Gute Grundschulen, Kinder, ZählenKommentare deaktiviert für When It Comes To Class Size, Smaller Isn’t Always Better
März032011
Kuckstu mal hier in die TIME: Die kleine Klasse – heilige Kuh aller Bildungswutbürger – ist weniger wichtig als die Persönlichkeit des Lehrers. Spannend! Hab ich immer gefühlt. Zu den teuersten und (am leichtesten zu fordernden Maßnahmen) gehört ja die Forderung nach „kleineren Klassen“. Schön und gut. Aber es fehlt an Geld und an Lehrern.
When It Comes To Class Size, Smaller Isn’t Always Better – TIME
In other words, class size matters, but teacher effectiveness matters more. That means that as a parent, you’re better off with 28, 30, or maybe even more kids and a great teacher, than 24 or 22 and a mediocre one. What’s more, to really make a difference smaller must mean much smaller. Fewer than 16, for instance.
TugendKommentare deaktiviert für Scheinheilige Elite?
März032011
Holla! „Mein Doktorvater hat ganze Textpassagen aus meiner Arbeit in sein Buch übernommen. Und diese Wissenschaftselite will jetzt von Moral und Anstand sprechen.“ So zitiert heute die Berliner taz auf S. 08 einen gewissen Kurt.
Nun, es fällt schon auf, mit welcher Vehemenz die Wissenschaftler eben derjenigen Institution, die – nach pflichtgemäß durchgeführter sorgfältiger Prüfung – einen Titel verliehen hat, nun laut und deutlich beklagen, sie seien bei eben dieser Titelverleihung hinters Licht geführt worden. Die Frage muss mindestens erlaubt sein, ob interne Kontrollen der Universität nicht doch sträflich versagt haben. Hallo Medien – bleibt dran!
Ich überfliege die Zeitungen: taz, FAZ, Morgenpost, das Übliche, von „linksalternativ“ über „mittig“ bis „Springer“ (wie die alten Kämpen und Kämpinnen bis zum heutigen Tage sagen) – dann die Auslandspresse, französisch, englisch, italienisch. Heute abend werde ich ja die Versammlung „Politik selber machen – Aufruhr in Arabien“ leiten. Da muss man schon fit sein. Denn die Bürger sind anspruchsvoll. Beginn 18 Uhr. Ort: Wirtshaus Stresemann, Stresemannstraße 48, Kreuzberg, Berlin, Deutschland, Europa, Welt. Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen. Es lädt ein die CDU Kreuzberg-West.
Neben all den politischen und militärischen Erörterungen – für oder gegen Flugverbotszone, für oder gegen Intervention – interessiert mich vor allem auch der tragende Geist hinter den Bewegungen. Militärische Macht ist ja sozusagen blind. Dieselben Waffen können für oder gegen deinen Nachbarn, deinen Freund eingesetzt werden.
„In den letzten Tagen hat sich etwas Grundlegendes verändert. Ich spüre es im ganzen Körper. Ich habe nicht in den Spiegel geschaut, aber vor meinem inneren Auge sehe ich, dass die Traurigkeit im Blick gewichen ist.“
Mit diesen Worten beginnt der Libyer Hisham Matar heute auf S. 33 der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seinen sehr starken Bericht darüber, wie er sich fühlt. Sehr lesenswert! Ganz entscheidend: Das Land entdeckt sich neu. Libyen = Gaddafi – diese Gleichung wird nicht mehr aufgehen.
Bei meinen Wanderungen zu Fuß und per Rad durch die Türkei, durchs brandenburgische Waldsieversdorf und durchs apulische Hinterland habe ich etwas erfahren, wovon ich mir für Kreuzberg mehr wünsche: ein offenes Willkommen für jeden Fremdling, der seinen Fuß hierher setzt!
Daran fehlt es bei uns in Kreuzberg noch. Natürlich: Die Fremden sprechen anders, sehen anders aus, manche sind nicht nach dem heute üblichen Komment gekleidet. Viele wissen nicht, was ein Radweg ist.
Der Bezirk Kreuzberg ist halt ein echter, kuschliger Selbst-Verwöhnungs-Bezirk geworden. Dass auch andere daran teilhaben sollen, will vielen nicht in den Kopf. Die Klagen meiner verwöhnten Mitbürger würde ich nicht gar so ernst nehmen.
Um so herzlicher seien die Fremdlinge mir willkommen! Und die Politik? Nun, Touristen sind keine Wähler. Das mag so einiges erklären.
