Juli 232010
 

Einige Male habe ich schon muslimische Bekannte gefragt: „Bist du bereit, über den Islam öffentlich zu diskutieren?“ Ich bekam bisher nie Zusagen. Fast alle öffentlichen Debatten über den Islam finden deshalb ohne Beteiligung von Muslimen statt. Das macht dieses Geschäft so unendlich mühsam.

Der Islam ist mittlerweile eine deutlich sichtbare Macht hier in Kreuzberg-West: Nikab und Burka habe ich hier schon des öfteren gesehen, – sofern die Frauen ausnahmsweise die Erlaubnis zum Verlassen der Wohnung erhalten haben. Ich habe auch einige Male versucht, mit diesen Müttern ein Gespräch zu führen. Na, was glaubt ihr, wie solche Versuche ausgehen, ausgehen müssen?

Die streng observante Form des Islam, der wahabitische, saudisch geprägte, den es vor zwanzig Jahren bei uns noch nicht gab, ist deutlich spürbar. Kitas und Schulen haben sich auf die muslimische Kindermehrheit eingestellt, während die nichtmuslimischen Kinder allzu leicht in die Minderheitenposition gedrängt werden.

Die Behauptungen des Geert Wilders über Wesen und Erscheinungsformen des Islam sind zweifellos überspitzt. Aber sie verdienen es, öffentlich diskutiert zu werden. Sie sind keineswegs als billige Polemik abzutun.

Bei einem öffentlichen Auftritt in Berlin sollte Wilders  jedenfalls einen kompetenten Gesprächspartner von muslimischer Seite vorfinden, der ihm widerspricht.

Die populistische Etikettierung als „Rechstpopulist“ ist ganz sicher verfehlt. Sie nimmt die Aussagen des Geert Wilders schlicht nicht zur Kenntnis.

Die gewaltigen Schwierigkeiten, die unsere Gesellschaft mit den türkischen und arabischen Zuwanderern hat, sind – so meine ich – nicht durch die Religion bedingt, sondern durch ein komplexes Gefüge aus Schwäche, Unkenntnis, Vermeidungs- und Ausnutzungsverhalten auf beiden Seiten, wobei das größte Problem die durch unser Sozialsystem geförderte, alle Begriffe sprengende Trägheit ist.

Einige Thesen, die Geert Wilders in seinem durchaus lesenswerten Blog äußert, sind zweifellos richtig, andere hingegen verdienen es, durch Muslime und Christen erörtert, korrigiert und auch zurückgewiesen zu werden.

Die ersten beiden Aussagen, die hier nachstehend zitiert werden, halte ich übrigens für zutreffend:

Auch ich meine:

1) Der Begriff der persönlichen, der individuellen Freiheit ist im Islam – so wie er sich heute präsentiert – unterentwickelt.

2) Die meisten Muslime, die ich kenne, neigen zum Fatalismus. Sie begreifen ihr Leben als „schicksalsgegeben“, sie arbeiten nicht an der Umgestaltung ihres Lebens, sie arbeiten nicht an der Umgestaltung der Welt, in der wir leben.

Es gibt von Wilders viele andere Aussagen, die ich bestreiten würde, aber diese beiden, die zunächst kommen, kann ich nur unterstreichen – und zwar aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen, Begegnungen und Interaktionen mit Berliner Muslimen.

Weblog Geertwilders – Wilders: my message to Muslims
Without individual freedom, it is not surprising that the notion of man as a responsible agent is not much developed in Islam. Muslims tend to be very fatalistic. Perhaps – let us certainly hope so – only a few radicals take the Koranic admonition to wage jihad on the unbelievers seriously. Nevertheless, most Muslims never raise their voice against the radicals. This is the “fearful fatalistic apathy” Churchill referred to.

 Posted by at 23:07
Juli 212010
 

21072010006.jpg Na na na, ob da wohl mal wieder die Phantasie durchdreht!? Interessante Sendung jedenfalls am kommenden Freitag. Aber dass die deutschen Eltern und die nichtmuslimischen Schüler sich „nicht so anstellen“ sollten und „endlich in die türkisch-arabische Mehrheit integrieren“ müssten, das hören wir immer wieder mal.

Mal kucken, was sie uns da wieder an Horrormärchen auftischen. Aus den Fingern werden sie sich das ja nicht gesaugt haben. Und einige dieser Beobachtungen kann ich durchaus bestätigen.

