Nov. 252008
 

Eine gute Initiative startet in der BZ heute der bekennende Rad- und PKW-Fahrer Gunnar Schupelius. Statt immer nur zu schimpfen und sich zu ärgern, wie das wir anderen tun. Herr Schupelius scheint also den Pfad des „Gerechten Zorns“ sachte sachte zu verlassen – hin zum Pfad des „Freundlichen Handschlags.“ Löblich, so sei es! Er verlangt Rücksicht und Partnerschaft. Dabei wendet er sich gleichermaßen an Autofahrer wie an Radfahrer:

Autofahrer und Radfahrer ärgern sich im Berliner Straßenverkehr, jeder über den anderen, täglich, tausendfach, bis zur Weißglut. Die Situationen, in denen sie sich ärgern, sind meistens unspektakulär und immer die gleichen. Und immer glauben beide Seiten, von der jeweils anderen in ihrem guten Recht verletzt worden zu sein. Dabei könnten wir uns den Stress miteinander ganz einfach sparen: Wenn nämlich beide, Auto- und Radfahrer, jeweils nur drei Regeln des guten Benehmens einhalten würden, dann wäre der ganze Ärger schon längst verflogen.

Noch etwas ist gut: Er verknappt seine Hinweise, fasst einige wenige Einsichten in kurzen Geboten zusammen. Das endlose Debattieren „Wer hat recht?“  bringt uns in der Tat nicht weiter. Selbstverständlich mag man gegen das eine oder andere „Schupelius-Gebot“ Einwände erheben, so etwa gegen seine Aufforderung an Radfahrer, immer möglichst weit rechts zu fahren. Das würde nämlich voraussetzen, dass die Autofahrer genug Abstand halten und einen nicht ständig noch weiter nach rechts abdrängen, bis man am nächsten Bordstein oder PKW landet.

Aber der Grundansatz, dass alle Verkehrsteilnehmer sich mindestens an einige wenige Grundgebote halten sollen, ist schlechterdings nicht von der Hand zu weisen. Damit fährt Schupelius richtig.

Lesen wir die heutige BZ:

Und so sehen die drei Regeln des guten Benehmens für Autofahrer aus:

► Regel Nummer eins: Achten Sie beim Rechtsabbiegen frühzeitig und ganz konsequent auf den Radfahrer. Es ist seine Urangst, von einem rechts abbiegenden Fahrzeug verletzt zu werden. Da er nicht in der Mitte der Straße fahren darf, muss er irgendwie rechts an Ihnen vorbeikommen. Machen Sie ihm diese Vorbeifahrt so angenehm wie möglich.

► Regel Nummer zwei: Fahren Sie nie zu dicht an einem Radler vorbei. Das macht ihm Angst und löst Stress und Aggressionen aus. Oft passen Auto und Fahrrad nicht aneinander vorbei. Bleiben Sie hinter dem Rad, bis sich eine Überholmöglichkeit bietet, auch wenn das etwas Zeit kostet. Bedrängen Sie den Radler nicht. Denken Sie daran, dass Sie vielleicht 100 oder 200 PS zur Verfügung haben, Radfahrer aber nicht einmal ein halbes. Sie können eben nicht schneller fahren.

► Regel Nummer drei: Öffnen Sie die Fahrertür sehr vorsichtig. Der Radfahrer muss zwischen parkenden und fahrenden Autos fahren. Das ist nicht sehr angenehm. Die aufspringende Tür eines geparkten Autos kann für den Radler lebensgefährlich werden, weil er nicht ausweichen kann.

So sehen die drei Regeln des guten Benehmens für Radfahrer aus:

► Regel Nummer eins: Fahren Sie nie bei Rot. Dieser schwere Verstoß gegen die Verkehrsregeln ist unter vielen Radlern zur Gewohnheit geworden. Wer bei roter Ampel fährt, stresst und verunsichert die Autofahrer ganz erheblich. Er macht sie außerdem wütend, weil sie Angst haben, einen Radler zu überfahren, und weil sie selber bei Rot halten müssen. Das verlangen sie dann auch von den anderen Verkehrsteilnehmern.

► Regel Nummer zwei: Fahren Sie möglichst ganz rechts. Ermöglichen Sie es dem Autofahrer immer, Sie zu überholen. Er hat es eilig und fährt doppelt so schnell wie Sie. Wenn Sie zu weit in der Mitte der Fahrbahn fahren, dann wirkt das provozierend und ist oft der Anfang eines erbitterten Streits.

► Regel Nummer drei: Nehmen Sie Rücksicht auf abbiegende Autos. Unter den Autofahrern gibt es nur wenige Rowdys, die meisten wollen die Radfahrer respektieren. Es kommt aber auch bei den routiniertesten Fahrern vor, dass sie ein Rad im toten Winkel übersehen. Das passiert ungewollt, ist aber gefährlich, und darauf müssen Sie vorbereitet sein.

Ich meine: Schupelius trifft den richtigen Ton. Seine Aufforderung, Rücksicht und Partnerschaft an die Stelle von Rechtsverletzungen und Grobheit zu setzen, ist goldrichtig. Weiter so – beschreiten oder befahren wir doch gleich alle miteinander den goldenen Pfad des „Freundlichen Handschlags“!

