Aug. 072012
 

„Ich würde meine Kinder auch nicht in Kreuzberg einschulen.“ Ein berühmter Satz des Regierenden Bürgermeisters Wowereit. Derartige Redlichkeit kommt beim Berliner Wahlvolk gut an – die Berliner haben ihn wiedergewählt.

„Ich würde meine Kinder in Kreuzberg einschulen.“ Ein schöner, gutklingender Satz der Schulsenatorin Scheeres, der gestern gedruckt im Tagesspiegel stand. Ich hege nicht den geringsten Zweifel, dass die Schulsenatorin ihre Kinder in Kreuzberg einschulen würde, wenn sie hier wohnte. Würde, hätte, sollte! Ja, bitte, gern, tun Sie es. Ziehen Sie nach Kreuzberg, genießen Sie es! Wir brauchen hier in Kreuzberg wahrhaftig  Mütter und Väter, denen ihre Kinder nicht zu schade sind, um sie in den Dienst der Integration zu stellen (von „opfern“ sollte man nicht reden).

Ich meine in der Tat: Jede Berliner Politikerin, jeder Bildungsfunktionär, jede Elternsprecherin, jede Bildungsforscherin, jede Bildungspolitikerin, jeder Lehrergewerkschafter (insbesondere GEW) sollte die eigenen Kinder mindestens für ein oder zwei Schuljahre in eine „Grundschule im sozialen Brennpunkt“ schicken.

So wie dieser hier schreibende Blogger es ja auch getan hat. Reisen bildet. Umziehen bildet. Glauben Sie mir: Dies ist ein echter Augenöffner. Man kann danach die Verlautbarungen und Erklärungen all der Bildungsforscher, Lehrergewerkschafter, Bildungspolitiker, selbsternannten BenachteiligtensprecherInnen – sagen wir mal – „besser einordnen“. Und lässt sich nicht mehr so leicht einen Bären aufbinden.

Bitte wählen Sie dazu eine Schule mit möglichst hohem ndH-Anteil, mit möglichst hohem Anteil an von der Zuzahlungspflicht befreiten, also arbeitslos gemeldeten Eltern.

Übrigens: Von zur Zeit 26.429 Berliner Lehrern sind mehr als 1400 dauerkrank geschrieben. Wie man hört, steigt die Zahl der Krankmeldungen periodisch zu bestimmten Jahreszeiten an.

Es wäre interessant, die vom Amtsarzt gestellten Diagnosen nach Krankheitsbildern und nach Schulstandorten aufzuschlüsseln. Doch genau das geschieht in der Öffentlichkeit nicht. Und solange das nicht geschieht, hat auch das Rätseln über die Ursachen des unfassbar hohen Krankenstandes der Berliner Lehrer wenig Sinn. Werden Lehrer in bestimmten Gegenden eher krank?

Was ergibt ein statistischer Vergleich zwischen – sagen wir – Pankower und Kreuzberger Schulen? Was macht die Lehrer an Berliner Schulen krank? Die Schulpolitik? Die nachlässigen Eltern? Die schlechterzogenen Kinder? Der Stundenplan? Die Schulbürokratie? Der Feinstaub in der Berliner Luft? Die Reformwut? Die zu großen Klassen? Die zu kleinen Klassen?

So viele Fragen! Wir haben alle noch sehr viel zu lernen.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/ich-wuerde-meine-kinder-in-kreuzberg-einschulen-senatorin-scheeres-lobt-berlins-brennpunktschulen/6964682.html

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Juli 142012
 

http://www.qiez.de/berlin,friedrichshain,kreuzberg,reinickendorf/bildung/schulen/eltern-fordern-mehr-hygiene-an-schulen-in-friedrichshain-kreuzberg-und-reinickendorf/3959453

„Mehr Sauberkeit an Berliner Schulen!“ Rührige Eltern schlagen jetzt die Trommel gegen den Feinstaub, der sich unerträglich auf die empfindlichen Schleimhäute der Kinder lege, da der Senat nur drei Mal pro Woche die Klassenräume wischen lasse.

„Schafft endlich mehr Sauberkeit an Berliner Schulen!“

Wer wollte sich einer solchen Forderung entgegensetzen!

„Meine Tochter geht schon gar nicht mehr auf die Toilette, weil es da so unsauber ist! Ihr droht also eine Blasenentzündung! Bitte, tun Sie etwas! Fordern Sie, dass der Senat mehrmals täglich die Schultoiletten reinigt!“ Ich, ungerührten Auges: „Ihre Tochter hat sich beschwert. Dann lassen Sie uns doch mal besprechen, was wir gegen das Problem der verschmutzten Toiletten tun können.“

So oder ähnlich lagen mir Eltern in den Ohren, wenn wieder einmal das Gespenst der drohenden Blasenentzündung umging. Ich las es damals in den Zeitungen des vorvergangenen Winters, und dann kamen bei mir in meiner damaligen Eigenschaft als Elternsprecher die Eltern an, die sich ebenfalls bitterlich über eine drohende Blasenentzündung der Kinder beschwerten.

Es kam dann durch Gespräche und Besichtigungstouren heraus, dass viele Schulkinder die Grundregeln der hierzulande üblichen Toilettenbenutzung nicht kannten oder nicht einhalten wollten.

Lösung des Problems in diesem Fall: Den Schulkindern musste beigebracht werden, nach der Toilettenbenutzung das WC-Becken zu spülen, notfalls auch unter Gebrauch einer WC-Bürste, und sich anschließend die Hände zu waschen. Ferner musste ihnen beigebracht werden, benutzte Papierhandtücher in den Abfallbehälter und nicht auf den Boden zu werfen. Darüber hinaus wurde ihnen eingeschärft, die Toilettenräume nicht als Aufenthaltsräume zu nutzen, sondern nur für das dort zu verrichtende Geschäft.