Bild: Blick in die Märkische Schweiz vom gastlichen Waldsieversdorf aus
Was denkt das Ausland über den Rücktritt zu Guttenbergs von allen Ämtern? Köstlich ist der folgende Kommentar von Andrea Tarquini aus der Repubblica:
„Es ist ein Fall, der in Italien angesichts der Skandale im eigenen Land Lachen hervorrufen würde. Aber in Deutschland werden gewisse Sünden wie etwa Betrug oder Täuschung sehr ernst genommen.“
Sieh an! Italien würde lachen! Es zollt uns Respekt, da in Deutschland Werte wie Ehrlichkeit und Redlichkeit von den Politikern verlangt würden. Die Frage muss erlaubt sein: Werden da nicht Vorurteile gepflegt? Vorurteile vom ewig lachenden, aber nicht ganz ehrlichen italienischen Volk?
Wie auch immer. Verlangen wir doch bitte allen Ernstes weiterhin Ehrlichkeit und Redlichkeit von Politikern aller Parteien in allen Ländern Europas!
O ihr Wutkonservativen! Mitkreuzberger! Warum wehrt ihr euch mit Händen und Füßen gegen den Wandel? Soll es immer so weitergehen? Wir hängen am Tropf der Mitleidszahlungen der reichen Bezirke.
Ich bin für einen sanften, ökologisch aufgeklärten Tourismus in Kreuzberg. Wir haben so viel zu zeigen und zu bieten!
Dazu müssten wir uns aber berappeln und uns fremdenfreundlich machen! Warum nicht mal etwas für den Wanderverkehr tun – per Fuß und zu Rad? Leihräder, Wanderwege, fußfreundliche Pfade durch den Dschungel – das brauchen wir. Den bewegten Fremdling, den wollen wir, nicht nur die grölenden Schnapsnasen.
Also, berappeln wir uns!
Bedenkt: Viele haben schon in Gestalt des Fremdlings einen Engel aufgenommen!
Frau und Mann, KoranKommentare deaktiviert für Equal pay jetzt auch für Versicherungen
März012011
Bei Frauen besteht – aufs Ganze gerechnet – eine statistisch nachweisbare Wahrscheinlichkeit, dass sie Mütter werden. Gut so. „Hurra, es ist ein Kind!“, wie es Sure 12 des Korans schon sagt. Wir alle lieben Kinder.
Für den Arbeitgeber bedingen Frauen bei aller Kinderliebe aufs Ganze gerechnet jedoch wegen der statistisch erwartbaren Mutterschaftszeiten ein höheres Kostenrisiko als Männer. Schlägt sich dies in der Privatwirtschaft in der statistisch belegbaren schlechteren Bezahlung der Frauen bei gleicher Tätigkeit nieder? Ich vermute es, kann es aber nicht beweisen.
Auch in der Krankenversicherung verursachen Frauen wegen der Geburten und wegen der höheren Lebenserwartung mehr Kosten. Bisher durften die Kassen dies in geschlechtsspezifischen Tarifen abbilden. Damit ist es jetzt vorbei:
Als Schüler am Benediktinergymnasium las ich dem guten Ton der Opposition folgend neben dem Neuen Testament, Kant und Platon eifrig Adorno, Marx, Horkheimer und Habermas und flocht immer wieder gerne dort aufgelesene Ausdrücke in die Schulaufsätze ein, was mir gute Noten im Deutsch-Aufsatz, aber auch die eine oder andere kritische Rückfrage der Lehrer einbrachte.
Zu diesen erlesenen Wörtern gehören: schlechterdings, naturwüchsig, Sinnverstehen, unaufgeklärtes Bewusstsein, Erkenntnisinteresse, strukturelle Gewalt, Autoritätsgläubigkeit und ganz naturwüchsig auch faschistoid. Faschistoid bedeutet „dem Faschismus ähnlichsehend“. Bei Autoritätskonflikten griff ich gerne zu diesem Wort – etwa dann, wenn ich der Meinung war, ein Mitschüler sei zu Unrecht oder zu hart bestraft worden. „Das ist aber faschistoid!“
Ich finde den Ausdruck „faschistoid“ heute – ehrlich gesagt – recht problematisch, weil er so tut, als seien Unterwerfung, Hörigkeit, Gruppenzwang, Gewalt, Einschüchterung, Autoritätsgläubigkeit durch die europäischen faschistischen Bewegungen ab den 20er Jahren in die Welt gebracht worden. Dabei herrscht an ruchlosen Tyrannen in der europäischen Geschichte seit 2 Jahrtausenden kein Mangel.
Vor Hitler kam sein Vorbild Mussolini, vor Mussolini kamen beispielsetzend der extrem autoritär auftretende Lenin und seine Schlägertrupps – unter ihnen Stalin. Im russischen Bolschewismus waren tyrannische Herrschaft, Einschüchterung und Gewalt genauso stark oder noch stärker vertreten als im italienischen Faschismus, wobei der Bolschewismus etliche Jahre vor dem Faschismus entstanden ist.