Berlin-Knigge – Radfahrer gegen Autofahrer – BZ-Berlin.de

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„Benutzt die Gegenwart mit Glück“, oder: Eine lernende Volkspartei braucht eine lernende Führung

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Nov. 092008
 

30082008.jpg Wie eine gut funktionierende, lernende Volkspartei geführt wird, kann man in aller Seelenruhe am Beispiel der Demokraten in den USA studieren – man kann es sogar nachahmen. Während die beiden deutschen Volksparteien CDU und SPD sich geradezu krampfgeschüttelt in einzelnen Bundesländern – Brandenburg, Hessen, Berlin, Bayern – immer wieder zerlegen und erfolgreich Geburtshilfe für die dritte deutsche Volkspartei, nämlich die Linkspartei, leisten, baute Team Obama im hellen Lichte der Öffentlichkeit mit harter Arbeit eine überwältigende Musterpartei auf. Dies erkennt heute Christoph von Marschall im Tagesspiegel:

Operation Obama
Er hat Managerqualitäten und die Fähigkeit zur Personalführung. Seine Kampagne setzte in anderthalb Jahren mehr als eine halbe Milliarde Dollar um, Hunderte arbeiteten hauptberuflich für ihn, Tausende in Teilzeit, die Zahl der freiwilligen Helfer, die es zu koordinieren galt, überstieg eine Million. Auch seine Gegner erkennen an, er habe einen nahezu fehlerfreien Wahlkampf geführt.

Hillary Clintons und John McCains Mannschaft machten mit internem Streit und Personalwechseln Schlagzeilen. Team Obama blieb geschlossen und diszipliniert. Sensible Details drangen nicht nach draußen. Wenn sich Journalisten auf exklusive Informationen von Obama-Beratern beriefen, war das entweder beabsichtigt oder man durfte nahezu sicher sein, dass die Quelle nicht zum inneren Zirkel gehört, der tatsächlich Bescheid weiß.

Obama zieht hochqualifizierte, ehrgeizige Mitarbeiter an und setzt sie effektiv ein. Erst das ermöglichte die Rekorde in fast allen Belangen des Wahlkampfs. Nie zuvor hat ein Kandidat so viele Spenden eingeworben, so viele freiwillige Mitarbeiter angelockt, so viele Erstwähler motiviert und so viele Bürger insgesamt mobilisiert. Anfangs hielten viele ihn für ein vorübergehendes Phänomen – eine Art politisches Popidol, dessen Attraktivität sich durch Wiederholung der immer selben Reden erschöpft. Sie haben sich geirrt. Obama bewies dauerhaft Anziehungskraft.

Was lernen wir daraus? Die Debatten in den nicht funktionierenden deutschen Volksparteien kreisen ständig um die Fragen: Wer hat was falsch gemacht? Wer ist schuld an dem Schlamassel? Wem schieben wir den Schwarzen Peter zu? Wen schicken wir diesmal als Sündenbock in die Wüste? Letztes Beispiel: Die Regionalkonferenz  im Glashaus am vergangenen Donnerstag (dieses Blog berichtete). Und das Schlimmste ist, Bloggerinnen und Blogger: Ich habe selbst mitgemacht – habe selbst recht amüsant geschimpft und kesselflickerhaft gelästert, statt noch einmal für meine schon mehrfach vorgetragenen konstruktiven Vorschläge zu werben. Au weia! Ich muss mich ebenfalls wandeln.

Ein himmelweiter Unterschied zu den Demokraten des Barack Obama: Die Debatten kreisten um folgende Fragen: Was läuft zur Zeit noch falsch? Wie können wir den Zustand ändern? Wer macht’s? Hillary Clinton oder Barack Obama? Wer zieht den Karren aus dem Dreck – besser: Wie ziehen wir den Karren aus dem Dreck? Wie holen wir die innerparteilichen Gegner (z.B. Hillary)  zurück ins Gespann?

In Anlehnung an Goethe drängt es mich zu sagen:

Amerika, Du hast es besser,

Hast keine Pfründen, keine Schlösser!

Hast keine wunderlichen Alten,

Die nur verwalten, nicht gestalten.

Die nur im Streiten sich ergehen,

Statt Krisen mutig zu bestehen.

Das Tollste ist: Diese Musterpartei reformierte sich nicht nur erfolgreich selbst, sondern sie gewann sogar den härtesten, schwersten und teuersten Wahlkampf aller Zeiten.

Werden wir Deutschen mit unserer vergleichsweise sehr jungen Demokratie das US-amerikanische Vorbild nachahmen können, wie wir es so erfolgreich nach 1945 nachahmten?

Ich glaube: Ja, wir schaffen das. Und ich habe in meinem vergleichsweise äußerst winzigen Umfeld begonnen, daran zu arbeiten.

Unser Bild zeigt heute einen Blick von einem unserer letzten Ostseestrandspaziergänge, aufgenommen in Dierhagen. Dort holte ich mir schon des öfteren Kraft und Weitblick für unsere recht kleinteiligen Berliner Verhältnisse.

Beschließen wir unseren sonntäglichen Zeiten-Strand-Spaziergang mit der Rezitation eines Goetheschen Gedichts:

Johann Wolfgang Goethe (1827)

Den Vereinigten Staaten

Amerika, du hast es besser
Als unser Kontinent, das alte,
Hast keine verfallene Schlösser
Und keine Basalte.