Die Probleme der unhygienischen Verhältnisse sind mir wahrlich aus meiner langjährigen Tätigkeit als Elternvertreter an den verschiedensten Berliner Schulen bekannt.

Ich halte allerdings diese im obigen Artikel wiedergegebene Darstellung der Eltern für weit übertrieben! Gerade das Feinstaub-Argument grenzt an reinste Hypochondrie. Es ist ein richtiger, ein sauberer „Hygienefimmel“. Was wohl Allergologen dazu sagen, zu diesem Wahn, den Kindern ein klinisch reines Umfeld hinzaubern zu wollen?

Mein persönlicher Eindruck: Mangelnde Sauberkeits-Erziehung der Kinder ist meist die Hauptursache der unhygienischen Verhältnisse in Berliner Schulen.

Man muss allerdings nicht immer nach der Staatsknete von Väterchen und Mütterchen Staat rufen! Eine regelmäßige Schul-Putzaktion der Schüler (und Eltern) könnte da schon kleine Wunder bewirken. Das gleiche gilt für Plätze, Straßen, Hauswände …

Was man selber sauberhalten muss, das behandelt man anders. Und daran, an der pfleglichen, schonenden Einstellung gegenüber unserem unmittelbaren Lebensumfeld fehlt es sehr oft. Bestes Beispiel: der müllübersäte Görlitzer Park in Kreuzberg, die überall beschmierten und verzierten Hauswände in Friedrichshain.

Wir Bürger, auch schon oft die kleinsten, benehmen uns allzu oft in der Wohnung, im öffentlichen Raum, aber auch in der Schule so, als stünde stets ein wischmoppbewaffneter Putzmann (oder – warum nicht? –  eine wischmoppbewaffnete Putzfrau) hinter uns.

Ich würde Themen wie „hygienischer Toilettengang“, „Sauberkeit im Schulgebäude und im Schulhof“ zum Thema der Unterweisung im Berliner Grundschulunterricht machen, und zwar ab Schultag 1.

Etwas mehr Selbstzucht, etwas mehr Einhaltung von anerkannten Regeln, und viele Probleme lassen sich mit gutem Willen aller Beteiligten lösen. Ganz ohne Staatsknete.

Unser heutiges Bild zeigt einen Blick auf die Wasser des Königssees, des reinsten Sees in ganz Deutschland.

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Kindern eine gesunde Umwelt eröffnen!

 Einladungen, Kinder  Kommentare deaktiviert für Kindern eine gesunde Umwelt eröffnen!
Mai 292012
 

Kinder in eine bessere Umwelt geleiten ist schön! Ich freue mich schon auf die ADFC-Sternfahrt. Dieses Jahr werde ich die Kinderroute fahren.

Gesucht werden noch treue BegleiterInnen (=OrdnerInnen) für die Kinderroute der ADFC-Sternfahrt. Beginn der Kinderroute am Sonntag, 3. Juni 12.30 Uhr, S+U-Bahnhof Jannowitzbrücke. Ordner-Schulung beim ADFC in der Brunnenstraße 28 noch morgen (Mittwoch) und Donnerstag, jeweils 19.30 Uhr. Es gibt auch ein kleidsames Ordner-T-Shirt! Eltern und Familien, schart euch zu dem wehenden Banner der Kinderroute – 9 km in 90 Minuten – das SCHAFFST Du!

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Mai 282012
 
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Heute zitierte ich bei einem abendlichen Geplauder über die Kindererziehung mit einer Kreuzberger Mutter meine eigene Mutter:

„Ob Mutter sein schön ist, hängt in hohem Maße davon ab, wie der Vater der Kinder ist, aber auch, wie der Vater zur Mutter seiner Kinder ist.“

Zustimmung! Du hattest häufiger recht, als wir 4 Kinder damals erkennen konnten, Mutter – schon damals.

Der Würfel der Debattte um die Alternative zwischen einerseits Betreuungsgeld und andererseits dem forcierten Ausbau der Krippen- oder Kita-Plätze für Kinder von 0 bis 3 Jahren (und nur um diese Kinder von 0-3 Jahren geht es derzeit!) steht auf einer einzigen Ecke – wie gut zu sehen an dem jederzeit zum Fallen geneigten Würfel vor dem Willy-Brandt-Haus!

Jede familienpolitische Debatte, die nicht auch von Ehe und Familie, nicht auch und vor allem von den Bedürfnissen des kleinen Kindes spricht, wird und muss ihr Ziel verfehlen. Sie dreht sich im luftleeren Raum der Zahlen und Budgetvorbehalte.

Die entscheidenden Fragen, wenn wir über das Für und Wider des Betreuungsgeldes sprechen, sind zweifellos – in absteigender Wichtigkeit:

1) Was wollen und brauchen die Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren?

2) Was wollen und brauchen die Frauen, deren Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren stehen?

3) Wie können die Väter diese Mütter unterstützen?

4) Wie können die Gesellschaft und die Politik die Familien unterstützen, deren Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren stehen?

Dies ist das Buch, dem ich derzeit sehr viele Leserinnen und noch mehr Leser wünsche:

Gerda Hampel: Warum ich gerne Frau bin. Ein Buch für Mann und Frau. Rex-Verlag Luzern/Stuttgart, 1981, hier: S. 67

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Apr. 272012
 

Schnappatmung und Beißreflexe zuhauf umwabern die Aufnahme des Buch „Danke. Emanzipiert sind wir selber“ von Kristina Schröder und Caroline Waldeck.