Bild: U-Bahnhof Möckernbrücke.

Das Erste
Freitag, 23.07.10
03:40 – 04:25 (45 Min.)
Kampf im Klassenzimmer
Deutsche Schüler in der Minderheit

Kampf im Klassenzimmer – Das Erste | programm.ARD.de
Manchmal werden sie verhöhnt, manchmal sogar geschlagen. Mit ihnen wird in der Klasse kaum geredet, sie ziehen sich zurück, sagen kaum noch ihre Meinung – kurz, sie sind nicht integriert: Deutsche Kinder an einer Hauptschule in Essen.

„Sie werden nicht jeden Tag mit dem Messer bedroht, … aber die Kinder mit Migrationshintergrund haben hier eindeutig das Sagen“, so die Direktorin der Schule. „Red nicht mit der, das ist bloß eine deutsche Schlampe“, so hören es auch die Lehrerinnen. „Wenn Ramadan ist, ist Ausnahmezustand. Beim letzten Mal ging es soweit, dass sie uns ins Essen gespuckt haben“, berichtet die Hauswirtschaftslehrerin.“

 Posted by at 15:45
Juli 202010
 

Ein harter Brocken, was hier in der Überschrift steht! Dennoch gefällt mir dieser philosophisch-theologische Brocken. Immer wenn ich, der sehr schwach praktizierende, der sehr schlechte Knecht des Christentums mit Muslimen spreche oder mit ihnen bildhaft gesprochen zusammenrumple, wird mir das sofort klar, ebenso auch beim Studium der Hadithe, des Talmud oder der paulinischen Briefe.

Mehr oder minder zufällig finde ich daneben immer wieder Bundesgenossen in dieser Sicht, so etwa seit Jahren in Jacques Attali, oder neuerdings (?) auch in Angelika Neuwirth.

Angelika Neuwirth (FU Berlin) hat sich nämlich aufsehenerregend bei der Tagung „Beyond tradition“ in Münster hervorgetan.  Thema „Aufgeklärte islamische Theologie möglich in Deutschland?“ (FAZ, 16.07.2010, S. 34). Sie sagt,

der Koran sei sowohl in seiner überlieferten Textform als auch in seiner mündlichen Vorform vor allem als „europäisches Vermächtnis, als Auslegung und Neuformulierung bereits bekannter biblischer und nachbiblischer Traditionen zu betrachten. Inhaltlich handle es sich um eine ergebnisoffene Mitschrift von Diskussionen zwischen dem Propheten Mohammed und seinen Hörern. Es gelte demnach, den Koran als europäischen Grundtext in die (westliche) Spätantike-Vorstellung aufzunehmen.

Wow! Das entspricht genau meinem Empfinden, das entspricht genau meinem bildungspolitischen Programm für Berlins Grundschüler. Koran ist also Bestandteil der europäischen Überlieferung ebenso wie frühchristliche Literatur, da sowohl Christentum wie später Islam aus der
Verschmelzung von „Jerusalem“ und „Athen“ hervorgehen.

Welch ungeheure Chance böte sich den Berliner Grundschulen, wenn sie altgriechische, jüdische, islamische und christliche Geschichten in ihren Lesestoff aufnähmen! Ulysses meets Mohammed. THAT is IT. Sie, die Berliner Stadtgesellschaft, erwürbe sich nahezu ewigen Ruhm, wenn sie die unselige Spaltung zwischen muslimischen und nichtmuslimischen („christlichen“) Kindern überwände.

Aber sie tut es nicht. Sie scheut die Grundtexte der europäischen Überlieferung wie der Teufel das Weihwasser.

Koran kann gelesen werden wie die Vorlesungsmitschriften etwa des Aristoteles. Und in der Tat gab es im 11. bis 12. Jahrhundert eine Hochblüte arabischer Gelehrsamkeit, die genau das versuchte – die Synthese koranischen und aristotelischen Wissens.

Spannend, spannend … aber noch nicht Allgemeingut.

Bild: Sowjetisches Ehrenmal für den „Ewigen Ruhm“ in russischer Sprache, Ort: Erkner, Neu-Zittauer Straße.