Dich stört nicht im Innern,
Zu lebendiger Zeit,
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.

Benutzt die Gegenwart mit Glück!
Und wenn nun eure Kinder dichten,
Bewahre sie ein gut Geschick
Vor Ritter-, Räuber- und Gespenstergeschichten.

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Sanft, versöhnlich und stets positiv nach vorne gerichtet …

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Nov. 072008
 

… wie es dem von uns gepriesenen Obama entspricht, verlief die zweite Regionalkonferenz der Berliner CDU nicht durchweg. Das war gestern abend auch nicht zu erwarten.  Im Gegenteil, unterschiedliche Meinungen wurden geäußert. Es herrschte gestern Einigkeit: Meinungsstreit innerhalb einer Partei gehört dazu. Nur wenn innerhalb der Partei Unmut frei geäußert werden kann und dann auch ein merkbarer Wandel folgt, wird man die viel zitierte Geschlossenheit nach außen allmählich wieder herstellen können. Dann folgt Vertrauen auf dem Fuße.

Ort des Geschehens war erneut das berühmte Glashaus, das wir in diesem Blog schon mehrfach erwähnt haben. Eingeladen hatte der Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg.
Die beiden Kandidaten Frank Henkel und Dieter Walther stellten sich selbst mit ihren Ansätzen dar. Ich hörte aufmerksam zu und meldete mich selbst ebenfalls zu Wort. Besonders gut gefiel mir die Forderung Dieter Walthers: „Wir dürfen die Leute in der Stadt nicht zutexten, sondern müssen genau hinhören lernen.“ Ich schloss mich der früher bereits geäußerten Forderung nach einer Mitgliederbefragung an. Eine Mitgliederbefragung über den Landesvorsitz wird sicherlich als Signal verstanden werden, dass die Basis stärker zu Wort kommen soll.

Besonders gespannt war ich auf den letzten Beitrag von Vera Lengsfeld. Sie bewirbt sich als Direktkandidatin in unserem Bundestagswahlkreis 084. Sie stellte sich mit wichtigen Stationen ihres Lebenslaufs vor und bat um Unterstützung durch das gesammelte Wissen der „Ortskundigen“. Neben der Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit erwähnte sie als einen weiteren Schwerpunkt ihrer Kandidatur das Thema Energiepolitik. Hier gelte es dringend, bestehende Vorurteile auf den Prüfstand zu stellen.

Bilanz: Es war ein bewegt-bewegender Abend. Und wir können sehr viel von Obama und Merkel lernen. Ich selbst eingeschlossen.

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Öffnet die Tore zu neuen Chancen!

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Nov. 052008
 

Gestern hatten wir besonders abschreckende Beispiele von Berliner Lokalpolitikern für eine negative Grundeinstellung untersucht: Es sind die altbekannten Politiker, die die Rhetorik der Spaltung betrieben, die die Welt in „Wir – die Guten“ und „Ihr – die Bösen“ aufteilen, die Häme und Spott über die Fehlschläge der parteipolitischen Gegner ausschütten. Leider finden wir in der Berliner Landespolitik immer noch Vertreter dieser Negativpropaganda vor. Sie haben nichts eigenes zu verkünden, keine eigenen politischen Botschaften anzubieten, also müssen sie die anderen zur Schnecke machen.

In der Weltpolitik lieferten die USA erneut ein Vorbild für uns: Faire Auseinandersetzung zwischen zwei Bewerbern, ein klarer Sieg für den Vertreter eines neuen, positiven Politikverständnisses, und erneut eine mitreißende Rede des Gewinners Barack Obama.

Warum schaffen wir in der Berliner Landespolitik so etwas nicht auch? Warum immer so viel Verzagtheit, so wenig Vertrauen, so wenig Schwung? Sagt doch mal bitte: „Ja, wir schaffen das!“ Es geht!

Übrigens: Der Mann hat auch ein Programm, mit präzisen Ansagen, klaren Maßnahmen zu Bildung, Arbeit, Integration, Wirtschaft, Afghanistan. Leider haben die deutschen Medien fast gar nicht darüber berichtet, aber wenn man die amerikanischen Medien verfolgt, ergibt sich ein klares Bild. Warum verschwiegen die deutschen Medien die konkreten Planungen Obamas weitgehend? Ich meine: Die deutsche Politik ist so ausgehungert, das Publikum gerade in Berlin dürstet nach Menschen, die etwas Neues verkörpern. Das ist die Botschaft, auf die Deutschland und die Stadt Berlin wartet – das alltägliche mühselige Geschäft der Politik, das natürlich auch in den USA auf den neuen Präsidenten wartet, wird später kommen.

Lest hier noch einen Ausschnitt aus der Siegesrede Barack Obamas. Ich wünsche mir mehr von diesem Geist in meiner Heimat, dieser großartigen Stadt Berlin!

This is our time, to put our people back to work and open doors of opportunity for our kids; to restore prosperity and promote the cause of peace; to reclaim the American dream and reaffirm that fundamental truth, that, out of many, we are one; that while we breathe, we hope.

Obamas Rede im Wortlaut engl.: „Das ist euer aller Sieg“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

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Politiker, schult eure kommunikativen Fähigkeiten!