Auch der behördliche Antifaschismus der DDR und seine Nachfahren, die heutige Antifa, tragen in diesem Sinne deutlich „faschistoide“ Züge, siehe etwa den „antifaschistischen Schutzwall“, siehe den antifaschistischen Kampf gegen unliebsame faschistoide Begriffe, der in Parolen wie „Nie wieder Deutschland“ oder „Deutschland verrecke“ seinen Nieder-SCHLAG findet.
All diese faschistischen, faschistoiden, kommunistischen und antifaschistischen Methoden greifen auf Hörigkeit, Gruppenzwang, Einschüchterung, ja oft auch auf Hetze und Gewalt zurück. Gegenüber allen solchen Bedrohungen gilt es die Flagge der Freiheit hochzuhalten.
Bild: „Deutschland verrecke“. Öffentliche Inschrift auf dem Dach eines Gebäudes in der Revaler Straße, nahe dem U-Bahnhof Warschauer Brücke, Berlin-Friedrichshain, Aufnahme vom 20.11.2002
Frau und man trifft sich in der neuen Reihe „Politik selber machen!“ jeden Donnerstag um 18.00 Uhr in der Wirtschaft Stresemann, Stresemannstraße 48, Kreuzberg.
Donnerstag, 03. März (1): Aufruhr in Arabien. Die Umwälzungen in den arabischen Staaten werfen Fragen auf: Worum geht es? Was geht es uns an? Was können wir tun?
Donnerstag, 10. März (2): Sub-Metropole Kreuzberg. Pfade zu einem ökologischen Tourismus in Kreuzberg
Donnerstag, 17. März (3): Brauchen wir Parallelgesellschaften? Die Antworten der Sawsan Chebli, des Franz Schulz und des Burkard Dregger
Donnerstag, 24. März (4): Echte Männer braucht das Land!? Familien- und schulpolitische Ansätze für Kreuzberg
Donnerstag, 31. März (5): Braucht Berlins CDU eine Fahrradpolitik?
Einige vergnügliche Stunden verbrachte ich heute im ICE mit einem köstlichen Buch der Augsburger Politikerin Eva Leipprand. Da ich weiterhin die Szene in meiner Vaterstadt mitverfolge, entlockte mir die Autorin manches Schmunzeln! Wer hätte gedacht, dass der „Kaiserplatz“ (S. 13) eigentlich Königsplatz heißt? Dass die „berühmte Dichterin“ der Stadt Bert Brecht heißt? Herrlich! Da lacht doch die neue Straßenbahn Linie 6! Hier oben seht ihr einen Blick in diese fabelhafte Neuerung, die Augsburg und Friedberg bequem und umweltfreundlich verbindet und die ich selbst um die Jahreswende herum weidlich nutzte!
Immerhin – Leipprand ist eine veritable Quereinsteigerin, hat sich zuerst als Gymnasiallehrerin und als Bürgerbewegte getummelt, ehe sie ins wohltemperierte Haifischbecken der Kommunalpolitik überwechselte. Was sie auspackt, trifft wohl die Sache recht genau: das beständige Ringen um Unterstützung, um Mehrheiten, das peinliche Achten auf jede Geste, jeden Satz – das sind Merkmale der institutionell gebundenen Demokratie. Bei aller lächelnd vorgetragenden Demaskierung der Sitten und Usancen: An keiner Stelle kündigt Eva Leipprand, die immerhin Kulturreferentin und Bürgermeisterin der Stadt Augsburg war, dem Gefüge der staatlichen Institutionen überhaupt die Gefolgschaft auf. Damit schlägt sie dem wohlfeilen Wutbürgermodell eine gangbare, wenn auch mühsame Alternative vor. Und das finde ich sehr gut. Wenn ihr sauer seid: Geht in die Verbände, geht in die Parteien, tummelt euch als Ehrenamtler!
Leipprand ist das Gegenteil einer Populistin! Es gelingt ihr mit nahezu mathematischer Sicherheit nachzuweisen, dass die demokratische Politik mehr oder minder so ablaufen muss, wie sie eben abläuft.
Im Vergleich zu Berlin mutet Augsburg selbstverständlich traulich-sittlich an. Die ganz großen Korruptionsskandale bleiben aus, die gigantische Verschwendung von Mitteln, wie sie Berlin auszeichnete, wäre in Augsburg nicht denkbar.
Vom Unterhaltungswert abgesehen, empfehle ich ernsthaft das Buch jedem Zaudernden, jeder Krittlerin, jedem Politikverächter wärmstens! Parteien aller Art können das Buch ihren Nachwuchskräften, etwa BVV-Bewerbern, bedenkenlos in die Schulungsmappe legen. Es wird dort sicherlich mehr Erkenntnisgewinn bringen als die bemühtesten „Argumentationshilfen“, Hochglanzbroschüren oder Gummibären.