 Posted by at 11:35
Apr. 232010
 

Ein sehr gutes Portrait in Wort und Bild von der designierten Ministerin Aygül Özkan finde ich in dem Buch „Wir haben Erfolg! 30 muslimische Frauen in Deutschland“ von Kerstin Finkelstein.

„Na, das Buch geht doch sicher weg wie die warmen Semmeln! Nichts ist so erfolgreich wie Erfolg“, scherzte ich, als ich die Autorin kürzlich bei der recht ausführlichen ADFC-Mitgliederversammlung im Gebäude der Berliner Zeitung wiedertraf. „Die Leute brauchen Erfolgsgeschichten, keine Katastrophenmeldungen. So ist das im Mediengeschäft!“, ergänzte ich eigensinnig. „Es gibt noch reichlich Exemplare …“, bekam ich zur Antwort.

Wie auch immer: Die Lebensgeschichte ist sehr spannend zu lesen. Sowohl Aygül, die später das Abitur mit 1,6 machte, wie auch ihre ältere Schwester bekamen trotz sehr guter Grundschulnoten keine Gymnasialempfehlung. Hier setzte sich aber der Vater durch. Er brachte die Töchter aufs Gymnasium, ließ ihnen Freiheiten, achtete aber streng darauf, dass immer Hausaufgaben gemacht wurden. Auffallend finde ich, eine wie große, positive und entscheidende Rolle der Vater spielte. Ein guter Vater kümmert sich, ist streng, lässt Freiräume. Er bringt seinen Kindern Vertrauen entgegen, setzt ihnen aber auch klare Grenzen. Er kümmert sich. Das halte ich für vorbildlich.

Am Schluss sagt Aygül Özkan: „Wenn man Träume hat, soll man ihnen entschlossen nachgehen. Mit jedem Schritt wächst der Mut.“

Kerstin E. Finkelstein: “Wir haben Erfolg!” 30 muslimische Frauen in Deutschland. Vorwort von Seyran Ates. Fackelträger Verlag Köln, 2008. 223 Seiten, 14,95 Euro. Hier: S. 184-190

Neue Ministerin Özkan: „Türken, bringt euch mehr ein!“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

 Posted by at 15:39
Apr. 052010
 

In meiner von muslimischen Familien geprägten Schule bemerke ich, dass die anderen Eltern ihren Blick meist streng gesenkt halten. Dennoch grüße ich stets als erster, suche die Begegnung mit einem Lächeln herbeizuführen.

Ich habe jedoch gelernt: Der gute Moslem, die gute Muslima lässt ihre Blicke nicht schweifen. Das ist seit vielen Jahrhunderten so. Sahih Bukhari, ein Hadith-Autor des 9. Jahrhunderts, empfiehlt ausdrücklich, in der Öffentlichkeit den Blick stets zu senken. Das offene Anblicken durch einen Unbekannten wird häufig schon als Übergriff gewertet. „WAS KUCKSTU!!“ fragen die muslimischen Jugendlichen dann gerne in Diskotheken und Kneipen. Ich sehe sie oft herumstehen, herumsitzen und herumziehen auf Kreuzbergs Straßen und in Kreuzbergs Prinzenbad.

Was sagt der Prophet zum Herumsitzen auf den Straßen? Hören wir den Autor der Hadith!

Bukhari schreibt:

Der Prophet sagte: Meidet das Sitzen auf der Straße.

Sie sagten: O Gesandter Gottes, wir brauchen dieses Sitzen, denn wir suchen es, um uns auszutauschen.

Da sagte der Gesandte Gottes: Wenn ihr unbedingt dort sitzen wollt, dann verhaltet euch, wie es sich auf der Straße gehört.

Sie sagten: Wie gehört es sich auf der Straße, o Gesandter Gottes?

Er sagte: Die Blicke senken, keinen Schaden anrichten, den Gruß erwidern, das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten.

Das genaue Studium des Korans und der Hadithe wird es allen Deutschen erleichtern, die jahrhundertealten Grundsätze zu verstehen, nach denen Berlins deutsch-muslimische Jugendliche erzogen werden.

Dennoch meine ich: Ja, Bukhari, den Gruß sollen wir erwidern. Und noch mehr: Wir Berliner sollten einander mehr anlächeln, mehr anschauen im Geiste der Begegnung.