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Nov. 042008
 

Im letzten Eintrag spießten wir einige besonders abschreckende Beispiele für einen kommunikativen Stil auf, der heute nicht mehr zielführend ist. Wir nannten diesen Stil „Negativpropaganda“. Dieser Stil herrschte nach unseren Beobachtungen in der Berliner Landespolitik mindestens bis zum Jahr 2001 vor. Manche haben ihn auch heute immer noch nicht überwunden. Die rot-rote Koalition brachte hier ein Umdenken. Durch geschicktes Umsteuern in der Kommunikation gelang es der SPD, die vormaligen Gegner, also die damalige PDS, zu hilfreichen Partnern in einem Bündnis zu machen, das sich dank beständiger Schützenhilfe einer zerstrittenen Opposition bis heute an der Macht halten konnte.

Das Aushandeln von durchsetzbaren Lösungen ist heute die wichtigste Voraussetzung, um an die Macht zu gelangen, sich an der Macht zu halten, und Macht auch in Zeiten der Krise zu behaupten. Dabei gilt es, berechtigte Interessen aller Seiten anzuhören und zu einem vertretbaren Ausgleich zu bringen. Nur wer diese Kunst beherrscht, wird dauerhaften Erfolg haben. Wir fanden, dass die Ausführungen Thomas de Maizières, über die wir am 09.05.2008 in diesem Blog berichteten, unserer hier vertretenen kooperativen Politikauffassung am nächsten gelangen.

Dies ist auch der Tenor eines äußerst lesenswerten Artikels im aktuellen gedruckten Spiegel Nr. 45/2008. Autor Dirk Kurbjuweit analysiert unter dem Titel „Unwirkliche Wirklichkeit“ ab Seite 32 die gegenwärtige  Krisensituation und stellt fest, dass in Deutschland ein erschreckender Mangel an verhandlungssicheren, sachlich versierten Spitzenpolitikern herrsche. In der englischen Online-Ausgabe lesen wir:

Officials at the Chancellery in Berlin recently came up with a list of Germans capable of understanding the financial crisis and helping to develop a solution. The list amounted to less than 10 people. This deficit is a consequence of German restraint. The French are better at placing their people in international institutions. Germany, however, has granted itself the luxury of remaining provincial, and has done well for itself as a result, but this period of cultivating the idyllic is coming to an end.

This is especially true of the politicians themselves. If we add up the number of people in Germany that can be trusted to discuss complex issues in daily telephone conferences with the Bushs, Sarkozys, Wens, Singhs and Medvedevs of this world, we are hardly likely to hit upon more than five. Merkel is one of them, and Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier can work his way into the role. Kurt Beck, the former leader of the Social Democrats (SPD), already seems like a man from a different era.

Kurbjuweit erhebt Forderungen, die man eigentlich allen Berliner Regionalparteien ins Stammbuch schreiben sollte:

„Das heißt, dass die Politik ihr Rekrutierungsverfahren umstellen müsste, von Ortsvereinstauglichkeit auf Weltgewandtheit. Politische Karriere macht bislang, wer bleibt. Die Hauptkompetenzen sind Machtsicherung und Machtverteidigung. Aber in der Weltkrise ist eher ein kluges Ingenieurtum nötig, dazu Verhandlungsgeschick auf höchstem Niveau.“

Ich meine: Die Parteien müssen andere Fertigkeiten schulen – bei sich selbst, bei ihren Mitgliedern, vor allem aber bei den Berufspolitikern. Nur der darf Berufspolitiker werden, der die nötigen Schlüsselqualifikationen mitbringt: Verhandlungsgeschick, Verlässlichkeit, Berechenbarkeit, Verschwiegenheit, ständige Lernbereitschaft, gute Beherrschung der Muttersprache – sowie die Fähigkeit, die Wirkung der eigenen Worte mit einiger Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Flüche, Beleidigungen, Verunglimpfungen – all das kann man sicherlich zuhause in den eigenen vier Wänden tun (ich versuche es auch hier zu unterlassen). Auf der politischen Bühne haben Unflätigkeiten und Flegeleien – so meine Auffassung – nichts verloren.

Ich meine: Wer diese  sieben wichtigen Tugenden

Verhandlungsgeschick, Verlässlichkeit, Berechenbarkeit, Verschwiegenheit, ständige Lernbereitschaft, gute Beherrschung der Muttersprache, Fähigkeit, die Wirkung der eigenen Worte vorherzusehen

nicht mitbringt, der sollte sich fragen, ob er oder sie für wichtige politische Ämter geeignet ist. Ich meine: Eher nein. Umgekehrt gilt: Wer diese Tugenden hat, der muss meines Erachtens ganz nach vorne gelangen.

Merkel’s Push for Consensus: Crisis Creates a New German Politics – SPIEGEL ONLINE – News – International

This shift means that the political world will have to modify its recruitment parameters from an emphasis on local skills to urbaneness. Until now, the key to a political career was staying power, not mobility. The ability to secure and hold on to power was the principal competency. But the kind of person who can prevail in a world crisis is someone with clever engineering abilities and high-level negotiating skills.