Ich habe es nämlich gelesen und stelle fest, dass fast nichts von dem, was die Kritikerinnen des Buches hineinlesen, auch darin steht. Weder will es die Frauen als Heimchen am Herd wissen und sie dorthin ins finsterste Mittelalter zurückstürzen, noch verwirft es die Errungenschaften der Frauenbewegung. Die Autorinnen verlangen nichts anderes vom Staat und von der Politik, als dass sie ihre eigene Entscheidung treffen können, und dass ihnen nicht ständig Karriererwartungen aufgedrückt werden, die sie nicht wollen.

Die massiven Feindseligkeiten gegenüber den beiden Autorinnen finde ich sehr erhellend. Spannend für einen unbestechlichen Sozio-Analytiker, wie ich es bin!

Das Gleiche gilt auch für den Kampf gegen die „Herdprämie“ usw. Dass eine Frau sich in den ersten drei Lebensjahren vorrangig um die Pflege und Erziehung der Kinder kümmern will oder kümmern muss (hä?) und dafür liebend gern ihre Karriere unterbricht oder riskiert, das DARF nicht sein.

Und doch deutet vieles darauf hin, dass es für die Kinder am besten ist, wenn sie die ersten zwei oder drei Lebensjahre in enger räumlicher Anbindung an eine oder einige wenige stets gleichbleibende Frauen oder Männer verbringen, üblicherweise die Mutter, die „Amme“ oder sonst einige wenige Personen.

Das wirtschaftlich und sozial erfolgreichste Bundesland mit den statistisch geringsten Sozialproblemen, nämlich Bayern, hat die geringste Betreuungsquote im frühkindlichen Bereich (8%). Besteht da ein Zusammenhang?

Selbst das häufig zu hörende Argument, türkische oder arabische Kinder müssten in der Krippe Deutsch lernen, weil sie es sonst nicht mehr könnten, trifft nicht zu. Das ergibt sich doch schon daraus, dass die allermeisten türkischen und arabischen Kinder, die wirklich Erfolg in Berlin oder in Deutschland haben, eben nicht aus der deutschen Krippe kommen, sondern aus intakten, relativ traditionellen Familien. Diese erfolgreichen Migranten kommen häufig erst im Alter von 6 oder 7 Jahren nach Deutschland, haben nicht die deutsche staatliche Kleinkindbetreuung, sondern die familiengeprägte Sozialisation ihrer monoethnischen Herkunftsfamilien durchlaufen. Beispiele kenne ich selbst zuhauf.

Wir haben im letzten Jahr vor dem Schulbesuch in Berlin ein Kitabetreuungsquote von fast 96%, gleichwohl setzen Politik und Gesellschaft völlig unrealistische Erwartungen in einen großflächigen Ausbau der staatlichen Kleinkindbetreuung.

Nichts spricht dafür, dass die massiv verfestigten Integrations- und Sozialisationsprobleme unserer typischen Kreuzberger oder Neuköllner Kinder durch die staatliche Krippe für Kleinkinder (0-3 Jahre) gelöst werden könnten.

Mich interessiert, wie es zu dieser massiven Abwertung des Mütterlichen in den westlichen Gesellschaften etwa seit 1980 kommen konnte. Kuckt Euch mal die Reklame, die Werbung, die Mode und die Stars an. Alles, was bei der Frau auf so etwas wie „mütterliche“ Konnotationen hinweisen könnte, wird systematisch weggepixelt. „Versteck Deine mütterliche Seite!“ Dies scheint ein zentrales Gebot der heutigen Medienlandschaft zu sein.

Was aber ist mütterlich? Darüber besteht – glaube ich – ein gewisser jahrhundertelanger Grundkonsens in den europäischen Gesellschaften, was sich unter anderem daran ablesen lässt, dass in verschiedenen europäischen Kulturen verschiedener Zeiten das Mütterliche ähnlich besetzt wird: Das Ideal der Mütterlichkeit ist eng verknüpft mit Fürsorge, Zärtlichkeit, Sanftheit, Dauerhaftigkeit, Hingabe, Treue, Uneigennützigkeit. Mit dem Willen, das Kind zu hegen und zu pflegen, es wachsen zu lassen, es groß werden zu lassen.

Doch genau dieses Ideal ist heute brüchig geworden.  

Gefragt ist heute die multipel einsetzbare, parallel in mehrere Karrieren eingetaktete Frau: Sie wählt selbst ihren Weg in Wirtschaft, Gesellschaft und Familie oder in  verschiedenen Lebensformen, lässt sich von niemandem dreinreden, entscheidet für sich, was gut für sie ist.

Kinder? Ja, gern, aber nicht als Selbstzweck, nicht als unverfügbares Geschenk und schicksalhafte Pflicht, und vor allem nicht, damit eine Frau gar im Muttersein Glück und Erfüllung finden könnte, wie das einige Jahrtausende lang von vielen Frauen erwartet wurde. Kinder sind etwas Gutes im Leben der Frau nur sobald und soweit sie in den Lebensentwurf der Frau hineinpassen.

Der Staat, die Politik sollen gefälligst dafür sorgen, dass das Kind nicht als gravierender Störfaktor der Lebensplanung, sondern als willkommene Ergänzung eines Lebensabschnittes gelingt.

Darüber würde ich wahnsinnig gerne mal mit Frauen und Männern streiten. Mal kucken.

 

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Für mich

 Familie, Kinder, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Für mich
Apr. 112012
 

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„Menschen, die selber keine Kinder haben, begreifen nur selten, was dies bedeutet, ganz gleich, wie reif und intelligent sie ansonsten auch sein mögen, zumindest traf das auf mich zu, bevor ich selber Vater wurde.“ Der guten Ordnung halber setzen wir diesen Satz, der von Karl Ove Knausgard stammt, in Anführungsstriche.