Quelle: Der Koran. 4. Auflage, Gütersloh 2007, S. 516

 Posted by at 13:47

Verheerende Symbolik

 Islam  Kommentare deaktiviert für Verheerende Symbolik
März 162010
 

In der Klasse meines Sohnes sind von … Schülern etwa … nichtdeutscher Herkunftssprache – das habe ich oft und oft in diesem Blog geschrieben, so oft, dass es mich schon langweilt. Na und?

Dass jetzt ein Vater seinen Namen in der Zeitung nicht zu nennen wagt, ist ebenso schlecht wie die Tatsache der Trennung an sich. Ich halte das für eine verheerende Symbolik.

Gymnasialklassen nach Herkunft sortiert: Integration ist eine Klasse für sich – taz.de
In der Klasse seines Sohnes seien von etwa 30 SchülerInnen 23 „nichtdeutscher Herkunftssprache“, berichtet ein betroffener Vater der taz. Seinen Namen will er aus Angst vor negativen Folgen für sein Kind lieber nicht in der Zeitung lesen. In den Parallelklassen gebe es dagegen nur zwischen fünf und neun SchülerInnen mit Migrationshintergrund: „Wie sollen die Kinder untereinander in Kontakt kommen, wenn man alle muslimischen Kinder in eine Klasse steckt?“ Er fürchte weniger die bildungsbezogenen Folgen solcher Trennung als deren „Symbolik“, sagt der Mann: „Die Kinder sprechen ja alle gut deutsch, viele haben keine andere Muttersprache gelernt. Aber für uns lautet die Botschaft: Ihr gehört nicht dazu.“

 Posted by at 17:09

Wie heißt Ramazan Bayrami auf Arabisch?

 Islam, Religionen  Kommentare deaktiviert für Wie heißt Ramazan Bayrami auf Arabisch?
März 142010
 

images.jpg Nach dem Sonntagsgottesdienst besuchte ich heute einen Bücherbasar in der Pfarrgemeinde. Wieder einmal schnupperte ich herum – und schnappte dann zu. Diesmal ein Buch über die Weltreligionen. Was wir heute über Judentum, über Islam, ja selbst über die christliche Ost- und die Westkirche lesen und erkennen können, ist doch ganz anders, als man noch vor 30 Jahren hörte!

Das Buch „Rund um die Weltreligionen“ von Manfred Mai verdient höchstes Lob. Zwar ist es eher für Kinder verfasst, doch muss ich es jedem Erwachsenen ebenso empfehlen. Wenn doch wenigstens dieses Basiswissen, das hier sehr einprägsam verbreitet wird, in den Köpfen und Herzen verankert wäre! Ich lerne, dass das, was hier in Kreuzberg als Ramazan Bayramı gefeiert wird, auf arabisch: ‚Īd al-fitr heißt – für viele Muslime der Höhepunkt des Jahres. Das Ende der Fastenzeit steht ja auch den Christen in zwei Wochen bevor. Es wäre sinnvoll, einmal über die Verwandtschaft von jüdischem Pessahfest, christlichem Osterfest und muslimischem Id al-Fitr nachzusinnen. Alle drei nehmen ja ausdrücklich oder unausdrücklich Bezug auf die Isaaks-Geschichte!

Auf der Deutschen Islam-Konferenz könnte man einmal dieses (oder ein ähnliches Buch) zur Hand nehmen und mit den Vertretern der Muslime genaustens durchsprechen: „Kann man dies an deutschen Schulen im islamischem Religionsunterricht so lehren, wie es hier steht? Haltet ihr diese Darstellung für vertretbar, angemessen, würdig? Wie kann man bei den Kindern das Wissen über die Eigenart der Religionen in Lehrpläne aufteilen, vermitteln, festigen? In welchem Alter soll was unterrichtet werden? Mit welchen Methoden?“

Ich bin überzeugt, dass auch der bekenntnisgebundene Religionsunterricht ein Wissen über die anderen wichtigen in Deutschland gelebten Religionen vermitteln muss – und zwar von Anfang an. Die muslimischen Kinder Berlins müssen von Anfang an etwas über die jüdische Religion erfahren, die christlichen Kinder sollen von Anfang etwas darüber erfahren, welche Rolle etwa der Erzengel Gabriel im Islam spielt. Der Beispiele gibt es viele!