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„Geschichtsvergessener Machtrausch jämmerlich gescheitert“, oder: das ABC der Negativpropaganda

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Nov. 042008
 

Immer wieder werde ich gefragt: Was ist denn noch mal der Unterschied zwischen Positiver Kommunikation und Negativpropaganda? Gib uns Beispiele für Negativpropaganda!

Gerne,  Bloggerinnen und Bligger! Nehmen wir doch etwa die gestrigen Ereignisse in Hessen. Der Versuch Andrea Ypsilantis, sich mithilfe der Linkspartei an die Macht wählen zu lassen, ist gescheitert, weil vier Mitglieder ihrer Fraktion sich dem Vorhaben verweigerten.

Wie kann man darauf im Sinne der „Negativpropaganda“ reagieren? Nun, man greife tief in die Kiste der mit unangenehmen Gefühlen besetzten Wörter. Man sagt also nicht: „gescheitert“ , sondern „kläglich gescheitert“. Man sage also nicht: „Andrea Ypsilanti wollte an die Macht“, sondern: „Andrea Ypsilanti wurde vom Machtrausch getrieben“. Man sage also nicht: Andrea Ypsilanti scheint aus der DDR-Geschichte nichts gelernt zu haben, sondern man schmücke das Wort „Machtrausch“ noch mit dem Beiwort „geschichtsvergessen.“

Unser kleines Lehrbuchbeispiel für Negativpropaganda führt also zu dem theoretisch denkbaren Satz: „Der geschichtsvergessene Machtrausch der Andrea Ypsilanti ist kläglich gescheitert.“

Ich meine: Dies wäre ein treffliches Beispiel für die Negativpropaganda, wie sie etwa in den Zeiten des Kalten Krieges bis weit in die 60er Jahre hinein vorherrschte. Natürlich wird kein ernstzunehmender Politiker heute solche grotesk übertreibenden Sätze über die Lippen bringen, aber theoretisch denkbar wäre es! Und ich selbst habe noch als Kind in einer konservativ geprägten Umgebung häufig solche Sätze gehört. Man bot damals in den 60er Jahren in gewissen Kreisen allen erdenklichen Scharfsinn auf, um Willy Brandt als vaterlandsverräterischen Exilanten zu verunglimpfen.

Legendär ist auch die Beschimpfung des damaligen Schulsenators aus dem Jahre 2001, beim Bruch der Großen Koalition in Berlin. Noch 2001 pflegte der damalige CDU-Generalsekretär Schmitt diese hier beschriebene Negativpropaganda bis zur Vollendung. Er bezeichnete den SPD-Schulsenator als „Politnutte“. Das fiel auf Ingo Schmitt zurück. Damit war er zu weit gegangen. Er musste zurücktreten. Und ward seither kaum mehr gehört. Zwar wurde er danach noch nach dem „Gesetz der ewigen Wiederkehr“ Landesvorsitzender, aber auch da konnte er sich nicht halten. Es hatte ihm die Sprache verschlagen. Zur Positiven Kommunikation konnte er sich nicht durchringen.

Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.

Gefragt ist heute von den Spitzenpolitikern eine ganz andere Sprache. Mit Verunglimpfungen und Beschimpfungen im Sinne der hier beschriebenen Negativpropaganda wird man es nicht weit bringen. Wer den Gegner ständig mit Beschimpfungen zudeckt, wird vielleicht Säbelrasseln bei den eigenen Mannen auslösen. Er wird vielleicht auch als Häuptling auf den Schild gehoben. Er wird aber im Volk nicht punkten können.

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Nov. 022008
 

01112008002.jpg „Was du mit der Lernenden Volkspartei meinst, haben wir einigermaßen begriffen“, höre ich immer wieder. „Aber welche Rolle spielt der Begriff der Positiven Kommunikation, auf dem du doch ebenfalls so stark herumreitest?“

Hierauf erwidere ich: Die Lernende Volkspartei ist der Gesamtrahmen – die Positive Kommunikation ist das unabdingbare Mittel, um diesen neuen Lern-Ort mit Leben zu erfüllen.

Mit der negativen und positiven Kommunikatiuon ist es wie mit einem Kinde, das ungern die Zähne putzt. Nun kam eine Mutter und drohte: „Wenn du die Zähne nicht putzt, wirst du lauter Löcher haben. Dann geht es dir schlecht. Dann wirst du krank und es tut weh. Also marsch – putz dir die Zähne!“ Das Kind ging – und benetzte die Zahnbürste … und putzte sich die Zähne … nicht. Das Zähneputzen war eine unbequeme Pflicht geworden. Bisweilen log es: „Ich hab mir schon die Zähne geputzt.“

Genau so handelt die Partei, die da sagt: „Wählt eure Regierung ab. Wenn ihr eure Regierung nicht abwählt, geht es euch schlecht und alles wird immer schlechter. In der Regierung sitzen lauter Mauermörder! Was für eine Schande!“ Das Volk – dieses ungebärdige Kind – glaubte dieser Partei kein einziges Wort. Nur jene, die ohnehin meinten, dass alles immer schlechter werde, wählten diese Partei. Also die Selbstmörder, Berufspessimisten, Nörgler, Querulanten. In jedem Volke gibt es etwa 20% Depressive, Querulanten und chronisch Zukurzgekommene.  Da die Partei kein anderes Volk wählen konnte, wählte das Volk andere Parteien.