Ich meine in der Tat: Das Hineinwachsen in die Rolle eines Vaters oder einer Mutter kann jedem Menschen eine Dimension des Mitmenschlichen eröffnen, die über das Für-Sich-Sein hinausgeht. Denn Vater oder Mutter müssen, sofern sie ihre Verantwortung ernst nehmen, stets bedenken: Welche Wirkung hat das, was ich tue oder nicht tue, für mein Kind? Welche Wirkung hat das, was ich tue oder nicht tue, für andere Kinder? Für andere Menschen?

Kinder verlangen, dass wir für sie mit-denken, mit-fühlen, mit-entscheiden.

Am Beispiel des gestern erlittenen Auffahrunfalls an der roten Ampel wurde mir dies wieder klar. Ein gesunder, kräftiger, hellwacher Mann meint in der Regel abschätzen zu können, ob er mit seinen Rotlichverstößen jemand anderen gefährdet.  „Ich entscheide für mich selber, wann ich mich an Verkehrsregeln halte und wann nicht – ich entscheide nur für mich.“

„ICH entscheide FÜR MICH selber, was gut ist oder nicht.“ Das ist der vorherrschende Modus der Für-Mich-Gesellschaft. Auf diesen Modus setzt die Werbung, setzen die vielen Glücksverheißungen, etwa die Spielcasinos, das Rauschgift, der Alkohol, die Sucht, die zahllosen Belohnungen und Gratifikationen, welche der Konsum ausschüttet.

Siehe etwa das obige Bild!

Allerdings hat dieser Mann, der mir gestern ins Fahrrad drauffuhr, nicht bedacht, welche Wirkung diese gehäuften Rotlichtverstöße auf die Berliner Kinder haben. Die Kinder sehen in der Welt der Erwachsenen, dass die Erwachsenen sich selber oft nicht an die Regeln halten, die ihnen in der Schule eingeschärft werden. „Halte bei Rot an!“ Dutzende Male hören die Kinder das in der Schule. Und hunderte Male wird vor ihren Augen gegen diese Regel verstoßen.

Folge: Die Kinder wissen nicht, woran sie sind. Sie sehen: Die Regeln gelten nur für manche, für andere nicht.

Eben dieser junge, kräftige Radfahrer, der mir gestern an der Ampel drauffuhr, würde sich vermutlich anders verhalten, wenn er Vater wäre und mit seinem minderjährigen Sohn zusammen Rad führe. Er wüsste dann nämlich, dass für Kinder das Vorbild der Erwachsenen von entscheidender Wirkung ist.

Diese Dimension des Für-andere-seins wird selbstverständlich auch in vielen anderen Erfahrungen zugänglich: in der Freundschaft, in der Liebe zu einem anderen erwachsenen Menschen oder zu einem Tier, immer da, wo Menschen für einen bestimmten anderen Menschen dauerhaft Verantwortung übernehmen.

Aber Vaterschaft und Mutterschaft nötigen diesen Wandel der Persönlichkeit geradezu auf. Freundschaften oder Liebesbeziehungen zu anderen Menschen sind frei wählbar und abwählbar.

Das eigene Kind hingegen ist nicht „wählbar“. Gerade deswegen können Kinder einen so umfassenden, verwandelnden Einfluss auf das Leben der Erwachsenen ausüben. Sie können einen erste, notwendige Schritte zum Lieben führen.

Zitat:
Karl Ove Knausgard: Lieben. Roman. Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Luchterhand Verlag, München 2012, S. 6

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Warum ist jedes fünfte Kind in Berlin psychisch krank?

 Familie, Frau und Mann, Kinder, Liebe, Männlichkeit, Mutterschaft  Kommentare deaktiviert für Warum ist jedes fünfte Kind in Berlin psychisch krank?
März 122012
 

Immer mehr Berliner Kinder, mittlerweile sogar jedes fünfte, sollen psychisch krank sein. Eine niederschmetternde Zahl, die sich leider mit meiner langjährigen Erfahrung deckt.

So viele kranke, alleingelassene, sich schutzlos und unbehütet vorkommende Kinder haben unseren Weg gekreuzt!

Viele habe ich gesehen, in vielen Familien bin ich gewesen, viele alleinerziehende  Mütter haben mir von ihrer Situation berichtet.

Darüber sollten wir reden!

Mir wird viel von Erziehern, Lehrern, Psychologen und Sozialarbeitern gesagt und anvertraut – und ich stimme diesen Aussagen nach 2 Jahrzehnten Vater-Erfahrung mit und in Berliner Kitas und Schulen weitgehend zu:

 Folgende Behauptungen stelle ich als meine Meinung in den Raum:

Mit den Eltern steht und fällt fast alles!

Um ein Kind, das zwei fürsorgliche, verantwortliche, sich kümmernde Eltern hat, brauchen wir uns keine echten Sorgen zu machen.

Seelische Vernachlässigung, Abwesenheit des Vaters und ersatzweise gewährte materielle Verwöhnung bis hin zur früh angelernten Sucht sind heute die allergrößten Gefahren für die Gesundheit der Kinder.

Aufmerksamkeitsdefizitsyndrome entstehen in Kindern aus einem chronischen Mangel an persönlich erfahrener Aufmerksamkeit. Sie sind nicht biologisch bedingt, sondern entstehen dadurch, dass die Kinder selber nie gespannte, hörende, wohlwollende Aufmerksamkeit erfahren haben.

Die Eltern müssen mehr tun! Die Schule und die Kita, Schulstationen, Sozialarbeiter und Psychologen können das Defizit nur zum Teil ausgleichen.

Leider droht in Berlin das Wissen darüber, was eine gute Mutter, einen guten Vater ausmacht, komplett verlorenzugehen. Berlin sägt in blinder Staatsgläubigkeit sozusagen am eigenen Ast.

Wir brauchen Elternschulung von Kindesbeinen an. Eigentlich müsste eine psychisch gesunde Gesellschaft bereits die Kinder zu guten Eltern zu erziehen anfangen.