Ich habe mir das Buch an einigen, vor allem an den kniffligen Stellen sehr genau angesehen und komme zu dem Schluss: Sowohl Juden als auch Christen als auch Muslime müssten mit nahezu allen Einzelheiten in diesem Buch höchst zufrieden sein! Das Buch stellt die Tagseite der Religionen in Schlichtheit und doch hinreichender Präzision dar. Es baut Brücken und bereichert die Einsicht in die Verwandtschaft der großen Religionen, ohne die grundlegenden Unterschiede – auch zwischen den christlichen Kirchen – zu verwischen.

Für Schüler und Lehrer in Kreuzberg, Neukölln und Wedding – höchst empfehlenswert! Nicht nur zur Fastenzeit.

Manfred Mai: Rund um die Weltreligionen. 66 Fragen und Antworten. Mit Illustrationen von Rolf Bunse. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2008, 92 Seiten, € 16,95

Google-Ergebnis für http://www.herder.de/elvis_img/herder/titel/cover/0001632461_0001.jpg

 Posted by at 23:44
März 112010
 

„Iiii – wie eklig – der isst Salami“, diese Reaktionen muslimischer Mitschüler höre ich von Kreuzberger Grundschülern, die der nichtmuslimischen Minderheit angehören, wenn sie ihr Pausenbrot auspacken. Und immer wiede sehe ich junge Männer der Mehrheit, wie sie besonders auffällig und wiederholt auf die Erde spucken. Und Mädchen oder junge Frauen aus der nichtmuslimischen Neuköllner Minderheit berichten von häufigen sexuellen Belästigungen und machohafter Anmache, wenn sie allein auf der Straße gehen.“Ich habe keine Lust mehr, mich dauernd von den Jungs beleidigen zu lassen“, sagen diese Frauen. Viele deutsche Familien sind schon aus Neukölln weggezogen.

„Die Themen, die den Muslimen unter den Nägeln brennen wie Alltagsrassismus oder Islamophobie sind nicht einmal erwähnt worden.“ So Aiman Mazyek heute auf S. 5 der Süddeutschen Zeitung.

Angst deutscher Mädchen vor sexueller Anmache durch moslemische junge Männer, Verspottung und Lächerlichmachen von Schweinefleischverzehrern, ostentatives Spucken von Halbstarken auf den Berliner Boden … ist das alles schon Rassismus oder Islamophobie?

I wo! Es ist mangelnde Erziehung, eine Selbstabgrenzung der muslimischen Bevölkerung, eine Mischung aus dumpfen kulturell-religiösen muslimischen Überlegenheitsansprüchen und gefühlter ökonomischer Unterlegenheit. Mit Rassismus hat dies beileibe nichts zu tun.

Als echten Rassismus würde ich allenfalls die in Kreuzberg und Neukölln weitverbreiteten judenfeindlichen Einstellungen bezeichnen. Und dafür – also für die Bekämpfung antisemitischer und homophober Vorurteile unter moslemischen Jugendlichen – stellt die Stadt Berlin ja in diesem Jahr 1,9 Millionen Euro bereit.

„Diese Bank ist nur für Weiße“, so berichtete die letzte Sendung mit der Maus aus Südafrika. Südafrika war bis 1991 ein rassistischer Staat! In ganz Europa herrschte im 19. Jahrhundert bis weit in die dreißiger und vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein rassistischer Unterton.

„Alltagsrassismus und Islamophobie“  – mit diesen allzu häufig, inflationär ausgespielten Karten wollen manche migrantischen Verbände ihren Opferstatus befestigen. Darin sind sie Meister. Grotesk!

Muslime erwägen, den Dialog mit de Maizière zu beenden – Islamkonferenz vor dem Aus – Service – sueddeutsche.de
Mazyek kritisierte auch die inhaltliche Neuorientierung der Konferenz: „Die Themen, die den Muslimen unter den Nägeln brennen wie Alltagsrassismus oder Islamophobie sind nicht einmal erwähnt worden.“ Auch die Zusammensetzung des Gremiums ist den Verbänden zuwider.

 Posted by at 11:38
Jan. 302010
 

… liefert heute den Aufmacher in der Süddeutschen Zeitung: Deutsche Universitäten sollen Imame ausbilden! Ja! Ich unterstütze den Gedanken. Ich meine sogar: An der geregelten Ausbildung der Imame an deutschen Universitäten, unter der demokratischen Aufsicht unserer staatlichen Kultusbehörden, wird kein Weg vorbei führen.