Zurück zur Geschichte mit dem Kind, das sich die Zähne nicht putzen wollte. Nun kam ein Vater. Der erzählte strahlend dem Kinde: „Ich habe mir eine elektrische Schallzahnbürste gekauft. Was für ein herrliches Gefühl – nach dem Putzen fühlt sich alles glatt an, die Zunge streicht über den Gaumen, alles schön weich und sauber. Ich könnte euch alle küssen!“ Da fragte das Kind. „Darf ich die elektrische Schallzahnbürste auch benutzen?“ „Ja, aber nur mit deinem eigenen Bürstenkopf!“ „Bitte, bitte gib mir den Bürstenkopf!“ Und so geschah es. Das Kind liebte die Zahnbürste, es putzte eifrig. „Ich möchte noch einmal putzen!“, sagte der Sohn nach einer Stunde. „Aber du hast doch gar nichts gegessen. Man soll nicht zu viel putzen“, erwiderte der Vater. „Gut – dann werde ich eben schnell ein Brot essen“, erklärte der Sohn. „Dann darf ich wieder putzen.“ Und von Stund an ward das Zähneputzen zu einem freudigen Ereignis, das jeden Tag angenehm beschloss. „Darf ich denn auch 5 Mal am Tag die Zähne putzen, Papa?“ „Nein, das wäre eine zu starke Belastung für dein empfindliches Zahnfleisch und den Zahnschmelz. Zwei bis drei Mal am Tag, jeweils nach den Mahlzeiten, das muss genügen.“

Was war hier geschehen? Ich – denn ich selbst habe dies erlebt – hatte mich bemüht, das Problem „Zähneputzen“ für den Sohn von einer leidigen Pflicht zu einem freudigen, technik-affinen Gesamterlebnis zu machen. So mögen es die Jungs doch. Eine Konsultation der maßgeblichen odontoiatrischen Literatur ergab: Eine neuartige Schallzahnbürste ist etwas sehr Sinnvolles. Richtig angewandt, erzielt sie weit bessere Putzergebnisse als eine manuelle Zahnreinigung. Vor allem wird das Hauptproblem der heutigen Zahngesundheit, nämlich das gehäufte Auftreten von Parodontitis, besser gelöst als mit der Handzahnbürste.

Selbstverständlich gehört die tägliche Verwendung der Zahnseide zur Reinigung der Zahnzwischenräume weiterhin zu unseren Pflichten.

Das Böse in der Welt wird durch diesen kleinen Trick keineswegs geleugnet. Es wird weiterhin Karies und Parodontitis geben. Weiterhin wird man Kinder zum Zähneputzen erziehen müssen. Aber der Weg dorthin führt nicht immer über Drohungen, Strafen und Verbote. Man kann das Zähneputzen auch zu einem runden, lustigen Ritual machen.

Und so ist es auch in der Politik: Nur jene Partei wird Erfolg haben, die positive Erlebnisse verschafft, – die dem Wähler anregende, erfreuende Botschaften bringt. Ständige Negativpropaganda stößt ebenso von Parteien ab wie Zerstrittenheit, unsympathische Spitzenleute, lustfeindliche Gesamterscheinung und ständiger Einsatz von Drohungen.

Verkünde deine Botschaften lachend – dann werden die Wähler mit dir lernen wollen!

Inschrift auf dem Pullover im Bild: Cool Choice Dress – Enthusiast.

 Posted by at 20:56

„Gute Kommunikation ist das A und O“

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Okt. 202008
 

„Gute Kommunikation ist das A und O bei uns“ – so sagte mir erst vor wenigen Tagen eine Berliner Unternehmerin, als ich mit ihr über den fabelhaften Erfolg ihrer Firma sprach. „Wenn wir nicht weiterkommen, dann rufen auch wir auch schon mal eine externe Trainerin. Wir setzen uns zusammen, diskutieren Schwachstellen und ändern unser Verhalten. Danach läuft der Laden wieder. So etwas nennen wir: professionelles Krisenmanagement.“

„Aha! Und was halten Sie für das Wichtigste bei guter Kommunikation?“, frage ich, neugierig geworden. Sie antwortete: „Klare Botschaften sind wichtig. Mal hü – mal hott – das kommt nie gut an. Niemand darf in Konfliktfällen sein Gesicht verlieren, auch die Unterlegene nicht. Man muss Fehler zugeben können. Wenn niemand mehr eigene Fehler zugibt, läuft etwas schief. Und sobald einmal eine verbindliche Vereinbarung getroffen ist, müssen sich alle daran halten.“

Wieder einmal beschlich mich der mulmige Verdacht: Sind Frauen besser im Kommunizieren? Einiges spricht dafür. Aber auch wir Männer sind Menschen. Menschen können lernen. Menschen können sich ändern, das wir wissen wir doch.

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Nach dem Machtkampf ist vor dem Machtkampf ist während des Machtkampfs

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Okt. 182008
 

Wer aufmerksam die Vorgänge in Wirtschaft, Politik und Kultur verfolgt, stellt fest: Immer wieder verschleißen Organisationen wichtige Führungsgestalten. Die Frage lautet dann: Wer sind die nächsten? Es lässt sich meist bereits früh absehen, dass eine vorschnelle Benennung von Kandidaten nur zu deren vorzeitigem „Abräumen“ führt, wie das in Berlin recht grob genannt wird. Es werden – wenn nicht bewusst gegengesteuert wird  –  sicherlich mehr als sieben Kandidaten verschlissen, ehe dann der letzte, der einzig noch wählbare, übrigbleibt. Was läuft in solchen Fällen falsch?