Was meint Ihr dazu?

Berliner Senatsbericht – Jedes fünfte Kind in Berlin ist psychische krank – Berlin – Berliner Morgenpost – Berlin

 Posted by at 18:10

Dauerkrank wegen zu geringer Bezahlung? Wegen fehlender Verbeamtung?

 Geld, Gesundheit, Gute Grundschulen, Kinder, Mobbing in der Schule, Person, Sündenböcke, Verdummungen  Kommentare deaktiviert für Dauerkrank wegen zu geringer Bezahlung? Wegen fehlender Verbeamtung?
Feb. 272012
 

Immer wieder unterhalte ich mich seit 3 Jahrzehnten mit Kreuzberger und Berliner Lehrern über die Belastungen ihres Berufes. Viel zu viele habe ich dauerkrank werden sehen, andere haben eines jener berühmten Umsetzungsgesuche gestellt und verabschieden sich in andere Bezirke oder wechseln an private Schulen über. 5% der Berliner Lehrer sind dauerkrank geschrieben, selbstverständlich kommen dazu noch die üblichen zeitweilig Kranken, so dass sich insgesamt an den Schulen ein Krankenstand von weit über 10 % ergeben kann.

Bei so einem hohen Kankenstand würden in jedem Unternehmen die Alarmglocken schrillen. Etwas stimmt dann im Betrieb nicht.

Mein Haupteindruck:  Die Berliner Lehrer an staatlichen Schulen werden zu wenig gewürdigt, ihnen wird zu wenig zugehört. Ein Recht, sich öffentlich zu melden, haben sie als einzelne nicht. Selbst einen Leserbrief über die Situation an Kreuzberger Schulen dürfen sie nicht schreiben, das wäre eine Verletzung des Dienstgeheimnisses. Ich kenne kaum eine Berufsgruppe, die so viel schlucken muss.

Aber es gibt ja die Gewerkschaften! Wie erklärt GEW-Vorsitzende Sigrid Baumgardt den hohen Krankenstand und die Abwanderung der Lehrer? Ihre Antwort steht heute – passend zu einem Gespräch mit Schulsenatorin Scheeres – in der Morgenpost auf S. 11. Demnach wären die Lehrer durch die vielen Reformen, durch erhöhte Dokumentationspflichten, durch mangelnde Verbeamtung und durch zu geringe Bezahlung unter Druck und würden dadurch krank.

Die GEW fordert also: Weniger Pflichtstunden, mehr Gehalt! So weit die eingängige, gut klingende Lösung der GEW. Ja, darin ist die GEW gut, so etwas zu fordern – zumal, da die Lehrer Schlange stehen, um endlich in Berlin arbeiten zu dürfen, und die Kassen der Stadt prall gefüllt sind! Es fehlt noch die Forderung nach kleineren Klassen, hüstel.

Ich würde die Senatorin Scheeres bitten, erst einmal von innen hinzusehen, hinzuhören und die einzelne Lehrerin, den einzelnen Lehrer zu fragen: „Was macht Sie krank?“

Die Senatorin würde dann andere Antworten bekommen als von der GEW. Weitere zielführende Fragen:

„Würde es Ihnen helfen, wenn Sie mehr Gehalt bekämen?“

Ich vermute: Die zahlreichen Dauererkankungen der Berliner Lehrer entspringen vor allem dem Schulalltag, dem Umgang mit den immer schwieriger werdenden Schülern und den immer schwieriger werdenden Eltern, verbunden mit dem Gefühl, vom Senat und der Schulpolitik verschaukelt zu werden und von den Gewerkschaften ebenfalls nicht vertreten zu werden. Manche Lehrer an den staatlichen Schulen Berlins haben offenkundig das Gefühl, auf verlorenem Posten zu kämpfen, als einzelne Persönlichkeiten einfach nicht wahrgenommen zu werden.

„Sind Sie wegen mangelnder Verbeamtung dauerkrank?“ Eine unsinnige Frage. Gerade verbeamtete Lehrer sind häufig dauerkrank.

Und die Situation an Kreuzberger und Neuköllner staatlichen Schulen? Ist und bleibt nicht so rosig, wie sie aus nötigem Zweckoptimismus zu Recht meist dargestellt werden muss. Ich meine: Über weite Strecken ist die Lage unhaltbar. Die wenigen Schüler ohne den richtigen Migrationshintergrund werden vielfach gnadenlos rausgedrängt oder rausgemobbt. Und da dies nicht offen diskutiert werden darf, weil dann sofort der Vorwurf des Rassismus oder der Islamophobie erhoben wird, schweigen viele Lehrer und flüchten in Dauer-Krankheit, oder sie stellen die berühmten Umsetzungsgesuche.  Erst kürzlich hat wieder ein kleines Häufchen von Schülern, die leider Deutsch als Muttersprache haben und dafür nichts können, eine vielgerühmte Kreuzberger Schule, an der nach Presseberichten alles gut läuft, geschlossen verlassen.

Not tut ein offenes Gespräch. An mangelnder Bezahlung werden die Lehrer nicht krank, auch nicht an zu hohen Arbeitszeiten.

Nur vertrauensvolle, nichtöffentliche und unter Datenschutz erfolgende Gespräche mit den kranken Lehrern, – bitte nicht mit der GEW oder sonstigen ihr eigenes Verbandssüppchen kochenden Funktionären –  können der Senatorin ein zutreffendes Bild über die Ursachen der vielen Dauer-Krankschreibungen liefern.

Machen Sie sich ein Bild, Frau Senatorin!