Noch heute erinnere ich mich der Stunde, als in unserer Kreuzberger Schule „der Religionsunterricht“  vorgestellt wurde – wohlgemerkt in einer Schule, in der die Christen eine winzige Minderheit gegenüber der überwältigenden Mehrheit der muslimischen Kinder darstellen. „Der Religionsunterricht“ war selbstverständlich nur in christlicher Religion vorgesehen. Warum ist das so selbstverständlich?

Dass unser deutsches Bildungswesen bisher keine Modelle, keine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Islam bietet, keine systematischen Handreichungen zur Schaffung eines wahrhaft europäischen, eines wahrhaft aufgeklärten Islam bietet, halte ich für einen schweren Mangel. Mit den Vorschlägen des Wissenschaftsrates kann diesem Mangel abgeholfen werden. Fürwahr – eine gute Nachricht!

Islam-Institute – Deutsche Universitäten sollen Imame ausbilden – Job & Karriere – sueddeutsche.de
An deutschen Universitäten sollen künftig Imame und islamische Religionslehrer ausgebildet werden. Der Wissenschaftsrat, in dem Professoren und politische Vertreter von Bund und Ländern sitzen, verabschiedete dazu am Freitag umfassende Empfehlungen. Analog zur christlichen Theologie sollen an zunächst zwei bis drei Universitäten große Institute für „Islamische Studien“ entstehen.

 Posted by at 17:04
Jan. 202010
 

Als eines der wenigen nichtmuslimischen Kinder an seiner Schule erfährt unser Sohn sich immer wieder in der Außenseiterposition.

„Papa, warum sagen alle Kinder iiih, wenn ich ein Salamibrot esse?“, fragte er uns heute.  Dann müssen wir ihm geduldig erklären, dass für die muslimischen Kinder alles Schweinefleisch unrein ist und Ekel erzeugt. Wir tun dies – noch – gelassen, noch mit Humor.

Diese unbeugsame, starke Einwurzelung muslimischen Reinheitsdenkens, diese Einteilung in halal – rein – und haram – verboten – schon bei den kleinen muslimischen Kindern  ist etwas mich Überraschendes. Vor 20 Jahren, als mein älterer Sohn hier in Kreuzberg zur Grundschule ging, war das noch nicht so stark. Aber wir haben ja auch einen anderen Kreuzberger Islam als vor 20 Jahren!

Die Berliner Grundschulen leisten Hervorragendes, sie erziehen – soweit ich das beurteilen kann – die muslimischen Kinder der Mehrheit zur Toleranz gegenüber all denen, die in ihren Augen Verbotenes essen, Verbotenes tun.  Aber dennoch bricht das Vorurteil immer wieder hervor!

Sollen wir aufhören, unserem Sohn Salamibrötchen mitzugeben, damit er nicht mehr Ekelgefühle bei der Kindermehrheit hervorruft? Ein heikles Thema!

 Posted by at 15:00
Jan. 152010
 

Bei meinen  Nachforschungen zum Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ stieß ich auf eine bemerkenswerte Tatsache: Der Stoff des Märchens stammt nicht aus Hans-Christian Andersens Phantasie, sondern aus der maurischen Tradition! Also aus der islamisch-spanischen Kultur des 14. Jahrhunderts!  Allerdings war es dort, in der ursprünglich muslimischen Erzähltradition, nicht ein Kind, das die einfache, allen zutage liegende Wahrheit aussprach – „der Kaiser ist nackt!“ – sondern ein Rossknecht, also jemand von ganz unten. Einer, der selber kein politisches Amt anstrebte, sondern der einfach in der Hierarchie viel zu weit unten stand, als dass er sich selbst hätte Vorteile erwarten dürfen, wenn er die Wahrheit mit klaren, schlichten Worten benannte:

„Der Kaiser ist nackt!“

Die Wikipedia schreibt in ihrem Artikel über dieses zeitlos gültige Märchen:

Die Erzählung wird gelegentlich als Beispiel angeführt, um Leichtgläubigkeit und die unkritische Akzeptanz angeblicher Autoritäten und Experten zu kritisieren – vergleichbar mit Kleider machen Leute und dem Hauptmann von Köpenick. Aus Furcht um seine Stellung und seinen Ruf spricht wider besseres Wissen niemand, nicht einmal der treueste Minister des Kaisers, die offensichtliche Wahrheit aus; vor die Entscheidung „Ansehen und Wohlstand oder Wahrheit“ gestellt, entscheidet man sich letzten Endes gegen die Wahrheit und für die materiellen und ökonomischen Vorteile.