Ich meine: Die wichtigsten der zahlreichen Blöcke und Kleinstparteien innerhalb der Firma müssen befragt werden, ehe ein Vorschlag ins Rennen geschickt wird.  Der Dauerstreit geht sonst endlos weiter. Wer sich hierüber wundert, muss sich einen Mangel an politischem Instinkt vorhalten lassen.

Wenn bereits früh massive Kritik an den Personen und dem Verfahren laut wird, dann sind diese Kandidaten nicht mehr durchsetzbar. Der Fachmann sagt: Sie sind „verbrannt“. Man sollte sie dann aus der Schusslinie nehmen.Ich meine: Eine Lösung der Probleme kann nur im Zusammenwirken aller beteiligten Fraktionen, Seilschaften, Blöcke und Kleinstparteien innerhalb einer handlungsunfähigen Organisation gelingen. Hierzu könnte man an das „Beichstuhlverfahren“ Angela Merkels  denken. Es müsste ein Unterhändler gefunden werden, der über den Parteien steht und dann in mühseliger, diskreter Kleinarbeit ohne Büchsenspanner aus der Lokalpresse einen Vorschlag zum Verfahren macht, dem alle Streitkräfte zustimmen können.

Wichtig ist, dass die Unternehmung  sich auf eine Art Regelwerk der guten Zusammenarbeit einigt und diese Selbstverpflichtung von allen Kämpfern und Matadoren unterzeichnen lässt, so dass eine Abfolge von wiederholten schweren und schwersten Fehlern verhindert werden kann.

Zeitdruck besteht dabei nicht.

 Posted by at 15:08

Lasst euch von euren Gegnern beraten!

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Okt. 132008
 

Die wertvollste, obendrein kostenlose Unternehmensberatung  erhalten Firmen von unzufriedenen Kunden. Die wertvollste Politikberatung, zudem kostenlos, erhalten Parteien von ihren Gegnern.  Alle Kandidaten tun gut daran, die Negativpropaganda gegen sich genau zu studieren – um daraus dann ein Argument für sich zu schmieden.

 Posted by at 09:01

Vermeide gespaltene Botschaften! (2)

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Okt. 122008
 

Ich bin zwar stets ein Verfechter der offenen Aussprache, des Wettbewerbs der Meinungen gewesen. Das sollen und können die Mitglieder einer Partei auch jederzeit so halten. Die können plaudern und bloggen, so viel sie wollen. Die können und dürfen auch jederzeit zu den Vorleuten der Partei hingehen und sagen: „Was ihr macht, halte ich für falsch!“

Aber die führenden Repräsentanten einer Partei müssen sich untereinander abstimmen. Sie dürfen nicht umstandslos ihre eigene Privatmeinung oder ihre höchst privaten Machtinteressen als Parteilinie ausgeben.

Eine gute Partei ist nicht einfach die Aufaddierung von zusammengelesenen Einzelmeinungen, sondern der ständig fortzuschreibende Versuch, unterschiedliche Einzelmeinungen aus der Gesellschaft zusammenzubringen und dann als konkrete, unmissverständliche Botschaft in die Politik hineinzutragen.

 Posted by at 11:19

Eine Reform an Haupt und Gliedern …

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Okt. 082008
 

… verlangt nunmehr auch der designierte Parteichef Frank Henkel. Die BILD schreibt heute:

Henkel will die Partei umkrempeln: „Es wird eine Reform an Haupt und Gliedern. Die Partei wird nicht die gleiche sein wie vorher.“

Berliner Union: Frank Henkel und Monika Gruetters eilen zur CDU-Krisensitzung – Berlin – Berlin – Bild.de

Damit sind die Forderungen, die wir bereits Ende Juli vorgetragen hatten, nunmehr zur konkreten Handlungsabsicht geworden:

a) Das umfassende Revirement an der Spitze der Partei, das Manfred Güllner vorgeschlagen hatte, hat begonnen.

b) Die Reform an Haupt und Gliedern, die wir am 30. Juli 2008 in diesem Blog angemahnt hatten, wird nunmehr auch vom designierten Parteichef verlangt. Damals hieß es aus dem Munde Frank Henkels noch: „Wir müssen unser Profil schärfen.“

Mein persönliches Fazit: Wenn man in einer Partei mitarbeiten will, braucht man viel Geduld. Aber nach und nach lassen sich viel mehr Forderungen durchsetzen, als man zunächst zu hoffen wagte! Und oft sogar schneller, als man für möglich hielt. Die erstaunliche Wandlung des Frank Henkel ist ein Beweis.

Meine nächsten Arbeitsziele:

1) Darauf hinarbeiten, dass die Führungskrise nicht nur mit einzelnen Namen verknüpft wird. Was seit 2001 in der Berliner Union geschieht, muss als beständige Wiederholung von strukturell gleichartigen Inszenierungen gelten. Die Führungskrise dauert im wesentlichen seit 2001 an. Sie ist noch nicht vorbei.