Lehrermangel – GEW fordert mehr Gehalt für Berliner Lehrer – Berlin Aktuell – Berliner Morgenpost – Berlin

 Posted by at 16:38
Feb. 062012
 

Immer wieder treffen wir armen Kreuzberger mit armen Kindern aus armen Familien zusammen,  also aus jenen Familien, um die sich Familienhelferinnen, Lehrerinnen, Polizistinnen, Richterinnen, Gefängnisbeamte usw. tagaus tagein kümmern. „Was machen wir zusammen? Warst du schon mal am Kreuzberg?“ Typische Antwort der armen Kinder: nein.

Der Erlebnis-Radius der armen Kinder aus Armutsfamilien hat sich oftmals auf eigene Playstation, eigenen Fernseher, eigenen Computer und eigenes Smartphone eingeengt.

Für Bewegung, für Erforschen der Umwelt, für kostenlose Vergnügungen wie etwa das Erklimmen des 1 km entfernten Kreuzbergs, für Erzählen, Lachen, Singen und Spielen fehlt im Leben der Armutskinder oft, – was?  Das Geld?

Große Erschütterung über den Tod der kleinen Zoe! Starb sie, weil sie aus einer armen Familie kommt?  Glaubt man den Politikerinnen, so könnte es so sein, dass sie starb, weil sie aus einer armen Familie kam. Lest das Interview:

Bezirksstadträtin Monika Herrmann: Risikofaktor Armut kann zu Verwahrlosung und Gewalt an Kindern führen – Berlin – Tagesspiegel

409 Millionen Euro für Einzelfallhilfe der Berliner Bezirke allein in 2010! In vielem trifft Stadträtin Herrmann den Nagel auf den Kopf, etwa in der Kritik an mangelnder Abstimmung der Stellen und in ihrem löblichen Verzicht auf ständiges Nachfordern für unseren Bezirk. In der Einschätzung des Risikofaktors „Armut“ ist ihr hingegen zu widersprechen.

Nicht materielle oder finanzielle Armut ist der Risikofaktor, sondern mit weitem Abstand der größte Risikofaktor ist die Vernachlässigung der Kinder durch die Eltern, die Trennung oder Scheidung der Eltern sowie das Fernbleiben, das Versagen oder die Flucht der Väter aus den Familien.

Viele Berliner Väter „platzieren“ ihre Frauen und Kinder ganz bewusst in der staatlichen Versorgung und machen sich aus dem Staub, lassen es dabei bewenden. Oder sie werden von den Müttern als entbehrliche Last gesehen und rausgeschmissen. Das habe ich selbst immer wieder gesehen, Familienhelferinnen, Fachkräfte der psychosozialen Versorgung und Lehrerinnen bestätigten es mir oft. Die gänzliche Abwesenheit oder das offenkundige Fehlverhalten der Väter und die daraus sich ergebende Überforderung der Mütter sind meines Erachtens die Wurzel der meisten Übel im Leben der Kinder, nicht die Arbeitslosigkeit, nicht das nur knapp ausreichende Geld und schon gar nicht Hartz IV. Es fehlt in unserer Gesellschaft insbesondere für Väter ein gutes Leitbild für die Familie.  Mancher Mann macht deshalb mehr oder minder, was er will und was ihm in den Kram passt. Gute Väter und gute Mütter braucht das Kind, dann kann man nach und nach die Familienhilfe zurückfahren – statt des exorbitant wachsenden Bedarfs an staatlichen Hilfsmaßnahmen in den letzten Jahren. Familienhilfe, Hilfen zur Erziehung, Einzelfallbetreuung werden stets nur marginale, wenngleich dringend nötige Korrekturen anbringen können. Die Stadt braucht gute Väter und  gute Elternpaare.

Es gibt keine Partei, die das zu sagen wagte. Schade. Schade für die armen Kinder.

 Posted by at 14:51
Jan. 212012
 

Weiterhin steuern wir das Schifflein der Singgruppe an unserer Lomonossow-Grundschule durch das mäandernde Band der Wochen. Ab kommender Woche treffen wir Eltern uns jeweils am Dienstag (nicht mehr am Montag), um mit den Kindern bekannte deutsche Lieder einzulernen, die wir meist  einem von einigen Ungarn herausgegebenen, in China gedruckten Buch „Deutsche Volkslieder“ entnehmen. Die Ungarn, die Chinesen, das sind offenbar zwei Völker, die noch deutsche Volkslieder singen und sie wertschätzen.

Eltern, die mit Kindern einfache alte Lieder singen! Fast die letzten der Art, dieses klamme Gefühl beschleicht mich manchmal.

Doch große Hoffnung flößen mir andere Stimmen ein, die vom hohen Wert des Singens für die Kinder ebenfalls überzeugt sind: die Lehrer, mit denen ich spreche, viele Eltern, mit denen ich spreche, die Wissenschaftler, die sich dazu äußern. Toll: Am Evangelischen Gymnasium am Grauen Kloster gibt es einen Elternchor, der zu Weihnachten das Weihnachtsoratorium von Bach aufführte. Klasse! Gestern sehr gutes Interview in der Berliner Morgenpost auf S. 17 mit dem Prof. Eckart Altenmüller. Ein paar Leitmotive:

„Kinder, die viel singen, haben ein besseres Sprachgefühl.“

„Singen im Chor ist auf Harmonie ausgerichtet, man geht aufeinander ein, hört auf den anderen.“

„Der gemeinschaftsbindende Charakter ist offenbar beim Singen besonders stark.“

„Singen stärkt das Immunsystem.“ Klasse, aber wovon leben dann die Immunologen, die sich doch darauf verlassen können müssen, dass die Zahl der Allergiker weiterhin steigt?  Sollen die alle zu Chorleitern umgeschult werden?