Eva Leipprand: Politik zum Selbermachen. Eine Gebrauchsanweisung. Suhrkamp Verlag, Berlin 2011, 164 Seiten, 11,95
Sprach am Potsdamer Platz mit einigen Arabern aus unterschiedlichen Ländern. Was fordern sie? „Wie können wir euch helfen?“ Dreierlei filtere ich heraus:
1) Anteil nehmen, Gefühle und Gedanken ausdrücken, Herz zeigen!
2) EU sollte ein Waffenembargo gegen Libyen verhängen!
3) NATO sollte den Luftraum sperren, um weitere Massenverbrechen zu verhindern!
Die Stimmung auf dem Potsdamer Platz war aufgepeitscht – ganz anders als bei den Iran-Demos 2009.
Das Schöne ist: Meinen eigenen kleinen Sohn stelle ich dem kleinen Sohn eines Syrers vor – Omar heißt er. Die Buben Wanja und Omar lächeln sich an. Und für einen Augenblick scheint alles gut. Scheint! Aber selbstverständlich leben wir vom Widerschein des Guten! Ich lade die Araber zu einem Besuch bei der CDU Kreuzberg-West ein.
Abends, beim Losschließen meines Fahrrads vor dem Yorck-Kino noch Gespräch mit zwei unbekannten Fahrradfahrern, zwei Berlin-Besuchern, die eine Ferienwohnung in Schöneberg nahe dem S-Bahnhof Schöneberg besitzen.
„Die Bezirksgrünen schlagen in ihrem Wahlprogrammentwurf das Verbot von neuen Ferienwohnungen vor“, taste ich mich vor. „Unerwünschte Aufwertung! Böse Gentrifizierung! Was halten Sie davon?“ Das Pärchen schlägt die Hände über dem Kopf zusammen: „Wir erleben nur noch Abwertung im Wohnumfeld. Wir sind die einzigen in unserem Haus, die noch vom eigenen Geld leben. Ansonsten ist alles vernachlässigt, Dreck sammelt sich an, Türen werden nicht erneuert, Mieter drücken ihre Zigaretten auf der Treppe aus. Wir können mit niemandem mehr sprechen. Etwas Aufwertung kann man euch in Berlin nur wünschen. Was Besseres als Aufwertung kann Berlin gar nicht passieren.“
Mit diesen Leitsätzen bewarb ich mich gestern beim CDU-Ortsverband Kreuzberg-West um das Amt des Vorsitzenden.
Ich stellte ganz auf die Fähigkeit des Menschen ab, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Genau diese Haltung der Selbstständigkeit treibt auch die Menschen in Ägypten und Libyen an. „Wir brauchen in Berlin mehr Zutrauen in die Kraft der Bürger, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Der Staat kann den Bürgern die Verantwortung nicht abnehmen. Jede blinde Zusage, den Bürger noch besser zu versorgen, ihn noch üppiger zu bedienen, scheitert an dem gigantischen Schuldenstand Berlins.“
Wer aber ist ein Bürger?
„Es kommt nicht darauf an, ob jemand ein schickes Auto fährt oder ein Eigenheim besitzt. Jeder, der dauerhaft hier lebt, ist gleichermaßen ein Bürger.“ Dann zitierte ich die Berlinerin Sawsan Chebli: „Ich kann gestalten. Ich kann Dinge bewegen.“ Diese Grundhaltung brauchen wir, die sollten wir ausbreiten.
Die Parteifreunde hörten’s an und wählten mich einstimmig zum Vorsitzenden des Ortsverbands Kreuzberg-West. Und gleich darauf wurde ein starkes Vorstandsteam zusammengestellt: Stellvertreterin Tanja Woywat, Schatzmeister Björn Funk, Beisitzer Eva Majewski und Tobias Bauer, Schriftführerin Ivonne Wehrl. Es geht mit Schwung&Schmackes ran. Wir haben gute Ideen, vor allem aber viel Vertrauen in die Gestaltungsmacht des Menschen.
Die Frankfurter Rundschau liefert heute frei Frühstückstisch das richtige Gegenmittel zu unserem gestrigen titelgebenden, zutiefst vergiftenden Spruch. Die revolutionären Erschütterungen in den arabischen Staaten sind das große, epochebildende Ereignis dieser Tage!
Die Bürger Ägyptens nehmen ihr Schicksal in die eigene Hand! Was gibt es Besseres?
Ich glaube an die Freiheit des Menschen. Aber sie muss mühsam errungen, mühsam gehegt, mühsam verbreitet werden.