Es lohnt sich, das ganze Märchen Andersens „Des Kaisers neue Kleider“ nachzulesen:

Projekt Gutenberg-DE – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Kultur

 Posted by at 08:41

Der Fehl Gottes

 Einzigartigkeiten, Fahrrad, Hölderlin, Islam, Religionen, Weihnacht  Kommentare deaktiviert für Der Fehl Gottes
Dez. 252009
 

Gute, packende Predigt des Kaplans Eric Godet heute im Weihachtsgottesdienst! Er erzählt, wie er verlacht wurde, als er in der Kindheit nach der „Definition Gottes in der Bibel“ fragte. Er stellt heute klar: Die Bibel erzählt nicht vom Gottesbild. Sie erzählt vom Menschen. Godet verweist zurecht auf das II. Nikänische Konzil von 787, wo die Nicht-Bildlichkeit Gottes noch einmal bekräftigt wurde! Gott lässt sich allenfalls als Umriss nachzeichnen, als etwas Fehlendes, als etwas Ausgespartes. Ich führe fort: Der fehlende Gott also, der „Fehl Gottes“ – so drückt es Hölderlin aus, so hat es Heidegger später wieder aufgegriffen. Dieser „Fehl Gottes“, das ist Kernbestand der christlichen Botschaft! Und dieser Fehl Gottes wird ausgeglichen in der Erfahrung der Gemeinde, in der Erfahrung des Du, in der Erfahrung des Kindes. So weit führt mich heute die Weihnachtsbotschaft.

Schaut man sich in den Kirchen um, wird man nur in ganz seltenen Fällen ein Bild Gottes finden. Die Nichtdarstellbarkeit Gottes verbindet Judentum, Christentum, Islam. Das Bild Gottes wird für Christen bestenfalls zugänglich im Menschen. Im kleinsten wie im größten, im neugeborenen ebenso wie im alten, schwachen, kranken und sterbenden Menschen. „Wie schaut euer Gott aus?“, so fragte ich einen Moslem nach einer Diskussion im Kreuzberger Glashaus (wir berichteten in diesem Blog am 05.07.2009). Er antwortete: „Er hat bei uns 99 Namen.“ Aha! Ich denke: 99 Namen – das heißt doch wohl, dass er ebensogut auch 999 Namen haben könnte. Auch im Islam ist Gott der schlechthin Jenseitige, der sich nicht fassen und fangen lässt.

Ansonsten gab es ersten Ärger mit dem neuen Fahrrad. „Warum fährst du so schnell, ich komme nicht mit!“, ruft Wanja aus.  Dabei hatte er mit mir bereits die ADFC-Kreisfahrt 2009 komplett mitbestritten – ohne die geringste Klage! Er ist ein guter Radfahrer! Ich erkenne: Das neue Fahrrad ist sehr schnell, mit sehr geringem Krauftaufwand beschleunigt es auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Das geht auch jedem so, der erstmals in einen BMW steigt. Ein kleiner Tritt in das Pedal – und man zischt ab. Subjektiv erlebt man die Geschwindigkeit ganz anders. Man meint zu schaukeln oder zu schleichen und hat schon die Stoßstange des Vorausfahrenden auf der Nase.

Fazit: Mein ständiges Predigen von „Rücksicht und Vorsicht im Straßenverkehr“  werde ich mit dem neuen Fahrrad erst noch unter Beweis stellen müssen. Die Kinder mahnen mich.

 Posted by at 21:35
Dez. 142009
 

Kürzlich traf ich im bezirklichen Fahr-Rat mit einer Vertreterin des „Mieterrates Chamissoplatz“ zusammen. Uns kaltschnäuzigen Radlern wurden die Leviten gelesen. Klar. Aber wer war Chamisso? Ich will mehr wissen und versuche heute eine Gesamtausgabe zu kaufen. Fehlanzeige! Es gibt im Handel derzeit keine Ausgabe von Adalbert von Chamisso zu kaufen – ebensowenig wie von Ludwig Erhard.