Ich bin überzeugt: Würden Kreuzberger Kita-Gruppen und Kreuzberger Grundschulklassen täglich zwei bis drei Mal ein gemeinsames Lied in deutscher Sprache in allen Strophen singen, zerstöben die niederschmetternden Sprech- und Sprachdefizite der Kreuzberger Kinder innerhalb weniger Jahre. Dass so viele Erwachsene, die hier in Kreuzberg geboren sind, hier aufgewachsen sind, hier die Kita und die Schule besucht haben, ihr Leben lang nur gebrochen Deutsch und kein Hochdeutsch reden geschweige denn schreiben, wäre ein Kapitel der Vergangenheit. Die zeitraubende Maschinerie der individuellen Sprachstandsmessungen würde weitgehend überflüssig.

Besonders erfreulich finde ich, dass es jetzt eine große Bewegung Klasse wir singen gibt, an der sich sogar Berliner Schulklassen beteiligen. Dort werden 16 Lieder – darunter Hey Pippi Langstrumpf, Der Mond ist aufgegangen, Morning has broken –   gemeinsam einstudiert und später bei einem viertausendstimmigen Konzert aufgeführt. Klasse. „Das Konzept sieht vor, dass sich Schulklassen geschlossen anmelden und sechs Wochen lang dazu verpflichten, mindestens ein Lied pro Tag während der Unterrichtszeit gemeinsam zu singen“, schrieb Annette Kuhn gestern in der Berliner Morgenpost auf S. 17.

Ein ermutigender erster Schritt auf dem Pilgerweg zu einer neuen Gesangs- und Sprachkultur. Klasse.

Bis 31. Januar 2012 können sich Schulklassen hier noch anmelden. Klasse. Macht es!

Interview: Eckart Altenmüller – „Singen stärkt das Immunsystem“ – Familie – Berliner Morgenpost – Berlin

 Posted by at 11:13
Nov. 262011
 

Als Berlins größtes politisches Problem benennt die BILD-Zeitung die  BILDUNG.

Unter dem Motto BILD DIR DEINE MEINUNG besuchte ich gestern und heute Tage der Offenen Tür an Berliner Schulen in freier Trägerschaft. Denn Schulen in freier Trägerschaft sind offensichtlich ein wichtiger Weg, um aus der gegenwärtigen Misere der senatsgeführten Schulen herauszukommen.

Gestern besuchte ich den Tag der Offenen Tür an der privaten deutsch-russischen Lomonossow-Grundschule.

Eine russische Mutter erhob sich in der Aussprache, nahm das Wort und führte aus, weshalb sie ihr Kind nach zwei Jahren von den staatlichen Schulen Berlins weggezogen habe. Mit schneidender Schärfe führte sie in russischer Sprache – unter dem beifälligen Kopfnicken aller Anwesenden – die Hauptargumente gegen die staatlichen Grundschulen Berlins aus. Ich weiß, dass viele Eltern in Gesprächen genau dieselben Beschwerden vorbringen, und gebe deshalb die folgenden Ausführungen mit Zustimmung Irina Potapenkos wider:

1) Es fehlt in Berlins staatlichen Grundschulen ein erkennbares Programm. Es ist für die Eltern nicht ersichtlich, womit sich die Kinder den lieben langen Tag beschäftigen. Den Kindern selbst ist es auch oft nicht ersichtlich.

2) Es fehlt ein inhaltlicher Kanon an Werten, Grundhaltungen und Tugenden. Den Kindern werden keine persönlichen Vorbilder vermittelt, sondern beliebige Angebote gemacht.

3) Einfache Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen und Malen werden in den ersten Grundschuljahren nicht ausreichend vermittelt. Die Kinder können beispielsweise am Ende der ersten zwei Grundschuljahre nicht das, was die Kinder in den Herkunftsländern nach zwei Jahren konnten: einfache Texte lesen, einfache Texte schreiben.

4) Die Kinder werden als Experimentierobjekte für pädagogische Neuerungen missbraucht. Dazu gehören das jahrgangsgemischte Lernen, das „Schreiben nach Gehör“, die Ganzwortmethode usw., die Verwischung der Rollendistanz zwischen Schüler und Lehrer, die Testeritis mit VERA usw.

5) Umgekehrt wird alles Bewährte über Bord geworfen. Die Kinder werden in einen kulturell leeren Raum hineinerzogen. Der vorherrschende Kulturrelativismus führt zu einer völligen Entkernung der deutschen Bildung, weshalb die Stärkung der Herkunftsidentität als Ausweg gesucht wird.  „Wenn schon die Deutschen nichts von ihrer klassischen Kultur und von sich erwarten, dann erziehen wir die Kinder eben nach türkischen, russischen, französischen, islamischen … Methoden und Werten.“

6) Je länger die Zuwanderer unter dem Berliner Schulsystem leiden, desto stärker klammern sie sich an der Herkunft fest.

7) Es fehlt an der Autorität des Lehrers. Die Kinder werden zuviel sich selbst überlassen. Die Disziplinprobleme überschreiten das erträgliche Maß.

8) Es fehlt an Leistungsanreizen. Die Abschaffung der Noten in den ersten Grundschuljahren bedeutet Laissez-faire ohne Ende, die Kinder werden nicht gefordert. Ihnen wird nichts zugetraut.

9) Es fehlt an Büchern, die durchgearbeitet werden. Deshalb fehlt es auch an Systematik. Der Lernfortschritt erfolgt zufällig. Kinder und Eltern haben oft das Gefühl, „sich im Kreis zu drehen“.

Die vorstehend angeführten Meinungen scheinen mir bei den allermeisten Eltern der Kinder mit Migrationshintergrund, die Berliner staatliche Grundschulen besucht haben und sich enttäuscht abwenden, vorzuherrschen.