2) Zentrale Rolle der Kommunikation noch stärker betonen! „Ja, mit der Kommunikation hat er’s ja nicht …“ Diese Aussage über den scheidenden Landeschef spricht Bände! Die Führungskrise ist auch eine Kommunikationskrise. Jede Partei, die eine schlechte Kommunikation hat, steht nach außen als schlechte Partei da.

Umgekehrt gilt: Sobald in einer Partei eine gute, methodisch klare Kommunikation eingeführt wird, werden sich Prozesse sofort verbessern. Verbesserte Prozesse werden mittelfristig auch zu besseren Wahlergebnissen führen. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Man braucht dann nicht mehr um Personen oder um Programme zu streiten. Denn am Ende guter Kommunikation steht eine Abstimmung. Nach einer demokratischen Abstimmung werden die Unterlegenen – sofern eine gute Kommunikation vorausging – dieses erzielte Ergebnis mittragen.

 Posted by at 12:42
Sep. 292008
 

 Einer der aufschlussreichsten Wahlabende seit langem liegt hinter uns. Befund: eindeutig.  Sowohl in Bayern als auch in Brandenburg als auch in Österreich haben die jahrzehntelang im Sattel sitzenden Parteien zusammen gegenüber den vergangenen Wahlgängen hohe Verluste eingefahren. In Bayern hat es die CSU trotz bester wirtschaftlicher Daten nicht geschafft, die Zeichen der Zeit zu vernehmen. Die überzeugende personelle und inhaltliche Erneuerung, das beständige Nachjustieren am kommunikativen Auftreten – eine Daueraufgabe für jede Partei – glaubte man sich offenbar schenken zu können.

Bester Beweis für diese Versäumnisse war erneut der Auftritt der Generalsekretäre im ARD-Fernsehen. Wie schon seit Jahren vernahm man keine neuen Einsichten, obwohl doch das sensationelle Ergebnis in Bayern geradezu danach schreit, mal den Fehler bei sich selbst zu suchen. Die alte misstönende Leier vom „bürgerlichen Lager“, das in sich konstant geblieben sei, darf uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bindekraft des Lagergedankens noch einmal schwächer geworden ist. Die Deutschen und die Österreicher, also das Volk, wählen von Mal zu Mal das Lagerdenken erneut ab, aber die Volksparteien merken es nicht. Außer einem Hubertus Heil, aber der hatte gestern auch nichts zu lachen, sondern war eher grimmig drauf. Grotesk!

Für die CDU Brandenburg hat sich offenbar das seit Jahren zerstrittene Auftreten als Misserfolgsfaktor erster Ordnung bewahrheitet. Erneut zeigt sich: Zerstrittene Parteien, die es nicht schaffen, die richtigen Leute auf die richtigen Plätze zu stellen, werden in Zeiten der schwindenden Parteientreue besonders hart bestraft.

Die Regierungspartei brach in Bayern ein, die größte Oppositionspartei verlor ebenfalls. Die Wähler schwimmen den Volksparteien davon. Die Wähler machen sich, statt sich nur verzweifelt die Haare zu raufen, eigene Parteien – wie die Freien Wähler. Man kann es ihnen nicht verdenken.

Was können die Parteien in anderen Bundesländern lernen? Ich meine dreierlei:

1. Wir brauchen beständig hinhörende, beständig werbende, beständig sich erneuernde, beständig lernende Parteien. Dies gilt besonders für die Volksparteien CDU und SPD. Erbhöfe gibt es nicht mehr.

2. Zerstrittene Parteien, die mehr mit sich selbst als mit Sachthemen beschäftigt sind, werden unerbittlich bestraft. Hier gilt es, zwischen den Wahlgängen die parteiinternen Prozesse so umzugestalten, dass größere Betriebsunfälle kurz vor den Wahlen zuverlässig vermieden werden.

3. Die Wähler schätzen es nicht, wenn man den schwarzen Peter ständig weiterschiebt. „Die große Koalition ist schuld!“ „Der Stoiber muss wieder her!“ Usw. usw. Die Suche nach dem Sündenbock läuft wie ein Marathon in Fortsetzungen. Aber die Wähler wollen reinen Wein eingeschenkt bekommen. Die Funktionäre scheinen dem Strom hinterherzuschwimmen, statt ihn aktiv zu lenken. Das Floß treibt im Strudel. Mehr und mehr Stämme lösen sich ab. In einer solchen Lage gilt es, mit eigenen Konzepten hervorzutreten, den Wandel zu gestalten, statt ihn ohnmächtig zu erleiden.

Ein herrliches Denkbild schenkte uns – wie in diesem Blog berichtet –  am 8. Mai 2008 Thomas de Maizière: Er erzählte die Geschichte von den drei Kindern, die in einem Zimmer herumtoben, bis eine kostbare Vase zerbricht. Die Eltern schauen herein und fragen: „Was ist passiert? Wer hat diese Vase zerbrochen?“ Alle Kinder sagen: „Ich war es nicht!“

Sie weigern sich, eigenes Fehlverhalten einzugestehen – obwohl die Gesetze der Physik dagegen sprechen.

Unser Bild zeigt einen weiteren Eindruck vom laufenden Volk. Gestern aufgenommen.

Interaktiv: Die Wahlergebnisse in Bayern – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

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