommt daher zu dem Schluss, dass das Versäumnis einer effektiven Untersuchung …. durch den Vertragsstaat .. eine Verletzung der Konvention (über die Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung) darstellt.“


Zusammenfassung der Entscheidung des UN-Anti-Rassismus-Ausschusses (CERD) vom 4.4.2013 aufgrund des Internationalen Übereinkommens vom 21. Dezember 1965/7. März 1966 zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt 1969 II 961

 

a. Feststellungen der CERD
– Der TBB ist antragsberechtigt
– Das Sarrazin-Interview verletzt CERD-Bestimmungen
– Der Ausschuss urteilt, dass Herrn Sarrazins Äußerungen eine Verbreitung von Auffassungen, die auf einem Gefühl rassischer Überlegenheit oder Rassenhass beruhen, darstellen und Elemente der Aufstachelung zur Rassendiskriminierung entsprechend der Konvention enthalten.

– Im Sinne der Konvention ist nicht ausreichend, Akte der Rassendiskriminierung lediglich auf dem Papier als strafbar zu erklären. Vielmehr müssen Strafgesetze und andere gesetzliche Bestimmungen, die Rassendiskriminierung verbieten, effektiv von zuständigen nationalen Gerichten und anderen Staatsinstitutionen umgesetzt werden.

– Der Ausschuss kommt zu dem Schluss, dass das Versäumnis einer effektiven Untersuchung der Äußerungen Herrn Sarrazins durch den Vertragsstaat (Bundesrepublik Deutschland) eine Verletzung der Konvention dargestellt hat.

– Die fehlende strafrechtliche Verfolgung von Herrn Sarrazin entspricht einer Verletzung der Konvention, da die nationale Rechtsprechung zu eng ausgelegt wurde.

– Die Bundesrepublik Deutschland hat nicht alle CERD-Bestimmungen in innerstaatliches Recht umgesetzt (§§ 130 Volksverhetzung & 185 Beleidigung StGB werden nicht entsprechend der Konvention angewandt)
– Die staatlichen/judikativen Instanzen setzen die Gesetze nicht gemäß den CERD-Bestimmungen um

b. Empfehlungen der CERD
– Der Vertragsstaat ist angehalten, die Entscheidung des Ausschusses breit bekannt zu geben, auch unter Staatsanwälten und Justizorganen.

– Der Ausschuss empfiehlt, dass der Vertragsstaat im Sinne seiner Verpflichtungen seine Richtlinien und Verfahren im Zusammenhang mit der strafrechtlichen Verfolgung in Fällen angeblicher Rassendiskriminierung überprüft, die in der Verbreitung von Auffassungen besteht, die auf einem Gefühl der rassischen Überlegenheit oder Rassenhass beruhen sowie in der darauf basierenden Aufstachelung zur Diskriminierung.
– Die Bundesrepublik soll ihre Richter_innen und Staatsanwält_innen im Sinne der CERD-Bestimmungen schulen

c. Der Ausschuss verlangt, innerhalb von 90 Tagen vom Vertragsstaat über die Maßnahmen informiert zu werden, die er unternimmt, um die Entscheidung des Ausschusses umzusetzen.


Doch Intoleranz und Rassismus äußern sich keineswegs erst in Gewalt. Gefährlich sind nicht nur Extremisten. Gefährlich sind auch diejenigen, die Vorurteile schüren, die ein Klima der Verachtung erzeugen. Wie wichtig sind daher Sensibilität und ein waches Bewusstsein dafür, wann Ausgrenzung, wann Abwertung beginnt. Gleichgültigkeit und Unachtsamkeit stehen oft am Anfang eines Prozesses der schleichenden Verrohung des Geistes. Aus Worten können Taten werden.“
Aus der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt, 23. Februar 2012 in Berlin

 

StGB

§ 130 Volksverhetzung
(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,
wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1. Schriften (§ 11 Absatz 3), die zum Hass gegen eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder ihre Menschenwürde dadurch angreifen, dass sie beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,
a) verbreitet,
b) öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,
c) einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überlässt oder zugänglich macht oder
d) herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Buchstaben a bis c zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, oder
2. eine Darbietung des in Nummer 1 bezeichneten Inhalts durch Rundfunk, Medien- oder Teledienste verbreitet.
(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.
(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.
(5) Absatz 2 gilt auch für Schriften (§ 11 Abs. 3) des in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalts.
(6) In den Fällen des Absatzes 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, und in den Fällen der Absätze 3 und 4 gilt § 86 Abs. 3 entsprechend.

§ 185 Beleidigung
Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.


LINKS

Entscheidung des CERD (UN-Antirassismus-Ausschuss) vom 4.4.2013 im englischen Original

Durch den TBB vorgenommenen Übersetzung der Entscheidung (Nummern 11.1 bis 15./Ende)

Internationales Übereinkommens vom 21. Dezember 1965/7. März 1966 zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung

Erklärung des Deutschen Instituts für Menschenrechte  

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Nicht die „traditionellen Familienmodelle“ leiden, die Kleinstkinder leiden, wenn Mama fehlt!

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Apr. 182013
 

Interessant! Niemand spricht von dem, was den kleinsten und kleinen Kindern fehlt, wenn Frauen bewusst in die Karriereschiene, in die Vollzeitberufstätigkeit und in die Spitzenpositionen gedrängt werden.

Niemand spricht von dem, was Kinder brauchen, um eine glückliche Kleinstkindheit zu verleben.

Ich bin überzeugt: Die Nähe der leiblichen Mutter ist in den ersten Lebensmonaten für das neugeborene Kind unendlich wichtig.

Aufgabe und Verantwortung des Vaters – oder ersatzweise des Umfeldes, der Gesellschaft – ist es, den Müttern und Kindern in den ersten Lebensmonaten ein gesichertes Umfeld zu schaffen, in dem die Mutter für das Kind jederzeit in Ruf- oder Fühlbereitschaft ist. Das Kind braucht in den ersten Lebensmonaten die möglichst umfassende Nähe der leiblichen Mutter – mehr als die Nähe des Vaters.

Frauen, die nicht Mütter werden oder werden können oder werden wollen, erfahren heute bereits keine echte Diskriminierung, wenn sie sich um Spitzenpositionen bewerben. Das ist sogar statistisch nachweisbar.

DARÜBER sollte man mal reden. Es wird aber stets unterschlagen.

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Frauenquote im Bundestag: Was spricht dafür, was dagegen? – SPIEGEL ONLINE – KarriereSPIEGEL.

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