Mangelnde materielle Ausstattung, fehlende Verbeamtung, „marode Turnhallen“, zu große Klassen usw., all die wortreichen Jeremiaden, mit denen die Deutschen und die deutschen Politiker über die staatlichen Schulen ablästern und herfallen, spielen in den Klagen der Eltern mit Migrationshintergrund erstaunlicherweise keine Rolle.

Es befremdet mich immer wieder, dass die Berliner Eltern mit Migrationshintergrund in der bildungspolitischen Debatte nicht erfasst werden.  Wer das große Wort führt, das sind die Deutschen und die wohlbesoldeten Standesvertreter der großen deutschen Lobbyverbände, die im wesentlichen ihre eigenen Klientel-Interessen verfolgen, egal ob sie nun GEW, TBB oder sonst irgendwie heißen.

Meinungsforschungsinstitute! Politiker! Ihr könntet ruhig einmal diese 9 oben aufgestellten Thesen der russischen Mutter einer Umfrage bei Eltern mit Migrationshintergund unterziehen. Die Frage müsste lauten: „Inwieweit stimmen Sie diesen Aussagen zu?“ Das Ergebnis wäre sicher überraschend.

Auf die neue Bildungssenatorin wartet jede Menge Arbeit!

Was tun? Zunächst gilt: Schulen in freier Trägerschaft wie etwa die deutsch-russische Lomonossow-Schule, Schulen in kirchlicher Trägerschaft bieten nach Ansicht der Eltern einen echten Ausweg aus dem beschriebenen Dilemma.

Darüber werden wir in den nächsten Beiträgen dieses Blogs berichten.

Koalitionsvertrag unterschrieben: Warum will keiner Berlins größtes Problem in die Hand nehmen? – Berlin – Bild.de

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„Wir werden das Recht durchsetzen“

 Familie, Kinder, Staatlichkeit  Kommentare deaktiviert für „Wir werden das Recht durchsetzen“
Nov. 242011
 

„Wenn das Quorum nicht erreicht wird, ist das Ausstiegsgesetz gescheitert. Die Bahn hat Baurecht, sie wird dann weiterbauen. Und wir werden das durchsetzen.“ So wird der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann heute auf S. 6 der Süddeutschen Zeitung zitiert. Großartig, ich bin begeistert. Endlich einmal ein Politiker, der sich klar und ohne die üblichen Verrenkungen dazu bekennt, den Rechtsstaat aktiv und mit Macht durchzusetzen!

Die Durchsetzung der demokratisch legitimierten Rechtsstaatlichkeit scheint mir eine unerlässliche Aufgabe der Politik zu sein.

Der Staat darf und muss von seinen Bürgern die Einhaltung der Gesetze verlangen. Der an die Menschenrechte gebundene Staat darf und muss den Menschen verbieten, andere Menschen zu verletzen, zu erpressen und zu töten. Darauf weist auch Gerd Held in einem sehr klugen Artikel in der WELT hin. „Der Staat muss das Recht durchsetzen.“  Die Ermordung von Menschen ist aus Sicht des Staates einer der schwesten Gesetzesbrüche, die Menschen überhaupt begehen können. Der Staat muss alles daran setzen, die Ermordung von Menschen zu verhindern und – sofern Morde geschehen sind – die Täter zu verfolgen und einer Strafe zuzuführen. Die Motive der Morde sind für dieses absolute „Mordverhinderungsgebot“ sekundär. „Mord bleibt Mord“, ob es nun ein Ehrenmord oder ein Neonazimord ist.

Rechte Gewalt: Es geht um den Machtrausch, nicht um Ideologie – Nachrichten Debatte – WELT ONLINE

Es wäre einmal interessant, in die Familiengeschichten der Täter hineinzuleuchten. Meine Vermutung ist: Sie kommen aus kaputten Familien, in denen es vor allem daran fehlte, Mitgefühl mit den Schwachen einzulernen, und in denen der Vater als Grenzensetzer fehlte. Wer so etwas macht, ist wohl nie richtig geliebt worden. Die Schlägertrupps sind wohl eine Art Familienersatz.

Empathie mit den Schwachen erwecken, das „Leiden der Opfer in die Seelen der Täter einzumassieren“, so beschreiben Anti-Gewalt-Trainer ihre Arbeit mit jugendlichen und erwachsenen  Gewalttätern, auch mit solchen vom rechten Rand.

Genau DAS kann Familie – wenn sie denn funktioniert.

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Nov. 232011
 
Der aktuelle SPIEGEL – er ist noch kein Springerblatt – berichtet ausführlich und genüsslich zustimmend aus der neuen Bertelsmann-Studie, dem „Deutschen Lernatlas 2011“. Den fast uneinholbaren Vorrang der Südstaaten Bayern und Baden-Württemberg (trotz oder wegen der jahrzehntelangen CDU/CSU-Herrschaft?) muss ich aufgrund eigener jahrzehntelanger Erfahrung bestätigen. Denn ich habe etwa 25 Jahre meines Lebens in Bayern und in Schwaben und den Rest im nördlichen Bundesland Berlin und im europäischen Ausland verbracht.

Es ist einfach so: Nicht nur in punkto Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Integration, Umweltschutz, sondern auch in punkto Bildung sind die beiden deutschen Südstaaten um Längen besser als wir Nordländer. Und sie füttern uns Berliner beispielsweise eifrig&solidarisch durch.

Wir sagen schon mal danke.

Wichtige Einsichten der SPIEGEL-Autoren: die Entkopplung von Lernen und materiellen Ressourcen. „Lernen kann man fast überall (S. 74).“ Die Lernkultur des deutschen Südens entsprang aus fortgesetzter Armut, aus der daraus entspringenden Tüchtigkeit, aus dem Fleiß, dem Zusammenhalt der Familien, aus dem Zwang zu sparen, aus der Notwendigkeit, sei „G’raffel“ oder „G’lump“ zusammenzuhalten.

 Posted by at 13:24