Erneut stelle ich fest: Die Deutschen verlieren in atemberaubendem Tempo ihre Vergangenheit. Ich habe dies auch bei der Podiumsdiskussion der Adenauer-Stiftung am vergangenen  Mittwoch in aller Härte gesagt: „Unsere jungen Männer wachsen in ein kulturelles Vakuum hinein.“ Geht ins Prinzenbad, geht auf die Plätze, sprecht mit den Jungs in den Kiezen! Sie haben keinen echten Bezug zu irgendwelchen kulturellen Hervorbringungen des Landes, in das sie hineingeboren werden. In das kulturelle Vakuum, das wir den Jungen anbieten, stößt sieghaft, nahezu unbezwinglich der Islam vor. Der Islam ist für die muslimischen Jugendlichen eine geistig-moralische Prägekraft allerersten Ranges, vergleichbar allenfalls der Strahlkraft, die das europäische Christentum etwa bis ins 18. Jahrhundert hinein auszuüben vermochte. Fundamentalistische Strömungen erstarken, der moderate, durch die türkische Ditib gezügelte Islam nimmt ab, der kompromisslose, herrische Islam nimmt zu.

Wir verbleibenden Deutschen leben mit unserem Interesse für Ludwig Erhard, Konrad Adenauer, Rosa Luxemburg, Goethes „West-östlichen Divan“ oder auch Adalbert von Chamisso in der extremen Diaspora. Wenn die Verlage einen nach dem anderen importierten amerikanischen Bestseller auf den Markt werfen, aber Stimmen wie etwa die eines Adalbert von Chamisso nach und nach verlöschen, dann zerfasert unser kulturelles Nervengeflecht – es löst sich auf, Präsentismus herrscht. Außer dem gerade Angesagten gibt es dann nichts mehr.

Der über 1000 Jahre alte Text des Koran wird in diese sich auflösenden Nervengeflechte hineinwachsen und tut dies im Alltag der jungen Muslime bereits jetzt. So erschienen am Bayram-Fest in der vergangenen Woche fast keine Schüler zum Unterricht in unserer Klasse. Sie blieben einfach zuhause, begingen das religiöse Fest. Die Schulpflicht ist demgegenüber absolut sekundär. Erst kommt die Religion, dann die Schule.

Gerade Adalbert von Chamisso wäre – wie Goethe – ein idealer Brückenbauer zum Islam (wie auch zum Judentum). Was für eine traurige Verlustmeldung, dass dieser Dichter heute weder gelesen noch auch nur verlegt wird!

Heute las ich das staunenswerte Gedicht „Die goldene Zeit“ von Adalbert von Chamisso. Hört doch folgende Verslein daraus:

Ungeschickt zum Löschen ist
Wer da Öl gießt, wo es brennt;
Noch ist drum kein guter Christ,
Der zu Mahom sich bekennt.
Scheut die Eule gleich das Licht,
Fährt sich’s doch vorm Winde gut,
Besser noch mit Wind und Flut
Aber gegen beide nicht.

Das ist groß, das ist verrätselt, das erregt mir Sensationen, als hätte ich ein Gedicht von Rimbaud oder Verlaine gelesen! „Wer zu Mohammed sich bekennt, ist deswegen kein schlechter Christ!“ So deute ich den Sinn der Verse 3 und 4. Es gab über das gesamte 18. Jahrhundert hin und weit drüber hinaus eine lebhafte Debatte über den Islam, an der sich Voltaire, Goethe, Chamisso und viele andere beteiligten. Nichts davon ist den Menschen heute noch gegenwärtig. DAS ist ein kulturelles Versagen allererster Größe.

In Chamissos Versen finden wir die prästabilierte Harmonie der Religionen, das ist Goethe, ist Lessing, das ist Navid Kermani, das ist der Geist, den wir heute brauchen! Gerade hier im Chamissokiez und heute in Kreuzberg!

Am kommenden Samstag,19.12.2009, findet folgende Lesung statt:

Tzveta Sofronieva und Adalbert von Chamisso.  Weilands Wellfood, Bergmannstraße 5-7, Kreuzberg-Chamissokiez,  Beginn 16.00 Uhr. Eine Veranstaltung der neugegründeten Chamisso Akademie.

Da muss ich hin – bin sehr sehr gespannt!

Wird es uns gelingen, den rapiden Gedächtnisverlust aufzuhalten?

 Posted by at 00:04